Nachtherz - J. R. Ward - E-Book
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Beschreibung

Von diesen Vampiren würde sich jede Frau gerne beißen lassen

Die schöne Vampirin Beth Randall wusste schon immer, dass es kein Zuckerschlecken sein würde, mit BLACK-DAGGER-Anführer Wrath, dem König aller Vampire, verheiratet zu sein. Aber ihre Liebe zu ihm war stärker, und so herrschen sie nun Seite an Seite. Doch den Feinden der BLACK DAGGER ist jedes Mittel recht, um das Königspaar vom Thron zu stürzen: Sie schmieden eine gefährliche Intrige, die nicht nur Wrath‘s Herrschaft, sondern auch seine Beziehung zu Beth beenden könnte ...

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:517


Das Buch

Das Leben der jungen Beth Randall hat sich radikal verändert: sie hat die triste Einsamkeit ihres kleinen Apartments in Caldwell gegen die prunkvolle Weitläufigkeit des Hauptquartiers der BLACKDAGGER eingetauscht, sie wurde von der schüchternen Journalistin zur einer strahlend schönen Vampirin. Und sie hat die Liebe ihres Lebens gefunden: Wrath, den König aller Vampire. Beth war noch nie zuvor in ihrem Leben so glücklich, doch langsam beginnt sich ein Schatten auf ihre strahlende Zukunft zu legen: Der Vampiradel schmiedet ein Komplott, um ihren geliebten Gatten vom Thron zu stoßen, und die Bruderschaft der BLACKDAGGER, die den König beschützen soll, scheint dagegen machtlos zu sein. Ausgerechnet jetzt wo die Zukunft der BLACKDAGGER auf dem Spiel steht, wünscht sich Beth ein Baby. Doch eine Schwangerschaft bedeutet bei Vampirinnen fast immer den Tod im Kindbett, und so bringt Beth Wrath in eine schwierige Situation: Soll er ihr ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen, auch wenn das bedeutet, dass er sie möglicherweise für immer verliert?

Die Autorin

J. R. Ward begann bereits während des Studiums mit dem Schreiben. Nach dem Hochschulabschluss veröffentlichte sie die BLACKDAGGER-Serie, die in kürzester Zeit die amerikanischen Bestsellerlisten eroberte. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrem Golden Retriever in Kentucky und gilt seit dem überragenden Erfolg der Serie als Star der romantischen Mystery.

Ein ausführliches Werkverzeichnis aller von J.R. Ward im Wilhelm Heyne Verlag erschienenen Bücher finden Sie am Ende des Bandes.

www.twitter.com/HeyneFantasySF

@HeyneFantasySF

www.heyne-fantastisch.de

J.R.Ward

NACHTHERZ

Ein Black dagger-Roman

Wilhelm Heyne Verlag

München

Titel der Originalausgabe:

THE KING (Part 1)

Aus dem Amerikanischen von Corinna Vierkant,

Deutsche Erstausgabe 12/2014

Redaktion: Bettina Spangler

Copyright © 2014 by Love Conquers All, Inc.

Copyright © 2014 der deutschen Ausgabe

und der Übersetzung by

Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung: Animagic, Bielefeld

Autorenfoto © by John Rott

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

ISBN 978-3-641-13793-9

In Gedenken an:

Jonah alias Boo

alias der allerbeste WriterDog.

Ruhe in Frieden.

Wir sehen uns wieder.

Und:

W. Gilelette Bird, Jr.

Danksagung

Ein großes Dankeschön allen Lesern der Bruderschaft der Black Dagger!

Vielen Dank für all die Unterstützung und die Ratschläge an: Steven Axelrod, Kara Welsh, Claire Zion und Leslie Gelbman.

Danke auch an alle Mitarbeiter von NAL – diese Bücher sind echte Teamarbeit!

Alles Liebe an das Team Waud – ihr wisst, wer gemeint ist. Ohne euch käme die Sache gar nicht zustande.

