Deckname: Diesel - Heather Slade - E-Book

Deckname: Diesel E-Book

Heather Slade

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Beschreibung

Codename: Caleb „Diesel“ Jacks Zielperson: Bryar Davies Auftrag: Nutze deine Intelligenz, um das Feuer einer speziellen heißen FBI-Agentin zu entfachen DIESEL Als Cornell-Absolvent und ehemaliger CIA-Agent suche ich die Gefahr und habe den Verstand, um tief in den Schatten unterzutauchen. Ich habe reichlich Tod und Zerstörung gesehen und weiche niemals zurück, wenn mein Leben auf dem Spiel steht. Aber als ich sie traf, wusste ich, dass sie die Einzige war, die mich vernichten konnte. BRYAR Diese verdammte Serienkiller-Ermittlung wird mich noch ins Grab bringen – wortwörtlich. Und jetzt lässt Diesel nicht locker, mich zu beschützen, als wäre ich eine Jungfrau in Nöten. Er weiß, dass ich weit davon entfernt bin. Meine FBI-Marke, meine Ausbildung und mein Verstand befähigen mich, es jederzeit mit ihm aufnehmen zu können. Auch in der Gefahr. Aber seien wir absolut ehrlich, Diesel hat genau den richtigen Brennstoff, um mein Feuer zu entfachen. Ich hoffe nur, dass dabei nicht alles in Flammen aufgeht.

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Seitenzahl: 280

Veröffentlichungsjahr: 2024

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DECKNAME: DIESEL

K19 SHADOW OPERATIONS TEAM EINS BUCH ZWEI

HEATHER SLADE

Übersetzt vonSIMONE METZ

Tektime

Deckname: Diesel

Copyright © 2022 by Heather Slade

Kein Teil dieses Buches darf in jedweder Form oder mit jedweden elektronischen oder mechanischen Mitteln, einschließlich Informationsspeicher- und -abrufsystemen, ohne schriftliche Genehmigung der Autorin wiedergegeben werden, mit Ausnahme von kurzen Zitaten in einer Buchbesprechung.

DECKNAME: DIESEL

K19 SHADOW OPERATIONS TEAM EINS

Deckname: Caleb „Diesel“ Jacks

Zielperson: Bryar Davies

Auftrag: Nutze deine Intelligenz, um das Feuer einer speziellen heißen FBI-Agentin zu entfachen

DIESEL

Als Cornell-Absolvent und ehemaliger CIA-Agent suche ich die Gefahr und habe den Verstand, um tief in den Schatten unterzutauchen. Ich habe reichlich Tod und Zerstörung gesehen und weiche niemals zurück, wenn mein Leben auf dem Spiel steht. Aber als ich sie traf, wusste ich, dass sie die Einzige war, die mich vernichten konnte.

BRYAR

Diese verdammte Serienkiller-Ermittlung wird mich noch ins Grab bringen – wortwörtlich. Und jetzt lässt Diesel nicht locker, mich zu beschützen, als wäre ich eine Jungfrau in Nöten. Er weiß, dass ich weit davon entfernt bin. Meine FBI-Marke, meine Ausbildung und mein Verstand befähigen mich, es jederzeit mit ihm aufnehmen zu können. Auch in der Gefahr. Aber seien wir absolut ehrlich, Diesel hat genau den richtigen Brennstoff, um mein Feuer zu entfachen. Ich hoffe nur, dass dabei nicht alles in Flammen aufgeht.

INDEX

Deckname: Diesel

1. Diesel

2. Bryar

3. Diesel

4. Bryar

5. Diesel

6. Diesel

7. Bryar

8. Diesel

9. Bryar

10. Diesel

11. Bryar

12. Diesel

13. Bryar

14. Diesel

15. Bryar

16. Diesel

17. Bryar

18. Diesel

19. Bryar

20. Diesel

21. Bryar

22. Diesel

23. Bryar

24. Diesel

25. Bryar

26. Diesel

27. Bryar

28. Diesel

29. Bryar

30. Diesel

31. Diesel

Deckname: Wasp

Über die Autorin

Bücher von Heather Slade

1

DIESEL

Nummer vier. Das war die Bezeichnung, die der Mann benutzte, der hereingerauscht war, um „zu übernehmen“, nachdem die Agentin, die dem Fall ursprünglich vom FBI zugeteilt worden war – Bryar Davies – sich von ihrer Operation erholte. Das Opfer war keine verdammte Nummer. Sie war ein Mensch. Ein Mensch, den ich kannte.

„Wo gehst du hin?“, fragte mein Chef Onyx, als ich durch die Ermittlungskommandozentrale stürmte.

„Ich muss mal an die Luft.“

Zuerst hatte ich nur vor, hinunter zum See zu gehen, aber als ich die Hand in meine Tasche schob, um die Kälte des Windes der Adirondack Mountains mitten im Winter abzuwehren, und meinen Schlüsselanhänger spürte, stieg ich stattdessen in meinen SUV.

Ich wusste nicht genau, wo ich hinwollte, als ich von der Lodge des Forstdienstes losfuhr, in der die Kommandozentrale eingerichtet worden war, dass der Schotter nur so spritzte, nur dass ich verdammt schnell da rausmusste.

Wenn sie mich auch echt nerven konnte, hatte Special Agent Davies wenigstens schon früh begriffen, dass wir – die K19 Shadow Operations, eine private Sicherheits- und Geheimdienstfirma – das Wissen, die Ressourcen und die Erfahrung hatten, diese Ermittlung besser zu führen, als es das FBI je könnte.

