Kades Rückkehr - Heather Slade - E-Book

Kades Rückkehr E-Book

Heather Slade

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Beschreibung

Im tödlichen Reich der weltweiten Geheimdienste kollidieren Verlangen und Pflichterfüllung, während verborgene Absichten aufgedeckt werden. Kann Kades und Merrigans Bund der explosiven Vergangenheit standhalten, die alles bedroht?

KADE
Ich habe mein Leben in den Schatten verbracht, aber Merrigan Shaw hat mich ins Licht geführt. Als sie mich aus der Gefangenschaft gerettet hat, hätte ich nie damit gerechnet, mich in sie zu verlieben. Jetzt, in unserem Wettlauf, die Identität eines Verräters aufzudecken, finde ich mich gefangen zwischen Pflicht und Verlangen. Merrigan weckt Gefühle in mir, von denen ich glaubte, ich hätte sie schon lange begraben. Aber kann ich meinem Herzen vertrauen, wenn jeder Moment neue Gefahr bringen könnte? Angesichts von Bedrohungen, die von allen Seiten näher kommen, bin ich fest entschlossen, die zu schützen, die ich liebe. Doch als die Wahrheit zutage tritt, frage ich mich: Kann unsere Liebe der Last meiner dunklen Vergangenheit standhalten?

MERRIGAN
Ich dachte, ich würde die Risiken kennen, sich in einen Agentenkollegen zu verlieben, aber Kade Butler trotzt all meinen Erwartungen. Was als Rettungsmission begann, wurde zu so viel mehr. Während wir uns durch das Labyrinth von Täuschung und Verrat lavieren, fühle ich mich auf eine Art zu ihm hingezogen, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Angesichts von verborgenen Feinden und sich verschiebenden Allianzen kann ich da der unbestreitbaren Verbindung zwischen uns trauen? Mitten in einer Welt von Geheimnissen und Lügen muss ich entscheiden, ob unsere Liebe stark genug ist, den Sturm der Enthüllungen zu überstehen, der droht, uns auseinanderzureißen.

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Seitenzahl: 326

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Copyright © 2024, Heather Slade

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KADES RÜCKKEHR

Im tödlichen Reich der weltweiten Geheimdienste kollidieren Verlangen und Pflichterfüllung, während verborgene Absichten aufgedeckt werden. Kann Kades und Merrigans Bund der explosiven Vergangenheit standhalten, die alles bedroht?

KADE

Ich habe mein Leben in den Schatten verbracht, aber Merrigan Shaw hat mich ins Licht geführt. Als sie mich aus der Gefangenschaft gerettet hat, hätte ich nie damit gerechnet, mich in sie zu verlieben. Jetzt, in unserem Wettlauf, die Identität eines Verräters aufzudecken, finde ich mich gefangen zwischen Pflicht und Verlangen. Merrigan weckt Gefühle in mir, von denen ich glaubte, ich hätte sie schon lange begraben. Aber kann ich meinem Herzen vertrauen, wenn jeder Moment neue Gefahr bringen könnte? Angesichts von Bedrohungen, die von allen Seiten näher kommen, bin ich fest entschlossen, die zu schützen, die ich liebe. Doch als die Wahrheit zutage tritt, frage ich mich: Kann unsere Liebe der Last meiner dunklen Vergangenheit standhalten?

MERRIGAN

Ich dachte, ich würde die Risiken kennen, sich in einen Agentenkollegen zu verlieben, aber Kade Butler trotzt all meinen Erwartungen. Was als Rettungsmission begann, wurde zu so viel mehr. Während wir uns durch das Labyrinth von Täuschung und Verrat lavieren, fühle ich mich auf eine Art zu ihm hingezogen, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Angesichts von verborgenen Feinden und sich verschiebenden Allianzen kann ich da der unbestreitbaren Verbindung zwischen uns trauen? Mitten in einer Welt von Geheimnissen und Lügen muss ich entscheiden, ob unsere Liebe stark genug ist, den Sturm der Enthüllungen zu überstehen, der droht, uns auseinanderzureißen.

INHALT

1. Kade

2. Kade

3. Merrigan

4. Kade

5. Merrigan

6. Kade

7. Merrigan

8. Kade

9. Merrigan

10. Kade

11. Merrigan

12. Kade

13. Kade

14. Merrigan

15. Kade

16. Merrigan

17. Kade

18. Merrigan

19. Merrigan

20. Kade

21. Merrigan

22. Kade

23. Merrigan

24. Kade

25. Merrigan

26. Kade

27. Merrigan

28. Kade

29. Merrigan

30. Kade

31. Merrigan

32. Kade

33. Merrigan

Epilog

Razors Schärfe

Razor

Über die Autorin

Bücher von Heather Slade

1

KADE

Er hatte über zwanzig Jahre lang darauf gewartet, nahe genug heranzukommen, um den Mann zu töten, der damals das Leben einer Frau in Stücke riss, die Kade geliebt hatte. Endlich war er in der Lage, die Schrecken zu rächen, denen sie an dem Tag ausgesetzt war, als Rory Calder sie vergewaltigte und zurückließ, weil er sie für tot hielt. Er hätte ihn beinahe da schon getötet, aber Leech Hess, der Vater der Frau, hatte ihn aufgehalten. Er fragte sich, ob Leech es auch bereute, dass Kade den Schuss nicht abgab.

Als er aus den Schatten trat, stand er einer anderen Frau gegenüber. Das letzte Mal, als er von Angesicht zu Angesicht mit ihr gesprochen hatte, war sie ein kleines Mädchen gewesen. Zwischen damals und jetzt hatte er sie nur aus der Ferne beobachtet, obwohl es keinen einzigen Tag gegeben hatte, an dem er nicht an sie dachte, sich um sie sorgte oder betete, dass er ihr gegenüber richtig handelte.

„Lass uns eine Sache klarstellen, Eighty-eight“, sagte Kade zu dem Mann, dem er ihre Sicherheit anvertraut hatte, Mercer Bryant. „Sie war nie seine Tochter. Sie ist schon immer meine gewesen.“

Kade ging zu ihr und legte eine Hand an ihre Wange. „Hallo, Quinn“, sagte er.

Mercer ließ sie los und Kade hielt sie zum ersten Mal seit vierzehn Jahren in den Armen.

„Hi“, murmelte sie und vergrub das Gesicht an seiner Schulter. „Ich erinnere mich an dich“, flüsterte sie.

