Mördergrube - Helga Geerkens - E-Book

Mördergrube E-Book

Helga Geerkens

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Beschreibung

Die Geschichte beginnt mit der sogenannten Machtergreifung und der brutalen Verfolgung Andersdenkender durch die SA-Kämpfer in den ersten sechs Monaten nach dem 30.1.1933. Besonders betroffen davon sind Kommunisten, Sozialdemokraten, Juden und andere Minderheiten wie Sinti, Roma, Behinderte, Homosexuelle und alle diejenigen, die von den Nazis als Asoziale bezeichnet werden. Die Mörder sind Teil des damaligen Staatsapparates, werden also für ihre Untaten nicht bestraft. Die meisten von ihnen werden später zur Wehrmacht eingezogen. Einige überleben den Krieg nicht. Die Überlebenden haben wie viele andere NS-Verbrecher völlig unbehelligt nach Kriegsende ihr Leben weiterführen können. Niemand wusste von ihrer NS-Vergangenheit. Keiner von ihnen wurde zur Rechenschaft gezogen, jedenfalls in Westdeutschland. Bis im Jahre 1993 in Berlin-Köpenick ein Baugrundstück ausgehoben wurde und man dort sechs noch relativ gut erhaltene Leichen aus der Nazi-Zeit gefunden hat. 60 Jahre nach der sogenannten Blutwoche in Köpenick, bei der zahlreiche politische Gegner ermordet wurden. Die Protagonisten sind natürlich frei erfunden. Aber die geschilderten Taten haben sich in vergleichbarer Brutalität tausendfach, vielleicht sogar millionenfach ereignet. Opfer und Täter stehen stellvertretend für eine Vielzahl damaliger Zeitgenossen. Kaum einer der Täter ist für diese Taten zur Rechenschaft gezogen worden. In Westdeutschland kein einziger.

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Seitenzahl: 279

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Helga Geerkens

Mördergrube

Roman

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Erster Teil: „Machtergreifung“ der NS Ende Januar 1933

Zweiter Teil: Willkürlich durch Nazis ermordete Menschen

Dritter Teil: Die Verantwortlichen der SA-Übergriffe

Vierter Teil: 60 Jahre nach der Machtergreifung

Fünfter Teil: Die Ermittlung der Täter

Sechster Teil: Der Prozess

Siebter Teil: Staatsakt als späte Wiedergutmachung

Achter Teil: Rache für die Opfer

Neunter Teil: Der Abschluss der Ermittlungen

Zehnter Teil: Zum Schluss: Die Angehörigen in Tel Aviv

Impressum neobooks

Erster Teil: „Machtergreifung“ der NS Ende Januar 1933

mördergrube

UNGESÜHNTE TATEN DER NS INNERHALB DER ERSTEN SECHS MONATE NACH DER SOGENANNTEN MACHTERGREIFUNG

Helga Geerkens

Roman 2025

Inhalt (Zusammenfassung)

Die Geschichte beginnt mit der sogenannten Machtergreifung und der brutalen Verfolgung Andersdenkender durch die SA-Kämpfer in den ersten sechs Monaten nach dem 30.1.1933. Besonders betroffen davon sind Kommunisten, Sozialdemokraten, Juden und andere Minderheiten wie Sinti, Roma, Behinderte, Homosexuelle und alle diejenigen, die von den Nazis als Asoziale bezeichnet werden. Die Mörder sind Teil des damaligen Staatsapparates, werden also für ihre Untaten nicht bestraft. Die meisten von ihnen werden später zur Wehrmacht eingezogen. Einige überleben den Krieg nicht. Die Überlebenden haben wie viele andere NS-Verbrecher völlig unbehelligt nach Kriegsende ihr Leben weiterführen können. Niemand wusste von ihrer NS-Vergangenheit. Keiner von ihnen wurde zur Rechenschaft gezogen, jedenfalls in Westdeutschland. Bis im Jahre 1993 in Berlin-Köpenick ein Baugrundstück ausgehoben wurde und man dort sechs noch relativ gut erhaltene Leichen aus der Nazi-Zeit gefunden hat. 60 Jahre nach der sogenannten Blutwoche in Köpenick, bei der zahlreiche politische Gegner ermordet wurden.

Die Protagonisten sind natürlich frei erfunden. Aber die geschilderten Taten haben sich in vergleichbarer Brutalität tausendfach, vielleicht sogar millionenfach ereignet. Opfer und Täter stehen stellvertretend für eine Vielzahl damaliger Zeitgenossen. Kaum einer der Täter ist für diese Taten zur Rechenschaft gezogen worden. In Westdeutschland kein einziger.

Inhaltsverzeichnis

1.

In allen deutschen Städten, Dörfern und Ortschaften des sogenannten Dritten Reiches haben die Nazis nach der sogenannten Machtergreifung vom 30.1.1933 sehr viele Gräueltaten verübt. Wilde SA-Horden, ausgestattet mit braunen Hemden und versehen mit Hakenkreuzen der Nazi-Partei, zogen durch das gesamte Land, stürmten jeden Tag und jede Nacht zu Dutzenden durch die Straßen, um ihre politischen Gegner, insbesondere Sozialdemokraten und Kommunisten, sowie Minderheiten wie jüdische Mitbürger und sonstige missliebige, ausgegrenzte Mitbürger zu misshandeln und zu malträtieren. Die brutalen Übergriffe haben viele Opfer nicht überlebt.

Sehr viele Opfer solcher SA-Übergriffe haben die ersten sechs Monate nach der sogenannten Machtergreifung gefordert. Unter diesen Opfern, die zum Teil nicht überlebt haben, waren sehr viele Kommunisten und Sozialdemokraten, noch mehr Juden und sogar geistig Behinderte, aber manchmal auch ganz unauffällige politisch nicht aktive Mitbürger.

Gegner der Nazis, das waren praktisch alle diejenigen, die nicht „mit den Wölfen geheult“ haben, vernünftige Zeitgenossen, die diese NS-Hysterie verabscheut haben, aufrichtige Demokraten, Christen und letztlich jeder, der nicht für die Nazis gestimmt hatte und bei deren Erscheinen auf der Bildfläche nicht in Jubel ausgebrochen war. Zu den Gegnern dieser Nazis gehörten irgendwann auch diejenigen, die von ihnen als „Asoziale“ gebrandmarkt wurden, wie etwa Homosexuelle, „Arbeitsscheue“, oder Sinti und Roma, sogenannte Minderheiten eben.

