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Bekenntnis eines Rebellen Wann ich angefangen habe, ein Rebell zu sein, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich es immer noch bin. Als ich Gott verfluchte, war ich acht Jahre alt. Mit dem Rücken an der sonnenwarmen Gartenmauer und den Barfüßen in der ausgetrockneten Kandel wütete ich zornig hinauf zu dem Gott, der nicht den Mut hatte sich zu zeigen. Ich wollte ihn provozieren, den Opa mit dem wallenden Haar und dem weißen ehrfurchtheischenden Bart, ihm klar machen, dass ich nicht willig war, seine Allmacht anzuerkennen, bevor er sie durch eine gerechte Allmachtstat offenbarte. Ich hätte es hingenommen, wenn er mich, den rebellischen Wicht, mit seinem göttlichen Blitz zu einem Häufchen Asche zerbröselt hätte, war aber sicher, dass dies nicht geschehen würde, denn an seiner Allmacht zweifelte ich sehr. Trotzdem wollte ich ihn zwingen, sich als Machtmonster zu zeigen, falls er es denn war, die Verantwortung zu tragen für die Ungerechtigkeiten, die er mir angetan hatte, und überhaupt für alle Ungerechtigkeiten dieser Welt. Er zerschmetterte mich nicht. Das war mein Glück und Unglück zugleich. Denn wenn Gott nicht allmächtig war, konnte er auch die Ungerechtigkeiten der Welt nicht verhindern. An dieser Erkenntnis kann ein Achtjähriger verzweifeln.
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Seitenzahl: 136
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Meiner verstorbenen Frau Traude,
unseren Kindern: Peter, Ulrike, Anke und Carolin
und Enkeln: Carina und Erik
und allen Suchenden.
Alle Fragen sind zugelassen.
Fragen und Antworten bleiben unvollkommen.
Inhalt:
Ich will es tun
Liebe Leserinnen und Leser
Prolog
Der Sonnengesang nach Franz von Assisi
I Vom Sinn
Sinn des Lebens?
Vom Sinn des Lebens
Die Wahrnehmung des Menschseins
II Die Wesenheiten
Der rote Engel
Der Mensch ist Körper, Seele und Geist
Des Menschen Leib (Materie)
Scheues Wild (Die Seelen)
Des Menschen Seele
Gesang der Geister über den Wassern
Morgengrauen
Des Menschen Geist
III Die Wahrnehmung
Die Wahrnehmung
Unsere Wahrnehmungen
Die Welt des Geistes
Gesund gestärkt gesegnet
Künstliche Intelligenz ist nicht Geist
Wahrnehmung des Ichs
IV Das Wirken des Menschen
Das Wirken des Menschen
Wer stellt die Frage nach dem Ich
Epilog
Das Labyrinth
Metamorphose
Ich will es tun
(Nach einem Text von Albertus Magnus)
Keiner soll mir die Sinne
zerreden, bevor ich beginne.
Ich will es tun, Tag für Tag.
Mutig schreiten,
Berge ersteigen,
Ziele mit Bildern hellen,
Taten vor die Zweifel stellen,
in der Schwäche Antrieb finden
und Kraft, zu überwinden.
Lassen Sie sich verführen, eigene Einsichten zu gewinnen.
Liebe Leserin, lieber Leser
In diesem Buch komme ich zu Erkenntnissen, die ich auf meine Weise gewonnen habe. Wenn Sie zu anderen Ergebnissen kommen, seien Sie nachsichtig mit mir und gehen Sie mutig auf ihrem Weg weiter. Wir sind nicht alle nach dem gleichen Muster gestrickt. Was dem Einen Straße ist, mag dem Anderen Dickicht sein. Aus der Unvollkommenheit gibt es viele Wege zu dem Ziel, das als Vollendung im Unendlichen liegen mag. Haben Sie den Mut zu eigenen Erkenntnissen.
