Mafia Daddies - Mia Kingsley - E-Book + Hörbuch
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Mafia Daddies E-Book und Hörbuch

Mia Kingsley

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Beschreibung

Alle drei Teile der "Mafia Daddies"-Reihe erstmals in einem Band. Band 1: Deadly DaddyIch kann kaum glauben, was mir dieser dämliche Dealer als Pfand anbietet, bis er seine Schulden begleichen kann: seine Stiefschwester. Solche Deals mache ich nicht – zumindest denke ich das, bis ich den ersten Blick in Violets Augen werfe. Ich kann sie unmöglich bei diesem inkompetenten Vollidioten lassen. Violet braucht jemanden, der sie beschützt. Sie braucht … einen Daddy. Band 2: Dangerous Daddies Was ist schlimmer, als verkatert und gefesselt im Bett eines fremden Mannes aufwachen? Im Bett von zwei fremden Männern aufzuwachen ... Band 3: Wicked Daddy James Thompson hat wichtige Informationen gestohlen, die ich für meine Familie auftreiben soll. Eigentlich ein langweiliger Standardjob, bis ich herausfinde, dass seine Schwester Nightingale an dem Deal beteiligt ist. Ich weiß definitiv, wie ich die kleine Nachtigall zum Singen bringe … Die "Mafia Daddies" sind wie eine Achterbahnfahrt – so viele Gefühle auf so kurzer Strecke. Wenn du keine Kurzgeschichten (ca. 15.000 Wörter) magst, die leicht (bis sehr) übertrieben und unrealistisch sind und weder etwas mit dominanten (bis sadistischen) Daddies (ja, das Wort kommt oft vor) noch mit der Mafia-Thematik anfangen kannst, ist das hier keine Story für dich. #sorrynotsorry Daddy Dom Mafia Romance. Schmutzige, kitschige, unrealistische KURZgeschichten mit jeweils 15.000 Wörtern. Eindeutige Szenen, deutliche Sprache und explizite Gewaltdarstellungen.

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Seitenzahl: 218

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Zeit:4 Std. 58 min

Sprecher:Kai Schulz

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MAFIA DADDIES

SAMMELBAND

MIA KINGSLEY

DADDY DOM MAFIA ROMANCE

INHALT

Deadly Daddy

Deadly Daddy

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Dangerous Daddies

Dangerous Daddies

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Wicked Daddy

Wicked Daddy

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

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Über Mia Kingsley

Copyright: Mia Kingsley, 2018, Deutschland.

Gesamtausgabe: Mia Kingsley, 2021, Deutschland.

Coverfoto: © Pixel-Shot - stock.adobe.com

Korrektorat: Laura Gosemann

Alle Rechte vorbehalten. Ein Nachdruck oder eine andere Verwertung ist nachdrücklich nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet.

Sämtliche Personen in diesem Text sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig.

Black Umbrella Publishing

www.blackumbrellapublishing.com

DEADLY DADDY

DEADLY DADDY

Ich kann kaum glauben, was mir dieser dämliche Dealer als Pfand anbietet, bis er seine Schulden begleichen kann: seine Stiefschwester.

Solche Deals mache ich nicht – zumindest denke ich das, bis ich den ersten Blick in Violets Augen werfe. Ich kann sie unmöglich bei diesem inkompetenten Vollidioten lassen. Violet braucht jemanden, der sie beschützt. Sie braucht … einen Daddy.

»Deadly Daddy« ist wie eine Achterbahnfahrt – so viele Gefühle auf so kurzer Strecke. Wenn du keine Kurzgeschichten (ca. 15.000 Wörter) magst, die leicht (bis sehr) übertrieben und unrealistisch sind und weder etwas mit dominanten (bis sadistischen) Daddies (ja, das Wort kommt oft vor) noch mit der Mafia-Thematik anfangen kannst, ist das hier keine Story für dich. #sorrynotsorry

Daddy Dom Mafia Romance. Schmutzige, kitschige, unrealistische KURZgeschichte mit 15.000 Wörtern. Eindeutige Szenen, deutliche Sprache und explizite Gewaltdarstellungen.

