Dorian Hunter 193 - Dario Vandis - E-Book

Dorian Hunter 193 E-Book

Dario Vandis

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Beschreibung

»Ich möchte dir etwas geben. Du solltest es stets bei dir tragen.«

Huygen van Vloten öffnete das Kästchen und nahm einen schwarzen

Stein heraus, der an einer dünnen Kette befestigt war. Langsam schob

er ihn über den Tisch. »Ich will dir ein Angebot machen, Junge. Ich kann

dir helfen, deine besonderen Fähigkeiten zu stärken.«

Hendrick fühlte sein Herz bis zum Hals klopfen. »I-ich verstehe nicht,

Herr.« »Ich kann dir helfen, sie zu vervollkommnen, sodass du dich ihrer nach

Belieben bedienen kannst. Kein Mensch könnte dir mehr etwas befeh-

len ...«

Die Suche nach Martin führt Dorian Hunter und Coco Zamis nach

Bukarest. Dort wird der Dämonenkiller von den Erinnerungen an sein

siebtes Leben überwältigt: Als Hendrick Zevanck trat er einst in die

Dienste der Vereinigten Ostindischen Kompanie, um in Asien sein Glück

zu finden ...

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Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

Inhalt

Was bisher geschah

EINE NEUE MANNSCHAFT

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

Vorschau

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Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Der ehemalige Reporter Dorian Hunter hat sein Leben dem Kampf gegen die Schwarze Familie der Dämonen gewidmet, seit seine Frau Lilian durch eine Begegnung mit ihnen den Verstand verlor. Seine Gegner leben als ehrbare Bürger über den Erdball verteilt. Nur vereinzelt gelingt es dem »Dämonenkiller«, ihnen die Maske herunterzureißen.

Bald kommt Dorian seiner eigentlichen Bestimmung auf die Spur: In einem früheren Leben schloss er als Baron Nicolas de Conde einen Pakt mit dem Teufel, der ihm die Unsterblichkeit sicherte. Um für seine Sünden zu büßen, verfasste de Conde den »Hexenhammer« – jenes Buch, das im 16. Jahrhundert zur Grundlage für die Hexenverfolgung wurde. Doch der Inquisition fielen meist Unschuldige zum Opfer; die Dämonen blieben ungeschoren. Als de Conde selbst der Ketzerei angeklagt und verbrannt wurde, ging seine Seele in den nächsten Körper über. So ging es fort bis in die Gegenwart. Dorian Hunter begreift, dass es seine Aufgabe ist, de Condes Verfehlungen zu sühnen und die Dämonen zu vernichten.

In seinem Kampf findet Dorian mächtige Verbündete – die Freimaurerloge der Magischen Bruderschaft; den Hermaphroditen Phillip, der stets in fremden Sphären zu leben scheint; den Steinzeitmenschen Unga, der einst dem legendären Weißmagier Hermes Trismegistos diente; den früheren Secret-Service-Agenten Donald Chapman, der von einem Dämon auf Puppengröße geschrumpft wurde; vor allem aber die ehemalige Hexe Coco Zamis, die aus Liebe zu Dorian die Seiten gewechselt hat und ihm einen Sohn, Martin, geboren hat. Aber die Dämonen bleiben nicht untätig: Es gelingt ihnen, mit dem Castillo Basajaun einen wichtigen Stützpunkt der Magischen Bruderschaft in Andorra zu zerstören. Damit bleibt Dorian als Rückzugsort nur noch die Jugendstilvilla in der Londoner Baring Road.

Bei Ausgrabungen in Israel wird der Angisus Nathaniel – ein »Engel« – entdeckt. Dieser wollte die Welt zerstören und wieder komplett neu aufbauen. Doch Nathaniel wird vernichtet. Einige Zeit später bringt Helena Riedberg sein Kind zur Welt: Larissa. – Coco und Martin müssen vor unerwarteten Attacken des Hermaphroditen Phillip aus der Jugendstilvilla fliehen. Dabei hilft ihnen der mysteriöse Isbrant. Obwohl sie erkennt, dass sie von Isbrant beeinflusst wird, kann sich Coco nicht widersetzen. Kurz darauf sieht sich Jacques d'Arcy dem Ziel, sich als Fürst der Finsternis zu qualifizieren, nahe: Er hat Zakums Auftrag erfüllt und die geheimnisvolle Prophezeiung an sich gebracht. Da greift Dorian Hunter ein, und d'Arcy wird getötet. Cocos frühere Freundin, die Vampirin Rebecca, die fast alle ihre Fledermausdiener verloren hat, zieht die Konsequenz und beendet selbst ihr Leben. Coco selbst ist von Vampirbissen geschwächt.

