Angel - Sam Jones - E-Book

Angel E-Book

Sam Jones

0,0
3,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Warum können Traummänner nicht einfach unter dem Weihnachtsbaum liegen?

Dean hat sein ewiges Singleleben satt, doch erst nach einem Umstyling und mit ein paar Kilo weniger fühlt er sich endlich bereit, die Initiative zu ergreifen. Ein Job bei der Agentur Your secret Wish scheint dafür das beste Sprungbrett. Auf der Suche nach dem Traummann würde er auf diesem Wege wenigstens jede Menge Abenteuer erleben.
Sein erster Kunde ist Chris, mit dem er den Weihnachtsurlaub in dessen Ferienhaus in den Bergen verbringen soll. Leider scheint der um einige Jahre ältere, aber äußerst attraktive Mann mehr an seinen eigenen Erinnerungen interessiert zu sein als an ihm.
Dean lässt sich jedoch nicht unterkriegen und legt sich mit jeder Menge Weihnachtszauber ins Zeug, um Chris auf andere Gedanken zu bringen.
Sein Plan geht auf und die Männer kommen sich näher, doch dann wird klar, dass beide erst ihre eigene Vergangenheit abschließen müssen, ehe sie sich ihrer Zukunft widmen können.

Die YOUR SECRET WISH - Reihe besteht aus in sich abgeschlossenen Romanen. In jedem Teil geht es um ein anderes Paar und es kann jedes Buch unabhängig von den anderen gelesen werden.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Widmung
Hinweis
Kurzbeschreibung
1 Kapitel
2 Kapitel
3 Kapitel
4 Kapitel
5 Kapitel
6 Kapitel
7 Kapitel
8 Kapitel
9 Kapitel
10 Kapitel
11 Kapitel
12 Kapitel
13 Kapitel
14 Kapitel
15 Kapitel
16 Kapitel
17 Kapitel
18 Kapitel
19 Kapitel
20 Kapitel
21 Kapitel
22 Kapitel
23 Kapitel
24 Kapitel
25 Kapitel
26 Kapitel
27 Kapitel
28 Kapitel Zusatzkapitel – Silvesterparty
Danksagung
Über die Autorin:

YOUR SECRET WISH – Angel

© 2023/ Sam Jones

https://samjones.at

Alle Rechte vorbehalten!

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Umschlaggestaltung:

Sam Jones/ Bilder: Adobe Stock

Bildmaterial Buchlayout

Shutterstock / Pixabay

Lektorat/ Korrektorat

Korrektorat Zeilenfuchs/ Ulrike Limacher

Erschienen im Selbstverlag

Impressum

Sam Jones

c/o WirFinden.Es

Naß und Hellie GbR

Kirchgasse 19

65817 Eppstein

Dieser Roman wurde unter Berücksichtigung der neuen deutschen Rechtschreibung verfasst, lektoriert und korrigiert. Es handelt sich um eine fiktive Geschichte. Orte, Events, Markennamen und Organisationen werden in einem fiktiven Zusammenhang verwendet. Alle Handlungen und Personen sind frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen und Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

Widmung

Für Ulrike!

Weil Deans Geschichte ohne dich nicht geschrieben worden wäre!

Hinweis

Auf meiner Homepage (https://www.samjones.at/Meine-Buecher/Triggerwarnungen/) findet ihr etwaige Triggerhinweise. Diese sind für Menschen gedacht, die sensibel auf bestimmte Inhalte reagieren, vielleicht weil sie selbst bestimmte Traumata erlebt haben. Sie können aber Spoiler enthalten.

Kurzbeschreibung

Warum können Traummänner nicht einfach unter dem Weihnachtsbaum liegen?

Dean hat sein ewiges Singleleben satt, doch erst nach einem Umstyling und mit ein paar Kilo weniger fühlt er sich endlich bereit, die Initiative zu ergreifen. Ein Job bei der Agentur Your secret Wish scheint dafür das beste Sprungbrett. Auf der Suche nach dem Traummann würde er auf diesem Wege wenigstens jede Menge Abenteuer erleben.

Sein erster Kunde ist Chris, mit dem er den Weihnachtsurlaub in dessen Ferienhaus in den Bergen verbringen soll. Leider scheint der um einige Jahre ältere, aber äußerst attraktive Mann mehr an seinen eigenen Erinnerungen interessiert zu sein als an ihm. Dean lässt sich jedoch nicht unterkriegen und legt sich mit jeder Menge Weihnachtszauber ins Zeug, um Chris auf andere Gedanken zu bringen. Sein Plan geht auf und die Männer kommen sich näher, doch dann wird klar, dass beide erst ihre eigene Vergangenheit abschließen müssen, ehe sie sich ihrer Zukunft widmen können.