KAPITEL1

LEON

Meine Faust landete präzise in Scott Wrights Gesicht und verursachte ein befriedigendes Knirschen. »Wo ist mein Geld?«

Riley und David hielten Scott fest, der vor mir auf dem Boden kniete. In weiser Voraussicht hatte ich den Boden meines Arbeitszimmers mit einer großen Plane bedeckt. Ich war kein Fan von Blut und anderen Körperflüssigkeiten, die unweigerlich involviert waren, wenn man einem Menschen nur genug Schmerzen zufügte.

Außerdem sorgte der Anblick der Plane dafür, dass mein »Opfer« meist gleich eingeschüchtert war und bereitwillig plauderte.

Scott Wright plauderte nicht. Aber ich ging davon aus, dass er mir nicht viel zu sagen hatte. Scott hatte seine langen, schmierigen Finger nach meinem Geld ausgestreckt und schuldete mir in genau diesem Moment 300.000 Dollar. Es waren immer die kleinen Drogendealer, die unter akutem Größenwahn litten und glaubten, mit dem Geld des Bosses ein eigenes Business unter der Nase des besagten Bosses eröffnen zu können.

So oder so war mir klar, dass Scott deshalb nicht sprach, weil er das Geld schlicht nicht mehr hatte.

Nach zwei weiteren Schlägen in seinen Bauch, die ihn trocken würgen ließen, keuchte er: »Ich kann das Geld auftreiben, Mister Marino.«

Die kalte Luft, die durch die offen stehende Terrassentür hereinwehte, jagte einen Schauer über meinen Rücken. Ich fuhr mit der Hand durch meinen Nacken, um die dünne Schweißschicht abzuwischen.

Scott schielte zu mir hoch, den Kopf leicht schräg gelegt, weil er mich aus seinem zugeschwollenen Auge nicht sehen konnte. »Das Geld. Ich kann es Ihnen bringen.« Er spuckte Blut auf die Plane.

»Warum sollte ich dir glauben?«

»Ich habe eine Sicherheit.«

Gelangweilt betrachtete ich ihn. »Willst du mir deinen heruntergekommenen Wohnwagen im Trailerpark anbieten, oder was?«

David räusperte sich. »Es ist ein Mädchen, Boss.«

»Was?« Ich sah von ihm zu Scott, der eifrig zu nicken begann.

»Sie wartet im Flur.« Er grinste, wodurch die Platzwunde in seiner Lippe betont wurde. »Sie wird Ihnen gefallen, Mister Marino. Violet. Violet, komm her.«

Die Tür wurde geöffnet, und ich befürchtete bereits das Schlimmste, da David sie als »Mädchen« bezeichnet hatte. Ich war der Boss der Marino-Familie in Chicago und betrieb ganz sicher keine verdammte Kindertagesstätte in meinem Haus.

Taylor kam herein, seine große Pranke lag auf der Schulter einer jungen Frau mit langen rötlichen Haaren, die krampfhaft auf den Boden starrte. Ohne ihr Gesicht sehen zu können, schätzte ich sie auf Anfang 20, womit sie keineswegs das Kind war, das ich erwartet hatte.

»Violet kann Ihnen die Zeit vertreiben, Mister Marino«, erklärte Scott. »Ich besorge das Geld, und dafür, dass ich meine Schwester hierlasse, sehen Sie großzügig über meinen kleinen Fehler hinweg.« Er lächelte mich anbiedernd an. »Sie ist noch Jungfrau. Aber ich schätze, sie lernt schnell genug, um Ihnen genügend Spaß zu bereiten. Nicht wahr, Violet?«

Sie starrte unverändert zu Boden, brachte kein Wort über die Lippen.

Scott gab ein unwilliges Geräusch von sich. »Ich habe dir eine Frage gestellt, du nichtsnutzige Schlampe.«

Bevor ich mich bremsen konnte, rammte ich meine Faust nach vorn. Ich traf ihn am Kinn, und er sackte zusammen. Woran es genau lag, konnte ich nicht einmal benennen, aber es hatte mich immens gestört, wie Scott mit seiner Schwester redete. Wobei ich generell genervt war, sobald er den Mund aufmachte.