„Ich freue mich so sehr, dass du das tust.“

„Bist du wirklich mein Vater?“

Er verstand, warum sie fragte. Als er zur Hintertür des Gebäudes hineingeschlichen war, in dem sie mit einer Waffe an ihrem Kopf festgehalten wurde, hörte Kade Mercer sagen, dass der Mann, der drohte, sie zu töten, das nicht tun würde, weil Quinn sein Fleisch und Blut sei. Kurz darauf widersprach Kade dem, indem er sagte, sie wäre seine Tochter.

„Willkommen zu Hause, mein Junge“, sagte sein Vater, als Mercer ihn losgebunden und ihm auf die Füße geholfen hatte.

Kade ließ Quinn los und ging hinüber, um seinen Da zu umarmen, dessen Augen sich mit Tränen füllten.

Er trat einen Schritt zurück und betrachtete ihn genau. „Was hat Calder mit dir gemacht?“, fragte Kade.

„Hat mich mit irgendwas k. o. geschlagen. Ich erinnere mich nicht an viel“, antwortete sein Vater.

Laird Butler, Geheimdienstagent im Ruhestand, Deckname Burns, war immer der Held seines ältesten Sohnes gewesen – heute mehr denn je. Mit siebzig Jahren war er noch immer so fit und stark wie Männer, die halb so alt waren.

Emotionen zu zeigen war etwas, das Leuten in ihrem Beruf abtrainiert wurde, aber Kade konnte die Gefühle, die der Anblick seines Vaters in ihm hervorrief, ebenso wenig leugnen wie Laird.

„Jemand sollte sich Burns, Quinn und Monk ansehen“, schlug Mercer vor.

„Gute Idee, Eighty-eight.“ Kade sah hinüber zur Seite des Gebäudes, wo Mantis und Dutch Monk losgebunden hatten. Ein weiterer Mann lag mit dem Gesicht nach unten in einer Blutlache. „Wer ist das?“

„Max Lista“, antwortete Mercer. „Von uns engagiert, aber offensichtlich hat er in irgendeiner Funktion mit Calder zusammengearbeitet.“

Später würde Kade den Vertragsbruch mit ihm und ihren beiden anderen Partnern der K19 Security Solutions, Paps und Razor, besprechen. Er sah Quinn an, die mit Mercers Arm um ihre Schultern dastand. Sie beobachtete ihn forschend.

„Du bist jetzt in Sicherheit“, sagte er, als er näher zu ihr ging. Kade wusste, dass sie auf eine Antwort auf ihre Frage wartete, ob er ihr Vater wäre, oder nicht, und bald würde er sie ihr geben. Aber nicht hier, nicht umgeben von Tod und dem Bösen. „Bringen wir dich hier raus“, sagte er stattdessen. „Mercer soll dich zu meiner Ma bringen“, fügte er hinzu. „Da, du gehst mit ihnen.“

Auch wenn Kade ein ausgebildeterer Arztassistent war, musste er sich um die Folgen hier kümmern, und er würde sich nicht wohl dabei fühlen, Quinn oder seinen Vater in dieser Situation zu untersuchen.

Mantis und Dutch, beide K19-Agenten, würden die übrigen des Teams einweisen, die auf dem Weg in das Gebäude waren, um alle Spuren von dem zu entfernen, was während der letzten Stunden abgelaufen war. Sie würden auch eine Reinigungsmannschaft so schnell wie möglich hier drinnen brauchen.

„Sollen wir den da nehmen, Doc?“, fragte Dutch und deutete auf Max Listas Leiche.

Kade nickte. Es war Calders Leiche, die ihm mehr Sorgen bereitete. Er war einen Deal eingegangen und er hatte vor, ihn einzuhalten.

„Ich werde die Familie zusammenholen“, sagte Laird.

„Nicht heute, Da.“ Kade machte eine Handbewegung in Quinns Richtung. „Ich brauche etwas Zeit.“

„Sorcha wird uns in dem Haus in Harmony treffen“, informierte Mercer sie.

Was seine Geschwister anbelangte, wäre morgen früh genug, dass Kade mit seinen Brüdern sprechen würde. Am nächsten Tag würde er mit seinen Schwestern Skye und Ainsley reden.

Er rieb sich über die Brust, weil er wusste, dass der Schmerz, den seine Geschwister vor zwei Jahren erlebt hatten, als sie glaubten, er sei tot, schwer zu überwinden sein würde. Die wahre Natur von Kades Beruf zu erfahren, würde ebenso eine Überraschung für seine Brüder und Schwestern werden. Um verstehen zu können, warum er für tot erklärt worden war, mussten sie die ganze Geschichte kennen, und das bedeutete, er musste ihnen von der K19 Security Solutions erzählen.

Die vier Gründerpartner, ihn eingeschlossen, waren ehemalige Agenten, die für die Abteilung für Spezialunternehmungen der CIA beim nationalen Geheimdienst, dem NCS, gearbeitet hatten. Vor drei Jahren hatten sie gemeinsam ihre Anstellung beim Staat verlassen und die private Sicherheits- und Geheimdienstfirma gegründet. Ironischerweise kamen fast hundert Prozent ihrer Aufträge vom NCS. Allerdings hatten sie viel mehr Geld verdient, diese auszuführen, als vorher.

„Willkommen zurück, Doc“, sagte Mercer und umarmte ihn, ehe er Quinn zum Transportfahrzeug hinausbegleitete, um sie zu dem sicheren Haus in Harmony zu bringen.

„Gut, zurück zu sein.“

„Wie geht es Leech?“, fragte Mercer.

„Wir haben ihn nach Ramstein geflogen. Er sollte in ein paar Tagen die Freigabe bekommen zu reisen.“

„Gibt es irgendetwas, was ich tun kann?“

„Paps und Razor sind noch immer da drüben. Lass sie uns rausholen, sobald wir können.“

„Sie sind schon draußen, Sir. Jemand namens Fatale hat den Transport arrangiert.“

Merrigan Shaw, oder Fatale, wie Mercer sie genannt hatte, war eine MI6-Agentin, die ihn über Calders Rückkehr in die Vereinigten Staaten informiert hatte.

Als Mercer weg war, ließ Kade ein letztes Mal den Blick durch das Gebäude schweifen.

„Wir rücken ab, Sir“, meldete Dutch.