1 Kapitel

Der Leuchtturm hob sich gleich einem Monument vom in rötlich-oranges Licht getauchten Abendhimmel ab. Als wäre es extra so arrangiert worden, tanzten große Schneeflocken durch die Luft. Zauberten das Flair eines Märchens und erschufen damit die perfekte Szenerie für die Anreise der Gäste. Es war Anfang Dezember und winterlich kalt. Somit passte das Wetter hervorragend zum Motto der heute stattfindenden Vorweihnachtsparty.

Von meinem Beobachtungsposten aus, der sich im gemütlichen, vom Kaminfeuer erwärmten Wohnsalon des Haupthauses befand, konnte ich natürlich leicht reden. Mir machte die Kälte draußen nichts aus, im Unterschied zu denjenigen, die da unten aus ihren Autos stiegen. Die froren sich wahrscheinlich ihre Hintern ab.

Dieser Gedanke weckte ein wenig das Gefühl in mir, etwas Besonderes zu sein, eine Empfindung, die ich nicht allzu oft verspürte. Ich war ein fünfundzwanzigjähriger, bis vor Kurzem ein bisschen zu rund geratener schwuler Mann in der sich einfach nicht entfalten wollenden Blüte seines Lebens. So empfand ich es zumindest und weil mir das überhaupt nicht gefiel, hatte ich beschlossen, noch in diesem Jahr eine entscheidende Wende herbeizuführen. Ein Ultimatum an mich selbst sozusagen, und zwar eines, das es in sich hatte, denn die Jahreswende rückte mit furchtbar großen Schritten näher. Somit blieb mir dazu nur mehr knapp ein Monat.

»Ich weiß nicht, ob ich mich jemals an dein neues Aussehen gewöhnen werde, und vor allem bin ich mir unsicher, ob ich das überhaupt möchte.« Louis, mein bester Freund, war an mich herangetreten, ohne dass ich sein Näherkommen bemerkt hatte.

»Dabei hast du es bezahlt«, konnte ich mir nicht verbeißen, was ein Schnauben seinerseits auslöste.

»Ethan und ich haben dir ein Wellnesswochenende inkl. Beautybehandlung geschenkt. Wer konnte denn ahnen, dass du als vollkommen anderer Mensch zurückkommst?« Seine Skepsis bezüglich meiner Typveränderung schwang überdeutlich in seiner Stimme mit. Was ich ihm ein wenig übel nahm. Er sah schließlich atemberaubend gut aus mit seinen fesselnden blauen Augen und den ewig wirren braunen Locken. Er wirkte niemals zurechtgemacht, nicht einmal wenn er auf der Bühne stand. Seine Schönheit besaß eine Echtheit, die kein Make-up oder andere stylishe Mittel notwendig zu haben schien.

Ich zog es vor, tief zu seufzen, statt zu antworten. Gleichzeitig suchte ich in der Spiegelung des Fensters mein eigenes Bild. Von der Färbung des hereinbrechenden Abends umschmeichelt, blickte es mir entgegen, und mir gefiel, was ich sah – auf jeden Fall war es um einiges besser als früher.

Aschblondes, etwas zu dünnes Haar war von silbern glänzenden Strähnen abgelöst worden. Lässig gestuft und somit auf interessante Weise wild hingen sie bis auf die Höhe meiner Ohren und dafür waren nur ein paar Extensions, Haarfarbe und Haarwachs notwendig gewesen.

Das Braun meiner Augen war nicht übel. Dunkel und in manchen Situationen geheimnisvoll schimmernd, trotzdem gab es einen bitteren Beigeschmack. Zu oft war ich mit Bambi verglichen worden, was möglicherweise von denjenigen, die mir diesen Stempel zu verpassen versucht hatten, nett gemeint gewesen war. Doch wie hieß es so schön: Nett gemeint ist die kleine Schwester von Scheiße. Bambi war vielleicht niedlich, aber niemand wollte dieses Rehlein ficken oder gar eine Beziehung mit ihm führen!

»Und wenn du nicht bald wieder zu essen beginnst, werde ich dir so eine Psychotussi auf den Hals hetzen. Mit Essstörungen ist nicht zu spaßen.« Louis hatte sein Kinn auf meine Schulter gelehnt und fixierte in der Fensterspiegelung meinen Blick. Seine Besorgnis war süß, aber sie nervte mittlerweile auch. Was verstand jemand mit praktisch angeborenem Sixpack schon von hartnäckig immer wiederkehrenden Speckpölsterchen?

