Dino-Land - Folge 02 - Wolfgang Hohlbein - E-Book

Dino-Land - Folge 02 E-Book

Wolfgang Hohlbein

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Beschreibung

FOLGE 2: PANIK IN LAS VEGAS: Das Tor zur Urzeit ist aufgestoßen - und niemand kann die Folgen absehen. Saurier, die vor über hundert Millionen Jahren die Erde beherrschten, treten ein in unsere Welt. Und sie reagieren wie jedes Tier, das seinem angestammten Lebensraum entrissen und in eine neue, feindliche Umgebung versetzt wird: Sie greifen an. Las Vegas, die neonglänzende Stadt der Spieler, liegt nur wenige Meilen entfernt. Millionen Menschen, deren ausgelassene Lebenslust schon bald in einem Crescendo aus Schmerz und Blut und Chaos untergehen soll. Denn aus der Wüste kommt eine Gefahr, auf die niemand vorbereitet ist ... *** DINO-LAND - RÜCKKEHR DER SAURIER: Ein fehlgeschlagenes Militärexperiment erzeugt einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Mitten in der Wüste Nevada erscheint ein 150 Millionen Jahre alter Dschungel - und mit ihm die Dinosaurier. Doch damit nicht genug: Das Dschungelgebiet breitet sich unkontrolliert aus und umgekehrt wird alles, was sich in der Gegenwart befindet, in die Vergangenheit gerissen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Anomalie auch Las Vegas erreicht und alles und jeden darin verschlingt! Auch Marc "Red" Littlecloud, Mitglied einer Spezialeinheit des US-Marine Corps, wird in den Malstrom der Ereignisse gezogen. Die Lage scheint aussichtslos, dennoch versucht er zusammen mit Militär und Polizei, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Doch in einer so fremdartigen Umgebung, unter Dinosauriern, unbekannten Krankheiten und Großwildjägern, gibt es keine Gnade ... Willkommen in "Dino-Land": Ein wahrgewordener Albtraum aus den Federn von Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland. Sie sind überall - und es gibt kein Entkommen ...

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Inhalt

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Über diese Serie

Über diese Folge

Über die Autoren

Impressum

Panik in Las Vegas

In der nächsten Folge

Dino-Land – Rückkehr der Saurier

Ein fehlgeschlagenes Militärexperiment erzeugt einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Mitten in der Wüste Nevada erscheint ein 150 Millionen Jahre alter Dschungel – und mit ihm die Dinosaurier. Doch damit nicht genug: Das Dschungelgebiet breitet sich unkontrolliert aus und umgekehrt wird alles, was sich in der Gegenwart befindet, in die Vergangenheit gerissen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Anomalie auch Las Vegas erreicht und alles und jeden darin verschlingt!

Auch Marc »Red« Littlecloud, Mitglied einer Spezialeinheit des US-Marine Corps, wird in den Malstrom der Ereignisse gezogen. Die Lage scheint aussichtslos, dennoch versucht er zusammen mit Militär und Polizei, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Doch in einer so fremdartigen Umgebung, unter Dinosauriern, unbekannten Krankheiten und Großwildjägern, gibt es keine Gnade …

Willkommen in »Dino-Land«: Ein wahrgewordener Albtraum aus den Federn von Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland.

Sie sind überall - und es gibt kein Entkommen …

Über diese Folge

Das Tor zur Urzeit ist aufgestoßen – und niemand kann die Folgen absehen. Saurier, die vor über hundert Millionen Jahren die Erde beherrschten, treten ein in unsere Welt. Und sie reagieren wie jedes Tier, das seinem angestammten Lebensraum entrissen und in eine neue, feindliche Umgebung versetzt wird: Sie greifen an.

Las Vegas, die neonglänzende Stadt der Spieler, liegt nur wenige Meilen entfernt. Millionen Menschen, deren ausgelassene Lebenslust schon bald in einem Crescendo aus Schmerz und Blut und Chaos untergehen soll. Denn aus der Wüste kommt eine Gefahr, auf die niemand vorbereitet ist …

Ein fehlgeschlagenes Militärexperiment erzeugt einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Mitten in der Wüste Nevada erscheint ein 150 Millionen Jahre alter Dschungel – und mit ihm die Dinosaurier. Ein wahrgewordener Albtraum aus den Federn von Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland.

