Fallen Angels - Die Begierde - J. R. Ward - E-Book

Fallen Angels - Die Begierde E-Book

J. R. Ward

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Beschreibung

Über 2 Millionen verkaufte Romane von J. R. Ward in Deutschland

Seit Anbeginn der Zeit herrscht Krieg zwischen den Mächten des Lichts und der Finsternis. Nun wurde ein gefallener Engel dazu auserwählt, den Kampf ein für alle Mal zu entscheiden. Sein Auftrag: Er soll die Seelen von sieben Menschen erlösen. Sein Problem: Ein weiblicher Dämon macht ihm dabei die Hölle heiß ... Nach dem Bestsellererfolg BLACK DAGGER kommen J. R. Wards FALLEN ANGELS – atemberaubend, düster und erotisch!

Die Dämonin Devina, schön wie die Sünde und durchtrieben wie der Teufel selbst, hat einen neuen Auftrag: Die unsterbliche Seele des Ex-Elitesoldaten Matthias soll unwiderruflich verdammt werden – ein Heimspiel für die ehrgeizige Dämonin, schließlich ist ihr Opfer alles andere als unschuldig. Doch Matthias kann sich nicht mehr an sein früheres Dasein erinnern, und als er der hübschen Journalistin Mels Carmichaels begegnet und sich in sie verliebt, nimmt sein Leben endgültig eine Wendung zum Positiven. Aber Verlieren kommt für Devina nicht infrage, und noch während Matthias und Mels sich ihrer Leidenschaft füreinander hingeben, schmiedet Devina einen finsteren Plan. Der Einzige, der Matthias jetzt noch helfen kann, seine Seele – und seine große Liebe – zu retten, ist der gefallene Engel Jim Heron. Doch der ist Matthias’ Feind aus früheren Tagen ...

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 710




J. R. WARD

FALLEN ANGELS

Die Begierde

Roman

Aus dem Amerikanischen

von Astrid Finke

Titel der amerikanischen Originalausgabe

RAPTURE – A NOVEL OF THE FALLEN ANGELS

Deutsche Erstausgabe 06/2013

Redaktion: Julia Abrahams

Copyright © 2012 by Love Conquers All, Inc.

Copyright © 2013 der deutschsprachigen Ausgabe

und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung: Animagic, Bielefeld

Autorenfoto © by John Rott

Satz: Leingärtner, Nabburg

ePub-ISBN 978-3-641-10021-6

www.heyne-magische-bestseller.de

Für unsere Rachel,

die nicht nur für das »Herz« in »Heartland« steht,

sondern mich auch mit der echten Fi-Fi

bekanntgemacht hat.

Eins

Grabesstille.

Und das nicht im Sinne von betretenem Schweigen, sondern im Sinne von Kreuzen und frisch geschaufelter Erde, Leichen in Särgen, Asche zu Asche und Staub zu Staub.

Matthias lag nackt auf einem Grab. Mitten auf einem Friedhof, der sich um ihn herum ausdehnte, so weit das Auge reichte.

Sein erster Gedanke galt den Tattoos, die er seinen Männern damals aufgezwungen hatte, die mit dem Sensenmann auf einem Feld von Marmor- und Granitgrabsteinen.

Eigentlich scheißabsurd – und wer weiß, vielleicht würde er tatsächlich jeden Moment von einer Sense zersäbelt.

Von einer Sense zersäbelt, fast ein Zungenbrecher.

Er blinzelte, um das bisschen Sicht, über das er verfügte, klarer zu bekommen, zog fröstelnd die Beine an und schlang die Arme um den Körper, darauf wartend, dass die Szenerie vor ihm sich wieder in seine eigene Realität verwandelte. Als nichts passierte, fragte er sich, wohin die Wand, in der er eine Ewigkeit eingeschlossen gewesen war, verschwunden war.

War er endlich aus dem ekligen, engen Folterloch freigekommen?

War er nicht mehr in der Hölle?

Mit einem Stöhnen versuchte er, sich aufzurichten, aber es war schwer genug, überhaupt nur den Kopf zu heben. Andererseits – am eigenen Leib zu erfahren, dass diese ganzen religiösen Spinner in vielen Dingen recht gehabt hatten, konnte einen Mann schon von den Füßen holen: Sünder nahmen wirklich den Fahrstuhl nach unten, und zwar nach ganz unten, und wenn man dort ankam, dann ließ das Leiden den ganzen Mist, über den man sich auf der Erde aufgeregt hatte, wie einen Kindergeburtstag erscheinen.

Es gab einen Teufel.

Und ihr Wohnzimmer war scheiße.

Wobei die Frömmlinge nicht zur Gänze im Bilde waren. Satan hatte nämlich weder Hörner noch einen Schwanz und auch keine Mistgabel oder Pferdefüße. Eine miese Schlampe war sie hingegen schon, und sie trug wirklich gerne Rot. Dunkelhaarigen stand die Farbe aber auch einfach gut – zumindest redete sie sich das ein.

Mit dem linken Auge, dem funktionstüchtigen, blinzelte er erneut, darauf gefasst, dass jeden Moment die dichte, heiße Schwärze zurückkehrte, und mit ihr die Schreie der Verdammten und sein eigener Schmerz, der ihm beißend in der Kehle aufstieg und durch die aufgesprungenen Lippen gellte …

Nein, nichts passierte. Er lag immer noch auf einem Grab. Auf dem Friedhof.

Splitterfasernackt.

Er sah sich um und entdeckte eine Reihe von hellen Marmorgrüften und Familiengräbern mit Engeln und geisterhaften Marienstatuen, obwohl das Gängigste diese kümmerlichen, flachen Steintafeln am Grabende waren. Kiefern und Ahornbäume warfen Schatten auf welkes Frühlingsgras und schmiedeeiserne Bänke. Laternen erstrahlten in pfirsichfarbenem Licht wie Kerzen auf einem Geburtstagskuchen, und die gewundenen Wege, die den Friedhof durchzogen, hätten an jedem anderen Ort romantisch ausgesehen.

Nicht so hier. Nicht in diesem Todeszusammenhang.

Aus heiterem Himmel zogen Momente seines Lebens an seinem geistigen Auge vorbei, was ihn dazu veranlasste, sich zu fragen, ob er nicht vielleicht gerade einen zweiten Versuch im Sterben unternahm. Beziehungsweise einen dritten, wenn man es genau nahm.

Rückblickend gab es kein Friede, Freude, Eierkuchen. Kein liebendes Frauchen oder hübsche Kinder, keinen weißen Gartenzaun. Nur Leichen, Dutzende, Hunderte, deren Tod er selbst auf dem Gewissen oder in Auftrag gegeben hatte.

Er hatte in seinem Leben viel Böses getan, wahrhaft Böses.

Als er sich jetzt mühsam vom Boden hochstemmte, war sein Körper wie ein Bausatz, dessen Einzelteile nicht ganz zusammenpassten, bei manchen Verbindungen war zu viel Spiel, andere waren zu eng. Aber das kam eben davon, wenn man sich selbst in seine einzelnen Bausteine zerlegte und nur die Ärzteschaft und die eigenen Heilkräfte zur Verfügung hatte, um alles wieder zusammenzusetzen.

