Die goldene Kloschüssel - Helga Geerkens - E-Book

Die goldene Kloschüssel E-Book

Helga Geerkens

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Beschreibung

Marco Wesseling befasst sich mit Kunstgegenständen. Er ist Kunsthändler und Galerist. Seine gesamte Umgebung hält ihn für einen Superreichen, weil er stets mit Geld um sich wirft. Auch seine Familie profitiert davon. Sie lebt in einer riesigen Villa, die Marco von seinem Onkel geerbt hat, während er selbst in der Weltgeschichte herumreist, um immer wieder neue Kunstwerke an Land zu ziehen. Eines Tages allerdings wird Marco in London mit einer gestohlenen goldenen Kloschüssel erwischt. Das setzt polizeiliche Ermittlungen in Gang und bringt Marco ins Gefängnis. Die goldene Kloschüssel gab es wirklich. Sie wurde vor einigen Jahren aus dem Blenheim-Palast gestohlen und von den Dieben vermutlich eingeschmolzen. Der Rest der Geschichte ist allerdings frei erfunden. Die britische Polizei und auch die deutsche beschlagnahmen letztlich Hunderte von Kunstgegenständen in Marcos Galerien und selbst in seiner privaten Villa, von denen sie annehmen, dass Marco diese Kunstgegenstände gestohlen hat. Eigentumsnachweise kann Marco nämlich nicht führen. Selbst das lange verschollen geglaubte umgekehrte Urinal des Künstlers Alexander Calder ist bei Marco plötzlich wieder aufgetaucht, nämlich in seiner Villa. Oder war es etwa nur eine Kopie? Verurteilt werden kann Marco letztlich nur in Großbritannien und zwar wegen des Diebstahls der goldenen Toilette. Man kann ihm nämlich keine weiteren Diebstähle nachweisen. Die Eigentümer der Kunstgegenstände hat die Polizei nie identifizieren können, weil diese offenbar nicht gefunden werden wollten. Oder sie wollten von einem Diebstahl nichts wissen. Also bekommt Marco seine beschlagnahmten Kunstwerke irgendwann zurück, weil den Ermittlern nichts anderes übrig bleibt. Nur die Versicherungsgesellschaften bleiben nicht untätig. Sie verklagen ihn auf viele Millionen Schadensersatz, bis Marco schließlich Insolvenz anmelden muss. Als er das Gefängnis verlässt, sitzt er auf einem Schuldenberg von mehr als 500 Millionen Euro. Die Gläubiger pfänden ihn kahl, aber es bleibt ihm das Vermögen in Zürich und New York. Was liegt näher als die Gläubiger auszutricksen?

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Seitenzahl: 276

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Helga Geerkens

Die goldene Kloschüssel

Roman

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

19.

20.

21.

22.

Impressum neobooks

1.

Die goldene Kloschüssel

Helga Geerkens

Roman 2025

Inhalt (Zusammenfassung)

Marco Wesseling befasst sich mit Kunstgegenständen. Er ist Kunsthändler und Galerist. Seine gesamte Umgebung hält ihn für einen Superreichen, weil er stets mit Geld um sich wirft. Auch seine Familie profitiert davon. Sie lebt in einer riesigen Villa, die Marco von seinem Onkel geerbt hat, während er selbst in der Weltgeschichte herumreist, um immer wieder neue Kunstwerke an Land zu ziehen. Eines Tages allerdings wird Marco in London mit einer gestohlenen goldenen Kloschüssel erwischt. Das setzt polizeiliche Ermittlungen in Gang und bringt Marco ins Gefängnis.

Die goldene Kloschüssel gab es wirklich. Sie wurde vor einigen Jahren aus dem Blenheim-Palast gestohlen und von den Dieben vermutlich eingeschmolzen. Der Rest der Geschichte ist allerdings frei erfunden.

Die britische Polizei und auch die deutsche beschlagnahmen letztlich Hunderte von Kunstgegenständen in Marcos Galerien und selbst in seiner privaten Villa, von denen sie annehmen, dass Marco diese Kunstgegenstände gestohlen hat. Eigentumsnachweise kann Marco nämlich nicht führen. Selbst das lange verschollen geglaubte umgekehrte Urinal des Künstlers Alexander Calder ist bei Marco plötzlich wieder aufgetaucht, nämlich in seiner Villa. Oder war es etwa nur eine Kopie?

Verurteilt werden kann Marco letztlich nur in Großbritannien und zwar wegen des Diebstahls der goldenen Toilette. Man kann ihm nämlich keine weiteren Diebstähle nachweisen. Die Eigentümer der Kunstgegenstände hat die Polizei nie identifizieren können, weil diese offenbar nicht gefunden werden wollten. Oder sie wollten von einem Diebstahl nichts wissen. Also bekommt Marco seine beschlagnahmten Kunstwerke irgendwann zurück, weil den Ermittlern nichts anderes übrig bleibt.

Nur die Versicherungsgesellschaften bleiben nicht untätig. Sie verklagen ihn auf viele Millionen Schadensersatz, bis Marco schließlich Insolvenz anmelden muss. Als er das Gefängnis verlässt, sitzt er auf einem Schuldenberg von mehr als 500 Millionen Euro. Die Gläubiger pfänden ihn kahl, aber es bleibt ihm das Vermögen in Zürich und New York. Was liegt näher als die Gläubiger auszutricksen?

Inhaltsverzeichnis

Marco Wesseling ist 39 Jahre alt und von Beruf Kunsthändler und Galerist. Sein Kunststudium hatte er allerdings abgebrochen. Einen Abschluss hat er nie gemacht. Er ist verheiratet mit Kerstin Wesseling, 38 Jahre alt und Lehrerin für Deutsch und Geschichte. Kerstin hat im Gegensatz zu ihrem Mann eine abgeschlossene Ausbildung und zwei Staatsexamina.

