Naughtons Geheimnis - Heather Slade - E-Book

Naughtons Geheimnis E-Book

Heather Slade

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Beschreibung

In den sonnendurchfluteten Hügeln Kaliforniens blüht die Liebe inmitten von Familiengeheimnissen und heraufziehenden Bedrohungen. Kann Naughtons und Bradleys neu gefundener Bund die Ernte der Wahrheit überstehen?

NAUGHTON Ich habe mein Leben der Butler Ranch gewidmet, aber Liebe? Das ist unbekanntes Terrain. Als Bradley St. John in unser Leben spaziert kam, wusste ich, dass sie etwas Besonderes war. Aber als unsere Lebensgrundlage bedroht wird und Familiengeheimnisse zum Vorschein kommen, sehe ich mich Herausforderungen gegenüber, die komplexer sind als alle, die ich kannte. Bradleys Präsenz ist fesselnd, aber kann ich meinem Herzen vertrauen, wenn die Gefahr an jeder Ecke lauert? Während ich mich durch die sonnendurchfluteten Hügel von Paso Robles laviere, bin ich fest entschlossen zu beweisen, dass mancher Bund die rauesten Stürme überstehen kann. Aber werde ich den Mut haben, meine Ängste zu überwinden und eine Zukunft mit ihr aufzubauen? BRADLEY Ich dachte, ich hätte mein Leben im Griff – ein vertrauter Berufsweg und eine Beziehung, so bequem wie ein alter Pulli. Aber als ich eine Stelle auf der Butler Ranch annahm, eröffneten sich mir Möglichkeiten, die ich mir nie hätte vorstellen können. Naughton Butler ist ein Rätsel, eine Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit, von der ich mehr haben will. Als ich daran arbeite, mich in meiner neuen Rolle zu etablieren, kollidieren meine Vergangenheit und meine Zukunft auf unerwartete Weise. Angesichts sich häufender Bedrohungen und eines Ex-Freunds, dessen Motive zunehmend fragwürdiger werden, kann ich da der unbestreitbaren Anziehung, die Naughton auf mich ausübt, vertrauen? In einer Welt, in der Loyalität an erster Stelle steht, muss ich entscheiden, ob unsere Liebe bereit ist aufzublühen oder ob sie mehr Zeit braucht, um zu wachsen. Auch wenn jedes Buch der Butler-Ranch-Reihe ein Paar mit einem garantierten Happy End vorstellt, könnte es mehr Spaß machen, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

PUBLISHER: TEKTIME

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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NAUGHTONS GEHEIMNIS

BUTLER RANCH

BUCH II

HEATHER SLADE

Übersetzt vonSIMONE METZ

Tektime

OHNE TITEL

Naughtons Geheimnis

Butler Ranch – Band drei

Heather Slade

Copyright © 2024, Heather Slade

Alle Rechte vorbehalten.

Kein Teil dieses Buches darf in jedweder Form oder mit jedweden elektronischen oder mechanischen Mitteln, einschließlich Informationsspeicher- und -abrufsystemen, ohne schriftliche Genehmigung der Autorin wiedergegeben werden, mit Ausnahme von kurzen Zitaten in einer Buchbesprechung.

IN DEN SONNENDURCHFLUTETEN HÜGELN KALIFORNIENS

BLÜHT DIE LIEBE INMITTEN VON FAMILIENGEHEIMNISSEN UND HERAUFZIEHENDEN BEDROHUNGEN.

Kann Naughtons und Bradleys neu gefundener Bund die Ernte der Wahrheit überstehen?

NAUGHTON

Ich habe mein Leben der Butler Ranch gewidmet, aber Liebe? Das ist unbekanntes Terrain. Als Bradley St. John in unser Leben spaziert kam, wusste ich, dass sie etwas Besonderes war. Aber als unsere Lebensgrundlage bedroht wird und Familiengeheimnisse zum Vorschein kommen, sehe ich mich Herausforderungen gegenüber, die komplexer sind als alle, die ich kannte. Bradleys Präsenz ist fesselnd, aber kann ich meinem Herzen vertrauen, wenn die Gefahr an jeder Ecke lauert? Während ich mich durch die sonnendurchfluteten Hügel von Paso Robles laviere, bin ich fest entschlossen zu beweisen, dass mancher Bund die rauesten Stürme überstehen kann. Aber werde ich den Mut haben, meine Ängste zu überwinden und eine Zukunft mit ihr aufzubauen?

BRADLEY

Ich dachte, ich hätte mein Leben im Griff – ein vertrauter Berufsweg und eine Beziehung, so bequem wie ein alter Pulli. Aber als ich eine Stelle auf der Butler Ranch annahm, eröffneten sich mir Möglichkeiten, die ich mir nie hätte vorstellen können. Naughton Butler ist ein Rätsel, eine Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit, von der ich mehr haben will. Als ich daran arbeite, mich in meiner neuen Rolle zu etablieren, kollidieren meine Vergangenheit und meine Zukunft auf unerwartete Weise. Angesichts sich häufender Bedrohungen und eines Ex-Freunds, dessen Motive zunehmend fragwürdiger werden, kann ich da der unbestreitbaren Anziehung, die Naughton auf mich ausübt, vertrauen? In einer Welt, in der Loyalität an erster Stelle steht, muss ich entscheiden, ob unsere Liebe bereit ist aufzublühen oder ob sie mehr Zeit braucht, um zu wachsen.

INHALT

1. Naughton

2. Bradley

3. Naughton

4. Bradley

5. Naughton

6. Bradley

7. Naughton

8. Bradley

9. Naughton

10. Bradley

11. Naughton

12. Bradley

13. Naughton

14. Bradley

15. Naughton

16. Bradley

17. Naughton

18. Bradley

19. Naughton

20. Bradley

21. Naughton

22. Bradley

23. Naughton

24. Bradley

25. Naughton

26. Bradley

27. Naughton

28. Bradley

29. Naughton

30. Bradley

31. Naughton

32. Bradley

33. Naughton

34. Bradley

35. Naughton

36. Bradley

37. Naughton

38. Bradley

39. Naughton

40. Naughton

Mercers Schwur

Quinn

Über die Autorin

Bücher von Heather Slade

1

NAUGHTON

„Wer sind Sie?“, fragte Naughton die Frau, die er entdeckt hatte, als sie über das Weingut der Butler Ranch wanderte. „Auf dem Schild steht, dass hier nur das Personal Zutritt hat.“

Er sah an ihr hinauf und hinunter und nahm in sich auf, wie sich das enge, ärmellose Kleid an ihren festen, üppig gebauten Körper schmiegte und wie es gerade bis zu den Knien ihrer megalangen Beine reichte, die in knöchelhohen Wildlederstiefeln verschwanden.

