Christmas Daddies - Mia Kingsley - E-Book + Hörbuch
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Christmas Daddies E-Book und Hörbuch

Mia Kingsley

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Beschreibung

Eingeschneite Chalets und fürsorgliche Männer – mehr Weihnachten geht nicht. Erstmals alle fünf Geschichten in einem Band. Das Rezept für ein perfektes Weihnachtsfest: Ein Millionär (nach Bedarf auch zwei Millionäre), eine Protagonistin, die eine Aufmunterung nötig hat, mindestens ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum, brennende Kerzen und ein großer Kamin, ein gutes Dutzend Geschenke, ein halber Meter Schnee, und Zuckerstangen (ca. 22 Zentimeter). Auf keinen Fall hinzufügen: Hemmungen, Logik und Realismus. Die »Christmas Daddies« sind in sich abgeschlossene KURZgeschichten für alle, denen die Schokolade aus dem Adventskalender nicht süß genug, der Tannenbaum nicht groß genug und der Weihnachtsmann zu realistisch ist.  Ho ho ho, bitches!

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Seitenzahl: 328

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Zeit:7 Std. 21 min

Sprecher:Lotte Fuchs

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CHRISTMAS DADDIES

SAMMELBAND

MIA KINGSLEY

DADDY ROMANCE

INHALT

Daddy’s Wish

Daddy’s Wish

Das Rezept für ein perfektes Weihnachtsfest

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Epilog

Daddy’s Gift

Daddy’s Gift

Das Rezept für ein perfektes Weihnachtsfest

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Epilog

Nice Daddies

Nice Daddies

Das Rezept für ein perfektes Weihnachtsfest

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Epilog

Naughty Daddies

Naughty Daddies

Das Rezept für ein perfektes Weihnachtsfest

BABYGIRL

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Epilog

Daddy’s Ho-Ho-Ho

Das Rezept für ein perfektes Weihnachtsfest

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Epilog

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Über Mia Kingsley

Copyright: Mia Kingsley, 2018, Deutschland.

Gesamtausgabe: Mia Kingsley, 2020, Deutschland

Coverfoto: © yellowj - stock.adobe.com

Korrektorat: Laura Gosemann

Alle Rechte vorbehalten. Ein Nachdruck oder eine andere Verwertung ist nachdrücklich nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet.

Sämtliche Personen in diesem Text sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig.

Black Umbrella Publishing

www.blackumbrellapublishing.com

DADDY’S WISH

DADDY’S WISH

APRIL

Weihnachten. Die Zeit der Ruhe, Besinnlichkeit und Entspannung – oder die Zeit, herauszufinden, dass mein Vater eine halbe Million Dollar Schulden bei einem Gangster gemacht hat, der es für eine gute Idee hält, dass ich die Summe »abarbeite«.

Damit es nicht dazu kommt, versteckt mich Eliah Crane, ein langjähriger Geschäftspartner meines Vaters, in seinem Chalet in den Bergen. Solange ich denken kann, bin ich in Eliah verliebt. Im Grunde gibt es kaum eine bessere Vorstellung, als mit ihm Weihnachten im Schnee zu verbringen, allerdings war er in meiner Fantasie nie mein unfreiwilliger und extrem genervter Babysitter. Eine schöne Bescherung …

ELIAH

Viel zu lange schon habe ich eine Schwäche für die süße, unschuldige Tochter meines Geschäftspartners, weshalb ich mich in den letzten Monaten bewusst von ihr ferngehalten habe.

Jetzt tänzelt sie die ganze Zeit in diesem kurzen Kleid vor meiner Nase herum. Wenn sie nicht sofort damit aufhört, verliere ich die Kontrolle und tue Dinge, die ein anständiger Mann niemals tun würde …

DAS REZEPT FÜR EIN PERFEKTES WEIHNACHTSFEST

Ein Millionär (nach Bedarf auch zwei Millionäre),

eine Protagonistin, die eine Aufmunterung nötig hat,

mindestens ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum,

brennende Kerzen und ein großer Kamin,

ein gutes Dutzend Geschenke,

ein halber Meter Schnee,

und Zuckerstangen (ca. 22 Zentimeter).

Auf keinen Fall hinzufügen:

Hemmungen, Logik und Realismus.

KAPITEL1

ELIAH

»Was hast du gesagt?« Die feinen Härchen in meinem Nacken stellten sich auf.

James’ Stimme zitterte, als er sich den nächsten Drink eingoss. »Ich hatte keine andere Wahl.«

Ich wandte mich von der beeindruckenden Aussicht über die verschneite Stadt ab und drehte mich zu ihm um. »Wiederhole es bitte noch einmal, damit ich mir vollkommen sicher sein kann, dass ich dich richtig verstanden habe.« Meine Stimme war ruhig, vielleicht sogar einen Hauch zu kalt und kalkuliert.

Obwohl in James’ Büro nur die kleine Lampe auf seinem Schreibtisch brannte, konnte ich die Schweißperlen auf seiner Stirn sehen. Er hatte vollkommen zu Recht Angst vor mir. Die Ader an meiner Schläfe pochte, und ich stand kurz vor der Explosion. Einzig die Tatsache, dass ich seine Unterschrift benötigte, weshalb ich extra so kurz vor Weihnachten hergekommen war, hielt mich davon ab, ihn umzubringen.

Der massive Briefbeschwerer auf seinem Schreibtisch, das lange Stromkabel seines Computers, die Tatsache, wie tief er von der Dachterrasse im zweiundfünfzigsten Stock fallen würde, meine Hände an seiner Kehle – die Optionen waren schier endlos.

Doch statt dem Impuls nachzugeben, verschränkte ich die Hände hinter dem Rücken und wartete auf seine Antwort.

