Armageddon - Das jüngste Gericht - Helga Geerkens - E-Book

Armageddon - Das jüngste Gericht E-Book

Helga Geerkens

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Beschreibung

Hans Schimmelpfennig ist vierzig Jahre alt, kommt aus München und wird, nachdem er über einen langen Zeitraum viele Leute beim Online-Glücksspiel um sehr viel Geld betrogen hat, nach tagelanger Folter brutal ermordet. Die Polizei findet ihn in einer übel riechenden Abwassergrube im hinteren Teil einer Lagerhalle in der Nähe des Frankfurter Flughafens. Hans Schimmelpfennig hatte nach seinem Studienabschluss in Betriebswirtschaft bei der Deutschen Bank gearbeitet. In der Immobilienabteilung und im Controlling, wo er nicht schlecht verdient hat. Erheblich größere Summen erzielte er allerdings durch Online-Glücksspiele. Moritz König ist vierzig Jahre alt, stammt aus Wiesbaden und ist Biochemiker. Seine Familie ist ziemlich reich. Moritz König ist einer der Haupterben des Großunternehmers Harald König. Sein Anteil am Erbe seines Vaters hatte einmal einen Wert von etwa zwölf Milliarden Euro. Insgesamt würde sein Vater Harald mehr als Hundert Milliarden hinterlassen. Moritz König wäre immer noch reich, hätte er sich nicht am Online-Glücksspiel des Hans Schimmelpfennig beteiligt. Da er aber spätestens seit dem Studienabschluss am Glücksspiel teilgenommen hatte, hatte er im Laufe der Jahre den größten Teil seines Erbes bereits erhalten und verzockt, bis ihm der Verdacht kam, dass jemand die Spiele manipuliert hatte und er bei seinen Recherchen auf einen der Aliasnamen des Hans Schimmelpfennig stieß. Wegen dieser Zusammenhänge vermutet Hauptkommissar Simon Fromm, der die Frankfurter Mordkommission leitet, die den Mord an Hans Schimmelpfennig aufklären muss, Moritz König habe etwas mit der Tat zu tun. Zumindest hatte er ein starkes Motiv gehabt, hatte er doch sehr viel Geld verloren. Nach monatelanger Ermittlungsarbeit war Simon Fromm ziemlich sicher, in Moritz König den Täter gefunden zu haben. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage. Der Prozess gegen Moritz König beim Landgericht dauerte mehrere Monate. Nach insgesamt fünfundzwanzig Verhandlungstagen wurde Moritz König freigesprochen. Die Richter hatten Zweifel an der Schuld des Moritz König. Das Urteil wird rechtskräftig. Drei Jahre später gesteht Moritz König gegenüber einem Freund die damalige Tat. Als die Polizei ihn dazu vernimmt, bestreitet Moritz König das Geständnis. Dieser Freund verunglückt danach tödlich, bevor ein erneutes Strafverfahren eingeleitet werden kann.

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Seitenzahl: 257

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Helga Geerkens

Armageddon - Das jüngste Gericht

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1. Kap.: Einleitung: Der Bachelor

2. Kap.: Rückblick: Wie alles begann

3. Kap.: Der Mord

4. Kap.: Moritz König

5. Kap.: Der Bankangestellte Hans Schimmelpfennig

6. Kap.: Rückblick: Moritz Königs Spielerkarriere

7. Kap.: Die Ermittlungen der Mordkommission

8. Kap: Rückblick: Moritz Königs Recherchen

9. Kap.: Die Manipulationen

10. Kap.: Weitere Ermittlungen der Polizei

11. Kap.: Das Umfeld des Opfers

12. Kap.: Moritz unter Verdacht

13. Kap.: Lückenlose Beweisführung

14. Kap.: Das gekaufte Alibi

15. Kap.: Anordnung der Untersuchungshaft

16. Kap.: Die Anklage

17. Kap.: Der Prozess beginnt

18. Kap.: Unabsehbare Wendung im Prozess

19. Kap.: Das verschwundene Fahrzeug

20. Kap.: Der Haftbefehl wird aufgehoben

21. Kap.: Ein Freispruch für Moritz König?

22. Kap.: Die Fortsetzung des Prozesses

23. Kap.: Das Urteil

24. Kap.: Moritz will sein Geld zurück

25. Kap.: Leni Kaltenbach recherchiert

26. Kap.: Das späte Geständnis

27. Kap.: Lennard will zur Polizei

28. Kap.: Fortführung der Ermittlungen

29. Kap.: Die Wiederaufnahme

30. Kap.: Moritz erneut in Haft

31. Kap.: Ne bis in idem

32. Kap.: Erneuter Freispruch

33. Kap.: Ungerecht

34. Kap.: Das jüngste Gericht

35. Kap.: Die Wiederauferstehung

Impressum neobooks

1. Kap.: Einleitung: Der Bachelor

Armageddon - Das jüngste Gericht

Helga Geerkens

Roman 2025

Inhalt (Zusammenfassung)

Hans Schimmelpfennig ist vierzig Jahre alt, kommt aus München und wird, nachdem er über einen langen Zeitraum viele Leute beim Online-Glücksspiel um sehr viel Geld betrogen hat, nach tagelanger Folter brutal ermordet. Die Polizei findet ihn in einer übel riechenden Abwassergrube im hinteren Teil einer Lagerhalle in der Nähe des Frankfurter Flughafens. Hans Schimmelpfennig hatte nach seinem Studienabschluss in Betriebswirtschaft bei der Deutschen Bank gearbeitet. In der Immobilienabteilung und im Controlling, wo er nicht schlecht verdient hat. Erheblich größere Summen erzielte er allerdings durch Online-Glücksspiele.