„Ich fahre mit euch.“ Kade hatte vor, die beiden Leichen persönlich nach Camp Roberts zu transportieren.

Leech und er hatten die übrigen der Maskhadov-Gruppierung ausgeschaltet, als sie ihre Flucht nach über zwei Jahren Gefangenschaft organisiert hatten.

Nach dem, was Kade wusste, war Calder das einzige überlebende Mitglied der Organisation gewesen, die für die Tötung zahlloser US-Agenten verantwortlich war. Er war nur aus einem einzigen Grund bis heute am Leben geblieben: Weil er kurz nachdem die Maskhadovs Leech gefangen genommen hatten, in die Staaten zurückgekehrt war.

Um das Land zu verlassen und seine Rache zu nehmen, war Kade gezwungen gewesen, einen Handel mit den unwahrscheinlichsten Verbündeten abzuschließen – dem Einigen Russland, der einzigen Organisation, die den Tod der Maskhadovs mehr wollte als die CIA. Als Teil des Deals hatte Kade zugestimmt, Calder an das ER zu übergeben, tot oder lebendig.

Er hatte die Absicht, bei Calders Leiche zu bleiben, bis er absolut sicher war, dass sie in dem Besitz des ER war. Erst dann würde er wissen, dass der Albtraum, der vor mehr als zwanzig Jahren begonnen hatte, endlich vorbei wäre.

2

KADE

Stunden später geschah die Übergabe von Calders Leiche schnell und im Geheimen, was bedeutete, dass er sich mit den anderen in Harmony treffen konnte.

„Quinn schläft“, informierte Mercer Kade, als er zu der Tür hereinkam, die von der Garage ins Haus führte.

„Wo ist Ma?“, fragte er, als sie gerade um die Ecke kam und ihn fast umwarf.

Sie hielt ihn ganz fest, während ihr Körper zitterte, als sie vor Freude weinte und etwas murmelte, von dem Kade nur vermuten konnte, dass es sich um ein Dankgebet handelte. Gleichzeitig legte sein Vater eine Hand auf seine Schulter.

Aus den Augenwinkeln sah er Quinn um die gleiche Ecke kommen wie seine Mutter vorher. Ihr verwirrter Blick ging zwischen ihm und Mercer hin und her.

„Wie geht es dir?“, fragte Kade, nachdem ihn seine Mutter losgelassen hatte.

„Gut“, murmelte sie.

„Würdest du gern reden?“

„Jetzt?“, fragte sie und sah erneut zu Mercer.

„Es muss nicht sein“, sagte Kade. „Aber wir können, wenn du möchtest. Ich bin mir sicher, du hast Fragen.“

Erst als Mercer die Hand nach ihr ausstreckte, kam Quinn ganz ins Zimmer.

„Es gibt keine Eile, Schatz“, hörte Kade ihn sagen.

„Mein Kopf tut weh.“ Sie drehte sich zu Sorcha, die zur Spüle eilte, um Quinn ein Glas Wasser zu holen.

„Trink das, Schatz“, sagte sie, was Quinn und Mercer zum Lächeln brachte. „Und nimm diese hier“, fügte sie hinzu und gab ihr etwas, das wie Aspirin aussah.

„Was ist mit dir, Da?“, fragte Kade und überlegte, ob sie in Betracht ziehen sollten, ihn und Quinn ins Krankenhaus zu bringen.

Ehe sein Vater antworten konnte, deutete seine Mutter auf einen Beutel, der auf dem Tisch lag. „Lass das von jemandem zum Krankenhaus bringen und Susan im Labor bitten, es zu analysieren.“

Natürlich hatte sein Vater daran gedacht, dafür zu sorgen, dass der Lappen mitgenommen wurde, der benutzt worden war, um ihn bewusstlos zu machen, oder vielleicht war es auch der, der bei Quinn benutzt wurde. Wie auch immer, es sollte sofort untersucht werden, ob simpler Äther verwendet worden war oder etwas Stärkeres. Kade wünschte sich, sie hätten ihn das vorhin wissen lassen; er hätte ihn mit nach Camp Roberts nehmen können. Er sah zu Mercer hinüber, der auf sein Handy konzentriert war.

„Was ist los?“, fragte Kade.

„Es war Chloroform. Es ist euch jemand zuvorgekommen“, berichtete er.

„Wer?“

„Dutch. Offenbar hat er einen zweiten Lappen vom Tatort mitgenommen.“

„Wer benutzt heutzutage noch Chloroform?“, sagte seine Mutter.

Das war eine berechtigte Frage, allerdings hing es bei den Russen mehr davon ab, was sie in die Finger bekommen konnten.

„Auf wessen Anweisungen hat Dutch gehandelt?“, raunzte Kade niemanden im Speziellen an.

„Auf meine“, sagte sein Vater.

„Entschuldige, Da.“ Kade rollte seine Schultern. Er musste sich entspannen – etwas, bei dem er in der Vergangenheit immer dafür gesorgt hatte, dass er das tat, bevor er nach Hause kam. Diesmal war seine Rückkehr wie keine andere. Er war über zwei Jahre lang weg gewesen. Zuerst war er tief in eine verdeckte Ermittlung eingetaucht, dann wurde er die meiste Zeit davon in Gefangenschaft gehalten. Ganz zu schweigen davon, für tot erklärt worden zu sein.

„Ich brauche eine Minute.“ Kade ging zur Hintertür hinaus.

Mercer kam später heraus und bot ihm ein Bier an. „Willst du eins?“

„Ein Sixpack wäre besser.“

Kade drehte den Deckel ab und stürzte die halbe Flasche hinunter. „War ’ne verdammt lange Zeit.“

„Mach, was du machen musst, Doc.“

„Ja?“

„Ja. Alle werden es verstehen, und wenn nicht, können sie dich mal.“

„Selbst wenn das, was ich machen muss, ist, irgendwo auf eine verlassene Insel abzuhauen?“

Mercer lachte und nickte.

So verlockend das war, musste Kade diesmal zum ersten Mal seine Familie vor sich selbst stellen, etwas, was er noch nie zuvor gemacht hatte. Quinn brauchte ihn jetzt, und wenn es nur war, um ihr die vergangenen einundzwanzig Jahre ihres Lebens zu erklären.