In unserem Team gab es keine einzige Person, die nicht entweder bei den Special-Forces-Einheiten der verschiedenen Truppengattungen gewesen ist oder eine Zeit lang bei der CIA im Dienst war. In den meisten Fällen traf beides zu. Wir verlangten keinen Respekt wie Davies’ Vollpfosten-Chef. Das mussten wir nicht. Wir hatten ihn uns verdient.

Ich war verblüfft, als mein Handy klingelte und ich den Namen genau dieser Frau sah, bei der ich mit meinen Gedanken war.

„Was kann ich für Sie tun, Agent Davies?“, fragte ich und übersprang unnötige Nettigkeiten.

„Ich habe gerade einen Anruf von Ryan bekommen, der mir sagte, dass du weg bist, ohne jemand Bescheid zu sagen.“

Ich schüttelte den Kopf. Ryan dachte vielleicht, dass er bei diesem Fall das Kommando hätte, aber da stand ihm in ungefähr fünf Minuten ein unsanftes Erwachen bevor, wenn mein Chef ihm den Kopf zurechtrücken würde.

„Ich bin ihm keinerlei Rechenschaft schuldig, und dir übrigens auch nicht.“

„Komm mir nicht auf diese scheißarrogante Tour, Diesel. Das ist derselbe Arschloch-Machtspielchenmist, den du am Tag meiner Ankunft bei mir abgezogen hast.“

„Schätze, es geht dir schon besser.“ Agent Davies war angeschossen worden, als das Team, das einen Gefangenen zu einer FBI-Außendienststelle in Albany überführt hatte, in einen Hinterhalt geraten war. Sie war vier Stunden und siebenunddreißig Minuten lang operiert worden, ehe sie in der Lage waren, die inneren Blutungen unter Kontrolle zu bekommen und den Schaden zu reparieren, den die Kugel angerichtet hatte, die ihren Bauch durchschlagen hatte.

Woher ich die exakte Zeit wusste, wie lange sie im OP gewesen war? Weil ich die verfluchten Sekunden gezählt hatte. Daher.

„Diesel? Bist du noch dran?“

„Ja, ich bin noch dran.“

„Wieso hast du gesagt, du schätzt, dass es mir schon besser geht?“

„Ich glaube nicht, dass ich dich jemals so viele Schimpfworte in einem Satz habe unterbringen hören.“

„Dann hast du mir nicht zugehört.“

„Wo bist du?“

„Noch immer im Krankenhaus, aber ich glaube, sie werden mich vielleicht heute entlassen.“

„Ich bin in zwanzig Minuten da.“

„Nein! Komm nicht her. Ryan will, dass du zurück zur Kommandozentrale kommst.“

„Es interessiert mich einen Scheiß, was Agent Fitzsimmons will. Ist da jemand, der dich fahren kann, wenn sie dich gehen lassen?“

„Nein, aber …“

„Aber was? Es gibt keine Taxis in den Adirondacks, Babe.“

„Nenn mich nicht so. Bist du außerdem nicht erpicht darauf, zurück zur Ermittlung zu kommen? Ich bin sicher, du hast sehr damit zu tun herauszufinden, wo sich deine Freundin aufhält und sie sicher zurückzubringen.“

„Meine Freundin?“ Was zum Teufel meinte sie denn damit?

„Du streitest es nicht ab.“

„Zuerst einmal reden wir über eine Person, die entführt wurde, vermutlich von einem Serienkiller. Zweitens ist Patricia Fasano nicht meine Freundin.“

„Nicht deine Freundin, aber du hast mit ihr geschlafen?“

„Die Medikamente da bringen dir dein Hirn durcheinander, Babe. Ich hab gerade mal ’ne Tasse braune Plörre mit ihr getrunken, von Sex gar nicht zu reden.“

„Was für einen IQ hast du noch mal, irgendetwas mit hundertsechzig? Und trotzdem benutzt du Worte wie ‚Babe‘ und ‚braune Plörre‘. Du sprichst zehn Sprachen. Bedien dich eines besseren Vokabulars.“

„Zwölf, und wir sehen uns in fünfzehn Minuten.“

Ich beendete diesen Anruf, als ein weiterer von meinem besten Freund Ranger reinkam.

„Hey, ich habe gerade von dem FBI-Arschloch gehört.“

„Ach ja? Was wollte er?“

„Wollte wissen, wo du bist.“

„Zu verdammt schade.“

„Ja. Ich habe die Gelegenheit wahrgenommen, ihm zu sagen, dass er nicht dein Chef ist, also würde es ihn nichts angehen. Ich habe ein paar andere Worte gebraucht, aber das war die Kernaussage.“ Er lachte leise in sich hinein. „Aber ernsthaft. Wo bist du?“

„Auf dem Weg zum Krankenhaus. Agent Davies glaubt, dass sie heute möglicherweise entlassen wird.“

„Kannst du mal mit diesem Agent-Davies-Mist aufhören? Alle anderen sind vielleicht blind dafür, wie du an ihren Lippen hängst, aber ich nicht. Ihr Name ist …, wie ist ihr Name?“

„Bryar, und ich hänge nicht an ihren Lippen.“

„Ja, was auch immer. Merkwürdiger Name – wie das Dornengewächs?“, murmelte Ranger. „Egal, du holst sie also ab?“

„Ja, aber hör dir das an. Sie denkt, ich habe mit der Psychologin geschlafen.“

„Hast du?“

„Scheiße, nein“, fauchte ich.