»Es sind ein paar Pfund, die ich verloren habe, kein Grund, hier von Magersucht zu fantasieren«, gab ich entsprechend genervt zurück. Gut, es waren eher zwanzig, und die Zeit, in der ich sie weggehungert hatte, war kürzer als der normalerweise für so eine Abnahme empfohlene Zeitraum gewesen. Nur war mir das egal, wenn ich mir das Ergebnis ansah. Durch zusätzlichen, fast schon exzessiven Sport hatte ich endlich so etwas wie eine Figur, und die würde ich mir auf keinen Fall schlechtreden lassen.

Ich sah, wie er zu einer Erwiderung ansetzte, es sich aber letztendlich anders überlegte. Sein innerer Kampf glitt wie eine wellenförmige Bewegung der Emotionen über sein Gesicht, ehe er tief seufzte. »Ach, Mäuschen.« Seine Lippen schwebten neben meinem Ohr. »Du bist wunderschön. Außen, aber vor allem hier drin!« Er umarmte mich und legte seine rechte Hand über mein Herz.

Ein weiterer tiefer Atemstoß drängte aus meiner Brust. Früher hatte ich ihn so genannt. Also, Mäuschen. Damals, als er noch unsicher und verloren gewesen war. Bevor er Ethan getroffen hatte. Der hatte nach dem Tod seines Mannes allein mit dessen Schwester gelebt, die an einer bipolaren Störung litt. Die Geschichte seiner Ehe war kompliziert, genauso wie das Verhältnis zu Amy, wie seine Schwägerin hieß. Durch sie war das Happy End beinahe vereitelt worden, doch zum Glück hatte die Vorsehung aufseiten der zwei Süßen gestanden und so hatte am Ende ihre unendliche Liebe gesiegt. Was ich den beiden von Herzen gönnte, auch wenn ich sie trotzdem ehrlicherweise um diese Beziehung beneidete.

»Weißt du eigentlich, welches Glück du hast?«, fragte ich ihn, trotz der Gewissheit um die Nutzlosigkeit dieser Frage. Ich kannte die Antwort bereits, mein bester Freund war vieles, aber sicher nicht realitätsfremd oder undankbar.

»Kommen wir jetzt wieder mal auf das ewige Thema zurück, dass du ohne einen Wink des Schicksals niemals jemanden finden wirst?« Er neckte mich, das war ihm anzusehen. »Und du denkst, im spacig aussehenden Metallic-Kostüm wird das leichter, oder wie?«

Damit spielte er auf mein Outfit an. Der Anzug war aus schimmerndem Lurex-Jacquard-Stoff gefertigt und ja, er ähnelte ein wenig der Uniform eines Weltraumhelden. Ich ließ nur meine Zungenspitze vorschnellen, worauf Louis lachte. »Dein Schatz ist da draußen irgendwo, Mäuschen«, wisperte er dann, als handelte es sich um ein geheimes Versprechen. »Und vielleicht ist er gerade auf dem Weg nach Dawn Manor.«

Dawn Manor war der Name des Anwesens, auf dem wir uns befanden. Hier würde heute die wohl größte Vorweihnachtsfeier stattfinden, die die schwule Community in den letzten Jahren gesehen hatte. Es gehörte Ethan, Louis’ Lebensgefährten, und lag ein wenig außerhalb von Northport auf einem Kap, das wirkte, als wäre es extra dafür gezeichnet worden. Zwei Häuser und ein mysteriös schöner Leuchtturm standen auf diesem weitläufigen Grundstück, außerdem eine sieben Meter lange Garage. Darin wohnten Ethans Sportwagen sowie Louis’ Harley Romeo und seine sich mittlerweile im wohlverdienten Ruhestand befindliche Vespa Cindy. Dass die beiden Namen trugen, kam nicht von irgendwo. Mein bester Freund liebte es, Dingen Spitznamen zu verpassen, was wohl auf Ethan abgefärbt hatte. Also hatte der sein ewig namenloses Anwesen ebenfalls getauft: nach einem Callboy, der sein Herz erobert und damit sein Leben verändert hatte.