James knüllte seine Krawatte zusammen und fuhr sich mit dem Finger unter den Hemdkragen, als würde er keine Luft bekommen. »Was hätte ich sonst tun sollen?«

»Du hättest mich fragen können.«

James gab ein Schnauben von sich und füllte sein Glas ein weiteres Mal. Ich wollte gar nicht wissen, der wievielte Drink es an diesem Tag war. Seine ungesunde Hautfarbe und die blutunterlaufenen Augen sprachen Bände. Er wischte sich fahrig über den Mund. »Du bist fünfzehn Jahre jünger als ich, Herrgott. Ich kann mich nicht immer auf dich verlassen.«

Ich wollte nichts lieber, als ihm meine Faust ins Gesicht zu rammen. Wieder und wieder und wieder und …

Ich zwang mich durchzuatmen. »Wir sind Geschäftspartner und haben die letzten zwölf Jahre damit zugebracht, unser Business aus dem Nichts aufzubauen. Willst du mir jetzt wirklich erzählen, dass falscher Stolz dich dazu gebracht hat, dir lieber bei einem stadtbekannten russischen Gangster eine horrende Summe zu leihen, statt mich zu fragen? Was geht in deinem Kopf vor sich, James?« Am Ende des Satzes hatte ich mich nicht mehr unter Kontrolle und brüllte.

Er zog die Schultern hoch, wodurch er wie eine Schildkröte wirkte. »Ich brauchte dringend Geld und dachte, ich könnte es dir verheimlichen.«

Ich ging zum Schreibtisch, nahm die Akte, die ich mitgebracht hatte, und legte sie vor ihn. »Du wirst jetzt den neuen Vertrag unterschreiben. Sofort.«

»Was für einen Vertrag?«

»Den, mit dem du mir deine Anteile der Firma überschreibst. Ich habe lange genug zugesehen, wie du dein eigenes Grab schaufelst, und gehofft, du würdest die Kurve bekommen. Wie oft habe ich dich darauf angesprochen? Wie oft habe ich dich vorgewarnt? Ich werde nicht mit dir untergehen, und noch weniger werde ich eine Hälfte meiner Firma einem russischen Gangster überlassen. Dafür habe ich zu lange zu hart gearbeitet.« Ich reichte ihm den Füller. »Unterschreib, James.«

Er zögerte. »Und wenn ich nicht will?«

»Du hast keine andere Wahl. Mach es nicht noch schlimmer, indem du mich zwingst, dir zu beweisen, wozu ich fähig bin.«

»Aber …« James zog die Schultern höher und höher.

»Es gibt nichts mehr zu sagen. Du bekommst eine Abfindung, die es dir ermöglicht, dein Leben in Ordnung zu bringen, ehe du dir eine neue Aufgabe suchst. Die Mehrheit deiner Anteile werde ich April überschreiben. Meiner Meinung nach sollte sie nicht unter den Problemen ihres Vaters leiden.«

Bei der Erwähnung seiner Tochter verzog James auf merkwürdige Art und Weise das Gesicht, bevor er eilig seine Signatur auf das Dokument setzte.

Mein Puls verlangsamte sich, und ich konnte freier atmen. »Wie viel schuldest du ihnen?«

»Ungefähr eine halbe Million.«

»Bis wann?«

Er starrte auf die Tischplatte. »Gestern.«

»Großartig. Was hast du ihm als Sicherheit geboten? Ich meine, Kharlamov ist nicht gerade für sein großes Herz bekannt. Das Haus? Wird er dich und April auf die Straße setzen?«

»Ich dachte, ich könnte das Geld auf jeden Fall zurückzahlen. Ich habe alles versucht«, murmelte James mit weinerlicher Stimme.

»Davon bin ich überzeugt. Du hattest bestimmt eine total tolle Strategie, und dann kam ein Drink dazwischen. Und noch einer. Und noch einer. Soll ich weitermachen?« Ich wollte nicht bösartig zu ihm sein, aber ich hatte die letzten drei Jahre damit verbracht, Ausreden für den Mann zu suchen, der einst mein Mentor gewesen war und mir so viel beigebracht hatte.

Wie oft hatte ich die Abende und Sonntage in seinem Haus verbracht, an seinem Esstisch? Ich hatte zugesehen, wie April erwachsen geworden war und wie James sie ermutigt hatte, ihren Träumen zu folgen, genau wie er mich einst ermutigt und unterstützt hatte.

Von dem Mann war nichts mehr übrig. Ich wusste nicht, welche Dämonen ihn quälten, und er verweigerte jegliche Hilfe. Selbst April hatte es inzwischen aufgegeben. Ich hatte sie schon ewig nicht mehr gesehen, weil sie es ebenso vermied wie ich, zu viel Zeit in der Gesellschaft ihres Vaters zu verbringen.

»Brauchst du Geld für ein Hotel? Braucht April mehr Geld? Sprich mit mir, James, sonst kann ich dir nicht helfen«, unternahm ich einen letzten Versuch. Es war mehr das Pflichtbewusstsein, das aus mir sprach, als ernsthaftes Interesse. Zu oft hatte er sein Wort nicht gehalten oder mich sogar hintergangen.

»Kharlamov wollte das Haus nicht. Er hat andere … Interessen. Immobilien gehören nicht dazu.«

»Dann musst du dich bald von ein paar Organen trennen? Mein Angebot steht, ich kann dir finanziell aushelfen.«

»April«, sagte er traurig.

»Selbstverständlich kann ich April helfen. Ich habe schon die letzten beiden Semester bezahlt, weil du es versäumt hast.«

Er schüttelte den Kopf. »Kharlamov«, seine Stimme brach, »er wollte April.«

Das Blut gefror in meinen Adern, und in Gedanken zerrte ich James bereits zur Brüstung, um ihn von der Dachterrasse zu werfen. Er hatte seine eigene Tochter einem Gangster überlassen, damit er seine Schulden bezahlen konnte?

»Ich wollte das Geld wirklich zurückzahlen«, stammelte James. »Kharlamov wird sie nicht anrühren.«

»Nein, das wird er nicht, weil ich es verhindern werde.« Meine Stimme klang wieder so kalt und unbeteiligt wie vorher. Der Russe würde seine Finger nur über meine Leiche an April legen. An die süße, viel zu unschuldige April, für die ich schon viel zu lange eine unangemessene Schwäche hatte.