Dieser SA-Mob, der seit Ende Januar 1933 in Scharen durch die Straßen zog, war schwer bewaffnet mit Pistolen, mit Schlagstöcken, Messern, Eisenstangen, Stahlruten und anderen gefährlichen Gerätschaften ausgerüstet, einfach mit allem, das geeignet war, wehrlosen Opfern schwere, mitunter tödliche Verletzungen zuzufügen. Die SA-Gruppen haben von vornherein beabsichtigt, dass einige Menschen die brutalen Misshandlungen nicht überlebten.

Die SA-Horden marschierten regelmäßig durch die Straßen, um die Schaufenster der jüdischen Geschäfte einzuschlagen, um die jüdischen Geschäftsinhaber zu beschimpfen, zu schlagen und zu foltern. Dieser SA-Mob beschimpfte die jüdischen Kaufleute als Undeutsche und warf ihnen Rassenschande vor. Sie pinkelten in die Auslagen der jüdischen Geschäfte, verwüsteten die gesamte Geschäftseinrichtung und zerschlugen und verwüsteten sogar Wohnhäuser, in denen jüdische Mitbürger lebten.

Das war brutaler, staatlich organisierter Terror, den die SA-Räuberbanden seit der sogenannten Machtergreifung insbesondere an den Gegnern der Nazis verübten. Diese systematischen Übergriffe auf ganze Bevölkerungsgruppen, insbesondere auf Sozialdemokraten und Kommunisten, ferner auf jüdische Mitbürger, dienten der Einschüchterung der politischen Gegner der Nazis. Auf diese Weise wollten sie die Macht des neu ernannten Reichskanzlers zementieren. Offenbar für die nächsten tausend Jahre.

Natürlich hatten die Nazis schon mehrere Jahre zuvor durch ihre SA-Trupps und weitere gewalttätige Gruppierungen bei Parteiveranstaltungen und auf den Straßen für Unsicherheit gesorgt und häufig die gesamte Bevölkerung unter Druck gesetzt, wobei sie auch schon vor 1933 viele Morde begangen haben. Seit dem 30.1.1933 waren es allerdings systematische Überfälle, verübt durch eine Vielzahl von SA-Mitgliedern, die wesentlich besser organisiert waren als vor 1933. Die SA-Organisation hatte zu jener Zeit nämlich schon fast eine halbe Million Mitglieder, verfügte also über eine gewisse Schlagkraft. Diese gewalttätige Organisation war deshalb durchaus in der Lage, politisch Andersdenkende in großem Ausmaß systematisch zu verfolgen, zu terrorisieren und auch zu ermorden. Seit dem Reichstagsbrand sind Kommunisten und Sozialdemokraten zu vielen Tausenden gezielt festgenommen, misshandelt und gefoltert worden. Viele haben diese brutale Behandlung nicht überlebt.

Diese SA-Horden praktizierten seit Ende Januar 1933 ihre gewalttätigen Streifzüge durch fast alle deutschen Städte und Ortschaften und verbreiteten dadurch große Unsicherheit und staatlichen Terror in den Städten und Dörfern. Genau das war auch ihre Absicht. Die SA-Trupps schossen willkürlich auf Sozialdemokraten und Kommunisten, auf jüdische Mitbürger, Sinti und Roma, und sogar auf Behinderte. Hatten sie keine Schusswaffen oder war die Munition verbraucht, verwendeten sie Eisenstangen, um mit brachialer Gewalt auf die Menschen einzuschlagen. Systematisch suchten sie ihre politischen Gegner auch in ihren Wohnungen auf, verschafften sich gewaltsam Zutritt zu deren Wohnungen, um sie dort zu foltern und zu misshandeln oder, um sie festzunehmen und in ihren SA-Kasernen zu foltern, selbstverständlich alles ohne jegliche Rechtsgrundlage. Staatlich verordneter Terror eben.

Seit dem Reichstagsbrand ist es für die Bevölkerung noch unerträglicher geworden. Der Terror durch die SA-Trupps wird nach dem 27.2.1933 systematischer, gezielter gegen alle möglichen Andersdenkenden gerichtet. Die Realisierung der sogenannten Gleichschaltung hat begonnen. Diejenigen, die davon betroffen sind, ahnen, was mit einer derartigen faschistischen Regierung auf sie zukommt.

SA-Gruppierungen nehmen völlig willkürlich, ohne jegliche Rechtsgrundlage, Sozialdemokraten, Kommunisten und jüdische Mitbürger einfach fest, und sperren sie in speziellen Hafteinrichtungen der SA-Kämpfer oder der Nazipartei ein. Bei diesen Aktionen mit brutalen Festnahmen werden immer wieder sogar kleine Kinder Opfer der mit brachialer Gewalt verbunden Handlungen der SA-Einsatzkräfte. Wie etwa der kleine Zigeunerjunge oder das jüdische Kleinkind, die einfach ohne jeglichen Anlass vom SA-Mob in einem Kübel voller Wasser ertränkt worden sind. Die SA-Horde hatte offensichtlich nur Lust am Töten Wehrloser. Selbstverständlich hatten die Kinder nichts verbrochen, sondern haben nur staunend einer größeren Festnahmeaktion der Braunhemden zugesehen. Und natürlich brauchte die SA-Mannschaft keinen besonderen Grund. Zigeunerkinder und jüdische Kinder sind für sie lebensunwert. Das entnehmen die Umstehenden den Kommentaren dieser wilden SA-Männer, die diese ablassen, nachdem sie die Kinder brutal ertränkt haben. Menschenverachtend, diese Nazis. In der Tat, menschlich haben sich diese Typen nicht benommen, eher wie eine wild gewordene Nashornherde.

Dann zieht der SA-Mob mit den Braunhemden und Hakenkreuzen weiter. Diese Bestien marschieren einfach weiter, ohne Erbarmen, drangsalieren den nächsten Zigeuner oder den nächsten jüdischen Kaufmann. Am folgenden Tag dann wieder die Kommunisten und die Sozialdemokraten. Niemand hindert diese elenden braunen Verbrecher mit den Hakenkreuzen an ihren Raubzügen durch die Städte. Nicht einmal die Polizei traut sich noch, sich diesen SA-Aufmärschen entgegenzustellen.