Gewiss, nicht allemal und jederzeit liegt das Bedürfnis nach neuen Erkenntnissen im Vordergrund. Dann legen Sie dieses Buch für eine Weile zur Seite. Lebensbedürfnissen sind Prioritäten einzuräumen. Die sind freilich auch veränderlich, und so mag es sich wieder bei Ihnen einfinden.
Meine bedeutsamste Erkenntnis ist, dass alles, was uns im Leben begegnet, im Zusammenhang mit der Schöpfung verstanden werden will. Was mit dem rechten Verlauf der Schöpfung vereinbar ist, ist auch gut. Alles andere bleibt unwichtig oder nicht befriedigend. Das Leben ist Werden. Und dieses Werden ist Beglückung. So war ich geneigt, diesem Buch den Titel „Philosophie des Werdens“ zu geben. Doch für diesen anspruchsvollen Titel bedürfte es weit mehr detaillierter Betrachtung, als mir möglich ist.
Paradoxon und Wahrheit begegnen sich im Unendlichen. Neue Weisheiten sind nicht in alten Büchern zu finden. Die mögen bestenfalls helfen, unsere Ausgangsposition zu bestimmen. Den Weg müssen wir selbst, oft alleine, gehen. „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde“, schreibt Hermann Hesse.
Eigene Erkenntnisse haben die Wucht, unsere Seelen zu prägen, zu bereichern und sind deshalb durch keine Weisheit aus Büchern zu ersetzen. Darin bin ich der Anthroposophie nahe. „Die Anthroposophen sind Philosophen der Anschauung und der Erkenntnis.“1 Hinweisend ist ein Zitat von Rudolf Steiner2: „So ist die Philosophie heute auf dem Holzwege, wenn sie das Erkennen nur untersucht in Bezug auf das Auffassen der Außenwelt. Denn das Wesentliche ist, dass das Erkennen eine im Menschen gestaltende Kraft ist und das andere geradezu als Nebenwirkung auftritt.“
Erkenntnisse, die wir aus innerer Einsicht finden, haben die Wucht, unsere Seelen zu prägen.
Ein waches Bewusstsein entwickelt und trainiert die Sensoren für die Lehren aus Erfahrungen. Wir ordnen uns, indem wir erkennen.
1 Ignaz Troxler, schweizerischer Arzt und Philosoph, 1780 - 1866 (Goetheanum 1-2/23)
2 Rudolf Steiner 1861-1925, Begründer der Anthroposophie
Prolog
„Glaubst du, dass ich in meinem Leben genug gelernt habe, um nun sterben zu können?“, fragte meine Frau Traude wenige Wochen vor ihrem Tod. Das hilft mir heute, meinen Weg zu gehen. Unserer Verbundenheit bin ich gerne verpflichtet. Es geht um Sein und Werden und um deren Wahrnehmung.
Philosophen, Gelehrte deren Werke freilich nur von wenigen Menschen gelesen werden, waren und sind klug und wissend. Dennoch ist es die einfache Wahrheit, dass vor allem eigenes Erkennen die Wucht hat, unsere Seelen zu formen und den Geist zu beflügeln.
Kluge alte Lehren werden oft wie Schätze gehütet, von Verwaltern aufbereitet, beschnitten oder verwässert weitergegeben. Doch Weisheiten müssen nachvollziehbar sein, im Leben bestätigt und nicht im Elfenbeinturm konserviert werden. Philosophie ist einfach, wenn sie uns in Erfahrungen des Lebens begegnet. In der naiven Unschuld der Kinder dürfen wir alle Fragen stellen. Dabei wird sie zugänglich, unseren Geist stärken und die Seele bereichern.