James setzte die Flasche direkt an die Lippen und nahm einen großen Schluck. »Kharlamov hat eine Schwäche für jüngere Frauen, hat er gesagt. Ich dachte mir: Was soll’s? Ich werde das Geld rechtzeitig auftreiben und wenn nicht, wird sie es schon überleben. Es ist ja nur Sex.«

Ich fuhr herum und landete eine rechte Gerade mitten in seinem Gesicht. Es war ein so schneller Impuls gewesen, dass ich mich nicht mehr daran hindern konnte. »Wenn Kharlamov ihr auch nur ein Haar gekrümmt hat, ziehe ich dich zur Verantwortung.«

Ich nahm den unterschriebenen Vertrag in die Hand und verließ James’ Büro mit großen Schritten. Im Flur scrollte ich bereits durch die Kontakte in meinem Handy, während ich überlegte, wen zum Teufel ich anrufen konnte, um herauszufinden, wo ein russischer Gangster sich kurz vor Weihnachten aufhielt.

Ich entschied mich für meinen Freund Anson Ford, einen Medienmogul, der unkonventionelle Mittel und Wege kannte, um Probleme zu lösen.

Bevor ich seine Nummer wählen konnte, klingelte mein Handy, und der Name im Display ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen.

KAPITEL2

APRIL

»Lippenstift?«

Alexis nickte.

»Taschentücher?«

»Ja.«

»Kreditkarte?«

»Ja.«

Ich tippte mir an die Unterlippe. »Handy und Schlüssel?«

»Natürlich.« Alexis nickte mir zu, während sie die von mir genannten Dinge auf geschickte Art und Weise in ihre winzige Abendtasche stapelte. Sie drückte, presste und zwängte, bis sie erleichtert sagte: »Fertig. Ich habe sogar drei Kondome hier drin.«

»Wow.« Ich beäugte die Tasche, weil ich fürchtete, dass sie in der nächsten Sekunde aus allen Nähten platzen würde.

Sie schaute auf. »Du hast die Tickets, richtig?«

»Ja.« Ich hielt die grün-roten Karten für die Hot-Santa-Party hoch. »Sollte ich auch Kondome einpacken?«

»Keine Ahnung. Planst du, deine Jungfräulichkeit heute Nacht loszuwerden?«

Ich dachte nach. Die Aussicht, irgendeinen Partygänger abzuschleppen, war mir eher zuwider. »Nicht wirklich.«

»Schon klar, du wartest auf den Richtigen.« Sie stieß mich mit dem Ellbogen an und zwinkerte mir zu. »Kleiner Tipp. In meinen Büchern können die Männer zwar immer Gedanken lesen, aber in der Realität kommt es eher selten vor. Wenn du wirklich so scharf auf sexy Eliah Crane bist, solltest du es ihm einfach sagen.«

Meine Wangen wurden feuerrot. »So viel zum Thema, dass du mich nicht damit aufziehst, wenn ich es dir verrate.«

»Das war ein Hinweis, mehr nicht. Es ist vollkommen okay, Jungfrau zu sein, und es ist auch vollkommen in Ordnung, auf ältere Männer zu stehen. Ich meine, Eliah ist verdammt heiß. So heiß, dass ich glatt meinen nächsten Protagonisten nach seinem Vorbild bauen würde. Die hellbraunen Haare, die funkelnden grünen Augen und – oh – er hat diesen wunderschön geschwungenen Mund. Ich meine, das ganze Paket ist nicht zu verachten, Muskeln und Hirn. Hat er nicht einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften?«

»Mir musst du ganz sicher nicht von ihm vorschwärmen«, murrte ich mit glühenden Wangen. Solange ich denken konnte, war ich in den Geschäftspartner meines Dads verknallt, obwohl er elf Jahre älter war als ich und so attraktiv, dass selbst Topmodels an seinem Arm wie durchschnittliche Frauen aussahen. Das wusste ich aus erster Hand, weil ich zu oft seinen Namen googelte und die Bildersuche bemühte, wenn mir langweilig war.

Mit spitzen Fingern nahm ich eins der Kondome und schob es sicherheitshalber in meine Handtasche. Alexis hatte recht. Ich konnte nicht ewig auf Eliah warten. Schon gar nicht, wenn der arme Mann nicht wusste, dass ich mich für ihn interessierte. Er sah mich vermutlich nur als die Tochter von James Baxter und hatte gar nicht mitbekommen, dass ich längst erwachsen geworden war.

Alexis legte ihre Hand auf meine. »Du musst dich nicht verpflichtet fühlen.«

»Tue ich nicht. Ich möchte mir lediglich alle Optionen offenhalten.«

»Klingt gut.« Sie wandte sich ab und ging zum Spiegel, um zu überprüfen, ob ihre blonden Haare so lagen, wie sie es sich vorstellte. »Ich schätze, wir können los.«

»Was ist eigentlich mit dir?«, fragte ich, die Hand längst am Türknauf.

»Du kennst mich – ich suche mir einen belanglosen One-Night-Stand und idealisiere ihn im Nachhinein. Wie jedes Mal. Und morgen, wenn ich auf dem Weg in meinen Einsiedlerweihnachtsurlaub bin, werde ich aus dem langweiligen Kevin, Marc oder Thomas der letzten Nacht den aufregenden, millionenschweren CEO Hudson, Carter oder Easton machen und beschreibe den Sex, den ich tatsächlich hatte – allerdings so weit von der Realität entfernt wie möglich. Hat bei den letzten sechs Büchern doch auch funktioniert.«

Ich starrte sie an. »Bitte zerstöre nicht alle meine Hoffnungen. Mein Anreiz, jemals mit Sex anzufangen, wird stark gehemmt, wenn du darüber sprichst.«

Sie lachte und tätschelte meinen Rücken, während sie mich vorwärtsschob. »Keine Sorge, Darling. Es gibt umwerfenden Sex mit zehenkrümmendem Orgasmus, aber dazu muss man Gefühle investieren, und du weißt, dass das ein Dealbreaker für mich ist. Ich wette, dein Eliah weiß genau, wie man …«

Ich hielt mir entsetzt die Ohren zu und stolperte eilig ein paar Schritte nach vorne. Alexis würde keine Hemmungen haben, mir jedes noch so schlüpfrige Detail auszumalen – das war als Schriftstellerin schließlich ihr Job. Wenn ich allerdings eines nicht brauchte, dann waren es weitere Gedanken über Eliah. Ich musste ihn mir endlich aus dem Kopf schlagen.