„Sie müssen Naughton sein.“ Die Frau kam heran und streckte ihm die Hand zur Begrüßung hin.

Naughton verschränkte stattdessen die Arme. „Ich habe Ihnen eine Frage gestellt. Wer sind Sie?“

Sie senkte die Hand und sah ihn missmutig an. „Ich bin Ihr Drei-Uhr-Termin.“ Sie blickte auf ihre Uhr. „Und Sie sind zwanzig Minuten zu spät.“

Er spürte die Anspannung, die sich in seiner Brust aufbaute, und ballte die Fäuste, um dem sich bildenden Knurren in seiner Kehle entgegenzuwirken.

Sein starrer Blick, den er auf sie richtete, schien sie nicht aus der Fassung zu bringen. Ihre haselnussbraunen Augen, die den gleichen Grünton hatten, wie die Weinblätter auf seinen Weinfeldern, und die mit goldenen Flecken von der Farbe des Paso-Robles-Hangs gesprenkelt waren, blinzelten nicht.

„Haben Sie auch einen Namen, Süße?“

Sie spiegelte seine Haltung wider und verschränkte die Arme. „Bradley St. John, und Sie haben mich erwartet.“

Naughton hätte schwören können, er hatte „Arschloch“ am Ende des Satzes gehört, auch wenn sie das nicht gesagt hatte.

„Sehr witzig. Sind Sie seine Freundin oder so was?“ Wer brachte seine Partnerin mit zu einem Vorstellungsgespräch? Nie im Leben würde dieser Typ den Job bekommen.

„Sie müssen schwerhörig sein. Ich bin Bradley St. John. Ich. Die Frau, die gerade vor Ihnen steht.“

Da war es wieder. Sie hatte es nicht ausgesprochen, aber Naughton hatte eindeutig wieder „Arschloch“ am Ende des Satzes gehört.

„Ach ja?“ Er grinste. Das würde ja gut werden. Er beneidete diesen Bradley-Typen. Nicht nur dass seine Frau irre hübsch war, mit so einem Körper, von dem sein vierzehnjähriges Ich viele Nächte lang geträumt hatte, sondern sie war auch noch witzig. „Kommen Sie, erzählen Sie’s mir. Wo versteckt er sich?“

Statt zu antworten, machte die Frau auf dem Absatz ihrer Stiefel kehrt und spazierte zum Tor des Weinguts hinaus. Naughton sah ihr hinterher und befahl seinen Füßen, sich nicht vom Fleck zu rühren, damit er nicht noch etwas Dummes tat, wie ihr hinterherzugehen.

„Warte!“, hörte Naughton seinen Bruder Maddox rufen, als er hinter ihr herrannte. „Wo gehst du hin?“

Naughton stellte sich neben Mad und sah zu, wie die Frau, mit der er gesprochen hatte, in einen anscheinend komplett restaurierten Ford F100 Ranger aus den frühen Siebzigern stieg.

„Was hast du zu ihr gesagt?“, fragte Maddox, während er dem Fahrzeugheck des grün-weißen Trucks hinterhersah, wie er die Hauptzufahrt der Ranch entlangraste.

„Ich habe sie gefragt, wo sich ihr Freund versteckt.“

Maddox blieb der Mund offen stehen. „Was ist das denn für eine Frage für ein Vorstellungsgespräch?“

„Eine, die jemand stellt, wenn er nach der Person sucht, mit der er eigentlich ein Einstellungsgespräch führen wollte. Wo zum Teufel steckt der denn jetzt?“, fragte Naughton.

Sein Bruder legte den Kopf schräg. „Wo ist wer?“

„Himmel, Maddox, versuch, mir zu folgen. Bradley St. John!“

„Das war Bradley St. John, Arschloch.“

Naughton hatte sich vielleicht eingebildet, dass die Frau, von der Maddox behauptete, sie wäre ein Typ namens Bradley, ihn ein Arschloch genannt hatte, aber bei seinem Bruder war es keine Einbildung.

„Ich meine es ernst, Naught. Das war Bradley.“

„Diese Frau war Bradley?“ Naughton grinste.

Maddox ging weg.

„Wo gehst du hin?“

„Zusehen, dass ich sie ausfindig mache, um zu betteln, dass sie dir noch eine Chance gibt. Du hast die heißeste, aufstrebende Winzerin an der kalifornischen Zentralküste stinksauer gemacht. Eine, bei der wir verdammtes Glück hätten, wenn sie für uns arbeitet. Sie hat die Weinherstellung von klein auf von ihrem Onkel gelernt, der zufälligerweise Charlie Jenson ist.“

Mit einem hatte Mad recht – die Frau war heiß. Ob sie Wein herstellen konnte oder nicht, musste sich noch herausstellen. Aber dass sie Jensons Nichte war, bedeutete schon etwas. Er war eine Legende in Paso Robles.

„Jetzt komm“, brüllte Maddox ihm zu.

„Wohin?“

„Du wirst mit mir kommen, Knallkopf, und du wirst sie auf Knien und Händen um ihre Vergebung anbetteln, wenn es sein muss.“

„Ich werde mich auf gar keinen Fall bei ihr entschuldigen.“

Maddox schüttelte den Kopf und öffnete die Tür seines Trucks. „Doch, das wirst du. Außerdem betest du lieber mal, dass sie deine Entschuldigung annimmt und mit uns zur Ranch zurückkommt.“

Naughton zuckte mit den Schultern.

„In ungefähr einem Monat wirst du deine miese Einstellung überdenken, Naught. Dann wirst du dir so was von wünschen, du hättest Bradley nicht stinkwütend gemacht, weil du dann bei der Ernte ganz allein auf dich gestellt sein wirst.“

Naughton verdrehte die Augen, was von Maddox nicht unbemerkt blieb.