Der SA-Mob trifft schließlich später irgendwo in der Stadt erneut auf einen Kommunisten. „Du Schwein“, begrüßen die Braunhemden ihn. Im nächsten Augenblick hat der SA-Mob den Kommunisten blutig geschlagen. Niemand hilft dem angegriffenen Kommunisten. Alle haben Angst vor diesen brutalen SA-Schlägern. Der Kommunist ist, wie der Zigeunerjunge, wie der jüdische Kaufmann, völlig allein und auf sich gestellt. Und nun liegt er auf der Straße, schwer verletzt. Nicht einmal ein Arzt wird gerufen. Der rücksichtslose SA-Mob zieht weiter. Eine halbe Stunde später ist der Kommunist tot, wahrscheinlich verblutet. Die SA-Horde marschiert einfach immer weiter. Ihr ist es völlig gleichgültig, ob und wie viele Menschen durch ihre brutalen Attacken sterben. Für sie sind es nur Gegner, keine menschlichen Wesen.

In Berlin hat die SA-Kampftruppe regelmäßig nicht nur die politischen Gegner, also vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, sondern auch jüdische Mitbürger gewaltsam in ihre SA-Kasernen verfrachtet, um sie dort zu misshandeln und zu foltern. Das ist größeren Bevölkerungskreisen schon bald nach der sogenannten Machtergreifung bekannt geworden, jedenfalls in den größeren Städten wie etwa in Berlin, München und Hamburg. Ähnliches haben die SA-Trupps in Chemnitz und Plauen praktiziert und zwar in einer derart menschenverachtenden Weise, dass sich polnische Diplomaten sogar bei Regierungsstellen darüber beschwert haben, dass die SA-Kampfgruppen selbst die dort lebenden polnischen Juden gefoltert haben. Dasselbe hat der SA-Mob mit den amerikanischen Juden gemacht. Der amerikanische Botschafter hat sich deswegen ebenfalls bereits am 9.3.1933 wegen der Behandlung der amerikanischen Juden in Berlin an die deutsche Regierung gewandt.

Auch in Dresden, Falkenstein, Zwickau und vielen anderen Städten sind polnische Juden wie auch die deutschen Juden durch die SA-Trupps misshandelt und gefoltert worden. So wie in vielen anderen Städten waren sogar ausschließlich kriminelle SA-Banden überall gegen die jüdische Bevölkerung aktiv, und die haben dort besonders brutal gewütet, so in Kassel, Dresden, Schlesien und Worms. Dokumentiert sind diese Übergriffe durch Proteste ausländischer Offizieller, denen Wertgegenstände geraubt worden sind. Die Beschwerden ausländischer Diplomaten störte den SA-Mob natürlich überhaupt nicht. Sie waren ja offenbar die „Herrenmenschen“, standen über dem Gesetz. Solange sie die Rückendeckung von ganz oben hatten, konnten sie auf deren Unterstützung zählen. Sie und ihre Verbrechen wurden von der Regierung gedeckt.

Wenn man genauer in die Archive schaut, erkennt man, dass die SA-Horden praktisch in jeder Stadt ihr Unwesen getrieben haben. Es gab also kaum eine SA-freie Zone. Und man gewinnt den Eindruck, dass die Menschen dem brutalen Treiben dieses SA-Mobs überall tatenlos zugesehen haben. Was hätten sie auch gegen eine halbe Million kriminelle Braunhemden unternehmen sollen? Gegen die waren die größtenteils unbewaffneten Menschen natürlich machtlos.

In einer Küstenstadt lebt und arbeitet der Matrose Hans-Peter. Er ist am Spätnachmittag unterwegs ins Kaffeehaus, wo er sich mit seinem Freund, dem Schuster Konrad, treffen will. Bis ins Kaffeehaus kommt er nicht, denn die SA-Horden marschieren inzwischen auch durch die Küstenstadt. Sie suchen in allen reichsdeutschen Städten nach Gegnern der Nazis. Und sie finden immer Nazigegner, in jeder Stadt, in jeder Ortschaft, sogar auf dem Land, einfach überall. Finden sie keine Kommunisten, reicht ihnen manchmal auch ein Katholik. Hauptsache, sie können prügeln und verletzen.

Die SA-Horde schlägt Hans-Peter mit Eisenstangen auf den Kopf und auf die Beine. Hans-Peter kann sich nicht mehr auf den Beinen halten, fällt hin, liegt wehrlos am Boden, halbtot. Niemand traut sich, ihm zu Hilfe zu kommen. Alle gehen schnellstens an dem Geschehen vorbei, denn sie haben Angst vor dem SA-Gesindel. Schließlich könnte diese SA-Bande als nächstes auf sie einschlagen. Nicht einmal einen Arzt oder einen Sanitäter verständigen sie, so groß ist die Angst der Bevölkerung von der SA-Meute.

Der selbsternannte NS-Führer, inzwischen Reichskanzler, faselt immer etwas von einer Stunde der Abrechnung, die nun gekommen sei. Das dürfte sie dann wohl sein, die Abrechnung: Brutale Morde an Gegnern der Nazis, insbesondere an denen, die sich nicht zu wehren imstande sind. Offenbar sollen alle politischen Gegner und Minderheiten, einfach alle, deren Nase den Nazis nicht passt, die ihnen unbequem sind, umgebracht werden. Die totale Ausrottung aller NS-Gegner, das scheint die Devise der Nazis zu sein.

Diese Überfälle auf einzelne schwache Personen durch SA-Aufmärsche erfolgen systematisch und auf Anordnung der obersten politischen Führung, die auf diese Weise alle tatsächlichen und vermeintlichen politischen Gegner einschüchtern und mundtot machen will. Die SA-Haufen verüben planmäßig auf Anordnung der politischen Führung Überfälle nicht nur auf einzelne Menschen, sondern in größeren mit Schusswaffen ausgerüsteten Horden auch auf Gewerkschaftshäuser, Volkshäuser und andere Institutionen der deutschen Arbeiter, die sie allesamt als ihre Gegner betrachten, denn diese Gruppen sind nicht vom NS-Ungeist infiltriert und dagegen offenbar immun, lassen sich also nicht beeinflussen.