Ich konnte mir keinen weniger weihnachtlichen Drink als die Piña Colada vorstellen, die Alexis mir zum Anstoßen hinhielt. Zögerlich hob ich mein eigenes Glas. Auf der Hot-Santa-Party wurden nur weiße, rote und grüne Drinks serviert, und da ich weder Absinth noch Daiquiri trinken wollte, hatte Alexis die Piña Coladas besorgt.

Ich verzog das Gesicht, weil sich in diesem Moment eine elegante Brünette mit zwei Cosmopolitans an uns vorbeischob. Alexis winkte ab, beugte sich zu mir und brüllte an meinem Ohr. »Nächste Runde.«

Um meine Zustimmung zu signalisieren, hob ich lediglich den Daumen. Die Musik war ohrenbetäubend. »Last Christmas« hämmerte in einer EDM-Version aus den Boxen, der ursprüngliche Song war beinahe bis zur Unkenntlichkeit verzerrt worden.

Je länger ich mich umsah, desto weniger verstand ich, warum die Hot-Santa-Party in Cloudville als heißestes Event zum Jahresende hin gehandelt wurde.

Es war voll, zu laut und die Cocktails waren auch eher mäßig gut. Bisher hatte ich kaum attraktive Typen entdecken können. Die Kondome würden heute definitiv nicht zum Einsatz kommen.

Alexis nahm meine Hand und zog mich zur Tanzfläche. Sie hob drei Finger, woraufhin ich nickte. Wir hatten eine Drei-Song-Regel etabliert. Wenn eine Party oder Veranstaltung uns nicht gefiel, tanzten wir für drei Songs. Falls unsere Laune danach besser war, blieben wir, ansonsten gingen wir gemeinsam nach Hause.

In der Regel wurde die Party nämlich nicht besser, wenn man angesäuert in einer Ecke stand und sich an einen anderen Ort wünschte. Unser Motto war sozusagen: Man musste es wenigstens versuchen.

Nachdem die groteske Version von »Last Christmas« geendet hatte, folgte »Christmas (Baby, Please Come Home)« von Cher. Der Song war meiner Meinung nach so schlecht, dass er fast schon wieder gut war. Fast.

Ich nippte an der Piña Colada, tanzte in einem viel zu kurzen Kleid zu Cher, und für knapp vier Minuten war die Welt vollkommen in Ordnung. Alexis drehte sich schwungvoll um ihre eigene Achse und wackelte mit den Hüften, während ich versuchte, den nächsten Song zu identifizieren, als plötzlich drei Typen hinter ihr aus dem Boden wuchsen. Weder ihr finsteres Auftreten noch die Anzüge und Headsets sorgten für ein beruhigendes Gefühl. Einer der Typen tippte Alexis auf die Schulter, ehe er uns beiden signalisierte, dass wir mitkommen sollten.

Wir tauschten einen Blick, woraufhin die Kerle spürbar ungeduldig wurden. Alexis setzte sich in Bewegung, und ich konnte ihr an der Nasenspitze ablesen, was sie dachte: Wir waren an einem öffentlichen Ort mit unzähligen Zeugen.

Wie ein Panzer schoben sich die Männer durch die tanzende Menge, die Leute wichen ihnen mehr als bereitwillig aus. Vor einer gläsernen Tür mit der Aufschrift VIP blieben sie stehen und wollten, dass wir vorausgingen.

Alexis runzelte die Stirn, dann zuckte sie mit den Achseln und betrat den VIP-Bereich, nachdem einer der Gorillas die Tür für uns geöffnet hatte. Sie lehnte sich zu mir und wisperte: »Entweder wir sehen noch schärfer aus, als wir dachten, oder irgendetwas läuft hier gerade falsch.«

»Selbst wenn wir scharf aussehen – was sind das denn für Manieren?«, flüsterte ich. Die Musik war hier zwar immer noch laut, aber wesentlich leiser als vor der Tür.

Ich war nie zuvor im VIP-Bereich eines Klubs gewesen und staunte nicht schlecht, wie viele Tische es gab. Sogar eine eigene Bar zog sich über die Längsseite des Raumes.

Der einzige Gorilla, der uns begleitet hatte, brachte uns zu einem der Tische, an dem ein älterer Mann zwischen sechs Models saß. Ich wollte zumindest lieber denken, dass sie Models waren und keine Prostituierten.

Der Mann schaute auf, deutete mit der Hand in Alexis’ Richtung und ließ eine russische Sprachsalve auf uns los. Der Gorilla nickte und legte seine Pranke auf Alexis’ Schulter.

»Moment mal«, sagte sie und schüttelte ihn ab. »Was ist eigentlich los?«

Der Mann lachte. »Ah, die Frauen hier sind so erfrischend.« Dann hörte er schlagartig auf zu lächeln. »Und so schlecht erzogen.«

Die feinen Härchen in meinem Nacken stellten sich auf.

Alexis stemmte eine Hand in die Hüfte. »Ich glaube, wir gehen jetzt.«

Sein russischer Akzent kam stärker zum Vorschein, als er grollte: »Sie können gehen, einer meiner Männer wird Sie nach Hause bringen. Miss Baxter bleibt hier.«

Mir wurde schlecht. »Was wollen Sie von mir?«

»Sie müssen Ihrem Vater nur eine Botschaft überbringen, April.« Er lächelte mich an, doch es wirkte bösartig.

»Geh«, sagte ich zu Alexis. »Ich komme nach, sobald ich fertig bin.« So eindringlich, wie ich konnte, sah ich sie an. Obwohl ich keine Ahnung hatte, was der Russe von mir wollte, war es mir lieber, Alexis aus der Gefahrenzone zu schaffen.

»Bist du dir sicher?« Sie beugte sich näher zu mir.

»Ganz sicher. Bitte.«

Kurz drückte sie meine Hand, bevor der Gorilla sie aus dem VIP-Bereich führte.