Ein waches Bewusstsein entwickelt und trainiert die Sensoren für die Lehren aus Erfahrungen. Es verinnerlicht und ordnet sie. Der Geist wiederum soll diese erweitern. Darauf kommt es an. Gerade in der Zeitenwende, wo Gewissheiten um die Dimension der Fragwürdigkeit erweitert werden müssen. Die traditionelle Physik lässt sich heute mit den Ergebnissen der Quantenphysik, insbesondere mit Werner Heisenbergs3 Unschärferelation nicht mehr vereinbaren. „Je exakter der Ort eines Teilchens erkannt wird, umso weniger genau ist sein Impuls zu bestimmen und umgekehrt.“4 Da verliert die Materie ihr ureigenstes Merkmal.
Ist die von Albert Einstein eingesetzte konstante Lichtgeschwindigkeit ein Hinweis auf die Entstehung der Stofflichkeit? Ist diese ohne Licht und dessen Bewegung gar nicht möglich?
Die Wissenschaft hat sich auf die Erforschung des Kleinsten eingelassen, und in den Ergebnissen finden wir immer neue Fragen. Auch das Größte, das Universum, können wir in keine konventionelle Physik einfügen. Die Unendlichkeit entzieht sich unserer Vorstellung und mag für die Vollkommenheit stehen, die auch ein Anfang für neue Dimensionen der Schöpfung sein kann.
Die Religionen haben versäumt, die Antworten der Physiker mit adäquaten Fragen an die geistige Welt zu stützen. Sie sind nicht mit der Zeit gegangen. Kleriker krallen sich an veraltete Antworten. Rechthaberisch klammern sie sich an Macht und Konventionen, vergessen dabei ihre eigentlichen Aufgaben. Erst wenn sie die Präsenz der geistigen Welt und die der Seelen mit ihren Kräften und Fragen in den Alltag der Menschen tragen, wird Religion wieder reflektiert und anerkannt werden. Wenn ihnen dies gelingt, ohne einen eigenen Machtanspruch abzuleiten, werden sie in westlichen demokratischen Ländern offene Türen finden. Das Bedürfnis nach dem Geistigen und Seelischen ist zwar nicht bei allen Menschen ausgeprägt, in seinen Ansätzen dennoch stets vorhanden.
Die Erforschung des Immateriellen braucht Ergebnisse, die sich in ein praktizierbares demokratisches Leben einfügen lassen. Unsere politische Machtstruktur, die Demokratie, braucht eine Form, in der sich der freie Wille mit unserer Verantwortung, der geistigen Welt und der angemessenen Ethik vereinbaren lässt. Sonst wird die Herrschaft des Volkes scheitern, zumal sie im vollen Umfang und im Grunde ihres Sinnes nie bestanden hat, denn Volksherrschaft wäre ja nur in einer direkten Basisdemokratie möglich. Der Zustand und die Probleme der heutigen Demokratien zeigen, dass wir schon am Abgrund stehen. Mehr und mehr wird den Bürgern die Macht aus der Hand genommen. Durch gewollt herbeigeführte Sachzwänge, Ängste und andere manipulierte Emotionen werden von den Machtstrategen mit ihren Meinungsmachern Situationen geschaffen, die ihre Entscheidungen als alternativlos erscheinen lassen. Mit einer Wahlrechtsreform werden nun direkt gewählte Abgeordnete zugunsten einer Kandidatenliste benachteiligt, die auch von einer nicht gewählten Administration aufgestellt werden kann. In einer bürgernahen Demokratie ist es genau umgekehrt. Da wird der direkt gewählte Kandidat vor den Listenplätzen stehen. Er ist gegenüber dem Wähler noch ohne Umweg verantwortlich, während der Listenkandidat einer oft interessenverseuchten Administration gerecht werden muss.
Wer ist vollkommen? Die Annahme, dass sich ein noch nicht vollkommener Weltgeist etabliert und als Universum materialisiert hat, ist nicht beweisbar, doch scheint sie empfindbar. Janusz Korczak5 sah Gott in Pflanzen, Tieren. Mineralien, in allen Dingen, und fand ihn suchend auch in sich selbst. Das Nichtwissen machte er bewusst zum Ausgangspunkt seiner Suche. Auch der heilige Franz von Assisi6 ist in seinem Sonnengesang diesem Empfinden nahe gekommen. Gerade in dem, was wir heute als naiv empfinden mögen, mag hohe Weisheit liegen.
