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Roderich von Domkirchen ist ein außergewöhnliches Kind. Er ist zunächst in der Schule gescheitert, hat aber später im Alter von 30 Jahren mit Hilfe eines Privatlehrers doch noch seine Abiturprüfung bestanden. Dann geht er an die LMU und beginnt mit einem Studium. Er entscheidet sich für die Sozialwissenschaften, denn er interessiert sich für Menschen. Nach zehn Semestern hat er zwar alle möglichen Vorlesungen, Kurse und Seminare besucht, aber kaum eine Klausur bestanden. Er hat daher keine einzige Modulprüfung, die er ja für die Bachelorprüfung benötigt, abgelegt. Also bricht er das Studium ab. Dann studiert er Jura. Dieses Studium fordert ihn noch mehr heraus. Der Student glaubt, dass er solche großen Herausforderungen braucht, um einen Erfolg zu erzielen. Schließlich kennt er alle Gesetze und Auslegungsmethoden, aber die Anwendung seines Wissens auf einen Einzelfall, die fällt ihm sehr schwer. Er nimmt zweimal erfolglos Anlauf auf die Zwischenprüfung, kommt also gar nicht erst bis zum Staatsexamen. Dann wird er exmatrikuliert. Im Alter von 40 Jahren nimmt er, nachdem ihn die Uni rausgeworfen hat, erst einmal eine Auszeit. Er meditiert in Indien. Nach einigen Jahren schaltet er um auf die Literaturwissenschaften. Als er sich im fünften Semester dieses Studienganges befindet, ist er bereits 45 Jahre alt. Seine Eltern lassen sich dann etwas einfallen, um zu verhindern, dass Roderich sein Studium erneut ohne Abschluss einfach abbricht. Sie wissen, dass sie ihm einen kräftigen Denkzettel verpassen müssen, damit er endlich einmal sein Studium bis zum Ende durchzieht. Auch Roderich selbst weiß natürlich, dass seine Eltern ihn nicht ewig finanzieren können, er also in absehbarer Zeit in der Lage sein muss, auf eigenen Füßen zu stehen. Ob er das jemals schaffen wird?
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Seitenzahl: 146
Veröffentlichungsjahr: 2025
Helga Geerkens
Der ewige Student
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Inhaltsverzeichnis
Titel
1. Einleitung
2. Student der Sozialwissenschaften
3. Rückblick in die Kindheit
4. Der Wechsel des Studienganges
5. Rückblick: Die Einschulung
6. Die Aufnahme des Jurastudiums
7. Rückblick: Die Schulzeit
8. Klausuren und Seminare
9. Rückblick: Die Schulzeit
10. Roderichs erstes Repetitorium
11. Rückblick: Roderichs zehntes Schuljahr
12. Die Zwischenprüfung
13. Rückblick: Schulentlassung und weitere Qualifizierung
14. Die Klausurergebnisse
15. Rückblick: Schulwechsel
16. Erneuter Anlauf auf die Zwischenprüfung
17. Rückblick: Erneuter Schulwechsel
18. Abbruch des Jurastudiums
19. Rückblick: Erneuter Schulabbruch - Abiturvorbereitung
20. Neuorientierung: Studium der Literaturwissenschaften
21. Das Studium der Literaturwissenschaften
22. Rückblick: Die Abiturprüfung
23. Die Bachelor-Prüfung
24. Der Autor
Impressum neobooks
Der ewige Student
Helga Geerkens
Roman 2024
Inhalt (Zusammenfassung)
Roderich von Domkirchen ist ein außergewöhnliches Kind. Er ist zunächst in der Schule gescheitert, hat aber später im Alter von 30 Jahren mit Hilfe eines Privatlehrers doch noch seine Abiturprüfung bestanden.
Dann geht er an die LMU und beginnt mit einem Studium. Er entscheidet sich für die Sozialwissenschaften, denn er interessiert sich für Menschen. Nach zehn Semestern hat er zwar alle möglichen Vorlesungen, Kurse und Seminare besucht, aber kaum eine Klausur bestanden. Er hat daher keine einzige Modulprüfung, die er ja für die Bachelorprüfung benötigt, abgelegt. Also bricht er das Studium ab.