„Ich schwör dir, Naught. Entweder stellen wir sie ein, oder wir stellen niemand ein. Es gibt niemand, die oder der auch nur annähernd gut genug gewesen wäre, und sie übertrifft das bei Weitem. Gott, du bist so ein Arschloch.“

Diese Bezeichnung kam seinem Bruder heute ein wenig zu leicht über die Lippen, und allmählich machte ihn das stinksauer.

2

BRADLEY

Maddox hatte sie gewarnt, dass Naughton grob sein konnte. Er hatte sie jedoch nicht gewarnt, dass er ein arrogantes, sexistisches Arschloch war.

Bradley war es gewohnt, dass die Leute bei ihrem Namen überrascht waren, aber nicht, dass jemand darauf bestand, sie würde bei ihm lügen.

„Warum bist du schon wieder so früh zurück?“, fragte ihr Onkel.

„Naughton Butler ist ein … Blödmann.“ Es gab noch hundert andere Bezeichnungen, die ihr für ihn einfielen, aber ihre Tante Jean und ihr Onkel Charlie waren immer gut zu ihr gewesen. Selbst wenn Naughton ein Ekelpaket war, würde sie ihnen gegenüber nicht respektlos sein.

Ihr Onkel lachte. „Da hast du recht.“

„Was ist passiert, Schätzchen?“, fragte ihre Tante.

„Er wollte wissen, wo ich meinen Freund verstecke.“

„Wie seltsam.“

„Er wollte nicht glauben, dass ich Bradley St. John bin. Anscheinend war es das Letzte, womit er gerechnet hat, dass sich eine Frau für die Leitung der Weinkellerei bewirbt.“

Ihr Onkel schmunzelte und deutete zur Straße. „Da kommt Maddox gerade und es sieht so aus, als wäre er nicht allein.“

„Ich bin dann mal drinnen.“

„Bradley.“

Das war alles, was nötig war – wenn Tante Jean ihren Namen so sagte, erinnerte Bradley das an ihre Mom. „Okay“, murmelte sie und blieb, wo sie war.

Naughton stieg als Erster aus dem Truck. Er nickte ihrer Tante und ihrem Onkel zu und kam mit ausgestreckter Hand auf sie zu. Statt sie zu schütteln, verschränkte Bradley die Arme.

„Warum sind Sie hier?“, fragte sie.

„Ich schulde dir eine Entschuldigung“, sagte er leise genug, dass nur sie ihn verstehen konnte.

Bradley trat einen Schritt zurück. Naughton sah ein wenig zu atemberaubend gut aus, um so nah bei ihm zu stehen. „Nette Entschuldigung. Moment, du hast dich ja eigentlich gar nicht entschuldigt, stimmt’s?“ Sie grinste.

„Es tut mir leid, Bradley“, flüsterte er und trat noch einen Schritt vor.

Gott, seine Stimme. Es war nicht nur sein steinharter Körper, sondern auch der raue Klang, wenn er sprach, war einfach nur extrem sexy.

„Vergibst du mir?“

Sie hatte sich nicht gerührt, aber Naughton schon. Der Schritt vorwärts hatte ihn nah genug herangebracht, dass sie die Weinfelder an ihm riechen konnte. Sie atmete ein und schloss die Augen. Die Reben hatten einen bestimmten Duft, der sich in der Kleidung von jemandem hielt, der den ganzen Tag bei ihnen verbrachte. Es war wie der Geruch von Lagerfeuer für diejenigen, die es liebten zu zelten.

„Bradley, ich habe dir eine Frage gestellt.“ Es kam wie ein Knurren heraus – ein verdammt sexy Knurren.

„Ja“, murmelte sie. Warum hatte die Kampfeslust, die gerade noch in ihr war, sie verlassen?

„Können wir noch mal von vorn anfangen?“

Sie nickte, noch immer unfähig, ihre Stimme wiederzufinden.

„Gut. Wie wäre es, wenn wir einen kleinen Spaziergang machen?“

Statt sich umzudrehen, ging Naughton vorwärts, und Bradley folgte ihm.

„Mad sagt, du bist der neue Rockstar.“

„Das hat er gesagt?“

„Nein, aber ich dachte mir, du könntest es falsch auffassen, wenn ich dir erzähle, dass er dich die heißeste Winzerin an der Zentralküste genannt hat.“

Bradley lächelte. Wenigstens bemühte er sich, nett zu sein, wie verfehlt sein Versuch auch sein mochte. „Das Verdienst, für alles, was ich weiß, schreibe ich meinem Onkel zu.“

„Wo hast du studiert?“

„An der Cornell.“

Naughton zog eine Braue hoch.

„Mein Vater lebt an der Ostküste.“

Er nickte. „Und deine Mutter?“

„Sie starb, als ich zwölf war.“

„Ich verstehe. Es tut mir leid, dass ich gefragt habe.“

„Jean ist die Schwester meiner Mutter.“

„Warum hat sie dich Bradley genannt?“

Interessant, dass Naughton fragte, warum ihre Mutter sie Bradley genannt hatte, statt ihr Vater oder ihre Eltern.

„Es war ihr Mädchenname.“

„Keine Brüder?“

„Keine Geschwister.“

„Er gefällt mir.“

„Was? Mein Name?“

„Ja.“

Sie gingen schweigend weiter über die Weinfelder ihres Onkels, diejenigen, über die sie seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr jeden Sommer gegangen war.

„Was hältst du von den Butler-Ranch-Weinen?“

Bradley blickte in die Ferne. „Sie sind gut …“

„Aber nicht so gut wie die deines Onkels.“

3

NAUGHTON

Bradley lächelte. Es war das zweite Mal, dass er sie das hatte tun sehen, seit sie losgegangen waren.

Er wusste, was sie mit „gut“ meinte. Die Weine, die Maddox machte, waren das. Sie waren außerdem das, was man als „oldschool“ bezeichnete.

Charlie Jenson war dahingegen innovativ in der Weinherstellung und probierte stets neue Rebsorten oder einen anderen Dreh bei alten Verschnitten oder Techniken aus. Naughton beneidete ihn um diese Art von Freiheit. Genau das hatten Maddox und er auf Demetria vor.