Willkommen in »Dino-Land«: Sie sind überall - und es gibt kein Entkommen …

Über die Autoren

An der Serie »Dino-Land« haben die Autoren Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland mitgewirkt. Jeder von Ihnen hat bereits jahrelange Erfahrung im Schreiben von Action-, Fantasy-, Science-Fiction oder Horrorromanen. Mit Dino-Land gelang ihnen ein temporeicher und spannungsgeladener Genre-Mix, der sich einer der ältesten uns bekannten Bedrohungen widmet: Den Dinosauriern.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Für die Originalausgabe: Copyright © 1993-1994 by Bastei Lübbe AG, Köln Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin Verantwortlich für den Inhalt

Für diese Ausgabe: Copyright © 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Projektmanagement: Stefan Dagge

Covergestaltung: © Guter Punkt, München www.guter-punkt.de unter Verwendung von Motiven © shutterstock: metha1819 thinkstock: wpd911

E-Book-Erstellung: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

Wolfgang Hohlbein

Panik in Las Vegas

PANIK IN LAS VEGAS

Der Dinosaurier stampfte wie ein lebendig gewordener Albtraum heran. Unter seinen Schritten erzitterte die Erde, und sein Brüllen, in dem sich Zorn mit einem tödlichen Schmerz mischte, übertönte den überdrehten Motor mit Leichtigkeit, ebenso wie die Schreie Cormans und seiner Familie.

Alles ging viel zu schnell, als dass Littlecloud sich hinterher an Einzelheiten hätte erinnern können. Zwischen dem Moment, als sie begriffen, dass das Ungeheuer den Wagen angreifen würde, und dem, als es wie ein schrecklicher Dämon gegen ihn prallte, vergingen nur Sekunden. Und doch reichten sie, das Leben zweier Menschen auszulöschen und das der anderen so grundlegend zu verändern, dass sie hinterher nie wieder dieselben sein sollten.

Trotz des panischen Schreckens war es Corman noch irgendwie gelungen zu reagieren; natürlich vollkommen falsch, und natürlich nutzte es nichts – aber das hätte es auch nicht, hätte er anders gehandelt. Littlecloud suchte hinterher immer und immer wieder nach dem Moment, an dem irgendeiner von ihnen die falsche Entscheidung getroffen, den einen, verhängnisvollen Fehler begangen hatte.

Aber er fand ihn nicht. Dies war eine der Situationen, in denen alles, was man tun konnte, falsch war.

Der Wagen raste mit durchdrehenden Rädern los, so schnell und mit einem so harten Ruck, dass Littlecloud um ein Haar aus dem Sitz gestürzt wäre, und für eine einzelne grauenhafte Sekunde raste er direkt auf den heranstampfenden Tyrannosaurus zu, als hätte sich Corman in einem Verzweiflungsakt dazu entschlossen, das Ungeheuer zu rammen.

Im buchstäblich letzten Moment riss er das Lenkrad herum, aber da war das Monstrum bereits heran. Was dann kam, war wie ein Albtraum in 3D, Technicolor und Dolby-Surround, in dem ein wahnsinnig gewordener Regisseur den Ablauf der Zeit und der Dinge willkürlich durcheinanderwarf. Noch während Littleclouds Verstand vergeblich versuchte, die durcheinanderstürzenden Eindrücke zu verarbeiten, brach das Chaos bereits mit tödlicher Wucht über sie herein.

Glas splitterte.

Metall zerriss.

Littlecloud wurde nach vorn und zur Seite geworfen, prallte mit furchtbarer Wucht gegen die Tür und spürte, wie das Schloss unter der Belastung nachgab. Die Tür flog mit solcher Wucht auf, dass das Fangband zerriss und sie gegen den Kotflügel prallte, aber er wurde trotzdem nicht aus dem Wagen geschleudert, denn in der gleichen Sekunde erzitterte das Wohnmobil unter einem weiteren, noch fürchterlicheren Hieb des Sauriers, der ihn zurückschleuderte.

Seine eigenen Schreie, die Cormans und seiner Familie und das nicht enden wollende Kreischen und Splittern von Metall und Glas vermischten sich in Littleclouds Ohren zu einer wahnsinnigen Sinfonie des Todes. Er versuchte sich irgendwo festzuklammern, aber seine Kraft reichte einfach nicht.