Der Russe lehnte sich auf der Bank zurück, auf der er saß, und streckte die Arme auf der Rückenlehne aus. »Ich möchte, dass Sie Ihren Vater anrufen, April. Er schuldet mir Geld und weicht mir schon seit einer Weile aus. Ich denke, Ihren Anruf wird er beantworten. Wenn er dann weiß, dass Sie gerade bei mir sind, ist er vielleicht motivierter, was die Begleichung der Schulden anbelangt. Mehr steckt nicht dahinter.«

»Okay«, sagte ich und holte das Handy aus meiner Handtasche. Mit klopfendem Herzen und hämmerndem Puls ging ich die Nummern in meinem Telefonbuch durch. Der Russe schien nicht zu wissen, dass mein Vater um diese Tageszeit nicht mehr ansprechbar war. Außerdem war er so ziemlich der letzte Mensch, den ich um Hilfe bitten würde. Nicht in seinem Zustand. Und ich wagte stark zu bezweifeln, dass er das Geld hatte.

Vor einem Jahr hatte er aufgehört, meine Semestergebühren zu bezahlen, woraufhin ich mir einen Job hatte suchen wollen. Am nächsten Tag waren die Gebühren bezahlt worden, und zwanzigtausend Dollar waren auf meinem Konto aufgetaucht – zusammen mit einer SMS auf meinem Handy von Eliah.

Er wollte, dass ich mich auf das Studium konzentrierte, und wenn ich etwas brauchte, sollte ich mich bei ihm melden. Ich wusste weder, wie er von den Studiengebühren noch von der Jobsuche erfahren hatte, doch es war ein schönes Gefühl gewesen zu wissen, dass sich überhaupt jemand für mich interessierte.

Das war allerdings auch vorerst das letzte Mal gewesen, dass ich von ihm gehört hatte. Mein Daumen schwebte über der Anrufen-Taste. Es war nett, wie viel Vertrauen der Russe in mich hatte, aber ich war mir sicher, dass mein Vater einen Anruf von mir ebenfalls ignorieren würde.

Mit einem Stoßgebet zum Himmel wählte ich Eliahs Nummer. Er nahm den Anruf so schnell entgegen, dass ich keine Zeit hatte, nervös zu werden.

»April? Ist alles in Ordnung?«

In der letzten Sekunde fiel mir ein, dass der Russe zuhörte und davon ausging, dass ich meinen Vater anrief. Eliah kannte mich lang genug, um zu wissen, dass ich meinen Vater immer und ausschließlich »Dad« nannte. Allerdings würde ich es keinesfalls über mich bringen, Eliah so zu nennen. Ich drückte mir selbst die Daumen, als ich sagte: »Hey, Daddy. Ich bin im Liquid und habe Mister …« Mir wurde klar, dass ich seinen Namen nicht kannte, weshalb ich mich zu ihm umdrehte.

»Kharlamov«, sagte der Russe unwirsch.

»Ich bin hier mit Mister Kharlamov, und er hat mich gebeten, dich freundlich daran zu erinnern, dass du ihm Geld schuldest.«

Der Russe warf ein: »Fünfhunderttausend Dollar.«

Meine Kehle wurde eng. »Eine halbe Million, um genau zu sein. Würdest du bitte herkommen und dich darum kümmern, Daddy?«

»Ich bin schon unterwegs, April. Geht es dir gut? Hat er dir wehgetan?«

»Nein, es ist alles in Ordnung. Er sagte bloß, dass du ihm ausweichst. Wann wirst du hier sein, Daddy?« Mit jedem Mal, dass ich das Wort Daddy aussprach, wurden meine Knie weicher. Hoffentlich dachte Eliah nicht, dass ich den Verstand verloren hatte.

Er schwieg für einige Sekunden, bis er antwortete: »Mach dir keine Sorgen, Darling. Daddy ist schon unterwegs.«

KAPITEL3

ELIAH

Ich spielte für den Bruchteil einer Sekunde mit dem Gedanken, in James’ Büro zurückzukehren und ihm die Nase so weit in den Schädel zu prügeln, bis sie auf der Rückseite wieder herauskam, weil er seine Tochter mit in seinen Schlamassel gezogen hatte.

Doch stattdessen eilte ich zu den Aufzügen, weil ich keine Zeit zu verlieren hatte. Kharlamov hatte April. Zwar glaubte ich nicht, dass sie sich in akuter, unmittelbarer Gefahr befand, aber wohl war mir bei der Vorstellung auch nicht. Selbst wenn Kharlamov scharf darauf war, sie flachzulegen, war er in erster Linie ein Geschäftsmann und würde zuerst alle Hebel in Bewegung setzen, um sein Geld zurückzubekommen – Zinsen inklusive.

Ich überlegte angestrengt, wie ich sie aus seinen Klauen befreien konnte, obwohl ich längst einen Plan hatte. Allerdings wusste ich, was passierte, wenn ich aufhörte, über den Plan nachzudenken: Ich würde stattdessen darüber fantasieren, dass April mich Daddy genannt hatte.

Schlimmer noch. Ich hatte es wiederholt, als ich das Gespräch beendet hatte, obwohl es keinen Grund dafür gegeben hatte. Wenn April mich nicht vorher schon merkwürdig gefunden hatte, dann bestimmt jetzt.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Aufzug endlich kam, und noch länger, bis ich das Erdgeschoss erreicht hatte. Eine Menge Zeit, um darüber nachzudenken, wie sehr es mir gefallen hatte, als April Daddy gesagt hatte.

Fuck. Viel zu sehr, wenn ich ehrlich war. Es hatte mir viel zu sehr gefallen, was ein Problem war, da ich April ohnehin schon bis ins Unerträgliche verführerisch fand. Seit sie volljährig geworden war, versuchte ich krampfhaft, Abstand zu ihr zu halten.

Meine Schritte hallten durch das leere Foyer. Tony, einer der Wachmänner, schaute auf und hob die Hand zum Gruß. Ich nickte ihm zu, bevor ich die Eingangstür aufstieß. Ich hatte direkt vor der Tür geparkt und stieg ein.

Was wollte sie überhaupt im Liquid? Der Laden war kaum mehr als eine hübsch aufgemachte Bruchbude, in der wässrige Drinks serviert wurden. Außerdem hatte er den Ruf als Baggerschuppen – ein Klub, in dem jeder nur auf schnellen Sex aus war.