Als sie ein paar Schritte vor ihm herging, blieb Naughton stehen und beobachtete sie. Während sie ging, fuhr sie mit der Hand durch die Reihen der Rebstöcke, wobei sie die Blätter und Trauben kaum berührte, doch wenn man genau hinsah – und das tat er –, erkannte man, dass ihre Fingerspitzen über die Oberflächen von beiden glitten, als würden sie Informationen einsaugen, die die Weinstöcke in sich trugen.

„Bald“, murmelte sie, als sie die Sauvignon-Blanc-Trauben erreichte. Er bezweifelte, dass ihr bewusst war, dass sie es laut ausgesprochen hatte.

„Noch mindestens drei Wochen“, antwortete er.

Er erhaschte ihr Grinsen, als sie über die Schulter sah und erwiderte: „Zwei. Höchstens.“

„Sollen wir wetten?“

„Wann Onkel Charlie ernten wird?“

Naughton nickte.

„Sicher. Worum wetten wir?“

„Was willst du haben, Bradley?“

Sie wandte den Blick ab, aber vorher sah er, dass ihre Wangen rosa geworden waren. „Darüber muss ich erst noch nachdenken.“

„Wie alt bist du?“

Sie schüttelte den Kopf. „Du solltest nicht nach meinem Alter fragen.“

„Warum nicht?“

„Weil das illegal ist.“

„Ich bin nicht derjenige, der dich einstellt.“

„Warum war dann mein Einstellungsgespräch mit dir angesetzt?“

„Um festzustellen, ob ich dich mag.“

Sie lächelte wieder, fragte aber nicht, ob er sie mochte oder nicht.

„Wann hast du dein Diplom gemacht?“

Sie ging weiter. „Wann hast du dein Diplom gemacht?“

„Vor langer Zeit. Jahre, bevor du deins gemacht hast, würde ich schätzen.“

„Im Mai“, antwortete sie.

„Master?“

„Doppelmaster. Önologie und Vitikultur.“

Naughton war verblüfft. Sogar Maddox war nicht so weit gegangen. Mad hatte seinen Master in Önologie, der Wissenschaft der Weinherstellung. Naughton hatte seinen Master in Vitikultur, der Wissenschaft des Weinbaus. Bradley hatte beide.

„Wo hast du gearbeitet?“

„Bei ein paar Weingütern in der Finger-Lakes-Region und natürlich bei meinem Onkel.“

„Warum willst du von hier weggehen?“, hakte er nach.

„Das will ich nicht, oder ich wollte nicht. Maddox kam zu mir und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die Stelle anzunehmen.“

Interessant. „Wann fängst du an?“

„Nächste Woche.“

„Maddox hat dir die Stelle bereits angeboten?“

Bradley nickte.

Sie gingen zum Rand des Weinfelds, das nicht weit vom Adelaida Trail entfernt lag, der Straße, die Jenson Vineyards von der Grenze der Butler Ranch trennte.

„Wunderschön“, murmelte sie.

Da war er ihrer Meinung.

„Wo gehst du hin?“, fragte sie, als er ein Bein über den Zickzackzaun schwang.

„Nach Hause. Wir sehen uns nächste Woche, Bradley St. John.“

Maddox’ Handy pingte und er zog es aus seiner Tasche.

„Ich habe vergessen, dir zu erzählen, dass Alex ein Treffen der Weingütergemeinschaft einberufen hat“, sagte er zu Naught, nachdem er die Nachricht gelesen hatte.

„Wann?“

„Nächsten Donnerstag. Bradley sollte daran teilnehmen“, schlug Maddox vor.

Naughton stimmte ihm zu, nicht nur, weil sie eines Tages eine Vertreterin der Butler Ranch sein würde, sondern auch weil er sie nicht mehr gesehen hatte, seit sie sich kennengelernt hatten, und nicht, weil er es nicht versucht hätte.

Bradley hatte die letzten vier Tage in der Weinkellerei der Butler Ranch mit Maddox verbracht, während Naughton auf den Weinfeldern auf dem Demetria-Anwesen gearbeitet hatte.

Jeden Abend, wenn Naughton zur Butler Ranch zurückkam, war Bradley schon weg. Da er keinen guten Grund hatte, sie aufzusuchen, war er auf die Gnade des Schicksals angewiesen. Bisher war das Schicksal nicht auf seiner Seite gewesen.

„Ich habe heute Nachmittag ein Treffen mit Bradley“, erwähnte Maddox.

„Worum geht’s?“

„Um Ideen zu besprechen, die sie für die Ernte hat.“

Die Ernte? Jetzt ging’s ja wohl los! Ließ Doppelmaster-Bradley jetzt ihre akademischen Muskeln spielen? Sie sollte stattdessen mal lieber das nächste Jahr mit Lernen verbringen, statt zu denken, sie könnte hier angetanzt kommen und Vorschläge für das Weingut machen, auf dem Maddox und er arbeiteten, seit sie Kinder waren.

Außer die Trauben anzunehmen, sobald Naughts Mannschaft sie gepflückt und angeliefert hatte, gab es nichts, wofür er sie dieses Jahr brauchen würde.

Maddox und Naughton gingen die Weinfelder jeden Herbst ab, nahmen Messungen vor und besprachen, wann sie jede Rebsorte ernten würden, aber die endgültige Entscheidung war immer und würde immer Naughtons sein. So war es, seit sich sein Vater zur Ruhe gesetzt hatte.

„Hast du mich gehört?“, fragte Mad.

„Ja. Wie du meinst. Sag mir Bescheid, wann.“

Maddox sah auf sein Handy. „Sie wird in einer Stunde hier sein.“

„Hier? Warum?“ Naught und Mad waren auf Demetria. Warum wollte sein Bruder, dass sie hierherkam statt zur Butler Ranch?

„Damit sie und ich die Weinfelder abgehen können.“

„Warum?“, wiederholte er.

„Man weiß ja nie, vielleicht wird sie die Weinherstellung hier auch übernehmen.“

Nahm Maddox ihn auf die Schippe? „Kommt sie wirklich her, oder verarschst du mich?“

„Sie kommt wirklich.“

Naughton musterte forschend Mads Gesicht, aber sein Bruder ließ sich nichts ansehen.