„Warum denkt sie dann, dass du es getan hättest?“

„Ich weiß es nicht, aber ich werde es herausfinden.“

„Also gut. Ich werde Onyx informieren, dass du für den Rest des Tages nicht da bist.“

„Ich hatte vor, an einer Überprüfung des Anrufs mit der Lösegeldforderung zu arbeiten, der bei Fasanos Eltern einging.“

„Da bin ich schon dran. Fahr und hol das Brombeergestrüpp ab.“

Ich lachte. Das würde ihr auch nicht besser gefallen als Babe.

„Hey, Diesel. Ehe du Schluss machst, ich hatte eine Unterhaltung mit Admiral.“

Pershing „Admiral“ Kane war mein College-Zimmergenosse an der Cornell gewesen und mit Ranger war er auch gut befreundet. Er war über das ROTC-Programm der Navy aufs College gekommen, war aber zwei Jahre vor Ende der geforderten vier Jahre seines aktiven Dienstes vom FBI weggeholt worden.

„Worüber?“, fragte ich.

„Er geht der undichten Stelle nach, die zu Maxim Edwards’ Tod geführt hat. Er ist außerdem Fitzsimmons Chef, was ihn in der Hierarchie über Agent Davies setzt.“

„Wie weit?“

„Es ist nur eine Ebene zwischen ihnen. Jedenfalls ist Admiral jetzt auf dem Weg hierher.“

„Hierher?“

„Zum Canada Lake. Er sagte auch, er würde sich mit Agent Davies treffen, um zu klären, was an diesem Tag passiert ist.“

Sie war nah dran gewesen, das dritte Opfer zu werden. Der andere Mann, den wir verloren hatten, war Miguel Rodriguez, ein verdammt guter Agent.

„Er weiß noch nicht genau, um wie viel Uhr er eintreffen wird, aber er hat vorgeschlagen, dass wir uns morgen zum Abendessen zusammensetzen.“

„Ich bin dabei.“

„Ich gebe ihm Bescheid. Er sagte auch noch, dass er Agent Davies zurück nach DC begleiten wird.“

„Moment mal. Sie geht weg? Warum?“

„Sie hatte eine große Operation, Diesel. Was denkst du, warum?“

„Wenn ich es wüsste, hätte ich nicht gefragt.“

„Weil sie wieder zu Kräften kommen muss, Arschloch.“

„Warum geht das nicht hier?“

„Um Himmels willen, ich muss Schluss machen. Frag Admiral, warum nicht, oder noch besser, frag sie.“

Ich war gerade auf der Etage der Chirurgie aus dem Aufzug gestiegen, als Ranger noch einmal anrief.

„Was?“, blaffte ich.

„Bist du noch auf dem Weg zum Krankenhaus?“

„Bin gerade angekommen. Warum?“

„Du musst so schnell wie möglich runter in die Notaufnahme gehen“, antwortete er.

„Warum?“

„Ms. Fasano wurde aufgefunden – lebend.“

„Wo?“

„Das rätst du nie.“

Ich hatte keine Zeit für diesen Mist. „Ranger –“

„Sie lief mitten auf dem Hauptweg im Sherman-Park entlang und schien verwirrt zu sein.“

„Wie ist ihr körperlicher Zustand?“

„Fast genauso wie bei Maisie, als wir sie fanden.“

Der beunruhigende Teil war, dass wir die Einzelheiten über Maisies Entführung und ihre Rettung nicht an die Medien weitergegeben hatten, und wer ihr Angreifer war, sollte mit niemand geteilt werden, im Hinblick darauf, dass die Ermittlung zu den Serienmorden noch lief. Dasselbe galt für die Einzelheiten zu den drei Morden.

„Hast du Maisie gefragt, ob sie preisgegeben hat, wer sie gekidnappt hat oder wo sie festgehalten wurde?“

„Jawohl. Sie hat bestätigt, dass sie und Fasano nur über die sexuelle Misshandlung gesprochen haben.“

Ich war derjenige gewesen, der das medizinische Personal informierte, wie wichtig es war, dass nichts an die Presse durchgestochen wurde. Angesichts der HIPAA-Gesetze, die sie daran hinderten, über irgendetwas zu sprechen, was mit Maisies medizinischem Zustand zu tun hatte, erwartete ich ihre absolute Einhaltung der Anweisung.

Ehe ich etwas dazu sagen konnte, erhielt ich den Alarmton einer eingehenden Dringlichkeitsnachricht.

„Ich ruf dich zurück“, sagte Ranger, der offensichtlich den gleichen Alarmton bekam.

Die Nachricht war von Onyx. Es war gerade eine weitere mutmaßliche Entführung gemeldet worden, diesmal in der Nähe von Long Lake.

2

BRYAR

„Hi, Ryan. Wenn du wieder wegen Agent Jacks’ Verbleib anrufst, kann ich dir nicht helfen.“

„Zuerst einmal ist er kein Agent.“

Ich verdrehte die Augen. Er war mal einer. Und ein verdammt guter, nach allem, was ich von meiner Kontaktperson bei der CIA herausfinden konnte, jemand, der einmal der Assistent von Diesels Chef gewesen war.

„Es gibt eine neue Entwicklung bezüglich Opfer Nummer vier.“

Ich hielt den Atem an und fühlte mich schrecklich, dass ich ihn gerade eben wegen einer Frau dumm angemacht hatte, die vermutlich tot war.

„Sie wurde im selben Vergnügungspark aufgelesen, in dem die anderen vier Opfer gefangen gehalten wurden. Sie wird gerade zu deinem Standort gebracht.“

„Aufgelesen?“ Die Wortwahl erschien seltsam.

