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Dieses Skript befasst sich mit den Störungen des Hormonsystems, die primär Stoffwechselfunktionen betreffen. Hier findest du also alle relevanten klinischen Infos zu Hypothalamus/Hypophyse, Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nebenniere. Auch das endokrine Pankreas mit seinen vielfältigen Einflüssen insbesondere auf den Kohlenhydrat-Stoffwechsel ist hier Thema. Abgerundet wird dieses Skript durch weitere Stoffwechselstörungen wie jene des Fett- und Nukleinsäurestoffwechsels, aber auch von Eisen, Kupfer und Vitaminen.
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Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 285
Veröffentlichungsjahr: 2024
Zoran Erlic, Stefan Fischli, Jürgen Hallbach, Thomas Herdegen
4., vollständig überarbeitete Auflage
34 Abbildungen
Es ist so weit – vor dem PJ steht nur noch die letzte Hürde an: die 2. ärztliche Prüfung (M2). Du hast nach all den Strapazen des Medizinstudiums keine Lust mehr, dicke Bücher zu wälzen, um dich prüfungsfit zu machen? Dann laufe mit Endspurt in die Zielgerade ein! Ideal abgestimmt mit unserer digitalen Lernplattform via medici bieten die Endspurt-Skripten schwerpunktmäßig jene Inhalte, auf die das IMPP mit seinen Examensfragen in den letzten Jahren abgezielt hat, und noch mehr, um optimal auch auf neue IMPP-Fragen sowie das Mündliche vorzubereiten.
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Um den Umfang bewältigbar zu halten, haben wir die Endspurt-Inhalte sehr kurz gefasst und aufs Wesentliche reduziert. Insbesondere haben wir detailliertes Klinikwissen zu speziellen Verfahren oder Kontraindikationen und Wechselwirkungen vieler Medikamente bewusst weggelassen. Zudem wird ein Thema, selbst wenn es prüfungsrelevant ist, möglichst nur an einer Stelle behandelt, auch wenn es prinzipiell zu mehreren Fächern passt.
100-Tage-Lernplan: Jedes Skript ist in mehrere Lerntage untergliedert. Diese sind abgestimmt auf den Lernplan in via medici, wo du jeweils die Kreuzsitzungen zu den Inhalten des Vortags findest (https://viamedici.thieme.de/lernplaner). So kannst du nach jedem Lerntag prüfen, ob du den Inhalt verstanden und behalten hast. Unser Zeitplan bringt dich in 100 Tagen zum 2. Staatsexamen. Darin enthalten sind 3 Tage „Zwischencheck“, an denen du ausschließlich Fragen zu den bis dahin gelernten Inhalten kreuzt, und am Ende 9 Tage Generalprobe mit 3 Examina aus den letzten Jahren. Die Einteilung der Lerntage ist natürlich nur ein Vorschlag – wie gut du beim Lernen vorankommst, hängt maßgeblich von deinem Vorwissen und deiner persönlichen Lerngeschwindigkeit ab.
Im Endspurt-Paket sind 3 Monate Zugang zu via medici enthalten. Wenn du nur einzelne Skripten gekauft hast, erkundige dich bei deiner Uni, ob sie ihren Studierenden via medici kostenlos zur Verfügung stellt, oder erwirb privat einen Zugang. Im via medici Lernplan werden übrigens stets die neuen Examensfragen ergänzt, damit dir keine Frage entgeht!
Prüfungsrelevante Inhalte:Inhalte, zu denen das IMPP seit Frühjahr 2012 Fragen gestellt hat, sind an der jeweils passendsten Stelle gelb hervorgehoben. Auch die meisten älteren Prüfungsinhalte seit 2008 sind gelb markiert.
IMPP-Fakten
IMPP-Fakten-Kästen sind zum Wiederholen der Altfragen-Inhalte oder für die ganz Eiligen unter euch gedacht. Sie listen alle gelb markierten Aussagen des vorangehenden Abschnitts nochmals auf.
Die Anzahl der ! zeigt an, wie häufig der Inhalt von 2012 bis Frühjahr 2023 gefragt wurde:
! Hierzu gab es 1 Frage.
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!!!! Ein Lieblingsthema des IMPP – 4-mal oder öfter gefragt.
Lerntipps und Co: bieten weitere Unterstützung beim Lernen.
Lerntipp
Hier findest du Hinweise darauf, welche Inhalte auch mündlich besonders gern gefragt werden, welche Tücken in bestimmten IMPP-Fragen auf dich warten, oder hilfreiche Merksprüche.
Definition:
Diese Kästen definieren kurz und knapp Krankheitsbilder und weitere Schlüsselbegriffe.
Merke:
Besonders wichtige Sachverhalte sind in Merke-Kästen nochmals hervorgehoben.
Vorsicht:
„Stolperfallen“ oder potenziell gefährliche Verwechslungsmöglichkeiten sind mit „Vorsicht“ gekennzeichnet.
Praxistipp:
Hier findest du Fakten, die du später in der Anwendung im klinischen Alltag brauchen wirst.
Fehlerteufel: Solltest du in unseren Skripten etwas entdecken, das nicht richtig ist, freuen wir uns über jeden Hinweis! Schicke deine Fehlermeldung bitte an [email protected] oder schreibe einfach ein Feedback zu dem entsprechenden via medici Lernmodul. Du kannst auch das Formular auf www.thieme.de/service/feedback.html benutzen. Wir werden alle Fehler in einem Erratum sammeln und auf www.thieme.de/endspurt online stellen. Und sollten dir unsere Skripten gefallen: Lob ist natürlich ebenso willkommen ☺.Alles Gute und viel Erfolg für dein Examendas Endspurt-Team
Dieses Skript befasst sich mit den Störungen des Hormonsystems, die primär Stoffwechselfunktionen betreffen. Hier findest du also alle relevanten klinischen Infos zu Hypothalamus/Hypophyse, Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nebenniere. Auch das endokrine Pankreas mit seinen vielfältigen Einflüssen insbesondere auf den Kohlenhydrat-Stoffwechsel ist hier Thema. Abgerundet wird dieses Skript durch weitere Stoffwechselstörungen wie jene des Fett- und Nukleinsäurestoffwechsels, aber auch von Eisen, Kupfer und Vitaminen.
Titelei
Auf zum Endspurt!
