Dunkles Erwachen - J. R. Ward - E-Book
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Dunkles Erwachen E-Book

J. R. Ward

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Beschreibung

Düster, erotisch, unwiderstehlich – die letzten Vampire kämpfen um das Schicksal der Welt

Zsadists Rachedurst kennt keine Grenzen mehr. In seinem Zorn verfällt er zusehends dem Wahnsinn. Bella, die schöne Aristokratin, ist nun seine einzige Rettung.

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Titel der Originalausgabe LOVER AWAKENED (PART 2) Aus dem Amerikanischen übersetzt von Astrid Finke
Redaktion: Natalja Schmidt
Copyright © 2006 by Jessica Bird
Copyright © 2008 der deutschen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München.www.heyne.de
Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling
ISBN 978-3-641-06688-8 V005
www.penguinrandomhouse.de

Das Buch

Zsadist, das düsterste und geheimnisvollste Mitglied der Bruderschaft der BLACK DAGGER, hat in der Aristokratin Bella eine Frau gefunden, die durch seine finstere Maske hindurch blickt und den Mann liebt, der er wirklich ist. Doch die Vergangenheit lastet schwer auf dem Vampir, der von sich selbst glaubt, ihrer Gefühle nicht wert zu sein. Trotzdem bindet er sich während ihrer Triebigkeit an Bella und will sie von nun an um jeden Preis beschützen. Aber auch ein Mitglied der Gesellschaft der Lesser ist von der schönen Bella besessen – und als dieser sie tot glaubt, setzt er alles daran, Zsadist zu vernichten …

Die BLACK DAGGER-Serie:Erster Roman: NachtjagdZweiter Roman: BlutopferDritter Roman: Ewige LiebeVierter Roman: BruderkriegFünfter Roman: MondspurSechster Roman: Dunkles Er wachenSiebter Roman: MenschenkindAchter Roman: Vampirherz

Die Autorin

J. R. Ward begann bereits während ihres Studiums mit dem Schreiben. Nach ihrem Hochschulabschluss veröffentlichte sie die BLACK DAGGER-Serie, die in kürzester Zeit die amerikanischen Bestseller-Listen eroberte. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrem Golden Retriever in Kentucky und gilt seit dem überragenden Erfolg der Serie als neuer Star der romantischen Mystery.

Besuchen Sie J. R. Ward unter: www.jr.ward.com

Inhaltsverzeichnis

Das BuchDie AutorinWidmungDANKAGUNGGLOSSAR DER BEGRIFFE UND EIGENNAMENKapitel 1Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Kapitel 6Kapitel 7Kapitel 8Kapitel 9Kapitel 10Kapitel 11Kapitel 12Kapitel 13Kapitel 14Kapitel 15Kapitel 16Kapitel 17Kapitel 18Kapitel 19Kapitel 20Kapitel 21Kapitel 22Kapitel 23Kapitel 24Kapitel 25Kapitel 26EPILOGCopyright

Gewidmet: Dir Niemand kann dir je gleichen. Für mich … bist du der Einzige. Mir fehlen die Worte dafür …

DANKAGUNG

Mit unendlicher Dankbarkeit den Lesern der Black Dagger und ein Hoch auf meine Cellies!

Ich danke euch so sehr:

Karen Solem, Kara Cesare, Claire Zion, Kara Welsh, Rose Hilliard.

Dank auch an die besten Zahnarztteams der Welt: Dr. Robert N. Mann und Ann Blair Dr. Scott A. Norton und Kelly Eichler und ihre unvergleichlichen Mitarbeiter.

Und wie immer heißen Dank an meinen Exekutivausschuss :

Sue Grafton, Dr. Jessica Andersen, Betsey Vaughan.

In Liebe zu meiner Familie.

GLOSSAR DER BEGRIFFE UND EIGENNAMEN

Bannung – Status, der einer Vampirin der Aristokratie auf Gesuch ihrer Familie durch den König auferlegt werden kann. Unterstellt die Vampirin der alleinigen Aufsicht ihres Hüters, üblicherweise der älteste Mann des Haushalts. Ihr Hüter besitzt damit das gesetzlich verbriefte Recht, sämtliche Aspekte ihres Lebens zu bestimmen und nach eigenem Gutdünken jeglichen Umgang zwischen ihr und der Außenwelt zu regulieren.

Die Bruderschaft der Black Dagger – Die Brüder des Schwarzen Dolches. Speziell ausgebildete Vampirkrieger, die ihre Spezies vor der Gesellschaft der Lesser beschützen. Infolge selektiver Züchtung innerhalb der Rasse besitzen die Brüder ungeheure physische und mentale Stärke sowie die Fähigkeit zur extrem raschen Heilung. Die meisten von ihnen sind keine leiblichen Geschwister ; neue Anwärter werden von den anderen Brüdern vorgeschlagen und daraufhin in die Bruderschaft aufgenommen. Die Mitglieder der Bruderschaft sind Einzelgänger, aggressiv und verschlossen. Sie pflegen wenig Kontakt zu Menschen und anderen Vampiren, außer um Blut zu trinken. Viele Legenden ranken sich um diese Krieger, und sie werden von ihresgleichen mit höchster Ehrfurcht behandelt. Sie können getötet werden, aber nur durch sehr schwere Wunden, wie zum Beispiel eine Kugel oder einen Messerstich ins Herz.

Blutsklave – Männlicher oder weiblicher Vampir, der unterworfen wurde, um das Blutbedürfnis eines anderen zu stillen. Die Haltung von Blutsklaven ist heute zwar nicht mehr üblich, aber nicht ungesetzlich.

Die Auserwählten – Vampirinnen, deren Aufgabe es ist, der Jungfrau der Schrift zu dienen. Sie werden als Angehörige der Aristokratie betrachtet, obwohl sie eher spirituell als weltlich orientiert sind. Normalerweise pflegen sie wenig bis gar keinen Kontakt zu männlichen Vampiren ; auf Weisung der Jungfrau der Schrift können sie sich aber mit einem Krieger vereinigen, um den Fortbestand ihres Standes zu sichern. Sie besitzen die Fähigkeit zur Prophezeiung. In der Vergangenheit dienten sie alleinstehenden Brüdern zum Stillen ihres Blutbedürfnisses, aber diese Praxis wurde von den Brüdern aufgegeben.