Moritz König ist vierzig Jahre alt, stammt aus Wiesbaden und ist Biochemiker. Seine Familie ist ziemlich reich. Moritz König ist einer der Haupterben des Großunternehmers Harald König. Sein Anteil am Erbe seines Vaters hatte einmal einen Wert von etwa zwölf Milliarden Euro. Insgesamt würde sein Vater Harald mehr als Hundert Milliarden hinterlassen.

Moritz König wäre immer noch reich, hätte er sich nicht am Online-Glücksspiel des Hans Schimmelpfennig beteiligt. Da er aber spätestens seit dem Studienabschluss am Glücksspiel teilgenommen hatte, hatte er im Laufe der Jahre den größten Teil seines Erbes bereits erhalten und verzockt, bis ihm der Verdacht kam, dass jemand die Spiele manipuliert hatte und er bei seinen Recherchen auf einen der Aliasnamen des Hans Schimmelpfennig stieß.

Wegen dieser Zusammenhänge vermutet Hauptkommissar Simon Fromm, der die Frankfurter Mordkommission leitet, die den Mord an Hans Schimmelpfennig aufklären muss, Moritz König habe etwas mit der Tat zu tun. Zumindest hatte er ein starkes Motiv gehabt, hatte er doch sehr viel Geld verloren.

Nach monatelanger Ermittlungsarbeit war Simon Fromm ziemlich sicher, in Moritz König den Täter gefunden zu haben. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage. Der Prozess gegen Moritz König beim Landgericht dauerte mehrere Monate. Nach insgesamt fünfundzwanzig Verhandlungstagen wurde Moritz König freigesprochen. Die Richter hatten Zweifel an der Schuld des Moritz König. Das Urteil wird rechtskräftig.

Drei Jahre später gesteht Moritz König gegenüber einem Freund die damalige Tat. Als die Polizei ihn dazu vernimmt, bestreitet Moritz König das Geständnis. Dieser Freund verunglückt danach tödlich, bevor ein erneutes Strafverfahren eingeleitet werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Der Betriebswirt Hans Schimmelpfennig, 25 Jahre alt, hat soeben sein Studium der Betriebswirtschaft an der Universität München mit dem Bachelor abgeschlossen. Zehn Semester lang hat er studiert. Und nun hat er den Bachelor of Science. Nicht mit der Bestnote, aber immerhin erfolgreich. Nun will er sich eine gut dotierte Stellung in einem größeren Unternehmen suchen. Praktische Erfahrungen hatte er während seines Studiums ja bereits in vier verschiedenen Großunternehmen ausreichend gesammelt. Er hatte während der Semesterferien insgesamt sieben Praktika absolviert, also weitaus mehr als die Pflichtübungen eines Studenten der Betriebswirtschaft. Deshalb, und weil er sehr gute Computerkenntnisse besaß, zumal er auch über grundlegende Programmierkenntnisse verfügte, ging er davon aus, dass er relativ schnell eine interessante Anstellung finden würde.

Praktische Erfahrungen hatte Hans Schimmelpfennig während seines Studiums auch in anderer Hinsicht gesammelt. Er hatte nämlich zunächst in kleinerem Umfang schon als Schüler und danach seit dem zweiten Semester in ziemlich professionellem Umfang eine Art Online-Glücksspiel betrieben und durch Betrügereien in Form von Manipulationen zum Nachteil seiner Mitspieler, die sich nicht so gut ausgekannt haben wie er, beträchtliche Gewinne eingestrichen. Kennengelernt hatte er die Gaming-Portale bereits während seiner Schulzeit, und es war ihm nach einiger Zeit der „Erfahrungssammlungen“ gelungen, naive Mitspieler abzuzocken und dadurch sein Taschengeld aufzubessern. Natürlich nicht in Deutschland, wo er glaubte, die Gewinne versteuern zu müssen, sondern auf den Britischen Jungferninseln, wo er auch seine Gewinne gebunkert hatte. Dort waren auch die Betreiber vieler Gaming-Portale ansässig. Natürlich standen auch die Internetserver dort. Als Student hatte er später seine Methode vervollkommnet, indem er die Software der Portale manipuliert hat, damit fast alle Gewinne ausschließlich an ihn ausgeschüttet wurden.

Inzwischen hatte er auf diese Weise ein Millionenvermögen zusammengerafft. Wie viel Geld er sich insgesamt im Laufe der Jahre erschwindelt hatte, wusste Hans Schimmelpfennig nicht einmal mehr genau, weil er irgendwann den Überblick verloren hatte, als seine Bankkonten bereits millionenfach gefüllt waren. Es war erstaunlich, wie leichtgläubig die Leute beim Online-Glücksspiel ihr Geld verprasst haben, sagte er sich immer wieder, vielleicht, um sein schlechtes Gewissen zu besänftigen, denn das, was er da veranstaltete, war ja nichts weiter als gemeiner Betrug und zwar Betrug in ganz großem Stil. Nicht nur die Mitspieler verloren ihr Geld, auch die Portale hatten einen beträchtlichen Schaden, weil der überwiegende Teil des von den Spielern eingesetzten Geldes an ihn ging, die Gewinne der Spielebetreiber also wesentlich schmaler ausfielen als vor seinen Manipulationen.