Skript 6: Hormone, Stoffwechsel
Teil I Endokrines System
1 Hypothalamus und Hypophyse
1.1 Allgemeine Diagnostik
1.2 Hypothalamus und Hypophysenvorderlappen: Labordiagnostik
1.2.1 GnRH-Test
1.2.2 LH und FSH
1.2.3 TRH-Test
1.2.4 GHRH-Test
1.2.5 hGH und IGF-I
1.2.6 Glucosebelastungstest
1.2.7 Insulinhypoglykämietest
1.2.8 CRH-Test
1.2.9 ACTH
1.2.10 Prolactin
1.2.11 Hypophysen-Stimulationstest
1.3 Hypophysenhinterlappen: Labordiagnostik
1.3.1 Antidiuretisches Hormon bzw. Copeptin
1.3.2 Durstversuch
1.3.3 Desmopressin-Test
1.3.4 NaCl-Belastungstest mit Copeptin-Bestimmung
1.4 Hormone des Hypothalamus und der Hypophyse und ihre Analoga
1.4.1 Hormone des Hypothalamus und ihre Analoga
1.4.2 Hormone der Hypophyse und ihre Analoga
1.4.3 Weitere Hormone
1.5 Hypophysenvorderlappeninsuffizienz
1.5.1 Ätiologie
1.5.2 Symptomatik
1.5.3 Komplikationen
1.5.4 Diagnostik
1.5.5 Therapie
1.6 Hypophysentumoren
1.6.1 Allgemeine Diagnostik
1.6.2 Kraniopharyngeom
1.6.3 Prolaktinom
1.6.4 GH-produzierendes Adenom und Akromegalie
1.7 Diabetes insipidus
1.7.1 Ätiologie und Einteilung
1.7.2 Pathophysiologie
1.7.3 Symptomatik
1.7.4 Diagnostik
1.7.5 Therapie
1.8 Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH)
1.8.1 Ätiologie
1.8.2 Symptomatik
1.8.3 Diagnostik
1.8.4 Therapie
2 Schilddrüse
2.1 Allgemeine Diagnostik
2.1.1 Klinische Untersuchung
2.1.2 Labordiagnostik
2.1.3 Apparative Diagnostik
2.2 Schilddrüse: Labordiagnostik
2.2.1 TSH
2.2.2 Freies T4 (fT4)
2.2.3 Freies T3 (fT3)
2.2.4 Schilddrüsen-Antikörper
2.2.5 Tumormarker
2.3 Bildgebende Diagnostik und Nuklearmedizin
2.3.1 Sonografie
2.3.2 Nuklearmedizinische Verfahren
2.4 Schilddrüsenhormone, Iodid und Thyreostatika
2.4.1 Substitutionstherapeutika
2.4.2 Thyreostatika
2.5 Struma
2.5.1 Epidemiologie
2.5.2 Ätiopathogenese
2.5.3 Symptomatik
2.5.4 Komplikationen
2.5.5 Diagnostik
2.5.6 Therapie
2.5.7 Prophylaxe
2.6 Hyperthyreose: Überblick
2.6.1 Epidemiologie
2.6.2 Ätiopathogenese
2.6.3 Symptomatik
2.6.4 Komplikationen
2.6.5 Diagnostik
2.6.6 Therapie
2.7 Morbus Basedow
2.7.1 Ätiopathogenese
2.7.2 Einteilung
2.7.3 Symptomatik
2.7.4 Diagnostik
2.7.5 Therapie
2.7.6 Verlauf und Prognose
2.8 Schilddrüsenautonomie (autonomes Adenom)
2.8.1 Epidemiologie
2.8.2 Ätiopathogenese
2.8.3 Einteilung
2.8.4 Symptomatik
2.8.5 Diagnostik
2.8.6 Therapie
2.8.7 Prognose
2.9 Hypothyreose
2.9.1 Ätiopathogenese
2.9.2 Symptomatik
2.9.3 Komplikation
2.9.4 Diagnostik
2.9.5 Differenzialdiagnose
2.9.6 Therapie
2.10 Schilddrüsenentzündungen
2.10.1 Hashimoto-Thyreoiditis
2.10.2 Thyreoiditis de Quervain
2.10.3 Akute Thyreoiditis
2.10.4 Seltene Formen
2.11 Schilddrüsenkarzinom
2.11.1 Einteilung
2.11.2 Epidemiologie
2.11.3 Ätiologie
2.11.4 Symptomatik
2.11.5 Diagnostik
2.11.6 Pathologie
2.11.7 Therapie
2.11.8 Prognose
2.11.9 Schilddrüsenmalignome: Übersicht
2.12 Chirurgie von Schilddrüse und Nebenschilddrüsen
2.12.1 Indikationen
2.12.2 Präoperative Vorbereitungen
2.12.3 Operatives Vorgehen
2.12.4 Varianten der Thyreoidektomie
2.12.5 Varianten der Parathyreoidektomie
2.12.6 OP-Komplikationen
2.12.7 Postoperative Behandlung
3 Nebenschilddrüse
3.1 Allgemeine Diagnostik
3.1.1 Labordiagnostik
3.1.2 Bildgebende Diagnostik
3.2 Nebenschilddrüse: Labordiagnostik
3.2.1 Parathormon (PTH)
3.2.2 Vitamin D
3.3 Hyperparathyreoidismus
3.3.1 Primärer Hyperparathyreoidismus (pHPT)
3.3.2 Sekundärer und tertiärer Hyperparathyreoidismus (sHPT und tHPT)
3.4 Hypoparathyreoidismus
3.4.1 Ätiopathogenese
3.4.2 Symptomatik
3.4.3 Diagnostik
3.4.4 Therapie
3.4.5 Prognose
4 Nebenniere
4.1 Allgemeine Diagnostik
4.1.1 Anamnese und klinische Untersuchung
4.1.2 Labordiagnostik
4.1.3 Apparative Diagnostik
4.2 Nebennierenrinde: Labordiagnostik
4.2.1 Cortisol
4.2.2 ACTH-Test
4.2.3 Dexamethason-Hemmtest
4.2.4 Aldosteron
4.2.5 Renin
4.2.6 Renin-Aldosteron-Orthostase-Test
4.2.7 Captopriltest
4.2.8 Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS)
4.3 Nebennierenmark: Labordiagnostik
4.3.1 Adrenalin, Noradrenalin und Metaboliten
4.3.2 Clonidintest
4.4 Glucocorticoide, Mineralcorticoide
4.4.1 Charakteristika der Glucocorticoide
4.4.2 Charakteristika der Mineralcorticoide
4.5 Hypercortisolismus (Cushing-Syndrom)
4.5.1 Ätiologie
4.5.2 Symptomatik
4.5.3 Diagnostik
4.5.4 Differenzialdiagnosen
4.5.5 Therapie
4.5.6 Verlauf und Prognose
4.6 Primäre Nebennierenrindeninsuffizienz (Morbus Addison)
4.6.1 Ätiologie
4.6.2 Pathophysiologie
4.6.3 Symptomatik
4.6.4 Komplikation: Addison-Krise
4.6.5 Diagnostik
4.6.6 Differenzialdiagnosen
4.6.7 Therapie
4.7 Primärer Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom)
4.7.1 Ätiologie
4.7.2 Pathophysiologie
4.7.3 Symptomatik
4.7.4 Diagnostik
4.7.5 Differenzialdiagnosen
4.7.6 Therapie
4.8 Hypoaldosteronismus
4.8.1 Ätiologie und Einteilung
4.8.2 Symptomatik und Diagnostik
4.8.3 Differenzialdiagnosen
4.8.4 Therapie
4.9 Nebennierenrindenkarzinom
4.9.1 Symptomatik
4.9.2 Diagnostik
4.9.3 Therapie
4.9.4 Prognose
4.10 Phäochromozytom
4.10.1 Ätiologie
4.10.2 Pathophysiologie
4.10.3 Symptomatik
4.10.4 Diagnostik
4.10.5 Pathologie
4.10.6 Therapie
4.11 MEN-Syndrom und polyglanduläre Syndrome
4.11.1 Einteilung, Ätiologie und Epidemiologie
4.11.2 Symptomatik
4.11.3 Diagnostik
4.11.4 Therapie
Teil II Stoffwechsel
5 Diagnostik
5.1 Pankreas (endokrine Funktion): Labordiagnostik
5.1.1 Insulin und C-Peptid
5.1.2 Hungerversuch
5.1.3 Insulinsuppressionstest
5.2 Aminosäuren, Proteine und Enzyme: Labordiagnostik
5.2.1 Aminosäurediagnostik
5.2.2 Proteindiagnostik
5.2.3 Enzymdiagnostik
5.3 Nukleinsäuren: Labordiagnostik
5.3.1 Indikation und Probengewinnung
5.3.2 Nachweis bekannter Mutationen
5.3.3 Nachweis unbekannter DNA-Mutationen
5.4 Kohlenhydrate und Ketonkörper: Labordiagnostik