Das Unvollkommene sucht Unübertrefflichkeit. Es ist dennoch möglich, dass dieser Weltengeist nach Vollkommenheit strebt und trotzdem destruktiv wirkt. Der vom Menschengeist getragene Zeitgeist bestimmt die aktuellen Ereignisse. In ihm gestalten unsere Auffassungen, bildhaften Vorstellungen und unser Wollen das Geschehen, insbesondere wenn sie von uns ausgesprochen oder als Annahme zugelassen werden. Daher sind alle Klagen gegen den Gott, der Kriege, Gewalt und Verbrechen zulässt und mit seiner Allmacht nicht verhindert, unzulässig. Er ist das unfehlbar Gute auf höchster Ebene. Die Verfügungen auf Erden werden vom Zeitgeist bestimmt und der lässt alles zu, was wir in unserem geistigen Bestand, vor allem in bildhaften Vorstellungen in unserer Seele zulassen. Esoterisch beflügelte Menschen haben zu allen Zeiten darauf hingewiesen, dass unsere Gedanken und unser Glaube Gestaltungskraft haben. Das müssen wir wissen. Vor diesem Hintergrund dürfen wir auch unsere Gebete einfügen.
Unsere Verantwortung greift nicht erst im Tun, sondern bereits im Denken, Sprechen und Empfinden. Das mag uns erschrecken, nachdenklich machen, einsam lassen. Unsere bildhaften Vorstellungen im Denken, Entscheiden Empfinden und Tun werden uns erlösen, wenn sie sich in Harmonie mit unseren Seelen finden.
Am Ende bleiben uns die Bescheidenheit und die Kraft des Glaubens an das VOLLKOMMENE GUTE, dem wir die Wesenheit Gottes zusprechen. Ist das der Ruf nach dem Allmächtigen, der uns die Verantwortung abnimmt? Er wird folgenlos verklingen. Unsere Gedanken und unser Wollen müssen wir selbst verantworten, soweit wir frei sind.
Gott hat uns den freien Willen gegeben und wir sind für die Ergebnisse unseres Denkens und Wollens sowie unserer bildhaften Vorstellungen verantwortlich. Deshalb ist es richtig, dass wir Zusammenhänge erkennen. Dies soll uns prägen. Die eigene Erkenntnis ist nicht nur ein Gewinn an Wissen, sondern eine wirkende Gestaltungskraft, die Vorstellungen weckt, den Geist beflügelt und die Seele bereichert.
Das Weltall dehnt sich aus. Es ist immer noch im Werden. Kann es sein, dass der Mensch seine Entfaltung als Krone der Schöpfung abgeschlossen hat? Liegt es nicht näher, uns als werdende Geschöpfe zu verstehen? Gewiss, diese Einsicht ist nicht bequem und verlangt Bescheidenheit. Als unvollkommene Menschen sind wir gefordert, zumal wir durch die rasanten Fortschritte in Technik und Wissenschaften täglich neue Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand bekommen. Diese Möglichkeiten sind die Freiheiten, die wir nutzen dürfen, sofern wir auch die zugehörige Verantwortung wahrnehmen. Wir essen die Frucht vom Baum des Wissens und sind aus Eden, dem Garten der Unschuld vertrieben, weil wir die Folgen unseres Handelns tragen müssen. Dem können wir nicht entgehen.
Verantwortung tragen ist freilich nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch ein Privileg.
3 Werner Heisenberg, 1901-1976, deutscher Physiker
4 Vereinfachte Beschreibung
5 Polnischer Arzt und Pädagoge, 1878-1942
6 Hl. Franziskus, 11821226
Der Sonnengesang
(in Anlehnung an Franz von Assisi)
Der Gesang von Schwester Sonne (Gesang der Geschöpfe)
*Höchster Herr, dein ist Ehre, Herrlichkeit, Lob und Segen.