Er richtete die Augen auf den Grabstein und runzelte die Stirn.

James Heron.

Gütiger Himmel, James Heron …

Ohne sich darum zu kümmern, dass seine Hand zitterte, fuhr er die tief eingravierten Buchstaben nach, seine Fingerspitzen versanken in dem polierten grauen Granit.

Ein Röcheln entrang sich seinem Brustkorb, als hätte der Schmerz, den er urplötzlich empfand, sämtlichen Sauerstoff aus seiner Lunge gepresst.

Er hatte keine Ahnung gehabt, dass es einen ewigen Lohn gab, dass die eigenen Taten gezählt und abgewogen wurden, dass auf den letzten Schlag des Herzens prompt ein Richterspruch folgte. Das war allerdings nicht der Grund für seinen Schmerz. Sondern das Wissen, dass er, selbst wenn er geahnt hätte, was ihn erwartete, nicht fähig gewesen wäre, irgendetwas anders zu machen.

»Es tut mir leid.« Mit wem genau sprach er da eigentlich? »Es tut mir verdammt noch mal leid …«

Keine Antwort erklang.

Er sah in den Himmel. »Es tut mir leid!«

Immer noch keine Antwort, aber das war in Ordnung. Seine Reue und sein Bedauern verstopften ihm komplett den Kopf, deshalb war für weiteren Input eh kein Platz.

Als er aufstehen wollte, gaben seine Beine nach, und er musste sich an dem Grabstein abstützen. Mein Gott, er war wirklich ein Wrack, seine Oberschenkel von Narben übersät, der Bauch ebenfalls, eine Wade fast vollständig vom Knochen abgerissen. Die Ärzte hatten mit ihren Schrauben und Platten wahre Wunder gewirkt, aber im Vergleich zu seiner ursprünglichen Verfassung war er jetzt wie ein kaputtes Spielzeug, das mit Gewebeband und Pattex geflickt worden war.

Tja, Selbstmord sollte eben am besten auch klappen. Schuld daran, dass er noch zwei Jahre weitergelebt hatte, war Jim Heron. Schließlich hatte der Tod ihn doch noch aufgespürt und für sich beansprucht und damit eindeutig bewiesen, dass die Erde sich die Seelen nur auslieh. Im Jenseits warteten die wahren Besitzer.

Aus Gewohnheit sah Matthias sich nach seinem Gehstock um, konzentrierte sich dann aber auf das, was er mit größerer Wahrscheinlichkeit entdecken würde: Schatten, die ihn holen kamen, entweder diese öligen Kreaturen von da unten oder die menschliche Variante.

So oder so war er geliefert: Als ehemaliger Kopf der X-Ops hatte er mehr Feinde als ein Diktator aus der Dritten Welt, und alle besaßen sie einen Arsch voll Waffen oder Handlanger mit Waffen. Und eins stand jedenfalls mal fest: Als aus des Teufels Spielplatz Ausgemusterter war er sicherlich nicht ohne einen Preis aus dem Gefängnis entlassen worden.

Früher oder später würde sich jemand an seine Fersen heften, und obwohl er nichts besaß, wofür es sich zu leben lohnte, verlangte allein schon sein Stolz, dass er sich nicht kampflos ergab.

Oder zumindest ein einigermaßen würdiges Zielobjekt abgab.

Er machte sich humpelnd und mit der Anmut einer Vogelscheuche auf den Weg. Sein Körper erbebte unter einer Serie von Krämpfen, es tat höllisch weh. Um sich warm zu halten, versuchte er, die Arme um sich zu schlingen, doch das ging nicht lange gut. Er brauchte sie, um das Schlingern auszugleichen.

Schlurfend wie ein Zombie und total verwirrt in seinem vermurksten Kopf, ging er weiter, überquerte das stachlige Gras, lief an Gräbern vorbei, spürte die kalte, feuchte Luft auf der Haut. Er hatte keinen blassen Schimmer, wie er freigekommen war. Wohin er unterwegs war. Welcher Tag, Monat, welches Jahr es war.

Kleidung. Unterschlupf. Essen. Waffen.

Sobald er sich um das Nötigste gekümmert hatte, könnte er sich Sorgen um den Rest machen. Vorausgesetzt, er würde nicht vorher erwischt – ein verwundetes Raubtier mutierte schnell zur Beute. Das war das Gesetz der Wildnis.

Als er an einen kastenförmigen Steinbau mit schmiedeeiserner Einfassung gelangte, dachte er zuerst, es handelte sich um ein weiteres Grabmal. Doch der Name Pine Grove Cemeteryunter dem Giebel und das glänzende Vorhängeschloss an der Tür deuteten darauf hin, dass es ein Gebäude für das Friedhofspersonal war.

Zum Glück stand eines der hinteren Fenster einen Spaltbreit offen.

Natürlich klemmte das blöde Ding und saß bombenfest.

Er hob einen Ast auf, steckte ihn in den Spalt und stemmte sich dagegen, bis das Holz sich bog und seine Arme sich verkrampften.

Das Fenster gab nach, und ein hohes Kreischen ertönte.

Matthias erstarrte zur Salzsäule.

Panik, ein ihm ursprünglich fremdes, aber auf die harte Tour erlerntes Gefühl, ließ seinen Kopf herumschnellen und die Schatten absuchen. Das Geräusch kannte er. Die Helfershelfer der Dämonin erzeugten es, wenn sie sich jemanden vorknöpften …

Nichts.

Nur Gräber und Laternen, die sich – egal was seine Adrenalin produzierende Nebenniere ihm auch einreden wollte – nicht in etwas anderes verwandelten.

Also widmete er sich fluchend wieder seinen Bemühungen, das Fenster aufzubekommen. Er benutzte den Ast als Hebel, bis der Spalt breit genug war, um sich hindurchzuquetschen. Seinen schlaffen Hintern hochzuwuchten war ein ziemlicher Akt, aber als erst einmal die Schultern drinnen waren, ließ er die Schwerkraft den Rest erledigen. Der Betonboden, auf den er stürzte, fühlte sich an, als wären Kühlschlangen darin eingebaut. Er schnappte nach Luft, und seine Eingeweide verknoteten sich vor Schmerzen. Er konnte die Stellen gar nicht zählen, die ihm alle wehtaten.

Neonlampen flackerten plötzlich an der Decke auf, bis sie stetig und ruhig brannten und ihn blendeten.

Verfluchte Bewegungssensoren. Aber ein Gutes hatte es: Sobald seine Augen sich an die Helligkeit gewöhnt hatten, sah er alle möglichen Gerätschaften wie Mäher, Schaufeln und Schubkarren um sich herum. Das Blöde daran: Er saß auf dem Präsentierteller wie ein Diamant in einem Schmuckkästchen.

Praktischerweise hing an einer Wand wasserdichte Kleidung, schlaff herabbaumelnd wie abgezogene Tierhäute an Haken; er warf sich eine Hose und ein Oberteil über. Die Dinger sollten zwar locker sitzen, aber an ihm flatterten sie wie Segel.