5.4.1 Glucose
5.4.2 Ketonkörper
5.4.3 Lactat
5.5 Lipide: Labordiagnostik
5.5.1 Lipidanalytik
5.5.2 Triglyceride
5.5.3 Cholesterinbestimmung
5.5.4 Apolipoprotein und Lipoprotein(a)
6 Pharmaka
6.1 Orale Antidiabetika und GLP-1-Analoga
6.1.1 Sulfonylharnstoffe
6.1.2 Gliptine
6.1.3 Biguanide
6.1.4 Gliflozine
6.1.5 GLP-1-Analoga
6.2 Insulin und Insulinanaloga
6.2.1 Charakteristika
6.3 Cholesterinsenker
6.3.1 Charakteristika
6.4 Triglyceridsenker
6.4.1 Charakteristika
6.5 Lipasehemmer
6.5.1 Charakteristika
6.6 Urikostatika, Urikosurika, Urikolytika und Colchicin
6.6.1 Urikostatika
6.6.2 Urikosurika
6.6.3 Urikolytika
6.6.4 Colchicin
7 Erkrankungen des Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsels
7.1 Diabetes mellitus: Grundlagen
7.1.1 Glucosestoffwechsel
7.1.2 Epidemiologie
7.1.3 Einteilung
7.1.4 Diagnostik
7.1.5 Allgemeine Therapie
7.2 Diabetes mellitus Typ 1
7.2.1 Ätiologie
7.2.2 Pathogenese
7.2.3 Symptomatik
7.2.4 Insulintherapie
7.3 Diabetes mellitus Typ 2
7.3.1 Ätiologie
7.3.2 Pathogenese
7.3.3 Symptomatik
7.3.4 Therapie
7.4 Diabetes mellitus: Gestationsdiabetes und Sonderformen
7.5 Diabetes mellitus: Komplikationen
7.5.1 Akute Komplikationen
7.5.2 Langzeitkomplikationen
7.5.3 Diabetes mellitus und Schwangerschaft
7.6 Hypoglykämie
7.6.1 Einteilung und Ätiologie
7.6.2 Pathophysiologie
7.6.3 Symptomatik
7.6.4 Diagnostik
7.6.5 Therapie
7.7 Adipositas
7.7.1 Einteilung
7.7.2 Ätiologie
7.7.3 Pathogenese
7.7.4 Symptomatik
7.7.5 Komplikationen
7.7.6 Diagnostik
7.7.7 Therapie
7.8 Hyperlipoproteinämie
7.8.1 Physiologie des Lipidstoffwechsels
7.8.2 Epidemiologie
7.8.3 Einteilung
7.8.4 Ätiologie
7.8.5 Pathogenese
7.8.6 Symptomatik
7.8.7 Diagnostik
7.8.8 Therapie
7.9 Hypolipoproteinämie
7.9.1 Einteilung und Überblick
7.10 Metabolisches Syndrom
7.10.1 Ätiologie und Pathogenese
7.10.2 Symptomatik
7.10.3 Diagnostik
7.10.4 Therapie
8 Weitere Stoffwechselstörungen
8.1 Hyperurikämie und Gicht
8.1.1 Ätiologie und Einteilung
8.1.2 Pathophysiologie
8.1.3 Symptomatik
8.1.4 Diagnostik
8.1.5 Therapie
8.1.6 Prognose
8.2 Porphyrien
8.2.1 Ätiologie und Einteilung
8.2.2 Erythropoetische Porphyrien
8.2.3 Hepatische Porphyrien
8.3 Eisenspeicherkrankheiten
8.3.1 Einteilung, Ätiologie und Epidemiologie
8.3.2 Pathogenese
8.3.3 Symptomatik
8.3.4 Diagnostik
8.3.5 Differenzialdiagnosen
8.3.6 Therapie
8.4 Morbus Wilson
8.4.1 Ätiologie
8.4.2 Symptomatik
8.4.3 Diagnostik
8.4.4 Therapie
8.5 α1-Antitrypsin-Mangel
8.5.1 Ätiopathogenese
8.5.2 Symptomatik
8.5.3 Diagnostik
8.5.4 Therapie
8.6 Amyloidose
8.6.1 Epidemiologie
8.6.2 Ätiopathogenese und Einteilung
8.6.3 Symptomatik
8.6.4 Diagnostik
8.6.5 Pathologie
8.6.6 Therapie
8.7 Hypo- und Hypervitaminosen
8.7.1 Hypovitaminose
8.7.2 Hypervitaminose
8.7.3 Übersicht: Hyper- und Hypovitaminosen
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
1 Hypothalamus und Hypophyse
2 Schilddrüse
3 Nebenschilddrüse
4 Nebenniere
S. Fischli
Anamnese und körperlichen Untersuchung:
hormonaktive Hypophysenadenome:
Verdickung der Finger und Vergrößerung der Füße bei Akromegalie
Gewichtszunahme mit stammbetonter Adipositas, Hirsutismus beim Morbus Cushing
Zyklusstörungen, Abnahme der Libido und Galaktorrhö beim Prolaktinom
hormoninaktive Hypophysenadenome (gonadotrope Achse vor der thyreotropen und corticotropen Achse betroffen):
Libidoverlust, Zyklusstörungen (sekundäre Amenorrhö) und Gynäkomastie bei sekundärem Hypogonadismus
Adynamie, Bradykardie und Kälteintoleranz bei sekundärer Hypothyreose
alabasterfarbene Haut, Abgeschlagenheit, Gewichtsabnahme und Libidoverlust bei sekundärer Nebenniereninsuffizienz
erhöhte Trinkmenge beim Diabetes insipidus durch eine hypothalamische Störung
Sehstörungen/Doppelbilder bei großem Adenom mit Kompression der Sehnerven/Hirnnerven.
Laboruntersuchungen:
Insuffizienz der peripheren Drüsen (primäre Funktionsstörung): Die peripheren Hormone sind erniedrigt, die hypophysären Hormone aufgrund des fehlenden negativen Rückkopplungsmechanismus erhöht.
Hypophyseninsuffizienz (sekundäre Funktionsstörung): Hypophysenhormone und periphere Hormone sind niedrig.
Hypothalamusinsuffizienz (tertiäre Funktionsstörung): Hypothalamus-, Hypophysen- und periphere Hormone sind niedrig.
Da die Hormonsekretion physiologischen Schwankungen unterliegt, sollten zusätzlich Funktionstests durchgeführt werden. Man unterscheidet Stimulations- von Suppressionstests:
Stimulationstests decken Unterfunktionszustände auf. Die Applikation eines stimulierenden Hormons sollte physiologischerweise zu einer Erhöhung des nachgeschalteten Hormons führen (Releasing-Hormon-Test). Bei einer Unterfunktion bleibt die Erhöhung aus.
Suppressionstests werden zur Diagnose einer Hormonüberproduktion eingesetzt. Eine autonome Hormonproduktion kann durch exogen zugeführte Hormone oder Substanzen nicht genügend supprimiert werden.
Bildgebung: Die Hypophysen-Hypothalamus-Region wird am besten mit der MRT erfasst.
J. Hallbach
Im Hypophysenvorderlappen werden sechs Hormone gebildet: das Wachstumshormon ( ▶ hGH), die Gonadotropine ( ▶ LH und FSH), das adrenocorticotrope Hormon ( ▶ ACTH), das thyreoideastimulierende Hormon ( ▶ TSH) und ▶ Prolactin.
Die Ausschüttung unterliegt hypothalamischer Kontrolle. Es gibt Freisetzungs-(Releasing-)Hormone für GH ( ▶ GHRH), die Gonadotropine ( ▶ GnRH), ACTH ( ▶ CRH) und TSH ( ▶ TRH).
Indikation:
Diagnostik der Hypophysenvorderlappenfunktion
Differenzialdiagnostik der Pubertas praecox und tarda.
Methodik: Nach Bestimmung von FSH und LH im Serum werden 100 μg GnRH i.v. injiziert. Nach 30 Minuten erneute Hormonbestimmung. Die Induktion von FSH und LH ist auch mit einem GnRH-Agonisten (Buserelin) möglich.