Nichts von alledem wäre möglich ohne: meinen liebevollen Ehemann, der mir mit Rat und Tat zur Seite steht, sich um mich kümmert und mich an seinen Visionen teilhaben lässt; meine wunderbare Mutter, die mir mehr Liebe geschenkt hat, als ich ihr je zurückgeben kann; meine Familie (die blutsverwandte wie auch die frei gewählte) und meine liebsten Freunde.

Ach ja, und meinem neuen WriterAssistant Naamah.

Glossar der Begriffe und Eigennamen

Ahstrux nohtrum– Persönlicher Leibwächter mit Lizenz zum Töten, der vom König ernannt wird.

Die Auserwählten– Vampirinnen, deren Aufgabe es ist, der Jungfrau der Schrift zu dienen. Sie werden als Angehörige der Aristokratie betrachtet, obwohl sie eher spirituell als weltlich orientiert sind. Normalerweise pflegen sie wenig bis gar keinen Kontakt zu männlichen Vampiren; auf Weisung der Jungfrau der Schrift können sie sich aber mit einem Krieger vereinigen, um den Fortbestand ihres Standes zu sichern. Einige von ihnen besitzen die Fähigkeit zur Prophezeiung. In der Vergangenheit dienten sie allein stehenden Brüdern zum Stillen ihres Blutbedürfnisses. Diese Praxis wurde von den Brüdern wieder aufgenommen.

Bannung– Status, der einer Vampirin der Aristokratie auf Gesuch ihrer Familie durch den König auferlegt werden kann. Unterstellt die Vampirin der alleinigen Aufsicht ihres Hüters, üblicherweise der älteste Mann des Haushalts. Ihr Hüter besitzt damit das gesetzlich verbriefte Recht, sämtliche Aspekte ihres Lebens zu bestimmen und nach eigenem Gutdünken jeglichen Umgang zwischen ihr und der Außenwelt zu regulieren.

Die Bruderschaft der Black Dagger– Die Brüder des Schwarzen Dolches. Speziell ausgebildete Vampirkrieger, die ihre Spezies vor der Gesellschaft der Lesser beschützen. Infolge selektiver Züchtung innerhalb der Rasse besitzen die Brüder ungeheure physische und mentale Stärke sowie die Fähigkeit zur extrem raschen Heilung. Die meisten von ihnen sind keine leiblichen Geschwister; neue Anwärter werden von den anderen Brüdern vorgeschlagen und daraufhin in die Bruderschaft aufgenommen. Die Mitglieder der Bruderschaft sind Einzelgänger, aggressiv und verschlossen. Sie pflegen wenig Kontakt zu Menschen und anderen Vampiren, außer um Blut zu trinken. Viele Legenden ranken sich um diese Krieger, und sie werden von ihresgleichen mit höchster Ehrfurcht behandelt. Sie können getötet werden, aber nur durch sehr schwere Wunden wie zum Beispiel eine Kugel oder einen Messerstich ins Herz.

Blutsklave– Männlicher oder weiblicher Vampir, der unterworfen wurde, um das Blutbedürfnis eines anderen zu stillen. Die Haltung von Blutsklaven wurde vor Kurzem gesetzlich verboten.

Chrih– Symbol des ehrenhaften Todes in der alten Sprache.

Doggen– Angehörige(r) der Dienerklasse innerhalb der Vampirwelt. Doggen pflegen im Dienst an ihrer Herrschaft altertümliche, konservative Sitten und folgen einem formellen Bekleidungs- und Verhaltenskodex. Sie können tagsüber aus dem Haus gehen, altern aber relativ rasch. Die Lebenserwartung liegt bei etwa fünfhundert Jahren.

Dhunhd– Hölle.

Ehros– Eine Auserwählte, die speziell in der Liebeskunst ausgebildet wurde.

Exhile Dhoble– Der böse oder verfluchte Zwilling, derjenige, der als Zweiter geboren wird.

Gesellschaft der Lesser– Orden von Vampirjägern, der von Omega zum Zwecke der Auslöschung der Vampirspezies gegründet wurde.