Die beiden hatten sich über die Agentur Your secret Wish kennengelernt. Was mancher für eine Callboy-Vermittlungsstelle hielt, war jedoch so viel mehr als das. Ihr Besitzer, der geheimnisvolle Major, hatte es sich zur Passion gemacht, die geheimen Wünsche seiner Kunden zu erfüllen. Und er war gut in dem, was er tat. Er hatte Ethan, einem vereinsamten, sich seinem vermeintlichen Schicksal ergebenen verwitweten Thrillerautor ein Licht geschickt, das seine seelische Dunkelheit vertrieben hatte. In Form von Louis – damals Dawn – der mittlerweile vom Teilzeit-Lover zum Rockstar aufgestiegen war. Beide hatten den Glauben an die Liebe verloren, aber ineinander wiedergefunden, was größer und besser war als alles, was sie zuvor erlebt hatten. Und das wollte ich auch oder zumindest ein kleines Stück davon.

»Kommt Constance heute eigentlich?« Ich bemühte mich um eine möglichst neutrale Stimme, was mir wohl eher schmählich gelang.

Louis’ Miene vereiste. »Hast du dir den immer noch nicht aus dem Kopf geschlagen?«

»Doch!«, entgegnete ich genervt, obwohl mir so erst recht anzuhören war, dass ich nicht vollends die Wahrheit sagte.

»Das würde ich dir auch raten«, erklärte er daraufhin – was übrigens nicht zum ersten Mal geschah. »Der ist sicher nicht der richtige für dich.«

Constance gehörte zur Agentur und war somit praktisch Louis’ ehemaliger Arbeitskollege. Ein Ausdruck, der nicht passte, weil sie sich eher wie eine Familie verhielten. Was auch erklärte, warum viele von den Jungs heute zur Party eingeladen waren.

»Wenn man vom Teufel spricht.« Louis ironisch klingende Stimme lenkte meinen Blick zum Terrassenaufgang, der von dem diffusen Licht zweier Laternen schwach erleuchtet wurde. Ein Schatten war dort aufgetaucht, dessen Form mir aufgeregtes Herzklopfen verpasste, weil er meinem von Louis als unpassend bezeichneten Schwarm gehörte.

Während die anderen Gäste sich an den Vordereingang hielten, nutzte Constance als Insider die Abkürzung über die Südterrasse. An seiner Seite ein zweiter Mann, den ich nach dem Durchforsten meiner innerlichen Namenskartei als Truth identifizierte. Ich würde wetten, dass die beiden etwas miteinander hatten – zumindest eine lockere Bettgeschichte – doch Louis weigerte sich, mich in diesem Punkt auf seinen Wissensstand zu bringen. Das war so ein seltsamer Ehrenkodex, der bei Your secret Wish herrschte. Die Vergangenheit der Jungs gehörte ihnen und auch alles andere, das privat bleiben sollte. Da half keine Schmeichelei, in dieser Hinsicht hatte ich null Chance zum inneren Kreis zu gehören. Vorläufig zumindest, dachte ich und mein Herz machte einen Sprung.

Seit Wochen oder eigentlich Monaten verbarg ich die Idee vor Louis, dass ich für den Major arbeiten wollte. Mein Job in einer kleinen Buchhandlung war nett, aber er erfüllte mich nicht mehr. Vielleicht war es auch so, dass mich andere Dinge reizten, so wie der Wunsch nach Sex. Oder einer Beziehung? Oder beidem?

Zumindest eines davon könnten mir Aufträge über die Agentur verschaffen. Eigentlich war es sogar Louis gewesen, der mir das angeboten hatte, als er für Your secret Wish gearbeitet hatte. Nur hatte ich mir das damals nicht zugetraut. Und jetzt, wo ich meiner Meinung nach die körperlichen Voraussetzungen mitbrachte, schien er diese Option kategorisch für mich auszuschließen. Dieses Gefühl gab er mir zumindest jedes einzelne Mal, wenn ich versucht hatte, das Thema in diese Richtung zu lenken.

Louis hatte nicht lange bei Your secret Wish gearbeitet, trotzdem waren ihm dessen Chef Rouven, der von allen nur der Major genannt wurde, und viele der dort arbeitenden Jungs ans Herz gewachsen. Wie sehr, zeigte die Tatsache, dass einige von ihnen seit seinem Ausscheiden aus der Agentur regelmäßig hierher zu Besuch kamen. Laut eigener Aussage waren sie so etwas wie seine zweite Familie geworden. Trotzdem hielt sich in mir das Gefühl, dass er das nicht für mich wollte.

»Warum willst du mich von der Agentur fernhalten?«, ließ ich meine Überlegung in einer allgemeinen Frage auf Louis los.

»Also geht es doch um Constance?« Er schaffte es nicht, seine Ablehnung zu verbergen.