Diagnostische Bedeutung: Bei gesunden Erwachsenen mindestens 1,5- bis 2-facher Anstieg von LH und FSH. Bei primärem Hypogonadismus überschießender, bei sekundärem Hypogonadismus (Hypophyseninsuffizienz) geringer oder kein Anstieg.
In der Kindheit bleiben die Gonadotropine normalerweise erniedrigt. Ein deutlicher Anstieg von LH und FSH vor der Pubertät weist auf die Pubertas praecox hin.
Indikationen:
Diagnostik von Entwicklungsstörungen
Differenzialdiagnostik einer ovariellen Insuffizienz (Frauen)
Differenzialdiagnostik des Hypogonadismus bzw. der Infertilität (Männer).
Präanalytik: Serum oder Plasma werden als Probe verwendet.
Methodik: Chemilumineszenz- oder Enzym-Immunoassay.
Diagnostische Bedeutung:Erhöhte Werte von LH und FSH bei primärem Hypogonadismus sowie in der Menopause. Erhöhte LH-Werte zudem bei Frauen mit polyzystischem Ovarial-Syndrom sowie bei den sehr seltenen gonadotropinproduzierenden Hypophysentumoren, erhöhte FSH-Werte bei den FSH-bildenden Hypophysenadenomen. Erniedrigte LH- und FSH-Werte bei sekundärem Hypogonadismus sowie der Einnahme von oralen Kontrazeptiva.
Lerntipp
Bei Einnahme oraler Kontrazeptiva sind FSH, LH und auch Östradiol erniedrigt.
Indikation:
Diagnostik der Hypophysenvorderlappenfunktion
Differenzialdiagnostik der Schilddrüsenhormonresistenz und des TSH-bildenden Hypophysenadenoms.
Methodik: Nach der basalen TSH-Bestimmung wird synthetisches TRH i.v. oder als Nasenspray verabreicht. Nach 30 Minuten erneute TSH-Bestimmung.
Auswertung: Der TSH-Wert steigt normalerweise deutlich an.
Diagnostische Bedeutung: Beim TSH-bildenden Hypophysenadenom ist die Stimulation von TSH abgeschwächt. Eine fehlende Stimulation von TSH weist im Zusammenhang mit erniedrigten Werten für fT3 und fT4 auf eine sekundäre Hypothyreose hin.
Indikation:
Diagnostik der Hypophysenvorderlappeninsuffizienz
Verdacht auf GH-Mangel.
Methodik: vor Testbeginn wird die basale hGH-Konzentration gemessen. Danach wird 1 μg/kg GHRH i.v. injiziert und wiederholt die hGH-Konzentration mittels Enzym- oder Chemilumineszenzimmunoassay bestimmt.
Auswertung: Normal ist ein hGH-Anstieg > 10 μg/l.
Indikationen:Differenzialdiagnostik von Wachstumsstörungen, HVL-Insuffizienz, Hypophysentumoren oder Hypoglykämien sowie Nachweis einer ektopen hGH-/GHRH-Produktion.
IGF-I (Insulin-like Growth Factor I) wird vor allem zur Ursachenabklärung eines GH-Mangels im Kindesalter bestimmt.
Präanalytik: Zur Bestimmung wird Serum verwendet.
Methodik: Enzym- oder Lumineszenzimmunoassay.
Referenzbereich: Der Referenzbereich für hGH ist stark vom verwendeten Testkit abhängig und liegt bei Erwachsenen < 5 μg/l.
Die Referenzintervalle für IGF-I sind stark vom Alter und vom verwendeten Testkit abhängig.
Bemerkung: hGH wird pulsatil freigesetzt und ist starken Schwankungen unterworfen. IGF-I (wird wachstumshormonabhängig in der Leber gebildet) ist daher die bessere Screening-Methode.
Nach körperlicher Belastung sowie nach dem Einschlafen steigt hGH physiologisch an.
Diagnostische Bedeutung: Erhöhungen von hGH und IGF-I bei Akromegalie, Gigantismus oder auch physiologisch bei Stress. Erniedrigte Werte bei Hypophyseninsuffizienz.
Eine Hyperglykämie führt zur Verminderung der hGH-Sekretion.
Indikation: Diagnostik eines Wachstumshormonüberschusses.
Durchführung: Nach basaler Bestimmung von hGH und Glucose, trinkt der Patient 75 g Glucose gelöst in 300 ml Wasser. Nach 30, 60, 90 und 120 Minuten erneute Bestimmung.
Auswertung: Normalbefund: basaler hGH-Spiegel < 1 μg/l oder Suppression eines später gemessenen Wertes < 1 μg/l.
Hypoglykämie führt zur Steigerung der Sekretion von hGH und ACTH.
Indikation: Diagnostik eines ACTH-/Wachstumshormonmangels.
Methodik: Blutentnahme vor Testbeginn, wobei der Patient 12 Stunden zuvor nüchtern bleiben sollte. Bestimmt werden hGH und Glucose (evtl. auch ▶ C-Peptid sowie ▶ Cortisol). Danach werden 0,1 I.E. Altinsulin/kg KG i.v. appliziert und nach 15, 30, 60 und 90 Minuten erneut Blutuntersuchungen durchgeführt.
Auswertung: Wichtig: Die Blutglucose muss unter die Hälfte des Ausgangswerts oder < 40 mg/dl (= < 2,2 mmol/l) abfallen, damit das Ergebnis gewertet werden kann.
steigt hGH auf > 10 μg/l an, kann ein Wachstumshormonmangel ausgeschlossen werden; Werte < 5 μg/l sprechen für einen kompletten hGH-Mangel
bei Hypophyseninsuffizienz allenfalls geringer Cortisolanstieg
normal sinkt die ▶ C-Peptid-Konzentration auf < 60% des Ausgangswertes, bei Insulinom keine Änderung
der Anstieg von ACTH sollte mindestens 50% betragen.
Praxistipp:
Im Rahmen des Tests kann ein hypoglykämischer Schock auftreten, daher ist eine strikte ärztliche Überwachung und Bereithaltung von 20%iger Glucoselösung notwendig.
Indikation:
Diagnostik der Hypophysenvorderlappeninsuffizienz
Differenzialdiagnostik bei Cushing-Syndrom.
Methodik: Abnahme einer Blutprobe und i.v.-Injektion von 100 μg humanem CRH. Weitere Blutabnahmen nach 15, 30, 45 und 60 Minuten. Gemessen werden ACTH und Plasmacortisol.
Auswertung: Cortisol steigt um die Hälfte des Ausgangswertes, ACTH typischerweise um das Doppelte.
Diagnostische Bedeutung: Ein fehlender Anstieg von ACTH und Cortisol bei niedrigen Basalwerten ist typisch für einen hypophysären ACTH-Mangel. Beim hypophysären Cushing-Syndrom wird meist ein Anstieg beider Hormone beobachtet. Bei Cortisol-produzierenden Nebennierenrindentumoren oder Nebennierenrindenhyperplasie sind beide Hormone nicht stimulierbar, ebenso beim ektopen ACTH-Syndrom, bei dem die Ausgangswerte jedoch erhöht sind.
Indikation:
Überprüfung der Hypothalamus-Hypophysen-NNR-Achse
Differenzialdiagnostik eines Hypocortisolismus.
Präanalytik: Als Untersuchungsmaterial dient EDTA-Plasma. Nach Blutentnahme muss die Probe unmittelbar in Eiswasser in das Labor gebracht werden.
Methodik: Enzym- oder Chemielumineszenzimmunoassay.
Referenzbereich: 10–48 ng/l.
Bemerkungen: ACTH sollte immer gemeinsam mit Cortisol beurteilt werden. Falsch hohe Werte entstehen durch Stress, Einnahme oraler Kontrazeptiva oder Alkoholkonsum.