Dann studiert er Jura. Dieses Studium fordert ihn noch mehr heraus. Der Student glaubt, dass er solche großen Herausforderungen braucht, um einen Erfolg zu erzielen. Schließlich kennt er alle Gesetze und Auslegungsmethoden, aber die Anwendung seines Wissens auf einen Einzelfall, die fällt ihm sehr schwer. Er nimmt zweimal erfolglos Anlauf auf die Zwischenprüfung, kommt also gar nicht erst bis zum Staatsexamen. Dann wird er exmatrikuliert.
Im Alter von 40 Jahren nimmt er, nachdem ihn die Uni rausgeworfen hat, erst einmal eine Auszeit. Er meditiert in Indien. Nach einigen Jahren schaltet er um auf die Literaturwissenschaften. Als er sich im fünften Semester dieses Studienganges befindet, ist er bereits 45 Jahre alt. Seine Eltern lassen sich dann etwas einfallen, um zu verhindern, dass Roderich sein Studium erneut ohne Abschluss einfach abbricht. Sie wissen, dass sie ihm einen kräftigen Denkzettel verpassen müssen, damit er endlich einmal sein Studium bis zum Ende durchzieht.
Auch Roderich selbst weiß natürlich, dass seine Eltern ihn nicht ewig finanzieren können, er also in absehbarer Zeit in der Lage sein muss, auf eigenen Füßen zu stehen. Ob er das jemals schaffen wird?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Student der Sozialwissenschaften
3. Rückblick: Die Kindheit 1967
4. Wechsel des Studienganges 2002
5. Rückblick: Einschulung 1973
6. Aufnahme des Jurastudiums 2002
7. Rückblick: Schulzeit 1975
8. Klausuren und Seminare 2003
9. Rückblick: Schulzeit 1977
10. Roderichs erstes Repetitorium 2004
11. Rückblick: 10. Schuljahr 1983
12. Vorbereitung auf die Zwischenprüfung
13. Rückblick: Schulentlassung und Qualifizierung 1983
14. Die Klausurergebnisse 2005
15. Rückblick: Schulwechsel 1988
16. Erneuter Anlauf auf die Zwischenprüfung 2006
17. Rückblick: Erneuter Schulwechsel 1992
18. Abbruch des Jurastudiums 2007
19. Rückblick: Erneuter Schulabbruch – Abiturvorbereitung 1995
20. Neuorientierung: Studium der Literaturwissenschaften 2007
21. Beginn des Studiums der Literaturwissenschaften 2010
22. Rückblick: Die Abiturprüfung 1997
23. Die Bachelorprüfung
24. Der Autor
Es handelt sich um die Geschichte eines Jungen, der zunächst in der Schule gescheitert ist, dann aber mit großartiger Unterstützung seiner Eltern und einem Nachhilfelehrer Lesen und Schreiben lernt und vieles nachholt. Vielleicht ist es auch nur der Initiative seines Privatlehrers zu verdanken, dass der Junge in der Schule Erfolge erzielt. Aber als der Nachhilfelehrer wegzieht, geht das Schuldrama weiter. Roderichs Leistungen fallen immer weiter ab. Seine Eltern, beide Lehrer, versuchen zwar, ihn in einem Gymnasium unterzubringen, jedoch ohne Erfolg. Der Junge verlässt nach zehn Schuljahren, aber nicht nach Abschluss des zehnten Schuljahres, die Hauptschule ohne Abschluss.
Allerdings lassen seine Eltern nicht locker. Sie scheuen keinerlei Mühen und Kosten, ihrem einzige Sohn eine gute Schulausbildung zu ermöglichen. Es kostet seine Eltern viel Geld, aber Roderich absolviert letztlich mehrere private Schulen, hat aber an keiner dieser privaten Schulen Erfolg. Obwohl sein Vater den Schulen großzügige Spenden hat zukommen lassen und dem Jungen auch immer mal wieder privaten Zusatzunterricht finanziert hat.
Schließlich lernt Roderich den früheren Studienrat Ronald Wächter kennen, der sich als Privatlehrer bei seinen Eltern vorgestellt hatte. Der kostete viel Geld, noch sehr viel mehr als die früheren Nachhilfelehrer verschlungen hatten, aber er schaffte es, Roderich in allen Fächern zu einem ansehnlichen Wissen zu verhelfen und ihm auch gewisse Lerntechniken beizubringen, die es Roderich ermöglichen, das Gelernte später anzuwenden.