Er beugte sich vor und stützte die Unterarme auf den Knien ab. „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll“, sagte er. „Wie geht es ihr?“

„Quinn? Ihr geht’s gut. Sie hat Fragen, aber sie weiß mehr, als du denkst.“

Mercer erzählte ihm von der Zeit, die sie in der Casa Carrizo, dem Haus in Montecito, verbracht hatten, in dem sie während der ersten sieben Jahre ihres Lebens gewohnt hatte. Und dass Laird ihr auch Zutritt zu dem Apartment über der Weinkellerei gewährt hatte.

„Sie erinnert sich an mich.“

„Das tut sie. Zumindest bruchstückhaft. Sie erinnert sich daran, dass du ihr das Fahrradfahren beigebracht hast.“

Kade lächelte. Er erinnerte sich gut an den Tag wegen seiner Normalität. Lena, Quinn und er hatten den Morgen in der Stadt verbracht. Als sie zurückkamen, hatte er gefragt, ob sie bereit wäre, dass er die Stützräder von ihrem Fahrrad abmontieren würde. Sie hatte ihm gesagt, dass sie Angst hätte, und er hatte ihr versprochen, dass er nicht loslassen würde, bis er sicher war, dass sie bereit wäre. Quinn hatte die Pedale keine zwanzigmal getreten, als sie ihm gesagt hatte, dass sie es allein versuchen wollte. Sie hatte Runde um Runde in der kreisförmigen Auffahrt gedreht, dass ihm schwindelig wurde. Er konnte noch immer den Klang ihres Kicherns hören.

Zwei Tage später war er vor Tagesanbruch zu einem weiteren Einsatz aufgebrochen. Lena hatte ihn angebettelt, nicht zu gehen, obwohl sie verdammt gut wusste, dass er keine Wahl hatte. Die Freude, die er mit Quinn gespürt hatte, wurde durch Schuldgefühle und Gewissensbisse ersetzt. Seine Schuldgefühle rührten allerdings nicht daher, dass es ihm leidtat wegzumüssen. Stattdessen war der Grund, dass er es kaum erwarten konnte, da wegzukommen.

„Ich bin ein egoistischer Mistkerl“, murmelte er. „War ich schon immer.“ Er sah zu Mercer auf. „Gerade ist alles, was ich will, wegzugehen. So ehrlich war ich wohl noch nie, Eighty-eight.“

Mercer trank einen großen Schluck von seinem Bier. „Rede erst mit Quinn, und dann fahr los. Wie viel Zeit du auch brauchst, nimm sie dir. Ich weiß, ohne dass du ein Wort sagen musst, dass du durch die Hölle gegangen bist. Und so siehst du auch aus.“

Kade lachte. Das wusste er auch. Sein Körper war schlapp und er wog vermutlich fünfzig Pfund weniger als vor seinem Weggang.

„Ich kann nicht. Erst muss ich alle gesehen haben. Wie geht es übrigens Lena?“

„Hat sich nicht verändert.“

Kade lachte wieder. „Sie kann jetzt wieder zurückkommen.“

Mercer schüttelte den Kopf und sah weg.

„Was?“

„Wenn Quinn nicht wäre, würde ich sagen, wir sollten sie verschwunden lassen.“

Kade wusste genau, was Mercer meinte. „Sie war nicht immer so schlimm.“

„Das hat Paps mir erzählt.“

„Paps? Interessant.“

Mercer lachte auch. „Ich habe sich zwei Menschen nie mehr hassen sehen als Paps und Lena.“

„Du weißt, was man über Liebe und Hass sagt.“

„Hier nicht.“ Mercer schüttelte den Kopf. „So, wer ist Fatale?“

„MI6.“

„Wie ist er in deinen Auftrag in Moskau hineingekommen?“

„Sie.“

„Hä?“

„Fatale ist eine Frau, und um deine Frage zu beantworten, sie hat die Maskhadovs vor ungefähr sechs Monaten unterwandert.“

„Worauf hatte sie es abgesehen?“

„Dasselbe wie sie.“ Dasselbe, worauf Calder es abgesehen hatte. Ebenso wie er selbst, der MI6, die CIA, das ER – alle hatten es darauf abgesehen, was Calder vor mehr als zwanzig Jahren versteckt hatte.

„Muss wichtig sein, wenn man bedenkt, dass Calder bereit war zu töten, um es zu bekommen“, sagte Quinn.

Er hatte sie nicht zur Hintertür herauskommen hören. Kade stand auf. „Setz dich doch.“

„Nein, danke. Ich bin nur herausgekommen, um zu fragen, ob ihr Hunger habt. Sorcha hat schottische Hühnersuppe gemacht.“

„Hat sie das? Hm.“ Kade kratzte sich am Kinn.

„Cock-a-leekie ist eins meiner Lieblingsessen.“

„Früher hast du … Na ja, das ist lange her.“

„Nein, erzähl’s mir. Bitte.“ Quinn setzte sich auf einen der freien Stühle und bedeutete Kade, sich zu ihr zu setzen.

Er erzählte ihr, dass ihre Mutter beharrlich behauptet hatte, sie würde es nicht mögen, aber sie hatte es gemocht, sogar als sie noch so klein war, dass sie einen Hochstuhl brauchte.

„Du konntest es nicht richtig aussprechen und hast sie –“

„Kukie-lukie genannt.“ Quinn lachte. „Jetzt erinnere ich mich.“

„Entschuldigt mich.“ Mercer stand auf und ging hinein.

„Ich, äh, schätze, ich sollte mich daran gewöhnen, das hier zu machen. Es gibt vieles, was ich dir erzählen muss, nicht nur Geschichten über Suppe, sondern über dein Leben, Quinn.“

„Nicht heute“, murmelte sie und ihre Augen füllten sich mit Tränen.

„Du hast mir eine Frage gestellt –“

Sie stand auf. „Beantworte sie nicht. Nicht jetzt.“

„Wo zum Teufel sind denn alle?“, sagte Kade am nächsten Morgen vor sich hin. Er erinnerte sich daran, nach dem Abendessen im Relaxsessel gesessen zu haben, und danach an nicht viel mehr. Irgendwann musste er ins Schlafzimmer gegangen sein, denn da war er aufgewacht.

In einem Schrank fand er Kaffee, kochte sich eine Kannevoll und ging zur Tür hinaus auf die Terrasse. Er setzte sich auf den Stuhl, auf dem Quinn am Abend vorher gesessen hatte, und dachte über ihre Reaktion auf ihn nach. Sie hatte direkt gefragt, ob er ihr Vater wäre, und als er versucht hatte, darauf zu antworten, hatte sie sich geweigert, ihn das tun zu lassen.