Ich rieb mir über die Stirn, bevor ich auf Violet deutete. »Bring sie in die Küche«, wies ich Taylor an. Er festigte seinen Griff, um sie zur Tür zu dirigieren, und ein heißes Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus. Fast hätte ich geknurrt, doch ich riss mich zusammen. »Ich bin sicher, dass sie sehr gut alleine laufen kann, Taylor. Lass sie los und versuche es doch mal mit Reden.«

Nachdem ich mich zu David und Riley gedreht hatte, musterte ich Scott auf dem Boden. Mit verschränkten Armen lehnte ich mich gegen die Schreibtischkante und wartete darauf, dass er aufwachte. Zu gern hätte ich ihm einen Eimer Eiswasser über dem Kopf geleert, allerdings hätte das eine Sauerei in meinem Arbeitszimmer verursacht – Plane hin oder her.

Ich konnte nicht leugnen, wie sehr mir die Idee gefiel. »Bringt ihn in den Garten«, sagte ich und folgte meinen Männern, die Scott prompt nach draußen schleppten.

Als er auf dem Rasen lag, holte ich den Gartenschlauch und drehte ihn auf, wohl wissend, dass das Wasser ebenso eisig sein würde wie die Außentemperatur.

Hustend und wild um sich schlagend wurde Scott wach. Er versuchte, sich aufzurappeln. Seine Zähne klapperten. »Was soll das, Mann?« Er hob die Hände, als könnte er den kräftigen Wasserstrahl damit abwehren.

Ich drehte das Wasser ab, ging zu ihm und packte in seine nassen Haare. »Folgendes wird passieren, Scott: Du hast 48 Stunden, um das Geld aufzutreiben, bevor ich anfange, dir wahllos Körperteile abzuschneiden.«

»Aber Violet …«, keuchte er.

»Violet wird hierbleiben. Allerdings breche ich dir die Kniescheiben, ehe ich sie anrühre, du mieses Stück Scheiße. Wie kannst du deine eigene Schwester für solche Zwecke missbrauchen?«

»Sie ist nicht meine Schwester.« Er hustete. »Stiefschwester.«

»Und das macht es besser?« Ich ließ ihn abrupt los, weil er mich anwiderte, sodass er nach hinten fiel wie ein nasser Sack.

»Dann nehme ich Violet wieder mit. Um das Geld aufzutreiben, kann ich sie auch einem Kredithai überlassen. Wenn Sie keinen Bedarf haben, kommt sie mit mir, Mister Marino.«

»Nein.«

Er zog angesichts meines Tonfalls den Kopf ein. »Das können Sie nicht machen, Sir. Bitte, sie ist das einzig Wertvolle, das ich besitze.«

»Du besitzt gar nichts, Scott. In 48 Stunden nicht einmal mehr zehn Finger, wenn du das Geld nicht auftreibst. Violet gehört dir nicht.«

»Mister Marino, ich flehe Sie an.«

Ich zog meine Waffe aus dem Hosenbund. »Du hast fünf Sekunden, mein Grundstück zu verlassen.«

Er schaute hinter mich, weil Riley und David näher gekommen waren, bevor er sich mit einem Fluch hochrappelte.

Ich drehte mich zu meinen Männern. »Seht zu, dass er verschwindet.« Mit diesen Worten kehrte ich ins Haus zurück.

Fuck! Das war überhaupt nicht gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Was sollte ich jetzt machen?

Vor allem mit der Frau namens Violet, die vermutlich vollkommen verängstigt in meiner Küche saß?

Mein Blick fiel auf meine Hände. Ehe ich mit ihr sprach, sollte ich mir erst einmal das Blut abwaschen und andere Kleidung anziehen.

KAPITEL2

VIOLET

Nachdem Taylor sich von der Zurechtweisung seines Bosses erholt hatte, entpuppte er sich als sympathischer Kerl und machte mir tatsächlich ein Sandwich, weil er gehört hatte, wie mein Magen knurrte.

Es waren meine großen blauen Augen. Ein Fluch und ein Segen gleichermaßen. Ich fand, dass sie dermaßen riesig in meinem Gesicht wirkten, dass ich wie ein verhungertes Vogelkind aussah. Männer hingegen schienen mich anzuschauen und unmittelbar das Bedürfnis zu verspüren, sich um mich zu kümmern. Ich war ihrer Meinung nach verletzlich und musste beschützt werden. Außerdem hielten mich viele für naiv und jünger, als ich war.

Ich verschlang das Sandwich, da ich tatsächlich vollkommen ausgehungert war, und Taylor stand auf, um mir ein zweites zu machen. Stumm beobachtete ich ihn. Er war um die zwei Meter groß und genauso breit. Wenn er sich bewegte, konnte ich die Umrisse seiner Pistole unter dem Jackett ausmachen. Wie standen meine Chancen, sie ihm abzunehmen und zu flüchten?