In Berlin holen SA-Banden kommunistische Abgeordnete nach dem Reichstagsbrand reihenweise aus ihren Wohnungen herausgetrieben oder unterwegs von der Straße geprügelt, um sie festzunehmen, in ihre SA-Kasernen zu bringen oder in die SA-Zentrale in die Hedemannstraße, sie dort tagelang auf Extremste zu foltern, sie in Gruppen an die Wand zu stellen und auf sie zu schießen und sie zu Aussagen über andere Kommunisten und Sozialdemokraten zu zwingen.

In Chemnitz erschießen SA-Truppen im März 1933 den Geschäftsführer der sozialdemokratischen Druckerei und besetzen diese Druckerei. Es soll offenbar nichts mehr gedruckt werden, was den Nazis nicht passt. Ebenfalls im März erschießt die SA-Kampfgruppe den Werbeleiter des Volksfreundgebäudes, und in Dresden stürmt sie ebenfalls die Volkshäuser. Anschließend hat sie die Berliner und die Königsberger Gewerkschaftshäuser gestürmt und verwüstet. Kultur und Kunst, Literatur und gesellschaftliches Miteinander soll offenbar unmöglich gemacht werden. Deshalb werden diese Einrichtungen vollkommen zerstört.

In Hamburg haben SA-Gruppen am 8. März 1933 einen Arbeiter erschossen, in Breslau, Berlin und anderen Orten ebenfalls. In Bochum haben sie mehrere Arbeiter, angeblich Kommunisten, erschossen, und am 10. März 1933 haben sie sogar eine alte Frau in ihrer Wohnung erschossen. Das sind Beispiele aus zufällig bekannt gewordenen örtlichen Zeitungsberichten.

In Solingen haben Mitglieder der SA-Standarte Solingen im März 1933 französische Arbeiter festgenommen, sie systematisch in der SA-Kaserne tagelang aufs Übelste misshandelt und sie dabei lebensgefährlich verletzt. Sogenannte Fremdarbeiter lebten unter der Naziherrschaft allmählich genauso gefährlich wie die jüdischen Mitbewohner.

In Bochum haben die SA-Horden ebenfalls im März 1933 gewütet und die Zentrale des Verbandes der Bergbauindustrie überfallen. Dabei hat sich auch das SS-Gesindel beteiligt. Alles wurde in dem Gebäude zerstört und verwüstet, und anschließend haben sie die Akten verbrannt. Im Gegensatz zu den Angriffen auf wehrlose Einzelpersonen war das eine koordinierte Terroraktion, vermutlich angeordnet von der politischen Führung der Nazis, also von der Regierung oder den Parteichefs.

Und die SA-Horden richten ihre Überfälle nicht nur gegen die Arbeiter, sondern auch gegen Wissenschaftler und Künstler. Sogar gegen Priester. Sie schlagen überall zu, wo die NS-Oberen ihre „Gleichschaltung“ noch nicht bis in die letzten Ecken hatten durchsetzen können. In den Universitäten und sonstigen Institutionen verprügeln sie Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler. Die Werke der Künstler zertreten sie oder verbrennen sie. Vor den Universitäten und Instituten brennen die Scheiterhaufen, denn die SA-Trupps haben dort haufenweise Bücher verbrannt.

Die Wissenschaftler und Künstler wurden wie die politischen Gegner direkt in die Folterkeller der SA-Banden verbracht. Dort konnte seinerzeit im Jahre 1933 jeder landen, der noch nicht „gleichgeschaltet“ war, also praktisch jeder Demokrat. In Berlin-Köpenick sind die SA-Gruppierungen besonders aktiv gewesen. Sie haben schon im Frühjahr 1933 viele missliebige Bürger zusammengetrieben, politische Gegner wie Sozialdemokraten und Kommunisten in ihre Folterkeller verbracht, sie totgeschlagen oder aufgehängt. Am 19.3.1933 hat die SA-Standarte in Köpenick sogar einige an Brutalität nicht mehr zu überbietende Scheinhinrichtungen vorgenommen.

2.

Bereits vor dem Reichstagsbrand vom 27.2.1933, den die Nazis den Kommunisten untergeschoben haben, hatten sich die SA-Banden in ganz Berlin vorsorglich mit Schusswaffen, Stahlruten, Peitschen, Ketten, Stricken, Wasserkübeln und Rizinusöl eingedeckt, denn sie waren von ihren Vorgesetzten in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Offensichtlich wussten sie von ihrer Führung schon lange vor dem Reichstagsbrand, was in der Nacht passieren würde. Und natürlich wussten sie, was sie zu tun hatten: Unruhe stiften und Kommunisten sowie andere politische Gegner ausschalten, also Folterutensilien bereitstellen.

Auch in anderen größeren Städten haben die SA-Horden ähnliche Vorbereitungen getroffen wie in Berlin. Es wurden insbesondere Verhaftungen in ganz großem Stil vorbereitet, Massenverhaftungen. Die Auswahl der Opfer war längst vor dem Reichstagsbrand getroffen: politische Gegner und Gewerkschafter. Dieser Personenkreis wurde gezielt ins Visier genommen und festgenommen. Einzelne Festnahmen gab es auch bereits vorher.

Und es waren in Berlin und in anderen deutschen Städten und Dörfern viele, sehr viele politische Gegner, die von den SA-Horden und anderen Nazi-Gruppierungen festgenommen, verprügelt und häufig sogar ermordet wurden. Die Bevölkerung wunderte sich, wie viele Gefangene diese Organisation in ihren Haftzellen unterzubringen in der Lage war.

Am 9. März 1933 hat die SA-Bande in Köln einen Reichstagsabgeordneten und ehemaligen Reichsminister auf übelste Weise misshandelt. SA-Horden sind mit Beilen und Messern in dessen Haus eingedrungen, haben den Abgeordneten niedergeschlagen, sein gesamtes Mobiliar und die sonstige Einrichtung zerschlagen und ihn letztlich mit Faustschlägen und Fußtritten zur Gauleitung der Nazis verfrachtet, um ihn dort stundenlang zu foltern und zu malträtieren.

In Berlin hat eine SA-Bande am 20.3.1933 die sozialdemokratische Stadträtin Marie Jankowski überfallen und nackt ausgepeitscht. Eine überaus niederträchtige Aktion! Danach haben sie sie stundenlang qualvoll mit Knüppeln, Stahlruten und Peitschen traktiert. Solche Terrorakte gegen eine bekannte Politikerin sind naturgemäß einem größeren Kreis zumindest in der Hauptstadt bekannt geworden. Gerade das dürften diese SA-Schlächter auch bezweckt haben.