Glymera– Das soziale Herzstück der Aristokratie, sozusagen die »oberen Zehntausend« unter den Vampiren.

Gruft– Heiliges Gewölbe der Bruderschaft der Black Dagger. Sowohl Ort für zeremonielle Handlungen als auch Aufbewahrungsort für die erbeuteten Kanopen der Lesser. Hier werden unter anderem Aufnahmerituale, Begräbnisse und Disziplinarmaßnahmen gegen Brüder durchgeführt. Niemand außer Angehörigen der Bruderschaft, der Jungfrau der Schrift und Aspiranten hat Zutritt zur Gruft.

Hellren– Männlicher Vampir, der eine Partnerschaft mit einer Vampirin eingegangen ist. Männliche Vampire können mehr als eine Vampirin als Partnerin nehmen.

Hohe Familie– König und Königin der Vampire sowie all ihre Kinder.

Hüter– Vormund eines Vampirs oder einer Vampirin. Hüter können unterschiedlich viel Autorität besitzen, die größte Macht übt der Hüter einer gebannten Vampirin aus.

Jungfrau der Schrift– Mystische Macht, die dem König als Beraterin dient sowie die Vampirarchive hütet und Privilegien erteilt. Existiert in einer jenseitigen Sphäre und besitzt umfangreiche Kräfte. Hatte die Befähigung zu einem einzigen Schöpfungsakt, den sie zur Erschaffung der Vampire nutzte.

Leahdyre– Eine mächtige und einflussreiche Person.

Lesser– Ein seiner Seele beraubter Mensch, der als Mitglied der Gesellschaft der Lesser Jagd auf Vampire macht, um sie auszurotten. Die Lesser müssen durch einen Stich in die Brust getötet werden. Sie altern nicht, essen und trinken nicht und sind impotent. Im Laufe der Jahre verlieren ihre Haare, Haut und Iris ihre Pigmentierung, bis sie blond, bleich und weißäugig sind. Sie riechen nach Talkum. Aufgenommen in die Gesellschaft werden sie durch Omega. Daraufhin erhalten sie ihre Kanope, ein Keramikgefäß, in dem sie ihr aus der Brust entferntes Herz aufbewahren.

Lewlhen– Geschenk.

Lheage– Respektsbezeichnung einer sexuell devoten Person gegenüber einem dominanten Partner.

Lhenihan– Mystisches Biest, bekannt für seine sexuelle Leistungsfähigkeit. In modernem Slang bezieht es sich auf einen Vampir von übermäßiger Größe und Ausdauer.

Lielan– Ein Kosewort, frei übersetzt in etwa »mein Liebstes«.

Lys– Folterwerkzeug zur Entnahme von Augen.

Mahmen– Mutter. Dient sowohl als Bezeichnung als auch als Anrede und Kosewort.

Mhis– Die Verhüllung eines Ortes oder einer Gegend; die Schaffung einer Illusion.

Nalla oder Nallum– Kosewort. In etwa »Geliebte(r)«.

Novizin– Eine Jungfrau.

Omega– Unheilvolle mystische Gestalt, die sich aus Groll gegen die Jungfrau der Schrift die Ausrottung der Vampire zum Ziel gesetzt hat. Existiert in einer jenseitigen Sphäre und hat weitreichende Kräfte, wenn auch nicht die Kraft zur Schöpfung.

Phearsom– Begriff, der sich auf die Funktionstüchtigkeit der männlichen Geschlechtsorgane bezieht. Bedeutet in etwa »würdig, in eine Frau einzudringen«.

Princeps– Höchste Stufe der Vampiraristokratie, untergeben nur den Mitgliedern der Hohen Familie und den Auserwählten der Jungfrau der Schrift. Dieser Titel wird vererbt; er kann nicht verliehen werden.

Pyrokant– Bezeichnet die entscheidende Schwachstelle eines Individuums, sozusagen seine Achillesferse. Diese Schwachstelle kann innerlich sein, wie zum Beispiel eine Sucht, oder äußerlich, wie ein geliebter Mensch.

Rahlman– Retter.