„Darauf komme ich noch zurück. Wir haben möglicherweise eine fünfte Entführung.“

Ich legte den Kopf zurück auf das Kissen. Ich hatte nicht geglaubt, dass Maxim Edwards unser Serienmörder war, und eine vierte und fünfte Entführung schienen meine Meinung zu bestätigen. Dass Fasano „aufgelesen“ wurde, verwirrte mich. Was bedeutete das? So sehr ich ihn vorher nicht hatte sehen wollen, hoffte ich jetzt, dass Diesel auf dem Weg hierher war und ich ihn fragen konnte, was er wusste. Ich hoffte auch, dass meine Unterhaltung mit meinem Chef vorbei wäre, ehe er hier ankam.

„Hast du irgendwelche Einzelheiten?“

„Der Anruf über die vermisste Person ging vor ein paar Minuten ein. Ich werde jetzt die Details zusammentragen und informiere dich, wenn ich sie habe.“ Er beendete die Verbindung ohne ein weiteres Wort.

Es dauerte nicht lange, als an die Tür geklopft wurde und Diesel den Kopf hereinstreckte. Ich winkte ihn herein.

„Ich habe gerade eben mit Ryan telefoniert.“ Bildete ich mir das nur ein, oder hatte Diesel gerade verdrießlich das Gesicht verzogen?

„Hat er dir gesagt, dass Fasano aufgefunden wurde?“

„Ja. Er sagte auch, dass es möglicherweise eine fünfte Entführung gab.“

Er zog einen Stuhl herüber und setzte sich. Er sah so gestresst aus, dass ich am liebsten die Hand ausgestreckt und seine Schulter gerieben oder meine Hand auf seine gelegt hätte. Was beides komplett unprofessionell und, wie ich mir sicher war, gleichermaßen unerwünscht wäre.

„Ich weiß nichts über Ms. Fasano, außer dass sie aufgefunden wurde. Wie ist ihr Zustand?“, fragte ich.

„Ich weiß nicht viel mehr als du. Ranger sagte, sie wurde auf dem Hauptweg im Sherman-Park gefunden in so ziemlich dem gleichen Zustand, in dem Maisie war. Bevor er mich weiter informieren konnte, kam die Nachricht über die Long-Lake-Entführung rein.“

„Wieso kommt mir dieser Name bekannt vor?“ Es konnte nicht daran liegen, dass ich irgendwann einmal Zeit im Adirondack State Park verbracht hätte. Ich war für die Ermittlung im Fall eines möglichen Serienkillers zum ersten Mal hier.

„Dort haben Ranger und Maisie geheiratet.“

Ich riss verblüfft die Augen auf. „Derselbe Ort wie die Entführung?“

„Ich habe die Einzelheiten noch nicht, um es genau zu wissen.“

Irgendetwas daran ließ mir keine Ruhe. Maxim Edwards – der Mann, der Maisie Ann Jones entführt hatte – war tot. Ich wusste das aus erster Hand, denn ich war ins Kreuzfeuer des Mafia-Auftragsmordes geraten. Jedenfalls nahmen wir an, dass er höchstwahrscheinlich von der kriminellen Bonanno-Familie in Auftrag gegeben wurde.

Aber zurück dazu, warum es mir keine Ruhe ließ. Maisie hatte eine Verbindung zu Long Lake, da sie und Ranger dort geheiratet hatten. Es gab außerdem eine Verbindung zu dem vierten Opfer, das heute mysteriöserweise „aufgelesen“ wurde. Fasano war eine Psychologin, die sich auf die Unterstützung bei sexueller Misshandlung spezialisiert hatte, und Maisie war ihre Patientin.

Opfer eins bis drei hatten ebenso eine lose Verbindung zu Miss Jones – eigentlich jetzt Mrs. Messick – über ihren Collegeort.

Aber wir hatten Edwards als Verdächtigen in den ersten drei Morden ausgeschlossen. Er hatte Fasano oder das fünfte Opfer nicht entführen können, weil er in Haft war – oder tot, abhängig davon, wann es geschah.

„Alle Rätsel gelöst, Babe?“

Als ich zu ihm aufblickte, zwinkerte er.

„Warum tust du das?“

„Was im Speziellen?“

„Mich Babe nennen.“

Er zuckte mit den Schultern. „Hauptsächlich, weil es dich ärgert.“

„Du hast Schwestern, stimmts?“

Diesel grinste. „Stell keine Fragen und tu so, als würdest du nicht schon die Antworten kennen. Du weißt, dass ich zwei habe, und ich weiß, dass du ein Einzelkind bist. Also warum nervt dich die Babe-Sache so sehr?“

„So hat meine Mutter mich genannt.“ Wir hatten Dossiers übereinander gelesen, also wusste er, dass meine Eltern tot waren.

„Tut mir leid, Bryar. Ich wollte kein Salz in alte Wunden streuen. Ich bin sicher, du vermisst sie.“

„Eigentlich nicht, und ich verabscheue den Spitznamen.“

Er lehnte sich auf dem Stuhl zurück. „Wenn das der Fall ist, bitte ich aufrichtig um Entschuldigung.“

„Du wirst damit aufhören?“

„Das werde ich.“

„Und keine anderen Spitznamen?“

Er beugte sich näher zum Bett vor. „Du warst vorhin tief in Gedanken versunken. Worüber?“

„Ich habe langsam das Gefühl, dass jede dieser Entführungen einen gewissen Grad der Trennung von Miss Jones aufweist.“

„Mrs. Messick“, erinnerte er mich.