Egal, wie hilfsbedürftig ich aussah, ich war in Wahrheit um ein Vielfaches zäher. Mit meiner Junkie-Mutter war mir auch nichts anderes übrig geblieben. Es war schon immer so gewesen, dass ich mich eher um sie gekümmert hatte als andersherum.

Vor neun Monaten hatte sie sich allerdings die Krönung geleistet. Sie hatte in einer zwielichtigen Bar Jonathan Wright kennengelernt und war zu ihm gezogen – mit mir im Schlepptau, weil ich es trotz meiner 20 Jahre nicht über mich brachte, sie alleine zu lassen. Außerdem hatte ich nur wenige andere Perspektiven, da ich – dank meiner Mutter und unzähliger Umzüge – nie die Schule beendet hatte.

Drei Wochen später war sie zusammen mit Jonathan verschwunden, bis seine Leiche in einem billigen Motel gefunden wurde, die Nadel noch im Arm. Meine Mutter hatte sich in Luft aufgelöst, wodurch ich bei Jonathans Sohn Scott gestrandet war. Es schmerzte mich, dass ich nicht wusste, wo sie war. Wenn ich ehrlich war, hatte ich nicht die geringste Ahnung, ob sie überhaupt noch am Leben war. Sie konnte mit dem nächsten Mann weggelaufen sein – oder an einer Überdosis gestorben. Ich wusste es nicht und hatte keine Möglichkeit, es herauszufinden.

Ich hatte mir die ganze Zeit nicht erklären können, warum Scott mich eines Tages ohne Vorwarnung in seinem Wohnwagen eingesperrt hatte. Seit er mich sozusagen als Nutte seinem Boss überlassen hatte, ergab sein Verhalten Sinn.

Dass der attraktive Mann im Arbeitszimmer der Boss gewesen war, stand für mich außer Frage. Alles an ihm hatte Macht und Dominanz ausgestrahlt. Obwohl ich nur einen winzigen Blick riskiert hatte, war mir ein wohliger Schauer über den Rücken gelaufen.

In all den Jahren mit meiner Mutter hatte ich vor allem gelernt, unsichtbar zu werden. Egal, mit wem sie sich eingelassen hatte, ich hatte meinen Kopf unten gehalten und dafür gesorgt, dass ich nicht gesehen wurde.

Genau das würde ich jetzt auch tun. Ich würde mich ruhig verhalten und die perfekte Chance abwarten, um verschwinden zu können. Hier standen meine Chancen besser als in Scotts Wohnwagen, der ständig von seinen kleinen Ganovenfreunden bewacht wurde.

Ich musste bald die Flucht antreten, bevor der Boss herausfand, dass Scott gelogen hatte. Nicht wissentlich gelogen, aber ich glaubte nicht, dass es für den Kopf der größten Familia in Chicago, Leon Marino, einen Unterschied machte.

Ich kniff die Augen zusammen und wägte weiterhin ab, ob ich Taylor überrumpeln konnte, als mein Magen sich verkrampfte. Verdammt, ich hatte solchen Hunger. Es war nicht gerade Scotts Priorität gewesen, mich mit Nahrung zu versorgen, und jedes Mal, wenn ich einen seiner Kumpel nach Essen gefragt hatte, waren sie so freundlich gewesen, mir ihre Schwänze anzubieten.

Bevor ich etwas Dummes tat, würde ich erst einmal essen und abwarten.

Ich war halb durch das zweite Sandwich, als die Tür aufging und der Boss hereinkam. Das Blut schoss in meine Wangen, und ich heftete den Blick auf die Tischplatte. Er hatte sich umgezogen, trug statt des Anzugs jetzt Jeans und T-Shirt. Trotzdem strömte er die gleiche Aura von Macht aus.

Ich schluckte.

»Du kannst gehen«, sagte er zu Taylor.

Kurz darauf fiel die Tür ins Schloss, und ich war mit Leon Marino alleine. Mein Puls klopfte schneller.

Er zog den Stuhl mir gegenüber zurück und setzte sich. »Mein Name ist Leon.«

Da er mir keine Frage gestellt hatte, erwiderte ich nichts.