Er schüttelte den Kopf. Er hätte nicht überrascht sein sollen; sie war ihrer Mutter sehr ähnlich. Sie sah auch aus wie sie. Bevor Calder sie fast umgebracht hätte, hatten Lenas Augen genauso geleuchtet wie Quinns.

Er hatte nie jemand mit Augen wie ihren gesehen – dunkelmahagonifarbene Teiche, so satt wie die Erde der Weinfelder, mit Blitzen von Zimt. Ihre Porzellanhaut war wie die ihrer Mutter, aber statt weißblond wie ihre, waren Lenas Haare goldblond.

Ihr Deckname war Barbie, und Kade erinnerte sich noch immer an den Abend, an dem sie ihn bekommen hatte.

* * *

„Mir ist noch immer nichts eingefallen, wie ich dich nennen soll“, hörte Kade Calder murmeln, als er an ihm vorbeiging.

„Lena ist in Ordnung.“

„Wie heißt die Schauspielerin … Lena Horny?“, flüsterte er, aber Kade konnte ihn trotzdem verstehen.

„Geilen Sinn für Humor hast du. Man spricht es ‚Horn‘ aus“, schnauzte Kade.

„Mir gefällt es anders besser“, erwiderte er, ehe er wegging.

Kade sah, wie Lenas Wangen erröteten, und hätte Calder am liebsten seine Faust dafür ins Gesicht gerammt, sie zu beschämen. Er erkannte die Überreaktion. Das passierte ihm oft bei seinem Mitrekruten und das machte ihm zu schaffen.

Er entschuldigte sich von der Unterhaltung zwischen seinem Vater und ihrem.

„Lena, richtig?“, fragte er. „Du bist zur Paso Robles High gegangen. Warst du eine oder zwei Stufen unter mir?“

„Nur eine Stufe“, antwortete sie. „Ich hätte nicht gedacht, dass du mich bemerkt hast.“

„Natürlich habe ich das hübscheste Mädchen der Schule bemerkt.“

„Komm, Barbie“, sagte ihr Vater. „Sehen wir zu, dass wir etwas Fleisch auf deine Knochen bekommen.“

Lena verzog das Gesicht.

„Barbie?“ Calders feixendes Grinsen brachte Kade dazu, die Hand zur Faust zu ballen.

„Hast du je diese verdammten Puppen gesehen? Groß gewachsen und dünn, genau wie sie hier.“

„Es ist meine Schuld“, sagte Lenas Mutter, als sie am Tisch saßen. „Als ich die Spielzeuge weggepackt habe, die sie als kleines Mädchen hatte, habe ich die Puppe hervorgezogen und den Kommentar gemacht, dass sie lange, dünne Arme und Beine und eine winzige Taille hat wie Lena.“ Ihre Mom wandte sich zu ihr. „Es tut mir leid, Süße. Dein Dad hat den Namen aufgeschnappt und seitdem bekommst du den immer von ihm zu hören.“

„Blonde Haare hat sie auch“, fügte ihr Vater hinzu.

„Danke, Dad“, murmelte sie und weigerte sich, irgendwo anders hinzusehen als auf ihren Teller.

Kade hatte null Ahnung von Puppen, aber wenn Lena wie diese „Barbie“ aussah, musste sie wunderschön sein. Er wünschte sich, sie würde lächeln. Wenn sie das tat, bogen sich ihre rosa Lippen so perfekt, dass sie wie aufgemalt aussahen.

Es war ihm nicht bewusst, dass er sie anstarrte, bis ihr Blick seinem begegnete und ihre Wangen den gleichen Rosaton annahmen wie ihre Lippen. Er ließ den Blick einen Moment lang verweilen und hoffte, sie würde wissen, dass, egal wie peinlich ihr die Frotzeleien ihres Vaters sein mochten, es mindestens einen Mann gab, der sie atemberaubend fand.

Als er wegsah, begegnete sein Blick dem ihres Vaters. Leech war nichts davon entgangen, was zwischen Kade und seiner Tochter vorgegangen war, und während er erwartet hatte, Verärgerung zu sehen, sah er stattdessen Zustimmung.

„Brich ihr das Herz und ich werde dir dein Genick brechen“, murmelte Leech später, als sie halfen, den Tisch abzuräumen.

„Wie war das?“, fragte Calder.

„Das geht dich überhaupt nichts an“, antwortete Kade.

* * *

Von diesem Tag an war ihr Deckname Barbie, auch wenn Kade sie nie so genannt hatte. Er wusste, wie sehr sie ihn hasste.

Sein Handy pingte mit einem Bewegungsmeldungsalarm der App, die sein Vater gestern Abend darauf installiert hatte. Er wischte mit dem Finger über das Display und sah Paps, Razor und jemand, von der er nicht damit gerechnet hatte, dass sie bei ihnen wäre: Merrigan „Fatale“ Shaw.

3

MERRIGAN

Dies hier war eine furchtbare Idee. Ihr Instinkt hatte ihr das gesagt, als Paps vorschlug, sie sollte mit ihnen in die Staaten zurückfliegen. Als sie widersprach, hatte er darauf bestanden und ihr gesagt, dass es ihr Chef gewesen wäre, der den Vorschlag gemacht hatte.

„Unser Auftrag ist noch nicht beendet“, hatte Paps sie heute Morgen erinnert, als sie zu dem Haus fuhren, wo Kade wohnte. „Das Einige Russland wird nicht aufhören, danach zu suchen, was immer sie glauben, was Calder gegen sie in der Hand gehabt hat. Auch wenn sie die Übereinkunft einhalten werden, die sie mit Doc getroffen haben, weil sie keinen Grund haben zu glauben, dass Barbie oder Skipper etwas damit zu tun hatten, garantiere ich dir, dass sie gerade in diesem Moment dabei sind, ihre Zelte in Kalifornien aufzuschlagen.“

„Barbie und Skipper?“

„Docs Frau und Tochter.“

Er war verheiratet? Als sie Doc Butler das letzte Mal sah, hatten sie sich geküsst, dass ihr die Knie weich geworden waren und ihre sämtlichen anderen Körperteile hatten reagiert, als wäre er ihr persönliches sexuelles Leuchtfeuer. Und jetzt fand sie heraus, dass der Mistkerl verheiratet war? Sie war so wütend, wie sie enttäuscht war. Außerdem wäre sie am liebsten mit dem ersten Flug, den sie buchen konnte, ins Vereinigte Königreich zurückgekehrt.