Die beiden haben zwei Kinder, den Simon, 10 Jahre alt, und die Nadja, 8 Jahre alt. Beide besuchen die Grundschule. Simon wird allerdings nach den Sommerferien zum Gymnasium gehen. Die Familie wohnt auf einem etwas größeren und ziemlich unübersichtlichen Anwesen außerhalb der Stadt ziemlich weit draußen in einem sehr schönen bewaldeten Gebiet irgendwo zwischen Düsseldorf-Benrath und Erkrath. Man kann sagen, sie wohnen in der Wildnis, fernab jeglicher Zivilisation mitten in der Natur. Die nächsten Nachbarn wohnen viele Kilometer weit entfernt. Die haben sie deshalb nur höchst selten zu Gesicht bekommen.

Das weitläufige Anwesen, bebaut mit mit einer riesigen Villa aus dem 19. Jahrhundert, mehreren Nebengebäuden und einer alten Mühle, ist ringsum bewaldet, und man findet die Villa kaum, weil sie praktisch mitten im Wald liegt und die beiden zum Anwesen führenden Wege häufig halb zugewachsen sind. Wenn Marco und Kerstin eine Party geben, beauftragen sie natürlich eine Firma für Garten- und Landschaftsbau, die die Wege von zwischenzeitlich gewachsenen Sträuchern und sonstigen Gewächsen befreit. Die Garten- und Landschaftsbauern müssen quasi Schneisen in den Wald schneiden, um den Kraftfahrzeugen eine ungehinderte Durchfahrt bis zur Villa zu ermöglichen. Die Gäste sollen ja schließlich ohne Probleme, vor allem aber ohne größeren Schaden an den Karosserien mit ihren teuren Fahrzeugen zu den riesigen Parkplätzen in der Nähe der Villa gelangen können. Für den Dschungel sind die Sportfahrzeuge und die Familienkutschen ja nicht gerade ausgelegt, auch wenn einige ihrer SUV so unförmig aussehen, als seien sie fürs Gelände bestimmt.

Die Villa ist so groß, dass die vierköpfige Familie gar nicht alle Räume bewohnen kann. Wahrscheinlich haben dort früher Grafen mit ihren Großfamilien und mit ihrem Gesinde gelebt. Die Entfernungen zwischen den verschiedenen Gebäudetrakten sind ziemlich groß. Die Villa komplett mit Mobiliar und persönlichen Dingen auszustatten wäre äußerst kostspielig und völlig überflüssig, weil die Wesselings mit den vierzehn Zimmern und drei Bädern, die sie bewohnen, schon mehr als ausreichend mit Wohnraum versorgt sind. Marco und Kerstin konnten sich nicht erinnern, jemals zuvor ein vergleichbares Haus mit so vielen Zimmern gesehen zu haben.

Zwei große Schlafzimmer haben Marco und Kerstin für sich eingerichtet. Eines davon ist überwiegend für die Ankleide gedacht. Zum Schlafen ist das andere Zimmer, in dem auch die Betten stehen. Das gesamte Mobiliar, also die Betten und die vielen Schränke, Spiegel und die Tischchen mit Stühlen, ist aus edlem Holz und von einem bekannten Künstler eigens für das Ehepaar entworfen und hergestellt worden. Eine Art Maßanfertigung. Das gilt nicht nur für die Schränke und Tische mit den Sitzgelegenheiten, sondern auch für das riesige Ehebett.

Auch die Kinder bewohnen jeweils zwei große Zimmer und haben sich jeder ein Schlafzimmer und ein Spielzimmer, welches inzwischen zu einem Arbeitszimmer umfunktioniert worden ist, eingerichtet. Anfangs haben natürlich, als die Kinder noch klein waren, Marco und Kerstin die Einrichtung ausgesucht. In den Kinderzimmern haben sie allerdings von vornherein auf künstlerisch wertvolle Sonderanfertigungen verzichtet, weil sie der Auffassung sind, dass Kinder ohnehin nach wenigen Jahren eine neue Einrichtung benötigen. Kerstin hatte sich durchgesetzt und eine praktische, für Kinder geeignete Möblierung ausgesucht. Mit der Einschulung allerdings sollten die Kinder ihre eigenen Wünsche durchsetzen können, fanden Kerstin und Marco und hatten beschlossen, die Auswahl allein ihren Kindern zu überlassen.

Diese Anregung haben Nadja und Simon natürlich dankbar aufgegriffen und sich sozusagen mit dem Erhalt der Schultüte gleichzeitig auch für eine neue Einrichtung entschieden. Kunstwerke fanden keinen Zugang zu den Kinderzimmern. Es waren vielmehr qualitativ hochwertige, geschmackvolle und moderne Möbel, die die Kinder gewählt haben. Aus den Spielzimmern wurden auf diese Weise allmählich Spiel- und Lernzimmer, die jeweils auch über eine großzügige Sitzgarnitur verfügten. Daher konnten die Kinder stets ihre Freunde einladen. Platz war ja genügend vorhanden. Daran lag den beiden sehr viel. Das einzige Problem für ihre Freunde war die nicht gerade unkomplizierte Anfahrt zur Villa. Solange sie noch zur Schule gingen, war dies allerdings das Problem ihrer Eltern, die schließlich ihre Kinder nicht mit dem Fahrrad im Wald herumfahren lassen wollten und sie deshalb mit ihrem Fahrzeug kutschiert haben. Manchmal mussten neben den eigenen Kindern dann eben auch deren Freunde durch den Wald gefahren werden.

Neben Simons Zimmern ist ein Musikzimmer eingerichtet, das jedes Familienmitglied nutzen kann, allerdings vorzugsweise von Simon in Beschlag genommen wird. Simon spielt seit einigen Jahren Schlagzeug und hat eine überdimensionale Musikanlage in dem Raum installiert. Das Klavier und die anderen Instrumente benutzt Simon eigentlich kaum. Klavier und Klarinette spielt manchmal Nadja, aber äußerst selten, wenn Simon anderweitig beschäftigt ist.