Die Vorstellung behagte mir nicht. Ich vermied es ohnehin, im selben Kontext über April und Sex nachzudenken, bevor ich die Beherrschung verlor.

Nein. Nein. Nein. Ich startete den Motor und redete mir selbst gut zu. Ich musste mir April aus dem Kopf schlagen. Sie hatte ihr eigenes Leben und sicherlich nichts für den kontrollsüchtigen, merkwürdigen Arbeitskollegen ihres Vaters übrig.

Für den ehemaligen Arbeitskollegen ihres Vaters, verbesserte ich mich selbst und dachte an die unterschriebenen Dokumente in der Innentasche meines Jacketts.

Ich hatte die Vorbereitungen, James aus der Firma zu drängen, bereits getroffen, als er aufgehört hatte, sich um April zu kümmern. Stattdessen hatte ich die Rolle übernommen, nachdem mein Freund Anson Ford mir gesagt hatte, dass April sich um eine Stelle bei Ford Media beworben hatte.

Ich hatte James die Hölle heißgemacht, dabei war mir längst klar gewesen, dass er sich nicht mehr ändern würde. Nachdem April versorgt gewesen war, hatte ich aus der Ferne stets ein Auge auf sie gehabt. Denn wenn ich ihr zu nah kam …

Nein. Ich packte das Lenkrad fester und konzentrierte mich auf die kurze Fahrt zum Liquid. Um meinen Plan auf Tauglichkeit zu überprüfen, rief ich Anson an.

»Was gibt’s?«, fragte er unwirsch.

»Guten Abend. Störe ich?«

»Nein. Ich brüte über der Arbeit.«

Ich warf einen Blick auf die Uhr, es war längst nach Mitternacht. »Immer noch? Ist es dafür nicht etwas spät?«

Anson murmelte einen Fluch. »Willst du etwas Bestimmtes oder rufst du nur an, um mich zu nerven? Meine Assistentin hat gekündigt, und jetzt kann ich die Unterlagen nicht finden, um die sie sich in dieser Woche gekümmert hat. Deshalb bin ich noch im Büro.«

»Lisa hat gekündigt?«

»Nein, Sarah. Lisa war … vor ein paar Tagen, glaube ich.«

»Die wievielte Assistentin war das jetzt?«

»Die zehnte oder elfte? Seit Mary in Rente gegangen ist, habe ich keinen würdigen Ersatz gefunden.«

»Mir war es ohnehin schon immer ein Rätsel, wie sie deine Launen ausgehalten hat«, erwiderte ich. »Aber deshalb rufe ich so spät nicht mehr an. Erinnerst du dich an James’ Tochter? April?«

»Klar, wie könnte ich sie vergessen? Hübsches Mädchen – und clever, wenn ich mich recht entsinne.«

Obwohl es lächerlich war, konnte ich mir einen Anflug von Eifersucht nicht verkneifen. Es passte mir nicht, dass Anson April überhaupt zur Kenntnis genommen hatte. Statt den Gedanken weiter zu verfolgen, atmete ich durch. »Du wirst nicht glauben, was James sich geleistet hat.«

»Schieß los«, sagte Anson, und ich fasste die ganze Geschichte zusammen, bis zu dem Punkt, an dem ich in mein Auto gestiegen war. Nur die ganze Daddy-Sache ließ ich außen vor.

»Jedenfalls dachte ich daran, den Feueralarm zu betätigen, damit der Klub geräumt wird, und im Chaos schnappe ich mir April.«

Da Kharlamov ihren Vater erwartete, konnte ich nicht einfach reinmarschieren, April über meine Schulter werfen und verschwinden, wie ich es mir wünschte. Ich brauchte eine Strategie.

»Würde ich an deiner Stelle nicht tun.« Anson klang nachdenklich. »Zum einen gehört der Klub dem Russen, er kennt sich also besser dort aus als du. Wahrscheinlich sind es im Falle eines Alarms für ihn drei Schritte durch irgendeine Hintertür, bevor er mit April verschwunden ist. Zum anderen könnte ich mir auch gut vorstellen, dass sie den Alarm ohnehin gekappt haben. Wer weiß, was sie dort in den Hinterzimmern veranstalten – da wäre es vermutlich ungünstig, wenn ein Betrunkener den Alarm betätigt und dann die Feuerwehr auftaucht, um kiloweise Drogen oder Waffen oder was auch immer dort zu finden.«

Verdammt, das klang leider plausibel. Ich ging meine Optionen durch. »Hast du einen besseren Vorschlag?«, wollte ich wissen.

»Klar. Bezahl einen der Kellner, damit er dir sein Outfit überlässt, und stiehl April unter Kharlamovs Nase weg. Allerdings ist das nur eine kurzfristige Lösung. Der Kerl ist extrem nachtragend und hängt an seinem Geld. An deiner Stelle würde ich April sicher verstecken, bevor ich ihrem Vater die Hölle heißmache, dass er seine Schulden begleichen soll.«

»Ich könnte ihm doch auch anbieten, die Schulden an James’ Stelle zu begleichen.«

»Kann sein, dass er sich nicht darauf einlässt – Schulden und Ehre sind ganz heiße Themen bei den Russen.«

»Gut, dann werde ich deinen Rat befolgen.«

»Viel Glück.« Anson legte auf.

Während ich mein Handy weglegte, dachte ich darüber nach, dass Anson selbst für seine Verhältnisse in der letzten Zeit zu viel arbeitete und noch schlechter gelaunt war als üblich. Sobald ich mich um das Chaos gekümmert hatte, würde ich ihn darauf ansprechen.

Ich parkte direkt hinter dem Klub, so nah daran, wie es möglich war. Zu meinem Glück stand ein einsamer Angestellter draußen und tippte auf seinem Handy herum, während er rauchte. Als er den Kopf hob, hatte ich längst einen Stapel Bargeld gezückt.

Keine fünf Minuten später war ich auf dem Weg in den VIP-Bereich, wie Steve, der ursprüngliche Besitzer des grünen Poloshirts, das ich trug, ihn mir erklärt hatte.