»Du heißt Violet, wenn ich deinem Stiefbruder glauben darf.«

»Stiefbruder« war etwas hoch gegriffen für das Verhältnis zwischen Scott und mir, aber es klang genau wie etwas, das er sagen würde.

Unvermittelt packte Leon mein Kinn. »Sieh mich an, Violet.« Die Strenge in seiner Stimme ließ mich willenlos werden.

Langsam schaute ich zu ihm auf. In seinen braunen Augen lag eine Intensität, die mir den Atem raubte.

»Besser«, lobte er. »Du hast von mir nichts zu befürchten.«

Ich studierte sein Gesicht, den starken Kiefer, die Nase mit dem kleinen Knick im Rücken, die Narbe unter dem linken Auge, das energische Kinn und konnte trotzdem beim besten Willen nicht feststellen, ob er log.

»Hast du deine Zunge verschluckt?« Er hob eine Augenbraue und ließ mich los, um sich gleich darauf mit der Hand durch die dunkelbraunen Haare zu streichen.

»Nein.«

Ein Lächeln umspielte seinen schön geschnittenen Mund. »Geht doch.«

Da ich nicht wusste, ob ich das Sandwich aufessen sollte oder nicht, legte ich die Hände in den Schoß.

»Hast du keinen Hunger mehr?«

»Doch.«

Er schob den Teller näher zu mir. »Dann iss.«

Eher zögerlich griff ich nach dem Sandwich, und kaum dass meine Finger es berührten, kam mein Hunger mit voller Kraft zurück. Bevor ich mich hindern konnte, schlang ich es hinunter.

Leon beobachtete mich. »Wann hast du zum letzten Mal etwas gegessen?«

Ich zuckte mit den Achseln.

»Gott.« Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, schaute an die Decke und atmete geräuschvoll durch. »Ich hätte ihm noch ein paar Finger brechen sollen.«

»Scott ist … in Ordnung.«

Leon Marino starrte mich an, als hätte ich den Verstand verloren. »In Ordnung? Er hat dich mir als Sexspielzeug überlassen.«

Die Vorstellung, mit einem Mann wie Leon Sex zu haben, trieb meinen Puls weiter in die Höhe und sorgte für ein Ziehen in meinem Unterleib. Vielleicht sollte ich meine Flucht ein wenig aufschieben. Es war immer klüger, eine informierte Entscheidung zu treffen, wenn man alle Fakten kannte. »Ja, aber er hat mich vorher nicht angerührt, und wenn er jetzt denkt, dass ich keine Jungfrau mehr bin, verliere ich in seinen Augen an Wert, und er lässt mich vielleicht gehen.«

»Oder er verkauft dich an den nächsten Mann, dem er Geld schuldet.« Leon schüttelte den Kopf. »Wie meinst du das, dass er dich gehen lässt?«

»So wie ich es gesagt habe. Er hat mich für eine Weile in seinen Wohnwagen eingesperrt, damit ich nicht weglaufe.«

»Bitte sag mir, dass das ein Scherz ist.«

»Nein. Hast du ernst gemeint, was du gesagt hast?«, fragte ich.

»Was genau?«

»Dass ich hierbleiben soll?«

Er schluckte kurz. »Das hast du gehört?«

»Das Fenster ist auf, und du hast ziemlich gebrüllt.«

»Ja, es war mein Ernst.«

»Oh.«

»Was denn? Gefällt dir die Vorstellung nicht?«, wollte er wissen.

»Ich hatte gehofft, du würdest mich gehen lassen, damit ich verschwinden kann, bevor Scott zurückkommt.«

»Wo willst du denn hin?«

»Keine Ahnung.«

Leon schüttelte den Kopf. »Nein. Du bleibst hier. Zum einen will ich sichergehen, dass Scott mit meinem Geld wiederkommt, und zum anderen gefällt mir die Vorstellung nicht, dass du alleine und schutzlos durch die Welt irrst.«

Ich musste mich zwingen, seinen forschenden braunen Augen standzuhalten. »Scott hat gelogen, aber nicht wissentlich.«

»In Bezug auf das Geld?«

»In Bezug auf mich. Ich bin keine Jungfrau mehr, doch das weiß er nicht«, platzte es aus mir heraus.