Für das Spielen einer großen Schlagzeuganlage und um Konzertmusik zu hören, ist der Raum allerdings etwas zu klein, denn die Musikanlage, die Simon sich ausgesucht hatte, war an sich von ihrer Leistung her eher für eine große Diskothek gedacht. Kerstin denkt wegen der musikalischen Ambitionen ihres Sohnes seit einiger Zeit an das Anbringen von Schallschutzwänden in diesem Raum. Daneben liegt noch eine große Bibliothek und dahinter die beiden Arbeitszimmer für Marco und Kerstin. Das heißt, Marco nutzt sein Arbeitszimmer höchst selten, so dass Kerstin es teilweise auch schon einmal nutzt, wenn ihr eigenes Arbeitszimmer mal wieder mit Schulmaterialien vollgestopft ist.

Der Wohnbereich der Wesselings besteht aus zwei sehr großen Wohnzimmern, die mit ganz erlesenen Möbelstücken und vielen teuren Gemälden und Teppichen ausgestattet sind. Daran grenzt ein größeres Esszimmer an, das nur benutzt wird, wenn Gäste kommen, und ein Esszimmer, das die Familie täglich nutzt. Dahinter befindet sich eine großzügig eingerichtete Küche. Bei dem 14. Raum des bewohnten Teils des Hauses handelt es sich um den Hauswirtschaftsraum. Dort arbeiten zwei Hausgehilfen, die das Essen zubereiten und die bewohnten Räume regelmäßig reinigen. Auch sind viele Vorräte an Getränken und Nahrungsmitteln dort untergebracht.

Dann gibt es noch drei Bäder, die aber nicht immer alle genutzt werden. Damit sind es eigentlich insgesamt 17 Räume, die die Familie Wesseling für sich nutzt. Die Villa verfügt über 32 weitere unbewohnte Räume und unten über eine sehr große Diele, die für größere Feiern ausgelegt ist. Diese unbewohnten Räume stehen allerdings längst nicht alle leer, denn Marco hat dort verschiedene Antiquitäten und Kunstgegenstände gebunkert, die er nicht alle in seinen Galerien unterbringen kann. Dazu hat er natürlich einige Regale aufgestellt. Gelegentlich lädt er einige der Kunstwerke in sein Fahrzeug, um sie einem Kunden zu zeigen oder um sie zu verkaufen. Meistens bringt Marco dann aber am Abend sogleich neue Kunstwerke mit in die Villa, um sie dort bis zum Verkauf zu deponieren. Dass die Werke alle zum Verkauf bestimmt sind, glaubt jedenfalls Kerstin.

Neben der Villa stehen auf dem großzügigen Grundstück noch einige Nebengebäude. Eines dieser Nebengebäude wird als Garage benutzt. Dort stehen die drei Fahrzeuge, die den Wesselings gehören, dann noch zwei Motorräder, die von Marco gefahren werden, und vier Fahrräder. In den anderen beiden Nebengebäuden sind weitere Gemälde untergebracht, die Marco im Augenblick in den Galerien nicht mehr unterbringen kann. Auch die Mühle nutzt Marco häufig zur Zwischenlagerung von Gemälden und Skulpturen. Teilweise lagern dort auch noch verschiedene Antiquitäten, die im Haus keinen Platz mehr gefunden hatten. Die hatten Marco und Kerstin ursprünglich zur Ausstattung ihrer Wohnräume angeschafft. Jetzt überlegen sie manchmal, zumindest einen Teil davon in Marcos Galerien auszustellen, um sie vielleicht bei Gelegenheit zu verkaufen.

Die Unterhaltung der Villa verschlingt sehr viel Geld. Schließlich müssen alle Räume beheizt werden, die Wohnräume natürlich, weil die Familie ja im Winter nicht unbedingt frieren will, und die restlichen Räume, weil auch die Kunstgegenstände zumindest gewisse Temperaturen benötigen, wenn sie keinen Schaden nehmen sollen. Natürlich müssen diese Räume nicht so stark beheizt werden wie die Wohnräume. Aber es kostet natürlich einiges, wenn man derart große Flächen beheizen muss. Selbst die Mühle muss ja während des ganzen Winters etwas beheizt werden, damit die Kunstgegenstände darin keinen Schaden nehmen.

Am Geld allerdings scheint es den Wesselings nicht zu fehlen. Sie könnten sich eigentlich noch viel mehr leisten als eine Villa im Wald, denn Marco Wesseling ist als Kunsthändler und Galerist in der ganzen Welt unterwegs, betreibt große Kunstgalerien in Zürich, New York und London, zwischen denen er hin- und her pendelt und hat eine kleinere Kunstgalerie in Düsseldorf auf dem Kandinsky-Weg, die er einige Male im Monat aufsucht. Kerstin glaubt, dass Marco Millionen verdient, denn es gehen immer wieder hohe Rechnungen ein. Wenn Marco ein Gemälde zu einem Preis von 20 Millionen Euro ankauft, dann muss er ja entsprechend hohe Summen einnehmen, sagt sie sich.

Marco ersteigert als Kunstgalerist häufig bei großen Auktionen Kunstgegenstände, insbesondere Gemälde und Skulpturen, die er anschließend in einer seiner Kunstgalerien ausstellt und manchmal auch verkauft. Dies natürlich dann zu ganz erheblichen Preisen, denn Kunst ist schließlich wertvoll. Manche Käufer sehen die Kunstwerke durchaus als Anlageobjekte und sind bereit, entsprechend hohe Summen dafür zu zahlen. Für einige berühmte Kunstobjekte gehen durchaus mitunter viele Millionen Euro über den Tisch. Auch Kaufpreise von 100 Millionen oder mehr sind nicht unbedingt eine Seltenheit. Aber vermutlich eher in den USA als in Deutschland.