Seine Fingernägel brachen ab. Littlecloud stürzte zu Boden und sah einen kleinen, hilflos um sich schlagenden Körper durch die Luft fliegen und gegen die zerberstende Frontscheibe prallen. Etwas unvorstellbar Riesiges brach durch das Dach des Wagens und schnappte nach ihm.

Gleichzeitig zersplitterten der Fensterholm und die Rückenlehne des Sitzes, auf dem sich Littlecloud gerade noch befunden hatte, unter dem Hieb einer ungeheuerlichen Kralle, die noch mit dem gleichen Hieb die gesamte Flanke des Wagens aufschlitzte. Wo gerade noch das Wagendach gewesen war, ragte plötzlich die riesige Flanke des Ungeheuers über ihnen empor. Das alles geschah in einer einzigen apokalyptischen Sekunde.

In der zweiten schleuderte der Wagen den Saurier zur Seite.

Das Ungeheuer musste fünf oder sechs Tonnen wiegen, aber das Wohnmobil hielt mit diesem Gewicht leicht mit, und Cormans verzweifelter Ausbruchsversuch hatte es auf sicherlich vierzig oder fünfzig Meilen beschleunigt.

Der Gigant wurde einfach von den Füßen gerissen, stürzte schwer auf die Seite und überschlug sich zwei- oder dreimal, während der Wagen in die entgegengesetzte Richtung davonschlitterte. Eines der Räder brach ab. Die linke Vorderseite des Wohnmobils grub sich tief in den Wüstenboden und barst regelrecht auseinander.

Corman, der noch immer mit aller Kraft das Lenkrad umklammerte, wurde in die Höhe gerissen und in weitem Bogen aus dem Wagen geschleudert, aber die Energie des dahinrasenden Fahrzeugs war noch immer nicht aufgebraucht. Seine Schnauze bohrte sich tiefer und tiefer in den Wüstensand und schob sich dabei immer weiter zusammen. Gleichzeitig verloren die Hinterräder den Kontakt zum Boden. Der Wagen stellte sich auf, stand für einen Moment fast senkrecht und fiel dann zurück.

Wie durch ein Wunder verlor Littlecloud durch den Aufprall nicht das Bewusstsein, und wie durch ein zweites Wunder stürzte das Wohnmobil nicht um, sondern blieb auf seinen drei verbliebenen Rädern stehen. Und wie um sie zu verhöhnen, lief der Motor sogar noch.

Littlecloud arbeitete sich stöhnend in eine halb sitzende Position hoch. Jeder einzelne Knochen in seinem Körper tat weh, aber er schien sich zumindest nichts gebrochen zu haben. Wenn er irgendwelche anderen schweren Verletzungen davongetragen hatte, so spürte er sie noch nicht.

Er wusste, dass das nicht so bleiben würde – zwei, drei Minuten, länger hielt die Gnadenfrist, die der Schock seinem Nervensystem zubilligte, nicht vor. Aber diese Zeit mochte reichen, den Wagen zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen.

Stöhnend griff er nach den zerbrochenen Resten des Lenkrades und zog sich daran in die Höhe.

Beinahe wünschte er sich, es nicht getan zu haben.

Der Wagen bot einen grauenerregenden Anblick. Überall war Blut; größtenteils wohl das des Dinosauriers, aber trotzdem Blut, als wäre der Wagen in einen roten See getaucht worden. Die Hälfte des Daches war verschwunden, und in der linken Flanke klaffte ein handbreiter Riss, als hätte jemand ein Messer genommen und den Wagen wie eine Konservendose aufgeschnitten.

Es schien buchstäblich nichts hier drinnen zu geben, was nicht auf die eine oder andere Weise zerstört oder beschädigt war. Eine der beiden hinteren Türhälften war aus den Angeln gerissen und fast zwanzig Meter weit davongeschleudert worden. Littlecloud verschwendete eine Sekunde mit der Frage, wieso er eigentlich noch lebte. Eine Antwort darauf fand er nicht.

Erst dann fiel ihm wieder ein, dass er nicht allein im Wagen gewesen war. Hastig richtete er sich weiter auf und suchte nach den anderen.