„Richtig. Ich muss mir dauernd ihren neuen Namen in Erinnerung rufen. Jedenfalls war es das, worüber ich nachgedacht habe.“

„Ich muss dich etwas fragen.“

„Normalerweise leitest du das nicht mit einer Warnung ein.“

Er lächelte. „Warum hast du gedacht, ich hätte Sex mit Fasano gehabt?“

„Sie hat sich große Mühe gegeben, mich das wissen zu lassen.“

Er öffnete den Mund, schloss ihn und öffnete ihn wieder. „Wann?“

„Wann du Sex mit ihr hattest oder wann sie es mir erzählt hat?“

Er hob eine Augenbraue. „Ich hatte keinen mit ihr, also wann hat sie dir das erzählt?“

„Sie hat mich besucht, lange nachdem ich aus dem Aufwachraum in dieses Zimmer hier verlegt wurde.“

„Bist du sicher?“, fragte er.

„Ja, warum?“

„Weil niemand anders sie gesehen hat, nachdem sie am Tag zuvor von hier weggegangen ist.“

„Bist du sicher?“, gab ich seine Frage zurück.

„Ist eine Krankenschwester oder sonst jemand hereingekommen, während sie hier war?“

„Nein. Sie ist nicht lange geblieben.“

„Worüber habt ihr noch gesprochen?“

„Ich erinnere mich nicht an viel mehr, als dass sie sagte, sie hätte die Nacht mit dir verbracht, musste aber noch mal kurz ins Krankenhaus kommen, weil sie noch etwas tun müsste, was sie vergessen hatte.“

„Hat sie noch mehr gesagt?“

„Dass sie sich beeilen müsste, weil du auf sie wartest, aber du hättest sie erinnert, dass sie mir eine Kopie ihres Berichts über das Opfer Nummer vier bringen sollte, das es, wie wir jetzt wissen, nicht war, da Maisie von jemand anderem gekidnappt wurde – und gerettet.“ Ich legte die Finger auf meine schmerzenden Schläfen. „Aber dann wurde Fasano selbst Nummer vier.“

„Ich war mit Ranger und Maisie im Haus meiner Eltern am Oneida Lake in der Nacht, in der sie angeblich mit mir zusammen war. Es sei denn, sie hat die Tage verwechselt.“

„Es sei denn, sie hat die Tage verwechselt?“ Ich war fassungslos! Warum befragte er mich, nur um dann zuzugeben, dass er mit ihr zusammen gewesen war? „Jetzt sagst du, du hast doch die Nacht mit ihr verbracht?“

„Ich habe mit ihr zu Abend gegessen. Das habe ich gemeint, aber wir haben weder die Nacht miteinander verbracht, noch hatten wir Sex.“ Er sah auf etwas auf seinem Handy. „Sie ist hier.“

„Fasano?“

„Jawohl.“

„Dann machst du dich mal besser auf den Weg.“

„Ich kann noch etwas länger bleiben. Weißt du übrigens, wann du hier rauskommst?“, fragte er.

„Der Arzt wartet noch auf ein weiteres Testergebnis, bevor ich entlassen werden kann.“

„Also … äh, … was wirst du dann machen?“

„Was meinst du?“

„Musst du dich nicht erholen?“

„Ich schätze schon.“ Jetzt, da er das ansprach, hatte ich keine Ahnung, was ich tun würde. In der Hütte des Forstdienstes, in der ich übernachtete, in das Etagenbett zu kommen und wieder hinaus, war schon vor meiner Operation eine Herausforderung gewesen. Ich bezweifelte, dass ich das jetzt schaffen würde. „Vielleicht gibt es ein Zimmer in der Lodge.“

Er schüttelte den Kopf.

Ich hatte keines von ihnen gesehen, aber ich vermutete, dass sie im Gegensatz zu den Hütten Doppel- oder französische Betten hatten. „Ich werde mich nicht von der Ermittlung zurückziehen, wenn es das ist, was du vorschlägst.“

„Warum sollte ich das vorschlagen?“

„Du kriegst es prima hin, mich wissen zu lassen, dass es keine Übernachtungsmöglichkeit für mich gibt.“

„Du solltest wissen, dass Admiral auf dem Weg hierher ist. Er wird wahrscheinlich heute am späten Abend ankommen.“

„Admiral?“ Warum kam mein Chef her?

„Du weißt nicht, wer Pershing Kane ist?“

„Natürlich weiß ich das.“ Das konnte ich an Diesel am wenigsten leiden. Wegen seines irrsinnig hohen Maßes an Intelligenz war er häufig herablassend. „Ich habe mich gefragt, warum er herkommt.“

„Das ist nicht das, was du gesagt hast, du –“

Ich blickte zur Decke hinauf und stöhnte. „Wirst du nicht irgendwo anders gebraucht?“

„Ranger sagte, Admiral hätte erwähnt, er würde dich zurück nach DC begleiten.“

„Warum hat Ranger mit dem Chef meines Chefs gesprochen?“

„Er war auf dem College mein Zimmergenosse.“

„Agent Kane?“

„Ebendieser.“

„Logisch.“ Ich legte den Kopf auf das Kissen. Als könnte ich zu Hause besser zu Kräften kommen als hier. Wenn ich in der Lodge bliebe, würde mich wenigstens jemand finden, wenn ich ohnmächtig würde … oder Schlimmeres. Zu Hause hatte ich nicht einmal eine Katze. „Er wird mich also zwingen zu gehen. Das sagst du doch damit?“

„Du kannst bei mir wohnen.“

Seinem Gesicht nach zu urteilen, war er über sein Angebot genauso erschrocken wie ich. Dann wurde mir klar, dass er es wahrscheinlich nicht ernst meinte.