Wenn Marco nicht gerade auf Auktionen großer Kunsthäuser gefragte Kunstgegenstände erwirbt, dann ist er oft bei privaten Sammlern oder in kleineren Kunstgeschäften unterwegs, wo er hin und wieder ein Schnäppchen machen kann, wertvolle Gemälde also zu Dumpingpreisen erwerben kann. Das ist dann nicht nur in den USA, sondern auch in allen möglichen europäischen Ländern, meistens allerdings in Italien, Spanien, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien und Tschechien oder in einigen osteuropäischen Ländern. In diesen Ländern scheint es besonders viele private Sammler zu geben, die bereit sind, wertvolle Gemälde und andere Kunstgegenstände zu verhältnismäßig günstigen Preisen abzugeben. So erzählt es Marco jedenfalls immer seiner Frau Kerstin. Natürlich ist Marco auch sehr häufig in der Schweiz unterwegs, denn er verfügt ja in Zürich über eine weitere Galerie, in der zahlreiche Kunstgegenstände ausgestellt werden. Kerstin hat diese Galerie nie gesehen, denn Marco reist stets allein, wenn er beruflich zu tun hat. Er sagt seiner Frau stets, es sei für sie bestimmt langweilig, wenn er sich geschäftsmäßig mit Kunstgegenständen befasste.

Ist Marco in den USA, nimmt er gelegentlich an riesigen Auktionen teil, in erster Linie aber nicht, um Kunstgegenstände zu ersteigern, was auf den großen Auktionen in den USA häufig viel zu kostspielig ist, sondern, um für eine Vielzahl von Gemälden und Skulpturen, die er ja auch selbst verkauft, die Marktpreise zu recherchieren. Schließlich will Marco ja seine Kunst in den Galerien nicht zu Spottpreisen verkaufen, sondern angemessene Preise erzielen. Da muss man sich eben oft auf einer Auktion erst einmal kundig machen, welche Kunstgegenstände gerade sehr gefragt sind und welche Summen dafür anzusetzen sind. Auf den großen Auktionen trifft Marco auch immer wieder Kollegen, also andere Kunsthändler, mit denen er sich über viele Dinge auf dem Kunstmarkt austauschen kann, so dass er immer auf dem neuesten Stand ist.

Um den Absatz auch international anzukurbeln, verfügt Marco zusätzlich in der US-Metropole New York über eine Galerie. Auch deshalb ist er sehr häufig und regelmäßig in den USA. Marco muss ja überall, wo seine Interessen berührt sind, nach dem Rechten sehen. Auch diese Galerie im New York hat Kerstin nie gesehen, weil Marco stets allein in die USA reist. Mit den Kindern wäre eine Reise in die USA, noch dazu eine Geschäftsreise, viel zu stressig, sagt Marco.

Den Verkauf der Kunstgegenstände in seiner kleinen Galerie in Düsseldorf regeln seine Angestellten, die Kunsthändlerin Astrid Unterbach und die Malerin Sabine Fröhlich. Marco besorgt ihnen allerdings die notwendigen Anziehungspunkte für das internationale Publikum, also berühmte Kunstwerke, die man in Düsseldorf nicht ohne weiteres erwartet, sondern eher in London oder New York, und er beschafft natürlich auch Werke noch nicht so bekannter Künstler, die ihm interessant erscheinen und von denen er glaubt, dass sie irgendwann einmal sehr berühmt werden könnten. In den Fällen relativ unbekannter Künstler betätigt sich Marco gewissermaßen als Preistreiber. Diese noch unbekannten Künstler würden ohne Marco vermutlich gar nicht in die Lage versetzt, ihre Kunst auf internationaler Ebene ausstellen zu können. Vielleicht würden sie nicht einmal innerhalb Deutschlands ihre Kunst verkaufen können, wenn Marco hier nicht für etwas Publicity sorgen würde.

Das Anwesen in der Nähe von Düsseldorf hat Marco von seinem Onkel geerbt, sagt er. Kerstin, seine Frau, weiß darüber nichts, denn als der Onkel gestorben ist, hatte sie ihren Mann ja noch nicht gekannt. Marco und Kerstin hatten sich vor vierzehn Jahren kennengelernt, als Marco bereits seit einigen Jahren in dieser Villa lebte, allerdings allein. Vor zwölf Jahren hatten sie geheiratet. Nach der Heirat ist Kerstin in die Villa eingezogen und hat natürlich noch einige weitere Räume bewohnbar ausgestattet. Marco hatte bis dahin nur acht Räume für sich provisorisch eingerichtet. Männer legen offenbar nicht so viel Wert auf eine ansprechende Ausstattung ihrer Wohnräume, solange sie allein darin leben. Diese acht Räume waren daher nicht optimal möbliert, sondern nur äußerst notdürftig.

Zu der Zeit befand sich Kerstin noch im Referendariat. Sie hatte ihr zweites Staatsexamen erst nach der Heirat abgelegt. Nach ihrem Staatsexamen hatte Kerstin ihre Tätigkeit an einem Gymnasium im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim aufgenommen. Dort hatte sie unterrichtet bis kurz vor der Geburt ihres Sohnes Simon vor zehn Jahren. Dann hatte Kerstin einige Jahre pausiert, bis ihre Tochter Nadja in den Kindergarten aufgenommen worden war. Das war vor fünf Jahren. Seitdem ist Kerstin wieder als Lehrerin tätig und zwar an einem Gymnasium in Erkrath. Kerstin liebt ihren Beruf. Deshalb hat sie ihre Tätigkeit vor fünf Jahren wieder aufgenommen. Finanziell lohnt sich das für sie und Marco nämlich nicht. Ihre Bezüge als Studienrätin sind nichts im Vergleich zu den Millionen, die ihr Mann verdient.

