Crushing on the Cop - Piper Rayne - E-Book

Crushing on the Cop E-Book

Piper Rayne

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Beschreibung

Es gibt zwei Argumente, die gegen Cristian Bianco sprechen: Er ist Polizist und arbeitet im 18. Distrikt … das heißt, mein Dad ist sein Boss. 

Aufzuwachsen als die Tochter des Kapitäns und ständig unter seiner Beobachtung zu stehen, war mehr, als ich verkraften konnte. Inzwischen bin ich ausgezogen und lebe nach meinen eigenen Regeln. Na ja, meistens. Ein Mann in Blau ist für mich nur eins: ein Problem!

Allerdings wird es immer schwerer, Cristian zu ignorieren, seit sein Bruder mit meiner Freundin ausgeht. Seine Familie steht für ihn immer an erster Stelle. Und er hat ein Eightpack. All das macht ihn unwiderstehlich …

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Crushing on the Cop

Die Autorin

Piper Rayne ist das Pseudonym zweier USA Today Bestseller-Autorinnen. Mehr als alles andere lieben sie sexy Helden, unkonventionelle Heldinnen, die sie zum Lachen bringen, und viel heiße Action. Und sie hoffen, du liebst das auch!

Das Buch

Es gibt zwei Argumente, die gegen Cristian Bianco sprechen: Er ist Polizist und arbeitet im 18. Distrikt … das heißt, mein Dad ist sein Boss.

Aufzuwachsen als die Tochter des Kapitäns und ständig unter seiner Beobachtung zu stehen, war mehr, als ich verkraften konnte. Inzwischen bin ich ausgezogen und lebe nach meinen eigenen Regeln. Na ja, meistens. Ein Mann in Blau ist für mich nur eins: ein Problem!

Allerdings wird es immer schwerer, Cristian zu ignorieren, seit sein Bruder mit meiner Freundin ausgeht. Seine Familie steht für ihn immer an erster Stelle. Und er hat ein Eightpack. All das macht ihn unwiderstehlich …

Piper Rayne

Crushing on the Cop

Roman

Aus dem Amerikanischen von Cherokee Moon Agnew

Forever by Ullsteinforever.ullstein.de

Deutsche Erstausgabe bei ForeverForever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, BerlinFebruar 2020 (1)© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2020© 2018 by Piper RayneTitel der amerikanischen Originalausgabe: Crushing on the Cop

Umschlaggestaltung: zero-media.net, MünchenTitelabbildung: © FinePic®Übersetzung: Cherokee Moon AgnewE-Book powered by pepyrus.com

ISBN 978-3-95818-409-1

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Inhalt

Die Autorin / Das Buch

Titelseite

Impressum

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Epilog

Und zum Schluss noch ein wenig Einhorngeschwafel …

Leseprobe: The One Best Man

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Cover

Titelseite

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 1

CRISTIAN

Sandwichkind-Syndrom.

Eigentlich keine große Sache. Zumindest nicht in meiner Familie. Und ich sollte es wissen. Schließlich bin ich der Mittlere von drei Jungs, die jeweils ein Jahr auseinander liegen.

Mauro ist der Älteste. Der erstgeborene Sohn einer italienischen Einwandererfamilie. Ich kam so kurz danach, dass Mauro noch genauso viel Aufmerksamkeit gebraucht hat wie ich. Meine Mutter hatte mich nicht mal abgestillt, da kam auch schon Luca herausgepurzelt. Und wenn ich »gepurzelt« sage, dann meine ich es auch so. Der Kerl kam vier Wochen zu früh. Schreiend, heulend und schon auf der Suche nach der ersten Party.

Man sollte annehmen, dass sich Mauro um mich gekümmert hätte, ich mich um Luca und Luca … nun ja, zum Glück ist er der Jüngste, denn Luca kümmert sich nur um sich selbst. Aber irgendwie habe ich das ganze Verantwortungsbewusstsein abbekommen. Ich bin derjenige, der nach unseren Eltern sieht, der sicherstellt, dass Mauro und Luca keine Geburtstage und Jubiläen vergessen, derjenige, der sich im Verein um den Papierkram kümmert und darum, dass jeder seinen Beitrag zahlt.

Bin ich vielleicht deshalb Polizist geworden? Kann schon sein. Ich bin ein großer Fan von Ordnung und Regeln. Wer will schon in einer Welt leben, in der Meuterei und Auflehnung herrschen? Ich nicht. So viel ist sicher.

Deshalb ergibt es auch überhaupt keinen Sinn, dass ich die Blondine auf der anderen Seite des Felds schon seit fünf Minuten anstarre. Sie wirkt nicht, als würde sie Regeln befolgen. Allein durch ihre Anwesenheit könnte sie einen Aufstand auslösen. Und das Allerschlimmste ist – abgesehen davon, dass mein Schwanz das Denken übernommen hat –, dass sie die Tochter des Commanders ist, Vanessa Flanagan.

Wir sind alle hier am Lagerfeuer, weil sich Mauro etwas Kitschiges hat einfallen lassen, um Maddie zurückzugewinnen. Wir spielen eine Szene aus der Highschool nach.

»Diese Lauren Hunt treibt mich echt in den Wahnsinn. Habt ihr mitbekommen, dass sie gegen mich im Armdrücken antreten wollte?« Luca merkt nicht mal, dass ich geistig überhaupt nicht anwesend bin. Jüngstes Kind eben. Alles dreht sich nur um ihn. »Sie ist wie ein Duracell-Hase, dessen Batterie nie leer geht. Glaubt sie denn ernsthaft, sie könnte gegen mich gewinnen? Sie ist so verdammt kampflustig, dass es nervt.«

Würde Vanessa nicht gerade über irgendwas lachen, das eine ihrer Freundinnen gesagt hat, würde ich meinen Bruder darauf hinweisen, dass er kein Stück besser ist als Hunt. Als Vanessa ihr Haar beiseitestreicht und ihren langen schlanken Hals entblößt, wird es in meiner Jeans immer enger. Ich bin vollkommen sprachlos.

»Dafür ist mir Mauro echt was schuldig. Er und Maddie haben sich aus dem Staub gemacht, und ich stecke hier mit Hunt fest. Eigentlich sollte ich gerade im Wald eine Tussi klarmachen, wie früher in der Highschool. Stattdessen stehen wir jetzt hier rum.«

Eine Hand wedelt vor meinem Gesicht herum.