Roderich hat schließlich ein riesiges Allgemeinwissen in allen möglichen Schulfächern angehäuft und konnte es zum Schluss sogar selbstständig anwenden. Seine Fähigkeiten übertrafen die eines normalen Abiturienten ganz beträchtlich. Nur war er zu dem Zeitpunkt bereits dreißig Jahre alt, als er schließlich die Abiturprüfung abgelegt hat. Er hat ja auch weitaus mehr als dreizehn Schuljahre in die Vorbereitungen investiert. Sein Vater hatte bis dahin ein kleines Vermögen für die privaten Schulstunden ausgegeben.
Nach dem Abitur studiert der junge Mann an der LMU und zwar zunächst Sozialwissenschaften. Auch an der Universität ist er einer der ältesten Studenten. Er interessiert sich für Menschen. Aber das Studium der Sozialwissenschaften ist sehr umfangreich und vielfältig. Roderich verzettelt sich. Die Klausurvorbereitungen laufen nicht gut. Einige wenige Klausuren besteht er, die meisten allerdings nicht. In den meisten Fällen erreicht er nicht die für eine ausreichende Leistung erforderliche Punktzahl. Er braucht schließlich fast fünf Jahre, bis er feststellt, dass er sich vermutlich den falschen Studiengang ausgesucht hat. Die Bachelorprüfung beginnt er erst gar nicht mehr. Er erfüllt nämlich schon nicht die Voraussetzungen, weil er zuvor keine einzige Modulprüfung abgelegt hat. Das Studium der Sozialwissenschaften liegt ihm offenbar nicht. Woran das genau liegt, darüber denkt er zum Schluss gar nicht mehr nach. Er bricht das Studium ab, obwohl ihm seine Freundin, die auch Sozialwissenschaften studiert, nicht zu einem Fachwechsel rät. Sie hält sich vielmehr aus seiner Entscheidung ganz raus.
Im Anschluss daran studiert er Jura. Er glaubt, dass er diese immense Herausforderung braucht. Nach einigen Jahren kennt er alle möglichen Gesetze. Ihm sind auch alle möglichen Auslegungsmethoden bekannt, jedenfalls in der Theorie. Bei den Klausuren allerdings hat er immer wieder Probleme. Er schafft es einfach nicht, innerhalb der vorgegebenen Zeit, eine akzeptable Falllösung aufs Papier zu bringen, sondern bleibt meistens beim Konzept schon stecken. Er weiß einfach nicht, wie er mit den ihm bekannten Gesetzen und Methoden umgehen, sie innerhalb eines begrenzten Zeitfensters auf einen bestimmten juristischen Fall anwenden soll. Also bricht er nach fünf Jahren auch dieses Studium ab, nachdem er zwei erfolglose Versuche unternommen hat, die Zwischenprüfung abzulegen. Ehrlicherweise muss man sagen, dass er nach der zweiten erfolglosen Zwischenprüfung von der Uni geflogen ist. Er entschließt sich, später weiter zu studieren.
Nach dem Studienabbruch legt er allerdings erst einmal eine Pause ein. Das ist nachvollziehbar. Nach zehn Jahren erfolglosen Studiums benötigt jeder einmal eine Pause oder Auszeit. Diese Pause dauerte allerdings bei ihm einige Jahre, bis er sich dazu entschlossen hat, seine Meditation, die er in Indien durchziehen wollte, ohne Erfolg zu beenden. Seinen Eltern gegenüber hatte er seine Reise nach Indien überhaupt nicht erwähnt. Die waren erstaunt darüber, dass sie ihn über einen längeren Zeitraum nicht hatten erreichen können und er auch auf Anrufe in keiner Weise reagierte. Als sie davon erfahren haben, dachten sie, dass sich ihr Sohn auf ihre Kosten einen schönen Lenz gemacht hatte. Aber dem war nicht so. Ihr Sohn hatte in Indien erstmals ernsthaft über seine Zukunft nachgedacht.