Doggen – Angehörige (r) der Dienerklasse innerhalb der Vampir welt. Doggen pflegen im Dienst an ihrer Herrschaft altertümliche, konservative Sitten und folgen einem formellen Bekleidungs- und Verhaltenskodex. Sie können tagsüber aus dem Haus gehen, altern aber relativ rasch. Die Lebenserwartung liegt bei etwa fünfhundert Jahren.

Gesellschaft der Lesser – Orden von Vampirjägern, der von Omega zum Zwecke der Auslöschung der Vampirspezies gegründet wurde.

Glymera – Das soziale Herzstück der Aristokratie, sozusagen die »oberen Zehntausend« unter den Vampiren.

Gruft – Heiliges Gewölbe der Bruderschaft der Black Dagger. Sowohl Ort für zeremonielle Handlungen wie auch Aufbewahrungsort für die erbeuteten Kanopen der Lesser. Hier werden unter anderem Aufnahmerituale, Begräbnisse und Disziplinarmaßnahmen gegen Brüder durchgeführt. Niemand außer Angehörigen der Bruderschaft, der Jungfrau der Schrift und Aspiranten hat Zutritt zur Gruft.

Hellren – Männlicher Vampir, der eine Partnerschaft mit einer Vampirin eingegangen ist. Männliche Vampire können mehr als eine Vampirin als Partnerin nehmen.

Hohe Familie – König und Königin der Vampire sowie all ihre Kinder.

Hüter – Vormund eines Vampirs oder einer Vampirin. Hüter können unterschiedlich viel Autorität besitzen, die größte Macht übt der Hüter einer gebannten Vampirin aus.

Lielan – Ein Kosewort, frei übersetzt in etwa »mein Liebstes«.

Jungfrau der Schrift – Mystische Macht, die dem König als Beraterin dient sowie die Vampirarchive hütet und Privilegien erteilt. Existiert in einer jenseitigen Sphäre und besitzt umfangreiche Kräfte. Hatte die Befähigung zu einem einzigen Schöpfungsakt, den sie zur Erschaffung der Vampire nutzte.

Lesser – Ein seiner Seele beraubter Mensch, der als Mitglied der Gesellschaft der Lesser Jagd auf Vampire macht, um sie auszurotten. Die Lesser müssen durch einen Stich in die Brust getötet werden. Sie altern nicht, essen und trinken nicht und sind impotent. Im Laufe der Jahre verlieren ihre Haare, Haut und Iris ihre Pigmentierung, bis sie blond, bleich und weißäugig sind. Sie riechen nach Talkum. Aufgenommen in die Gesellschaft werden sie durch Omega. Daraufhin erhalten sie ihre Kanope, ein Keramikgefäß, in dem sie ihr aus der Brust entferntes Herz aufbewahren.

Mahmen – Mutter. Dient sowohl als Bezeichnung als auch als Anrede und Kosewort.

Nalla – Kosewort. In etwa »Geliebte«.

Omega – Unheilvolle mystische Gestalt, die sich aus Groll gegen die Jungfrau der Schrift die Ausrottung der Vampire zum Ziel gesetzt hat. Existiert in einer jenseitigen Sphäre und hat weitreichende Kräfte, wenn auch nicht die Kraft zur Schöpfung.

Princeps – Höchste Stufe der Vampiraristokratie, untergeben nur den Mitgliedern der Hohen Familie und den Auserwählten der Jungfrau der Schrift. Dieser Titel wird vererbt; er kann nicht verliehen werden.

Pyrokant – Bezeichnet die entscheidende Schwachstelle eines Individuums, sozusagen seine Achillesverse. Diese Schwachstelle kann innerlich sein, wie zum Beispiel eine Sucht, oder äußerlich, wie ein geliebter Mensch.

Rythos – Rituelle Prozedur, um verlorene Ehre wiederherzustellen. Der Rythos wird von dem Vampir gewährt, der einen anderen beleidigt hat. Wird er angenommen, wählt der Gekränkte eine Waffe und tritt damit dem unbewaffneten Beleidiger entgegen.

Schleier – Jenseitige Sphäre, in der die Toten wieder mit ihrer Familie und ihren Freunden zusammentreffen und die Ewigkeit verbringen.

Shellan – Vampirin, die eine Partnerschaft mit einem Vampir eingegangen ist. Vampirinnen nehmen sich in der Regel nicht mehr als einen Partner, da gebundene männliche Vampire ein ausgeprägtes Revierverhalten zeigen.

Symphath – Eigene Spezies innerhalb der Vampirrasse, deren Merkmale die Fähigkeit und das Verlangen sind, Gefühle in anderen zu manipulieren (zum Zwecke eines Energieaustauschs). Historisch wurden die Symphathen oft mit Misstrauen betrachtet und in bestimmten Epochen auch von den Vampiren gejagt. Sind heute nahezu ausgestorben.

Tahlly – Kosewort. Entspricht in etwa »Süße«.

Transition – Entscheidender Moment im Leben eines Vampirs, wenn er oder sie ins Erwachsenenleben eintritt. Ab diesem Punkt müssen sie das Blut des jeweils anderen Geschlechts trinken, um zu überleben und vertragen kein Sonnenlicht mehr. Findet normalerweise mit etwa Mitte zwanzig statt. Manche Vampire überleben ihre Transition nicht, vor allem männliche Vampire. Vor ihrem Transition sind Vampire von schwächlicher Konstitution und sexuell unreif und desinteressiert. Außerdem können sie sich noch nicht dematerialisieren.

Triebigkeit – Fruchtbare Phase einer Vampirin. Üblicher weise dauert sie zwei Tage und wird von heftigem sexuellem Verlangen begleitet. Zum ersten Mal tritt sie etwa fünf Jahre nach der Transition eines weiblichen Vampirs auf, danach im Abstand von etwa zehn Jahren. Alle männlichen Vampire reagieren bis zu einem gewissen Grad auf eine triebige Vampirin, deshalb ist dies eine gefährliche Zeit. Zwischen konkurrierenden männlichen Vampiren können Konflikte und Kämpfe ausbrechen, besonders wenn die Vampirin keinen Partner hat.