Diagnostische Bedeutung: ACTH-Erhöhungen bei Morbus Cushing und Morbus Addison, ektopen ACTH-produzierenden Tumoren sowie Stresssituationen. Erniedrigt ist ACTH bei Adenomen bzw. Karzinomen der Nebenniere sowie Hypophyseninsuffizienz.
Indikation:Differenzialdiagnostik bei:
Zyklusstörungen (Amenorrhö)
Libido- und Potenzstörungen (beim Mann)
Galactorrhö
Hypogonadismus.
Präanalytik: Als Probenmaterial dient Serum.
Methodik: Enzym- und Chemilumineszenzimmunoassays.
Diagnostische Bedeutung: Konzentrationen von > 300 µg/l sind nahezu beweisend für ein Prolactinom. Konzentrationen bis 200 µg/l sind verdächtig auf ein Mikroprolactinom bzw. eine Begleithyperprolactinämie. Prolactin-Erhöhungen sind auch bei Stress, Palpation der Brust sowie der Einnahme bestimmter Medikamente vorzufinden.
Indikation:Verdacht auf Hypophyseninsuffizienz oder -tumor.
Methodik: Testung der Hypophysenhormone nach direkter oder hypothalamisch vermittelter Stimulation. Basal werden GH und ACTH, Cortisol, TSH, fT4, Prolactin, LH, FSH, Östradiol (bei Frauen), Testosteron (bei Männern) und Progesteron bestimmt. Nach i.v.-Gabe von CRH, TRH und GHRH werden nach 30 und 60 Minuten Cortisol, TSH, Prolactin, LH, FSH, GH und ACTH erneut gemessen. Zusätzlich kann mit Insulin i.v. stimuliert werden.
Auswertung: Bei ausreichender Hypophysenfunktion zeigen sich ein Anstieg von ACTH um > 50%, von Cortisol um > 50%, von GH auf > 10 µg/l (oder Basalwert > 10 µg/l), von TSH um > 2,5 mE/l, von Prolactin auf über das 4-Fache, von LH auf das 4–6-Fache und von FSH auf das 2–3-Fache seines normalen Basalwertes.
IMPP-Fakten
! FSH, LH und Östradiol sind bei Einnahme oraler Kontrazeptiva erniedrigt.
J. Hallbach
Synonyme: Adiuretin, ADH, Vasopressin.
Copeptin entsteht aus dem C-terminalen Teilstück des ADH-Prä-Prohormons und lässt sich leichter und zuverlässig bestimmen. Daher dient es als Surrogatmarker für ADH.
Indikation: Verdacht auf gestörte ADH-Bildung.
Präanalytik: EDTA-Plasma als Probenmaterial zur ADH-Bestimmung, Serum für Copeptin.
Methodik: Radio-Immunoassay (RIA) bei ADH oder TRACE (Time Resolved Amplified Cryptate Emission) bei Copeptin.
Referenzbereich: 1–4,5 ng/l bei ADH bzw. 1–15,3 pmol/l bei Copeptin. Beide sollten immer gemeinsam mit Serum-Na+ sowie Plasma- und Urinosmolalität beurteilt werden.
Diagnostische Bedeutung: Copeptin ist beim zentralen Diabetes insipidus erniedrigt und beim renalen Diabetes insipidus erhöht.
Dursten stimuliert die ADH-Sekretion. Es kommt zur Verminderung der Urinmenge und zur Steigerung der Urinosmolalität bei konstanter Serumosmolalität.
Indikation: Diagnostik eines Diabetes insipidus.
Durchführung: Während des Tests herrscht absolute Flüssigkeitskarenz. Basal werden Urinosmolalität, das spezifische Uringewicht, Serum-Na+, Serumosmolalität, Hämatokrit, Puls und Blutdruck bestimmt. Stündliche Kontrollen dieser Parameter sowie der Harnmenge und des Körpergewichts.
Abbruchkriterien: Fieber, Blutdruckabfall, Tachykardie, Gewichtsverlust > 5% des Körpergewichts.
Referenzbereiche: Diabetes insipidus: Urinvolumen nimmt nicht ab, Urinosmolalität < 400 mosmol/kg, Serumosmolalität > 300 mosmol/kg. Ausgeschlossen werden kann ein Diabetes insipidus bei einer Urinosmolalität > 800 mosmol/kg und einer Serumosmolalität < 295 mosmol/kg.
Praxistipp:
Der Durstversuch ist für die Diagnostik des Diabetes insipidus obsolet, da er in der Zuverlässigkeit limitiert ist. Stattdessen wird auf den NaCl-Belastungstest zurückgegriffen!
Desmopressin ist ein synthetisches Analogon von ADH.
Indikation: Differenzierung zwischen einem zentralen und renalen Diabetes insipidus.
Durchführung: Der Test wird unmittelbar im Anschluss an einen pathologischen Durstversuch angeschlossen. Dabei werden 4 μg Desmopressin i.v. oder 20 μg nasal verabreicht.
Auswertung: Beim zentralen Diabetes insipidus steigt die Urinosmolalität auf > 750 mosmol/kg an, die Diurese lässt nach. Beim renalen Diabetes insipidus bleiben Urinmenge und -osmolalität unverändert.
Indikation:Differenzierung zwischen zentralem Diabetes insipidus und primärer Polydipsie. Ausschluss eines nephrogenen Diabetes insipidus.
Durchführung:
Untersuchung des basalen Copeptins im Plasma.
Nur wenn das basale Copeptin < 21,4 pmol/l ist, wird eine 3%ige NaCl-Lösung i.v. gegeben. Nach einem Natriumanstieg auf > 150 mmol/l wird Copeptin erneut bestimmt.
Auswertung: Der basale Copeptin-Wert liegt bei einem nephrogenen Diabetes insipidus > 21,4 pmol/l. Der Copeptin-Wert nach Kochsalzinfusion und ausreichendem Natriumanstieg liegt bei einem zentralen Diabetes insipidus bei < 4,9 pmol/l, bei einer primären Polydipsie bei ≧ 4,9 pmol/l.
T. Herdegen
GnRH-Rezeptor-Agonisten:kurz wirksam:
Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH, Gonadoliberin).
lang wirksam (GnRH-Analoga):
Buserelin
Leuprorelin
Goserelin
Triptorelin
Nafarelin.
Wirkung von GnRH: Bei einmaliger bzw. stoßweiser Gabe wird die FSH- und LH-Sekretion kurzfristig stimuliert. Dies fördert das Follikelwachstum, die Ovulation, die Erhaltung des Corpus luteum und die Spermatogenese.
Wirkung von GnRH-Rezeptor-Agonisten: Eine kontinuierliche Gabe aktiviert den Rezeptor nur kurzfristig. Langfristig wird er herunterreguliert. Die Sekretion von Gonadotropinen wird reversibel, aber vollständig gehemmt. Es resultiert eine medikamentöse Kastration.
Indikationen: GnRH (diagnostisch)
▶ GnRH-Test auf funktionierende Gonadotropinausschüttung (Hypogonadismus).
GnRH (therapeutisch)
endogener GnRH-Mangel
Kryptorchismus
verzögerte Pubertätsentwicklung (Pubertas tarda).
GnRH-Rezeptor-Agonisten (therapeutisch)
Endometriose
Syndrom der polyzystischen Ovarien
Leiomyome
Mammakarzinom
In-vitro-Fertilisation
Infertilität
vorzeitige Pubertätsentwicklung
Prostatakarzinom.
Verabreichung durch i.v.- oder s.c.-Injektion oder intranasal.
Unerwünschte Wirkungen:
Hitzewallungen, Scheidentrockenheit, Hyperhidrose, Libidoverlust
Gewichtszunahme
lokale Reaktionen an der Einstichstelle
Stimmungsschwankungen, Depressionen
Zunahme des Risikos einer Osteoporose.