In Kassel haben SA-Gruppen am 24. März 1933 einen Mann gewaltsam abgeführt und bestialisch gefoltert bis zur Bewusstlosigkeit. Am selben Tag haben andere SA-Gruppen einen Stadtsekretär aus dem Amt geholt und gefoltert. Den Grund für derartige Aktionen hat die SA-Führung nie bekanntgegeben, die Reichsregierung ebenso wenig.

Das sind nur einige wenige Beispiele, die zeigen sollen, auf welche Weise die Nazis den gesamten Staatsapparat zu einem terroristischen Verfolgungsapparat umfunktioniert und die Verwaltung für ihre Zwecke eingesetzt haben. Sie verbreiten mit ihren willkürlichen Aktionen einen ungeheuren Terror, damit die Bevölkerung irgendwann nach einer funktionierenden Ordnungsmacht ruft.

In München wird im März 1933 ein Mann brutal von SA-Kampfgruppen auf offener Straße tagsüber bei regem Fußgängerverkehr grundlos zusammengeschlagen. Er wird von dem SA-Mob als dreckiger Kommunist beschimpft und letztlich totgeschlagen. Es war allerdings ein Sozialdemokrat. Aber das interessierte diese SA-Bande nicht. Für ihn waren die einen und die anderen politische Gegner.

Ebenfalls im März 1933 hat der SA-Mob in Frankfurt einen jüdischen Geschäftsinhaber drangsaliert, ihm seine Schaufenster zerschlagen, die Waren zerstört und die gesamte Ladeneinrichtung in Stücke geschlagen. In Leipzig geht eine SA-Horde auf einen jüdischen Bankangestellten los, wirft ihn in eine Schweinetränke und beschmiert ihn mit Pferdemist. Dann kommen SA-Kampfgruppen und schlagen mit Eisenstangen auf ihn ein, so dass der Kaufmann eine Gehirnblutung erlitten hat und seitdem fast vollständig gelähmt ist.

Am 18.3.1933 haben SA-Schergen einen jüdischen Bäcker in eine Berliner SA-Kaserne verschleppt und ihn dort zu Tode geprügelt. Bevor er starb, haben sie noch brennende Zigaretten auf seinen Armen und Beinen ausgedrückt. Schließlich wurde ihm ein Hakenkreuz in die Brust geritzt, bevor man ihn auf die Straße geworfen hat. Die Verletzungen des jüdischen Bäckers zeugen von einer größtmöglichen Brutalität der Angreifer.

In Kassel ziehen die Nazis am 17.3.1933 gegen Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Felde, um über sie „Gericht zu halten“. Währenddessen hat eine Nazi-Bande den jüdischen Rechtsanwalt Dr. Max Plaut gewaltsam aus seiner Kanzlei entführt und ihn ins Hauptversammlungslokal der NS-Partei verbracht. Dort wurde ein „Standgericht“ über ihn abgehalten. Danach haben sie ihn stundenlang mit Knüppeln misshandelt, bis er ohnmächtig zusammengebrochen ist. Zehn Tage nach den Misshandlungen ist der Rechtsanwalt an den Verletzungen gestorben.

Das ist nur ein Beispiel der grausamen Aktionen der SA in Kassel. In dieser Stadt muss es ganz besonders viele unzivilisierte, kriminelle Nazis gegeben haben, denn die SA-Organisation ist dort ganz beträchtlich angewachsen. Und die Bande war ungeheuer grausam bei ihren meist nächtlichen Aktivitäten gegen Juden, Sozialdemokraten und Kommunisten.

Am 16. März 1933 ist der jüdische Journalist Leo Krell aus Berlin von SS-Leuten überfallen, in die Nazi-Kaserne verschleppt und totgeschlagen worden. Seine Leiche legten sie vor dem jüdischen Friedhof nieder. Bereits zuvor am 7.3.1933 ist der achtzigjährige jüdische Rabbiner Jonas Fränkel aus Berlin von der SA-Gewalttätern übel misshandelt worden. Diese SA-Kämpfer haben zwei Schüsse auf ihn abgegeben und ihn am Kopf getroffen. Und sie haben bei der Gelegenheit große Mengen Bargeld aus seinem Schreibtisch gestohlen.

Tausende von jüdischen, sozialdemokratischen und kommunistischen Wissenschaftler, Künstler, Lehrkräfte und wissenschaftliche Hilfskräfte wurden von den Universitäten vertrieben. Schriftsteller und Philosophen wurden verjagt. Viele von ihnen landeten in einem SA-Folterkeller oder in den allmählich im Laufe der Jahre zu Hunderten eingerichteten Konzentrationslagern. Die SA-Gruppen verübten nichts anderes als Lynchjustiz, als sie flächendeckend alle nicht gleichgeschalteten Menschen gefoltert haben, das gesamte Land mit organisiertem Terror überzogen haben.

Einziger Zweck dieser von den Nazis geschaffenen Konzentrationslager ist die Maßregelung der Gefangenen, worunter die Nazis eine bestialische „Züchtigung“ verstehen, die Folterung der Gefangenen, um sie zu demütigen. Von diesen Konzentrationslagern gab es schon in den ersten Jahren seit der sogenannten Machtergreifung etwa fünfzig. In diesen Konzentrationslagern wurden alle diejenigen eingesperrt, die die Nazis für ihre Gegner hielten. Und diese Gegner wurden von den sadistischen Nazis, dem Bewachungspersonal, brutal gequält.

In Breslau hat eine SA-Kampfgruppe am 11.3.1933 gleich sämtliche jüdische Geschäfte und Warenhäuser gestürmt und völlig zerstört. Dann war der SA-Mob sogar so dreist, in das Land- und Amtsgericht Breslau einzudringen, um dort jüdische Richter und jüdische Rechtsanwälte gewaltsam aus den Gerichtssälen herauszuholen und auf die Straße zu treiben. Vergleichbare barbarische Vorkommnisse gab es in anderen Städten und Ortschaften. Die Bevölkerung konnte durchaus den Eindruck haben, es handelte sich bei den neuen Machthabern um eine unzivilisierte Affenbande.