Dorian und Coco hören die Botschaft der Prophezeiung: Ein zu früh gereiftes Kind werde den Thron der Finsternis besteigen! Ist damit womöglich ihr Sohn Martin gemeint, der von den Dämonen verschleppt wurde?

EINE NEUE MANNSCHAFT

von Dario Vandis

Elia Radescu war von Angst und Schmerzen zerfressen, und als der Tod an seine Tür trat, war es für ihn wie eine Erlösung. Radescu war, was man hinter vorgehaltener Hand einen Krüppel nannte: kaum einen Meter zwanzig groß, mit einer krummen Nase und Augen, die sonderbar schräg zueinander standen und in denen es verschlagen glitzerte. Dazu lahmte er und sprach undeutlich. Ein Zwerg, dessen Leben erfüllt von Häme und Missachtung war.

Vor dreihundertfünfzig Jahren war er Freibeuter auf der DIABOLO gewesen. Ein angesehenes Mitglied der Schwarzen Familie, das zusammen mit anderen Dämonen unter dem Oberkaufmann Huygen van Vloten die Weltmeere befuhr. Sie kaperten ganze Schiffsflotten, töteten Tausende Menschen, obwohl sie im Grunde nur auf der Suche nach einem einzigen Mann waren: Felipe de Torqueda, dem Dämon, der Asmodi betrogen und das Kalifenauge unterschlagen hatte. Ihm hatte die DIABOLO gehört.

Elia Radescu seufzte. Die Geschichte war zu lang, um in einem Satz erzählt zu werden. Damals hatte er einen anderen Namen besessen. Er würde ihn noch heute führen, wenn die Jagd auf de Torqueda von Erfolg gekrönt gewesen wäre.

1. Kapitel

Langsam zog er die Vorhänge einen Spalt zur Seite. Mit der Linken klammerte er sich an seinen Gehstock. Es war ein trostloser, grauer Vormittag, wie er für Bukarest eher untypisch war. Regenschleier verdeckten die Sicht auf die angrenzenden Wohnhäuser. An Tagen wie diesem merkte Elia, dass er immer noch große Sehnsucht nach dem Ozean verspürte. Gern hätte er noch einmal die kalte Gischt auf seiner Haut gefühlt, das Salz in seinen Poren.

Er zuckte zusammen, als er vor dem Grundstück eine Bewegung wahrnahm. Der Regen färbte alles grau, doch er war sicher, eine Gestalt erblickt zu haben. Nur einen Schatten, der sofort wieder hinter einem dichten Busch verschwunden war.

Eine Gänsehaut kroch über Elias dürren Körper. Die Eintönigkeit war ihm lieb geworden in den Jahren; eine willkommene Droge, um den in ihm nistenden Schmerz zu lindern. Ein Besucher brachte Ungewissheit mit sich. Und Angst. Die Ereignisse von damals waren noch nicht ausgestanden.

Er schob die Gardine wieder vor und humpelte zurück zum Sessel. An den Wänden hingen keine Bilder. Die Einrichtung war karg. Es gab nichts, was Elia zum Leben brauchte außer der Erinnerung. Lange war er von der Hoffnung erfüllt gewesen, seinen Fehler wiedergutmachen zu können. Vielleicht würde Asmodi ihn rehabilitieren. Aber das Oberhaupt der Schwarzen Familie war seit Langem tot, und seine Nachfolger hatten Elia Radescu längst vergessen.

Er ließ sich auf dem Sessel nieder und dachte an den Winter 1660, als er mit der DIABOLO nach Ostindien gesegelt war. Sie hatten die Weihnachtsflotte der Niederländer überfallen und tausendfünfhundert Menschen in den Tod geschickt. Es war nicht schade um sie gewesen. Es war nie schade um irgendeinen Menschen. Darin hatte Elia seine Meinung nicht geändert.