»Wen starrst du verdammt noch mal so an?« Anscheinend folgt er meiner Blickrichtung. »Nope. Sorry, aber ich lasse nicht zu, dass du dich auf eine von Hunts Freundinnen einlässt. Es ist schon schlimm genug, dass Mauro Maddie wahrscheinlich gerade einen Heiratsantrag macht, weil er völlig schwanzgesteuert ist. Aber du nicht auch noch. Ich habe keine Lust, dass Hunt bei zwei Hochzeiten und jedem wichtigen Lebensereignis von mir dabei ist. Such dir gefälligst eine andere.« Er lässt seinen Blick über das Feld schweifen, in dessen Mitte das riesige Lagerfeuer lodert. »Wie wäre es mit der da?«

Er deutet auf eine Rothaarige, die eher seinem Typ entspricht, nicht meinem. Ich stand schon immer auf Blondinen. Und dass Vanessa so groß ist, macht sie nur noch attraktiver.

Gleichgültig zucke ich mit den Schultern.

»Okay, dann leg sie flach und hab deinen Spaß, aber komm mir nicht mit Heirat. Hörst du? Ich halte es nicht aus, Hunt ständig in meiner Nähe zu haben.« Er schüttelt den Kopf und verschränkt die Arme vor der Brust.

Ich kann mich noch gut daran erinnern – er und Hunt in der Highschool. Zwei Sportasse, die damals jeweils vier verschiedene Sportarten gemacht haben. Ich weiß nicht mal, warum sie sich nicht ausstehen können. Es ist nicht so, als wären sie jemals gegeneinander angetreten.

»Sie ist die Tochter des Commanders«, bemerke ich. »Sie weigert sich, mit mir auf ein Date zu gehen, seit Maddie mich für sie bei der Bachelor-Auktion ersteigert hat. Mein Boss fragt schon die ganze Zeit, warum wir uns noch nicht getroffen haben. Was soll ich ihm sagen? Deine Tochter hat was gegen Polizisten? Sie zeigt mir die kalte Schulter? Dann kann ich auch gleich zugeben, dass ich streunende Katzen rette.«

»Lass dir was einfallen. Verdammt, Cristian. Lüg einfach.« Er schlägt mir auf die Schulter und leert die Hälfte seines Biers.

»Genau. Und wenn er die Wahrheit herausfindet?«

Mist, sie ist wirklich umwerfend. Wenn ich sie ansehe, stelle ich mir vor, wie sie ihre langen Beine um meine Hüfte schlingt.

»Hör auf, immer so korrekt zu sein, du Schwachkopf. Komm mal ein wenig von der Spur ab und hab deinen Spaß, bevor du Kinder auf dem Rücksitz hast und langsam machen musst. Du bist wie ein Achtzigjähriger im Körper eines Achtundzwanzigjährigen. Eine Schande, dass du so viel trainierst. Was für eine Verschwendung.«

Ich hebe eine Augenbraue, kann ihm jedoch nicht widersprechen. Denn er hat recht. Ich nehme das Leben wirklich viel zu ernst. Will ich mal Familie? Ja, will ich. Ich will eine Frau, zu der ich abends nach Hause komme. Mit der ich mir ein gemeinsames Leben aufbauen kann. Eine Frau, die meine Kinder bekommt. Und das ist ganz bestimmt nicht Vanessa. Was Beziehungen angeht, scheint sie die weibliche Version von Luca zu sein.

Sobald Vanessa auf die Wache kommt, verbreiten sich Gerüchte über sie, als wäre sie eine von den Kardashians. Sie ist so hübsch, dass man nicht den Blick von ihr abwenden kann. Aber sie ist kein Mädchen, das man seinen Eltern vorstellt. Typen wie Luca stehen auf solche Frauen. Ich eigentlich nicht.

»Hör mal auf den richtigen Kopf.« Luca starrt auf meinen Schritt. »Der, der weiß, was er will. Du musst nur auf ihn hören.« Wieder nimmt er einen Schluck aus seinem roten Plastikbecher. »Na dann. Ich bin raus. Willst du noch ein Bier?«, fragt er, während er sich bereits entfernt.

»Nope.« Meine Augen kleben immer noch an Vanessa, die ein Haargummi aus der Handtasche zieht und ihr Haar zu einem tiefen Pferdeschwanz zusammenfasst.

Lachend geht Luca weg. »Schnapp sie dir einfach, Mann.« Dann deutet er mit ernstem Gesichtsausdruck auf mich. »Aber nur einmal.«

Nachdem Luca verschwunden ist, wäge ich meine Optionen ab. In manchen Punkten hat er schon recht. Scheiß auf Mr Verantwortung. Einmal im Leben will ich mir das nehmen, was ich will, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Ich leere den Rest meines Biers und gehe auf sie zu. Diesmal werde ich kein Nein akzeptieren.

Kapitel 2

VANESSA

Mauros Kollege von der Feuerwache, den ich eben kennengelernt habe, redet die ganze Zeit davon, wie romantisch Mauro doch ist. Als wüsste ich das nicht schon längst. Schließlich stehe ich gerade inmitten einer Highschool-Szene, die vor zehn Jahren passiert ist.

Nein, ich bin nicht eifersüchtig. Ich bin neidisch. Ich liebe Maddie. Und ich will, dass sie glücklich ist. Aber für mich hat sich noch nie jemand so viel Mühe gegeben. Nicht, dass es mich sonderlich jucken würde, denn ich kann keinen Mann gebrauchen, der denkt, ich würde ihm gehören und er könnte über mein Leben bestimmen.

»Er ist wirklich süß«, sage ich lächelnd und nicke.

»Ja, eines Tages wird er bestimmt mal Hauptmann. Aber vielleicht erst, wenn ich in Rente bin.«

Seine Frau tätschelt seinen Arm. »Ich bezweifle, dass dieser Tag jemals kommen wird«, bemerkt sie lächelnd.

Wie es wohl ist, seinen Job so sehr zu lieben, dass man nicht damit aufhören will?

»Wir haben drei Kinder, die alle aufs College gehen wollen. Irgendjemand muss für die Kosten aufkommen«, sagt sie.

Patel und seine Frau lächeln einander an.

»Stipendien«, erwidert er.

Sie lachen, als hätten sie diese Diskussion schone eine Million Mal geführt.

Irgendwie ist es schön, sie zu beobachten. Und trotzdem würde ich mich am liebsten übergeben. Es ist genauso schnulzig wie die ganze Szenerie, die Mauro für Maddie vorbereitet hat.

Und wieder – purer Neid.

»Ich habe da diesen einen Cousin«, flüstert mir Patels Frau zu. »Er steht auf Blondinen. Du würdest ihm gefallen.«

Doch Patel schüttelt den Kopf. »Bitte entschuldige.«

Spielerisch schlägt sie ihm auf die Schulter. Sie sind wirklich ein süßes Paar. Dass sie drei Kinder haben und immer noch wie zivilisierte Menschen miteinander umgehen, beweist, dass die Ehe doch funktionieren kann.

»Wenn Raj nicht wäre, hätten wir uns nie kennengelernt.«

Patel nickt. Sie wechseln einen Blick, der selbst einem Außenstehenden verrät, wie nahe sie sich sind.