„Da gibt es noch etwas, worüber ich mit dir sprechen will.“

„Ja?“

„Es geht um Lena Hess.“

Himmel, was jetzt? Das Letzte, worüber Naughton jetzt nachdenken wollte, war das Chaos, das sein Bruder Kade in seinem Kielwasser hinterlassen hatte. Herauszufinden, dass er heimlich mit der Frau verheiratet war, deren Name Maddox gerade genannt hatte, hatte ihn bis ins Mark erschüttert. Nicht nur ihn; es hatte auch Maddox und Brodie so verdammt hart getroffen.

Es war fast zwei Monate her, seit Mad Kades Geheimnis aufgedeckt hatte, und seine Brüder und er hatten noch immer nicht entschieden, wann oder wie sie es ihren Schwestern und ihren Eltern erzählen wollten. Wann immer er Lenas Namen hörte, tauchten sein Schmerz, seine Wut und Fragen wieder auf.

Es war nicht so, als würde Naughton nicht jeden Tag an Kade denken. Wie könnte er auch nicht? Jeder Schritt, den er auf diesem Anwesen machte, erinnerte ihn an seinen Bruder. Eines der letzten Male, bei denen er Kade gesehen hatte, war genau hier auf diesem Land gewesen. Schwer zu glauben, dass das vor achtzehn Monaten war.

* * *

Kade lehnte am Zickzackzaun, als Naughton am Ende der Reihe mit alten Zinfandel-Weinstöcken ankam. „Lass uns eine Fahrt machen.“

Naughton fragte nicht, wohin, weil es ihm egal war. Kade würde in ein paar Tagen zu seinem nächsten Einsatz ausgeflogen werden, und er würde jede Gelegenheit nutzen, die er hatte, Zeit mit ihm zu verbringen.

Sie sprachen nicht viel miteinander, wenn sie zusammen waren; sie mussten das Schweigen nicht mit einer unnötigen Unterhaltung füllen. Das war auch etwas, in dem Naughton seinem ältesten Bruder sehr ähnlich war.

Zuerst dachte Naughton, Kade würde mit ihm zum Moonstone Beach in Cambria fahren, aber als er vom Highway abfuhr und auf die Old Creek Road einbog, war er verdutzt.

Fünfzehn Kilometer später fuhr Kade an einem nicht gekennzeichneten Tor vor und wartete, während die beiden Flügel aufschwangen. Er fuhr hindurch und hielt bei einem Wäldchen an.

„Was ist das?“, fragte Naughton und deutete zu einem Haus, nicht weit von ihnen entfernt.

Kades Antwort war vage gewesen. „Die vorigen Eigentümer haben da gewohnt.“

„Wem gehört es jetzt?“

„Dir.“

* * *

„Wegen Lena …“, begann Maddox.

„Was ist mit ihr?“, fragte Naught.

„Es ist mir nicht gelungen, sie ausfindig zu machen.“

Naughton zuckte mit den Schultern. „Und?“

„Da war noch etwas anderes, das sie verheimlicht hat, ehe sie die Stadt verließ. Hast du irgendeine Idee, was das sein könnte?“

Woher zum Teufel sollte er das wissen, und warum fragte Maddox ihn das überhaupt? Sein Bruder hatte mehr mit Lena zu tun gehabt als er.

Es wurmte ihn noch immer extrem, dass er nicht wusste, wie sein Truck an dem Abend nach Demetria gekommen war, an dem Maddox Lena hier getroffen und sie ihm gesagt hatte, dass sie die Stadt verlassen würde.

Als Maddox ihn zur Rede gestellt und ihn gefragt hatte, warum er an jenem Abend auf Demetria war, hatte Naughton keinen Schimmer gehabt, wovon sein Bruder sprach. Maddox hatte nicht nachgegeben und war mit ihm zum Krankenhausparkplatz gegangen, wo er seinen Truck abgestellt hatte. Wenn es auch nicht eindeutig gewesen war, befand sich genügend frischer Schlamm auf den Reifen, dass Naughton es akzeptierte, als sein Bruder darauf beharrte, dass jemand damit zu Demetria gefahren war und den Truck wieder zur Butler Ranch zurückgebracht hatte, ohne dass er eine Ahnung davon hatte.

Es war allgemein bekannt, dass die meisten Fahrzeuge auf der Ranch unverschlossen blieben und die Schlüssel üblicherweise stecken gelassen wurden. Vertrauen war nie ein Problem gewesen.

Seitdem stellte er seinen Truck nur noch fest verschlossen ab. Außerdem hatte er einen Alarm mit Bewegungsmelder installiert, von dem nur Maddox, sein Vater und er wussten, wie er ausgeschaltet wurde. Auf diese Weise würde der Anlasser blockiert werden, selbst wenn irgendjemand mit einem Schlüssel versuchte, ein Fahrzeug der Ranch zu nehmen, und Naughton würde eine Meldung auf sein Handy bekommen.

Seine Maschine war eine andere Geschichte. Sein Oldtimer-BMW-Motorrad war schon immer abgeschlossen gewesen, und wenn jemand versuchte, es zu nehmen, würde er keine zwei Meter weit damit kommen.

Naughton sah auf sein Handy. „Sie ist zu spät.“

„Bradley? Wir haben keine Zeit ausgemacht. Ich habe ihr gesagt, sie sollte uns eine Stunde Zeit lassen.“

Gerade als Naughton dachte, er könnte sich doch noch vom Acker machen, kam Bradleys grün-weißer Ford-Pick-up durch das Tor gefahren.

Es war an der Zeit, dass sie anfingen, es geschlossen zu halten, damit Naughton die aussondern konnte, die er nicht hereinlassen wollte, nicht dass er Bradley den Zutritt verbieten wollte. Zumindest noch nicht.

„Hör auf damit.“ Maddox stieß ihn an.

„Hör womit auf?“

„So eine finstere Miene zu machen.“

Er machte keine finstere Miene; so war sein Gesicht nun mal. Nichts brachte ihn allerdings schneller dazu, eine finstere Miene zu machen, als wenn ihm jemand sagte, er sollte damit aufhören.

4

BRADLEY

Sie bekam das Bild von Naughton nicht aus dem Kopf, wie er vorhin von ihr weggegangen war. Je weiter er weg war, desto gewölbter hatten seine Schultern ausgesehen. Er hatte beide Hände in seine Taschen gesteckt und war immer weitergegangen.