Nein, wollte ich sagen, aber wieder war ich zu feige, auf das eigentliche Thema zu kommen. »Du weigerst dich, auch nur die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass ich genauso mein Glück finden könnte wie du?« Jetzt war ich sauer, und das durfte er ruhig merken.

»Denkst du, du würdest mit Constance dein Glück finden?«, blaffte er mich an, nun ebenfalls wütend.

»Selbst wenn nicht, dann wäre es zumindest ein Abenteuer?«, maulte ich, denn natürlich ahnte ich, dass er recht hatte. Ob er es nun mit Truth trieb und/oder mit seinen Kunden, Constance liebte Sex und hatte, nach eigenen Aussagen, nicht die Absicht, diese Liebe auf eine Person zu beschränken.

»Du bist nicht der Typ für Abenteuer. Und das weißt du!«, lautete die Antwort, die natürlich der Wahrheit entsprach. Aber ich war eben auch geil und Constance einfach …

»Geht’s schon wieder um diesen Typen?« Ethan war nun ebenfalls zu uns getreten. Er stand seinem Schatz in puncto Attraktivität in nichts nach. Ein wenig spiegelte er das typische Bild eines Autors wider, überhaupt, wenn er statt seiner Kontaktlinsen seine dunkel gerahmte Brille trug, so wie heute. Nicht, dass sie ihm nicht stand, ganz im Gegenteil, denn sie harmonierte perfekt mit seinen blau-grauen Augen und seinem schwarzen, an den Seiten allerdings schon leicht grau melierten Haar. Obwohl der Altersunterschied zwischen ihm und Louis deutlich erkennbar war, würde niemand auf die Idee kommen, sie nicht als das perfekte Paar zu bezeichnen. Weil sie einander ergänzten, auf die wundervollste Weise.

»Seit seiner Wandlung zum Elfenkönig von Maine meint er ein Draufgänger zu sein«, murrte Louis, bekam jedoch weiche Gesichtszüge, als sein Mann ihn rücklings umarmte und an sich zog.

»Ich weiß, dass du bei unserem Kleinen zur Löwen-Mom mutierst, aber wie heißt es so schön, man muss die Kinder ihre eigenen Erfahrungen sammeln lassen.«

»Ich bin kein Kind. In Wahrheit bin ich sogar ein paar Monate älter als Louis«, ereiferte ich mich, dankte Ethan aber mittels eines Lächelns für seine Unterstützung.

»Dann mach doch, was du willst. Ich begrüße jetzt unsere Gäste!« Louis drückte sich kurz an Ethan und eilte davon.

Und ich warf einen letzten sehnsuchtsvollen Blick auf Constance, ehe der um die Ecke bog und aus meinem Sichtfeld verschwand.

2 Kapitel

Vom Erkerfenster aus beobachtete ich, wie Louis nach draußen kam und sich auf die Gäste zubewegte. Ich bewunderte ihn für die Souveränität, mit der er agierte. Er hatte sich perfekt in seine Rolle als Gastgeber eingefunden. Das hier war sein Heim, und in meiner Brust stach es ein wenig. Nicht aus Neid, eher weil ich mir so sehr wünschte, ebenfalls irgendwann wieder ein Zuhause zu finden.

Ich wohnte immer noch in dem kleinen Apartment in Brooks, offiziell zumindest. Inoffiziell hatte ich längst Quartier im Gästehaus bezogen, wie das zweite Haus auf dem Grundstück genannt wurde, in dem früher Amy, Ethans Schwägerin gewohnt hatte. Louis war mein Nachbar gewesen, damals in Brooks, oder ich eigentlich der seine, denn ich war nach ihm dort eingezogen. Wir hatten uns schnell angefreundet und schon da hatte sich gezeigt, dass ich neben emotionaler eben auch reale Nähe bevorzugte. Als seinen eigenen Apartment-Besetzer hatte Lou mich damals gerne bezeichnet, und es gab kaum Argumentation dagegen. Ich war tatsächlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit bei ihm untergeschlüpft und als er zu Ethan gezogen war, hatte er mich irgendwie mitgenommen.

»Stört es dich eigentlich, dass ich so oft hier bin?« Ich lugte zu Ethan, der sich neben mich auf die Fensterbank gesetzt hatte.

»Nein. Du gehörst doch zur Familie.«

Die Selbstverständlichkeit, mit der er das sagte, stieg warm in meiner Brust auf. Ich sandte ihm ein Lächeln, das er sofort erwiderte.