»Patel«, sagt eine tiefe Stimme.

Gott sei Dank. Das ist meine Chance, dieser kitschigen Inszenierung endlich zu entkommen.

»Cristian.« Patel reicht der großen Gestalt neben mir die Hand.

Na toll, gerade ist der Abend noch unerträglicher geworden. Ich leere den Rest des schalen Fassbiers, um vorzugeben, mir ein neues holen zu wollen.

»Gerade habe ich der netten Dame gesagt, wie romantisch dein Bruder doch ist.« Patel deutet auf mich.

Als hätte Cristian nicht gewusst, dass ich hier stehe. Ich könnte schwören, er hat mir einen Chip implantiert, wie bei einem Hund oder einer Katze. Dieser Kerl versteht das Wort nein einfach nicht. Ich könnte Lauren immer noch dafür umbringen, ihm meine Nummer gegeben zu haben. Welche Freundin tut so etwas bitte?

Ich suche die Umgebung nach ihr ab, doch bis auf die Flammen des Lagerfeuers ist es hier stockdunkel. Ich kann sie nirgendwo sehen. Na toll. Ich bin kurz davor, Mrs Patel zu bitten, mich nach Hause zu fahren, auch wenn sie mir dann weiter von ihrem Cousin erzählt.

»Ich hoffe, er und Maddie werden glücklich miteinander. Aber es wirkte auf jeden Fall so, als sie gegangen sind.« Cristian lächelt. Es ist ein Lächeln, bei dem die meisten Frauen wahrscheinlich weiche Knie bekommen würden. Ganz egal, ob er seine Uniform trägt oder nicht.

Er sieht gut aus. Okay, okay, er ist heiß. Aber er wirkt immer ein wenig ernster als seine Brüder. Vielleicht ist das der Polizeibeamte in ihm. Er inspiziert zuerst die Situation, bevor er sich entspannen und er selbst sein kann. Bei meinem Dad ist das auch so. Immer in Bereitschaft. Immer mit dem Rücken zur Wand, damit er die ganze Szenerie überblicken und eingreifen kann, falls etwas passieren sollte.

»Hey, Vanessa«, sagt er und nimmt einen Schluck aus seinem Plastikbecher.

Am liebsten würde ich die Augen verdrehen, weil er so tut, als hätte er mich zufällig entdeckt, aber schließlich bin ich die Tochter des Commanders.

»Hallo, Officer Bianco.«

Er grinst.

Patel und seine Frau beäugen uns neugierig.

»Du kannst mich gern Cristian nennen«, erwidert er.

»Nein. Schon okay.« Ich zucke mit den Schultern.

»Okay, Miss Flanagan.« Ich sehe ihn an, und er hebt die Augenbrauen und grinst noch breiter.

Gut gekontert, Mr Bianco.

»Nun …« Ich reiße den Blick von ihm los, auch wenn ich zugeben muss, dass sein Anblick, jetzt, da er keine Uniform trägt, verrückte Sachen mit meiner Libido anstellt. Sollte es nicht eigentlich andersrum sein?

Für einen so steifen Gutmenschen ist sein Geschmack nicht schlecht, obwohl wir Klamotten tragen, die seit zehn Jahren aus der Mode sind. »Es hat mich sehr gefreut, euch kennenzulernen. Ich hole mir noch ein Bier.«

»Ebenso.« Mrs Patel macht einen Schritt auf mich zu, greift in ihre Handtasche und zieht eine Visitenkarte hervor. »Nur, falls du es dir noch mal anders überlegst. Er ist ein wirklich netter Kerl. Im Moment ist er aber mit Lernen beschäftigt. Er ist angehender Arzt. Mit einem großen Haus am Nordufer.« Ihre Augen beginnen zu strahlen, während sie versucht, mir ihren Cousin schmackhaft zu machen.

»Eigentlich suche ich im Moment niemanden, aber ich werde darüber nachdenken.«

Ich hoffe, das Gespräch damit beenden zu können, um endlich von Cristian wegzukommen.

»Was ist das?« Cristian blickt über meine Schulter, um zu sehen, was auf der Visitenkarte steht.

»Oh, meine Frau spielt mal wieder Kupplerin.« Patel lacht.

»Cristian, ich habe eine sehr nette Nichte, die dir gefallen würde.« Mrs Patel wendet sich nun an ihn.

Perfekt.

»Danke, dass du an mich denkst, aber im Moment will ich nichts Festes.«

Ich frage mich, ob das wirklich stimmt.

Mrs Patel schnaubt. »Man wird nicht jünger. Du willst deinen Enkeln doch nicht mit dem Rollator hinterherfahren müssen, oder?«

Cristian lässt den Kopf in den Nacken fallen.

»Sie ist hübsch. Und klug. Hat gerade ihren Abschluss an der UC gemacht. Aber ihre Eltern sind gar nicht begeistert, denn sie will jetzt auf die Kochschule gehen.« Wieder wechseln sie und ihr Ehemann einen Blick.

»Dann wünsche ich ihr viel Glück. Aber ich werde das Risiko mit dem Rollator eingehen und noch eine Weile Single bleiben.« Cristian lächelt, und aus irgendeinem Grund bohrt Mrs Patel nicht weiter nach. Sie gibt ihm weder eine Visitenkarte, noch diktiert sie ihm die Telefonnummer ihrer Nichte.

»Ich hab’s versucht«, sagt sie und hebt beschwichtigend die Hände.

Patel legt den Arm um ihre Taille. »Lass uns nach Hause gehen, du Heiratsvermittlerin.« Er küsst ihren Haaransatz, und mein eisiges Inneres beginnt, ein wenig zu schmelzen.

»Wir sehen uns. Falls ihr euch mal einsam fühlt, dann ruft mich einfach an.« Sie zwinkert.

Patel und Cristian schütteln sich die Hände, bevor das Paar in der Dunkelheit verschwindet.

Ich drehe mich um und will gerade zum Bierfass gehen, als ich hinter mir Schritte höre. Ich ignoriere meinen Verfolger und gehe in den Wald, wo überall erwachsene Menschen herumstehen, die so tun, als würden sie sich vor der Polizei verstecken. Hallo? Wahrscheinlich ist die Hälfte der Chicagoer Polizei heute hier.

»Bianco, was geht ab?« Ein Kerl kommt auf Cristian zu, der immer noch direkt hinter mir ist. Wahrscheinlich hat er mir die ganze Zeit auf den Hintern gestarrt.

»Nicht viel«, erwidert er.

Hinter meinem Rücken höre ich, wie sie einschlagen. »Cooler Trick letzten Donnerstag. Ich glaube, dieses Jahr haben wir eine Chance.«

Hör auf zu lauschen.