Je mehr sie allerdings darüber nachdachte, desto mehr kam sie zu dem Schluss, dass seine Ehe eigentlich ein Segen war. Eine Affäre zwischen einem ehemaligen hochrangigen CIA-Agenten und einer MI6-Agentin von gleicher Stellung wäre mehr als unprofessionell.

Als sie an dem Haus ankamen, stand Merrigan auf der Veranda und sah dem Wiedersehen von Kade, Paps und Razor zu. Sie wurde emotional, weil sie wusste, wie sie sich fühlen würde, wenn sie einen Kollegen sehen würde, der lange für tot gehalten worden war.

Sie warf Kade verstohlene Blicke zu, als er mit seinen Teamkollegen sprach. Sogar nach mehreren Monaten, in denen er gefoltert und mangelhaft ernährt worden war, waren seine Arme so muskulös geblieben, dass sie wie Felsbrocken wirkten, und nichts konnte die Breite seiner Schultern schmälern. Kade hatte einen stolzierenden Gang, der das Selbstvertrauen eines Mannes ausstrahlte, der wusste, dass er der Beste in dem Geschäft war, ungeachtet der Tatsache, dass er mehrere Monate lang gefangen gehalten und gefoltert worden war. Seine Augen waren so blau, dass sie wie Meerwasser aussahen, und er hatte ein warmes Lächeln, das sie selten gesehen hatte. Doc Butler konnte leicht jede Frau dazu bringen, ihr Höschen fallen zu lassen. Merrigan eingeschlossen.

„Fatale“, sagte Kade mit einem Kopfnicken.

„Doc“, antwortete sie.

„Komm herein.“ Er machte eine Handbewegung zu der Tür, durch die Paps und Razor gingen.

Sie ging hinein und sah sich nach der verdammten Ehefrau um. Es war nicht fair von Merrigan, die Frau zu verdammen; es war nicht ihre Schuld, dass ihr Mann ein verflixter Frauenheld war.

„Was suchst du?“, fragte er und kam zu ihr geschlendert.

„Nichts“, antwortete sie kurz angebunden und fühlte sich an den Tonfall ihrer Mutter erinnert, wenn sie wütend war.

Er lächelte. „Wie geht es dir, Fatale?“

„Es geht mir gut. Danke.“

„Was machst du hier?“

„Sie ist im Auftrag des MI6 hier, Doc“, antwortete Paps für sie.

„Tatsächlich wollte ich gerade gehen.“

„Wohin?“

Sie schoss einen verärgerten Blick in seine Richtung ab, noch immer ungläubig, dass er in der Zeit, seit sie ihn kannte, nie daran gedacht hatte, eine Frau oder Tochter zu erwähnen.

„Ich habe gefragt, wo du wohnst.“

„Da bin ich mir noch nicht sicher.“ Sie wandte sich an Paps. „Ich werde mich später melden.“

Sie tat so, als hätte sie nicht bemerkt, dass Kade ihr zur Haustür hinaus gefolgt war, stieg ins Auto und hatte die Tür fast geschlossen, als er sie einholte.

„Merrigan?“

„Wir sprechen uns später, Doc.“

„Kade.“

Sie drehte sich um und sah ihn zum ersten Mal an, seit sie das Haus verlassen hatte. „Was?“

„Mein Name ist Kade.“

Unfähig, ihn noch einen Moment länger anzusehen, wandte sie den Kopf ab.

„Als wir uns das letzte Mal gesehen haben –“

„Ernsthaft? Das bringst du jetzt zur Sprache? Und dann auch noch hier?“

„Was hat das damit zu tun, wo wir sind?“

„Ich muss los.“

„Du könntest hierbleiben“, sagte er, ehe sie die Tür schließen konnte.

„Du bist unmöglich.“ Sie zerrte an dem Griff, zog die Tür krachend zu und setzte rückwärts aus der Einfahrt.

4

KADE

Kade marschierte zurück zum Haus. Merrigan benahm sich wie eine Teenagerin, der ihr Kuss peinlich war, statt wie die knallharte, gnadenlose Agentin, die sie in Moskau gewesen war.

„Was zum Teufel war das denn gerade?“, fragte er Paps, als er wieder hineinkam.

„Keine Ahnung.“

„Warum ist sie hier?“

„Weil der Auftrag nicht zu Ende ist, Doc“, schaltete Razor sich ein.

„Richtig.“ So viel wusste Kade. Aber nun, da Quinn und ihre Mutter nicht mehr in Gefahr waren, und Leech und er persönlich den Niedergang der Maskhadov-Organisation mit angesehen hatten, empfand er nicht die gleiche Dringlichkeit, sich oder sein Team in die Schusslinie zu bringen. Nur um etwas zu finden, das größere Auswirkungen auf das Einige Russland haben würde als auf seine Familie, sein Land oder sich.

„Wie viel weißt du über Eighty-eight und Skipper?“, fragte Paps.

„Alles, was ich wissen muss.“ Die Natur ihrer Beziehung war offensichtlich. Was immer er nicht mitbekommen hatte, als er Calder tötete, hatte er gestern erfahren.

„Es kommt jemand“, sagte Razor, als er aus dem Fenster sah.

Für den Bruchteil einer Sekunde hoffte Kade, dass Merrigan zurück war, bis er seinen Bruder Maddox sah, der aus einem SUV stieg, der in der Einfahrt geparkt war. Er wartete, um zu sehen, ob jemand bei ihm war, und stellte erleichtert fest, dass sonst niemand aus dem Fahrzeug stieg. Mit einem Bruder nach dem anderen konnte er besser umgehen als mit allen drei gleichzeitig.

Kade atmete tief durch, öffnete die Tür und wartete darauf, dass sein Bruder ihn bemerkte. Als sich ihre Blicke trafen und festhielten, ging er Maddox auf halbem Weg entgegen.

„Oh, Mann, Gott sei Dank. Als Da mir gesagt hat, dass du lebst, habe ich gebetet, dass ich nicht träume.“ Maddox’ Augen füllten sich mit Tränen, als sie nah genug waren, um sich zu umarmen.

„Wie geht es dir, Mad?“, fragte Kade, weil er nicht wusste, was er sonst sagen sollte.