Aber das war auf jeden Fall besser als nackt, auch wenn die Klamotten nach Dünger rochen und bestimmt bald scheuern würden. Er fand noch eine Baseballkappe mit dem Logo der Boston Red Sox und zog sie der Kälte wegen auf; dann sah er sich nach etwas um, das man als Gehstock benutzen könnte. Die Spaten wären zu schwer, und auch die Rechen würden ihm nicht wirklich weiterhelfen.

Scheißegal. Oberstes Ziel war jetzt erst einmal, sich aus dem grellen Licht zu verdrücken, das auf seinen schrottreifen Körper herabfiel.

Er verließ die Hütte auf demselben Weg, auf dem er eingedrungen war, schob sich wieder durch das Fenster und landete auf der Erde. Keine Zeit, wegen des Aufpralls zu heulen; er musste die Hufe schwingen.

Bevor er gestorben und in die Hölle gekommen war, war er der Jäger gewesen. Mann, sein ganzes Leben lang war er derjenige gewesen, der jemand anderen verfolgte, in die Enge trieb und zerstörte. Jetzt, in der Dunkelheit der Gräber, war all das Ungreifbare der Nacht erst einmal gefährlich, bis das Gegenteil bewiesen war.

Er hoffte, er war wieder in Caldwell.

Wenn ja, müsste er nur möglichst unauffällig bleiben und so schnell wie möglich nach New York kommen, wo er Vorräte versteckt hatte.

Ja, er betete, in Caldwell zu sein. Nur fünfundvierzig Minuten auf dem Highway Richtung Süden, mehr wäre in diesem Fall nicht nötig. Einen Einbruch hatte er bereits hinter sich. Ein älteres Auto kurzzuschließen war wie Fahrradfahren, das verlernte man nicht.

Eine Ewigkeit später – oder zumindest kam es ihm so vor – erreichte er den schmiedeeisernen Zaun, der den Ruhe-in-Frieden-Acker umgab. Er war über drei Meter hoch und von Stacheln gekrönt, die in ihrem früheren Leben mal Dolche gewesen sein mussten.

Matthias baute sich vor den Stäben auf, die ihn auf der Seite der Toten festhielten, umschloss sie mit den Händen und spürte die Kälte des Metalls den Griff erwidern. Dann hob er den Kopf und richtete den Blick fest in den Himmel. Die Sterne über ihm funkelten.

Komisch, es sah wirklich fast so aus, als würden sie ihm zuzwinkern.

Als er einatmete und saubere, frische Luft in seine Lungen sog, stellte er fest, dass er sich schon an den Gestank der Hölle gewöhnt hatte. Diesen widerlichen Geruch nach fauligen Eiern hatte er am Anfang am meisten gehasst. Er war ihm in die Kehle gekrochen, in den Magen gewandert und hatte ihn vergiftet: Er war wie eine Infektion gewesen, die durch seine Nebenhöhlen eindrang und sein ganzes Ich in besetztes Gebiet verwandelte.

Aber mit der Zeit war er immun dagegen geworden.

Nach und nach hatte er sich, inmitten des Leidens, mit dem Horror, der Verzweiflung und dem Schmerz abgefunden.

Sein schlechtes Auge, das, mit dem er nichts sah, füllte sich mit Tränen.

Er würde es nie nach dort oben zu den Sternen schaffen.

Und diese Atempause war höchstwahrscheinlich nur dazu da, die Qualen zu vergrößern. Es gab doch nichts Besseres als eine kurze Erholungszeit, um einen Albtraum mit neuem Leben zu füllen: Wenn man dann wieder im Dreck saß, verschärfte der Kontrast alles nur noch und machte die Gewöhnung zunichte, das trügerische Strg+Alt+Entf versetzte einen auf den Anfangsschock zurück.

Sie würden ihn zurückholen. Denn letzten Endes war es genau das, was er verdiente.

Doch in der Zeit, die ihm blieb, würde er sich gegen das Unausweichliche wehren – nicht in der Hoffnung auf Entkommen, nicht wegen der Aussicht auf Begnadigung, sondern schlicht und ergreifend, weil er so programmiert war.

Er würde aus demselben Grund kämpfen, aus dem er früher Böses getan hatte.

So war er eben.

Er zog sich von der Erde hoch, klemmte den besseren seiner beiden Füße zwischen die Gitterstäbe und schob sich höher. Noch mal. Und noch mal. Die Kante schien kilometerweit weg zu sein, doch die Entfernung brachte ihn nur dazu, sich noch stärker auf sein Ziel zu konzentrieren.

Es dauerte endlos, doch schließlich umschloss er mit den Fingern einen der Stachel und schlang einen Arm um die gefährliche Spitze.

Blut floss einen Lidschlag später, als er das Bein hoch über den Zaun schwang, ein Eisendorn in seine Wade stach und einen Fetzen herausriss.

Aber es gab kein Zurück. Er hatte sich entschieden, und so oder so würde die Schwerkraft gewinnen und ihn auf den Boden ziehen – dann lieber draußen als drinnen.

Als er in den freien Fall überging, blickte er wieder in die Sterne. Streckte sogar eine Hand nach ihnen aus.

Dass sie sich trotzdem immer weiter von ihm entfernten, schien nur passend.

Zwei

Mels Carmichael war allein in der Redaktion. Wieder einmal.

Neun Uhr abends, und im Bürolabyrinth des Caldwell Courier Journal war keine Menschenseele mehr; die morgige Ausgabe war vom Reporterstandpunkt aus ins Bett gebracht worden, die Drucker erledigten jenseits der dicken Wand hinter Mels ihre Arbeit.

Als sie sich auf dem Stuhl zurücklehnte, gaben die Gelenke ein Quietschen von sich, und sie machte das Möbelstück zum Instrument, spielte ein lustiges Liedchen darauf, das sie an zu vielen Abenden wie diesem komponiert hatte. Es hieß »Ich komm nicht weiter«, und sie pfiff die Sopranstimme.

»Immer noch da, Carmichael?«

Hastig setzte Mels sich gerade hin und verschränkte die Arme vor der Brust. »Hallo, Dick.«

Ihr Chef lavierte sich in das bisschen Raum hinein, das die Stellwände um ihren Schreibtisch herum ließen, den Mantel über den Arm gelegt, die Krawatte nach einem der üblichen Nachklapps in Charlies Kneipe um den fleischigen Hals gelockert.

»Schon wieder Überstunden?« Sein Blick wanderte an den Knöpfen ihrer Bluse hinab, als hoffte er, der Whiskey, den er sich hinter die Binde gekippt hatte, würde ihm telekinetische Kräfte verleihen. »Ich muss dir leider sagen, dass du dafür zu hübsch bist. Hast du keinen Freund?«

»Du kennst mich doch, für mich zählt nur die Arbeit.«

»Tja … ich könnte dir etwas geben, woran du arbeiten kannst.«

Mels sah ihn ruhig und fest an. »Danke, aber ich hab genug zu tun. Ich recherchiere gerade zum Thema sexuelle Belästigung in vorwiegend männlich dominierten Branchen wie im Flugverkehr, im Sport … der Presse.«

Dick runzelte die Stirn, als hätten seine Ohren auf etwas anderes gehofft. Was total behämmert war. Mels’ Reaktion auf diese Nummer war vom ersten Tag an dieselbe gewesen.