Ich stelle mich in die Schlange am Bierfass. Vor mir stehen zwei Frauen, die überhaupt nicht mit dem Zapfhahn klarkommen, in Erinnerungen ans College schwelgen und darüber lachen, dass sie inzwischen nur noch aus Flaschen trinken.

»Wartet, ich helfe euch.« Ich gehe auf sie zu, fange an zu pumpen und befülle ihre Becher. Sie bedanken sich und machen mir Komplimente für meinen Hut.

Ich hatte schon vergessen, dass ich ihn aufhabe. Vor zehn Jahren habe ich ihn geliebt. Zum Glück bewahrt mein Dad alles in beschrifteten Kisten im Keller auf. Er ist zwar organisiert, aber trotzdem ein Messie.

Jetzt, da die zwei Frauen ihr Bier haben und ich endlich an der Reihe bin, muss ich schon wieder pumpen. Ich stelle meinen Becher auf den Waldboden und will gerade loslegen, als sich zwei muskulöse Unterarme in mein Blickfeld schieben. Cristian beginnt zu pumpen. Nein, ich werde ihn nicht fragen, warum er im Herbst keine Jacke trägt. Wahrscheinlich gehört er zu diesen Heißblütern, die sofort Shorts anziehen, sobald nach einem langen Winter die ersten Vögel zwitschern. Jedes Jahr wundere ich mich aufs Neue über diese Idioten.

»Danke«, murmle ich, denn es war nett, dass er mir geholfen hat – auch wenn ich ihn nicht darum gebeten habe.

»Gern geschehen.« Dann füllt er seinen eigenen Becher.

»Heute keine Schicht, Officer?« Ich lasse meinen Ton absichtlich sarkastisch klingen, denn wenn ich fies zu ihm bin, bleibt er bestimmt auf Abstand.

»Nun ja, Miss Flanagan. Ich habe die nächsten zwei Tage frei, falls Sie es genau wissen wollen.«

Ich trete vom Fass zurück, damit die Jungs hinter mir, die die ganze Zeit nur von Hockey reden, ebenfalls ihre Becher auffüllen können.

»Das heißt, ich hätte Zeit für ein Date.« Er hebt eine Augenbraue.

Ich werfe den Kopf zurück. »Es wird aber kein Date geben. Die meisten Typen wären froh, wenn sie mit derjenigen, die sie bei einer Auktion ersteigert hat, nicht ausgehen müssten.«

Er nimmt einen Schluck von seinem Bier. »Ich bin aber nicht wie die meisten Typen.«

Ich erwidere nichts und nippe stattdessen an meinem Bier. Er hat recht. Er ist nicht wie die meisten Typen. Die meisten Typen sehen nicht so gut aus wie er. Oder ich war bisher immer an den falschen Orten.

»Die meisten Frauen würden sich gern mit einem Polizeibeamten auf ein Date treffen.«

»Ich bin aber nicht wie die meisten Frauen.«

Er lacht. Es ist ein Lachen, bei dem mir ganz heiß wird und das ihn noch attraktiver macht. Schon jetzt weiß ich, dass ich beim nächsten Mal, wenn ich meinen Einhorn-Vibrator auspacke, an ihn denken werde. Aber ich werde schon damit klarkommen.

»Da stimme ich dir voll und ganz zu«, sagt er, nachdem er fertiggelacht hat.

»Perfekt. Dann haben wir also einen Deal. Kein Date.« Ich lächle und mache auf dem Absatz kehrt, um wieder zum Lagerfeuer zu gehen.

»O Mann.« Sanft packt er mich am Arm.

Ich wirble herum.

»Du weißt genau, was ich damit gemeint habe. Komm schon, Vanessa. Dein Dad hält mich die ganze Zeit unter Beobachtung. Nur ein Date. Es wird dich schon nicht umbringen.«

Ich schürze die Lippen und frage mich, wie ich es schaffen kann, dass er das Thema endlich sein lässt. Schon mein ganzes Leben lang werde ich von einem Polizisten herumkommandiert. Da brauche ich ganz bestimmt nicht noch einen.

»Lüg einfach«, sage ich mit einem Schulterzucken.

Seine starken Schultern sacken ein wenig zusammen, und er sieht mich verzweifelt an. Sein Blick ist so unschuldig. Wie der eines Mannes, der immer versucht, das Richtige zu tun. Aber ich tue ihm nur einen Gefallen, wenn ich ihn auf Abstand halte.

»Na schön«, sage ich, als das Schweigen unerträglich wird.

Er lächelt.

Ich hebe den Zeigefinger. »Du machst heute Abend irgendwas, das du sonst niemals tun würdest. Dann gehe ich mit dir aus.« Ich grinse. Mal sehen, ob sich Mr Saubermann darauf einlässt. Aber ich bin jetzt schon siegessicher.

»Wie bitte?« Er zieht die Stirn kraus und nippt an seinem Bier.

Ich verschränke die Arme vor der Brust und warte darauf, dass er sagt Auf gar keinen Fall!, damit ich endlich meiner Wege gehen kann. »Du hast mich schon richtig verstanden. Irgendwas Spontanes. Hier. Heute Abend.«

»Was denn zum Beispiel?«, fragt er und sieht sich um. Mir fällt auf, dass schon ziemlich viele Leute gegangen sind. Wahrscheinlich hat mindestens die Hälfte von ihnen einen Babysitter engagiert und muss so schnell wie möglich wieder nach Hause.

Ich zucke mit den Schultern. »Das darfst du selbst entscheiden.«

Er legt die Stirn in Falten. »Was erwartest du von mir? Soll ich etwa übers Feuer springen oder so was?«

»Mir wäre es lieber, wenn du heute Abend nicht in der Notaufnahme landest. Also nein, du musst nicht über ein loderndes Feuer springen. Das würde Maddie und Mauro den Abend ruinieren.«

Cristian blickt verärgert drein und leert den Rest seines Biers.

»So, das reicht. Komm jetzt, Cris. Wir spielen zwei gegen zwei, und ich brauche einen zweiten Mann.« Luca, Cristians jüngerer Bruder, dreht einen Fußball auf dem Finger, während er auf uns zukommt, gefolgt von Lauren und einem Mädchen, das ich nicht kenne.

»Was?« Cristian funkelt seinen Bruder böse an. »Ich spiele doch im Stockdunkeln nicht Fußball.«

Klingt vernünftig.

»Komm schon, Cris. Lauren behauptet, sie könne fünf Tore schießen.« Luca wirft Lauren einen Blick zu. Sie grinst frech, und er verdreht die Augen.

Cristian atmet übertrieben laut aus. Lauren stellt sich neben mich und kickt Luca den Ball aus der Hand. Dann macht sie irgendwelche Tricks, bevor sie den Ball in die Luft schießt und auffängt. Diese Frau hat eine Körperbeherrschung, die ich niemals besitzen werde.