Sie hatten mit der DIABOLO vor Kapstadt geankert, ohne dass man in der holländischen Festung unterhalb des Tafelberges Verdacht geschöpft hatte. Dann waren sie weiter in Richtung Ostindien gesegelt, das man heute als Indonesien bezeichnete. Van Vlotens Plan, das zweite Kalifenauge in seine Gewalt zu bringen, war unfehlbar – bis auf eine Kleinigkeit. Sie ahnten nicht, dass es in der eigenen Mannschaft einen Verräter gab, der Asmodis Auftrag sabotierte. So triumphierte de Torqueda, ohne etwas davon zu erfahren. Es war schon verrückt.

Das Telefon klingelte nervenzerreißend in der Stille. Elia erstarrte. Er dachte an die Gestalt vor dem Fenster. Er hatte seit dreißig Jahren keinen Anruf mehr bekommen.

Keuchend wuchtete er seinen missgestalteten Körper aus dem Sessel. Das konnte nur van Vloten sein. Er war der Einzige, der diese Nummer kannte. Sie hatten sich nicht mehr gesprochen, seit sie das letzte Mal ihre Identität gewechselt hatten.

Elia nahm den Hörer ab. Seine Stimme war nicht lauter als ein Flüstern.

»Wir müssen uns treffen«, antwortete van Vloten. »Heute noch.«

Elia versuchte die Worte zu begreifen. Versuchte zu begreifen, was geschehen war. Der Schatten vor dem Fenster, der Anruf, der die Eintönigkeit abrupt beendet hatte. Er ahnte, dass auf einmal nichts mehr war wie zuvor.

Es klingelte an der Tür. Elia ließ den Hörer sinken, Van Vlotens Stimme quäkte in der Muschel.

Hinter dem Türglas zeichnete sich ein Schatten ab. Ein großer Mann mit dunklen Haaren. Er ist es, dachte Elia. Er ist wahrhaftig zurückgekehrt.

»Du darfst nicht öffnen«, krächzte es aus dem Hörer. »Elia, du darfst die Tür nicht öffnen!«

Er runzelte die Stirn. Es klang lächerlich, wenn van Vloten ihn mit seinem neuen Namen anredete. Er versuchte verzweifelt, die Vergangenheit zu verdrängen. Aber das war nicht möglich. Sie war da. Sie war zurückgekehrt und stand hier vor Elias Tür.

»Elia, hörst du mich?«

»Ja. Wir sollen uns treffen ... warum?«

»Weil er in der Stadt ist. Wir sind hier nicht mehr sicher. Du erinnerst dich doch an ihn, nicht wahr? Er hat uns alle hintergangen.«

»Ja.«

»Wir müssen sofort die Stadt verlassen!«

Elia holte tief Luft. »Ich ... Ich glaube, er ist bereits hier.«

Es klingelte ein zweites Mal. Die Scheiben waren gemustert, sodass Elia das Gesicht des Mannes nicht erkennen konnte. Dennoch zweifelte er keine Sekunde, dass er es war. Es gab keine Zufälle mehr in seinem Leben.

»Du musst fliehen«, rief van Vloten. »Nimm die Kellertür.«

»Ich bin zu langsam. Er würde mich bemerken.«

»Aber ...«

Elia legte den Hörer neben die Gabel und wandte sich zur Tür. Im Grunde war er froh, dass es zu Ende war. Nach so vielen Jahren endlich die Erlösung. Er zählte die Sekunden, die er brauchte, um den Schlüssel im Schloss zu drehen. Der Besucher wartete geduldig. Elia zog den Messingriegel zurück und öffnete die Tür.

Der Mann sah fast genauso aus wie damals. Die Narbe unter dem Auge glänzte dunkelrot. Seine Haare waren länger gewesen und gelockt. Natürlich, es war die Hochzeit des Barock gewesen.

Elia blickte auf den Stein, der an einer Kette um seinen Hals befestigt war. Das also war der Grund, weshalb er zurückgekehrt war. Er hatte das Kalifenauge in seine Gewalt gebracht. Das einzige Kalifenauge. Van Vloten war einem verhängnisvollen Irrtum aufgesessen, als er geglaubt hatte, dass es ein Duplikat gab. Dieser Irrtum hatte ihn und Elia damals die Zukunft in der Schwarzen Familie gekostet. Und jetzt endlich kostete er sie das Leben.

»Es freut mich, dich wiederzusehen«, sagte der Fremde spöttisch. Er war fast zwei Meter groß und trug einen langen, schwarzen Mantel. In seiner rechten Hand blitzte ein Messer.

Elia konnte seinen Blick nicht von dem faustgroßen Stein lösen. Wie lange hatten van Vloten und er nach ihm gesucht!