Seit über zwei Jahren ließ sie ihn abblitzen. Mein Gott, so lange schon?

»Sehr erhellend, das Ganze.« Mit einem Mausklick verschwand der Bildschirmschoner. »Viele, viele Statistiken. Könnte meine erste überregionale Story werden. Geschlechterverhältnisse im postfeministischen Amerika ist ein heißes Thema – wobei ich es natürlich auch einfach in meinen Blog packen könnte. Vielleicht hättest du einen Kommentar, den ich zitieren darf?«

Dick legte seinen Mantel über den anderen Arm. »Das hab ich dir nicht zugeteilt.«

»Ich arbeite sehr selbstständig.«

Er hob den Kopf, als suchte er jemand anderen zum Belästigen. »Ich lese nur, was ich selbst zugeteilt habe.«

»Du fändest es vielleicht aufschlussreich.«

Ihr Boss wollte seine Krawatte lockern, als bekäme er nicht genug Luft, aber Überraschung! Sie war schon lose. »Du vergeudest deine Zeit, Carmichael. Bis morgen.«

Damit drehte er sich um und schwang sich im Gehen in seinen Trenchcoat mit dem Siebziger-Revers und dem Gürtel, der lose in den Schlaufen baumelte, als hinge ein Teil seines Darms an der falschen Stelle. Wahrscheinlich hatte er das Teil seit der Zeit von Watergate, als Woodward und Bernstein von der Washington Post ihn mit zwanzig zu einer Karriere im Journalismus inspiriert hatten … was ihn bis in die Kopfzeile des Impressums einer Provinz-Zeitung geführt hatte.

Kein so übler Job. Aber eben nicht Chefredakteur bei der New York Times oder dem Wall Street Journal.

Das machte ihm offenbar zu schaffen.

Also ja, man brauchte kein Genie zu sein, um Dicks Aufdringlichkeit der Langeweile eines ehemaligen Machers zuzuschreiben, der Bitterkeit eines fast Sechzigjährigen mit Halbglatze, auf dessen Lebensweg sich gerade die Straßen Noch-nicht-ganz-angekommen und Viel-Zeit-bleibt-nicht-mehr kreuzten.

Vielleicht war er auch einfach nur ein Blödmann.

Was Mels aber mit Sicherheit wusste, war, dass man mit einer Kieferpartie, die mehr an ein Schinkensandwich als an Jon Hamm erinnerte, keinen Grund zu der Annahme hatte, die Lösung für die Probleme irgendeiner Frau auf der Welt läge in der eigenen Hose.

Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, atmete sie tief durch und malte sich kurz aus, dass ein Linienbus Reifenspuren auf dem Rücken seines altmodischen Trenchcoats hinterließ. Dank der Budgetkürzungen im öffentlichen Nahverkehr fuhren allerdings nach neun Uhr abends leider keine Busse mehr über die Trade Street, und jetzt war es genau … siebzehn Minuten nach.

Sie starrte auf ihren Computerbildschirm. Vermutlich sollte sie wirklich nach Hause gehen.

Der Artikel, den sie aus eigenem Antrieb angefangen hatte, ging in Wirklichkeit gar nicht um aufdringliche Chefs, die ihre weiblichen Angestellten davon träumen ließen, dass Busse zu Mordwerkzeugen wurden. Er handelte von vermissten Personen. Den Hunderten von Vermissten in Caldwell.

Caldie, Heimat der Zwillingsbrücken, führte die landesweite Statistik vermisster Personen an. Im vergangenen Jahr waren in der Zwei-Millionen-Stadt dreimal so viele Fälle registriert worden wie in Manhattan und Chicago – zusammen. Und die Gesamtsumme der letzten zehn Jahre übertraf die der kompletten Ostküste. Noch seltsamer machte die Angelegenheit, dass die Anzahl der Vermissten nicht das einzige Problem war. Denn die Leute verschwanden nicht nur vorübergehend, nein, sie kamen nie zurück, wurden nie gefunden. Keine Leichen, keine Spuren, kein Auftauchen an anderen Orten.

Als wären sie in eine andere Welt gesogen worden.

Nach all ihrer Recherche hatte Mels außerdem so eine Ahnung, dass das grauenhafte Massaker in einem Bauernhaus im Vormonat irgendetwas mit der Unmenge von sich in Luft aufgelöst habenden Personen zu tun hatte …

All diese jungen Männer, in mehrere Reihen gelegt, schrecklich zugerichtet.

Erste Auswertungen wiesen darauf hin, dass viele der bereits Identifizierten irgendwann in ihrem Leben als vermisst gemeldet worden waren. Viele von ihnen hatten Jugendstrafen oder waren wegen Drogen in Konflikt mit dem Gesetz geraten. Aber das spielte natürlich für ihre Familien keine Rolle – und das sollte es auch nicht.

Man musste kein Heiliger sein, um zum Opfer zu werden.

Der grausige Schauplatz am Rande von Caldwell hatte es in die landesweiten Nachrichten geschafft, jeder Sender hatte seine besten Leute in die Stadt geschickt, von Brian Williams bis Anderson Cooper. Und die Zeitungen hatten das Gleiche getan. Doch trotz all des Interesses und des Drucks von Seiten der Politik sowie des Aufschreis zu Recht bestürzter Bürger war die Wahrheit hinter der Geschichte noch nicht ans Licht gekommen: Die Polizei von Caldwell bemühte sich, die Morde mit jemandem – irgendjemandem – in Verbindung zu bringen, hatte aber noch absolut nichts vorzuweisen. Und das, obwohl sie Tag und Nacht an dem Fall arbeitete.

Es musste eine Antwort geben. Es gab immer eine Antwort.

Und Mels war fest entschlossen, die Gründe für das Massaker herauszufinden – um der Opfer und um deren Familien willen.

Außerdem wurde es langsam Zeit für sie, sich zu profilieren. Mit siebenundzwanzig war sie aus Manhattan weg- und hierhergezogen, weil das Leben in New York zu teuer war und sie bei der New York Post zu sehr auf der Stelle getreten hatte. Der Plan hatte gelautet, ungefähr sechs Monate zu bleiben, ein kleines Polster anzusparen, indem sie bei ihrer Mutter wohnte, und sich auf die großen Jungs zu konzentrieren: The New York Times, The Wall Street Journal, vielleicht sogar eine Stelle als Reporterin bei CNN.

So war es aber leider nicht gelaufen.

Erneut wandte sie sich dem Bildschirm zu, ließ den Blick über die Spalten wandern, die sie inzwischen auswendig kannte, suchte nach dem Muster, das sie einfach nicht fand … forschte nach dem Schlüssel, der die Tür nicht nur zu der Story, sondern zu ihrem eigenen Leben öffnete.