Marco ist, solange Kerstin denken kann, geschäftlich immer viel unterwegs gewesen. Mal ist er für eine Woche in New York in seiner großen Kunstgalerie und kümmert sich zwischendurch in San Francisco oder Washington um den Ankauf exklusiver Gemälde und Skulpturen. Zwischendurch nimmt er immer mal wieder an Auktionen teil oder nimmt wieder eine einmalige Gelegenheit wahr, indem er ein tatsächliches oder vermeintliches Schnäppchen für seine Galerien erwirbt.

Dann fliegt er wieder für drei oder vier Tage nach Zürich, um dort in seiner Kunstgalerie nach dem rechten zu sehen oder um ein Kunstwerk zu ersteigern. Manchmal ist er auch in Zürich, um einem Kunden seine Ware zu übergeben. Es kommt auch vor, dass er dann direkt, ohne zwischendurch nach Düsseldorf zurückzukehren, nach London weiterfliegt, wo er sich ja auch noch um eine größere Kunstgalerie zu kümmern hat, oder wieder nach New York, wenn dort ein wichtiges Event ansteht, an dem er als bekannter und gefragter Kunsthändler unbedingt teilnehmen muss. In dieser Branche muss man sich immer mal wieder an bestimmten Orten sehen lassen, damit die Leute wissen, das ist ein gefragter Mann, der ist sehr wichtig in der Branche. Und Marco ist ein gefragter Kunstgalerist, das weiß Kerstin.

Kerstin ist nie mitgereist, hat ihn also nie begleitet, wenn ihr Mann Marco zwischen seinen Kunstgalerien gependelt ist. Wenn er beruflich unterwegs war, hatte er ohnehin keine Zeit, um sich um ihre Bedürfnisse zu kümmern. Hinzu kommt, dass Kerstin sich für die Kunstwelt nicht so sehr interessiert, jedenfalls nicht so sehr wie Marco. Sie arbeitet viel lieber als Lehrerin mit den Kindern in der Schule. Das ist ihre Welt. Natürlich mag auch Kerstin viele der Kunstwerke, die Marco in den Galerien ausstellt. Aber sie ist weniger ambitioniert, was die Gespräche mit den Kunden angeht. Die Kundenkontakte, das ist Marcos Metier. Darin ist er sehr erfolgreich. Kerstin reicht es aus, wenn sie ein schönes Bild an der Wand hängen sieht. Dann denkt sie, das Bild ist wunderschön, aber wer der Maler war und was er sonst noch so gemalt hat, das interessiert sie eigentlich nicht. Marco ist da ganz anders.

Kerstin hält ihren Mann für einen überaus erfolgreichen Galeristen und Kunsthändler, ist er doch international tätig und verdient wahrscheinlich viele Millionen Euro im Jahr. Sie weiß natürlich, dass Marco sein Kunststudium nicht beendet, sondern nach wenigen Semestern bereits abgebrochen hat. In dieser Hinsicht ist Marco sicher nicht sehr erfolgreich gewesen. Beruflich muss er aber schon sehr früh überaus erfolgreich gewesen sein, denn der Unterhalt für das Anwesen in der Nähe von Düsseldorf verschlingt schon seit jeher Unmengen von Geld, und die Familie führt trotzdem auch noch ein Luxusleben, gibt also reichlich Geld aus.

Dass Marco überaus erfolgreich war, sah Kerstin schon daran, dass er ständig auf internationaler Bühne in einflussreichen Kreisen unterwegs war. Seine Kundschaft, das waren hochkarätige Geschäftsleute, bekannte Unternehmer, berühmte Schauspieler und bekannte Theaterregisseure. Solche Leute aus der High Society hat Marco oft auch in seine Villa eingeladen, und dann wurden keine Hamburger serviert, sondern es gab die teuersten Speisen im Überfluss und den teuersten Champagner, den man sich denken kann.

Allein der Unterhalt der Villa einschließlich der regelmäßigen Renovierungs- und Reinigungsarbeiten verschlingt mehr als zehn Millionen jedes Jahr. Das hatte Kerstin im letzten Jahr zufällig in den Geschäftsunterlagen ihres Mannes gesehen, als sie die Unterlagen für die Steuererklärung zusammengestellt hatte. Unmengen kosteten auch die vielen Reisen ihres Mannes. Dann gaben sie noch wahnsinnig viel Geld für teure Klamotten, noch teurere Autos und viel zu teure Parties aus. Aber über die Privatausgaben hatte sie keinen Überblick, weil es darüber keine Rechnungen gab. Es wurde viel geliefert und dann per Karte bezahlt. Sie hatte einmal grob überflogen, dass sie und Marco privat sicherlich oft weit mehr als 100.000 Euro im Monat ausgegeben haben.

Gleichwohl war immer noch genug Geld da. Kerstin hatte nie Probleme gehabt, die Rechnungen zu bezahlen, auch wenn diese mitunter in die Millionen gingen. Es waren bei weitem nicht nur Kunstwerke, die oft einige Millionen gekostet hatten. Marco hatte sich vor einigen Jahren sogar eine Yacht für 20 Millionen zugelegt. Auch das hatte Kerstin vom Girokonto einfach überwiesen, und die Überweisung hatte die vorhandenen Mittel nicht zur Neige gehen lassen, denn Marco dachte nun auch noch an den Kauf eines Flugzeuges. Sie lebten also auf ziemlich großem Fuß, und es war immer noch genug Geld übrig.

Kerstin konnte sich nicht daran erinnern, dass Marco irgendwann einmal gesagt hatte, man müsse Geld sparen. Im Gegenteil. Geld war nie ein Thema zwischen ihnen gewesen, seit vierzehn Jahren nicht. Marco hatte immer teurere Autos gekauft. Auch die Urlaube wurden im Laufe der Zeit immer exklusiver. Und Kerstin wurde, obwohl sie darauf eigentlich gar keinen Wert legte, von Marco mit immer teureren Schmuckstücken überhäuft. Und bei ihm im Nachttisch stapelten sich die Rolex-Uhren und die teuren Armbänder, die er kaum trug.