„Verdammt viel besser, nachdem ich dich leibhaftig sehe.“

Sie hielten sich weiter umarmt, weil keiner von beiden loslassen wollte. Auch wenn das Wiedersehen mit Paps und Razor emotional gewesen war, war das nichts im Vergleich dazu, seinen Bruder wiederzusehen. Mit seinen anderen Geschwistern würde es das Gleiche sein.

„Komm herein“, sagte Kade etwas später. „Lass uns reden.“

„Was für eine Art, Neujahr zu feiern. Ich glaube, dies wird ein großartiges werden“, sagte Maddox und lächelte unter Tränen.

„Verdammt. Das Datum ist völlig an mir vorbeigegangen.“ Kade drückte Mads Schulter. „Es ist so gut, dich zu sehen, Bruder.“

„Du hast keine Ahnung, wie oft ich hiervon geträumt habe. Naught und Brodie wissen noch nicht, dass du zurück bist“, erzählte Maddox ihm. „Wie gesagt, Da hielt es für besser, wenn ich wüsste, was mich erwartet.“

„Ich werde sie so bald wie möglich sehen.“

„Wie wäre es mit jetzt? Naught ist auf der Butler Ranch. Ich bin mir nicht sicher, wo Brodie ist.“

„Gehen wir.“ Kade wandte sich zu Paps und Razor um, die ihn wegwinkten.

Auf der Fahrt informierte Kade Maddox über alles in seinem Leben während der letzten zwei Jahre, das er ihm erzählen konnte, und über seine Ehe mit Lena und ihre Tochter. Dann erzählte er ihm von dem K19-Team und dass er sie gebeten hatte, sich um seine Familie zu kümmern.

„Sie waren mit euch in Argentinien“, erklärte Kade. „Obwohl ich zu der Zeit nichts davon wusste, was hier vor sich ging.“

„Erzähl mir, was du davon weißt“, sagte Maddox.

„Eighty-eight – einer meiner Partner – und Da haben mir gestern einen kurzen Überblick gegeben.“ Kade konnte nicht glauben, dass alle seine drei Brüder verheiratet waren, dass Brodie und Peyton frischgebackene Eltern eines kleinen Mädchens waren, und dass Alex schwanger war.

Ainsley war die einzige seiner Geschwister, die nicht verheiratet war, aber Ma hatte ihm erzählt, dass sie und Cristobal Avila sich an Weihnachten verlobt hatten. Sie hatte ihm außerdem von Brodies und Peytons Beziehung erzählt, und dass sein jüngster Bruder für tot gehalten wurde, nachdem das Flugzeug, in dem er saß, in den argentinischen Bergen abgestürzt war.

Was er seiner Mutter nicht gesagt hatte, weil es sich angehört hätte, als wäre er völlig durchgeknallt, war, dass es ihm so vorkam, als wüsste er bereits so vieles von dem, was sie ihm erzählte. Vielleicht keine speziellen Einzelheiten, aber genügend, dass er ein Déjà-vu-Gefühl hatte.

Maddox schickte Naughton eine Nachricht, in der stand, dass er auf dem Weg zur Butler Ranch war und sich dort mit ihm treffen müsste. In typischer Naught-Manier machte er Mad ordentlich zur Sau, weil er ihm nicht sagte, weshalb.

„Da hat es für mich leichter gemacht“, erklärte Maddox ihm. „Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn du ohne Vorwarnung aufgetaucht wärst.“

Kade verstand das, aber Naughton war anders. Es im Vorhinein zu wissen, wäre für ihn nicht besser gewesen.

„Vielleicht sollte ich zuerst hineingehen“, schlug Mad vor.

„Nein. Ich werde das schon machen.“

Als sie durch das Tor der Ranch fuhren, auf der er aufgewachsen war, überkam ihn ein Gefühl des Friedens. Er hatte die Entscheidung getroffen, nicht gestern Abend herzukommen, weil er noch nicht bereit gewesen war, seine Brüder zu sehen, aber jetzt, da er hier war, wusste er, dass er keine weitere Nacht in Harmony verbringen würde.

Vielleicht würde Merrigan in Betracht ziehen, lieber in dem Haus zu wohnen als in einem Hotel, wenn er nicht dort wäre. Allerdings könnte sie sich unwohl mit Paps und Razor fühlen. Das hätte er früher bedenken sollen.

Könnte das hinter ihrem seltsamen Verhalten stecken? Im Moment konnte er jedoch nicht über sie nachdenken; er würde gleich seinen Bruder zum ersten Mal seit zwei Jahren sehen.

Er klopfte an und die Tür flog auf.

„Was zum Teufel –“, begann Naughton, sprach aber nicht weiter, als er Kade vor sich stehen sah.

Wie bei Maddox umarmten sie sich eine ganze Weile lang.

„Ich wusste, dass du lebst“, murmelte Naughton. „Ich habe gebetet, dass ich mich nicht irre.“

Im Gegensatz zu Maddox wollte er nicht wissen, wo Kade gewesen war oder warum er für tot erklärt worden war. Alles, was ihn interessierte, war, dass sein Bruder zu Hause war. „Du kannst es mir ein andermal erzählen. Im Moment gibt es da jemand, von der ich gern hätte, dass du sie kennenlernst.“

Kade und Maddox gingen mit Naught hinein und warteten im Wohnzimmer, während er ging, um seine Frau zu holen.

„Das ist Bradley“, sagte er, als sie herunterkamen. „Und, Süße, das ist mein Bruder Kade.“

Bradleys Augen füllten sich mit Tränen, und statt seine ausgestreckte Hand zu schütteln, umarmte sie ihn. „Es ist so schön, dich kennenzulernen“, murmelte sie.

Ehe sie ihn losließ, flog die Haustür auf.

„Oh mein Gott“, schrie Alex und kam auf ihn zugerannt. „Sag mir, dass du real bist. Sag mir, dass ich nicht träume. Ich habe von dir geträumt, nur dass du es weißt. Und ich bin die Standpauken verdammt leid, die du mir dann hältst. Gott, bin ich froh, dich zu sehen.“ Sie löste sich von ihm und sah an ihm auf und ab. „Du siehst übrigens scheiße aus, aber ich schätze, tot zu sein, macht das mit einem.“ Sie atmete tief durch. „Wow, was für eine Art, das neue Jahr zu feiern.“

Alex hielt ihn so fest, dass Kade jeden ihrer zittrigen Atemzüge spüren konnte, als sie ihre Wange an seine Brust lehnte und weinte.