Die Zeit zog an ihr vorüber, und sie war nun mal nicht unsterblich …

Als Mels gegen halb zehn endlich die Redaktionsräume verließ, tauchten die Zeilen voll Buchstaben bei jedem Blinzeln wieder vor ihren Augen auf, als hätte sie ein Videospiel zu lange gespielt.

Ihr Auto, das sie liebevoll Josephine getauft hatte, war ein zwölf Jahre alter Honda Civic mit knapp dreihunderttausend Kilometern auf dem Buckel – und Fi-Fi war daran gewöhnt, nachts in der Kälte auf sie zu warten. Mels stieg ein, startete den Nähmaschinenmotor und fuhr los, fort von ihrem Sackgassenjob. Um zu ihrer Mutter zu fahren. Mit dreißig Jahren.

Was für eine Karriere. Und sie glaubte, sie würde durch Zauberhand am nächsten Morgen aufwachen und wäre die neue Diane Sawyer, nur ohne Haarspray?

Sie nahm die Trade Street stadtauswärts, ließ die Bürogebäude hinter sich, fuhr an den Discos vorbei und dann entlang der verlassenen Häuserblocks. Hier hatte man besser die Fenster hochgekurbelt und die Türen verriegelt. Jenseits der ganzen mit Brettern vernagelten Fenster wurde es besser, und bald erreichte sie die am Stadtrand gelegenen Wohngebiete, die Welt der Einfamilienhäuser im Ranch-Stil und der nach Bäumen benannten Straßen.

»Scheiiiiiiße!«

Mit einem Ruck riss sie das Lenkrad nach rechts, um dem Mann auszuweichen, der wie aus dem Nichts auf die Straße torkelte, aber zu spät. Sie erwischte ihn frontal, sodass er von der Straße gehoben wurde, über die Motorhaube rollte und direkt in die Windschutzscheibe pflügte, deren Sicherheitsglas in einem hellen Lichtblitz zerbarst.

Aber das war nur der erste Aufprall von insgesamt drei.

Der Mann flog wieder hoch, und Mels sah ihn zu ihrem Schrecken heftig auf dem Asphalt aufschlagen. Und dann geriet sie selbst in die Bredouille. Durch die Wucht der Kollision kam ihr Wagen von der Spur ab und knallte gegen die Bordsteinkante, die Bremsen verlangsamten das Tempo, aber nicht schnell genug – und dann gar nicht mehr, als das Auto kurz in die Luft abhob.

Die Eiche, die im Licht ihrer Scheinwerfer aufleuchtete, löste in ihrem Gehirn eine blitzschnelle Kalkulation aus: Sie würde das Scheißding rammen, und es würde wehtun.

Die Kollision war halb Krachen, halb dumpfer Schlag, ein mattes Geräusch, dem sie nicht viel Aufmerksamkeit schenkte, denn sie war zu sehr damit beschäftigt, den Airbag mit Karacho ins Gesicht zu kriegen.

Jetzt rächte sich, dass sie sich nicht angeschnallt hatte. Sie schleuderte vor und gleich wieder zurück, das austretende Talkumpulver des Airbags drang ihr in Auge, Nase und Lungen, brannte und ließ sie würgen. Dann wurde alles ganz still.

Und sie konnte für den Moment nur bleiben, wo sie gelandet war, genau wie die arme, alte Fi-Fi. Über den erschlaffenden Airbag gebeugt, hustete sie schwach …

Jemand pfiff.

Nein, das Geräusch kam vom Motor, aus dem irgendwo Dampf entwich, wo er nicht entweichen sollte.

Vorsichtig drehte sie den Kopf und sah aus dem Seitenfenster. Der Mann lag mitten auf der Straße, regungslos, zu regungslos.

»Oh mein Gott …«

Da erwachte das Radio zum Leben, anfangs rauschend, befeuert offenbar von einer Art Kurzschluss. Dann erklang ein Lied … was war das noch für eins?

Aus dem Nichts flackerte ein Licht in der Mitte der Straße auf und erhellte den Haufen Lumpen, unter dem sich ein Mensch verbarg. Blinzelnd überlegte Mels, ob das der Augenblick war, in dem sie die Antwort auf die Frage bezüglich des Lebens nach dem Tod erhielte.

Nicht unbedingt die Story, auf die sie es abgesehen hatte, aber sie würde sie schon nehmen …

Aber es war keine überirdische Ankunft. Nur ein Paar Scheinwerfer.

Der Wagen hielt mit quietschenden Bremsen an, und zwei Menschen sprangen heraus. Der Mann lief zu dem Überfahrenen, die Frau trabte zu Mels’ Auto. Ihre barmherzige Samariterin hatte Mühe, die Tür aufzuziehen, aber nach ein paar Versuchen strömte frische Luft ins Wageninnere und verjagte den beißenden Plastikgeruch des Airbags.

»Alles in Ordnung?«

Die Frau war Anfang vierzig und sah wohlhabend aus, ihre Haare waren zu einer Hochfrisur gesteckt, die goldenen Ohrringe blitzten, die gepflegte, aufeinander abgestimmte Kleidung passte überhaupt nicht in die Szenerie eines Autounfalls.

Sie hielt ein iPhone hoch. »Ich hab schon den Notarzt gerufen – nein, nein, nicht bewegen. Sie könnten eine Verletzung an der Wirbelsäule haben.«

Mels ergab sich dem sanften Druck auf ihre Schulter und blieb über das Lenkrad gebeugt sitzen. »Wie geht es ihm? Ich habe ihn überhaupt nicht gesehen, er war plötzlich da.«

Zumindest war das, was sie sagen wollte. Was ihre Ohren stattdessen vernahmen, war Gemurmel ohne Sinn.

Vergiss die Wirbelsäule. Sie machte sich Sorgen um ihren Kopf.

»Mein Mann ist Arzt«, sagte die Frau. »Er weiß, wie er den Verletzten behandeln muss. Kümmern Sie sich erst einmal nur um sich selbst …«

»Hab ihn nicht gesehen. Nicht gesehen.« Ah, gut, das klang schon etwas deutlicher. »Auf dem Heimweg von der Arbeit. Hab ihn nicht …«

»Aber selbstverständlich nicht.« Die Frau ging in die Hocke. Ja, sie sah wie eine Arztfrau aus, der Geruch von Wohlstand umgab sie. »Bleiben Sie ganz ruhig sitzen. Die Sanitäter sind unterwegs.«

»Lebt er überhaupt noch?« Tränen schossen Mels in die Augen. »Oh Gott, hab ich ihn umgebracht?«

Als sie zu zittern begann, fiel ihr endlich ein, welcher Song da lief. »›Blinded by the Light …‹«

»Warum funktioniert mein Radio noch?«, murmelte sie tränenerstickt.

»Wie bitte?«, fragte die Frau. »Welches Radio?«

»Hören Sie es nicht?«

Das beschwichtigende Tätscheln, das folgte, war irgendwie beunruhigend. »Atmen Sie einfach ganz ruhig ein und aus, und bleiben Sie bei mir.«

»Mein Radio läuft …«

Drei

»Ist es heiß hier drin? Ich meine, finden Sie es heiß?«

Die Dämonin schlug ihre endlos langen Gisele-Bündchen-Beine übereinander und zupfte an dem tiefen Ausschnitt ihres Kleides.