Hans Schimmelpfennig hatte sich auf diese Weise mit dem Geld anderer Leute nicht nur sein Studium finanziert, er lebte tatsächlich im Überfluss, während die Opfer seiner Straftaten wahrscheinlich größtenteils völlig pleite waren und nicht einmal wussten, womit sie am nächsten Tag ihren Lebensunterhalt bestreiten sollten. Im Gegensatz zu den Verlierern hatte sich Hans Schimmelpfennig jedenfalls so einiges leisten können. Als er in die Bachelorprüfung eingestiegen ist, war er bereits stolzer Eigentümer eines Mehrfamilienhauses in London, das er für achtzehn Millionen britische Pfund erworben hatte, zweier Luxusfahrzeuge im Gesamtwert von einer Million Euro, eines Ferienhauses im Wert von vier Millionen Euro und eines Aktienpaketes im Wert von 38 Millionen Euro. Außerdem hatte er Bankkonten in der Schweiz, in Luxemburg, auf den Britischen Jungferninseln und in London, auf denen sich Millionen Euro angesammelt hatten. Die Summen auf seinen Bankkonten hat er regelmäßig als Termingelder angelegt, damit sie ihm eine lukrative Verzinsung brachten.

In verschiedenen Schließfächern mehrerer Banken hatte Hans Schimmelpfennig Bargeld in großen Mengen gelagert, wie viel genau, wusste er schon lange nicht mehr. Hans hatte anfangs, nur weil es ihm Spaß machte, riesige Koffer voller Bargeld, das er von den Bankkonten abgehoben hatte, in die verschiedenen Schließfächer, die er bei diesen Banken angemietet hatte, gesteckt. Es war deshalb immer genug da, sowohl auf seinen Konten als auch in den Schließfächern. Später hatte er noch viel Geld bei mehreren Banken auf der Insel Zypern angelegt. Eigentlich, dachte Hans Schimmelpfennig, hätte er es gar nicht mehr nötig, nach dem akademischen Abschluss überhaupt zu arbeiten. Er hätte auch ohne jegliche Erwerbstätigkeit ein Luxusleben führen können. Aber wahrscheinlich wäre ihm das auf Dauer zu langweilig geworden. Hans Schimmelpfennig brauchte die tägliche Herausforderung durch seine Kollegen und die Führungsetage seines Arbeitgebers.

Ein schlechtes Gewissen hatte Hans beim Zocken im Internet nie gehabt, und wenn, dann vergaß er das immer sehr schnell wieder, denn die Opfer seiner Straftaten waren ihm ja völlig unbekannt. Im Internet lief immer alles anonym ab, und er wäre nie auf die Idee gekommen, dass eines seiner zahlreichen Betrugsopfer seine Identität herausfinden und ihn anzeigen oder sich vielleicht an ihm rächen könnte. Hans glaubte, er hätte ausreichende Vorkehrungen gegen eine Aufdeckung seiner Taten und seiner Identität getroffen. Die Verschleierung seiner tatsächlichen Identität hatte er in der Tat derart kompliziert gestaltet, dass man ihm kaum auf die Spur kommen konnte.

Hans bewegte sich zwar nicht im Darknet, wo man vermutlich kaum nachzuverfolgen ist, aber er hatte natürlich auf keinem der Gaming-Plattformen jemals seine eigenen Personalien hinterlegt, sondern war stets unter verschiedenen Pseudonymen aufgetreten. Die Verwendung von Nick-Names war in dem Genre weithin üblich. Das allein deutete noch nicht auf kriminelle Aktivitäten hin.

Allerdings war es über die von ihm angegebenen Bankverbindungen für die anderen Teilnehmer und den jeweiligen Betreiber der Gaming-Portale unmöglich, seine richtige Identität herauszufinden. Natürlich hatten die Mitspieler auf diesen Gaming-Portalen auch nicht ohne weiteres die Möglichkeit, die Bankverbindung eines Mitspielers zu identifizieren, sehr wohl aber konnten das normalerweise die Betreiber der Online-Glücksspiele. Aber Hans Schimmelpfennig glaubte von Beginn an, es sei schlauer, nicht seine richtigen Personalien zu verwenden. Zu Beginn seiner spielerischen Aktivitäten im Internet war Hans ja noch minderjährig gewesen, demzufolge schon deswegen die Verwendung von Pseudonymen und falschen Personalien, zumindest aber falscher Geburtsdaten zwingend erforderlich gewesen ist, hätte er ansonsten dieses Glücksspiel so nicht spielen können.

Aus Sicherheitsgründen verwendete Hans für die Überweisung der „Gebühren“ und Entgelte, die er von den anderen Teilnehmern über die Plattformen einkassierte, nur solche Bankverbindungen, die er stets nach wenigen Wochen wieder wechselte und die benutzten Bankkonten danach meistens wieder auflöste, um sie durch neue Bankverbindungen zu ersetzen. Von diesen nur kurzzeitig verwendeten Bankkonten zog er die Gelder direkt wieder ab und wechselte dann jeweils erneut die Bankverbindung. Sämtliche für diese Zwecke verwendeten Bankkonten eröffnete er stets unter falschen Personalien und nutzte dazu jeweils einen gefälschten Ausweis. Hans Schimmelpfennig war halt ein Sicherheitsfanatiker.

Natürlich verwendete Hans dazu nicht immer dieselben Falschnamen oder Aliaspersonalien, sondern er wechselte unter seinen Hunderten von Phantasienamen, die er sich ausgedacht hatte, um seine Spuren im Internet gründlich zu verwischen. Auf den Britischen Jungferninseln wurde diesbezüglich ohnehin nicht so genau hingeschaut bei der Eröffnung eines Bankkontos. Korrekt überprüft wurde dort selten etwas. Viel wichtiger für die dortigen Banken waren die Gebühren, die sie kassieren konnten.