Rythos– Rituelle Prozedur, um verlorene Ehre wiederherzustellen. Der Rythos wird von dem Vampir gewährt, der einen anderen beleidigt hat. Wird er angenommen, wählt der Gekränkte eine Waffe und tritt damit dem unbewaffneten Beleidiger entgegen.

Schleier– Jenseitige Sphäre, in der die Toten wieder mit ihrer Familie und ihren Freunden zusammentreffen und die Ewigkeit verbringen.

Shellan– Vampirin, die eine Partnerschaft mit einem Vampir eingegangen ist. Vampirinnen nehmen sich in der Regel nicht mehr als einen Partner, da gebundene männliche Vampire ein ausgeprägtes Revierverhalten zeigen.

Symphath– Eigene Spezies innerhalb der Vampirrasse, deren Merkmale die Fähigkeit und das Verlangen sind, Gefühle in anderen zu manipulieren (zum Zwecke eines Energieaustauschs). Historisch wurden die Symphathen oft mit Misstrauen betrachtet und in bestimmten Epochen auch von den anderen Vampiren gejagt. Sind heute nahezu ausgestorben.

Trahyner– Respekts- und Zuneigungsbezeichnung unter männlichen Vampiren. Bedeutet ungefähr »geliebter Freund«.

Transition– Entscheidender Moment im Leben eines Vampirs, wenn er oder sie ins Erwachsenenleben eintritt. Ab diesem Punkt müssen sie das Blut des jeweils anderen Geschlechts trinken, um zu überleben, und vertragen kein Sonnenlicht mehr. Findet normalerweise mit etwa Mitte zwanzig statt. Manche Vampire überleben ihre Transition nicht, vor allem männliche Vampire. Vor ihrer Transition sind Vampire von schwächlicher Konstitution und sexuell unreif und desinteressiert. Außerdem können sie sich noch nicht dematerialisieren.

Triebigkeit– Fruchtbare Phase einer Vampirin. Üblicherweise dauert sie zwei Tage und wird von heftigem sexuellem Verlangen begleitet. Zum ersten Mal tritt sie etwa fünf Jahre nach der Transition eines weiblichen Vampirs auf, danach im Abstand von etwa zehn Jahren. Alle männlichen Vampire reagieren bis zu einem gewissen Grad auf eine triebige Vampirin, deshalb ist dies eine gefährliche Zeit. Zwischen konkurrierenden männlichen Vampiren können Konflikte und Kämpfe ausbrechen, besonders wenn die Vampirin keinen Partner hat.

Vampir– Angehöriger einer gesonderten Spezies neben dem Homo sapiens. Vampire sind darauf angewiesen, das Blut des jeweils anderen Geschlechts zu trinken. Menschliches Blut kann ihnen zwar auch das Überleben sichern, aber die daraus gewonnene Kraft hält nicht lange vor. Nach ihrer Transition, die üblicherweise etwa mit Mitte zwanzig stattfindet, dürfen sie sich nicht mehr dem Sonnenlicht aussetzen und müssen sich in regelmäßigen Abständen aus der Vene ernähren. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme können Vampire Menschen nicht durch einen Biss oder eine Blutübertragung »verwandeln«; in seltenen Fällen aber können sich die beiden Spezies zusammen fortpflanzen. Vampire können sich nach Belieben dematerialisieren, dazu müssen sie aber ganz ruhig werden und sich konzentrieren; außerdem dürfen sie nichts Schweres bei sich tragen. Sie können Menschen ihre Erinnerung nehmen, allerdings nur, solange diese Erinnerungen im Kurzzeitgedächtnis abgespeichert sind. Manche Vampire können auch Gedanken lesen. Die Lebenserwartung liegt bei über eintausend Jahren, in manchen Fällen auch höher.

Vergeltung– Akt tödlicher Rache, typischerweise ausgeführt von einem Mann im Dienste seiner Liebe.

Wanderer– Ein Verstorbener, der aus dem Schleier zu den Lebenden zurückgekehrt ist. Wanderern wird großer Respekt entgegengebracht, und sie werden für das, was sie durchmachen mussten, verehrt.