Vor seinen Augen entstanden die Geschehnisse der Reise nach Ostindien. Die abenteuerliche Fahrt durch den Stillen Ozean, der Aufenthalt in Sumatra und Batavia. Die Bilder waren voller Farbe, und Elia wurde sich schmerzlich bewusst, wie lange diese Zeit zurücklag.

Er wird uns töten, Elia. Wir sind hier nicht mehr sicher.

Er schüttelte den Kopf. Das war nicht mehr wichtig. Er sah das Amulett vor sich, das sein Leben ruiniert hatte. Damals hätte er seine linke Hand gegeben, um es zu bekommen.

Er reagierte nicht, als der Fremde die Hand mit dem Messer hob. Dann spürte er den Stich in seiner Brust. Er schmerzte nicht – jedenfalls nicht, wenn man wirkliche, dauerhafte Schmerzen kannte. Das Herz setzte aus, und Elia spürte einen leichten Schwindel. Er stürzte zu Boden, und es wurde schwarz um ihn. Sein Tod war sanfter als sein langes Leben.

Der Fremde stieg über die Leiche hinweg in das Haus und nahm den Telefonhörer auf. Am anderen Ende erklang ein unterdrücktes Keuchen.

»Ich weiß, dass du da bist«, sagte der Mann. »Dich werde ich auch noch holen.«

Van Vloten antwortete nicht. Der Fremde legte den Hörer auf die Gabel und verließ das Haus.

Um zehn Uhr am nächsten Morgen stoppte ein Taxi vor der Fassade eines mehrstöckigen Hotels in der Innenstadt von Bukarest. Der Fahrer öffnete zuvorkommend den Schlag, und eine schlanke, schwarzhaarige Frau stieg aus. Sie war atemberaubend schön und trug einen dunklen Mantel, der an einigen Stellen verschmutzt und eingerissen war. Ihr Gesicht wurde von hoch angesetzten Wangenknochen beherrscht. Unter ihren Augen zeichneten sich dunkle Ringe ab. Trotz ihrer Schönheit machte sie einen erschöpften Eindruck.

Nach ihr verließ ein Mann den Wagen. Er war schlaksig und trug sein schwarzes Haar ebenfalls nackenlang, aber seine scharf geschnittenen Züge hatten nichts Anmutiges. Ein hässlicher, an beiden Enden nach unten gezwirbelter Schnauzbart verunstaltete das Gesicht. Die stechend blickenden Augen verliehen ihm etwas Dämonisches.

»Das ist für Sie«, sagte er und nahm einige Scheine aus seinem Portemonnaie. »Behalten Sie den Rest.«

Der Fahrer bedankte sich und holte das Gepäck der beiden aus dem Kofferraum. Dorian Hunter wartete, bis das Taxi abgefahren war, dann betrat er zusammen mit Coco Zamis das Hotel. Ein Page nahm ihnen die Koffer ab. Dorian ließ Coco, die sich kaum noch auf den Beinen halten konnte, in einem der großzügigen Foyersessel zurück und ging zur Rezeption. Als er seinen Namen nannte, nickte der Portier und übergab ihm einen Schlüssel.

»Nummer 13. Ein Doppelzimmer im ersten Stock. Es wurde vor einer Stunde auf Ihren Namen reserviert.«

Dorian bedankte sich und kehrte zu Coco zurück. Der Page trug bereits die Koffer zum Lift.

Zimmer 13 – Olivaros Scherze kamen zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Dorian half Coco auf und legte sich ihren Arm um die Schultern.

»Mr. Hunter?«

»Ja?«

Der Portier hatte die Rezeption verlassen und war Dorian gefolgt. Die Augen quollen ihm fast aus dem Kopf, als er Coco von oben bis unten musterte. Trotz ihrer schlechten Verfassung konnte sie immer noch jedem Mann den Kopf verdrehen.

»Mr. Olivaro hat sich für 10 Uhr 15 angemeldet. Er wird zu Ihnen aufs Zimmer kommen.« Er blickte noch einmal sorgenvoll zu Coco. »Soll ich vielleicht einen Arzt rufen lassen, Miss Zamis?«

»Das ist nicht nötig. Vielen Dank«, sagte Dorian.

Der Portier zögerte, woraufhin Coco ihn mit der letzten ihr zur Verfügung stehenden Kraft hypnotisierte. Seine Gestalt straffte sich, und er eilte zurück an seinen Platz.