Marco war schon damals sehr ausgabefreudig gewesen, als Kerstin ihn kennengelernt hatte. Auch seinerzeit vor vierzehn Jahren gab Marco bereits Unmengen von Geld aus und pendelte mit dem Flugzeug ständig zwischen den Standorten seiner Kunstgalerien in New York, Zürich, London und Düsseldorf. Alle Bekannten und Geschäftspartner sowie auch seine Kunden wussten, der Marco Wesseling, der war geschäftlich überaus erfolgreich und gab sein Geld mit vollen Händen aus.

Verwandte hatte Kerstin nie kennengelernt. Marcos Eltern waren früh gestorben. Geschwister hatte er keine. Der Onkel, der ihm die Villa vererbt hatte, war sein einziger Verwandter gewesen, ein Bruder seines Vaters. Seine Mutter hatte keine Geschwister gehabt, sagte er zu Kerstin. Kerstin hatte auch nicht weiter nachgefragt. Sie war zufrieden mit dem Leben, das die beiden mit ihren Kindern führten. Ihnen fehlte es an nichts. Die Einsamkeit in der Villa störte sie nicht, weil sie ja jeden Morgen wieder in die Stadt fuhr und am Gymnasium mit zahlreichen Leuten Kontakt hatte. Natürlich hatte Kerstin auch ausreichend Gelegenheit, an den Wochenenden und in den Schulferien zu verreisen. In den Ferien war Marco beruflich nicht so aktiv, denn er verreiste sehr gern mit Kerstin und den Kindern.

Während Marco keinerlei Verwandte hatte, hatte Kerstin noch eine Schwester. Mit der telefonierte sie gelegentlich. Besucht hatte sie sie allerdings seit ihrer Heirat nur noch ein einziges Mal. Ihre Schwester wiederum schien auch keinen größeren Wert auf intensive Familienkontakte zu haben, denn sie hatte sie nur nach der Geburt des Simon ein einziges Mal besucht, danach nicht mehr. Aber sie verstanden sich gut. Es gab keinerlei Probleme zwischen ihnen. Dann hatte Kerstin auch noch einen Vater, einen Vater unbekannten Aufenthalts. Dieser hatte die Familie verlassen, als sie und ihre Schwester zwei und drei Jahre alt gewesen waren. Seitdem war er verschwunden, und ihre Mutter hatte immer mehr Alkohol getrunken und häufig Tabletten genommen. Vor zwei Jahren war sie in der Psychiatrie verstorben.

Kerstin hatte schon oft darüber nachgedacht, wieso ihr Mann ihr so wenig über seine Kindheit erzählte. Sie wusste nur, seine Eltern waren früh gestorben, als er noch ein Kleinkind gewesen war. Wo und unter welchen Umständen er aufgewachsen war, darüber hatte er nie gesprochen. Kerstin hatte immer das Gefühl gehabt, wenn sie ihn nach Einzelheiten aus seiner Kindheit angesprochen hat, dass er ihr ausgewichen ist. So hatte Marco mit keinem Wort, obwohl sie ihn oft danach ausdrücklich gefragt hatte, bestätigt, dass er in dieser Villa seines Onkels, in der sie jetzt zusammen wohnten, aufgewachsen war. Er hatte immer nur von Kinderheimen und Internaten gesprochen.

Manchmal hatte Kerstin auf Grund der ausweichenden Antworten ihres Mannes den Eindruck gehabt, sein Onkel habe ihn als Kind ins Kinderheim oder ins Internat abgeschoben, weil er sich vielleicht nicht mit einem kleinen Kind belasten wollte. Oder war der Onkel vielleicht aus beruflichen Gründen häufig abwesend gewesen, so ähnlich wie Marco seine beruflichen Aktivitäten nach dem Abbruch seines Kunststudiums ja auch gestaltet hatte? Auch Marco war ja ein ziemlich rastloser Mensch, der sich die ganze Zeit irgendwo in der Weltgeschichte herumtrieb. Er war nie länger als eine Woche ununterbrochen zu Hause in der Villa.

Das ist Kerstin allerdings erst aufgefallen, nachdem sie realisiert hatte, dass sie ihren Mann vermutlich in den nächsten Jahren nicht mehr sehen würde. Seine Persönlichkeitsmerkmale kannte Kerstin ja gut. Nur hatte sie nie über die Gründe für Marcos Rastlosigkeit nachgedacht. Warum reiste er immer in alle möglichen Länder, um sich dort immer nur für einen relativ kurzen Zeitraum aufzuhalten? Irgendetwas aus seiner Kindheit belastete ihn wahrscheinlich so sehr, dass er hierüber mit niemandem redete.

2.

Eines Tages oder vermutlich eher nachts hat Marco in einem Kunstmuseum in der Nähe von Oxford, nämlich in dem Blenheim-Palace, eine goldene Kloschüssel geklaut. Die hatte er immer schon haben wollen. Und Marco wird erwischt. Er kann zwar die Kloschüssel noch abmontieren, in sein Fahrzeug schleppen und mit seinem Fahrzeug in Sicherheit bringen. Ein paar Stunden hat das Kunstwerk in seiner Londoner Galerie gelegen. Aber die englische Polizei hat sehr schnell entdeckt, dass Marco für den Kunstdiebstahl verantwortlich ist. Vermutlich hatte Marco übersehen, dass in dem Palast überall Überwachungskameras angebracht waren, seit die goldene Kloschüssel dort installiert worden war. Marco wurde kurze Zeit später in seiner Londoner Galerie von der britischen Polizei wegen Kunstdiebstahls festgenommen.