Es schwirrten viele Gerüchte über die Butler-Familie herum. Der älteste Bruder, Kade, war in Afghanistan im Einsatz gefallen, und es hörte sich so an, als sei die Familie seitdem in Aufregung.

Der jüngste Bruder hatte etwas mit der Frau angefangen, mit der Kade zusammen war, ehe er getötet wurde. Dieser Bruder – sie meinte, sein Name sei Brodie – war beinahe bei einem Flugzeugabsturz in Argentinien ums Leben gekommen. Naughton und Maddox waren diejenigen, die die Absturzstelle gefunden und ihren Bruder nach Hause gebracht hatten. Sie hatte auch gehört, dass die Frau schwanger war und Brodie und sie heiraten würden.

Als Maddox neulich bei Jenson Vineyards vorbeigekommen war, hatte Bradley gedacht, er wäre da, um ihren Onkel zu treffen. Stattdessen wollte er mit ihr sprechen.

Er hatte erklärt, dass Kade Naughton und ihm Land an der Old Creek Road geschenkt hatte. Es hatte zum Hess-Anwesen gehört und sie waren mitten in der Neubepflanzung der Weinfelder. Da er vorhatte, dort zu wohnen und auch ein Erstlabel auf dem Anwesen zu produzieren, suchte Maddox nach einer Assistentin oder einem Assistenten auf der Butler Ranch.

Sein Angebot interessierte sie sehr, nicht nur wegen des Einkommens, das es für die Stelle gab, sondern wegen der anderen Möhre, die er vor ihr hatte baumeln lassen. Wenn sie die Stelle annehmen würde, würde sie innerhalb von drei Jahren Chefwinzerin auf der Butler Ranch werden. Danach würde er sie außerdem zur Winzerin des Zweitlabels auf dem Weingut machen, das Naughton und er Demetria genannt hatten.

Sie hatte hart gearbeitet, um dahin zu kommen, wo sie jetzt war, mit dem Ablegen ihrer Hochschulabschlüsse und so viel von ihrem Onkel zu lernen, wie sie konnte, aber dies war dennoch eine außergewöhnliche Möglichkeit.

„Naughton kann schwierig sein“, hatte er gesagt. „Sobald er deine Fähigkeiten erkennt, wird er sich zurückhalten.“

Die brennende Frage war jetzt, wollte sie, dass er sich zurückhielt?

Auf einem Weingut zu arbeiten, erforderte keine große Garderobe. Jeans, lang- oder kurzärmelige Hemden und Stiefel waren täglicher Standard. Die Tatsache, dass Bradley einen Gedanken daran verschwendete, was sie trug, weil sie Naughton Butler sehen würde, war also blödsinnig.

Ganz zu schweigen davon, dass ihr On-off-Freund während der letzten vier Jahre heute Nachmittag von Napa herfahren würde. Da sie zurzeit „on“ waren, war das Letzte, was sie machen sollte, sich so anzuziehen, dass sie ihren Chef beeindrucken würde, oder den Bruder ihres Chefs, oder was immer er war.

Wären seine Augen nicht gewesen, wäre ihr vielleicht nicht klar gewesen, dass es Naughton war, der Anfang der Woche auf dem Weingut anmarschiert kam und wissen wollte, wer sie war und was sie da zu suchen hatte.

Sie hatten die gleiche stahlblaue Farbe wie Maddox’. Statt dunkelbraun wie bei seinem Bruder waren Naughtons Haare blond, als wären sie von der Sonne ausgebleicht worden, und seine Haut war wettergegerbt von den Tagen, die er auf den Weinfeldern verbrachte. Jeder Muskel seines Körpers war steinhart, doch Bradley bezweifelte, dass er je in einem Fitnessstudio gewesen war. Er hatte sie an jenem Tag dabei ertappt, dass sie ihn betrachtete, aber sie hatte nicht widerstehen können. Sein Hintern füllte seine enge Jeans so perfekt aus, dass es Bradley fast zum Sabbern brachte.

Es war jedoch die Art gewesen, wie sich seine Schultern nach vorn gewölbt hatten, was sie verfolgte. Sie erkannte die Haltung; sie hatte sie oft genug bei ihrem Vater gesehen.

Bei ihm lag es am Stress und an der Traurigkeit, seine Frau, Bradleys Mutter, viel zu jung verloren zu haben. Ein betrunkener Fahrer war für den Autounfall verantwortlich, der ihr das Leben genommen hatte, und nach dieser grauenvollen Nacht schwor ihr Vater rigoros jeglicher Form des Alkohols ab.

Die Tatsache, dass sie für ihre Masterabschlüsse an der Cornell die Hauptfächer Önologie und Vitikultur belegt hatte, führte zu etlichen Auseinandersetzungen zwischen ihnen, aber Bradley weigerte sich nachzugeben.

Die Herstellung von Wein lag ihr im Blut, auch wenn ihr Onkel Charlie kein Blutsverwandter war. Es war, als wäre sie dazu geboren worden, zwischen den Rebstöcken zu laufen. Sie spürte ihre Magie beim ersten Mal, als er sie mit auf die Weinfelder nahm, und jedes Mal danach.

Ihre Mutter hatte sie jeden Juli mitgenommen, wenn sie ihre Schwester besuchte. Während des Sommers gab es nicht viel Arbeit auf dem Weingut, was bedeutete, ihr Onkel hatte Zeit, ihr die unterschiedlichen Rebsorten zu zeigen und ihr beizubringen, wie man feststellt, wann die Reifephase der Trauben einsetzte, wenn sie begannen, die Erntefarbe anzunehmen und die harten Weinbeeren weich wurden. Es gab keine schönere oder farbenfrohere Zeit auf den Weinfeldern.

In dem Sommer, nachdem ihre Mutter gestorben war, hatte Tante Jean Bradleys Vater angebettelt, sie den Juli bei ihnen verbringen zu lassen wie in den sieben Jahren zuvor, aber er weigerte sich. Bradley hatte keinen Aufstand gemacht, sondern stattdessen jeden Tag weinend in ihrem Zimmer verbracht.