Dir gebühren sie, wir sind nicht vollkommen, dich zu nennen.
*Gelobt seist DU in deinen Geschöpfen, besonders der
Schwester Sonne, die uns Licht schenkt, in dem Du leuchtest.
Schön ist sie, strahlend im Glanz, deinem Sinnbild.
*Gelobt seist DU für Bruder Mond und die Sterne. Den
Himmel hast DU uns gegeben, klar und schön.
*Gelobt seist DU für Bruder Wind, die Schwestern Luft und
Wolken und jegliches Wetter, in dem du uns bewahrst.
*Gelobt seist DU für das Wasser, das uns dient, den Leib
erfrischt und reinigt, kostbar ist und keusch.
*Gelobt seist DU für das Feuer, das uns wärmt und die Nacht
erhellt. Es bringt uns Freude, ist kraftvoll und stark.
*Gelobt seist DU für unsere Mutter Erde, die uns erhält, viel
fältige Früchte hervorbringt, Blumen und Kräuter.
*Gelobt seist DU für alle, die verzeihen um deiner Liebe wil
len, für jene, die Krankheit ertragen und Not.
*Gesegnet sind alle Tapferen, die ausharren in Frieden, denn
Du wirst sie krönen.
*Gelobt seist DU für unseren Bruder, den Tod, dem unser
Leib nicht entkommen kann. Lass uns sterben ohne Schuld.
*Gesegnet sind, die sich in deinem Geist und Willen finden.
Der Tod wird ihnen kein Leid antun.
Möglichkeiten sind die Freiheiten, die wir nutzen dürfen, sofern wir auch die zugehörige Verantwortung wahrnehmen.
Sinn des Lebens?
Spontane Antworten
sind nicht zugelassen,
wir würden verkümmern.
Bleibender Sinn sucht begrenzte Ziele,
unzulässige Endgültigkeit.
Kann uns die Liebe retten,
in die tröstende Ewigkeit,
trutzig im Flug des Lebens?
Ein unscharfes Bild
bleibt Stammeln,
macht neugierig,
stellt Fragen.
Vom Sinn des Lebens
„Ich will mein Leben genießen, Unterhaltung haben, mich an schönen Dingen erfreuen“, sagte mir eine Freundin, die sich dennoch erstaunlich intensiv für das politische und soziale Leben interessiert. Das „Leben genießen“ scheint sie, so wie es allgemein verstanden wird, nicht hinreichend zu befriedigen. Einem Bedürfnis folgend sucht sie vielmehr Lebensthemen, an denen sie Neues erfahren und sich engagieren kann. Ist Leben nicht auch das Bedürfnis zu werden, zu wachsen, zu erkennen und sich zu finden, sein Ich zu realisieren?
Hat unser Leben einen Sinn?
Die spontane Antwort mag vom „Nein“ bis zum überzeugten „Selbstverständlich“ reichen. Sie wird uns am Ende nicht befriedigen, solange sie keine alles umfassende Auskunft gibt. Wer nach dem Sinn fragt, fragt nach Zielen und Ergebnissen, die in der Zukunft liegen und die wir nicht kennen. Nicht in ihrer Endgültigkeit! „Den Sinn des Lebens finden wir nicht zwischen zwei Buchdeckeln. Vielleicht liegt er in der Ichfindung.“ 7
Und worin liegt der Sinn der Ichfindung, mag der Suchende weiter fragen und ahnen, dass auch diese Suche kein Ende kennt. Das Leben verändert uns. Wir erfahren es immer wieder neu. Als Teil der unvollendeten Schöpfung sind wir dem Wandel ausgesetzt.
Dem mag der Gottgläubige folgen. Der Atheist steht vor der Schöpfung, der er den Schöpfer abspricht. Also wird er sie, da sie nicht geleugnet werden kann, als eigendynamischen Prozess erklären. Einen Verursacher wird er nicht erkennen wollen, denn der müsste Gott sein. Allemal wird auch er sich als Teil der Schöpfung sehen.