»Und das ist auch ein Teil von Louis’ – unserer – Familie.«

Womit er die Agentur-Jungs meinte, die nach und nach eintrafen. »Nur würde ich für sie kein Haus zur Verfügung stellen.«

Ich nahm das Lob, das es ja eigentlich für mich war, mit einem Schmunzeln an.

Ethan verschränkte die Arme und lehnte sich neben mir auf das Fensterbrett. »Kennst du eigentlich die richtigen Namen von allen?«, fragte er mich.

Die Jungs der Agentur übten ihre Jobs unter sogenannten Nicknamen aus, um die Anonymität zu wahren. Es gab harmlose Begleitjobs, aber mitunter auch Aufträge mit ziemlicher Brisanz. Wie weit jeder ging, konnten sie selbst bestimmen. Nichts passierte gegen den eigenen Willen. Der Major war brillant darin, die passenden Menschen zusammenzuspannen. Sprich, er fand eigentlich immer den richtigen Deckel zum entsprechenden Topf und in mehr als einem Fall hatten seine Spielchen – wie Louis sie gerne nannte – am Ende ein glückliches Paar hervorgebracht. Ich fragte mich oft, ob er im eigentlichen Sinn nicht einfach nur Menschen zusammenbringen wollte. Die Agentur fungierte dabei praktisch als Mittel zum Zweck und nicht umgekehrt.

»Nur von einigen wenigen. Und du?« Ich warf Ethan einen fragenden Blick zu.

»Ich weiß, dass der Major Rouven heißt, aber ansonsten …« Er zuckte vielsagend mit den Schultern.

»Müssen wir heute die Nicknamen verwenden? Wenn nicht, könnten wir die Feier dazu nutzen, die richtigen Namen herauszufinden«, schlug ich vor, spürte, wie ein gewisser Eifer in mir aufkam, den Ethan jedoch rasch wieder zu bremsen wusste.

»Ich weiß nicht. Unsere Gästeschar ist bunt gemixt und somit sind auch einige Außenstehende dabei. Louis hat die Anonymität, die ihm die Agentur geboten hat, sehr geschätzt, und ich muss sagen, ich habe das als Kunde ebenso empfunden. Und nachdem sowohl Agenturmitarbeiter als auch unsere privaten Freunde hier sein werden, sollten wir einfach akzeptieren, wie jeder das gerne möchte.«

»Da hast du recht.« In solchen Situationen wurde klar, wie naiv ich in manchen Dingen war, wenn Ethan mir das auch niemals vorgehalten hätte.

Er lächelte mich an, als wollte er mir genau das zeigen. »Irgendwie ist es ja heiß, Louis einen Abend lang wieder Dawn zu nennen.«

Ich musste grinsen, weil ihm einfach zu deutlich anzusehen war, wie sehr er immer noch auf meinen besten Freund stand. Das war etwas, was ich als wahnsinnig wichtig sah: Jemanden zu lieben genügte nicht, der Reiz aneinander musste erhalten bleiben, ansonsten hatten es Probleme zu leicht, eine Beziehung zu stören oder sogar zu zerstören.

»Dann sollten wir uns für dich ebenfalls einen Namen ausdenken?«, gab ich neckisch zu bedenken.

»Wie wäre es mit Book?« Louis war zurück, an seiner Seite Constance, der mir einen eindringlichen Blick schenkte. Gefolgt von einem »Wow«, das seine schönen, vollen Lippen langsam und gekonnt sinnlich formten. Danach erklang ein dreifacher Pfiff. »Du. Siehst. Fantastisch. Aus. Dean!«

»Findest du?« Mein schüchterner Tonfall kam wie von selbst, dieser Typ war einfach zu heiß.

Was er wusste, zumindest deutete ich das etwas selbstgefällige Grinsen so. »Auf jeden Fall«, bekräftigte er, während Louis, der neben ihn getreten war, mit den Augen rollte.

Natürlich nahm ich an, dass diese Geste eher eine Kritik an Constances Verhalten darstellte als an meiner Reaktion, aber völlig sicher war ich mir nicht.

Mit verkniffenem Blick wandte sich Louis an seinen ehemaligen Kollegen. »Was hatten wir besprochen?«

Sein Einwand wurde von einem selbstsicheren Lächeln quittiert. »Ganz ruhig, Dawn. Niemand tut deinem kleinen Angel etwas.«

»Angel?«, hakte ich nach.