„Diesel, ich weiß, du hältst das für witzig, aber ich habe wirklich nicht die Energie –“

„Das war kein Scherz.“

„Was? Nein.“ Ich schüttelte den Kopf so heftig, dass mir ein bisschen schwindelig wurde. „Ausgeschlossen.“

„Hör mal, ich weiß etwas über den Transport an dem Tag, was du nicht weißt.“

Ich verschränkte die Arme. Hatte er von dem möglichen Auftragsmord gewusst und uns nicht gewarnt?

Er lehnte sich auf dem Stuhl zurück und sah zur Decke hinauf, wie ich es getan hatte. „Ich sollte in dem Team sein. Ranger hat mich abgezogen, um stattdessen Maisie und ihn zu fahren.“

Ich nickte langsam. Jetzt verstand ich es. „Schuldgefühle. Lass sie los.“

„Ich sage damit nur, dass, wenn ich da gewesen wäre, vielleicht ich in die Schusslinie gekommen wäre, und du wärst nicht angeschossen worden.“

„Vielleicht wärst du das auch nicht.“

„Wie auch immer. Du hast zwei Möglichkeiten. Du kannst bei mir im Camp wohnen, das ich gemietet habe und in dem es drei Schlafzimmer gibt, oder du kannst mit Admiral nach Hause fahren. Ich bin sicher, dass er jemand anderen hat, den er der Ermittlung zuteilen kann.“

„Es ist schon jemand vorrübergehend dem Fall zugeteilt worden – Ryan. Ganz abgesehen davon, dass ich mehr als zwei Möglichkeiten habe, und ich werde nicht bei dir wohnen.“

„Wir sprechen später noch einmal darüber.“ Diesel stand auf und ging hinaus, vermutlich, um nach der Frau zu sehen, die mir erzählt hatte, sie hätten Sex gehabt, auch wenn er sagte, dass sie keinen hatten.

Ich schloss die Augen und lehnte mich gegen das Kissen. Mein Kopf brachte mich um, und ich bezweifelte, dass das etwas mit den Nachwirkungen der Operation zu tun hatte.

Die Stellung, in der mein Körper lag, führte dazu, dass mir der Rücken wehtat, aber wenn ich versuchte, mich auf die eine oder andere Seite zu legen, war der Schmerz in meinem Bauch unerträglich. Ein Teil von mir hoffte, dass die Testergebnisse zeigen würden, dass ich noch eine weitere Nacht im Krankenhaus verbringen müsste. Wenigstens gab es hier intravenöse Schmerzmittel.

Einige Minuten später kam eine Krankenschwester mit einer Spritze auf einem Tablett durch die Tür. „Sie sehen so aus, als könnten Sie die hier gebrauchen“, sagte sie, während sie die verschiedenen Apparate kontrollierte, die an meinen Körper angeschlossen waren.

„Haben Sie schon etwas vom Arzt gehört?“, fragte ich.

„Ja. Er sagte, dass Sie noch eine Nacht bei uns bleiben werden. Er wird wahrscheinlich in ein paar Minuten hereinkommen, um mit Ihnen zu sprechen.“ Sie reinigte den Venenkatheter mit einem Tupfer und drückte den Kolben, um das Medikament in meinen Organismus zu spritzen.

Ich schloss wieder die Augen und wartete, dass glückseliger Schlaf mich forttragen würde. Leider tat er das nicht. Wie jedes Mal, wenn ich meinen Verstand zur Ruhe bringen wollte, spielte er wieder die Szene ab, als ich angeschossen wurde und zwei weitere ihr Leben verloren. Der eine war der Mann, der in FBI-Gewahrsam war – Maxim Edwards. Der andere war einer der Agenten, den die CIA hergeschickt hatte, um bei der Ermittlung zu helfen. Nach allem, was ich gehört hatte, war er ein Familienmensch gewesen, verheiratet, zwei Kinder. Sein Tod brach mir das Herz.

Während wir den Schützen nicht identifiziert hatten, außer dass es höchstwahrscheinlich ein Auftragsmörder der Mafia war, war die wichtigere Unbekannte, wer die Einzelheiten von Edwards’ Transport verraten hatte. Es würde mich überhaupt nicht überraschen, wenn das einer der Gründe war, weshalb Agent Kane hier war.

Als ich an diesem Tag flüchtig sah, wie jemand eine Waffe hob, war mein erster Instinkt, Edwards zu Boden zu werfen. Aber ich war nicht schnell genug. So wie mein Körper verdreht war, war meine Bauchgegend ungeschützt, als die Kugel einschlug. Hätte ich gestanden und der Schuss hätte die gleiche Stelle getroffen, hätte meine schusssichere Weste mich geschützt.

Der Schütze konnte noch eine weitere Patrone abfeuern, die ihr Ziel traf. Edwards war durch einen Schuss in den Kopf getötet worden. Ein paar Zentimeter nach links, und es wäre stattdessen meiner gewesen.

Als die Wirkung des Schmerzmittels endlich genügend einsetzte, dass ich schlafen konnte, kamen die Albträume. In ihnen spürte ich, wie die Kugel meinen Schädel traf und ich schreckte zitternd aus dem Schlaf auf.

Ich wusste aus Erfahrung, dass ich jemand finden musste, mit dem ich über meinen klaren Fall von posttraumatischer Belastungsstörung sprechen konnte, oder die Albträume würden nie aufhören.

Vielleicht kannte Diesel jemand. Ich schüttelte den Kopf. Warum war er die erste Person, an die ich dachte? Jemand aus meinem eigenen Team würde mir helfen, nicht er oder jemand von seinem.