Kann man aus Einsichten den allgemeingültigen Sinn des Lebens ableiten? Da fächert sich die unendliche Vielfalt der menschlichen Individualitäten auf. Bedürfnisse, Bescheidungen, Begabungen, Schwächen und Stärken, Erziehung und Vorgelebtes vermögen die Frage nach dem Sinn des Lebens zu relativieren, zu verwässern, zu trüben oder zu präzisieren. Wo vor wenigen Generationen noch Traditionen und Werte den Weg markierten und begrenzten, stehen wir heute in einem verwirrenden Labyrinth. Vielfältig öffnen sich die Möglichkeiten, mit denen das Werden zur unerreichbar bleibenden Vollkommenheit führt. So wird das Werden zum Ziel allen Lebens. Das mag zunächst einfach erscheinen. Die Sache wird komplizierter, wenn man sich darauf einlässt.
Im Werden ist das Gute wie Böse möglich. Ist es die Aufgabe des Menschen, die Schöpfung zum Guten zu lenken und vom Bösen abzuhalten, das Böse vom Guten zu unterscheiden? Der Gottgläubige wird die Antwort als Gottes Absicht anerkennen. Aber auch der Atheist wird sich der Aufgabe stellen müssen. Auch er bekennt sich zum Guten und meidet das Böse, das der Liebe im Wege steht.
Das Unheil beginnt mit der Bequemlichkeit, in der wir hinnehmen, dass uns unsoziale Kräfte die Krümel des Wohlstandes hinwerfen, um ihren eigenen Reichtum und ihre Macht zu sichern und endet in den Grausamkeiten des nur noch sich selbst erlebenden psychisch kranken Willkürherrschers. Die Demokratie als Mittel, um dies zu vermeiden, zerbricht an der Korruption einer Minderheit ebenso wie an der Nachlässigkeit einer Mehrheit. Von Anfang an wäre es die vornehmste Pflicht der Religionen gewesen, diesen Gleichgültigkeiten ein Wesen in Gestalt des vielfältigen Werdens entgegenzusetzen: das Gute, die Liebe, einen Gott.
Können wir Gott wahrnehmen? Ist es bei dieser Frage so, wie bei der Unschärferelation von Heisenberg, dass wir ihn nur in der Vorstellung finden können, in der wir ihn suchen? Sind es Ahnungen, die unsere Sensoren für die Beobachtung entwickeln? Unsere Sehnsucht nach dem Allmächtigen der uns die Verantwortung für das Geschehen in dieser Welt abnimmt, wird im Rahmen, in dem wir Wissende sind, unerfüllt bleiben.
Kann uns die Wahrnehmung Gottes überhaupt weiter helfen? Bestätigen wir erst in dieser Wahrnehmung seine Existenz? Wie viele und welche Erscheinungsgestalten hat dieser Gott? Welche davon lassen sich uns erschließen? Unser Geist mag ihn zumindest in zweifacher Weise finden:
Zum einen als geistiges Wesen des GUTEN EINZIG UNÜBERTREFFLICHEN, das wir durch unseren Glauben als Gott bestätigen. Das Unübertreffliche ist das gute Vollkommene, das sich nicht irrt, sich aber auch nicht bereitwillig offenbart, weil es in der Unendlichkeit liegt. Dieses Wesen sollen wir suchen, erkennen und wahrnehmen?!
Zum anderen als das UNÜBERTREFFLICH GUTE, das wir zu erkennen vermögen, verinnerlichen und in unser Leben einfügen, dem wir mit unserem Tun entsprechen wollen. Da wird das GUTE zum Gebot, das wir wahrnehmen, indem wir es befolgen. Das ist der "Gott" der Atheisten, dem diese freilich die Wesenheit und damit die Wirkkraft absprechen.