Vampir – Angehöriger einer gesonderten Spezies neben dem Homo sapiens. Vampire sind darauf angewiesen, das Blut des jeweils anderen Geschlechts zu trinken. Menschliches Blut kann ihnen zwar auch das Überleben sichern, aber die daraus gewonnene Kraft hält nicht lange vor. Nach ihrer Transition, die üblicherweise etwa mit Mitte zwanzig stattfindet, dürfen sie sich nicht mehr dem Sonnenlicht aussetzen und müssen sich in regelmäßigen Abständen aus der Vene ernähren. Entgegen einer weitverbreiteten Annahme können Vampire Menschen nicht durch einen Biss oder eine Blutübertragung »verwandeln« ; in seltenen Fällen aber können sich die beiden Spezies zusammen fortpflanzen. Vampire können sich nach Belieben dematerialisieren, dazu müssen sie aber ganz ruhig werden und sich konzentrieren; außerdem dürfen sie nichts Schweres bei sich tragen. Sie können Menschen ihre Erinnerung nehmen, allerdings nur, solange diese Erinnerungen im Kurzzeitgedächtnis abgespeichert sind. Manche Vampire können auch Gedanken lesen. Die Lebenserwartung liegt bei über eintausend Jahren, in manchen Fällen auch höher.

Vergeltung – Akt tödlicher Rache, typischerweise ausgeführt von einem Mann im Dienste seiner Liebe.

Wanderer – Ein Verstorbener, der aus dem Schleier zu den Lebenden zurückgekehrt ist. Wanderern wird großer Respekt entgegengebracht und sie werden für das, was sie durchmachen mussten, verehrt.

Zwiestreit – Konflikt zwischen zwei männlichen Vampiren, die Rivalen um die Gunst einer Vampirin sind.

1

»Äpfel? Was, zum Henker, gehen mich Äpfel an?«, brüllte Mr O in sein Handy. Er war so wütend, dass er am liebsten ein paar Schädel zertrümmert hätte, und U nervte ihn mit beschissenem Obst? »Ich hab doch gerade gesagt, dass wir drei tote Betas haben. Drei.«

»Aber heute Nacht wurden acht Doppelzentner Äpfel bestellt, von vier unterschiedlichen …«

O wanderte jetzt mit Riesenschritten in der Blockhütte auf und ab. Ansonsten würde er sich leider U schnappen und zur Brust nehmen müssen, nur um Dampf abzulassen.

Sobald O von Omega zurückgekehrt war, hatte er sich auf den Weg zum Haus seiner Frau gemacht, nur um dort zwei versengte Stellen auf dem Rasen sowie die zerstörte Hintertür zu finden. Durch das Fenster hatte er drinnen überall schwarzes Blut und noch einen weiteren Brandfleck auf den Fliesen entdeckt.

Verfluchter Mist, dachte er, als er sich die Szenerie wieder vor Augen rief. Er wusste, dass es ein Bruder gewesen sein musste. In Anbetracht des Blutbads in der Küche war der Lesser, dem auf diesem Fußboden der Garaus gemacht worden war, vorher durch einen Schredder gezogen worden.

War seine Frau auch dabei gewesen? Oder hatte nur ihre Familie ihre Sachen abholen wollen, und der Bruder war zu ihrem Schutz dabei gewesen?

Diese verdammten Betas. Diese drei armseligen, schwanzlosen, unbrauchbaren Vollidioten hatten sich umbringen lassen, so dass er niemals Antworten bekommen würde. Und ob seine Frau nun dabei gewesen war oder nicht – dank des Kampfes, der stattgefunden hatte, würde sie mit Sicherheit nicht so bald dorthin zurückkehren, falls sie überhaupt noch am Leben war.

Us Gefasel drang wieder in sein Bewusstsein. »… kürzeste Tag des Jahres, der 21. Dezember, ist nächste Woche. Die Wintersonnenwende ist …«

»Ich habe eine tolle Idee«, fauchte O. »Warum halten Sie nicht einfach die Klappe? Ich will, dass Sie sofort zu dem Bauernhaus fahren und den Ford Explorer abholen, den die drei Betas dort stehen gelassen haben. Und danach …«

»Jetzt hören Sie mir doch mal zu. Äpfel werden bei der Wintersonnenwendzeremonie eingesetzt, um die Jungfrau der Schrift zu ehren.«

Diese beiden Wörtchen, Jungfrau und Schrift, erregten endlich Os Aufmerksamkeit. »Woher wissen Sie das?«

»Ich bin seit zweihundert Jahren dabei«, entgegnete U trocken. »Das Fest wurde seit … Herrgott, ich weiß gar nicht mehr, seit einem Jahrhundert vielleicht schon nicht mehr abgehalten. Die Äpfel stehen für die Erwartung des Frühlings. Saat, Wachstum, dieser ganze Erneuerungsmist. «

»Was für eine Art von Fest soll das sein?«

»Früher versammelten sich die Vampire zu Hunderten, und ich schätze mal, sie haben ein bisschen gesungen und getanzt, rituelles Zeug eben. So genau weiß ich das auch nicht. Jedenfalls überwachen wir seit Jahren gewisse Kaufmuster zu speziellen Jahreszeiten auf dem lokalen Markt. Äpfel im Winter. Frisches Zuckerrohr im April. Inzwischen sind wir mehr aus Gewohnheit dabei geblieben, weil sich diese Vampire so verdammt still verhalten haben.«

O lehnte sich mit dem Rücken an die Tür der Hütte. »Aber nun hat ihr König den Thron bestiegen. Also sind sie wieder Feuer und Flamme für die alten Sitten.«

»Und dazu ist das Internet einfach unbezahlbar. Viel effektiver, als einfach nur rumzufragen, wie wir es früher immer machen mussten. Wie schon gesagt, eine Riesenmenge Granny-Smith wurde in verschiedenen Läden geordert. Als würden sie die Bestellungen großflächig verteilen.«

»Sie wollen mir also erzählen, dass ein Haufen Vampire sich an einem geheimen Ort trifft. Wo sie ein bisschen tanzen, singen und im Kreis herumhüpfen, um die Jungfrau der Schrift anzubeten.«

»Genau.«

»Essen sie dabei die Äpfel?«

»So habe ich das verstanden.«

O rieb sich den Nacken. Er war während seiner Session mit Omega zögerlich gewesen, das Thema auf seine Frau und ihre Verwandlung in einen Lesser zu lenken. Zuerst musste er herausfinden, ob sie noch lebte, und dann musste er das Konzept gründlich durchdenken und sich etwas überlegen. Das möglicherweise unüberwindliche Problem an der Sache war selbstverständlich, dass sie eine Vampirin war, und sein einziges Gegenargument war möglicherweise, dass sie die ultimative Geheimwaffe wäre. Eine Frau ihrer eigenen Spezies, darauf würde die Bruderschaft im Leben nicht kommen …

Wobei diese Begründung natürlich rein für Omega bestimmt war. Seine Frau würde niemals mit jemandem kämpfen. Außer mit ihm.