Im folgenden Sommer hatte ihr Vater ihrem Besuch in Kalifornien zugestimmt. Statt sie nur den Juli dort verbringen zu lassen, arrangierte er ihren Abflug für kurz nach Schuljahresende und ihren Heimflug für einige Tage, bevor das nächste Halbjahr begann. Danach fiel es ihr immer schwerer, so kurz vor der Lese abzureisen.

Als sie mit dem College begann, wurden die Sommer kürzer, bis sie endlich in der Lage war, es so zu arrangieren, dass sie als Teil ihrer Diplomarbeits-Forschung während des Herbstsemesters auf Jenson Vineyards arbeiten konnte.

Sie liebte alles an der Ernte, sogar das frühe Aufstehen um drei Uhr morgens, um Trauben zu pflücken. Vom Aussortieren der schlechten Früchte von den guten bis zum Unterstoßen des Tresterhuts – Bradley war im Himmel.

Geräte, die aussahen wie riesige Kartoffelstampfer, wurden benutzt, um die festen Bestandteile – Traubenhäute, Kerne, Stiele, Fruchtfleisch – zusammenzudrücken, die während der Gärung an die Oberfläche stiegen. Um die Farbe und den Geschmack so gut wie möglich herauszuziehen, musste der schwimmende Hut alle paar Stunden aufgebrochen und wieder unter den Saft untergetaucht werden. Es war eine langweilige, erschöpfende Arbeit, aber Bradley beklagte sich nie.

Die Belegschaft des Weinguts bewunderte ihre Hingabe und Ausdauer und lud sie bald in ihren engen Kreis der Winzerassistenten, Weingutleiter und gelegentlich der Chefwinzer von anderen Anwesen ein.

Von ihnen wurde ihr alles beigebracht, was sie nicht in einem Hörsaal auf der Cornell hatte lernen können. Sie war mehr als einmal versucht gewesen, das Studium hinzuschmeißen, aber Tante Jean hatte sie überzeugt durchzuhalten.

„Die Jahre vergehen sehr viel schneller, als du denkst“, hatte sie gesagt. „Bleib dran, sieh zu, dass du deine Diplome bekommst, dein Vater wird sich freuen.“

Bradley beherzigte den Rat ihrer Tante, und kurz nachdem sie ihren Abschluss gemacht hatte, gab ihr Onkel ihr eine Stelle. Die war allerdings nicht einmal annähernd so gut wie die, die Maddox ihr angeboten hatte.

Onkel Charlie hatte sie ermutigt, sie anzunehmen. „So lernst du etwas“, hatte er Bradley gesagt. „Arbeite mit so vielen Winzern zusammen, wie du kannst. Lern, wie sich ihr Handwerk von Kellerei zu Kellerei unterscheidet, besonders von Region zu Region.“

Die Paso-Robles-Weinregion hatte viele verschiedene Unterregionen. Das Jenson Vineyards und die Butler Ranch lagen auf der Westseite des Tals, aber nicht so weit westlich wie das Demetria Estate, zu dem sie an diesem Nachmittag hinwollte.

Die Ostseite hatte ihre eigenen Anbaubedingungen, die zu einer früheren Reife und einer früheren Ernte führte. Daraus wie weit nördlich oder südlich die Weingüter und Kellereien lagen, ergaben sich zusätzliche Variablen. Bradley könnte den größten Teil ihrer Karriere in Paso Robles verbringen und würde niemals aufhören zu lernen.

„Bradley“, rief ihre Tante die Treppe herauf. „Musst du nicht bald los?“

Sie checkte ihr Handy, rannte die Treppe hinunter und gab ihrer Tante einen Kuss auf die Wange. „Bis später.“ Sie lächelte und winkte, als sie durch die Tür ging.

„Ich habe Arbeit zu erledigen. Ich habe keine Zeit für irgendwelchen Blödsinn –“, hörte sie den Mann sagen, der ihren Puls zum Rasen brachte.

„Hi, Naughton“, sagte sie, als sie hinter ihm herankam.

„Bradley.“

„Ich habe Naughton gerade erzählt, dass ich heute Morgen die Weinfelder mit dir abgehen wollte. Deine Ideen für die Butler Ranch fand ich sehr interessant und dachte, wir könnten hier auch Gebrauch davon machen.“

Das erklärte die eiskalte Schulter, die Naughton ihr zeigte, als sie Hallo gesagt hatte. Was hatte Maddox sich nur dabei gedacht? Er hätte klüger sein sollen, als einem Betriebsleiter der Weinfelder vorzuschlagen, dass eine Winzerassistentin Ideen für seine Weinstöcke haben könnte. Sie starrte Maddox wütend an, der lächelte und mit den Schultern zuckte.

Es war sogar noch schlimmer, denn Maddox schien das mit Absicht zu machen.

„Hey, Mad.“

Eine groß gewachsene und sehr schöne Frau kam aus dem Wald und gab ihm einen geräuschvollen Kuss auf die Lippen.

„Hey, Naught.“ Sie lächelte und sah Bradley an. „Du musst die neue Spitzenwinzerin sein. Ich bin Alex.“

„Hey, Alex.“ Bradley lächelte. „Toll, dich kennenzulernen.”

„Dich auch. Obwohl ich glaube, dass wir uns schon mal begegnet sind. Da warst du ungefähr so groß.“ Alex hielt die Hand in Höhe ihres Ellenbogens. „Du bist die Nichte von Charlie und Jean Jenson, stimmt’s?“

„Stimmt.“

„Du musst unbedingt mit uns ins Stave kommen, um Peyton kennenzulernen.“ Alex hakte sich bei Bradley unter. „Am besten sollten wir alle zusammen zu Abend essen.“

Die Frau musterte Naughton, als würde sie auf eine Antwort warten. Er schien aber in Gedanken verloren zu sein. Er wirkte, als wäre er lieber überall sonst als hier.

„Klar, wie du meinst“, sagte er schließlich.

„Super. Ich arrangiere das.“

„Was?“, fragte er, als er Bradley dabei ertappte, wie sie ihn beobachtete.

„Nichts. Tut mir leid.“

„Entzückend, Naught. Wirklich charmant“, hörte sie Alex sagen. „Ich mag sie.“

„Dann iss du doch mit ihr zu Abend.“

In Bradley sträubte sich alles. Jepp, Naughton Butler war ein Arschloch. Warum fühlte sie sich immer zu denen hingezogen?