Kontraindikationen:
nachgewiesene Hormonunempfindlichkeit eines Karzinoms
Osteoporose oder Osteoporoserisiko bei Frauen
Schwangerschaft und Stillzeit.
GnRH-Rezeptor-Antagonisten:
Wirkstoffe:
Cetrorelix
Ganirelix
Degarelix.
Wirkungen: GnRH-Rezeptor-Antagonisten wirken direkt, d.h. die initiale Aktivierung des GnRH-Rezeptors und die verstärkte Freisetzung der Gonadotropine bleiben aus. Ein Gipfel des LH-Spiegels wird verhindert und damit auch die Ovulation.
Indikationen:
Cetrorelix, Ganirelix: kontrollierte ovarielle Hyperstimulation im Rahmen der assistierten Reproduktion
Degarelix: fortgeschrittenes Prostatakarzinom.
Die Verabreichung erfolgt durch s.c.-Injektion.
Unerwünschte Wirkungen: Cetrorelix, Ganirelix
ovarielles Überstimulationssyndrom.
Degarelix
Hitzewallungen, Nachtschweiß, Libidoverlust, Gynäkomastie, Gewichtszunahme
Stimmungsschwankungen
QT-Zeit-Verlängerung.
Kontraindikationen:
mittel oder schwer eingeschränkte Nieren-/Leberfunktion
Schwangerschaft und Stillzeit.
Somatostatin:
Wirkungen: An der Hypophyse hemmt Somatostatin die Freisetzung von Somatotropin, TSH und Prolactin. Somatostatin hemmt außerdem die Ausschüttung vieler anderer Peptidhormone (GHRH, ACTH, Insulin, Glucagon, Cortisol) und gastrointestinaler Enzyme (z.B. Gastrin, Sekretin) und reduziert die Peristaltik wie auch die gastrointestinale Durchblutung.
Indikationen:
schwere akute Blutung eines gastroduodenalen Ulkus
schwere akute Blutung bei akuter erosiver Gastritis
Prophylaxe von Komplikationen nach Pankreaschirurgie
adjuvante Therapie zur Hemmung der Sekretion postoperativer Pankreas- und oberer Dünndarmfisteln.
Die Verabreichung erfolgt durch i.v.-Injektion.
Unerwünschte Wirkungen:
Blutdruckanstieg, Blutdruckabfall bei Hypertonie
abnehmender Insulinbedarf bei Diabetes mellitus Typ 1
Glucoseintoleranz bei Menschen ohne Diabetes
gastrointestinale Störungen.
Kontraindikationen:
peri- und postnatale Phase
arteriell spritzende Blutungen ohne chirurgische Versorgung.
Somatostatinanaloga:
Wirkstoffe:
Octreotid
Lanreotid
Pasireotid.
Es handelt sich um synthetisch hergestellte Somatostatinanaloga.
Wirkungen: entsprechen denen von Somatostatin.
Indikationen:
fortgeschrittene neuroendokrine Tumoren des Mitteldarms oder unbekannter Primärlokalisation
Therapie klinischer Symptome, die mit gastroenteropankreatischen Tumoren assoziiert sind, wie Karzinoide, VIPom
Akromegalie
TSH-sezernierende Hypophysenadenome
Pasireotid: Morbus Cushing.
Die Verabreichung von Octreotid erfolgt durch s.c.- oder i.m.-Injektion (Monatsdepot), von Pasireotid und Lanreotid durch s.c.-Injektion.
Unerwünschte Wirkungen:
Cholelithiasis, erhöhte Transaminasenwerte
gastrointestinale Nebenwirkungen
Reaktionen an der Injektionsstelle
erhöhte Blutzuckerspiegel, Diabetes mellitus.
Kontraindikationen:
Pasireotid: stark eingeschränkte Leberfunktion.
Dopamin: Dopamin hemmt die Synthese und Freisetzung von Prolactin aus dem HVL.
Beim Gesunden steigert Dopamin die Ausschüttung von Somatotropin aus dem HVL, inhibiert sie aber bei Akromegalie.
Dopaminrezeptor-Agonisten sind indiziert zum Abstillen sowie zur Behandlung von Prolactinomen und der Parkinson-Krankheit.
Oxytocin:
Wirkungen: Reize für die Oxytocinausschüttung sind die Dehnung von Zervix und Vagina während der Geburt wie auch der Saugreiz an der Brustwarze beim Stillen.
Oxytocin bindet an Rezeptoren z.B. auf Myoepithelzellen der Milchdrüsen und Geweben der Geschlechtsorgane. Die Kontraktionsfrequenz wie auch die kontraktile Kraft der glatten Muskulatur der Gebärmutter steigen an, die Prostaglandinsynthese wird stimuliert. Oxytocin wirkt wehenfördernd. Dabei erhöhen Östrogene die Empfindlichkeit für Oxytocin. Die Kontraktion der Milchdrüsenzellen steigert die Milchsekretion der Brustdrüse.
Indikationen:
Geburtseinleitung
Geburtsstillstand
Kaiserschnitt
Blutungsprophylaxe nach Abort
atonische Nachgeburtsblutungen, Plazentalösungsstörungen.
Die Verabreichung erfolgt durch i.v.- oder i.m.-Injektion.
Unerwünschte Wirkungen:
Überstimulation der Uterusmuskulatur
arterielle Hypotonie mit reflektorischer Tachykardie.
Kontraindikationen:
Präeklampsie
Neigung zu Tetanus uteri, hypertone Wehentätigkeit, drohende Uterusruptur
vorzeitige Plazentaablösung, Vasa praevia
unreife Cervix
drohende fetale Asphyxie
Lageanomalien, mechanisches Geburtshindernis
Nabelschnurverschlingung oder -vorfall.
Oxytocin-Rezeptor-Agonisten:
Wirkstoff:Carbetocin.
Wirkungen: Carbetocin bindet selektiv an Oxytocinrezeptoren im glatten Uterusmuskel, stimuliert und steigert die Frequenz von Kontraktionen. Zudem erhöht es den Tonus der Uterusmuskulatur.
Indikationen:
Vorbeugung einer Uterusatonie und von übermäßigen Blutungen nach Sectio unter epiduraler oder spinaler Anästhesie.
Die Verabreichung erfolgt durch i.v.-Injektion.
Merke:
Carbetocin darf nur als Einzeldosis und nicht vor der Geburt oder zur Wehenauslösung angewendet werden.
Unerwünschte Wirkungen:
Tremor
Hypotonie
Hitzewallungen, Wärmegefühl
Pruritus.
Kontraindikationen:
Nieren- und Lebererkrankungen
Präeklampsie, Eklampsie
schwerwiegende kardiovaskuläre Erkrankungen
Epilepsie
Schwangerschaft und während der Wehen vor der Geburt.
Oxytocin-Rezeptor-Antagonisten:
Wirkstoff: Atosiban.
Wirkungen: Tokolyse. Hemmung der Wirkung von ADH.
Indikationen:
Hinauszögern einer drohenden Frühgeburt bei Schwangeren (Alter ≥ 18 Jahre), wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
regelmäßige Uteruskontraktionen
Öffnung des Muttermunds von 1–3 cm und Cervixverstreichung ≥ 50%
Schwangerschaft in der 24.–33. abgeschlossenen SSW
normale Herzfrequenz des Fetus.
Die Verabreichung erfolgt durch i.v.-Injektion.
Unerwünschte Wirkungen:
Übelkeit, Erbrechen, Hyperglykämie
Tachykardie, Hypotonie.
Kontraindikationen:
Schwangerschaft vor 24. oder nach 33. Woche
vorzeitiger Blasensprung nach der 30. Schwangerschaftswoche
gestörte Herzfrequenz des Fetus
Eklampsie und schwere Präeklampsie, die eine Entbindung erforderlich machen
intrauteriner Fruchttod
Placenta praevia, vorzeitige Plazentaablösung
andere Zustände der Mutter oder des Fetus, bei denen das Fortbestehen der Schwangerschaft ein Risiko wäre.