Natürlich würde der Vorschlag höllisch schwer zu verkaufen sein. Doch ein großes Plus für ihn war Omegas Empfänglichkeit für Schmeicheleien. Könnte nicht ein fettes, Aufsehen erregendes Opfer zu seinen Ehren Wunder wirken, um ihn zu erweichen?

U plapperte immer noch. »… dachte, ich könnte mal die Märkte checken …«

Während U ohne Pause weiterredete, dachte O über Gift nach. Eine Riesenmenge Gift. Ganze Fässer von dem Zeug.

Vergiftete Äpfel. Die Schneewittchen-Nummer.

»O? Sind Sie noch dran?«

»Ja.«

»Dann klappere ich also die Märkte ab und finde heraus, wann …«

»Nicht jetzt. Ich sage Ihnen, was Sie jetzt tun werden.«

Als Bella Wraths Arbeitszimmer verließ, bebte sie vor Zorn. Weder der König noch Tohr versuchten, sie aufzuhalten und zur Vernunft zu bringen. Was bewies, dass sie hochintelligente Männer waren.

Barfuß stapfte sie durch die Eingangshalle zu Zsadists Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu. Dann schnappte sie sich das Telefon, als wäre das Gerät eine Waffe. Sie wählte die Handynummer ihres Bruders.

Rehvenge nahm ab und bellte: »Wer bist du, und woher hast du diese Nummer?«

»Wag es nicht, mir das anzutun.«

Eine lange Pause folgte. Dann: »Bella … ich – warte mal kurz.« Durch den Hörer kam ein Rascheln; mit schneidender Stimme hörte sie ihn sagen: »Er bewegt sich besser auf der Stelle hierher. Kapiert? Wenn ich ihn selber holen muss, wird das kein Spaß für ihn.« Rehvenge räusperte sich und kam wieder ans Telefon. »Bella, wo bist du? Ich werde dich abholen. Oder einer der Krieger soll dich zu unserem Haus bringen, und wir treffen uns dort.«

»Glaubst du im Ernst, ich komme auch nur in deine Nähe?«

»Immer noch besser als die Alternative«, versetzte er grimmig.

»Und die wäre?«

»Dass die Brüder dich gewaltsam zu mir zurückbringen. «

»Warum tust du …«

»Warum ich das tue?« Seine Stimme sank zu dem tiefen, herrischen Bass ab, an den sie so gewöhnt war. »Hast du die geringste Ahnung, wie die letzten sechs Wochen für mich waren? Zu wissen, dass du in der Hand dieser verfluchten Wesen warst? Zu wissen, dass ich meine Schwester … die Tochter meiner Mutter … in so eine Lage gebracht habe?«

»Es war nicht deine Schuld.«

»Du hättest zu Hause sein müssen!«

Wie immer erschütterte sie die Heftigkeit seiner Wut und erinnerte sie daran, dass sie ganz tief drinnen immer ein wenig Angst vor ihrem Bruder gehabt hatte.

Doch dann hörte sie ihn tief Luft holen. Und noch mal. Eine merkwürdige Verzweiflung schlich sich in seine Worte. »Lieber Himmel, Bella … komm einfach heim. Mahmen und ich, wir brauchen dich hier. Wir vermissen dich. Wir … ich muss dich mit eigenen Augen sehen um zu glauben, dass es dir tatsächlich gut geht.«

Genau … und jetzt zeigte er seine andere Seite, die Seite, die sie wirklich liebte. Der Beschützer. Der gutherzige, schroffe Mann, der ihr immer alles gegeben hatte, was sie gebraucht hatte.

Die Versuchung, sich ihm zu unterwerfen, war groß. Doch dann stellte sie sich vor, niemals wieder aus dem Haus gelassen zu werden. Wozu er verdammt noch mal fähig wäre.

»Wirst du dein Gesuch auf Bannung zurückziehen?«

»Darüber reden wir, wenn du wieder in deinem eigenen Bett schläfst.«

Bella umklammerte den Hörer. »Das heißt nein, stimmt’s?« Schweigen. »Hallo? Rehvenge?«

»Ich will dich nur zu Hause haben.«

»Ja oder nein, Rehvenge. Ich will es wissen.«

»Unsere Mutter kann so etwas nicht noch einmal durchstehen.«

»Glaubst du etwa, ich könnte es?«, fauchte sie zurück. »Entschuldige bitte, aber Mahmen war nicht diejenige, der ein Lesser seinen Namen in den Bauch geritzt hat!«

Im selben Augenblick, als die Worte ihren Mund verließen, fluchte sie unterdrückt. Wunderbar, genau diese Art von niedlichen kleinen Details würde ihn sicher umstimmen. Bestens hingekriegt.

»Rehvenge …«

Seine Stimme wurde eiskalt. »Du kommst nach Hause.«

»Ich komme gerade aus der Gefangenschaft, ich gehe nicht freiwillig wieder ins Gefängnis.«

»Und was genau gedenkst du dagegen zu unternehmen ?«

»Wenn du mich weiter so herumkommandierst, wirst du es schon erleben.«

Ohne sich zu verabschieden knallte sie das Telefon auf den Nachtisch. Zum Teufel mit ihm!

Einem Impuls folgend, griff sie wieder nach dem Hörer und wirbelte herum, um ihn quer durch den Raum zu schleudern.

»Zsadist!«

Hektisch hantierte sie mit dem Gerät in ihrer Hand herum, konnte es gerade noch wieder auffangen und drückte es sich an die Brust.

Wortlos neben der Tür stand Zsadist in kurzer Hose und mit freiem Oberkörper … und aus irgendeinem absurden Grund fiel ihr auch noch auf, dass er keine Schuhe trug.

»Wirf ruhig«, sagte er.

»Nein. Ich … äh … nein.« Sie wandte sich ab und steckte das Ding wieder in den Halter. Sie brauchte zwei Versuche, um es zu schaffen.

Bevor sie Zsadist wieder ins Gesicht sah, dachte sie daran, wie er über diesem Lesser gekniet hatte, ihn erschlagen hatte … Doch dann fiel ihr wieder ein, wie er sie an seine Vene gelassen hatte, obwohl ihn diese Nähe an den Rand seiner Leidensfähigkeit brachte. Sie drehte sich um, völlig verstrickt in sein Netz, gefangen zwischen der Güte und der Grausamkeit.