Nach seiner Rückkehr aus Indien schaltet er um auf Literaturwissenschaften. Und er liest Unmengen von Büchern. Das hatte er ja auch vorher schon gemacht. Und er studiert immer weiter. Bis er schließlich 45 Jahre alt geworden ist, immer noch keinen Abschluss hat, sich aber Gedanken darüber macht, wovon er eigentlich leben soll, wenn seine Eltern ihn nicht mehr finanzieren können. Er wird sich klar darüber, dass er keine Ahnung hat, was er mit einem Studium der Literaturwissenschaften überhaupt anfangen soll, welchen Beruf er ergreifen soll, sollte er es überhaupt jemals schaffen, einen akademischen Abschluss zu erreichen. Zu dem Zeitpunkt befindet er sich bereits im fünften Semester, hat aber bisher kaum eine Klausur bestanden. Er überlegt daher ernsthaft, ob er das Studiums überhaupt jemals schaffen würde.
Roderich denkt in dem Zusammenhang darüber nach, dass er sich als Autor von Büchern durchaus einen Namen machen und auch Geld verdienen könnte, ohne jemals vorher einen akademischen Abschluss erreicht zu haben. Es musste ja nicht unbedingt ein Studienabschluss sein, der ihn dazu befähigen würde, später einen Beruf auszuüben. Allerdings hatte er noch überhaupt keine Vorstellung davon, worüber er Bücher schreiben sollte. Zumindest das sollte er doch nach einem Studium der Literaturwissenschaft langsam wissen. Schließlich beruhigte er sich selbst mit dem Argument, dass er ja erst im fünften Semester stand, also quasi noch mehr oder weniger am Anfang. Es blieb ihm ja noch ein wenig Zeit.
Auch seine Eltern, inzwischen über siebzig, überlegen jetzt ernsthaft, wie sie ihren Sohn dazu veranlassen können, endlich eine Berufsausbildung anzustreben. Am liebsten wäre ihnen natürlich, dass ihr Sohn einen akademischen Abschluss erreichte. Sie selbst hatten das ja auch geschafft. So schwierig war das ja nun auch nicht. Ihr Sohn würde ja schließlich irgendwann einmal auf eigenen Füßen stehen müssen. Ewig würde er sich auf sie, seine Eltern, schließlich nicht verlassen können. Natürlich sind die Eheleute von Domkirchen ziemlich sauer darüber, dass ihnen Roderich von seiner Reise nach Indien nichts mitgeteilt hat. Das war ja wohl das Mindeste, das sie von ihm erwarten durften, lebte er doch schließlich ausschließlich auf ihre Kosten. 3.000 Euro zahlten sie ihm jeden Monate für Ausbildung und Lebensunterhalt.
Damit er seine Angelegenheiten im Zusammenhang mit Ausbildung und Beruf nun endlich einmal ernst nimmt, entschließen sich Charlotte und Silvester von Domkirchen, ihrem Sohn den Geldhahn zuzudrehen. Zumindest teilweise, also im Hinblick auf die Nachhilfelehrer, die Roderich regelmäßig benötigte, um seine Ausbildungsziele zu erreichen. Sollte er doch zusehen, wie er seinen Nachhilfelehrer finanziert bekam. Schließlich hatte er ihr Geld drei Jahre lang in Indien verprasst, ohne auch nur im Entferntesten an seine Ausbildung zu denken. Das mussten sie jedenfalls annehmen, dass Roderich in Indien eine Art Urlaub gemacht hatte.
Natürlich hoffen seine Eltern, dass ihr Sohn sein akademisches Studium trotzdem fortsetzt. Auch wenn sie seine Nachhilfestunden nicht mehr zahlen. Und das tut er auch. Ehrgeizig ist er also schon, der Junge.
Mai 2002
Roderich von Domkirchen ist 35 Jahre alt, Student der Sozialwissenschaften im zehnten Semester an der LMU und hoffnungslos frustriert. Seine Eltern sind beide Lehrer und wollen eigentlich in wenigen Jahren in den Ruhestand gehen. Deshalb haben sie ihn kürzlich gedrängt, dass Roderich nun endlich mit der Ablegung der Bachelorprüfung beginnen sollte. Nach dem zehnten Semester müsse er die Prüfung eigentlich schaffen, hatte sein Vater gemeint. Sollte man denken, ist doch das Bachelorstudium auf eine Regelstudienzeit von nur sechs Semestern ausgelegt. Das hatte sein Vater natürlich auch gelesen. Aber das ist natürlich nur die blanke Theorie. In der Praxis kommt immer etwas dazwischen, und das Studium verlängert sich. Und bei Roderich kam offenbar ziemlich viel dazwischen, denn er hatte die Regelstudienzeit schon ganz erheblich überschritten.