Jedenfalls bekam die „Kundschaft“, im wesentlichen die Mitspieler auf den Gaming-Portalen oder etwa die Betreiber dieser Online-Glücksspielportale, wenn sie Nachforschungen anstellten, allenfalls eine Bankverbindung auf den Britischen Jungferninseln zu Gesicht und zwar die, auf der die Gewinne nur vorübergehend für einige Tage oder wenige Wochen gebunkert waren und die unter einer Aliasidentität geführt wurde. Irgendwelche Hinweise auf ihn, Hans Schimmelpfennig, und seine tatsächliche Identität waren daraus nicht ersichtlich. Seine Identität war auch nicht nachzuverfolgen, wenn etwa eine Behörde auf die Idee gekommen wäre zu überprüfen, wohin das Geld abgeflossen war, denn auch die nächste Bankverbindung wurde ja unter einer falschen Identität geführt. Auf den Britischen Jungferninseln war kein Hans Schimmelpfennig bekannt. Dort kannte man nur die vielen Aliaspersonalien wie etwa Josef Schiffer oder Arndt Fischer.

Kein Mensch auf den Britischen Jungferninseln kannte also einen gewissen Hans Schimmelpfennig aus Deutschland. Niemand wusste etwas von seinem Reichtum, von seinen Immobilien, seinen weiteren Bankkonten in der Schweiz, in Luxemburg, in London und auf Zypern. Nicht einmal seine Eltern ahnten, welche Vermögenswerte Hans im Laufe seines Studiums angehäuft hatte. Natürlich wussten sie erst recht nichts nicht über die Art der „Geschäfte“, die Hans über das Internet abwickelte. Sie hatten lediglich mitbekommen, dass ihr Sohn nie Geld von ihnen verlangte, weil er, wie er sagte, sein Studium selbst finanzieren könne. Da Hans ihnen keine Probleme machte, haben seine Eltern nicht weiter nachgefragt. Sie hatten ja während seiner Schulzeit auch nie gefragt, woher Hans die ganzen neuen Sachen hatte. Wahrscheinlich, dachte Hans damals, waren seine Eltern so naiv anzunehmen, er hätte die Armani-Jeans von seinem Taschengeld finanziert.

Und Hans hockte ja immer noch ganz bescheiden in seinem Kinderzimmer, in dem sein inzwischen äußerst leistungsfähiger und gut abgesicherter Computer stand, der ihm bei der Schaffung seiner Reichtümer behilflich gewesen war. Sobald er seine erste Arbeitsstelle gefunden hatte, würde er wahrscheinlich umziehen müssen, denn er würde sich ja sicher nicht für einen Job ausgerechnet in München, wo er sein gesamtes Leben verbracht hatte, entscheiden. Er hatte schon darüber nachgedacht, dass er eventuell in Berlin oder Hamburg eine Stelle finden konnte. Dann würde er sich dort in der Nähe seines künftigen Arbeitsplatzes ein Haus oder vielleicht eine Villa kaufen. Wenn er sich am neuen Wohnort eingerichtet hatte, würde er seine Eltern und seine Geschwister einladen, um ihnen seine neue Bleibe zu präsentieren. Natürlich würde er ihnen nicht mitteilen, dass er sich die Immobilie von seinem Vermögen bequem hatte leisten können. Vielleicht würde er seinen Eltern zunächst nur eine Mietwohnung präsentieren. Welche Informationen er seinen Eltern und Geschwistern im Laufe der nächsten Zeit zukommen lassen würde, hierüber hatte er sich noch nicht so viele Gedanken gemacht.

Hans musste lachen, als er an die staunenden Gesichter seiner Eltern und Geschwister dachte, wenn er ihnen einige Jahre später eine exklusiv ausgestattete Villa zeigen würde. Seine Familie hatte ja keine Ahnung von seinem Reichtum, und er wollte ihnen natürlich nicht mitteilen, woher er das ganze Geld hatte. Wenn er sich eine Villa oder eine eigene Wohnung zulegen würde, würde er seinen Eltern, wenn sie fragten, wahrscheinlich etwas von einem günstigen Immobilienkredit erzählen. Wozu war er schließlich bei einer großen deutschen Bank angestellt? Jedenfalls hoffte er, dass er demnächst eine Stelle bei einer deutschen Großbank bekommen würde.

2. Kap.: Rückblick: Wie alles begann

Hans Schimmelpfennig ist das älteste von drei Kindern der Familie Schimmelpfennig. Er ist neunzehn Jahre alt, hat gerade seine Abiturprüfung abgelegt und will sich demnächst bei der LMU in München im Studiengang Betriebswirtschaft einschreiben. Wenn er nicht gerade mit Freunden unterwegs ist oder in einer Diskothek hockt, sitzt er zu Hause am Computer und zockt. Das ist offenbar seine Lieblingsbeschäftigung, bei der anfangs fast sein gesamtes Taschengeld drauf gegangen ist. Inzwischen ist er etwas besser geworden, denn er gewinnt fast immer. Und er gewinnt viel!

Hans hat noch zwei jüngere Geschwister, die vierzehnjährige Leni und den siebzehnjährigen Bernd. Sein Bruder besucht derzeit das zehnte Schuljahr, während seine Schwester die achte Klasse besucht. Seine Eltern sind Torsten und Julia Schimmelpfennig, beides Lehrer, der Vater an einem Münchner Gymnasium und die Mutter an einer Münchner Realschule. Torsten Schimmelpfennig unterrichtet Mathematik und Physik, Julia Schimmelpfennig Englisch und Geschichte.