Es fiel mir zunehmend schwerer, mich vom Einschlafen abzuhalten, also gab ich auf und hasste es, dass mein Hirn mich bald geradewegs zurück in das Grauen bringen würde, das ich an diesem Tag zu spüren bekommen hatte.

3

DIESEL

Ich stand direkt vor der Untersuchungsnische der Notaufnahme und hörte zu, als Patricia Fasano den örtlichen Polizeibeamten über ihre Entführung, die Zeit in Gefangenschaft und ihr Entkommen berichtete.

Entweder war sie auf die gleiche Weise wie Maisie unter Drogen gesetzt worden, die noch immer in ihrem Organismus waren und dazu führten, dass sie sich in einer Weise an Dinge erinnerte, wie sie so nie hatten geschehen können, oder sie log. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass es Letzteres war.

Aber warum? Und warum hatte sie Bryar besucht und versucht, sie glauben zu lassen, dass sie und ich Sex hatten? Nichts davon ergab einen Sinn.

Ich ging einige Schritte zur Seite, als ich sah, dass derselbe Arzt, der Maisie behandelt hatte, in meine Richtung kam. Wie ich vermutet hatte, ging er in die Nische, in der Fasano befragt wurde.

Als die Jungs, die sie befragt hatten, herauskamen und mich bemerkten, zeigte ich auf einen von ihnen und deutete dorthin, wo er sich aufhalten sollte. Ich wollte, dass er das Gespräch zwischen dem Arzt und ihr mithört. Dem anderen bedeutete ich mit einer Kopfbewegung mit mir zu kommen und führte ihn aus der Notaufnahme.

„Wie viel davon haben Sie gehört?“, fragte der Beamte.

„Genug, um zu wissen, dass es nicht zusammenpasst.“

„Haben Sie gehört, dass sie sagte, sie sei nicht sexuell misshandelt worden?“

„Nein, habe ich nicht“, antwortete ich.

„Wir bereiteten gerade die Befragung vor, da platzte sie damit heraus. Erschien seltsam.“

Durchweg alles hieran erschien „seltsam“.

Für den Augenblick mussten wir abwarten, bis das Ergebnis des Drogentests zurückkam. Ich hatte keinen Zweifel daran, dass der Arzt irgendeine Untersuchung durchführen würde, um festzustellen, ob sie die Wahrheit sagte, nicht vergewaltigt worden zu sein. Wenn es einen Beweis gab, dass sie unter Drogen gesetzt worden war, dann wäre mein Bauchgefühl, dass sie log, falsch – zumindest teilweise.

Statt dass es mich reizte, wieder zurück nach drinnen zu gehen, um das Gespräch zwischen dem Arzt und Fasano zu belauschen, war ich begieriger darauf, wieder hinauf zu Agent Davies zu kommen.

Dieses Maß an Schuld, nicht Teil einer Operation gewesen zu sein, bei der andere verletzt wurden oder gestorben waren, hatte ich noch nie empfunden. Natürlich fühlte ich mich schlecht dabei, aber das hier war etwas anderes. Vielleicht lag es daran, dass sie eine Frau war, obwohl ich mit vielen zusammengearbeitet hatte, die mir haushoch überlegen waren. Vielleicht lag es daran, dass sie so jung wirkte.

Ich kehrte zur Notaufnahme zurück, weil ich wusste, ich musste reingehen und Fasano selbst befragen, aber mir graute davor. Als ich meinen Kollegen Garrison Cassidy sah – Deckname Cowboy – der vor der Nische stand, brachte mich das auf eine Idee.

„Wer ist mit ihr da drin?“, fragte ich mit leiser Stimme.

„Der Arzt und die Krankenschwester.“

Ich nickte ihm zu und er folgte mir ein paar Schritte weit weg.

„Ich werde darum bitten, dass du die Leitung hierbei übernimmst. Ist das für dich okay?“

„Ist schon passiert. Ranger hat mich zugewiesen. Sagte, wenn ich dich sehe, soll ich dir Bescheid sagen, dass du dich mit ihm in Verbindung setzt.“

Ich atmete erleichtert aus und bedankte mich im Stillen bei Ranger. „Verstanden. Danke, Mann.“

Cowboy tippte an seine Hutkrempe. „Gern geschehen, Sir.“

Während ich offiziell keinen höheren Rang hatte, als er, war es inoffiziell so. Ranger war Zweiter in der Hierarchie, und da er und ich jahrelang Partner bei Operationen waren, war ich de facto Dritter.

„Nach unserer Unterhaltung mit Fasano, gehe ich wieder rauf und sehe nach Agent Davies.“

„Verstanden.“

Als die beiden, die bei der Psychologin waren, die Nische verließen, gingen Cowboy und ich hinein. Es ärgerte mich, als Fasano lächelte, als sie mich sah.

„Hi, Diesel“, sagte sie und rutschte hinauf, damit sie aufrechter saß.

„Haben Sie schon Agent Cassidy kennengelernt?“ Wir waren keine wirklichen Agenten mehr, aber sie sollte verstehen, dass er und ich in offizieller Funktion hier waren.

„Hallo.“ Ihre Augen gingen kurz in seine Richtung, aber ihr Blick kehrte zu mir zurück.

„Ich bin sicher, Sie sind es leid, Fragen zu beantworten, deshalb wird Cowboy hier Ihre Aussage später aufnehmen.“

„Nicht Sie?“

„Nein, er wird der Leiter für diesen Teil der Ermittlung sein.“

Diese Neuigkeit ließ sie wieder lächeln. „Jedenfalls bin ich so froh, dass Sie hier sind.“ Sie streckte die Hand aus, als erwartete sie, dass ich sie ergreifen würde.