Sicher könnten seine Eltern ihn als ihren Sohn auch noch dann weiter finanzieren, wenn sie sich im Ruhestand befänden, denn sie würden ja beide eine stattliche Pension bekommen und hatten auch noch ein relativ großes Vermögen angespart. Miete zahlten sie keine, denn sie hatten schon früh ein eigenes Haus gekauft, und die Kredite dafür waren ja schon längst abbezahlt. Da Roderich ihr einziges Kind war, war auch das angesparte Vermögen allein für ihn bestimmt. Vielleicht würde das Gesparte sogar reichen, damit Roderich sich davon bis an sein Lebensende finanzieren konnte. Aber dafür hatten sie, die Eltern, ja eigentlich nicht das Vermögen angespart. Vielmehr hatten sie geplant, ihren Ruhestand zu genießen und viel zu reisen. Weite Reisen und Luxusreisen, das hatten sie sich schon lange für ihren Ruhestand ausgedacht. Dabei konnte man durchaus ein Vermögen von mittlerer Größe kleinkriegen. Vieles von dem zuvor von ihnen angesparten Vermögen war ja auch schon für Roderich „draufgegangen“, denn sie hatten ja Unsummen bezahlt, damit ihr Sohn überhaupt das Abitur machen konnte.
Also glaubten seine Eltern nun, ihr Sohn müsse endlich zusehen, dass er in absehbarer Zeit finanziell auf eigenen Beinen stehen konnte. Schließlich durfte er sich ja nicht immer auf seine Eltern verlassen. Irgendwann in vielleicht zwanzig Jahren wäre er ganz allein, ohne finanziellen Rückhalt seiner Eltern. Ewig würden ja auch sie nicht leben. Nach Auffassung seiner Eltern war es nun mit 35 Jahren allmählich an der Zeit, dass Roderich lernte, seinen Lebensunterhalt selbst zu finanzieren. Sie hatten eigentlich gedacht, dass Roderich mit 35 Jahren schon eine eigene Familie haben müsste. Aber daran dachte Roderich überhaupt noch nicht.
Natürlich hatten die Eheleute von Domkirchen in weiser Voraussicht größere Beträge angespart. Davon war zwar ein Teil schon vor seinem Abitur für seine Ausbildung ausgegeben worden. Der größte Teil des Ersparten aber lag noch auf den Sparkonten oder war in Aktien angelegt. Sie hatten immer sparsam gelebt und alles, was sie nicht für den Lebensunterhalt verwenden mussten, zurückgelegt. Also konnten sie auf ein größeres Sparvermögen zurückgreifen.
Die Eheleute von Domkirchen hatten, um ihrem Sohn eine gute Ausbildung finanzieren zu können, stets auf größere Ausgaben verzichtet, sie hatten nie ein teures Auto angeschafft und auch nie Geld für kostspielige Urlaube ausgegeben. Dadurch war im Laufe der Jahrzehnte ein stattliches Vermögen in der Größenordnung einer sechsstelligen Summe zusammengekommen.
Sie waren ja stets nur zum Camping an die Nordsee oder in die Eifel gefahren. Nun, da Roderich immer noch studierte, lebten auch die Eheleute von Domkirchen immer noch sehr sparsam und legten immer wieder etwas zur Seite für Notfälle, falls sich sein Studienabschluss erneut verschieben würde und für etwaige Nachhilfestunden.
Und der Studienabschluss stand bei Roderich noch in weiter Ferne, um nicht zu sagen, in sehr weiter Ferne, war also noch nicht absehbar. Dummerweise hatte sich Roderich in seinem Studium schon seit dem ersten Semester immer wieder verzettelt, zahlreiche Vorlesungen besucht, aber das angehäufte Wissen nie ausreichend vertieft, stattdessen immer neue Projekte angefangen und sich für Seminare angemeldet, ohne diese allerdings lange durchzuhalten. Roderich hatte nie Kurse oder Seminare ein ganzes Semester lang besucht. Er hatte meistens nach wenigen Wochen etwas Interessanteres gefunden und dann den Kurs oder das Seminar einfach gewechselt. Immer wieder hatte er Klausuren geschrieben, einige wenige auch mit Erfolg, das allerdings eher selten, die meisten hat er nicht bestanden, sondern war unter der Mindestanzahl von Punkten geblieben.