Er brach das Schweigen. »Ich will nicht, dass du Hals über Kopf in die Nacht hinausstürzt wegen dem, was dein Bruder vorhat. Und erzähl mir nicht, dass du nicht mit dem Gedanken gespielt hast.«

Dumm war er nicht. »Aber weißt du auch, was er mir antun will?«

»Ja.«

»Und dem Gesetz nach muss die Bruderschaft mich ihm aushändigen, also kann ich nicht hierbleiben. Glaubst du, mir gefällt meine einzige Option?«

Nur – wohin sollte sie gehen?

»Was ist so schlimm daran, nach Hause zu gehen?«

Sie funkelte ihn an. »Klar, ich lasse mich gern behandeln wie eine Idiotin, wie ein Kind, wie … einen Gegenstand, den mein Bruder besitzt. Finde ich riesig. Absolut.«

Zsadist fuhr sich mit der Hand über die kurzen Stoppeln. Durch die Bewegung spannte sich sein Bizeps und wölbte sich. »Es leuchtet doch ein, dass es nützlich ist, Familien unter einem Dach zu versammeln. Es sind gefährliche Zeiten für Zivilisten.«

O Mann … Das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte, war, dass er ihrem Bruder auch noch recht gab.

»Es sind auch gefährliche Zeiten für Lesser«, murmelte sie. »Nach dem, was du mit einem von ihnen heute Nacht gemacht hast.«

Zsadists Augen verengten sich. »Wenn du willst, dass ich mich dafür entschuldige – das werde ich nicht tun.«

»Natürlich nicht«, zischte sie. »Du entschuldigst dich ja nie.«

Langsam schüttelte er den Kopf. »Wenn du mit jemandem Streit anfangen willst, dann hast du dir den Falschen ausgesucht, Bella. Darauf lasse ich mich nicht ein.«

»Warum nicht? Du hältst doch den Weltmeistertitel in mieser Laune.«

Das darauffolgende Schweigen machte sie verrückt. Sie wollte ihn anschreien. Sie wollte, dass er wütend wurde. Gegenüber anderen war er doch so freigiebig mit seinem Zorn. Sie konnte nicht begreifen, warum zum Teufel er ausgerechnet ihr gegenüber Selbstbeherrschung zeigte.

Jetzt zog er eine Augenbraue hoch, als wüsste er, was sie dachte.

»Ach, verdammt«, schnaufte sie. »Ich gehe dir auf die Nerven, oder? Tut mir leid.«

Er zuckte die Achseln. »So eine ausweglose Situation würde jeden in den Wahnsinn treiben. Vergiss es einfach. «

Sie setzte sich auf das Bett. Die Vorstellung, allein wegzulaufen, war aber witzig, doch sie weigerte sich, künftig unter Rehvenges Fuchtel zu leben.

»Hast du einen Vorschlag?«, fragte sie leise. Als sie den Blick hob, schaute Zsadist zu Boden.

Er wirkte so verschlossen, wie er da an der Wand lehnte. Sein magerer Körper sah aus wie ein Riss im Putz, ein Spalt, der sich in der Struktur des Raumes selbst aufgetan hatte.

»Gib mir fünf Minuten«, sagte er. Dann ging er hinaus, immer noch mit freiem Oberkörper.

Bella ließ sich auf die Matratze fallen. Fünf Minuten würden die Situation auch nicht besser machen. Was sie brauchte, war ein anderer Bruder.

Liebe, gute Jungfrau der Schrift … Dem Lesser zu entkommen hätte alles in Ordnung bringen sollen. Stattdessen war ihr Leben immer noch völlig außer Kontrolle.

Okay, immerhin konnte sie sich jetzt ihre Shampoomarke selbst aussuchen.

Sie hob den Kopf. Durch die Badezimmertür konnte sie die Dusche sehen und stellte sich den heißen Wasserstrahl vor. Das wäre gut. Erholsam. Belebend. Außerdem könnte sie sich ohne Peinlichkeit den Frust von der Seele heulen.

Sie stand auf, ging ins Bad und stellte das Wasser an. Das Geräusch der Tropfen auf dem Marmor war wohltuend, wie auch der warme Strahl, als sie darunter stieg. Sie weinte gar nicht. Senkte nur den Kopf und ließ das Wasser an ihrem Körper herabrinnen.

Als sie endlich wieder herauskam, bemerkte sie, dass die Tür zum Schlafzimmer geschlossen war.

Vermutlich war Zsadist zurück.

Sie wickelte sich ein Handtuch um. Sie hegte keinerlei Hoffnung, dass er eine Lösung gefunden hatte.

2

Als die Tür zum Badezimmer aufging, behielt Z seinen Fluch für sich. Bella war von Kopf bis Fuß rosig, das Haar hoch auf dem Kopf aufgetürmt. Sie roch nach der teuren französischen Seife, die Fritz unbedingt immer kaufen wollte. Und das Handtuch, das sie um ihren Körper gewickelt hatte, erinnerte ihn nur daran, wie leicht es wäre, sie nackt auszuziehen.

Nur ein kurzes Zupfen. Mehr bräuchte es nicht.

»Wrath hat eingewilligt, vorübergehend nicht erreichbar zu sein«, sagte er. »Was uns einen Aufschub von vielleicht achtundvierzig Stunden gibt. Sprich mit deinem Bruder. Vielleicht kannst du ihn umstimmen. Sonst muss Wrath reagieren, und Nein sagen kann er eigentlich nicht, bei deiner Blutlinie.«

Bella zog das Handtuch etwas höher. »Okay … vielen Dank. Danke, dass du dich bemüht hast.«

Er nickte und schielte zur Tür. Das hieß wohl zurück zu Plan A: Sich die Seele aus dem Leib rennen. Entweder das, oder Phury musste sich seiner annehmen.

Doch statt zu gehen, stützte er die Hände in die Hüften. »Es gibt da etwas, das mir leidtut.«

»Wie? Ach … was denn?«

»Ich bedauere es, dass du mit ansehen musstest, was ich mit dem Lesser gemacht habe.« Er hob die Hand und ließ sie wieder fallen. Mühsam widerstand er dem Drang, sich den Kopf wund zu reiben. »Als ich sagte, ich würde mich nicht dafür entschuldigen, meinte ich nur, dass ich niemals bereue, diese Dreckskerle zu töten. Aber ich wollte nicht … ich will nicht, dass du solche Bilder im Kopf haben musst. Ich würde sie dir abnehmen, wenn ich könnte. Ich würde dir all das hier abnehmen … es alles für dich tragen. Es … es tut mir so wahnsinnig leid, dass dir das passiert ist, Bella. Ja, die ganze Sache tut mir einfach leid, einschließlich … meines Verhaltens.«

Das war sein Abschied von ihr, wurde ihm bewusst. Und ihn verließ allmählich der Schwung, deshalb beeilte er sich mit seinen letzten Worten.