„Wann bist du zum letzten Mal zu einem Date ausgegangen, Naught?“, fragte Alex.

„Willst du mich jetzt auf den Arm nehmen?“

„Sie mag dich.“

Sie stöhnte fast auf und wünschte sich, sie könnte sich die Finger in die Ohren stecken. Entweder das oder in ein Erdloch stolpern und im Boden verschwinden.

„Hör auf damit“, fuhr Naughton sie an.

Alex wandte sich Maddox und Bradley zu. „Was habt ihr heute vor?“

„Wir gehen hier die Weinfelder ab, dann hat Bradley ein paar Ideen, die sie kurz mit Naughton besprechen kann.“

Alex lachte. „Du bist ein gewitzter Kojote, Mad-man.“

Ja, genau das dachte Bradley auch allmählich. Was immer Maddox sich davon erhofft hatte, sie heute hierherzubringen, funktionierte offensichtlich nicht.

Statt noch mehr von diesem Blödsinn zu ertragen, wandte sie sich an ihn. „Ich sehe, dass das Timing heute nicht passt, das zu machen. Ist es okay, wenn wir beide uns später auf der Butler Ranch treffen?“

Maddox schüttelte den Kopf und starrte Naughton und Alex bedeutungsvoll an. „Okay, ihr beiden. Es reicht. Wir haben Arbeit zu erledigen.“

„Hey, Mad. Es gibt da etwas, worüber ich mit dir sprechen muss, bevor wir die Weinfelder abgehen.“

„Gebt uns einen Augenblick“, sagte Maddox, ehe er Alex in den Wald folgte und Bradley mit Naughton allein ließ.

„Sie blödelt nur herum. Alex nimmt mich gern auf die Schippe“, murmelte Naughton.

„Ich werde in Zukunft dran denken“, entgegnete Bradley knapp.

„Ach komm. Entspann dich.“ Als Naughton einen Schritt auf sie zu machte, machte Bradley einen Schritt zurück.

„Ich beiße nicht.“

„Das hier war eine schlechte Idee.“

„Was? Dass Maddox dich gebeten hat, die Weinfelder hier abzugehen?“

„Offensichtlich.“

Er lachte, was sie noch stinkwütender machte.

„Ich hab’s begriffen, Naughton. Du hältst mich für einen Witz. Ich sag dir was. Ich brauche nie wieder einen Fuß auf diese Weinfelder zu setzen. Ich arbeite für die Butler Ranch nicht für Demetria.“

„Was? Nein. Das hast du ganz falsch verstanden. Keiner hält dich für einen Witz, Bradley. Am wenigsten ich.“

„Ja, genau.“ Sie hätte ihm am liebsten das arrogante Grinsen aus seinem köstlich attraktiven Gesicht gefegt.

„Du kennst mich nicht sehr gut, aber wenn du beschließt hierzubleiben, wirst du feststellen, dass ich mir nicht die Mühe mache, etwas zu sagen, wenn es nichts zu sagen gibt.“

„Was auch immer, Naughton. Dein Wunsch wird dir erfüllt. Ich bin hier weg.“ Bradley stampfte in Richtung ihres Trucks davon, spürte aber, dass er hinter ihr herkam.

„Geh nicht.“

Sie hatte ihren Schlüssel herausgezogen, um die Tür zu öffnen, als er seine Hand auf ihre Schulter legte.

„Warum nicht?“ Sie drehte sich um. Ihr Atem stockte in ihrer Kehle und sie vergaß fast, warum sie gehen wollte. Wenn Naughton so dicht bei ihr war, hatte sie Schwierigkeiten, sich an ihren eigenen Namen zu erinnern.

„Weil ich dich gebeten habe, nicht zu gehen.“ Er trat einen Schritt vor, nicht dass genug Platz dafür gewesen wäre, und Bradley schmolz dahin. Es gab kein anderes Wort dafür, um zu beschreiben, wie seine Nähe dafür sorgte, dass jeder einzelne ihrer Muskeln schlaff wurde.

Was machte er da? Schlimmer noch, was machte sie da? Sie arbeitete für ihn, und sie hatte einen Freund.

Sie stemmte die Hände in die Hüften. „Hör mal, Naughton. Ich arbeite –“

„Für meinen Bruder. Du wirst nie für mich arbeiten.“

„Verstanden. Aber –“

„Du verstehst gar nichts.“

Naughton ging weg und ließ sie neben ihrem Truck stehen, unsicher, was sie als Nächstes machen sollte.

„Komm schon“, rief er. „Sie warten auf uns.“

Während sie gingen, wies Naughton darauf hin, dass es mindestens drei Jahre dauern würde, bis die Weinfelder auf Demetria Estate genügend Früchte produzieren würden, um Wein herzustellen, was offensichtlich war.

Sie nahm alles in sich auf und kam zu dem Schluss, dass ihre Investition in Weinstöcke beträchtlich gewesen sein musste, selbst wenn der Großteil davon von der Butler Ranch kam, was Bradley bezweifelte. Sie hatte noch nicht die gesamte Zusammensetzung der Weinfelder auf der Ranch kennengelernt, aber sie wusste genug über den Wein, den sie herstellten, um zu vermuten, dass sich die Produktion des Demetria-Anwesens nicht wesentlich davon unterscheiden würde.

„Bradley, kennst du Hawks Martinez schon?“, stellte Maddox den Mann vor, der bei einer Reihe von Rebstöcken stand. „Er wird Betriebsleiter für die Weinfelder auf Demetria werden.“

„Schön, dich kennenzulernen. Wie ist dein Name? Bradley?“, fragte Hawks.

„Ja.“

„Da müssen wir uns einen Spitznamen für dich einfallen lassen. Hat dich schon mal jemand anders als Bradley genannt? Brad scheint auch nicht das Richtige zu sein.“

„Ihr Name ist Bradley“, erwiderte Naughton harsch. „Sie braucht keinen Spitznamen.“

„Schon gut.“ Sie legte eine Hand auf Hawks Arm, was Naughtons Miene nur noch finsterer werden ließ.

„Bradley wird hauptsächlich auf der Butler Ranch arbeiten“, erklärte Maddox Hawks.

Er zwinkerte ihr zu. „Tut mir leid, das zu hören.“