»Warum erzählst du mir das?«

»Weil Scott mich als Jungfrau angepriesen hat und ich keinen Ärger will, wenn du herausfindest, dass …« Ich brach verunsichert ab, als er abrupt aufstand und begann, wie ein eingesperrtes Raubtier durch die Küche zu tigern.

»Ich werde dich nicht zu Sex zwingen«, grollte er leise.

»Nicht?« Ich wusste, dass ich rein rational erleichtert sein sollte, stattdessen war ich … beinahe enttäuscht.

»Selbstverständlich nicht. Du wirst hierbleiben, und in ein paar Tagen, wenn Scott das Geld gebracht hat, werden wir weitersehen. Bis dahin musst du lediglich machen, was ich sage, und dir wird nichts passieren.«

Die Vorstellung, von Leon herumkommandiert zu werden, hatte etwas sehr Verführerisches. Mein Instinkt sagte mir, dass ich seinen Worten trauen konnte, und der Gedanke, eine Nacht ungestört in einem großen Bett zu schlafen, war traumhaft. Ich war in Leons Augen nichts weiter als eine Figur in seinem Schachspiel – damit konnte ich leben.

»Machen, was du sagst«, wiederholte ich fügsam. »Verstanden.«

Ich konnte brav sein, wenn ich wollte.

»Gut. Komm mit, ich zeige dir dein Zimmer.«

»Was ist, wenn Scott ohne das Geld auftaucht und mich holen will?«

Leon lächelte böse. »Ich möchte sehen, wie er das versucht. Wenn er am Leben bleiben will, lässt er sich hier nicht ohne mein Geld blicken.«

»Aber was ist, wenn …«

Leon schnitt mir das Wort mit einer energischen Handbewegung ab. »Es wird nicht passieren. Ich passe auf dich auf, Violet. Keine Widerrede.«

Ich biss mir auf die Unterlippe und nickte.

»Wunderbar.« Er hielt mir die Hand hin.

Nach kurzem Zögern ergriff ich sie und folgte ihm aus der Küche. Er führte mich durch die große Eingangshalle seiner Villa und die Treppe hinauf. Auf dem dunklen Holzfußboden lag ein flauschiger Teppich, der unsere Schritte dämpfte.

Vor der dritten Tür auf der linken Seite blieb Leon stehen und öffnete sie.

Du meine Güte! Größer hätte der Kontrast zu Scotts Wohnwagen nicht sein können. Der Raum war riesig und hatte drei gigantische Fenster auf der Längsseite, die eine wunderschöne Aussicht in den Garten boten. Die Wände waren in einem dunklen Grau gestrichen, das durch strahlend weiße Möbel kontrastiert wurde. Das Bett mit den zwei Kommoden, rechts und links neben dem Kopfende, dominierte das Schlafzimmer.

Außer der Tür, in der wir standen, gab es zwei weitere. Leon zog mich vorwärts und deutete auf die rechte Tür. »Dort geht es ins Badezimmer.«

»Und da?« Ich zeigte auf die andere.

»In mein Schlafzimmer.«

Meine Kehle wurde eng, bis mir einfiel, dass er gesagt hatte, nicht mit mir schlafen zu wollen.

Er ließ meine Hand los, ging zum Badezimmer und schaltete das Licht an. »Zieh dich aus, Violet.«

»Warum?« Schlagartig schnellte mein Puls in die Höhe. Leon schien der Meister der widersprüchlichen Signale zu sein. Wenn er keinen Sex wollte, wozu sollte ich mich dann ausziehen?

»In erster Linie, weil ich es gesagt habe.« Er musterte mich mit einem sehr strengen Blick, unter dem mir gleichzeitig heiß und kalt wurde, ehe seine Gesichtszüge sich milderten. »Damit du ein Bad nehmen kannst. Ich kann Scotts billiges Aftershave und seinen Wohnwagen an dir riechen.«

Betreten schaute ich zu Boden. Die Peinlichkeit ließ meinen Kopf glühen.

»Zieh dich aus, Violet. Ich wiederhole mich nicht gern.« Leon kam zwei Schritte näher. »Sonst übernehme ich diese Aufgabe.«

Meine Hände zitterten, als ich die dünne, abgetragene Strickjacke auszog und den Saum meines Shirts packte. Bis ich wusste, was er wirklich von mir wollte, würde ich mitspielen. Je mehr Kleidung ich ablegte, desto nervöser wurde ich. Um die Jeans abzustreifen, musste ich die Schuhe von meinen Füßen ziehen.