Die Familie wohnt in Feldkirchen, einem kleinen Ort in der Nähe von München, in einem umgebauten Zweifamilienhaus. In diesem hat jedes der drei Kinder sein eigenes Zimmer, und beide Eltern verfügen über ein gesondertes Arbeitszimmer. Als Lehrer braucht man so etwas. Und über einen Garten verfügen die Schimmelpfennigs auch. Im Sommer sitzen sie häufig auf der Terrasse. Als Hans und seine Geschwister noch jünger waren, haben sie bei gutem Wetter auf dem Rasen häufig einen Swimming-Pool aufgestellt und haben sich darin etwas abgekühlt. Der wird schon lange nicht mehr benutzt, eigentlich schon nicht mehr, seit Leni die Schule besucht, sondern wurde irgendwann im Geräteschuppen abgestellt. Er war einfach zu klein geworden.

Die Eltern Schimmelpfennig besitzen jeweils ein Auto, die Kinder Fahrräder und die beiden älteren auch Mopeds. Zur Schule nach München fahren sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln, also mit der Straßenbahn oder mit dem Bus. Die Kinder fast immer, die Eltern nur gelegentlich, weil sie häufig Klassenarbeiten zur Korrektur mit nach Hause nehmen müssen und das mit dem Auto natürlich viel bequemer ist, wenn man einfach die ganzen Klassenarbeiten in den Kofferraum schmeißen kann statt sie in großen Taschen zur Bahn zu schleppen.

In Feldkirchen ist Hans mit seinen Geschwistern aufgewachsen. Ihre Eltern hatten das Zweifamilienhaus kurz nach ihrer Heirat gekauft und für ihre Zwecke etwas umgebaut. Dann waren die Kinder zur Welt gekommen, und es musste nach jeder Geburt eines weiteren Kindes wieder ein wenig umgebaut werden, damit jedes Kind sein eigenes Zimmer zur Verfügung hatte. Das war den Eltern von Anfang an wichtig gewesen. Nachdem Leni geboren war, haben sie sich entschlossen, auch noch ein zweites Bad einbauen zu lassen. Dafür wurde ein Raum verwendet, der vorher als Gästezimmer, meistens aber nur als Abstellraum für Dinge, die nicht täglich verwendet wurden, genutzt worden war.

Die Großeltern leben in Rostock und in Braunschweig. Das heißt, Julias Eltern wohnen in Rostock und Torstens Eltern in Braunschweig. Sie kommen wegen der Entfernungen nur Weihnachten zu Besuch. Sonst sehen die Kinder ihre Großeltern nicht, außer, wenn sie sie in den Ferien mal besuchen. Wenn die Großeltern die Familie besuchen, dann übernachten sie meistens in Julia Schimmelpfennigs Arbeitszimmer, weil dort eine Couch steht, die man zu einem größeren Bett umfunktionieren kann. Dann gibt es noch entferntere Verwandte von beiden Eltern, zu denen allerdings kaum Kontakt besteht. Einer der Brüder vom Torsten lebt sogar in den USA. Den haben sie schon mehr als zehn Jahre nicht mehr gesehen.

Hans fühlt sich in Feldkirchen wohl. Hier hat er Abitur gemacht. Hier wird er wohl auch zunächst während seines Studiums bleiben, weil er einen Studienplatz in München bekommen hat. Die Universität kann er also bequem täglich mit der Straßenbahn erreichen. Und in seinem großzügigen Kinderzimmer hat er ja eigentlich alles, was er für sein Studium braucht, insbesondere seinen ziemlich leistungsfähigen Computer, den er zwar weniger für sein Studium, aber für seine lukrative „Nebenbeschäftigung“ unbedingt braucht.

Hans hatte sich schon während seiner Schulzeit intensiv mit Informatik beschäftigt. Mit fünfzehn Jahren hatte er schon grundlegende Programmierkenntnisse erworben. Studieren wollte er dieses Fach aber nicht. Dazu war er wahrscheinlich nicht gut genug. Seine Zensuren in Mathematik waren stets nur im mittelmäßigen Bereich gewesen und in Informatik hatte er meistens auch keine wesentlich besseren Noten erzielen können. Deshalb hatte er sich letztlich für die Betriebswirtschaft entschieden. Dieses Fach studierten auch viele seiner ehemaligen Mitschüler. Hinzu kam, für wirtschaftliche Zusammenhänge hatte sich Hans ja schon immer interessiert. Auf welche Art und Weise man innerhalb kürzester Zeit ein großes Vermögen anhäuft, auch darüber wusste Hans bestens Bescheid.

Hans war zwar nicht der beste im Fach Informatik, aber er hatte gewisse Kenntnisse, die ein Schüler außerhalb der Schule ganz gut gebrauchen konnte. Er befasste sich nämlich sehr intensiv damit, sich in fremde Computer und fremde Netzwerke einzuschleusen. Und diese Kenntnisse über das Einschleusen in fremde Netzwerke, die hatte Hans im Laufe der Oberstufe geradezu perfektioniert. Mit sechzehn drang er bereits unter Überwindung sämtlicher Sicherungseinrichtungen unbemerkt in fremde Computer ein. Zunächst gelang ihm das in seiner Schule. Ein Jahr später schaffte er es, in das WLAN eines Krankenhauses einzudringen. Danach begann seine Karriere als Zocker auf verschiedenen Gaming-Portalen. Das erschien ihm nämlich viel interessanter als im Schulcomputer nach irgendwelchen möglicherweise geheimen Angelegenheiten der Lehrer zu suchen oder im System eines Krankenhauses die Patienten auszuforschen. Allerdings hat er sich schon von Zeit zu Zeit vor den jeweils anstehenden Klausuren in den Schulcomputer eingeklinkt, um nachzusehen, ob einer der Lehrer so naiv war, die Aufgabenstellung nebst Lösungen dort irgendwo abzuspeichern. Das war schon mehrfach vorgekommen.