»Nein, Devina, das finde ich nicht.« Die Therapeutin ihr gegenüber war genau wie die kuschelige Couch, auf der sie saß: dick gepolstert und gemütlich. Selbst ihr Gesicht ähnelte einem Chintz-Sofakissen, die Konturen prall gestopft und mit einem Überzug aus Fürsorge und Mitgefühl versehen. »Aber ich kann ein Fenster öffnen, wenn Ihnen das lieber ist?«

Devina schüttelte den Kopf und schob die Hand zurück in das Prada-Täschchen. Neben ihrer Brieftasche, einem Päckchen Spearmint-Kaugummi, einer Flasche Mineralwasser und einer Tafel Bio-Bitterschokolade befand sich darin eine riesige Sammlung Rouge pur Couture-Lippenstift von YSL. Zumindest … sollte sie das.

Sie versuchte, ihr Wühlen beiläufig wirken zu lassen, so als vergewissere sie sich nur, dass sie ihren Schlüssel nicht verloren hatte.

In Wahrheit zählte sie nach, ob es auch wirklich noch dreizehn Lippenstifte waren: Von links unten in der Tasche ging sie nach rechts. Dreizehn war die korrekte Anzahl. Eins, zwei, drei …

»Devina?«

… vier, fünf, sechs …

»Devina.«

Sie kam durcheinander, schloss die Augen und kämpfte gegen die Versuchung an, den Störenfried zu erwürgen.

Ihre Therapeutin räusperte sich. Hustete. Machte ein würgendes Geräusch.

Devina schlug die Lider auf und sah, wie die Frau die Hände um den eigenen Hals legte und ein Gesicht machte, als hätte sie sich an einem Happy Meal verschluckt. Der Schmerz – die Verwirrung waren ein schöner Anblick, ein kleiner Appetithappen, der Devina Lust auf mehr machte.

Aber mehr Spaß durfte sie sich leider nicht gönnen. Wenn diese Therapeutin abtrat, was würde Devina dann tun? Immerhin machten sie beide wirklich Fortschritte, und eine neue zu finden, mit der sie ebenso gut zurechtkam, würde Zeit in Anspruch nehmen, die sie nicht hatte.

Also pfiff Devina fluchend ihre mentalen Hunde zurück und löste den unsichtbaren Griff, den sie völlig unbewusst ausgeübt hatte.

Die Therapeutin nahm einen tiefen, erleichterten Atemzug und blickte sich um. »Ich … äh, ich glaube, ich mache doch das Fenster auf.«

Der Frau war überhaupt nicht klar, dass ihre Fähigkeiten als Seelenklempnerin ihr soeben das Leben gerettet hatten. Seit Monaten trafen sie sich nun bereits fünfmal die Woche und unterhielten sich fünfzig Minuten lang zum Preis von einhundertfünfundsiebzig Dollar pro Sitzung. Dank dem Ausdrücken ihrer Gefühle und diesem ganzen Quatsch waren die Symptome von Devinas Zwangsneurose inzwischen etwas leichter zu ertragen – und in Anbetracht der Lage im Krieg mit diesem Engel Jim Heron würden Therapiestunden in der nächsten Runde, die bald anstand, sowas von dringend nötig sein.

Sie konnte nicht fassen, dass sie dabei war zu verlieren.

Im letzten Kampf um die Oberherrschaft über die Erde hatte dieser Engel nun schon zwei Gefechte gewonnen und sie erst eins. Es gab nur noch vier Seelen zu erringen. Wenn sie noch zwei verlöre, dann bliebe weder von ihr noch von ihren geliebten Sammlungen irgendetwas übrig: Alles würde verschwinden, all die kostbaren Gegenstände, die sie im Laufe der Jahrtausende angehäuft hatte, jeder einzelne davon ein unschätzbares Andenken an ihre Arbeit – fort, fort, fort. Aber das war noch nicht das Schlimmste. Ihre Kinder, diese herrlichen, gemarterten Seelen, die in ihrer Wand gefangen waren, würden ins Gute, Glückselige, Unbefleckte eingehen.

Allein bei dem Gedanken wurde ihr schon schlecht.

Und als wäre das alles nicht schon schrecklich genug, hatte ihr der Schöpfer gerade auf die Finger geklopft.

Die Therapeutin machte es sich wieder auf ihrem Sessel bequem, nachdem sie die Frischluftjagd abgeschlossen hatte. »Also, Devina, erzählen Sie mir, was in Ihnen vorgeht.«

»Ich … äh …« Beklemmung stieg in ihr auf, weshalb sie ihre Tasche hochhob, den Boden nach Löchern absuchte, keine fand. Keiner der Lippenstifte konnte herausgefallen sein, redete sie sich gut zu. Und sie hatte die Anzahl überprüft, ehe sie ihren Unterschlupf verließ. Dreizehn, eine vollkommene Dreizehn. Folglich waren alle noch da. Mussten da sein.

Aber was … oh Gott, vielleicht hatte sie die Tasche schief hingestellt und einer war herausgerollt, weil sie vergessen hatte, den Reißverschluss …

»Devina«, sagte die Therapeutin, »Sie wirken wirklich verstört. Können Sie mir bitte erklären, was los ist?«

Mach den Mund auf, ermahnte sie sich. Das war der einzige Ausweg. Auch wenn ihr Gehirn ihr vorgaukelte, das Zählen und Sortieren und Überprüfen und noch mal Überprüfen sei die Lösung, machte sie das nun schon seit Äonen und hatte damit absolut nichts erreicht. Während diese neue Methode funktionierte. Mehr oder weniger.

»Dieser neue Kollege, von dem ich bereits erzählt habe.« Sie schlang die Arme um die Handtasche und drückte sie samt Inhalt dicht an den Körper, den sie als Hülle annahm, wenn sie sich unter den Affen bewegte. »Er lügt. Er lügt wie gedruckt. Er hat mich übers Ohr gehauen – und ich bin diejenige, die jetzt des Betrugs beschuldigt wird.«

Seit sie die Therapie angefangen hatte, hüllte sie den Krieg mit dem gefallenen Engel Heron so in Worte, dass ein Mensch des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts ihn verstehen konnte: Sie und ihr Gegenspieler waren Kollegen in einer Consulting-Firma, die um den Posten des stellvertretenden Geschäftsführers konkurrierten. Jede Seele, um die sie kämpften, war ein Kunde. Der Schöpfer war der Geschäftsführer, und sie hatten nur eine begrenzte Anzahl von Versuchen, Eindruck bei ihm zu schinden. Und so weiter und so fort. Die Metapher war nicht perfekt, aber immer noch besser, als die nackten Tatsachen auf den Tisch zu legen und zu riskieren, dass die Frau entweder den Verstand verlor oder auf die Idee kam, Devina wäre nicht nur zwangsneurotisch, sondern auch unzurechnungsfähig.