Antidiuretisches Hormon (ADH) und seine Analoga: ADH wird freigesetzt, wenn die Plasmaosmolarität steigt oder das effektive Blutvolumen und/oder der arterielle Blutdruck abfallen.
ADH eignet sich aufgrund seiner raschen Metabolisierung nicht für eine therapeutische Anwendung. Mit Desmopressin, Terlipressin und Felypressin wurden synthetische ADH-Analoga und -Derivate entwickelt. Sie werden als Antidiuretika oder auch Vasokonstriktoren eingesetzt.
Somatotropin:
Wirkungen: Somatotropin (growth hormone, GH) steigert die Lipolyse in Fettzellen und die Gluconeogenese in Leberzellen, drosselt die periphere Glucoseutilisation und steigert den Blutzuckerspiegel. Über IGF-1 fördert es indirekt das Längenwachstum und die Dickenzunahme des Knochens nach Schluss der Epiphysenfugen, steigert die Proteinsynthese und führt zu einer positiven Stickstoffbilanz.
Indikationen:
Kinder mit Kleinwuchs
Prader-Willi-Syndrom
intrauterine Wachstumsverzögerung
Erwachsene mit Somatotropinmangel infolge einer Erkrankung des hypothalamischen oder hypophysären Systems.
Die Verabreichung erfolgt durch s.c.-Injektion.
Unerwünschte Wirkungen:
Diabetes mellitus
periphere Ödeme
Arthralgien, Myalgien , Karpaltunnelsyndrom.
Somatotropinanaloga:
Wirkstoff: Pegvisomant.
Wirkungen: Antagonist des Somatotropinrezeptors.
Indikationen:
Akromegalie bei Erwachsenen.
Die Verabreichung erfolgt durch s.c.-Injektion.
Unerwünschte Wirkungen:
Arthralgie
Hepatopathie
Hyperglykämie, Hypoglykämie, Gewichtszunahme.
Adrenocorticotropes Hormon (ACTH) und seine Analoga: Angewendet wird das ACTH-Analogon Tetracosactid diagnostisch zur Prüfung der Nebennierenrindenfunktion (Kurztest oder Infusionstest). Die Verabreichung erfolgt durch i.m.- oder i.v.-Injektion.
Follikelstimulierendes Hormon (FSH):
Wirkstoff: rekombinantes FSH (rhFSH): Follitropin.
Wirkung: FSH regt bei der Frau das Wachstum und die Reifung des Ovarialfollikels an, induziert die Expression von LH-Rezeptoren auf Theka- und Granulosazellen und stimuliert die ovarielle Östrogenausschüttung. Beim Mann stimuliert es das Keimepithel und die Sertoli-Zellen und regt dort die Spermatogenese an.
Indikationen:
Anovulation (einschließlich polyzystisches Ovarialsyndrom)
kontrollierte ovarielle Hyperstimulation
Follitropin alfa zusätzlich: Stimulation der Follikelreifung bei schwerem LH- und FSH-Mangel
hypophysärer Hypogonadismus: Anregung der Spermatogenese und Testosteronsynthese.
Verabreichung durch s.c.-Injektion.
Unerwünschte Wirkungen:
Ovarialzysten
Bauchschmerzen, aufgeblähter Bauch, Übelkeit, Diarrhö
ovarielles Überstimulationssyndrom
Männer: Acne vulgaris, Gynäkomastie, Varikozele, Gewichtszunahme.
Kontraindikationen:
Tumoren des Hypothalamus oder der Hypophyse
Ovarial-, Uterus- oder Mammakarzinom
primäre Ovarialinsuffizienz, primäre testikuläre Insuffizienz
Fehlbildungen der Sexualorgane und fibröse Tumoren der Gebärmutter, die eine Schwangerschaft unmöglich machen.
Luteinisierendes Hormon (LH):
Wirkstoff: rekombinantes LH (rhLH): Lutropin.
Wirkungen: LH wirkt beim Mann auf die Leydig-Zwischenzellen und stimuliert ihr Wachstum wie auch die Testosteronausschüttung. Bei der Frau stimuliert es die Follikelreifung und induziert die Ovulation. Zudem stimuliert es die Entwicklung des Corpus luteum und regt dort die Progesteronsynthese an.
Indikationen:
Ovulationsförderung bei weiblicher Sterilität.
Unerwünschte Wirkungen:
ovarielles Überstimulationssyndrom
Infektionen der oberen Atemwege
Bauchschmerzen, Unterleibsschmerzen, Übelkeit, Diarrhö
Ovarialzysten.
Kontraindikationen:
Ovarial-, Uterus- oder Mammakarzinom
Tumoren des Hypothalamus oder der Hypophyse
primäre Ovarialinsuffizienz
Fehlbildungen der Sexualorgane und fibröse Tumoren der Gebärmutter, die eine Schwangerschaft unmöglich machen
Schwangerschaft und Stillzeit.
Merke:
Werden Gonadotropine (FSH, LH, hCG) zur Fertilitätsbehandlung bei der Frau eingesetzt, kommt es häufig zu einer ovariellen Hyperstimulation mit folgender Mehrlingsschwangerschaft.
Humanes Menopausengonadotropin (hMG):
Indikationen:
Anovulation (einschließlich polyzystisches Ovarialsyndrom)
kontrollierte ovarielle Hyperstimulation.
Unerwünschte Wirkungen:
Ovarialzysten
Bauchschmerzen, aufgeblähter Bauch, Übelkeit, Diarrhö
ovarielles Überstimulationssyndrom.
Kontraindikationen:
Tumoren des Hypothalamus oder der Hypophyse
Ovarial-, Uterus- oder Mammakarzinom
Schwangerschaft und Stillzeit
primäre Ovarialinsuffizienz
Fehlbildungen der Sexualorgane und fibröse Tumoren der Gebärmutter, die eine Schwangerschaft unmöglich machen.
Humanes Choriongonadotropin (hCG):
Wirkungen: hCG wird in Zellen des Trophoblasten gebildet. Es bindet an den LH-Rezeptor auf ovariellen Thekazellen (und Granulosazellen).
Indikationen:
Ovulationsauslösung: kontrollierte ovarielle Hyperstimulation; bei anovolatorischen Frauen
Schwangerschaftstest
hypophysärer Hypogonadismus: Anregung der Spermatogenese und Testosteronsynthese; Comedikation mit FSH
Kryptorchismus
verzögerte Pubertätsentwicklung (Pubertas tarda).
Die Verabreichung erfolgt durch i.m.- oder s.c.-Injektion.
Unerwünschte Wirkungen:
Erbrechen, Übelkeit, Unterleibsschmerzen, Brustschmerzen
ovarielles Überstimulationssyndrom.
Kontraindikationen:
Ovarial-, Uterus- oder Mammakarzinom, Prostatakrebs
Tumoren des Hypothalamus oder der Hypophyse
aktive thromboembolische Erkrankungen
ovarielle Hyperstimulation
primäre Ovarialinsuffizienz
Fehlbildungen der Sexualorgane und fibröse Tumoren der Gebärmutter, die eine Schwangerschaft unmöglich machen.
Frauen nach der Menopause.
IMPP-Fakten
! GnRH-Analoga werden u.a. bei Endometriose verabreicht und verringern die Freisetzung von Gonadotropinen wie FSH und LH.
! Unerwünschte Wirkung einer Endometriose-Behandlung mit GnRH-Analoga sind Hitzewallungen und Scheidentrockenheit.
! Octreotid ist ein synthetisches Analogon von Somatostatin.
! Karzinoide werden mit Somatostatin bzw. Octreotid behandelt.