Am 27.3.1933 hat die SA-Kampftruppe in Arnsberg Hunderte von Schaufenstern jüdischer Geschäfte zertrümmert. Dasselbe vollzog die SA-Horde in Bochum am 29.3.1933 und am 28.3.1933 in Dortmund. In Dortmund waren sie besonders brutal, denn sie haben sogar Schüsse auf jüdische Geschäftsinhaber abgegeben und etwa einhundert Juden festgenommen. In Oberhausen haben SA-Kampftruppen am 28.3.1933 ebenfalls jüdische Geschäftsinhaber terrorisiert und festgenommen. In Essen haben sie am 29.3.1933 jüdische Richter und Rechtsanwälte gewaltsam am Betreten des Gerichts gehindert.

Am 30.3.1933 hat der SA-Mob in Regensburg einen jüdischen Händler entführt und im Wald erschossen. Ein weiterer grausamer Akt der Barbarei! Ähnliche Vorfälle gab es danach noch einige unter den jüdischen Kaufleuten, sowohl in Regensburg als auch in den umliegenden Städten und Gemeinden. Dokumentiert sind nur die wichtigsten, denn die Opfer hatten nur eingeschränkte Möglichkeiten, sich in Sicherheit zu bringen. Da sich angeblich in diesen barbarischen Attentaten der Volkszorn entladen hatte, wurden Strafanzeigen von den Polizeibehörden selbstverständlich nicht entgegengenommen. Auf Anweisung der Reichsregierung.

In Bielefeld hat die SS-Organisation zusammen mit der SA-Organisation, eine so verbrecherisch handelnd wie die andere, am 3. April 1933 den ordnungsgemäß gewählten sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Schreck verhaftet und schwer misshandelt. Ebenfalls im April 1933 haben SA-Horden in Chemnitz einen Sozialdemokraten krankenhausreif geschlagen und ihm die Haare ausgerissen. Einem jüdischen Schriftsteller haben sie ein Auge ausgeschlagen und ihm die Geldbörse geraubt. In Duisburg hat eine SA-Kampfgruppe den Rabbiner Bereisch in der Synagoge während des Gottesdienstes überfallen und misshandelt. Der Rabbiner von Gelsenkirchen wurde von einer SA-Kampfgruppe aus der Kirche getrieben. Gegen diese zweifellos illegalen Aktionen gab es keinerlei Rechtsschutzmöglichkeiten. Die deutsche Justiz war längst gleichgeschaltet worden und hatte sich den unzivilisierten Nazihorden angeschlossen und jüdische Mitbürger aus ihren Reihen ausgestoßen.

In Wiesbaden hat eine SA-Kampfgruppe zusammen mit der SS-Organisation ganz fürchterlich gewütet und am 23.4.1933 mehrere jüdische Kaufleute brutal ermordet. Außerdem hat diese kriminelle SA-Kampfgruppe dort systematisch unzählige jüdische Mädchen vergewaltigt. Gewaltdelikte, das waren die vorrangigsten Aktivitäten, denen diese Nazihorden vermehrt nachgingen. Was auch immer dieses SA-Gesindel mit solchen Aktionen bezweckt haben mag, es zeugt von einer Brutalität, die man in diesem Ausmaß normalerweise nur im kriminellen Milieu findet, nicht aber bei politischen Aktivisten.

In der württembergischen Gemeinde Niederstetten bei Mergentheim hat seit Jahrhunderten eine jüdische Gemeinde gelebt, ungehindert und beliebt bei der christlichen Bevölkerung, meist Kaufleute, bis sich die Nazis breitgemacht haben. Nicht lange vor dem Osterfest erschien eine besonders brutale Abteilung der SA-Organisation, besetzte das Rathaus von Niederstetten und übernahm ohne jegliche Rechtsgrundlage die Polizeigewalt. Diese SA-Horde durchsuchte die Häuser der Juden angeblich nach kommunistischem Schriftgut, welches sie bei den Kaufleuten natürlich nicht gefunden hat, weil jüdische Kaufleute höchst selten Kommunisten waren. Zehn jüdische Mitbürger hat die SA-Truppe ins Rathaus geprügelt, mit Stahlruten misshandelt und erniedrigt. Ohne jeglichen Grund. Ohne jeglichen Anlass. Die unschuldigen jüdischen Kaufleute wurden schwer verletzt. Die christliche Bevölkerung war über die Gewalttaten der SA-Horden entsetzt. Sie haben eine solche Brutalität gegenüber menschlichen Wesen nie zuvor gesehen und auch nicht für möglich gehalten.

In Neustadt am Aich erschien im Mai 1933 in der örtlichen Zeitung ein Aufruf eines „Aktionsausschusses zur Bekämpfung des Judentums“: Unser Kampfziel ist, Neustadt von Juden und Judenknechten freizumachen! Erneut eine menschenverachtende Aktion dieser Nazibande. Jüdische Mitbürger wurden nicht mehr als Mitmenschen betrachtet, sondern wie Tiere behandelt. Dabei waren die einzigen, die sich wie Bestien benahmen, die Nazis selbst.

Dann richtet im Juni 1933 eine wild gewordene SA-Horde in Berlin-Köpenick ein Blutbad an, weil sie Rache üben will an demjenigen, der sich ihren willkürlichen Festnahmen und Überfällen entgegengesetzt hat. Das gesamte SA-Gesindel hat in einem beispiellosen Vernichtungszug durch den Stadtteil Köpenick mehr als fünfhundert Menschen verschleppt, brutal gefoltert und in die zentrale Haftstätte des Amtsgerichts Köpenick und in ihre Kasernen verfrachtet. Im Zusammenhang mit der Blutwoche hat diese SA-Horde mindestens 91 Menschen ermordet.

Sicher, jeder Berliner weiß, dass die SA-Organisation nichts weiter ist als eine Gruppe von Nazi-Schergen, die im tausendjährigen Reich im Auftrag der Nazi-Oberen Morde an Juden, Sinti, Roma, politischen Gegnern der Nazis, Behinderten und sonstigen Minderheiten verübt. Aber das Ausmaß dieser „Blutwoche“ in Köpenick vom 21. Juni bis zum 26. Juni 1933, das hat keiner vorausgesehen und vermutlich auch nicht vorhersehen können. Das hat die meisten Einwohner Berlins in Angst und Schrecken versetzt.