»Die Antwort ist nein. Frag Bentley. Der ist irgendwo da drüben.« Cristian deutet auf das Lagerfeuer.

Luca weiß anscheinend, dass sein Bruder nie etwas tut, das er nicht will, denn er zieht ohne ein weiteres Wort von dannen.

»Was geht bei euch so ab?«, fragt Lauren, während sie rückwärts läuft und den Ball wie Luca eben auf dem Finger dreht.

»Nichts«, erwidere ich.

»Lauren, was ist das Verrückteste, was ich heute Abend tun könnte?«, ruft Cristian ihr nach.

Sie bleibt stehen und starrt mich über seine Schulter hinweg an. Sie kennt das Spiel. Wir spielen es häufig. Na ja, seit dem College eigentlich nicht mehr, als die Jungs noch dachten, sie müssten nur hallo sagen und man würde sich sofort in sie verlieben. Es ist schon in Ordnung, sie erst mal ein wenig arbeiten zu lassen, bevor man ihnen Bewunderung schenkt. Das formt den Charakter. LOL.

Wie Lauren nun mal ist, tut sie so, als würde sie ernsthaft darüber nachdenken. Wir haben Jungs schon dazu gebracht, sich die Haare oder die Augenbrauen abzurasieren, Frauenklamotten anzuziehen oder einen Striptease in einem Damenslip hinzulegen. Wer weiß, was Lauren gleich vorschlagen wird.

»Du bist ein kluger Junge, Bianco. Dreh den Spieß um«, sagt sie. »Was wäre das Schlimmste, was du Vanessa heute Abend antun könntest?«

Ich zeige ihr den Stinkefinger. Eine tolle Freundin habe ich da. So eine braucht wirklich keiner.

Cristian grinst diabolisch. »Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du ein verdammtes Genie bist, Lauren?«

Sie lacht. »Ständig. Aber sag das mal deinem Bruder.«

Luca kommt wieder zu uns und nimmt ihr den Ball weg, gefolgt von einem Typen, der über seine eigenen Füße stolpert. Das Mädchen und der Kerl beobachten Lauren und Luca dabei, wie sie sich darüber streiten, wer anfängt.

»Und, Officer Bianco? Was haben Sie sich ausgedacht?« Ich stemme eine Hand in die Hüfte und hebe eine Augenbraue.

»Vielleicht ist es ein Date mit dir nicht wert, dass ich mich vor allen blamiere.« Er tritt näher an mich heran, und ich weiche ein Stück zurück. Jetzt, da sein Selbstbewusstsein zu wachsen scheint, wird mir ein wenig mulmig.

Ich zucke mit den Schultern. »Das ist schon okay. Ich bin froh, dass sich unsere Wege jetzt trennen.«

Er kommt noch einen riesigen Schritt auf mich zu, leert den letzten Schluck seines Biers, wirft den Becher zu Boden und starrt mich intensiv an.

»Was machst du da?«, frage ich. Meine Stimme klingt schwächer, als mir lieb ist.

Wir stehen nun Brust an Brust, denn er hat mich so überrascht, dass ich ganz vergessen habe, die Flucht zu ergreifen. Okay, vielleicht haben mich auch seine Augen ein wenig hypnotisiert. Aber nur ein bisschen. Nicht so wirklich.

»Ich werde das tun, womit ich heute Abend überhaupt nicht gerechnet hätte.« Seine Stimme klingt jetzt mindestens eine Oktave tiefer. Wir stehen ganz allein im Wald. Im Dunkeln. Und die Wärme des Feuers reicht nicht bis hierher. Meine Wangen sind ganz kalt – bis Cristian mein Gesicht zwischen die Hände nimmt. »Ich werde dich jetzt küssen.«

Dann landen seine Lippen auf meinen. Habe ich gerade gesagt, mir sei kalt? Nein, mir ist nicht mehr kalt. Mir ist heiß. Cristians Kuss beseitigt jegliche Kälte in mir. Eigentlich sollte ich ihm in die Eier treten oder ihn wenigstens von mir schieben, aber ich tue es nicht. Stattdessen macht sich mein Mund selbstständig und bewegt sich mit seinem. Ich schlinge die Arme um seinen Hals, stelle mich auf die Zehenspitzen und küsse ihn.

Er drückt mich an sich, und seine Zunge erforscht meinen Mund. Mitten im Wald, geschützt vor den Blicken der anderen, setzt Cristian Bianco meinen Körper in Flammen.

Ich liebe es, wenn ich andere dazu bringe, ihre Regeln zu brechen. Aber meine eigenen Regeln breche ich nur ungern.

Kapitel 3

VANESSA

»Ich dachte, du hättest heute Abend was vor?«, fragt Lauren, nimmt ihren vegetarischen Bohnenburger aus der Mikrowelle und geht zur Kücheninsel.

»Hab ich auch.« Ich nehme mir eine Limo aus dem Kühlschrank und setze mich ihr gegenüber auf einen Barhocker.

»Eine Cola und ein Pop-Tart? Wundervoll. Danach kriegst du bestimmt einen Blähbauch.« Meine ernährungsbewusste Mitbewohnerin wickelt die Gemüsefrikadelle zusammen mit Salat, Salsasoße und einem Klecks Sour Cream in einen Tortilla. Ich bete zu Gott, dass ihr Essen überhaupt nicht schmeckt.

»Nun ja, ich treffe mich mit Officer Bianco.« Ich zucke mit den Schultern.

Mit einem Blick gibt mir Lauren zu verstehen, dass ich ihn doch bitte bei seinem Vornamen nennen soll, aber ich weigere mich.

»Du hast endlich einem Date zugestimmt?« Sie geht zum Kühlschrank und nimmt eine Tupperdose mit Karotten und Blumenkohl heraus, die sie bereits klein geschnitten hat.

Jetzt mal im Ernst – das soll ihr Abendessen sein?

Ich breche ein Stück von meinem Pop-Tart ab. »Ja.«

»Und dann stopfst du dich jetzt schon voll? Er hat sich bestimmt etwas Großartiges ausgedacht.«

Ihr Lächeln verrät, wie sehr sie Cristian mag. Ständig erzählen sie und Maddie, was für ein toller Kerl er doch sei. Und das streite ich gar nicht ab. Ich bin sicher, dass er einen tollen Freund oder sogar Ehemann abgibt – aber nicht für mich.

»Hallo? Die sind mit Pumpkin Spice.« Ich halte meinen Snack hoch.

Doch sie zieht die Nase kraus und schüttelt den Kopf. »Im Moment schmeckt wirklich alles nach Kürbis. Neulich habe ich im Supermarkt sogar Oreos mit Pumpkin Spice gesehen. Warum versaut man einen Oreo, indem man ihm Kürbis hinzufügt?«

Ich stecke mir ein Stück der Köstlichkeit in den Mund, kaue und schlucke. »Da gebe ich dir recht. Oreos müssen Oreos bleiben. Aber ansonsten ist Pumpkin Spice einfach das Allerbeste.« Ich nehme einen großen Schluck von meiner Cola.