Als ich sie zusammenfalten wollte, bedeutete Leon mir, die Sachen liegen zu lassen. »Ich werde sie wegwerfen. Bis ich dazu komme, dir neue Kleidung zu besorgen, gebe ich dir ein Shirt von mir.«

Ich starrte ihn wortlos an. Offensichtlich fiel Leon ebenso auf meine Augen herein wie der Rest der Welt. Ein Blick hatte genügt, damit er beschlossen hatte, ab sofort mein selbst ernannter Versorger und Beschützer zu sein. Auch wenn seine Intention vermutlich eine andere war, fragte ich mich, inwieweit er sich tatsächlich von Scott unterschied.

Meine Aufregung erreichte ihren Höhepunkt, als ich hinter meinen Rücken griff, um den BH zu öffnen. Es war ein langweiliger T-Shirt-BH aus Baumwolle, nichts Aufreizendes oder Verführerisches, wie Leon es vermutlich von den Frauen gewohnt war, mit denen er sonst ins Bett ging.

Nur dass er gar nicht mit mir ins Bett wollte, erinnerte ich mich selbst.

Seine Miene blieb vollkommen neutral, als ich schließlich auch das Höschen auszog und nackt vor ihm stand. Prüfend wanderte sein Blick über mich, bevor er ins Badezimmer ging und das Wasser an der Badewanne aufdrehte.

Heute war der merkwürdigste Tag in meinem Leben – und das wollte bei meiner Vergangenheit etwas heißen.

»Komm zu mir, Violet.«

Seine Forderung war dermaßen verführerisch, dass ich nicht widerstehen konnte. Ich folgte ihm ins Bad und kletterte in die Badewanne, während ich ihn im Auge behielt.

Leon machte keine Anstalten, sich ebenfalls zu entkleiden und zu mir ins Wasser zu kommen. Stattdessen nahm er einen Schwamm in die Hand und tauchte ihn in die Wanne.

Ich zuckte zusammen, woraufhin er die Finger um meinen Nacken schlang und ihn sanft massierte.

»Du musst keine Angst vor mir haben. Du kannst mir vertrauen.«

Ich wollte ihm gern glauben, aber er konnte kaum erwarten, dass ich bereits nach so kurzer Zeit dazu in der Lage war.

Zu meinem großen Erstaunen begann Leon, mich mit dem weichen Schwamm zu waschen. Ich musste mir auf die Unterlippe beißen, um nicht leise zu ächzen. Es hatte etwas sehr Sinnliches an sich, von ihm … umsorgt zu werden. Ja, »umsorgt« war das richtige Wort.

Er badete mich, wusch meine Haare und wickelte mich danach in ein großes Handtuch ein. Ich musste mich auf den Rand der Badewanne setzen, während er mein Haar entwirrte und kämmte.

Leon nahm meine Hand, führte mich zum Bett und wartete, bis ich hineingeklettert war. Nicht einmal hatte er mich in der ganzen Zeit auf eine Weise berührt, die nicht fürsorglich oder liebevoll gewesen war.

Vielleicht hatte er es wörtlich gemeint, dass er mich nicht zum Sex zwingen würde. Möglicherweise hatte er damit andeuten wollen, dass die Initiative von mir ausgehen musste.

Ich kniete mich auf die Matratze, legte eine Hand auf Leons Brust und wollte mich ihm entgegenrecken, um ihn zu küssen.

Er ließ mich nicht. »Was soll das, Violet?«

»Ich dachte, du willst vielleicht …« Meine Stimme verlor sich.

»Du musst nicht mit mir schlafen, um mich milde zu stimmen.«

Seine Zurückweisung schmerzte, und ich senkte den Blick.

Sofort umfasste er meine Wange und brachte mich dazu, ihn anzusehen. »Und für Scott musst du es auch nicht tun.«

Er irrte sich. Scott hatte meine Entscheidung nicht beeinflusst. Ich wollte Leon – er war alles, was ich an Männern attraktiv fand. Bisher hatte ich nur mit zwei Männern Sex gehabt, und seit Leon mich mit dem weichen Schwamm gewaschen hatte, konnte ich an nichts anderes als seine Berührungen denken. Ich ahnte, dass es mit ihm ganz anders sein würde, als die unbeholfenen Fummeleien und eiligen Pumpbewegungen der Highschool-Jungs, die meinen begrenzten Erfahrungsschatz begründeten.