Als sie das Zimmer betreten hatten, ließ Coco sich keuchend auf das Bett fallen. Sie hielt die Augen geschlossen und verschwendete keinen Blick an die luxuriöse Ausstattung des Raumes. Dorian hatte sich an den Massivholztisch gesetzt und sah ungeduldig auf die Uhr. Es war zehn Minuten nach zehn. Immer wieder glitt sein Blick sorgenvoll zu Coco, die sich in die hellblaue Seidendecke gekuschelt hatte. Dieses Treffen passte ihm überhaupt nicht. Am liebsten wäre er mit der nächsten Maschine zurück nach London geflogen. In der Jugendstilvilla hoffte er in seiner magischen Reliquien- und Schriftensammlung ein Mittel zu finden, mit dem er Coco von dem Vampirkeim heilen konnte. Drei Tage nach dem Biss, den sie auf der Burg der Vampirin Rebecca von einem untoten Blutsauger erhalten hatte, befand sie sich in einem steten Zustand der Dämmerung. Sie konnte weder wachen noch schlafen.

Dorian schrak zusammen, als es an der Tür klopfte. Olivaro war drei Minuten zu früh.

»Es freut mich, euch zu sehen«, sagte der Januskopf und trat ein. Er trug einen beigen Anzug und in der Hand einen ledernen Dokumentenkoffer, den er mit einer abrupten Bewegung auf dem Tisch absetzte.

»Kann ich nicht behaupten. Warum dieses Treffen, Olivaro? Coco geht es nicht gut, wie du siehst. Sie ist von einem Vampir gebissen worden. Wir müssen so schnell wie möglich nach London zurück.«

»London ist weit«, sagte Olivaro ruhig. Er war klein gewachsen und besaß ein Allerweltsgesicht. Niemand vermutete in ihm eines der mächtigsten magischen Geschöpfe, die diese Welt je gesehen hatte. Er stammte von der Januswelt Malkuth und befand sich seit über tausend Jahren auf der Erde. Daher verfügte er über ein immenses Wissen, was Dorians Gegner, die Schwarze Familie der Dämonen, betraf. »Vielleicht ist es möglich, Coco schon hier in Bukarest zu helfen.«

»Du weißt von ihrer Verletzung?«

»Ich habe über Umwege davon erfahren.« Olivaros Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass er seine Quelle nicht verraten würde. »Zuerst einmal werde ich ihr ein Mittel zur Kreislaufstabilisierung geben. Dann muss sie auf schnellstem Wege zu einem Arzt.«

»Coco kann kein Arzt der Welt helfen!«, sagte Dorian ungeduldig.

»Es gibt in der Stadt einen Heilpraktiker. Sein Name ist Julius Grimmorius. Er verfolgt alternative Heilungsmethoden und steht in engem Kontakt zur Schwarzen Familie. Er wird einen Weg finden, den Keim zu beseitigen.«

»Ein Handlanger der Dämonen – niemals!«

»Er ist mir einen Gefallen schuldig«, sagte Olivaro. »Grimmorius weiß, dass ich ihn in der Hand habe, deshalb wird er keine Schwierigkeiten machen. Er ist ein Experte auf dem Gebiet der Theriakbehandlung. Theriak ist das einzige Mittel, das Coco jetzt noch helfen kann.«

Dorian wollte zu einer Erwiderung ansetzen, aber Olivaro winkte ab und öffnete seinen Koffer. Er nahm eine Spritze heraus, deren Inhalt er Coco verabreichte. Dorian wollte lieber nicht wissen, worum es sich bei der Flüssigkeit handelte.

»Es dauert einige Minuten, bis die Wirkung einsetzt. Coco wird in einen tiefen Schlaf fallen. In dieser Zeit kannst du sie zur Praxis bringen.«

»Das Theriak wird sie süchtig machen.«

»Es gibt genügend Gegenmittel.« Olivaro blickte ihn ernst an. »Es gibt keine andere Möglichkeit. Andernfalls ist ihr Leben verwirkt.« Er setzte sich auf einen Stuhl. »Und nun würde es mich interessieren zu erfahren, was ihr in Siebenbürgen erlebt habt.«

Dorian begann von ihren Erlebnissen auf der Vampirburg zu berichten. Dabei blickte er ständig zu Coco hinüber, die bereits eingeschlafen war.