Constance strahlte mich an. »Klar. Du brauchst doch auch einen Namen für heute und ganz ehrlich …« Er griff sich meine Hände und zog mich hoch und anschließend mit sich, sodass wir uns kurz um unsere eigene Achse drehten. »Du siehst doch wirklich wie ein Engel aus. Wie ein Christmas-Angel.«

Mein Herz sprang mir fast aus der Brust. Denn obwohl man in Anbetracht von Constances weithin bekanntem lockeren Lebensstil annehmen musste, er würde mir nur schmeicheln, um mich ins Bett zu bekommen, erkannte ich die Ernsthaftigkeit hinter seiner Aussage. Und die Zuneigung, die er mir offensichtlich entgegenbrachte. Nur dass es eben keine Liebe war. Nicht einmal eine Verliebtheit, und genau das spürte mein mich ewig beschützten wollender Freund ebenfalls.

Louis seufzte. »Dean verdient die richtig große Liebe«, sagte er leise und voller Hoffnung, die mir Wärme in die Brust zauberte.

Constance wurde ernst, wenn seine Gesichtszüge auch freundlich blieben. »Angel verdient einen Traummann!«

»Und du?«, musste ich einfach fragen.

»Für manche bleiben Traummänner eben immer nur Träume«, antwortete er und für einen Moment legte sich die Schwere der Realität über uns. Ich kannte seine Geschichte nicht, aber ich spürte, dass sie, wie bei den meisten, ein Grund war, warum er bei Your secret Wish gelandet war. Viele hielten die Agentur für einen gewöhnlichen Escort-Service, doch das war weit von der Wahrheit entfernt. Sie war eine Heimat für einsame Herzen. Solche, die gebrochen waren oder die suchten. Aber das Schönste, was Your secret Wish bot, war eine Familie. Eine, die nicht urteilte, sondern einfach da war, jedes einzelne Mal, wenn man ihre Geborgenheit brauchte.

Davon wollte ich ein Teil werden, am besten noch heute, im Notfall gegen den Willen meines sturen Freundes. Was mich wieder auf meinen Plan brachte beziehungsweise das Ultimatum an mich selbst und mir die folgende Frage auf die Lippen schickte. »Wann kommt denn der Major?«

Ich lehnte mit vor Aufregung wild pochendem Herzen an einer der vier Bars, die für den heutigen Abend aufgestellt worden waren. Es war unfassbar, wie viele absolut heiße Männer um mich herum schwebten, und ich fühlte mich ein bisschen wie im Gay-Himmel. Die unterschiedlichsten Namen, als Echo der schier endlos anmutenden Begrüßungsszene, tanzten durch meinen Kopf. Nur ein paar wenige hatten es geschafft, sich gemeinsam mit dem dazugehörigen Bild in meinem Hirn abzuspeichern.

Constance war ja schon länger in meiner Datenbank eingepflegt, obwohl sein Name mir, ob seiner weiblichen Herkunft, immer noch suspekt vorkam. Vor allem deshalb, weil er einfach unfassbar männlich und sexy war, trotz oder vielleicht sogar wegen seiner schlanken, aber durch und durch muskulösen Figur. Immer wieder blickte er zu mir herüber, was meine Wangen regelmäßig aufheizte. Wie zur Hölle konnte ich diese Schüchternheit in den Griff bekommen?

»Dean!« Die melodiöse Stimme, die nun an mein Ohr drang, löste eine Gänsehaut aus. Immer noch war ich mir unsicher, was ich von dem Major halten sollte. Ein Mann, der manchmal Frauenkleider trug, eindeutig auf schöne Männer stand, aber offensichtlich ein ewiger Single zu bleiben gedachte. Ihn einzuordnen schien unmöglich, und ich war mir ziemlich sicher, dass genau das in Rouvens Absicht lag. Niemand sollte ihn in eine Schublade stecken – gut, soweit war ich ganz seiner Meinung.

»Es ist schön, dich zu sehen, mein Lieber. Unglaublich, was Louis und Ethan hier auf die Beine gestellt haben.« Rouven sah sich aufmerksam und anerkennend nickend um.

»Ich dachte, wir sollen hier alle bei den Nicknamen bleiben?« Kaum ausgesprochen fiel mir mein Eigener ein. Also der, den Constance mir vorhin verpasst hatte.

»Um Fehler zu vermeiden, wäre das wohl am besten. Ich muss allerdings sagen, dass ich mich so sicher fühle, dass ich es mir erlauben kann, immer wieder zu switchen.«

Ich stimmte Rouvens Antwort zu. Wenn ich an etwas niemals zweifeln würde, dann an der Souveränität, mit der der Major agierte. »Constance meinte, Angel würde zu mir passen?« Ich ließ es wie eine Frage klingen, weil ich im Grunde auch noch nicht davon überzeugt war.