»Du bist eine außergewöhnliche Frau.« Er ließ den Kopf hängen. »Und ich weiß, dass du einen …«

Einen Partner finden wirst, beendete er den Satz in seinem Kopf. Ja, eine wundervolle Frau wie sie würde sicherlich einen Partner finden. Es gab sogar genau hier in diesem Haus einen, der sie nicht nur wollte, sondern auch der Richtige für sie wäre. Phury war direkt um die Ecke.

Z hob den Blick und wollte sich gerade schleunigst aus dem Staub machen – da schreckte er zurück und knallte rückwärts gegen die Tür.

Bella stand unmittelbar vor ihm. Als er ihren Duft aus nächster Nähe wahrnahm, schlug sein Herz Purzelbäume, es flatterte so sehr, dass ihm schwindlig wurde.

»Stimmt es, dass du mein Haus geputzt hast?«, fragte sie.

O Mann … Seine einzige Antwort auf die Frage war zu verräterisch.

»Stimmt es?«

»Ja, das war ich.«

»Ich werde dich jetzt umarmen.«

Z wurde ganz steif, doch noch ehe er flüchten konnte, schlang sie ihm die Arme um die Taille und legte ihm den Kopf auf die nackte Brust.

Er stand in ihrer Umarmung, ohne sich zu bewegen, ohne zu atmen, ohne sie zu er widern … Er konnte nichts tun als ihren Körper zu spüren. Sie war eine große Frau, trotzdem überragte er sie um gute fünfzehn Zentimeter. Und obwohl er für einen Krieger dünn war, hatte er mindestens dreißig Kilo mehr auf den Rippen als sie. Dennoch überwältigte sie ihn.

Mein Gott, sie roch so gut.

Sie machte ein leises Geräusch, wie ein Seufzen, und kuschelte sich noch enger an ihn. Ihre Brüste pressten sich an seinen Oberkörper, und als er hinuntersah, war der Schwung ihres Nackens viel zu verführerisch. Und dann war da noch das Es-Problem. Das verwünschte Gerät wurde hart, schwoll an, verlängerte sich. Rasend schnell.

Er hob die Hände an ihre Schultern und ließ sie unmittelbar über ihrer Haut schweben. »Ja, also, Bella … ich muss dann mal los.«

»Warum?« Noch näher. Sie kam näher. Ihre Hüften schoben sich an seine heran, und er knirschte mit den Zähnen, als ihre Unterleiber sich berührten.

Jungfrau der Schrift, sie musste das Ding zwischen seinen Beinen spüren. Wie konnte sie das nicht bemerken? Die Latte bohrte sich in ihren Bauch, und seine alberne Shorts konnte seine Härte nicht im Mindesten verstecken.

»Warum musst du gehen?«, flüsterte sie. Ihr Atem strich über seine Brustmuskeln.

»Weil …«

Als er das Wort im Raum schweben ließ, murmelte sie: »Weißt du, ich mag die.«

»Magst was?«

Sie berührte einen seiner Nippelringe. »Die da.«

Er hüstelte. »Die, äh … die hab ich selbst gemacht.«

»Sie sehen an dir wunderschön aus.« Sie machte einen Schritt zurück und ließ das Handtuch fallen.

Z schwankte. Sie war so verdammt schön, die Brüste und der flache Bauch und diese Hüften … Und dann dieser anmutige kleine Schlitz zwischen ihren Beinen, den er mit erschütternder Klarheit erkennen konnte. Die wenigen Menschen, mit denen er zusammen gewesen war, hatten dort unten Haare gehabt. Aber sie war von seiner Art, also war sie vollkommen glatt, schmerzlich nackt.

»Ich muss jetzt wirklich gehen«, sagte er heiser.

»Lauf nicht weg.«

»Ich muss. Wenn ich bleibe …«

»Leg dich zu mir«, bat sie und drängte sich wieder näher an ihn heran. Sie zog das Band aus ihren Haaren, und dunkle Wellen ergossen sich über sie beide.

Er schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken, um nicht von ihrem Duft umhüllt zu werden. Mit spröder Stimme sagte er: »Willst du einfach nur gefickt werden, Bella? Denn mehr habe ich dir nicht zu bieten. «

»Du hast so viel mehr …«

»Nein, das stimmt nicht.«

»Du warst freundlich zu mir. Du hast dich um mich gekümmert, mich umsorgt. Du hast mich gewaschen und mich gehalten …«

»Du willst mich nicht in dir haben.«

»Das bist du doch schon, Zsadist. Dein Blut ist in mir.«

Lange Zeit schwiegen sie beide.

»Kennst du meinen Ruf?«, fragte er schließlich.

Sie runzelte die Stirn. »Das spielt doch gar keine Rolle.«

»Was erzählen die Leute über mich, Bella? Komm schon, ich will es von dir hören. Damit ich sicher bin, dass du es kapierst.« Ihre Verzweiflung war fast greifbar, als er sie so in die Ecke drängte, doch er musste sie aus ihrer merkwürdigen Trance aufrütteln. »Ich weiß, dass du von mir gehört haben musst. Klatsch und Tratsch erreichen sogar deine Gesellschaftsschicht. Was er zählen sie sich über mich?«

»Manche … manche glauben, du würdest Frauen aus Spaß töten. Aber ich glaube das nicht …«

»Weißt du, woher dieses Gerücht stammt?«

Bella bedeckte ihre Brüste und trat einen Schritt zurück. Dann schüttelte sie den Kopf. Er hob das Handtuch vom Boden auf und gab es ihr, dann zeigte er auf den Schädel in der Ecke.