Lauren umrundet die Kücheninsel und setzt sich neben mich. »Du fühlst dich kein bisschen zu Cristian hingezogen?«, fragt sie, bevor sie in ihren gesunden Burger beißt. Sie trägt immer noch ihren Kittel von der Physiopraxis. Ich nehme an, sie wird den Rest des Abends auf dem Sofa abhängen.

»Leider bin ich nicht blind. Aber seine glänzende Dienstmarke blendet mich so sehr, dass ich nicht sehe, wie attraktiv er ist.«

»Dir ist schon klar, dass nicht jeder Polizist ist wie dein Dad, oder?«

Ich kichere. »Natürlich.«

»Und dass du Cristian in eine Schublade steckst?« Sie nippt an ihrem Vitaminwasser.

»Hör zu. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Polizisten entweder korrupt sind oder einen Stock im Arsch haben. Cristian gehört zur zweiten Gruppe.«

Lauren atmet laut aus. »Das weißt du doch überhaupt nicht. Du kennst ihn gar nicht. Warum gibst du ihm nicht einfach eine Chance?«

»Zum Glück lebe ich in Chicago. Hier gibt es ungefähr eine Million Männer.« Ich zerknülle meine Serviette und werfe sie in den Müll.

Lauren und ich sind uns sehr ähnlich. Normalerweise versuchen wir nie, die jeweils andere zu einem bestimmten Mann zu überreden. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum sie sich gerade aufführt, als wäre sie meine Mutter.

Ich kann Laurens Blick schon auf mir spüren, bevor ich mich zu ihr umgedreht habe.

»Schön, dass du in letzter Zeit abends öfter hier bist. Hast du … dich von jemandem getrennt?«

»Nicht getrennt, aber ich arbeite jetzt nicht mehr abends.«

Ihre Augen werden groß. »Echt? Was genau hast du eigentlich gemacht?«

Tja, so ist Lauren nun mal. Sie denkt, sie wäre geschickt, aber ich werde ihr auf keinen Fall verraten, was ich in letzter Zeit getrieben habe, um Geld für meine eigene Modelinie zu verdienen.

»Nur ein wenig Kohle verdient, damit ich meine Muster fertigstellen kann.«

»Und jetzt hast du genug zusammen?«

Ich nicke lächelnd.

Als ich mich dazu entschieden habe, Modedesign zu studieren, hätte ich nicht gedacht, dass es so teuer sein würde, Kleidung herzustellen. Ich kann zwar nähen, aber es ist sehr zeit- und arbeitsintensiv. Außerdem bin ich besser im Entwerfen. Deshalb lagere ich die Produktion der benötigten Muster aus – und hoffentlich auch irgendwann die der fertigen Kleidung, sobald ich eine Boutique gefunden habe, die sie verkaufen will.

»Ja. Und Rose & Ivy auf der Chestnut Street haben zugestimmt, sich meine Frühlingskollektion anzusehen.«

Freude erfüllt mich, und ich frage mich, warum ich es meinen zwei besten Freundinnen nicht schon längst erzählt habe. Sie stehen immer hinter mir und überlegen mit mir gemeinsam, wie ich meinen Traum Wirklichkeit werden lassen kann. Maddie meint immer, ich solle für eine Modefirma arbeiten und mich hocharbeiten, während Lauren sagt, ich solle meinen eigenen Onlineshop eröffnen. Aber ich habe schon immer davon geträumt, meine Kreationen in einer Boutique zu verkaufen. Um ehrlich zu sein will ich, dass meine Sachen irgendwann so gefragt sind, dass sie bei der New York Fashion Week vorgestellt werden. Aber man soll ja klein anfangen.

»VAN!«, ruft Lauren, springt vom Hocker auf, schlingt die Arme um meine Schultern und wiegt mich hin und her. »Das muss gefeiert werden!«

»Lass uns erst feiern, wenn Rose & Ivy tatsächlich was kaufen wollen.« Ich tätschle ihren Rücken, denn sie will mich gar nicht mehr loslassen.

»Nein. Wir müssen alles feiern. Außerdem wird es mal wieder Zeit für einen Mädelsabend. Maddie ist kaum noch zu Hause, seit sie mit Mauro zusammen ist. Wir brauchen das.«

Ich muss lachen, denn ich glaube, Lauren hat es nötiger, mal wieder auszugehen als Maddie oder ich. Maddie von Mauro wegzuzerren wird schwierig werden, denn im Moment stecken sie noch mitten in der Verliebtheitsphase.

»Alles klar. Aber erst muss ich das Date mit Officer Bianco hinter mich bringen.«

Sie schürzt die Lippen, kehrt jedoch schweigend zurück zu ihrem Teller.

»Ich schreibe Maddie, und dann machen wir was aus.«

Das Dauergrinsen auf Laurens Gesicht sagt alles. Mein schlechtes Gewissen, das ich die ganzen letzten Monate hatte, beruhigt sich ein wenig. Ich weiß, dass sie sich Sorgen um mich gemacht hat. Aber der Job ist jetzt Vergangenheit, und keiner wird je davon erfahren.

»Oh, ich freue mich ja so für dich!«, sagt sie, nachdem sie einen großen Bissen heruntergeschluckt hat.

Die Hintertür geht auf, und Maddie und Mauro kommen lachend und Händchen haltend herein. Ich muss zugeben, dass sie wirklich total süß zusammen sind.

»Oh, wie schön, dass ich mal wieder daran erinnert werde, dass ich die Einzige bin, die niemanden hat«, murmelt Lauren mit vollem Mund. Doch ihr Augenrollen verrät, dass sie nur Spaß macht.

Maddie lässt Mauros Hand los, doch er bleibt direkt hinter ihr. Als sie vor der Frühstückstheke stehen bleibt, schlingt er sofort die Arme um ihre Taille und zieht sie zu sich.

»Was ist mit meinem Bruder Luca?«, fragt Mauro. Für jemanden, der die ganze Zeit dröhnenden Sirenen ausgesetzt ist, hört er viel zu gut.

Erneut verdreht Lauren die Augen. »Damit meinte ich nicht ›einmal und nie wieder‹.«

Maddie sieht mich an. »Ist das dein Outfit für heute Abend?« Sie zieht die Stirn kraus, und zwischen ihren Augenbrauen bildet sich eine Falte.

Ich blicke an mir hinab und begutachte meine zerrissene Jeans und mein übergroßes Shirt. Hey, immerhin trage ich eine Halskette. »Was ist denn daran nicht in Ordnung?«

Mauro streichelt Maddies Hüfte, und sein Mund ist gefährlich nahe an ihrem Hals.