Bei der berühmten goldenen Kloschüssel handelt es sich um ein ganz besonderes Kunstwerk, das zum Zeitpunkt des Diebstahls im Blenheim-Palast ausgestellt worden war. Schloss Blenheim ist Churchills Geburtsort und insoweit nicht nur Kunstkennern gut bekannt. Es ist ein Landsitz in Südengland, der sich in der Nähe von Oxford befindet. Dieser vergleichsweise spärlich gegen Einbrüche gesicherte Palast erschien Marco wohl als idealer Ort, sich diese goldene Kloschüssel anzueignen. Eine bessere Gelegenheit hätte er sich gar nicht wünschen können. Es war für ihn ein Leichtes gewesen, sich als Handwerker mit entsprechender Arbeitskleidung und Ausrüstung während der Nacht in den Palast zu schleichen, die goldene Kloschüssel abzumontieren und gut verpackt aus dem Palast in sein Fahrzeug zu schaffen. Das wenige Personal hatte ihn kaum beachtet. Vielleicht haben sie sich darüber gewundert, dass dieser „Handwerker“ sogar nachts arbeitete, aber das kam schon mal vor, wenn vor einer geplanten Ausstellung noch schnell Mängel zu beheben waren, war also nicht so ungewöhnlich.

Die goldene Toilette ist aus 18-Karat-Gold und insofern allein schon von den verwendeten Materialien her ein überaus wertvolles Kunstwerk. Dieses ganz besondere Kunstwerk, das von dem italienischen Künstler Maurizio Cattelan geschaffen wurde, ist eigentlich ein satirisches Werk, das ursprünglich mit „America“ bezeichnet wurde und im Guggenheim Museum in New York ausgestellt werden sollte. Es wiegt etwa 98 kg und hat einen Materialwert von etwas über einer Million Euro. Der Versicherungswert liegt bei fast sechs Millionen Dollar.

Es war allerdings nicht der materielle Wert dieser goldenen Kloschüssel, der Marco so sehr gereizt hatte, dass er das Kunstwerk einfach aus dem Palast gestohlen hat. Vielmehr erinnerte dieses besondere Kunstwerk Marco an seinen Onkel, der vor langer Zeit verstorben war. Dieser Onkel war sein einziger Verwandter, an den sich Marco noch hatte erinnern können. An seine Eltern hatte er keinerlei Erinnerung mehr, weil diese gestorben waren, als er selbst noch sehr klein gewesen war. Wieso ausgerechnet dieses goldene Kloschüssel bei ihm die Erinnerung an seinen Onkel ausgelöst hatte, war ihm selbst nicht klar. Auch niemand in seiner Umgebung hätte sich erklären können, wieso der Onkel eine gewisse Affinität zu der goldene Kloschüssel hätte haben sollen, so dass eine Verbindung des Onkels zu der goldenen Kloschüssel eher unwahrscheinlich schien.

Kerstin ist aus allen Wolken gefallen, als sie davon erfahren hat, dass man ihren Mann in London wegen eines Diebstahls festgenommen hatte. Sie hat natürlich anfangs nicht verstanden, wieso Marco dieses Kunstwerk nicht einfach gekauft hatte. Ein paar Millionen Euro oder auch Dollar waren doch für ihn ein Pappenstiel, dachte sie. Aber, dass ein solches Kunstwerk gar nicht verkäuflich sein könnte, damit hatte Kerstin möglicherweise nicht gerechnet. Und Marco wohl auch nicht, weshalb er sich offenbar dazu entschlossen hatte, das Kunstwerk, das er nun einmal unbedingt besitzen wollte, einfach aus dem Palast zu stehlen. Das dachten nicht nur Marcos Ehefrau, sondern auch seine Düsseldorfer Angestellten und seine Bekannten und Freunde, als sie von der Geschichte erfuhren. Ein anderes Motiv für diesen Diebstahl konnte sich bei Marco niemand vorstellen.

Die Polizei in Oxford, die natürlich sofort verständigt worden war, nachdem man im Blenheim-Palast das Fehlen der goldenen Toilette bemerkt hatte, nahm die Ermittlungen auf. Zu dem Zeitpunkt war es noch sehr früh am Morgen. Zuständig war Chefinspektor Tom Blinken, der sich sofort unmutig äußerte, vermutlich, weil er schon vor seinem eigentlichen Dienstbeginn am frühen Morgen arbeiten musste: „Wieso haben die im Palast eigentlich eine goldene Kloschüssel? Und wieso passen die nicht besser auf das Ding auf, wenn sie schon ihre Toiletten mit derart wertvollen Utensilien ausstatten?“ Seine Kollegen schüttelten den Kopf. Der Chef war mal wieder genervt, weil er so früh zur Dienststelle gerufen worden war.

Chefinspektor Tom Blinken fuhr direkt mit einem ganzen Stab von Mitarbeitern zum Blenheim-Palace und fragte dann dort das vor Ort angetroffene Personal nach den getroffenen Sicherungsmaßnahmen. Die Bediensteten konnten dazu kaum Angaben machen. Ein Mitarbeiter sagte ihm: „Herr Inspektor, für die Sicherungsmaßnahmen ist ein auswärtiges Dienstleistungsunternehmen zuständig. Alle Ausstellungsstücke sind elektronisch gesichert, aber wie, das weiß nur die Firma.“ „Na, schön. Dann zeigen Sie mir eben, wo die goldene Kloschüssel gestanden hat.“

Der Chefinspektor und einige seiner Leute folgten dem Mitarbeiter des Palasts durch mehrere Gänge bis in einen größeren Raum, in dem noch einige Montagematerialien lagen, der aber ansonsten über kein Mobiliar oder über irgendwelche Einrichtungsgegenstände verfügte. „In diesem Raum stand also nur die Toilette?“ „Ja, Herr Inspektor.“ „War die Toilette in der Wand befestigt und verfügte sie auch über einen Wasseranschluss?“ „Selbstverständlich, Herr Inspektor. Für das Publikum sollte sie ja wie eine echte Toilette aussehen.“