Deswegen und weil es ihm am erforderlichen Durchhaltevermögen fehlte, war Roderich oft völlig verzweifelt. Roderich hätte eigentlich einen professionellen Studienberater gebraucht oder jemanden, der ihm Vorgaben machte, wann er was zu tun hatte, welche Kurse und Lehrveranstaltungen er wann besuchen musste. Ihm selbst fiel es außerordentlich schwer, sich selbst, beziehungsweise seinem Studium eine Struktur zu verpassen und einen einmal gewählten Studienplan dann auch die nächsten Monate durchzuhalten. Er hätte jemanden gebraucht, der ihm diese Struktur vorgab. Roderich brauchte einen Aufpasser, so einen wie er ihn während seiner Schulzeit viele Jahre gehabt hatte: einen engagierten Nachhilfelehrer.
Aber an den Universitäten gibt es keine Nachhilfelehrer in diesem Sinne. Man hatte natürlich Lehrveranstaltungen und Übungen für die Wiederholer eingerichtet. Aber auch diese Veranstaltungen verlangten vom Studenten ein gewisses Durchhaltevermögen. Das aber besaß Roderich einfach nicht. Deshalb hatte er in keinem einzigen Modul die erforderlichen Leistungspunkte zusammenbekommen, weder im Pflichtmodulbereich, noch im Wahlfachbereich. Kein einziges Modul hatte er mit einer Prüfung abschließen können. Es machte also für ihn keinen Sinn, sich auf die Bachelorprüfung vorzubereiten, ohne zuvor die Modulprüfungen abzulegen. Er erfüllte ja gar nicht die Voraussetzungen.
Es war allerdings nicht nur das fehlende Durchhaltevermögen und die ständig wechselnden Kurse und Seminare, die er immer wieder vorzeitig abbrach, die einem Studienabschluss entgegenstanden, sondern Roderich ging auch häufig abends aus, amüsierte sich, trank zu viel Alkohol und kehrte erst spät in der Nacht in seine Wohnung zurück. Dann verschlief er natürlich oft am nächsten Morgen, er musste ja zunächst seinen Rausch ausschlafen. Vor zehn oder elf Uhr sah man ihn an solchen Tagen nicht in der Uni. Dadurch hat Roderich natürlich viele wichtige Lehrveranstaltungen versäumt.
Und nun kommen seine Eltern und verlangen von ihm, sich für die Bachelorprüfung anzumelden! Das kann er doch nicht, erfüllt er doch nicht annähernd die Qualifikationen, um sich für die Prüfung anzumelden. Nur die Vorlesungen, die hat er inzwischen fast alle besucht. Daneben auch noch viele, viele Kurse, aber nur selten bis zum Ende. Das allerdings reichte bei weitem nicht. Die Fakultät würde seine Anmeldung erst gar nicht entgegennehmen. Roderich hatte sicher ein großes Fachwissen erlangt, aber zum Bestehen einer Prüfung hatte es nie gereicht. Und nun weiß er überhaupt nicht, wie er das seinen Eltern beibringen soll. Die warteten ja darauf, dass Roderich endlich eine Prüfung ablegte.
Roderich überlegte, ob er seine Eltern eventuell dadurch besänftigen oder wenigstens vom Thema Prüfung ablenken konnte, indem er ihnen von seiner Freundin erzählte. Damit, dass er seinen Eltern seine Freundin vorstellte, konnte er sie sicherlich ganz schön überraschen. Er glaubte, dass seine Eltern niemals damit gerechnet hatte, er könne eine Frau kennengelernt haben. Während seiner nicht unerheblichen Schulzeit hatte er ja nie eine Freundin gehabt. Deshalb hatten seine Eltern eine Zeitlang bereits vermutet, er könnte vielleicht nicht „normal“ sein. Gesagt hatten sie ihm das nie, aber Roderich spürte, dass seine Eltern etwas in dieser Richtung von ihm gedacht haben.