Die meiste Zeit allerdings verbrachte Hans auf den Gaming-Portalen. Anfangs hatte Hans noch Geld verloren, manchmal seine ganzes Taschengeld. Aber mit der Zeit wurde er immer besser und hat es verstanden, die Glücksspiele irgendwie zu überlisten, indem er in die Computer der Spielebetreiber eingedrungen ist. Er gewann immer mehr Geld, Geld, das er zunächst in Kryptowährung umgetauscht hat. Natürlich hat er die Gewinne nicht einfach zufällig erzielt, sondern Hans hat seine Mitspieler und auch die Inhaber der Gaming-Portale betrogen, indem er die Spiele durch einen Eingriff in den Algorithmus der jeweiligen Software so manipuliert hatte, dass in vielen Fällen er den jeweiligen Gewinn erzielte, die anderen Mitspieler hingegen leer ausgingen. Wenn die Manipulationen in der Software auffielen, hatte sich Hans längst aus den jeweiligen Portalen zurückgezogen, so dass man ihn nicht mehr hatte ausfindig machen können. Eine Verfolgung wäre wegen der Verwendung von Aliaspersonalien letztlich auch sinnlos gewesen.

Einen Teil seiner Gewinne hat Hans verwendet, um sich neue Klamotten zu kaufen. Als die Gewinne immer höher wurden, hat er das Geld online angelegt, anfangs in Kryptowährung und später auf Bankkonten und in Unternehmensbeteiligungen. Das hätte er zwar als Minderjähriger alles nicht unter seinem Namen realisieren können, aber Hans hatte einfach sein Geburtsdatum etwas vorverlegt, damit es für die Banken so aussah, als sei er schon volljährig. Den dazu passenden Ausweis hat er geschickt gefälscht. Im Glücksspielbereich und bei einigen ausländischen Banken wird bestimmt nicht so genau hingeschaut, hatte er gedacht, und er hatte Recht gehabt. Er hatte ja von vornherein angenommen, dass er als Minderjähriger, wenn er schon kein Bankkonto einrichten konnte, erst recht nicht an einem Online-Glücksspiel teilnehmen konnte. Seine restlichen Personalien hatte er natürlich auch alle nicht korrekt angegeben, denn er hatte sie schon von Beginn an gefälscht, weil er vermeiden wollte, dass jemals bekannt wurde, wer für die Manipulationen an der Software verantwortlich war.

Da sich die Bankverbindungen und Unternehmensbeteiligungen in den ersten Jahren alle auf den Britischen Jungferninseln befanden, wo man offenbar nicht genauer prüfte, wer dort Geld anlegte, hatte Hans ohne Probleme Bankkonten eröffnen und Firmensitze mit Briefkästen einrichten können. Manchmal hat sich sogar Hans gewundert, wie einfach es im Grunde genommen war, die Banken und die Betreiber der Onlinespiele zu überlisten und ihnen falsche Namen und gefälschte Ausweisdokumente „unterzujubeln“. Zu einem späteren Zeitpunkt hatte er natürlich erfahren, dass auf den Britischen Jungferninseln häufig Gelder aus kriminellen Geschäften gewaschen wurden, dies die dortigen Behörden allerdings nicht besonders interessierte, woher das Geld stammte. Es war also wahrscheinlich, dass viele derjenigen, die auf den Britischen Jungferninseln Geldwäscheaktivitäten nachgingen, nicht ihre richtigen Personalien verwendeten. Natürlich wussten dies dann auch die Behörden und die Banken.

Aus guten Gründen hatte Hans es bei den falschen Personalien belassen, auch nachdem er längst volljährig geworden war und selbst später, als er mit seinem Studium begonnen hatte, nichts geändert. Es kamen nur immer wieder neue Personalien, die er sich für seine Zwecke ausgedacht hatte, hinzu. Schon damals, als Hans kurz vor dem Abitur gestanden und bereits Gewinne aus den Online-Glücksspielen von fast Hunderttausend Euro angehäuft hatte, hätte er seine Einnahmen nicht mehr alle „legalisieren“ können, denn dann hätte er ganz beträchtliche Summen an das Finanzamt abführen müssen. Außerdem war das Ganze sicher illegal, hätte also eine empfindliche Strafe nach sich ziehen können. Die Strafbarkeit seines Tuns hatte Hans durchaus treffsicher erkannt. Also hielt er seine Aktivitäten stets strengstens geheim.

Deshalb blieb Hans nach dem Abitur weiterhin bei seinen Phantasiepersonalien Jakob Schiffer, geboren am 17.4.1978, Second Road, Road Town, Insel Tortola, British Virgin Islands. Oder bei Arndt Fischer, geboren am 19.11.1979, und den vielen anderen. Wer sollte ihn schon unter diesen Personalien, die er aus Sicherheitsgründen in gewissen Zeitabständen regelmäßig ausgetauscht hatte, identifizieren können? Manchmal wechselte er auch nur die Unternehmensadressen, was gleichbedeutend war mit den Briefkästen, aus. Gegen Ende seines Studiums etwa hatte er sich in Sebastian Kirchmeyer umbenannt und war dann bereits 1976 geboren.