Der Chefinspektor konnte sich ein Lachen kaum verkneifen. „Erstaunlich“, meinte er. Einige seiner Beamten räusperten sich auffällig, machten aber aus Rücksicht auf das Personal keine dummen Bemerkungen. Blinken sprach sehr leise, als er auf die Antwort des Mitarbeiters reagierte: „Na, dann wollen wir mal hoffen, dass diese goldene Kloschüssel noch keiner der Besucher oder des Personals benutzt hat.“ „Chef“, argumentierte einer der Beamten, „wenn sie benutzt worden ist, dann hat sich vielleicht der Dieb mit den Überresten bekleckert, und wir können seine Spur leichter aufnehmen.“ „Aha“, erwiderte Blinken, „wollen Sie eine derartige Spur aufnehmen, dann nur zu!“ Dazu hatte natürlich keiner seiner Beamten große Lust. Seite Leute hatten vermutlich auch eher gedacht, dass dies ein Spürhund für sie erledigten konnte.

Im Anschluss vernahm Tom Blinken sämtliche Bedienstete des Palasts einzeln und danach die Security-Mitarbeiter, die die auswärtige Firma inzwischen zum Palast beordert hatte, bis er schließlich von einem dieser Security-Mitarbeiter erfuhr, mit welchem Fahrzeug das Diebesgut möglicherweise abtransportiert worden war. Das kostete den Inspektor nach den vielen erfolglosen Befragungen, die nun schon hinter sich gebracht hatte, kaum noch fünf Minuten, bis er die benötigten Informationen aus dem Mitarbeiter herausgekitzelt hatte.

„Okay, Mr. Cavanagh, Sie hatten also vergangene Nacht Dienst und können uns, so hoffe ich, etwas zu dem Geschehen in der Toilette sagen.“ „Also, Herr Inspektor, in dem Bereich, wo sich die Toilette befindet, hatte ich heute Nacht nichts zu tun. Ich war weiter vorn, das heißt, ich war eigentlich die meiste Zeit im Bereich des Eingangs.“ „Haben Sie jemanden im Bereich des Eingangs gesehen, der vielleicht ein schweres Gerät oder sonst etwas Ungewöhnliches nach draußen transportiert hat?“ „Ich glaube nicht, Herr Inspektor. Ich habe nur einen Handwerker zufällig vor der Eingangstür gesehen. Der transportierte etwas in einem Müllsack. Das sah jedenfalls so aus.“ „Und wohin ist dieser Handwerker mit dem Müllsack gegangen?“ „Nach draußen. Zu seinem Fahrzeug. Er hat den schweren Müllsack in sein Fahrzeug geladen.“

„Mr. Cavanagh, welche Farbe hatte dieses Fahrzeug, in das der Handwerker den schweren Gegenstand oder, wie Sie sagen, den Müllsack, eingeladen hat?“ „Es war blau, ziemlich dunkelblau, Herr Inspektor.“ „Konnten Sie das Kennzeichen entziffern?“ „Nein, leider nicht. Aber die Aufschrift auf der rechten hinteren Tür konnte ich sehen, als der Wagen wegfuhr und dabei abgebogen ist.“ „Ja, und was stand da?“ „Da stand Marcos Art Gallery London.“ „Und wieso konnten Sie die Aufschrift trotz der Dunkelheit so gut entziffern?“ „Der Parkplatz war die ganze Nacht hell beleuchtet, weil mehrere Handwerker gearbeitet haben und die öfter Werkzeuge aus ihren Fahrzeugen holen mussten, Herr Inspektor.“ „Danke, Mr. Cavanagh, Sie haben uns sehr geholfen.“ Zum Leiter der Ausstellung im Palast sagte der Inspektor: „Mr. Tottenham, wir melden uns bei Ihnen, sobald wir ein Ermittlungsergebnis haben.“

Dann verließ der Chefinspektor mit seinen Beamten zügig das Schloss, um auf direktem Weg nach London zu fahren. Einer seiner Kollegen gab seinem Erstaunen Ausdruck, dass man das Fahrzeug einer Kunstgalerie einem Handwerker zugeordnet hatte. Auch der Chefinspektor konnte sich über die Naivität der Mitarbeiter des Palasts nur wundern. Das hätte denen doch auffallen müssen, dachte er. Das war doch verdächtig, wenn ein Handwerker mit dem Fahrzeug einer Kunstgalerie unterwegs war. Aber das Personal im Palast hatte sich darüber keinerlei Gedanken gemacht, sondern diesen Umstand offenbar für völlig normal gehalten. Es war ja auch nicht ihre Aufgabe, auf solche Dinge zu achten.

Unterwegs sagte Tom Blinken zu seinem Kollegen Inspektor Mc. Arthur: „Henry, sehen Sie mal im Internet nach, wo wir in London diese Art Gallery Marco finden.“ „Okay, Chef, mach ich.“ Natürlich hatte Marco einen geschäftlichen Eintrag mit Anschrift und konnte deswegen von Inspektor Mc. Arthur ziemlich schnell gefunden werden. Die Polizisten informierten ihre Kollegen über die Kunstgalerie und schalteten ihr Blaulicht ein. Jetzt wollten sie keine Zeit verlieren, hatten sie doch eine heiße Spur.

Keine neunzig Minuten später trafen die beiden Polizisten und einige Streifenwagen vor Marcos Kunstgalerie ein. In dem Moment hatten sie sich vermutlich noch nicht vorstellen können, dass sie in wenigen Minuten den Chef dieser Kunstgalerie festnehmen würden. Dieser hatte vermutlich auch nicht mit einem so baldigen Erscheinen der Polizei gerechnet.

3.