Cormans Frau befand so noch immer dort, wo sie gesessen hatte, als der Saurier gegen den Wagen geprallt war. Und als hätte sich das Schicksal einen besonders bösartigen Scherz mit ihr erlauben wollen, saß sie sogar noch in ihrem Stuhl, der als einziges Teil der Einrichtung nicht aus seiner Verankerung gerissen worden war. Aber die furchtbare Wunde in ihrem Nacken ließ keinen Zweifel daran, dass sie tot war.

Littlecloud sah hastig weg. Wo waren die Kinder?

Wie zur Antwort auf diese Frage hörte er ein halblautes Stöhnen. Littlecloud sah sich wild um, entdeckte einen weißen Fetzen Stoff, der unter den Trümmern eines Schrankes vorlugte, und war mit einem Satz bei ihm.

Die scharfkantigen Kunststofftrümmer zerschnitten seine Hände, und in seiner linken Hüfte erwachte allmählich ein pochender Schmerz, der mit jeder Bewegung ein bisschen heftiger zu werden schien, aber Littlecloud achtete nicht darauf, sondern grub und zerrte mit zusammengebissenen Zähnen weiter, bis er das Mädchen unter dem zertrümmerten Möbelstück hervorgezogen hatte.

Im ersten Moment dachte er, es wäre tot. Seine Augen waren weit geöffnet und starr, und sein Gesicht sah aus wie eine Maske. Aber dann begann es leise und krampfhaft zu schluchzen. Seine Hände bewegten sich, suchten irgendeinen Halt und krallten sich schließlich so fest in Littleclouds Arme, dass es wehtat.

»Keine Angst, Kleines«, sagte Littlecloud. »Es ist alles in Ordnung. Dir passiert nichts.«

Die Worte kamen ihm selbst idiotisch vor, aber es war alles, was er sagen konnte. Sein Kopf war wie leer gefegt. Er hatte nicht einmal wirklich Angst. Vielleicht war der Schrecken einfach zu groß, um ihn wirklich zu verarbeiten.

Das Mädchen bewegte sich, versuchte den Kopf zu drehen, und Littlecloud fiel gerade noch rechtzeitig ein, was hinter ihnen war. Hastig griff er zu und zog das Gesicht des Mädchens so fest an seine Brust, dass es ihm unmöglich war, den Kopf zu wenden.

»Sieh nicht hin«, sagte er. »Ich bringe dich hier heraus. Komm. Halt dich an mir fest.« Rückwärtsgehend versuchte er, die offenstehende Hecktür zu erreichen.

Von draußen drang ein gellender Schrei herein, so hoch und spitz, wie Littlecloud noch niemals zuvor einen Menschen hatte schreien hören. Erschrocken fuhr er herum und riss ungläubig die Augen auf.

Es war Corman, der geschrien hatte. Er war mehr als zehn Meter weit weggeschleudert worden, aber auch er schien nicht lebensgefährlich verletzt zu sein, denn er hatte sich bereits wieder hochgestemmt – und stand mit hoch erhobenen Armen und heftig winkend da!

In der ersten Sekunde zweifelte Littlecloud einfach an Cormans Verstand. Aber dann sah er den Schatten, der sich über den Wüstensand legte, und er begriff, was Corman tat. So unmöglich es auch erschien, der Zusammenstoß hatte den Saurier nicht getötet. Das Ungeheuer stampfte bereits wieder heran – und Corman versuchte mit seinem verzweifelten Winken und Schreien nichts anderes, als den Saurier vom Wagen und seinen Insassen abzulenken.

Selbst wenn es ihm gelang, dachte Littlecloud entsetzt, würde er damit nichts anderes erreichen, als dass die Bestie erst ihn tötete und sich zwei Sekunden später dem Wagen zuwandte. Sein Opfer war sinnlos; aber trotzdem war das die tapferste Tat, die Littlecloud jemals erlebt hatte.

Aber es funktionierte nicht.

Littleclouds Blick folgte dem monströsen Schatten und wanderte an einem Paar nicht weniger monströser, gigantischer Beine hinauf, über denen ein riesenhafter Körper und ein Schädel wie ein fleischgewordener Fiebertraum emporragten. Zum ersten Mal sah er die Bestie deutlich aus allernächster Nähe, und es war ein Anblick, den er nie wieder vergessen sollte.