Die gewaltsame Verschleppung von über 500 Köpenicker Einwohnern in der Zeit vom 21.6.1933 bis zum 26.6.1933 und die Inhaftierung unter Folter und Misshandlungen in der zentralen Haftstätte des Köpenicker Amtsgerichts und in SA-Folterkellern unter dem Vorwand, Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden verhaften zu wollen, war ein beispielloser Akt der Barbarei, der in dieser „Blutwoche“ seinen Höhepunkt erreicht hat. 91 Menschen überlebten diese brutale Behandlung durch kriminelle Nazibanden nicht.

Die im zweiten Teil geschilderten Gewalttaten an politischen Gegnern, an Juden, an anderen Minderheiten werden als Einzelschicksale geschildert. Sie stehen stellvertretend für viele, sehr viele brutale Übergriffe der unzivilisierten SA-Mitglieder. Die dort erwähnten Namen der Opfer sind fiktiv. Es gab die Opfer, aber sie hatten andere Personalien. Und natürlich gab es sehr viel mehr Opfer als sie dort im einzelnen aufgeführt werden. Bereits im März 1933 sind allein in Berlin etwa 1500 Kommunisten festgenommen, misshandelt und gefoltert worden. Im Ruhrgebiet sogar mehr als 8000. Sehr viele von ihnen haben die Überfälle durch die Bestien dieser SA-Kampfgruppen nicht überlebt.

3.

Einer der mehr als fünfhundert willkürlich aus der Bevölkerung Köpenicks herausgegriffenen Opfer der SA-Kampfgruppe war ein sechsjähriger Junge aus Köpenick, der mit seiner Mutter am Nachmittag zum Einkaufen gehen wollte. Seine Mutter wurde von SA-Horden brutal zusammengeschlagen wie viele andere Köpenicker Einwohner, angeblich ein Racheakt einer SA-Kampfgruppe, weil irgendjemand sich gegen diese brutalen Bestien zur Wehr gesetzt hatte. Als der Junge seiner Mutter helfen wollte, aus dieser Gewaltsituation zu flüchten, wurde er ebenfalls brutal niedergeschlagen.

Viele, sehr viele politische Gegner der Nazis und jüdische Mitbürger, Zigeuner, Behinderte, Homosexuelle und sogenannte Asoziale sind den wilden SA-Horden allein in den ersten sechs Monaten dieses tausendjährigen Reichs zum Opfer gefallen. Niemand hatte zuvor geahnt, dass es eine derart unzivilisierte Horde von Verbrechern tatsächlich schaffen würde, die reichsdeutsche Regierung quasi zu übernehmen und alle rechtsstaatlichen und demokratischen Einrichtungen in ganz kurzer Zeit völlig zu zerschlagen und „gleichzuschalten“.

Ebenfalls innerhalb kürzester Zeit zerstört wurde die wissenschaftliche Kultur an den Universitäten. In praktisch jeder deutschen Universitätsstadt haben die SA-Kampfgruppen sämtliche jüdischen, sozialdemokratischen und kommunistischen Hochschullehrer aus den Institutionen entfernt, inhaftiert und viele von ihnen sogar ermordet. Tonnenweise wissenschaftliche Bücher und jüdische Literatur haben diese Barbaren verbrannt, praktisch alles, was die Nazis als undeutsch betrachteten.

Die seit der sogenannten Machtergreifung durch den SA-Mob und auch durch andere NS-Gruppierungen systematisch verübten Übergriffe, Verhaftungen einschließlich Folter und die brutalen Morde an politischen Gegnern wie Sozialdemokraten und Kommunisten oder an jüdischen Mitbürgern dienten nur einem Zweck: Damit wollten die politischen Funktionsträger der Nazis die gesamte Bevölkerung terrorisieren. Jeder sollte Angst vor den Herrschenden haben! Niemand sollte sich dieser Nazidiktatur ungestraft entgegenstellen.

Dass sich die Nazi-Führung nicht mit dem Kampf gegen politische Gegner zufriedengeben würde, war natürlich am Anfang der Naziherrschaft noch nicht abzusehen. Ebenso wenig, dass die Herrschenden später dazu übergehen würden, jüdische Einwohner millionenfach systematisch in geradezu geschäftsmäßiger Art und Weise auszurotten. Ein derartig perfider Mordplan war zu Beginn der Naziherrschaft noch nicht im Entferntesten erkennbar. Als die Bevölkerung die kriminellen Machenschaften ihrer neuen Reichsregierung endlich begriffen hatte, war die Gesellschaft längst gleichgeschaltet und die Diktatur hirnlosen Primitivlinge eingerichtet.

Zweiter Teil: Willkürlich durch Nazis ermordete Menschen

1.

Die Nazis haben nicht erst seit der sogenannten Machtergreifung am 30.1.1933 damit begonnen, ihre politischen Gegner auszuschalten, indem sie sie ermordet haben. Die ersten Mordtaten und sonstigen gewalttätigen Übergriffe auf politische Gegner gab es bereits etwa zehn Jahre vor dem Jahre 1933. Allerdings haben die Nazis am 30.1.1933 damit begonnen, ihre politischen Gegner systematisch im gesamten Deutschen Reich durch Gewalt auszuschalten, denn nun hatten sie plötzlich eine grenzenlose Macht.

Und sie haben zu dem Zeitpunkt damit begonnen, unliebsame Minderheiten, wie etwa jüdische Einwohner, systematisch auszugrenzen und diese Menschen zu ermorden. Es waren allerdings nicht nur die jüdischen Mitbürger, die zu Hunderten und Tausenden von den Übergriffen dieser SA-Horden betroffen waren. Die SA-Trupps betätigten sich ja in großen Teilen sowohl gegen die politischen Gegner als auch gegen diejenigen, die die Nazi-Oberen erst zu ihren Gegnern gemacht hatten. Plötzlich waren große Teile der Bevölkerung, vorzugsweise aber schwache Minderheiten, von den Schikanen der Nazis betroffen wie etwa Homosexuelle, Roma, Sinti, sogenannte Asoziale, Behinderte, praktisch alle, die nicht dem geistig unbeweglichen 0815-Standard der Nazivorstellungen entsprachen. Der Rassenwahn der Nazibande bewirkte, dass alle von deren Standardnorm abweichenden Menschen als sogenannte Untermenschen ausgegrenzt und möglichst weggesperrt oder ermordet wurden. Von Ausmerzung war plötzlich die Rede.