Für einen Moment legte sich eine Denkermiene über das bisher nur freundlich lächelnde Gesicht meines Gegenübers. »Angel?«

»Wegen der silbernen Haare.« Ich fuhr mir durch meine nun wirklich dichte Mähne.

»Natürlich.« Rouven schmunzelte. »Oder Bambi. Deinem scheuen Blick geschuldet, in dem dunkelbraune, tiefe Schönheit schlummert.«

Nun verdrehte ich die Augen, musste aber ebenfalls grinsen. »Also schüchtern möchte ich eher nicht rüberkommen.«

»Warum nicht?« Des Majors Lächeln vertiefte sich. »Du darfst nicht vergessen, jeder hat andere Vorlieben. In den nächsten Stunden werden sich hier eine Menge potenzielle Kandidaten für dein Herz versammeln, und möglicherweise sucht jemand genau einen so zurückhaltenden, liebevollen jungen Mann, wie du einer bist.«

Meine Wangen flammten auf. »Wer mich kennt, nennt mich eher vorlaut und quirlig.«

»Wer dich kennt…«, murmelte Rouven, gönnte sich eine mit leisem Brummen untermalte Pause, ehe er weitersprach. »Meiner Erfahrung nach glauben viele zu schnell, jemanden zu kennen. Deshalb neige ich dazu, näher hinzusehen, zuzuhören und die Farbe der Seele der Menschen zu ergründen. Sie sagt mehr aus als die Oberfläche, die den meisten jedoch leider als Basis für Urteile dient.«

»Ganz ehrlich. Bei dir bin ich mir nicht sicher, ob es für mich von Vorteil wäre, wenn du genauer hinsiehst.« Ich lächelte, doch der Ernst hinter meiner scherzhaft präsentierten Aussage schwebte deutlich zwischen uns wie ein langsam aufkommender Nebel.

»Deine Seele gleicht einem silbernen Wolkengespinst, das von glitzerndem Tau zum Glänzen gebracht wird. Man sieht den Schatz, der zu sein dir bestimmt ist. Du besitzt ein starkes Herz, das aber leider bisher nicht in der Lage war, sich in den schützenden goldenen Mantel zu hüllen, den es zu brauchen glaubt. Dabei wartet die Sonne nur darauf, es zu wärmen. So sehr, dass kein anderer Schutz mehr nötig sein wird.«

Ich registrierte, dass mir der Mund etwas offenstand, nachdem der Major geendet hatte. Wie schon so oft waren dessen Worte einem beschwörenden Singsang gleich auf mich eingeströmt und hatten mich mit dieser eigenartigen Ruhe erfüllt, die die Auflösung eines Geheimnisses versprach.

»Du musst nichts sagen, Dean.« Sanft wie eine Liebkosung, aber ohne jeden Anflug von Anzüglichkeit hauchte der Major einen Kuss auf meine Wange. »Mein Herz hat schon vor längerer Zeit gehört, was es hören musste.« Dann drehte er ab und entfernte sich in Richtung einer kleinen Gruppe Männer, die ein wenig abseitsstanden. Einer davon war Constance. Sein Blick streifte mich kurz, ein Lächeln folgte, doch ehe ich es erwidern konnte, trat Louis mit einem amüsierten »Der Major hat echt einen Narren an dir gefressen« auf mich zu. Er lehnte sich lässig mit verschränkten Armen neben mich. »Und Constance auch.« Letzteres klang nicht ganz so begeistert.

Seufzend beschloss ich, einen kleinen Vorstoß zu wagen. »Denkst du immer noch, er würde mich nehmen?«, erkundigte ich mich leise.

»Für eine Nacht, ja. Aber ich bin eben auch überzeugt, dass dich das nicht glücklich machen würde.«

Zuerst war ich perplex, dann ging mir auf, dass er da etwas missverstanden hatte. »Der Major, nicht Constance«, konkretisierte ich daher.

»Der Major soll dich nehmen?«

Nun schien er endgültig verwirrt, was mich nervte. »Du hast mal gesagt, ich könnte mich bewerben. Bei der Agentur«, erinnerte ich ihn an ein länger zurückliegendes Gespräch, das Louis jedoch wohl nicht mehr im Kopf hatte, zumindest nicht detailgetreu.

»In welchem Zusammenhang soll ich das gesagt haben?«

---ENDE DER LESEPROBE---