April saß an der Bar. Ihr schmaler Rücken war angespannt, und sie starrte konzentriert ins Nichts. Kharlamov musste der Kerl sein, der wie ein König auf einer der ledernen Sitzgruppen zwischen unzähligen Models hockte und Audienz hielt.

Auf dem Barhocker neben April saß ein finster aussehender Typ, dessen Nase mehr als einmal gebrochen gewesen war. Er trug ein Headset und eine Sonnenbrille. Der Anblick sorgte für ein Augenrollen bei mir. Immer wieder musterte er den Raum, als würde er erwarten, dass sich in der nächsten Sekunde ein Dutzend feindliche Geheimagenten von der Decke abseilten.

Ohne mich um die anderen Kellner und Barkeeper zu kümmern, ging ich hinter die Bar, nahm mir einen Cocktailshaker und füllte wahllos einige Flüssigkeiten aus den offenen Flaschen hinein, die unter dem Tresen standen.

Während ich den Shaker schüttelte, stellte ich ein Glas vor den Kerl neben April, ehe ich den Cocktail absichtlich mit viel Schwung danebenkippte. Der Mann sprang auf und fauchte etliche russische Worte, kein einziges davon klang freundlich.

»Sorry, sorry, sorry Mann«, sagte ich und eilte mit einem Lappen um den Tresen herum. Als ich seine Hose trocken tupfen wollte, schlug er erbost meine Hand weg und grollte noch aggressiver. Mit angesäuerter Miene stand er auf, sagte etwas auf Russisch zu Kharlamov und deutete mit dem Daumen über die Schulter.

Sein Boss nickte und wandte sich wieder den Models an seiner Seite zu, nachdem er mich kurz gemustert hatte. Ich kniete auf dem Boden und tupfte mit dem Lappen herum, bis ich mir sicher war, dass Kharlamov sich nicht für mich interessierte.

April hatte mich erkannt, aber sie war clever genug gewesen, nichts zu sagen, stattdessen schaute sie in den Spiegel hinter der Theke, in dem sie den Russen sehen konnte.

»Bei der erstbesten Gelegenheit schleichen wir uns zusammen hinter die Theke«, sagte ich leise. »Direkt dahinter ist eine Tür.«

»Okay«, gab sie mit einem Wispern zurück.

Ich wartete, bis Kharlamov sich vorbeugte, um den Ausschnitt eines der Models besonders ausgiebig zu betrachten. Ohne Vorwarnung packte ich Aprils Hand und zog sie mit mir. Hinter der Theke bedeutete ich ihr, dass sie unten bleiben sollte, wodurch wir mehr krochen als liefen, aber es erschien mir sicherer.

Mein Herz hämmerte, als ich die Tür aufstieß, bevor ich rannte. April stolperte auf den hohen Absätzen hinter mir her. Wir erreichten den Wagen und saßen kaum, da startete ich bereits den Motor und fuhr los.

»Danke«, schluchzte sie.

»Nicht weinen, Darling. Alles ist gut.«

»Ich muss Alexis anrufen.« Hektisch begann April, in ihrer Tasche herumzuwühlen, ihre Atmung wurde von Sekunde zu Sekunde flacher.

»April, Darling.« Meine Stimme war scharf und streng, damit ich zu ihr durchdrang. »Atme.«

Sie hob den Blick, Tränen schwammen in ihren Augen, was ich trotz der Dunkelheit im Wagen deutlich erkennen konnte, weil das Licht sich in ihnen brach. Dann schloss sie die Augen. »Alexis war mit mir im Liquid. Ich will nur sichergehen, dass sie gut nach Hause gekommen ist.«

Ich wartete geduldig, bis April ihre beste Freundin und Mitbewohnerin angerufen hatte. Sie war ebenso erleichtert darüber, dass Alexis sicher nach Hause gekommen war, wie Alexis erleichtert zu sein schien, dass April jetzt bei mir war.

April wünschte Alexis ein frohes und produktives Weihnachtsfest und legte auf.

»Fährt Alexis wieder in diese Ferienhütte, um das nächste Buch zu beenden?«, fragte ich, um April abzulenken. Sie musste sich erst beruhigen, bevor ich vernünftig mit ihr sprechen konnte.

»Ja, allerdings hat sie dieses Jahr eine Hütte gemietet, die an ein Hotel angeschlossen ist, damit sie nicht kochen muss.«

»Klingt vernünftig. Wie geht es dir, April? Ist alles in Ordnung?«

Sie nickte. »Ich danke dir vielmals, dass du gekommen bist. Ich wusste nicht, wen ich sonst anrufen soll. Wenn ich zu Hause bin, mache ich meinem Vater die Hölle heiß.«

»Du kannst jetzt nicht nach Hause, Darling. Dort werden sie zuerst nach dir suchen. Ich bringe dich in mein Chalet, wo ich dich für ein paar Tage verstecke, bis wir das Problem aus der Welt geschafft haben.«

»Nein!«, rief sie. »Das geht nicht. Es ist dein Chalet und Weihnachten, und ich habe ja nicht einmal eine Zahnbürste dabei und …« Sie brach ab und schlang die Arme um sich selbst. »Dad kann nicht bezahlen, oder?«

»Nein. Ich werde ihm das Geld geben, aber ich weiß nicht, ob der Russe sich damit begnügt. Wenn ich deinen Vater richtig verstanden habe, hat er dem Kerl Sex mit dir in Aussicht gestellt.«

»Was?« Sie klang vollkommen fassungslos.

»Keine Sorge. Ich würde niemals zulassen, dass er dich anrührt. Aber du wirst mir sicher zustimmen, dass es besser ist, die Situation gar nicht erst eskalieren zu lassen. Wenn der Russe dich nicht findet, kann er dich weder vögeln noch als Druckmittel benutzen.«

April erschauerte. »Okay.«

Ich wollte sie weiter beruhigen und ihr versichern, dass sie keine Angst haben musste, doch mir fehlten die richtigen Worte.