2.

In Hamburg wurde im März 1933 ein junger Matrose, von dem die SA-Trupps behaupteten, er sei ein dreckiger Kommunist, und wahrscheinlich sei er auch Jude oder zumindest ein Judenknecht, von einem solchen Überfallkommando der SA-Organisation in der Nähe des Hafens auf dem Weg von der Arbeit nach Hause angeschossen. Der Matrose Ernst Krause, 28 Jahre alt, wurde erheblich verletzt, lag bewegungslos auf der Straße. Zeugen berichteten später, betrunkene SA-Straßenkämpfer hätten auf den jungen Mann geschossen.

Die SA-Horde war längst weitergezogen, ohne sich um ihr Opfer zu kümmern. Laut grölend gingen die unzivilisierten SA-Kämpfer von dannen. Sie hatten bereits ihr nächstes hilfloses Opfer avisiert, ein jüdisches Mädchen. Niemand konnte nachvollziehen, wieso es die Behörden duldeten, dass sich derart unzivilisierte und kriminelle Parteikämpfer mit Waffen und sogar mit Schusswaffen versorgen konnten, um damit die gesamte Bevölkerung terrorisieren zu können.

Ernst Krause hatte zwei Stunden lang bewusstlos auf der Straße gelegen, bis endlich ein Anwohner die Sanitäter verständigt hat. Als die Sanitäter ihn behandeln wollten, war Ernst Krause längst verstorben, entweder infolge der schweren Kopfverletzungen, oder er war verblutet. Die Schüsse hatten ihn am Kopf und im Bereich der Nieren getroffen. Die Sanitäter haben die Polizei verständigt, weil sie ahnten, dass hier ein Verbrechen verübt worden war. Die Polizei hat verschiedene Anwohner als Zeugen vernommen und Aufnahmen von dem verletzten jungen Mann gemacht. Dann hat sie den Leichenbestatter benachrichtigt und die Eltern des jungen Mannes über die Gewalttat informiert.

In den Polizeiberichten ist die Rede von einem Überfall durch SA-Kämpfer und von unbekannten Tätern. Ein Ermittlungsverfahren hat die Polizei erst gar nicht eingeleitet, weil ihr völlig klar war, wie sinnlos es war, ein Strafverfahren gegen SA-Täter einzuleiten. Die wurden selbstverständlich stets durch Parteibonzen und die oberste Naziführung gedeckt. Vor dem Strafrichter mussten diese Elemente nicht einmal erscheinen. Wenn man diese kriminellen Subjekte inhaftiert hatte, dann waren sie meistens schneller wieder raus aus dem Gefängnis als ein Amtsrichter einen Haftbeschluss hätte erlassen können.

Die Eltern des ermordeten Kommunisten, fleißige Leute, die ihr Leben lang hart gearbeitet hatten, mussten hilflos mitansehen, wie SA-Horden sogar auf dem Friedhof erschienen, um die Beerdigung ihres Sohnes Ernst zu stören, die Trauergäste zu belästigen und dann auch noch körperlich anzugreifen. Bis der Pfarrer sich kurz in die nahegelegene Kirche begab und aus der Sakristei ein geladenes Jagdgewehr geholt hat. Mit diesem Gewehr ging er auf die immer noch in der Nähe des ausgehobenen Grabes lärmenden und krakeelenden SA-Horden zu, zielte exakt auf ihre hirnlosen Köpfe und brüllte: „Verschwindet, ihr Saupack, ihr elenden Dreckskerle! Sonst knalle ich euch ab wie die Wildschweine!“ Davon hatten sich die ängstlichen alkoholisierten SA-Horden einigermaßen beeindrucken lassen, denn innerhalb von weniger als einer halben Minute hatten sie alle das Weite gesucht. Wie die Angsthasen!

Der Pfarrer konnte glücklicherweise mit den Trauergästen die Beerdigung ordentlich abschließen. Die SA-Horden kamen nicht zurück. Nach der anschließenden Messfeier bedankten sich die Eltern des jungen Matrosen beim Pfarrer und meinten, er sei der einzige, der es gewagt habe, sich diesen Verbrechern entgegenzustellen. Dabei war ihnen vermutlich klar, dass dieses Verbrechergesindel als nächstes wahrscheinlich den Pfarrer malträtieren und zu Tode foltern würde. Und niemand konnte wirksam etwas gegen dieses verbrecherische Gesindel tun. Diesen Eindruck mussten die Einwohner jedenfalls gewinnen, wenn sie mitansehen mussten, wie die brutalen SA-Aktionen allesamt straflos blieben, egal, wie viele Schwerverletzte und Tote diese Verbrecher hinterlassen hatten. Sie genossen die grenzenlose Rückendeckung der Reichsregierung!

3.

In Berlin wird ebenfalls im März 1933 der sozialdemokratische Metallarbeiter Karl Schmidt, 32 Jahre alt und seit zwei Jahren verheiratet mit Sophie Schmidt, 29 Jahre alt, von einem gewalttätigen SA-Mob verschleppt. Angeblich hat der Metallarbeiter bei einem Aufmarsch einer Nazibande die SA-Männer und die SS-Mannschaften beleidigt und sich geweigert, den Hitlergruß zu vollziehen. Das halten sie ihm jedenfalls vor, als sie ihn auf offener Straße zunächst zusammenschlagen und dann in eine nahegelegene SA-Kaserne prügeln, obwohl eine derartige Reaktion des Sozialdemokraten auf die Nazibande keinerlei strafbares Verhalten darstellte, weil die Nazimannschaften unzivilisiert und kriminell waren. Dort in der SA-Kaserne wird Karl Schmidt stundenlang übelst misshandelt und martialisch gefoltert. Später hängt ihn diese SA-Drecksbande schwerverletzt an einen Fleischerhaken, der mit einem Seil an einem weiteren Fleischerhaken befestigt und in die Zimmerdecke eingeschlagen ist. Karl Schmidt verliert infolge einer Drosselung der Luftzufuhr sein Bewusstsein. Kein Wunder, hatte man ihm doch zwei Zehen brutal mit einem Fleischerbeil abgehackt und ihm dann zusätzlich noch das Atmen erschwert. Überhaupt verfügte Karl Schmidt nicht mehr über ein einziges Körperteil, das von schmerzhaften Verletzungen durch diese Sadisten verschont geblieben wäre.