»Könnten Sie ein bisschen deutlicher werden?«

»Der Chef hat uns beide zu einem Gespräch mit einem interessierten Kunden geschickt. Letzten Endes hat der Mann uns den Auftrag erteilt und sich entschlossen, mit mir zusammenzuarbeiten. Alles lief gut für mich. Ich war glücklich, der Kunde war …« Na ja, nicht gerade glücklich, nein. Im Gegenteil, Matthias war überhaupt nicht glücklich gewesen – ein weiterer Grund, warum der Sieg sie so zufriedengestellt hatte: Je mehr gelitten wurde, umso besser. »Der Kunde wurde betreut, und alles war geklärt, der Dienstleistungsvertrag unterschrieben, Angelegenheit abgeschlossen. Und dann werde ich in eine völlig bescheuerte Konferenz geschleift, und man teilt mir mit, dass wir beide erneut an den Mann herantreten müssen.«

»Sie und Ihr Kollege, meinen Sie.«

»Genau.« Devina warf die Hände hoch. »Ich meine, mal ehrlich. Es ist vorbei. Der Auftrag ist eingetütet, Fall erledigt. Und jetzt haben wir die ganze Akquise noch einmal am Hals? Was zum Teufel soll denn der Quatsch? Und dann sagt der Chef zu mir auch noch: ›Die Provision für den Vertrag darfst du trotzdem behalten.‹ Als wäre es dadurch okay.«

»Besser, als sie zu verlieren.«

Devina schüttelte den Kopf. Die Frau begriff einfach nicht. Wenn etwas einmal ihr gehörte, dann war es loszulassen oder weggenommen zu bekommen, als würde man einen Teil ihres echten Körpers entfernen: Matthias war aus ihrer Wand gerissen und erneut auf die Erde gesetzt worden.

Offen gestanden, war die Macht des Schöpfers so ungefähr das Einzige, was Devina Angst einjagte.

Abgesehen von ihrer Zwangsneurose.

Sie hielt es nicht mehr aus, riss die Handtasche auf und begann zu zählen.

»Devina, Sie arbeiten doch gut mit dem Kunden zusammen, oder?«

Sie hielt inne. »Ja.«

»Und Sie haben eine Beziehung zu ihr oder ihm aufgebaut.«

»Ihm. Ja, das habe ich.«

»Dann sind Sie doch in einer stärkeren Position als Ihr Kollege, oder nicht?« Die Therapeutin machte eine Geste im Sinne von »kein Problem.«

»Daran habe ich noch gar nicht gedacht.« Sie war zu wütend gewesen.

»Sollten Sie aber. Obwohl ich sagen muss, dass mich eine Sache etwas verwirrt. Warum hat Ihr Chef überhaupt Anlass gesehen einzugreifen? Besonders, wo der Kunde nicht nur bei Ihrer Firma unter Vertrag steht, sondern auch noch zufrieden ist?«

»Er war nicht ganz einverstanden mit manchen der angewandten … Methoden … die zum Geschäftsabschluss geführt haben.«

»Ihren Methoden?«

Als Devina zögerte, schnellte der Blick der Therapeutin kurz in Richtung ihres Dekolletés.

»Meinen, ja«, räumte die Dämonin ein. »Aber kommen Sie, ich habe den Kunden an Land gezogen, und niemand kann sich über meine Arbeitsmoral beschweren, ich arbeite immer. Buchstäblich. Ich habe kein Leben neben meinem Job.«

»Heißen Sie selbst die Taktik gut, die Sie angewendet haben?«

»Absolut. Der Kunde ist mein – alles andere spielt keine Rolle.«

Das anschließende Schweigen deutete darauf hin, dass die Therapeutin nicht unbedingt der Ansicht war, der Zweck heilige die Mittel. Aber egal, das war ihr Problem – und wahrscheinlich auch der Grund, warum sie eine Figur wie ein Polstermöbel hatte und Tag für Tag wildfremden Leuten zuhörte, wie sie sich über ihr Leben ausließen.

Anstatt über die Unterwelt zu herrschen und irrsinnig heiß in Louboutins auszusehen …

Wieder kroch Beklommenheit in Devina hoch, also musste sie zählen, schob die Lippenstifte einen nach dem anderen von links nach rechts. Eins, zwei, drei …

»Devina, was machen Sie da?«

Fast hätte sie die Alte wirklich ernsthaft angegriffen. Aber ihr Verstand und Sinn für die Realität bremsten sie: Die Zwangshandlungen standen kurz davor, die Oberhand zu gewinnen. Und gegen einen Feind wie Jim Heron konnte man einfach nicht effektiv vorgehen, wenn man ununterbrochen Gegenstände zählen oder berühren musste, obwohl man ganz genau wusste, dass sie nicht verloren gegangen, bewegt oder von jemand anderem berührt worden waren.

»Lippenstift. Ich vergewissere mich nur, dass ich meinen Lippenstift noch habe.«

»Gut, dann hören Sie jetzt damit auf.«

Devina sah sie mit echter Verzweiflung im Blick an. »Ich … kann nicht.«

»Doch, Sie können. Denken Sie daran: Es geht nicht um die Dinge. Es geht darum, den Zwängen nicht nachzugeben, sondern Ihre Angst effizienter und dauerhafter zu steuern. Sie wissen, dass die Erleichterung am Ende eines Rituals nie länger als einen Sekundenbruchteil anhält – so dringen Sie nie zur Wurzel des Problems vor. Tatsache ist doch, je stärker Sie sich den Zwängen fügen, desto größer ist die Gewalt, die sie über Sie haben. Der einzige Weg zur Besserung liegt darin, das Beklommenheitsgefühl auszuhalten und die Impulse zu etwas umzuformen, über das Sie Macht haben – nicht umgekehrt.« Die Therapeutin beugte sich vor, bereit zur Schocktherapie. »Ich möchte, dass Sie einen wegwerfen.«

»Was?«

»Werfen Sie einen der Lippenstifte weg.« Die Frau lehnte sich zur Seite und hob den fleischfarbenen Papierkorb hoch. »Jetzt gleich.«

»Nein! Sind Sie verrückt?« Panik ergriff sie, ihre Handflächen wurden schweißnass, in ihren Ohren fiepte es, die Füße waren taub. Schon bald würde sie dem Zwang hilflos ausgeliefert sein, ihr Magen würde Purzelbäume schlagen, das Herz flattern, sie bekäme keine Luft mehr. Seit einer Ewigkeit machte sie das jetzt schon mit. »Ich kann unmöglich …«

»Doch, Sie können, und Sie müssen sogar. Nehmen Sie die Farbe, die Ihnen am wenigsten gefällt, und werfen Sie das Ding in den Papierkorb.«

»Es gibt keine Farbe, die mir am wenigsten gefällt – es ist alles dasselbe Rot.1 Le Rouge.«