»Ich habe diese Frau umgebracht. Und jetzt sag mir, ob du von einem Mann genommen werden willst, der so etwas tun kann. Wer könnte einer Frau so etwas antun? Willst du so einen Bastard auf dir liegen haben, ihn in deinen Körper stoßen lassen?«

»Das war sie«, flüsterte Bella. »Du bist zurückgegangen und hast deine Herrin getötet, stimmt’s?«

Z lief ein Schauer über den Rücken. »Eine Zeit lang dachte ich, das könnte mich heilen.«

»Hat es aber nicht.«

»Das kann man wohl sagen.« Er rauschte an ihr vorbei und wanderte im Raum herum, der Druck baute sich immer weiter in ihm auf, bis er endlich den Mund öffnete und die Worte nur so aus ihm heraussprudelten. »Ein paar Jahre nach meiner Flucht hörte ich, dass sie … Scheiße, ich hörte, dass sie einen anderen Vampir in dieser Zelle hielt. Also bin ich zwei Tage dorthin gereist, ohne Unterbrechung, und habe mich kurz vor Morgengrauen eingeschlichen.« Z schüttelte den Kopf. Er wollte eigentlich gar nicht reden, ehrlich nicht, aber sein Mund bewegte sich einfach immer weiter. »Mein Gott … er war so jung, so jung, genau wie ich, als sie mich bekam. Und ich hatte gar nicht vor, sie zu töten, aber sie kam genau in dem Augenblick nach unten, als ich mit dem Sklaven verschwinden wollte. Als ich sie ansah … Ich wusste, wenn ich nicht schnell handelte, würde sie die Wachen rufen. Und ich wusste auch, dass sie sich irgendwann wieder einen Neuen holen würde und dort unten in Ketten legen und ihn … Ach, verflucht. Warum erzähle ich dir das alles überhaupt?«

»Ich liebe dich.«

Z kniff die Augen zusammen. »Sei nicht verrückt, Bella.«

Eilig lief er aus dem Zimmer, kam aber nicht weiter als fünf Meter.

Sie liebte ihn. Sie liebte ihn?

Blödsinn. Sie glaubte, ihn zu lieben. Und sobald sie in die reale Welt zurückkehrte, würde ihr das auch klar werden. Sie war gerade einer grauenhaften Lage entronnen und lebte hier auf dem Gelände in einer Seifenblase. Nichts von alldem hier gehörte zu ihrem Leben. Außerdem verbrachte sie viel zu viel Zeit mit ihm.

Und doch … du lieber Gott, er wollte mit ihr zusammen sein. Wollte neben ihr liegen und sie küssen. Wollte sogar noch viel mehr als das. Wollte … alles mit ihr machen, das Küssen und das Streicheln und das Saugen und das Lecken. Aber wo genau sollte das denn wohl hinführen ? Selbst wenn er sich mit dem Gedanken anfreunden könnte, in sie einzudringen. Er wollte auf keinen Fall riskieren, in ihr zu kommen.

Was er übrigens noch nie bei einer Frau getan hatte. Er hatte überhaupt noch nie unter irgendwelchen Umständen ejakuliert. Als Blutsklave war er sowieso nie sexuell erregt gewesen. Und später bei den wenigen Huren, die er gekauft und gevögelt hatte, war es ihm nicht um einen Orgasmus gegangen. Diese anonymen Episoden waren nur Experimente gewesen, um herauszufinden, ob Sex noch so schlimm war, wie er es schon immer für ihn gewesen war.

Was die Masturbation betraf, so mochte er das Ding schon nicht anfassen, um zu pinkeln. Geschweige denn, wenn es zum Appell antrat. Und er hatte sich noch nie Erleichterung verschaffen wollen, war niemals so sehr erregt gewesen, selbst wenn er hart war.

Mann, dieser ganze Sexmist machte ihn so was von fertig. Als hätte er einen Kurzschluss im Gehirn.

Bei genauerer Betrachtung hatte er davon sogar eine ganze Menge, oder?

Er dachte an all die Hohlräume in ihm, die unausgefüllten Stellen, die Leere, in der andere etwas fühlten. Letzten Endes war er nicht mehr als eine Projektionsfläche ohne feste Substanz. Seine Emotionen trieben durch ihn hindurch, nur die Wut verfing sich und blieb hängen.

Aber auch das stimmte nicht ganz, oder? Bella ließ ihn etwas spüren. Als sie ihn auf dem Bett küsste, hatte er etwas empfunden … heiß und hungrig hatte er sich gefühlt. Sehr männlich. Sexuell aufgeladen, zum ersten Mal in seinem Leben.

Aus einer heftigen Verzweiflung heraus begann ein Echo dessen, was er gewesen war, bevor die Herrin ihn in ihre Finger bekommen hatte, zur Oberfläche zu drängen.

Er musste feststellen, dass er die Gefühle wieder erleben wollte, die Bella in ihm geweckt hatte. Und er wollte sie auch auf Touren bringen. Sie sollte keuchend und atemlos und sehnsüchtig sein.

Es war ihr gegenüber nicht fair … aber er war nun mal ein mieser Scheißkerl, und er war gierig auf das, was sie ihm schon einmal gegeben hatte. Und sie würde bald weggehen. Er hatte nur diesen einen Tag.

Zsadist öffnete die Tür und ging wieder hinein.

Bella lag auf dem Bett, offensichtlich hatte sie nicht noch einmal mit ihm gerechnet. Als sie sich aufsetzte, brachte ihr Anblick einen Anflug von Anstand in ihm zurück. Wie zum Henker konnte er mit ihr zusammen sein? Sie war doch so … schön, und er war so ekelhaft, ein widerlicher Dreckskerl.

Sein ganzer Elan verflog, und er verharrte mitten im Zimmer. Jetzt kannst du beweisen, dass du kein Dreckskerl bist. Hau einfach ab, dachte er. Aber erklär dich erst.

»Ich möchte mit dir zusammen sein, Bella, und nicht nur, um dich zu vögeln.« Als sie den Mund aufmachte, brachte er sie mit erhobener Hand zum Schweigen. »Bitte hör mir einfach nur zu. Ich möchte mit dir zusammen sein, aber ich glaube nicht, dass ich dir geben kann, was du brauchst. Ich bin nicht der richtige Mann für dich, und das ist definitiv der falsche Zeitpunkt.«

Er stieß hörbar Luft aus. Er war ja so ein Arschloch. Hier stand er und wies sie zurück und spielte den Gentleman … während er gleichzeitig im Geiste die Bettdecke wegzerrte und sich auf sie warf.

Vor seiner Hüfte pochte es wie ein Presslufthammer.

Wie würde sie schmecken, überlegte er, an dieser weichen, süßen Stelle zwischen ihren Beinen?