Hallo? Sind wir etwa unsichtbar?

»Normalerweise ziehst du zu Dates immer ein Kleid an.« Sie lehnt sich gegen Mauros starke Brust.

Ich leere den Rest meiner Cola und stelle die Flasche auf die Theke. »Ich will nicht, dass er denkt, das Date hätte irgendwas zu bedeuten.«

»Und trotzdem bist du hübsch geschminkt und trägst eine Kette, die zwischen deinen Brüsten baumelt.« Lauren hebt die Augenbrauen.

Ich funkle sie böse an. »Ich darf doch wohl selbst entscheiden, wie ich mich in der Öffentlichkeit zeige.«

»Ich find’s jedenfalls toll, dass du dich doch dazu entschieden hast, mit Cristian auszugehen«, sagt Mauro.

Lachend schiebt Lauren ihren leeren Teller von sich und zieht ein Knie an die Brust. »Nachdem sie ihn gezwungen hat, etwas zu tun, das er noch nie getan hat. Wie früher auf dem College.«

Mauros Hand hält inne. Zum ersten Mal heute wendet er den Blick von Maddie ab und sieht mich an. »Was musste er denn tun?«

»Vanessa wurde damals alle fünf Minuten angemacht. Vor allem auf den Studentenpartys«, bemerkt Maddie.

»Das ist jetzt aber übertrieben«, erwidere ich kopfschüttelnd.

Lauren und Maddie sehen mich an.

»Ist es nicht«, widerspricht Lauren. »Sie war der schillernde Diamant, während Maddie und ich eher Rohdiamanten waren.«

Mauro küsst Maddies Hals und drückt sie noch fester an sich. Er flüstert ihr irgendwas ins Ohr, und sie wird knallrot und schmiegt sich an ihn. Jetzt reicht’s. Am liebsten würde ich ins Bad rennen, um meiner Cola und meinem Pop-Tart noch mal hallo zu sagen.

»Jedenfalls …«, geht Lauren dazwischen.

»Ja.« Maddie richtet sich auf und konzentriert sich wieder auf unser Gespräch. »Sie hat die Jungs immer dazu gebracht, irgendwas Verrücktes zu machen, bevor sie sich mit ihnen auf ein Date getroffen hat.«

»Ein Kerl hat seinen kompletten Körper rasiert«, sagt Lauren.

Mauros Augen werden groß. »Männer sind so dumm. Und was hat mein Bruder gemacht?«

Lauren sieht mich an und wartet darauf, dass ich antworte, denn sie weiß auch nicht, was Cristian getan hat. Keiner weiß es.

»Er …« Ich halte inne, denn ich weiß nicht, ob ich will, dass Mauro es erfährt.

»Er hat sie geküsst. Ich habe ihm gesagt, dass er den Spieß umdrehen soll«, sagt Lauren stolz.

Maddie hebt die Hand, um mit Lauren einzuschlagen.

Verräterinnen.

Und ich dachte, es hätte keiner gesehen.

»Er hat dich geküsst?«, fragt Mauro ungläubig. Sein Bruder, der nie die Regeln bricht und nie aus der Reihe tanzt, hat einfach so eine Frau geküsst.

»Ja.« Ich zucke mit den Schultern und tue so, als wäre es mir egal. Dabei versuche ich schon die ganze Woche, den Kuss zu vergessen. Und sobald ich das Date endlich hinter mir habe, wird mir das hoffentlich auch gelingen. Dann kehren wir zurück zu Officer Bianco und Miss Flanagan und begraben den Kuss ganz tief unter der Erde. Oder besser noch unter Beton.

»Ich bin beeindruckt«, sagt Mauro und klingt auch so.

»Es sah sogar wie ein ziemlich heißer Kuss aus.« Lauren steht auf, wirft ihren Pappteller in den Müll, nimmt meine leere Flasche und wedelt mir damit vor dem Gesicht herum. »Ich mach das schon. Keine Ursache.«

»Danke.« Ich lege den Kopf schief und zwinkere.

»Dein Geflirte funktioniert bei mir nicht. Ich bin nicht Cristian.«

Dann klingelt es, doch bevor ich überhaupt aufgestanden bin, rennt Lauren bereits zur Tür.

»Ich hoffe, dass sie zu ihm netter ist als anfänglich zu mir«, sagt Mauro zu Maddie und ergreift die Chance, sie umzudrehen und zu küssen. Ich gewähre ihnen ein wenig Privatsphäre, aber es ist ihnen sowieso egal, ob sie beobachtet werden oder nicht.

Bis ich im Flur angekommen bin, ist Cristian bereits im Haus, und Lauren fragt ihn, ob er was trinken will.

»Keine Zeit für Drinks. Cristian hat bestimmt irgendwo einen Tisch reserviert«, sage ich, gehe an Lauren vorbei und geradewegs auf die Tür zu.

Aber bevor ich es schaffe, das Haus zu verlassen, hält mir Cristian eine Schachtel hin.

Pralinen?

»Ich hoffe, du magst Pumpkin Spice«, sagt er, verlagert das Gewicht auf die Fersen und sieht mich unerschrocken an.

Ich öffne den weißen Karton. Darin befinden sich drei kleine Kuchen mit Cremefüllung, und der herrliche Duft von Zimt schlägt mir entgegen.

Lauren hustet und tut, als müsste sie sich übergeben.

»Cris!« Mauros tiefe Stimme hallt durch den Flur und unterbricht den Moment.

»Hey.« Cristian hebt die Hand. »Ich dachte, ihr wärt bei euch zu Hause?«

»Maddie muss nur ein paar Sachen abholen.« Wieder wandert Mauros Hand über Maddies Körper.

»Aber nicht vögeln oben, okay? Ihr habt jetzt eure eigene Bleibe, also verschont mich gefälligst.« Lauren verdreht die Augen.

Und ich kann sie verstehen. Es ist nicht leicht, die zwei Turteltauben zu beobachten, ohne sich das zu wünschen, was sie haben.

»Lauren.« Maddie seufzt, obwohl jeder weiß, dass sie es keine fünfzehn Minuten zusammen in einem Raum aushalten, ohne übereinander herzufallen.

»Ich warte, bis wir in ihrem Zimmer sind. So viel kann ich dir versprechen.« Mauro haut Maddie auf den Hintern, als sie in Richtung Treppe geht.

»Ich gehe einen Kaffee trinken.« Lauren nimmt ihre Jacke und läuft Richtung Tür. »Und euch beiden viel Spaß. Tut irgendwas, das ich auch tun würde.« Zwinkernd legt sie die Hand auf Cristians Arm, bevor sie mich mit ihm allein lässt.

»Danke.« Ich hebe die Schachtel mit den Kuchen in die Höhe und stelle sie auf den Konsolentisch.