»Dann ist egal, welchen Sie nehmen.«

»Ich kann nicht …« Ihr kamen die Tränen. »Ich kann nicht.«

»Kleine Schritte, Devina. Das ist der Dreh- und Angelpunkt kognitiver Verhaltenstherapie. Wir müssen Ihren Wohlfühlbereich verlassen, Sie Ihrer Angst aussetzen und Sie durch die Wellen hindurchbringen, damit Sie lernen, dass Sie es heil überstehen können und nicht untergehen. Wenn Sie das oft genug geschafft haben, schwindet der Einfluss Ihrer Zwangsstörung auf Ihre Gedanken und Entscheidungsprozesse. Was wird Ihrer Meinung nach passieren, wenn Sie einen Lippenstift wegwerfen?«

»Ich bekomme eine Panikattacke. Besonders wenn ich nach Hause fahre und ihn nicht bei mir habe.«

»Und was dann?«

»Ich kaufe einen neuen als Ersatz, aber das ist nicht derselbe wie der weggeworfene, also hilft es nicht wirklich. Ich werde noch zwanghafter …«

»Aber Sie sterben nicht daran.«

Natürlich nicht, sie war unsterblich. Vorausgesetzt, sie gewänne gegen Jim Heron. »Nein, aber …«

»Und die Welt geht nicht unter.«

Nein, also nicht wegen der Lippenstiftsache, das nicht. »Aber es fühlt sich so an.«

»Emotionen kommen und gehen. Sie dauern nicht endlos an.« Die Therapeutin wackelte mit dem kleinen Papierkorb. »Kommen Sie, Devina. Versuchen Sie’s. Wenn es zu viel für Sie wird, können Sie den Lippenstift wieder herausholen. Aber wir müssen uns allmählich damit befassen.«

Sie spürte tatsächlich eine Woge von Panik aufwallen, aber paradoxerweise war es ausgerechnet Angst, die ihr dabei half, sie durchzustehen: Angst, dass dieses für sie unkontrollierbare Problem sie behindern würde; Angst, dass Jim nicht gewänne, weil er der überlegene Spieler im Wettkampf des Schöpfers war, sondern weil sie dem Druck nicht standhielte; Angst, dass sie nie in der Lage wäre, sich zu ändern …

Devina schob die Hand in die Tasche und griff sich den erstbesten Lippenstift. Dann schmiss sie ihn weg. Ließ ihn einfach in den Papierkorb fallen.

Das dumpfe Geräusch, als er auf den Taschentüchern vorheriger Patienten auftraf, war, als würde das Maul der Hölle vor ihr zuschnappen.

»Gut gemacht«, sagte die Therapeutin. Als sei Devina eine Sechsjährige, die das Alphabet richtig aufgesagt hatte. »Wie fühlen Sie sich?«

»Als müsste ich mich übergeben.« Das Einzige, was sie davon abhielt, war, dass sie genau auf den Lippenstift spucken müsste.

»Bewerten Sie bitte Ihre Angst auf einer Skala von eins bis zehn.«

Als Devina prompt eine Zehn vergab, stimmte die Therapeutin eine Litanei über das ruhige Atmen an, um die Panik zu beherrschen – bla, bla, bla.

Wieder beugte die Frau sich vor, als merkte sie, dass sie nicht durchdrang. »Es geht nicht um den Lippenstift, Devina. Und die Beklemmung, die Sie jetzt spüren, wird nicht ewig dauern. Wir werden Ihnen nicht zu viel abverlangen, und Sie werden staunen, welche Fortschritte wir machen werden. Der menschliche Geist kann umprogrammiert werden, neue Pfade des Erlebens können geebnet werden. Konfrontationstherapie funktioniert – sie ist genauso mächtig wie die Zwänge. Daran müssen Sie glauben, Devina.«

Mit zitternder Hand wischte die Dämonin sich den Schweiß von der Stirn. Dann riss sie sich in ihrem eng anliegenden Ganzkörperanzug aus menschlichem Fleisch zusammen und nickte.

Die sofaförmige Frau hatte recht. Was Devina bis zu diesem Zeitpunkt getan hatte, funktionierte nicht. Ihr Zustand verschlechterte sich, und es stand immer mehr auf dem Spiel.

Denn sie war ja nicht nur im Begriff zu verlieren … sie war auch in den Feind verliebt.

Nicht dass sie sich gern daran erinnerte.

»Sie müssen nicht einmal unbedingt daran glauben, dass es funktioniert, Devina. Sie müssen nur an die Ergebnisse glauben. Es ist schwer, aber Sie schaffen das. Ich habe volles Vertrauen in Sie.«

Devina sah der Frau in die Augen und beneidete sie um ihre Überzeugung. Verdammt, wer solche Zuversicht empfand, litt entweder unter Wahnvorstellungen … oder stand mit beiden Beinen auf dem Betonfußboden, gegossen aus Erfahrung und einer soliden Ausbildung.

Es hatte mal eine Zeit gegeben, als Devina sich ihrer selbst absolut sicher gewesen war.

Diese Sicherheit musste sie zurückgewinnen.

Jim Heron hatte sich als viel mehr denn nur ein würdiger Gegner und verflucht gut im Bett erwiesen. Und sie konnte nicht zulassen, dass er die Oberhand behielt. Verlieren kam nicht infrage, und sobald diese Therapiesitzung vorbei war, musste sie mit einem klaren, unbelasteten Kopf an die Arbeit zurückkehren.

Sie schloss die Augen, lehnte sich in den weichen Sessel zurück, legte die Hände auf die gepolsterten Armlehnen und grub die Nägel in den samtigen Stoff.

»Wie fühlen Sie sich jetzt?«, fragte die Therapeutin.

»Als würde ich obsiegen, komme, was da wolle.«

Vier

»Bitte, verraten Sie mir nur, ob er noch lebt.«

Aber Mels’ Frage wurde von der Krankenschwester neben ihrem Bett mit keiner Antwort gewürdigt. Die Frau streckte nur einen Stift in die Höhe und sagte: »Wenn Sie die Entlassungspapiere unterschrieben haben, bekommen Sie von mir das Rezept für die Medikamente.«

Scheiß auf den Kuli. »Ich muss wissen, ob der Mann überlebt hat.«

»Ich darf keine Angaben über Patienten herausgeben. Krankenhausvorschriften. Unterschreiben Sie bitte hier, damit wir Sie entlassen können.«

Im Klartext: Lass mich gefälligst in Frieden. Ich hab zu tun.

Innerlich fluchend, kritzelte Mels ihren Namen in die entsprechende Zeile, nahm die beiden Zettel und ihren Durchschlag entgegen, und Schwester Rachel ging, um den nächsten Patienten zu terrorisieren.

Was für ein Abend. Wenigstens hatte die Polizei auf Unfall entschieden und klar festgestellt, dass von ihrer Seite aus keine Fahrlässigkeit vorlag. Aber es gab trotzdem noch Probleme …

Sie überflog die Diagnose auf ihrem Entlassungsschein. Leichte Gehirnerschütterung. Verrenkter Hals. Nachsorge in einer Woche beim Hausarzt, oder auch früher, falls Sehstörungen, Übelkeit, Schwindel oder stärkere Kopfschmerzen auftreten sollten.

Ihr Auto hatte vermutlich einen Totalschaden.

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