„Woher wusstest du es, Al?“, fragte Maddox sie.

„Sorcha hat mir gesagt, jemand, den ich sehen möchte, besucht gerade Naughton. Ich war schon halb hier, bis sie ihren Satz beendet hat. Ich wusste es. Frag mich nicht, woher, aber ich wusste es.“

Kade hatte sich unzählige Male gefragt, ob die Verbindung zwischen seiner Familie und ihm stark genug wäre, dass sie wüssten, dass er nicht tot war. Das Gleiche hatte er sich bei seinen K19-Partnern gefragt, allerdings hatte die Vereinbarung mit ihnen gelautet, die Meldung zu akzeptieren und entsprechend zu handeln. Aber sie sollten kein Grabmal aufstellen, bis sie die Leiche mit eigenen Augen gesehen hätten. Deshalb hatte er gewusst, dass sie niemals aufhören würden, nach ihm zu suchen.

„Wann wirst du zu Peyton und Brodie gehen?“, fragte sie und fuhr dann fort, ohne ihm die Möglichkeit zu geben zu antworten. „Du weißt, dass sie verheiratet sind und ein Baby haben, oder?“ Alex tätschelte ihren Bauch und nahm dann Kades Hand und legte sie darauf. „Ich bin schwanger. Hat Mad dir das erzählt? Im Juli soll es so weit sein.“

Kade lächelte. Er hatte Alex schon immer geliebt und darauf vertraut, dass Maddox dahinterkäme, dass er nicht ohne sie leben könnte. Dem Gesichtsausdruck seines Bruders nach zu urteilen, hatte er es begriffen.

„Sie haben das Baby Kismet Kadence genannt, zum Teil nach dir. Ach, und Skye und Mac haben ihren Jungen Kade genannt. Wusstest du das?“ Sie ging hinüber und legte die Arme um Mads Taille. „Danke übrigens für das Haus und die Weinfelder und alles andere, das du uns geschenkt hast.“

„Gern geschehen“, sagte er und sah zu Naughton und seiner Frau hinüber.

„Jetzt, da du zurück bist …“, begann Naughton, aber Kade unterbrach ihn.

„Es ändert sich nichts.“

„Aber –“

„Nichts.“ Er sah zwischen seinen Brüdern hin und her. „Es gehört alles euch beiden.“

„Also wegen Peyton …“, sagte Alex.

Kade machte sich wegen Peyton keine Sorgen. Er hatte viel über sie nachgedacht, wenn die Russen ihn lange genug allein ließen, dass sein Verstand alles über den täglichen Schmerz hinaus verarbeitete, den sie seinem Körper zufügten.

Sie hatte sogar schon gewusst, bevor er aufgebrochen war, um Leech zu retten, dass sie nicht dazu bestimmt waren, zusammen zu sein. Er vergötterte sie und ihre Jungs und hatte sogar versucht, sich selbst davon zu überzeugen, dass er sie heiraten wollte. Sobald er das seiner Familie erzählt hatte, wusste er, dass es falsch war. Es war, als hätte es genügt, die Worte laut auszusprechen, um einzusehen, dass es sich nicht richtig anfühlte. Er freute sich zu hören, dass sie und Brodie zusammen waren; das war, was er gewollt hatte.

„Sie hatten gedacht, Brodie wäre auch tot“, hörte er Alex sagen. „Jamie und Finn werden das gut aufnehmen, denke ich. Meinst du nicht auch?“

Kade wurde bewusst, dass sie die Frage an ihn gerichtet hatte, und er wusste nicht, wie er darauf antworten sollte. Bei diesen beiden machte er sich die meisten Sorgen um ihre Reaktion. Er liebte Peytons Jungs und hoffte, sie würden ihn mit der Zeit als Onkel akzeptieren.

„Hat ihn sonst noch jemand gesehen?“, hörte er Alex Mad fragen.

„Ich bin mir nicht sicher. Warum?“

„Du weißt, wie schnell sich in diesem Tal Neuigkeiten verbreiten. Ich fände es schrecklich, wenn Brodie und Peyton über Klatsch erfahren, dass Kade zurück ist.“

Sie hatte recht. Das wollte Kade auch nicht. „Weißt du, wo sie sind?“, fragte er.

„Zu Hause“, antwortete Naught. „Warte, bis du ihr Haus siehst.“

Nach einem weiteren emotionalen Wiedersehen mit Brodie saß Kade auf der Vorderveranda und sprach mit Peyton. Er berichtete, so viel er konnte, von seinem Martyrium, und sie erzählte ihm davon, wie sie sich in seinen Bruder verliebt hatte, und dankte ihm dafür, sie zusammengebracht zu haben.

„Ich habe eine Frage, aber nicht über etwas Wichtiges. Es ist eher etwas, worauf ich neugierig bin.“

„Du kannst mich alles fragen.“

Peyton lächelte. „Aber das heißt nicht, dass du antworten kannst.“

Kade lächelte auch. „Du weißt, wie es läuft.“

„Am Abend bevor du als vermisst gemeldet wurdest, hast du mir ein Foto geschickt. Ich hätte schwören können, dass es aussah, als wäre es in Bagram in Afghanistan aufgenommen worden.“

„Gutes Auge. Und ja, ich habe da einen Zwischenstopp für eine Geheimdienst-Einsatzbesprechung eingelegt.“

Peyton nickte. „Wie gesagt, ich war neugierig.“ Sie stand auf, um hineinzugehen. „Ich möchte, dass du weißt, dass ich dich wirklich lieb habe, Kade.“

„Und ich habe dich lieb. Das werde ich immer.“

Sie reckte sich auf Zehenspitzen hoch, gab ihm einen Kuss auf die Wange und lächelte dann. „Du bist jetzt mein Schwager.“

„Und der Onkel der Jungs. Was denkst du, wie sie reagieren werden?“

„Mit ihnen wird alles gut sein. Glaub mir. Kinder sind so widerstandsfähig.“

„Ma hat für heute Abend ein Familienessen geplant. Sie hat auch Skye und Ainsley eingeladen, schließlich ist das gemeinsame Abendessen am Neujahrsabend eine Familientradition“, erzählte Brodie Kade, als Peyton und er ins Haus kamen.