Das Ungeheuer war so groß wie ein Haus. In seinem weit aufgerissenen Maul hätte ein erwachsener Mann bequem sitzen können, und jede einzelne der beiden Krallen an seinen Pfoten war länger als Littleclouds Hand. Seine Zähne glichen rückwärts gebogenen Speerspitzen, die in einem wirren Durcheinander aus den gewaltigen Kiefern ragten.

Die gesamte linke Flanke des Ungeheuers war aufgerissen. Blut lief in breiten, pulsierenden Strömen an seinem Körper herunter und bildete eine breite, dampfende Spur hinter ihm, doch den schlimmsten Anblick bot sein Kopf.

Die Rotorblätter des abstürzenden Hubschraubers hatten sein Fleisch wie Messerklingen aufgeschlitzt. Das linke Auge war nur noch eine leere Höhle, die Littlecloud aus dem bloß gelegten Knochen heraus boshaft anzustarren schien.

Selbst ein Monstrum von dieser Größe hätte eine solche Verletzung nicht überleben dürfen. Vielleicht war es einfach zu dumm, um zu begreifen, dass es längst tot war. Aber noch bewegte es sich.

Und es bewegte sich direkt auf den Wagen zu.

Corman schrie immer schriller, als er begriff, dass es ihm nicht gelingen würde, die Bestie abzulenken. Schließlich griff er in seiner Verzweiflung nach einem Stein und schleuderte ihn nach dem Saurier. Das Ungeheuer bemerkte es nicht einmal, sondern stampfte ungerührt weiter heran. Noch zwei, allerhöchstens drei Schritte, und es hatte den Wagen erreicht.

Littleclouds Gedanken überschlugen sich. Er hatte noch eine Sekunde, kaum mehr. Die Zeit reichte nicht, den Wagen zu verlassen, und selbst wenn, wären sie draußen nur noch hilflosere Opfer gewesen.

Der Saurier starb. Er verlor in jeder Sekunde mehr Blut, als ein Mensch in seinem ganzen Körper hatte, und musste in wenigen Augenblicken einfach tot umfallen. Aber sie hatten nicht einmal mehr diese wenigen Augenblicke. Das Ungeheuer war da. Jetzt.

Der Wagen erzitterte unter einem Fußtritt des Giganten, der die aufgerissene Seite noch weiter eindrückte und Littlecloud und das Mädchen von den Füßen riss. Wie durch ein Wunder wurden sie nicht von den gefährlichen Trümmerstücken und Kanten aufgespießt, und irgendwie gelang es Littlecloud sogar, sich schützend über den Körper des Mädchens zu werfen.

Der Saurier brüllte jetzt wieder, und das Geräusch war so laut, dass es Littlecloud körperlich wehtat. Das zerbrochene Glas, das den Wagenboden wie sonderbar eckiger Tau bedeckte, begann zu vibrieren, und dann hörte er wieder den schrecklichen Laut zerreißenden Metalls, als der Saurier damit begann, auch noch den Rest des Wagendaches abzureißen.

Ein paar Sekunden! dachte er. Großer Gott, ich brauche nur ein paar Sekunden! Ein Versteck, oder Das Gewehr lag so dicht vor ihm, als hätte es jemand griffbereit neben seiner rechten Hand platziert. Der Anblick war so verblüffend, dass Littlecloud die Waffe eine halbe Sekunde lang fast verständnislos anstarrte, ehe etwas in ihm die Kontrolle über sein Handeln übernahm. Blitzartig griff er nach der Waffe, rollte sich in der gleichen Bewegung auf den Rücken und riss das Gewehr in die Höhe.

Der Lauf prallte mit einem dumpfen Knall gegen die Schnauze des Sauriers und wäre ihm fast aus der Hand gerissen worden.

Die Bestie war über ihnen. Sie hatte das Wagendach vollends heruntergefetzt und sich weit vorgebeugt. Ihre riesigen Kiefer klaffte weit auseinander. Eine Woge heißen, nach Verwesung und Blut stinkenden Atems schlug Littlecloud ins Gesicht, und das blinde Auge hing so dicht über ihm, dass er nur die Hand hätte auszustrecken brauchen, um es zu berühren. Neben ihm begann das Mädchen hoch und mit schier unmenschlicher Stimme zu schreien, so laut und ausdauernd, als wolle es nie wieder damit aufhören.