Deutsche Finanzämter oder deutsche Staatsanwälte würden ja wohl kaum auf den Kanarischen Inseln nachforschen, ob dieser Jakob Schiffer oder ein Arndt Fischer oder einer der vielen anderen Aliasnamen dort lebten. Keiner der vielen Phantasienamen, die Hans im Laufe der Jahre erfunden und verwendet hatte, tauchten bei deutschen Einwohnermeldeämtern oder beim Finanzamt in München auf. Natürlich nicht. Die Verwaltung der Insel würde seine Personalien sicherlich nicht weitergeben, hatte sie doch von seinen „Gebühren“ und Abgaben für die Briefkästen und Unternehmensadressen, die er dort eingerichtet hatte, beträchtlich profitiert. Die gekauften Firmensitze waren ja nicht billig. Eigentlich lebten die Verwaltungen auf den Britischen Jungferninseln ganz gut von diesen Gebühren und Abgaben, die sie für die Eintragung von Unternehmenssitzen nebst Briefkastenadressen kassierten. Außerdem wäre ihnen eine Weitergabe gar nicht möglich gewesen, denn sie kannten weder die richtigen Personalien ihrer Klientel noch die jeweilige Staatsangehörigkeit.

Und diese Alias-Personalien tauchten ja nur in den Behördenunterlagen zu seinem Firmensitz und bei den Banken auf, während Hans sich in den Gaming-Portalen ganz andere jeweils wechselnde Pseudonyme zugelegt hatte, die nichts mit den bei den Banken und den im sonstigen Schriftverkehr verwendeten Personalien gemeinsam hatten. In den Online-Glücksspielen griff Hans meistens auf englische oder holländische Pseudonyme zurück. Die meisten Mitspieler auf den Gaming-Portalen hielten ihn daher kaum für einen Deutschen, sondern eher für einen Engländer oder Amerikaner oder Niederländer.

Häufig trat Hans unter den Pseudonymen Banana Joe, Frank Cadillac, Terminator, Horseface, Cobra 11, Smeerlap, Hopy Boys, Joker, Pit Bull, Black Jack, Gluiperd, Coviack oder White Devil auf. Eher selten verwendete Hans deutsche Pseudonyme für seine Zwecke. Das würde die Feststellung seiner Herkunft erlauben, glaubte er.

Hans hatte es etwaigen Verfolgern also ziemlich schwer gemacht, ihm auf die Spur zu kommen. Es gab kaum Möglichkeiten, die jeweiligen Pseudonyme mit den dazugehörigen Unternehmenssitzen auf den Britischen Jungferninseln in Verbindung zu bringen. Hans hatte jeweils unterschiedliche Herkunftsländer bei den Gaming-Portalen angegeben, also Niederlande, Großbritannien, Vereinigte Staaten, Mexiko, Schweden, Türkei, Grönland und Neuseeland.

Im Laufe seines Studiums hatte Hans noch erheblich höhere Gewinne auf den Online-Gaming-Portalen erzielt. Dazu hatte er auf den immer zahlreicher werdenden Gaming-Portalen immer raffiniertere Manipulationen durchgeführt, die selbst für Fachleute kaum noch zu entdecken waren. Bis seine jeweilige Manipulation auffiel, hat es manchmal Monate gedauert. Hans hatte nämlich, damit den Mitspielern die Veränderungen nicht auffallen konnten, die Manipulationen begrenzt, also die Mitspieler auch gelegentlich mal gewinnen lassen, und seine Gewinne auf mehrere „Mitspieler“ mit unterschiedlichen Pseudonymen verteilt, die zwar alle ihm zuzuordnen waren, was jedoch keiner so einfach erkennen konnte.

Die Gewinne hat Hans während seines Studiums nicht mehr in Kryptowährung angelegt, sondern in Aktienpaketen. Wenn er überhaupt noch Kryptowährung gekauft hat, dann nur vorübergehend, um sie später bei einer Bank anlegen zu können. Dazu hatte Hans verschiedene weitere Bankkonten in Zürich eröffnet und auch weitere Schließfächer für sein Bargeld angemietet. Später kamen zahlreiche Bankkonten in London und Luxemburg hinzu und danach noch einige Bankkonten auf der Insel Zypern. Da sie alle unter verschiedenen Aliasnamen mit ausländischen Anschriften, meist auf den Britischen Jungferninseln, eröffnet worden waren, wähnte sich Hans im Hinblick auf deutsche Ermittlungsbehörden auf der sicheren Seite. Wie sollten deutsche Behörden darauf kommen, dass die Bankkonten und Aktienpakete einem deutschen Zocker zuzurechnen waren? Alles blieb unter der Decke, weil gut verschleiert.

Diese ganzen Transaktionen hatte Hans alle bequem online an seinem Computer realisieren können. Im Laufe seines Studiums hatte sich auf diese Weise auf seinen verschiedenen Bankkonten fast fünfzig Millionen Euro angesammelt. Hinzu kamen die zwanzig Millionen Dollar, die er auf den Britischen Jungferninseln angelegt hatte und das Aktienvermögen, das in Zürich in einem Depot bei einer Bank verwahrt wurde. Das hatte inzwischen sicher auch einen Wert von mindestens fünfzig Millionen Euro. Und das war ja nicht alles, hatte er doch auf Zypern noch weitere Bankkonten. Das ganze Bargeld, das in den Schließfächern lagerte, hatte er dabei noch nicht mitgezählt.