S. Fischli
Hypophysenvorderlappeninsuffizienz
Synonyme: HVL-Insuffizienz, Hypopituitarismus
Definition:
entsteht durch einen partiellen oder totalen (Morbus Simmonds) Funktionsverlust des Hypophysenvorderlappens (HVL).
Bei der primären HVL-Insuffizienz sind die Zellen des Hypophysenvorderlappens direkt betroffen. Zur sekundären Insuffizienz kommt es bei Störungen des Hypothalamus oder Hypophysenstiels:
Tumoren (am häufigsten): Hypophysenadenome, Kraniopharyngeome, Meningeome, Lymphome, Metastasen
traumatisch (z.B. Schädel-Hirn-Trauma)
iatrogen: neurochirurgische Eingriffe, Strahlentherapie
vaskuläre Ursachen: Aneurysma der A. carotis interna, (septische) Sinus-cavernosus-Thrombose, Sheehan-Syndrom (HVL-Insuffizienz durch postpartale Nekrose, z.B. bei großem Blutverlust; Symptome können u.a. sekundäre Amenorrhö, fehlende sekundäre Körperbehaarung und Agalaktie sein)
entzündlich-infiltrative Ursachen: systemisch-granulomatöse Entzündungen (z.B. Tuberkulose, Sarkoidose), autoimmune Hypophysitis (in der Schwangerschaft), Hämochromatose
angeborene Störungen: Empty-Sella-Syndrom, Kallmann-Syndrom (isolierter Gonadotropin-Mangel).
Hormonmangelsymptome finden sich ab einem Verlust von > 80% des Hypophysengewebes in einer typischen Reihenfolge: Gonadotropine und Wachstumshormone fallen früher aus, TSH und ACTH i.d.R. später (GH > LH > FSH > TSH > ACTH). Zudem sind die Symptome abhängig vom zeitlichen Auftreten vor/nach der Pubertät.
Neben den Hormonmangelsymptomen können auch Zeichen einer intrakraniellen Raumforderung wie Kopfschmerzen, Gesichtsfeldausfälle und Sehstörungen bestehen.
Tab.
Klinik bei Hypophyseninsuffizienz
Erkrankung
Klinik
sekundärer (hypogonadotroper) Hypogonadismus
Libidoverlust, sekundäre Amenorrhö, Verlust der sekundären Körperbehaarung, Fehlen der lateralen Augenbrauen (sog. Hertoghe-Zeichen), Bartwuchsminderung und Impotenz bei Männern
bei angeborener Form: Mikropenis und beidseitiger Hodenhochstand
Wachstumshormon-Mangel
bei Kindern: hypophysärer Minderwuchs, Puppengesicht, Neigung zu Hypoglykämien
bei Erwachsenen: abdominale Fettablagerungen, Muskelmasse ↓, Osteoporoserisiko ↑, Arterioskleroserisiko ↑
sekundäre Hypothyreose
Adynamie, Bradykardie, Kälteintoleranz, trockene und kühle Haut, Ödeme, Hyperlipidämie
sekundäre NNR-Insuffizienz
ACTH- und MSH-Mangel: alabasterfarbene, blasse, pigmentlose Haut
Glucocorticoidmangel: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Hyponatriämie mit arterieller Hypotonie, Schwäche, Muskel- und Gelenkschmerzen, diffuse Abdominalschmerzen und Übelkeit, Gewichtsabnahme
adrenaler Androgenmangel: Libidoverlust, Verlust der sekundären Geschlechtsbehaarung (bei Frauen)
Prolaktinsekretionsstörung (selten)
Entzügelungshyperprolaktinämie: Galaktorrhö, Amenorrhö
Prolaktinmangel: Fehlen der postpartalen Laktation (Agalaktie)
(Quelle: AllEx – Alles fürs Examen, Thieme, 2014)
In Stresssituationen (z.B. bei Infektionen, Traumata, Operationen) besteht durch den TSH- und ACTH-Mangel die Gefahr eines akuten hypophysären Komas, das klinisch einer ▶ Addison-Krise entspricht. Die Patienten sind schläfrig-stuporös und weisen Zeichen einer akuten NNR-Insuffizienz bzw. eines ▶ Myxödemkomas auf. Außerdem bestehen Bradykardie, Hypoventilation und Hyponatriämie.
Anamnese und körperliche Untersuchung: Die Diagnose kann aufgrund der charakteristischen Symptomatik häufig schon klinisch gestellt werden.
Labordiagnostik: Die Laborparameter bei HVL-Insuffizienz findest du in ▶ Tab. 1.1 .
Tab. 1.1
Laborparameter bei HVL-Insuffizienz
Ausfall der
Laborparameter1
Stimulationstest
gonadotropen Achse
LH und FSH ↓, Testosteron/Östradiol ↓
▶ GnRH-Test (kein Anstieg nach Gabe von GnRH)
somatotropen Achse
IGF-1 ↓, GH ↓
▶ GHRH-Test (kein GH-Anstieg nach Gabe von GHRH), ▶ Insulin-Hypoglykämie-Test, L-Arginin-Test
corticotropen Achse
ACTH ↓ Cortisol ↓
▶ ACTH-Test (Cortisolanstieg nach ACTH-Gabe erniedrigt bei HVL-Insuffizienz), Insulin-Hypoglykämie-Test (kein Anstieg von ACTH und Cortisol nach Insulingabe), ▶ CRH-Test
thyreotropen Achse
TSH ↓, fT4 ↓, fT3 ↓
kein Stimulationstest erforderlich
laktotropen Achse
Prolaktin ↓2
kein Stimulationstest erforderlich
1Die Laborparameter sind basal erniedrigt und steigen auch nach Stimulation des HVL nicht adäquat an (sekundäre Funktionsstörungen).2 ↓ bei Panhypopituitarismus; bei hypothalamischen Prozessen hingegen eher ↑ (→ Dopamin-Ausfall)(Quelle: AllEx – Alles fürs Examen, Thieme, 2014)
▶ Insulin-Hypoglykämie-Test:
Indikation: Funktionsprüfung des HVL und des Regelkreises des Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Systems
Normalbefund: Es wird eine Hypoglykämie provoziert. Diese sollte (im Sinne einer Stressreaktion) zu einer vermehrten Ausschüttung von ACTH, Cortisol und GH führen.
Apparative Diagnostik: Zur Lokalisationsdiagnostik dient das kraniale MRT.
Auf Röntgenbildern fällt bei betroffenen Kindern eine Retardierung des Skelettalters auf, die z.B. auch an einen Morbus Perthes denken lassen kann.
Nach Möglichkeit wird die auslösende Erkrankung behandelt.
Der Hormonmangel wird durch die Substitution der peripheren Hormone ausgeglichen:
▶ Hydrocortison zum Ausgleich des Glucocorticoidmangels: Zur Vermeidung eines hypophysären Komas muss die Dosis bei Belastungssituationen (Stress, Infektionen etc.) auf das 2–5-Fache erhöht werden.
▶ L-Thyroxin (einschleichend dosieren)
Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat bei Frauen ohne Kinderwunsch, hormonelle Ovulationsinduktion und angepasste Hormonsubstitution bei Kinderwunsch
Testosteron als Depot i. m., Gel oder Pflaster bei Männern
Wachstumshormone (GH):
bei Kindern mit Minderwuchs (Dosierung orientiert sich am IGF-I-Spiegel; Cave: bei gleichzeitiger Gabe von Sexualhormonen vorzeitiger Epiphysenfugenschluss!).
Merke:
Am wichtigsten ist die Zufuhr von Hydrocortison und L-Thyroxin, da ein kompletter Ausfall zu einem hypophysären Koma führt. Die Gabe eines Mineralocorticoids ist nicht notwendig, da Aldosteron primär über das Renin-Angiotensin-System gesteuert wird.
Therapie des hypophysären Komas:
sofortige Substitution von Hydrocortison i.v.