„Ich muss gehen, aber wie ich sagte, wird Cowboy von hier an übernehmen.“

Ihre Augen wurden groß. „Gehen? Wann werden Sie zurück sein?“

„Das weiß ich noch nicht genau.“ Ich hätte ihr wahrscheinlich sagen sollen, dass ich nicht zurückkommen würde. Es bestand immer noch die Möglichkeit, dass mein Bauchgefühl falsch lag und sie nicht darüber log, was mit ihr passiert war, und in diesem Fall wollte ich nicht als gefühllos rüberkommen. Allerdings wollte ich auf Abstand bleiben, angesichts dessen, dass sie Bryar getäuscht hatte und ich nicht den Grund für ihren Winkelzug kannte.

Als ich an ihrem Zimmer ankam, schlief Bryar. Verdammt, sie sah sogar noch jünger aus, als sie war. Und trotzdem musste ich Gedanken, nackt neben ihr aufzuwachen, aus meinem Kopf verdrängen. Ich musste mich wirklich mal flachlegen lassen. Seit wann war ich so beeindruckt, dass ich meine Libido nicht mehr in Schach halten konnte? Interessant, dass Patricia Fasano nie diese Wirkung auf mich gehabt hatte.

Bryar hat gesagt, dass sie es hasste, Babe genannt zu werden, aber die Wahrheit war, so hatte meine Mutter meine Schwestern und mich genannt, deshalb betrachtete ich es als absolutes Kosewort.

Ihr Haar war auf dem Kissen ausgebreitet, offen, wie es vorhin gewesen war. Bevor sie angeschossen wurde, hatte ich sie nie so gesehen. Sie hatte es immer in einem „vorschriftsmäßigen“ Knoten getragen.

Während ich es vorher braun genannt hätte, konnte ich jetzt sehen, dass es größtenteils blond war. Und wellig. Die Sorte Haare, durch die ich liebend gern mit meinen Fingern gefahren wäre.

Im Schlaf wirkte ihr Gesicht, das normalerweise so ausdrucksvoll war, friedlich. Ich hätte gesagt, dass ich sie selten so gesehen hatte, aber bei dem Horror, in dem wir ermittelten, wie könnte sie da im Frieden sein?

Bryar wachte mit einem Ruck auf und blickte sich im Zimmer um, als wüsste sie nicht, wo sie war.

„Hi“, sagte sie in einem Tonfall, der wohl von Schmerzmitteln beeinflusst war, als ihr Blick auf mir landete.

„Hey.“ Ich stand auf und ging hinüber zu ihrem Bett. Als ich nah genug dort war, strich ich ihr die Haare aus dem Gesicht. Sie musterte mich.

„Diesel?“

„Schh“, flüsterte ich und wünschte mir, der Moment, den wir gerade hatten, müsste nicht enden. Wir würden schon bald genug zurück sein zu Agentin und Geheimagent, Ermittlern und Kollegen. Für den Augenblick sollte sie Bryar sein, eine Frau, die ich vermutlich auf ein Date ausgeführt hätte, wenn wir uns unter anderen Umständen kennengelernt hätten.

„Hast du Fasano gesehen?“

„Habe ich, aber es wurde jemand anderer zugeteilt, um sie zu befragen.“

Sie nickte. „Befangenheit?“

„Das nehme ich an. Allerdings nicht so, wie du andeutest. Sie öffnet sich Cowboy gegenüber möglicherweise auf eine Art, wie sie es bei mir nicht tun würde. Er kann ihr ‚Freund‘ sein. Ich nicht.“

„Weil du Sex mit ihr hattest?“

Ich widerstand dem Drang, in Bryars Nase zu zwicken. „Du weißt, dass ich keinen mit ihr hatte.“

„Woher weiß ich das?“

„Weil du merkst, wenn ich lüge.“

Sie schloss die Augen und machte es sich mit einem Seufzen auf dem Kissen bequem, das mich dazu brachte, mich neben sie kuscheln zu wollen.

„Schlaf jetzt ein bisschen, Süße.“

„Sie behalten mich eine weitere Nacht hier.“

Egoistischerweise tat es mir leid, das zu hören. Seitdem ich mit dem Angebot herausgeplatzt war, dass sie bei mir wohnen könnte, musste ich feststellen, dass ich Bryar mit zu dem Camp nehmen wollte, von dem ich anfing, es als meines zu sehen, wollte ein Feuer machen, sie in eine Decke wickeln und ihr eine Tasse heiße Schokolade bringen.

Als sie die Augen öffnete, erwischte sie mich beim Starren. „Was?“

„Ich wünschte, ich könnte dich hier rausbringen.“

„Ach ja? Hast du intravenöse Schmerzmittel in deiner Hütte?“

Ich lachte. „Wir nennen diese Häuser hier Camps, und mir sind sämtliche intravenösen Pharmazeutika ausgegangen.“

„Da, siehst du, warum sollte ich mit dir nach Hause gehen wollen?“

Ich streckte die Hand aus und strich ihr die Haare aus der Stirn, wie ich es zuvor getan hatte, aber diesmal streichelte ich immer weiter leicht über ihre blonden Locken.

„Das fühlt sich so gut an.“ Sie zog sich die Decke bis zum Kinn herauf und vergrub sich in das Kissen. „Vielleicht würde ich doch noch gern mit dir gehen.“

„Schlaf. Das brauchst du im Augenblick.“

„Gehst du?“

„Noch nicht.“ Ich würde so lange bleiben, wie ich konnte, und den Moment genießen, von dem ich wusste, dass sie sich morgen nicht mehr an ihn erinnern können würde.

„Ich will nicht, dass du gehst.“