Was Littlecloud dann tat, geschah aus purer Verzweiflung. Ohne auf nur darüber nachzudenken, riss er das Gewehr in die Höhe und schmetterte dem Saurier den Kolben gegen die Kiefer. Zwei, drei der riesigen Zähne brachen einfach ab und flogen davon. Der monströse Schädel zog sich ein Stück zurück, bewegte sich mit einem plötzlichen Ruck, und dann starrte Littlecloud aus unmittelbarer Nähe in ein Auge, das fast so groß wie sein Kopf und von einer Bosheit und Mordlust erfüllt war, wie sie vielleicht kein anderes lebendes Wesen auf diesem Planeten aufzubringen imstande war.

Er drückte ab.

Die beiden Läufe des Schrotgewehres entluden sich mit einem einzigen dumpfen Krachen. Die tödlichen Ladungen bissen tief ins verwundbare Innere des Saurierschädels.

Mit einem unvorstellbaren Brüllen richtete sich der Tyrannosaurus Rex wieder auf. Seine Krallen begannen wild und ziellos zu schlagen, rissen mannsgroße Metallfetzen aus dem Wagen. Sein Schwanz peitschte, schlug mit einem ohrenbetäubenden Krachen gegen die Flanke des Campingmobils und halbierte es praktisch.

Littlecloud ließ das Gewehr fallen und warf sich schützend über das Mädchen – eine Geste von nur symbolischer Bedeutung, denn wenn das Ungeheuer über dem Wagen zusammenbrach, würde sie wahrscheinlich nicht einmal eine massive Betondecke schützen.

Die Schreie des Sauriers wurde immer lauter. Die Erde zitterte unter seinen stampfenden Schritten, und der peitschende Schwanz traf das Autowrack noch zwei-, dreimal, wenn auch nicht mehr mit auch nur annähernd so vernichtender Wucht.

Und dann, ganz plötzlich, wurde es still.

Littlecloud hob zögernd, mit klopfendem Herzen und angehaltenem Atem den Kopf. Er wäre in diesem Moment nicht einmal mehr überrascht gewesen, hätte er den Saurier abermals über sich gebeugt gesehen, grinsend und mit aufgerissenem Maul und nur darauf wartend, dass er sich zu ihm herumdrehte, um endgültig zuzupacken.

Das Tier hatte sich in seinem sinnlosen Toben fünf oder sechs Meter weit entfernt. Es stand völlig still. Der gigantische, jetzt blinde Schädel war zum Himmel gerichtet, Kiefer und Klauen wie zu einem letzten Zupacken geöffnet, als hätte es sich selbst jetzt noch nicht mit seinem Tod abgefunden und wäre bereit, das Schicksal selbst herauszufordern.

Plötzlich begann es zu zittern, stieß ein letztes, fast wie ein Seufzen klingendes Grollen aus und stürzte dann wie vom Blitz getroffen zur Seite. Sein gigantischer Schädel krachte kaum einen halben Meter neben dem Wagen auf den Boden. Und Littlecloud schwanden endgültig die Sinne.

***

»Was war das?!« Will war stehen geblieben und hatte warnend die Hand erhoben. Es war nicht das erste Mal, dass er dies tat, seit sie aufgebrochen waren, um den Felsen zu erreichen, doch anders als die Male zuvor verzichtete er darauf, sein Gewehr in Anschlag zu bringen. Auf seinem Gesicht lag ein sehr angespannter Ausdruck.

»Was meinen Sie?« Professor Schneider hatte nichts gehört. Da er keine Antwort bekam, lauschte auch er einen Moment lang angestrengt. Aber er hörte nichts. Nichts außer dem Hämmern seines eigenen Pulsschlages und den natürlichen Geräuschen dieses Waldes – so weit er dies beurteilen konnte. Schließlich befanden sie sich in einem Wald, der mehr als einhundert Millionen Jahre von ihrer gewohnten Umwelt – und Zeit! – entfernt war. Wer wollte schon sagen, was damals normal gewesen war und was nicht?

In einem einzigen Punkt allerdings war Schneider sicher: Der Helikopter, den sie vor einigen Minuten am Himmel gesehen hatten, gehörte eindeutig nicht hierher.