Die Wahrheit konnte ich ihr unmöglich sagen: Kharlamov würde April nur über meine Leiche in die Finger bekommen. Sie gehörte mir, und ich hatte lang genug gewartet. Jetzt da sie in Reichweite war, nicht mehr als eine Armlänge von mir entfernt, hatten sich meine guten Vorsätze in Luft aufgelöst. Selbst wenn ich sie gehen lassen könnte, würde ich es nicht tun. Sie war zu verlockend. Das enge Kleid, ihr süßes Parfüm und die Tatsache, wie sie mich anschaute, halfen nicht unbedingt.

Vielleicht war es an der Zeit, mir selbst mal wieder ein Weihnachtsgeschenk zu machen.

KAPITEL4

APRIL

Ich war zu sehr mit meiner Nervosität beschäftigt, um ein vernünftiges Gespräch zu führen. Die Auswahl an akuten Problemen war so groß, dass ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte.

Ich hatte nur mit Alexis ausgehen wollen, und nun war ich im Begriff, mit großer Wahrscheinlichkeit Eliahs Weihnachtsfest zu ruinieren, weil er Besseres zu tun hatte, als mal wieder den Retter/Babysitter für mich zu spielen, nachdem mein Vater auf ganzer Linie versagt hatte.

Die Erinnerung daran, wie ich ihn Daddy genannt hatte, trieb mir die Röte in die Wangen. Ich starrte nach unten in der Hoffnung, dass er das Glühen in meinem Gesicht nicht bemerkte, und knetete meine Hände.

Mein Vater hatte Schulden und mich als Pfand eingesetzt. Das allein war schon ein Gedanke, der für Magenkrämpfe sorgte. Zusätzlich war es wenig beruhigend, dass Eliah der Meinung war, ich sollte mich besser verstecken, damit der russische Gangster mich nicht fand.

Viel mehr beschäftigte mich allerdings die Tatsache, wie nah ich Eliah war. Auf der Rückbank seines BMW lagen das Jackett und das schwarze Hemd, das er vorher getragen hatte, und nun steckte er in dem Poloshirt, das die Angestellten des Liquid trugen. Es war einen winzigen Hauch zu klein und schmiegte sich deshalb wie eine zweite Haut an seinen Oberkörper. Ich wusste, dass ich ihn nicht so anstarren sollte, aber ich konnte mir nicht helfen. Seine starken Arme kamen unter den engen Ärmeln so gut zur Geltung, von seiner breiten Brust ganz zu schweigen.

Alexis hatte mich sowieso schon am Telefon darauf hingewiesen, dass es vermutlich ganz gut war, das Kondom doch eingesteckt zu haben, weil ich nun bei Eliah war. Wenn ich ihr erzählt hätte, dass er wie ein Superheld aufgetaucht war, um mich zu retten, wäre sie ausgeflippt.

Dr Eliah Crane, mein ganz persönlicher Retter und Superheld. Ich schielte erneut in seine Richtung und spürte, wie sich die Hitze in meinem Unterleib ausbreitete. Er sah einfach zum Anbeißen aus.

Nein. Ich sollte gar nicht erst in diese Richtung denken. Aus mir sprach sicher die Mischung aus Angst und Piña Colada.

Ich bemerkte, wie er mir einen kurzen Seitenblick zuwarf und dabei kritisch meine Schenkel musterte. Nur mit Mühe hielt ich mich davon ab, den Rock nach unten zu zerren, weil ich mich unter seinen Augen grundsätzlich sehr nackt fühlte. Wir ließen Cloudville hinter uns und fuhren nach Clacton – naturnahes Wandergebiet im Sommer und illustres Skigebiet im Winter.

Der Schnee türmte sich am Straßenrand. Mit weniger Licht als in der Stadt war es hier dunkler, und nur die vereinzelten noblen Chalets erhellten die Szenerie.

Eliah nahm die nächste Abzweigung nach rechts. In diesem Teil von Clacton war ich noch nie gewesen.

»Ich wusste nicht, dass du hier ein Haus hast«, sagte ich, um die Stille im Wagen zu brechen, die mit jeder Sekunde erstickender wurde.

»Mhm«, machte Eliah bloß.

Ich sah, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten, weil er das Lenkrad fester packte, und fühlte mich noch schlimmer. Es war geradezu schmerzhaft offensichtlich, dass er nicht mit mir reden, geschweige denn in meiner Nähe sein wollte. Er hatte mich retten müssen, und nun würde ich ihn von seinen Plänen abhalten.

Vermutlich lag irgendwo ein Unterwäschemodel auf dem Bett und wartete auf ihn, während er auf mich aufpassen musste, als wäre ich alleine lebensunfähig.

Als er in eine Zufahrt bog, fehlten mir im ersten Moment die Worte. Ein wunderschönes Chalet hob sich gegen den Nachthimmel ab. Der untere Teil war mit grauen Steinen gepflastert, die obere Hälfte mit rustikalen Holzbalken verziert. Auf dem Dach türmte sich der Schnee auf eine geradezu perfekt symmetrische Art und Weise – ein Anblick wie aus dem Bilderbuch oder Reisekatalog.

Eliah stoppte den Wagen vor der Garage und stieg aus. Da er wirkte, als hätte er es eilig, beeilte ich mich damit, ebenfalls aus dem BMW zu klettern. Eliah schloss die Eingangstür auf, schaltete das Licht an. Mit einem Blick auf meine Beine sagte er: »Soll ich den Kamin anmachen? Dir ist sicher kalt.«

»Es geht schon«, behauptete ich, weil ich ihm nicht zur Last fallen wollte.

»Sieh dich ruhig um. Ich bin sofort zurück.« Er zog noch im Gehen sein Handy aus der Hosentasche und ging auf die Terrasse, die Schiebetür schloss er wieder hinter sich. Ich konnte sehen, wie er das Handy an sein Ohr hielt und von rechts nach links tigerte. Als er sich ohne Vorwarnung umdrehte, wurde mir klar, dass ich ihn anstarrte.

Hastig wandte ich mich ab und gab vor, die Inneneinrichtung zu bewundern. Natürlich war das Chalet von innen ebenso beeindruckend wie von außen, aber ich war zu nervös, um viel zur Kenntnis zu nehmen. Helles Holz, so weit das Auge reichte, ein großer Tannenbaum, der nicht weit vom Kamin entfernt stand und prächtig geschmückt worden war.