»Es hat nichts mit Scott zu tun«, gestand ich.

Leons Lächeln, als er über meine Wange strich, erreichte seine Augen nicht. Sie waren kalt und gefühllos. »Gut. Wenn Scott nicht den Fehler macht, sich bei den absolut falschen Leuten Geld zu leihen, ist er so gut wie tot, weil er nicht zurückzahlen kann, was er mir schuldet. Du solltest dich an den Gedanken gewöhnen, dass Scotts Gnadenfrist abläuft.«

KAPITEL3

LEON

Nach zwei Stunden gab ich es auf und schaltete meine Nachttischlampe an. Ich konnte nicht schlafen und ahnte bereits, dass es sich nicht ändern würde – unabhängig davon, wie lange ich mich in meinem Bett herumwälzte.

Der Gedanke, dass Violet sich nur eine Tür entfernt befand, trieb mich in den Wahnsinn.

Einzig die Tatsache, dass meine Vorlieben nichts für ein dermaßen junges, unschuldiges Mädchen waren, hielt mich davon ab, sie zu mir zu holen. Ich wollte nicht, dass sie sich verpflichtet fühlte, mit mir zu schlafen. Es wäre weder für sie befriedigend noch für mich.

Sie war zu unbedarft, um mein Verlangen nach Kontrolle zu bemerken. Und ich? Ich wollte nichts lieber, als sie – im wahrsten Sinne des Wortes – an den Haaren in mein Bett zu schleifen und sie anschließend auf jede nur erdenkliche Weise zu schänden. Die Vorstellung, wie sie auf den Knien vor mir zitterte und mich anflehte, ihr wehzutun, ließ meinen Schwanz hart werden.

Ich würde mich um Violet kümmern, weil sie ein besseres Leben verdiente, aber dabei musste ich mein Möglichstes tun, um mich von ihr fernzuhalten.

Da an Schlaf längst nicht mehr zu denken war, stand ich auf und zog mich an. Ich würde ins Arbeitszimmer gehen und nachsehen, ob ich dort eine Aufgabe fand. Vielleicht konnte ich über die Buchhaltung schauen oder hatte noch ein paar E-Mails, die einer Antwort bedurften. Jede Ablenkung war willkommen.

Im Erdgeschoss kam ich auf dem Weg zu meinem Büro an der Küche vorbei. Ich dachte mir im ersten Moment nichts bei dem Lichtschein, der unter der Tür hervordrang. Sicherlich hatte einer der Männer, die nachts rund um mein Grundstück patrouillierten, gerade Pause und hielt sich dort auf.

Erst als ich das glockenhelle Lachen vernahm, wurde ich hellhörig. Ich drehte mich um und ging zurück zur Küchentür. Nachdem ich sie geöffnet hatte, nahm ich mir die Zeit, den Anblick genauestens zu studieren, um nicht voreilig die falschen Schlüsse zu ziehen.

Taylor lehnte an der Küchenzeile, die Arme verschränkt, während Violet am Tisch saß. Ein leerer Teller und ein Glas Milch, das nur noch halb voll war, standen vor ihr. Sie lächelte mich unschuldig an, als ich hereinkam.

Das Gespräch war verstummt, und ich bildete mir ein, in Violets großen Augen ein gewisses Funkeln zu sehen.

»Boss«, sagte Taylor. Er wirkte plötzlich sehr angespannt, auch wenn er bemüht war, es sich nicht anmerken zu lassen.

»Ich konnte nicht schlafen«, zwitscherte Violet. »Und ich hatte Hunger. Deshalb bin ich in die Küche gegangen. Taylor war so nett, für mich zu kochen.«

Mein Blick wanderte zu der Pfanne, die auf dem Herd stand. Ich ärgerte mich über die unnötige Eifersucht, die ich verspürte, weil es meine Aufgabe war, für Violet zu sorgen.

Als ich wieder zu Taylor sah, erwischte ich ihn dabei, wie er Violets Beine musterte. Der hungrige Gesichtsausdruck war nicht zu verfehlen. Für mich jedenfalls nicht, Violet hingegen hatte nicht die geringste Ahnung, was sie bei Männern anrichtete.