»Du wirkst auf mich nicht wie eine Frau, die auf Blumen steht.«

Ich schnappe mir ebenfalls meine Jacke vom Haken. Cristian nimmt sie mir sofort ab und hält sie mir hin. Ich schlüpfe hinein und ziehe mein Haar aus dem Kragen.

»Bereit?«, fragt er.

Ich nicke und gehe voran. Nachdem ich Maddie und Mauro eingesperrt habe, gehen wir Seite an Seite den Weg zur Straße entlang.

Ich habe mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, welches Auto Cristian wohl fährt, aber einen kleinen sportlichen Audi hätte ich mir nicht vorgestellt. Ich hätte vielleicht mit einem Honda oder Toyota gerechnet. Irgendwas, auf das Verlass ist, mit geringem Spritverbrauch.

»Schönes Auto«, sage ich, während er mir die Beifahrertür öffnet.

»Du hast bestimmt einen Prius erwartet.« Er grinst, und ich muss zugeben, dass mir sein charmantes Lächeln und seine blitzweißen Zähne Schmetterlinge im Bauch bescheren.

»Nun ja, hätte gepasst.«

»Klischeedenken, was?«

Ich zucke mit den Schultern.

Kurz steht er nur da und schweigt. »Du bist wunderschön.« Seine dunklen Augen wandern über meinen Körper. Ich muss die Beine übereinanderschlagen, um das Ziehen zwischen meinen Schenkeln zu lindern. »Und ganz besonders in meinem Auto«, fügt er hinzu.

Da ich keinen Ton herausbekomme, schließt er die Tür.

Während er die Motorhaube umrundet, mustere ich sein dunkles gegeltes Haar, seinen modischen Pulli und seine Designerjeans. Als er einsteigt, erfüllt der Duft seines Parfums das Wageninnere. Am liebsten würde ich die Augen schließen und den Geruch in mir aufsaugen.

Verdammt. Ihm zu widerstehen wird schwieriger werden als gedacht.

Kapitel 4

VANESSA

Wie ein Profi parkt Cristian seitwärts ein. Wahrscheinlich beeindruckt das niemanden, der einen Führerschein besitzt, aber der Gedanke, ein Auto zwischen zwei andere zu quetschen, ängstigt mich zu Tode.

»Wo sind wir hier?«, frage ich.

»Es heißt Farm to Table. Ist neu.« Er schaltet den Motor aus, sieht mich an und wartet darauf, dass ich noch irgendwas sage.

Aber ich sage nichts mehr. Und zwar aus Prinzip.

Er steigt aus, und während ich noch darüber nachdenke, ob ich auch einfach aussteigen soll, hat er mir bereits die Tür geöffnet. Er hält mir seine Hand hin, doch ich verzichte auf seine Hilfe. Er grinst ein bisschen. Bestimmt denkt er, dass ich mich absichtlich so aufführe. Und vielleicht tue ich das auch. Dieses Date kann überhaupt nicht gut laufen. Es kann nur nach hinten losgehen.

»Gibt’s hier etwa Reformkost?«, frage ich und bin froh, dass ich eine Cola getrunken und einen Pop-Tart gegessen habe, wenn ich hier nur Kohl und Grünzeug bekomme, das höchstens zu Dekozwecken dient.

»Nein. Aber es ist bio. Die Rinder bekommen frisches Gras, und alle Produkte sind regional.« Er hält mir die Glastür auf.

»Dann gibt es wenigstens Steak. Immerhin.«

Er folgt mir in das spärlich beleuchtete Restaurant, das eine gemütliche Atmosphäre ausstrahlt. Das hätte ich anhand des Namens nicht erwartet. Kerzen flackern auf den dunklen Holztischen, und die Stühle sind dick gepolstert. Die Lampenschirme bestehen aus Hühnerstalldraht, was schick aussieht, aber auch das Rustikale aufgreift.

»Bianco.« Cristian nennt der Kellnerin seinen Namen, und sie mustert ihn unverfroren. Sein schönes Gesicht und seinen schlanken, athletischen Körper.

Ihr Verhalten lässt mich mit den Zähnen knirschen, aber nur, weil es gegen jede Regel verstößt, das Date einer anderen Frau in Augenschein zu nehmen. Aber ganz ehrlich, was kümmert es mich? Er gehört mir schließlich nicht. Vielleicht hört er auf, mich zu nerven, wenn ich sie nach ihrer Nummer frage.

»Ihr Tisch ist bereits fertig.« Sie nimmt zwei Speisekarten, tritt vom Podium und wartet darauf, dass wir ihr folgen.

Sie führt uns durch den Hauptraum, und ich frage mich, was für beschissene Plätze wir gleich kriegen werden.

»Cristian!«, ruft eine weibliche Stimme. Wir drehen uns um und sehen eine Frau, die an einem der Tische sitzt und freundlich winkt.

Cristian bleibt stehen und legt die Hand auf meine Hüfte, um mir zu verstehen zu geben, dass ich ebenfalls langsam machen soll. Seine Berührung jagt einen Stromschlag durch meinen Körper. Der Mistkerl ist bestimmt statisch geladen.

»Ich sage nur eben kurz hallo.«

Die Kellnerin ist vor einer Tür stehen geblieben und wartet ungeduldig auf uns.

Cristian sieht sie an. »Durch diese Tür?«

»Ja«, erwidert sie.

»Okay, wir sind gleich da. Ich muss nur ein paar Freunden hallo sagen. Wir werden es schon selbst finden.«

Zuerst wirkt sie ein wenig verunsichert, doch schließlich macht sie kehrt und geht zurück zum Eingang.

»Tut mir leid«, murmelt Cristian und führt uns zwischen den Tischen hindurch zu einer aufgedrehten Blondine, die sofort aufspringt. Sie kommt mir irgendwie bekannt vor. »Chelsea«, sagt er, küsst ihre Wange und drückt sie an sich.

Als er ihren Namen sagt, fällt es mir wieder ein. Sie war eine der Frauen, die wir bei der Bachelor-Auktion kennengelernt haben und die uns dazu überredet haben, unsere Bieternummern zu tauschen. Sie ist schuld, dass ich jetzt mit Cristian ausgehen muss.

»Boah, sieh dich nur an.« Cristian deutet auf ihren schwangeren Bauch.

Das andere Pärchen am Tisch lächelt und blickt zwischen den beiden hin und her.

Der Mann neben Chelsea erhebt sich und überragt sie haushoch. So beschützend, wie er sich gibt, nehme ich an, dass er der Daddy ist. Und da er mir ebenfalls bekannt vorkommt, schätze ich, dass wir uns auch bei der Auktion begegnet sind.

»Ja.« Chelsea lächelt und sieht zu dem Mann hinter ihr auf.

Verdammt, das sind Mauro und Maddie 2.0.