Whard– Entspricht einem Patenonkel oder einer Patentante.

Zwiestreit– Konflikt zwischen zwei männlichen Vampiren, die Rivalen um die Gunst einer Vampirin sind.

Prolog

Altes Land, Siebzehntes Jahrhundert

»Lang lebe der König.«

Instinktiv wollte Wrath, Sohn des Wrath, sich bei dieser feierlichen Anrede nach seinem Vater umsehen… und ein Funke der Hoffnung glomm auf, dass dieser nicht gestorben war und noch unter ihnen weilte.

Aber natürlich blieb es dabei: Der große Herrscher, sein geliebter Vater, war in den Schleier eingetreten.

Wie lange würde er noch nach ihm Ausschau halten, fragte er sich betrübt. Dabei war es so töricht, schließlich war er mittlerweile selbst mit den heiligen Insignien angetan, die den König der Vampire auszeichneten: mit den juwelenbestickten Schärpen, dem seidenen Mantel, den Zeremoniendolchen. Doch sein Verstand ignorierte alle Zeugnisse seiner eben erst erfolgten Krönung… oder war es sein Herz, das unberührt blieb von dem neuen Amt?

Gütige Jungfrau der Schrift, ohne seinen Vater fühlte er sich so allein, selbst inmitten all der Leute, die ihm zu Diensten waren.

»Mein Gebieter?«

Er setzte ein ausdrucksloses Gesicht auf und wandte sich um. In der Tür zu den königlichen Empfangssälen stand sein engster Berater, lang und dünn wie eine Rauchsäule, in dunkle Gewänder gehüllt.

»Mein ehrfürchtiger Gruß.« Der Vampir verbeugte sich tief. »Seid Ihr bereit, das Weib zu empfangen?«

Nein. »Selbstverständlich.«

»Sollen wir mit der Prozession beginnen?«

»Ja.«

Während sein Berater sich mit einer weiteren Verbeugung zurückzog, schritt Wrath in dem eichengetäfelten Saal umher. Kerzen flackerten in der Zugluft, die ihren Weg durch das Steingemäuer der Burg fand, und das prasselnde Feuer im brusthohen Kamin schien lediglich Licht zu verströmen, aber keine Wärme.

Wrath hatte kein Interesse an einerShellan– oder vielmehr an einer Bettgefährtin, denn mehr würde sie nicht sein.EineShellan erforderte Liebe, und davon hatte er keine zu geben.

Aus dem Augenwinkel sah er etwas glitzern, und um sich die Zeit vor dem gefürchteten Treffen zu vertreiben, trat er vor den prunkvollen Tisch und betrachtete den Schmuck, der dort ausgelegt war. Diamanten, Saphire, Smaragde, Perlen… die Schätze der Natur kunstvoll in Gold gefasst.

Die größte Kostbarkeit waren die Rubine.

Er streckte die Hand nach den blutroten Steinen aus. All dies kam zu früh, dachte er. Die Krönung, die arrangierte Vermählung, die tausend Pflichten, die er fortan zu erfüllen hatte und von denen er zu wenig verstand.

Er brauchte mehr Zeit, um von seinem Vater zu lernen…

Der erste von drei donnernden Schlägen gegen die Tür hallte durch den Saal, und Wrath war froh, dass niemand bei ihm war und sah, wie er zusammenzuckte.

Das zweite Klopfen war nicht minder laut.

Beim dritten musste er sich rühren.

Er schloss die Augen. Seine Brust schmerzte, und sein Hals schnürte sich zu. Er sehnte sich nach seinem Vater– all das kam zu früh für ihn, er war zu jung, sein Vater hätte die Übergabe leiten sollen, nicht irgendein Höfling. Doch das Schicksal hatte sein Vorbild hinweggerafft und ihn der Jahre beraubt, die ihm zugestanden wären. Und jetzt hatte der Sohn das Gefühl zu ertrinken, obwohl ihn Luft umgab.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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