Mit diesem angelegten Geld hatte Hans das Mehrfamilienhaus in London, das Ferienhaus in Lugano und die teuren Fahrzeuge finanziert. Die teuren Fahrzeuge hatte er natürlich nicht vor dem Haus seiner Eltern in Feldkirchen abgestellt. Dort wären sie sicherlich sofort aufgefallen. Nein, diese Autos hatte er in einer eigens in München dafür angemieteten Garage abgestellt. Wenn er auf seine Bewerbungsschreiben eine Antwort bekam, würde er eines der Fahrzeuge aus der Garage holen und damit zu seinem künftigen Arbeitgeber fahren. Natürlich achtete er darauf, dass keiner aus seiner Familie oder seinem Bekanntenkreis ihn mit einem dieser exklusiven Fahrzeuge zu Gesicht bekam.

Für seine Zukunft hatte sich Hans eigentlich im Laufe der Studienjahre bereits ausreichend abgesichert. Er musste also eigentlich jetzt keine Onlineglücksspiele mehr manipulieren, um sich seinen exklusiven Lebensunterhalt zu erhalten. Dafür und für weitaus mehr reichte das, was er sich schon ergaunert hatte, völlig aus. Hans hätte sich also auf seinen Beruf, für den er inzwischen ausgebildet war, beschränken können und sich in seiner Freizeit ein angenehmes Leben machen können. Oder er hätte ein lukratives Unternehmen gründen können, denn dazu reichte sein Kapital durchaus.

Aber Hans war ein berufsmäßiger Spieler, einer der geradezu süchtig nach weiteren Gewinnen war. Deshalb konnte Hans nicht einfach aufhören. Dann hätte ihm etwas Entscheidendes gefehlt: Der Kick, den er jedes Mal empfand, wenn er wieder einen Mitspieler oder einen Glücksspielbetreiber abgezockt hatte, den würde er doch stark vermissen, wenn er das Online-Glücksspiel ganz aufgeben würde. Und sein System funktionierte so gut, dass es aus seiner Sicht schade gewesen wäre, dieses einfach einzustellen.

Deshalb beteiligte sich Hans auch noch nach Aufnahme seiner Berufstätigkeit am Online-Glücksspiel. Er entwickelte auch noch Jahre nach seinem Hochschulabschluss immer feinere und ausgefeiltere Manipulationen, die selbst die besten Hacker nicht hätten nachvollziehen können. Demzufolge hätten sich auch die besten Hacker nicht vor solchen Manipulationen schützen können. Aber Hacker betätigten sich ohnehin eher selten auf den Gaming-Portalen. Dort fand Hans meistens richtige Zocker, viele von ihnen auch mit einem exklusiven finanziellen Hintergrund, also mehr oder weniger extrem reiche Klientel, die es sich auszunehmen lohnte.

3. Kap.: Der Mord

In der Nähe des Frankfurter Flughafens wird hinter einer der von wechselnden Speditionsunternehmen angemieteten Lagerhallen in einer leeren Abwassergrube die Leiche eines vierzigjährigen Mannes gefunden, der übelst zugerichtet worden ist. Dieser Mann lag in einer Blutlache und war offensichtlich schon vor mehreren Wochen getötet worden, denn der Körper befand sich bereits in der Verwesung. Den unangenehmen strengen Geruch, der nicht nur von den Resten des Abwassers herrührte, hatte offenbar einer der aus dem angrenzenden Waldstück kommenden Spaziergänger wahrgenommen und die Polizei verständigt. Der Spaziergänger wird sich daraufhin vermutlich eine andere Strecke für seine Spaziergänge gesucht haben. Ein solches Erlebnis wie den Fund einer halb verwesten Leiche, den braucht bestimmt niemand.

Der Tote war noch fast vollständig bekleidet, als er dort abgelegt worden ist, und die Polizei fand bei der Durchsuchung seiner Hosentaschen eine Geldbörse, in der sich neben einigen Geldscheinen und Bankkarten sowie Kreditkarten auch der Ausweis des Mannes befand. Danach handelte es sich um den vierzigjährigen Hans Schimmelpfennig aus Wiesbaden, der offensichtlich vor seinem Tod brutal gefoltert worden war, denn ihm fehlten ein Stück vom Zeigefinger, die große Zehe und mindestens ein Zahn, der ihm offenbar mit einer Zange gewaltsam gezogen worden war. Weitere erhebliche Verletzungen hatte das Opfer im Bereich des Kopfes und auch an der Brust. Offenbar ist der Mann brutal geschlagen und gequält worden. Außerdem wies der Tote Fesselspuren an beiden Handgelenken und an den Sprunggelenken auf, und ihm waren einige Fingernägel gewaltsam ausgerissen worden. Irgendjemand wollte offenbar Informationen von ihm erpressen oder sich an ihm rächen, wofür auch immer.

Die spätere Obduktion der Leiche ergab, dass Hans Schimmelpfennig in dieser Abwassergrube vor etwa drei Wochen abgelegt worden sein musste. Getötet worden ist er allerdings woanders, denn in der Abwassergrube hatte die Polizei nur eine kleinere Blutlache gefunden, zu wenig, um davon ausgehen zu können, dass sich die Tat innerhalb der Abwassergrube abgespielt haben könnte. Angesichts der Vielzahl der Wunden müsste mehr Blut geflossen sein. Der Rechtsmediziner wollte sich nach der ersten Untersuchung am Auffindeort der Leiche nicht genau festlegen, sondern steckte den Zeitrahmen irgendwo zwischen achtzehn und zweiundzwanzig Tagen ab. Genauer könne er das erst nach der Obduktion sagen.