»Komm her, Zsadist.« Sie schlug die Decke zurück und entblößte sich vor ihm. »Hör auf zu denken. Komm ins Bett.«

»Ich …« Worte, die er noch nie zu jemandem gesagt hatte, lagen ihm auf den Lippen, eine Art Geständnis, eine verräterische Enthüllung. Er wandte den Blick ab und ließ die Worte los, ohne genau zu wissen, warum. »Bella, als ich ein Sklave war … ähm, dort wurden … Sachen mit mir gemacht. Sex.« Er sollte lieber aufhören. Sofort. »Es gab Männer, Bella. Gegen meinen Willen haben mich Männer genommen.«

Er hörte ein leises Keuchen.

Das war gut, dachte er, obwohl er zusammenzuckte. Vielleicht konnte er sie dazu bringen, sich selbst zu retten, indem er sie abstieß. Denn welche Frau würde es ertragen, mit einem Mann zusammen zu sein, mit dem man solche Dinge getan hatte? Er war nicht gerade der Bilderbuchheld. Bei Weitem nicht.

Er räusperte sich und starrte ein Loch in den Boden. »Hör mal, es geht mir nicht darum … ich will nicht dein Mitleid erregen oder so. Es ist nur … ich bin völlig kaputt. Es ist so, als hätte ich lauter Fehlschaltungen, wenn es um diese ganze … du weißt schon … die Sache mit dem Sex geht. Ich will dich, aber das ist nicht richtig. Du solltest nicht mit mir zusammen sein. Du bist zu rein dafür.«

Stille. Ach Mist. Er musste sie einfach ansehen. Genau in dem Augenblick stand sie vom Bett auf, als hätte sie nur darauf gewartet, dass er den Kopf hob. Sie kam nackt auf ihn zu, nichts auf der Haut außer dem Kerzenschein des einzigen im Raum brennenden Dochts.

»Küss mich«, wisperte sie im Dämmerlicht. »Küss mich einfach.«

»Gott … was ist denn mit dir los?« Als sie zurückzuckte, fügte er eilig hinzu: »Ich meine, warum? Von allen Männern, die du haben könntest, warum ausgerechnet ich?«

»Ich will dich.« Sie legte ihm eine Hand auf die Brust. »Das ist eine natürliche, normale Reaktion auf das andere Geschlecht, oder etwa nicht?«

»Ich bin nicht normal.«

»Das weiß ich. Aber du bist nicht schmutzig oder verseucht oder unwürdig oder sonst etwas, das du dir einredest. « Sie legte sich seine zitternden Hände auf die Schultern.

Ihre Haut war so zart. Die Vorstellung, sie auf irgendeine Art und Weise zu beschädigen, ließ ihn erstarren. Genau wie das Bild von sich selbst, wie er in sie hineinstieß. Andererseits musste er die untere Hälfte seines Körpers ja gar nicht ins Spiel bringen, oder? Es könnte ja einfach nur um sie gehen.

Ja, genau, dachte er. Das hier könnte nur für sie sein.

Er drehte sie um und zog ihren Rücken an sich. Mit langsam kreisenden Bewegungen strich er ihr über die Taille und die Hüften. Als sie ihren Rücken durchbog und seufzte, konnte er die Spitzen ihrer Brüste über ihre Schultern sehen. Er wollte sie dort berühren … und merkte, dass er das auch konnte. Seine Finger fuhren über ihren Brustkorb, ertasteten das Muster der zierlichen Knochen, bis seine Hände ihre Brüste umschlossen. Ihr Kopf sank noch weiter nach hinten, und ihre Lippen teilten sich.

Als sie sich so für ihn öffnete, verspürte er das stürmischen Verlangen, in sie einzudringen, egal, wie. Reflexartig leckte er sich die Oberlippe, während er eine ihrer Brustwarzen zwischen Daumen und Zeigefinger rollte. Er stellte sich vor, seine Zunge in ihren Mund zu schieben, zwischen die Zähne und Fänge zu stoßen, sie auf diese Weise zu nehmen.

Als wüsste sie, was er dachte, versuchte sie sich umzudrehen, doch das war irgendwie zu nah … es war zu real, dass sie sich ihm hingab, dass sie jemanden wie ihn intime, erotische Dinge mit ihrem Körper tun ließ. Er hielt sie an den Hüften fest und zog sie fest an seine Oberschenkel. Ihr Hintern drängte gegen das steife Ding in seinen Shorts, und er biss die Zähne aufeinander.

»Zsadist … lass mich dich küssen.« Wieder wollte sie sich umdrehen, doch er ließ es nicht zu.

Obwohl sie sich wehrte, hielt er sie mit Leichtigkeit fest. »Für dich wird es so besser sein. Wenn du mich nicht sehen kannst, wird es besser sein.«

»Nein, das stimmt nicht.«

Er senkte den Kopf auf ihre Schulter. »Wenn ich dir einfach nur Phury holen dürfte … früher einmal sah ich aus wie er. Du könntest so tun, als wäre ich es.«

Nun entwand sie ihren Körper doch seinen Händen. »Aber du wärst es nicht. Und ich will nur dich.«

Als sie ihn mit weiblicher Erwartung anblickte, wurde ihm klar, dass sie auf dem besten Weg in das Bett da hinten waren. Und sie würden es tun. Aber, teure Jungfrau der Schrift … er hatte keine Ahnung, wie er ihr Lust bereiten sollte. Er hätte ebenso gut unschuldig sein können, so wenig Ahnung hatte er von Frauenkörpern.

Bei dieser fröhlichen kleinen Erkenntnis musste er an den anderen Mann denken, mit dem sie zusammen gewesen war. Diesen Aristokraten, der zweifelsohne so viel mehr über Sex wusste als er. Aus dem Nichts überfiel ihn das völlig irrationale Bedürfnis, ihren ehemaligen Liebhaber einzufangen und ihm den Hals umzudrehen.

Ach … Mist. Er schloss die Augen. Scheiße.

»Was denn?«, fragte sie.

Dieser besitzergreifende Impuls war typisch für einen gebundenen Vampir. Das Markenzeichen geradezu.

Z hob den Arm, legte die Nase an seinen Bizeps und atmete tief ein. Der Duft der Bindung entströmte seiner Haut. Er war schwach, wahrscheinlich nur für ihn wahrzunehmen, doch er war da.

Na toll. Und was sollte er jetzt machen?

Unglücklicherweise beantworteten seine Instinkte die Frage. Sein Körper brüllte auf, und er hob sie hoch und trug sie zum Bett.