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Aus Rache an ihrem untreuen Ex-Verlobten will Janice eine Affäre mit seinem Erzfeind, dem Metal-Musiker Steven, vortäuschen. Doch dieser fordert sie heraus: Auf eine vorgetäuschte Affäre lässt er sich nicht ein. Zwei Wochen lang soll sie seine Geliebte sein. Janice lässt sich auf das Spiel mit dem Feuer ein…
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Copyright©undUrheberrecht Januar 2012 Justine Morgan Copyright Coverabbildung Codiarts / Fotolia / Adobe StockCoverdesign Justine [email protected] Morganc/o Autorenservice GorischekAm Rinnersgrund 14/58101 GratkornÖsterreich
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Cover
Janice erwachte, erfüllt von brennender Lust. Ihre Klitoris pulsierte im Takt ihres Herzens und ihre Brüste spannten. Unter dem cremefarbenen Satinstoff ihres Negligés hatten sich ihre Nippel aufgerichtet. Sie drehte sich auf die Seite.
Der Radiowecker zeigte 4:50 Uhr an; erst in vierzig Minuten würde er den Weckton von sich geben. Es war undenkbar, ihren Verlobten Trevor, der schnarchend neben ihr lag, zu wecken, denn das schätzte er überhaupt nicht. Nur mit Missmut würde er ihr begegnen, zumal er sie bereits am Abend zuvor ignoriert hatte. Mit dem zerwühlten dunkelblonden Haar sah er jünger aus als achtunddreißig. Vor fünf Jahren, als sie zwanzig gewesen war, hatte sie ihn kennengelernt.
Janice öffnete ihre Beine, damit ihre Hand dort Platz fand. Die brennende Sehnsucht, ausgefüllt zu werden, peinigte ihre Mitte. Feucht war sie und angeschwollen, doch Trevor hatte sich am Abend zuvor hingelegt und einfach geschlafen. Sein Interesse an ihr war bereits seit zwei Jahren weitgehend erloschen, doch war er ein zuverlässiger Gefährte, der viele Überstunden auf sich nahm, um das gemeinsame Haus abbezahlen zu können.
Janice ließ einen ihrer Finger in ihre feuchte Hitze gleiten, die ihn sogleich fest und samtig umschloss. Doch es war nicht genug. Einen weiteren Finger nahm sie hinzu und dann noch einen, doch es war nicht tief genug, nicht echt genug. Sie erhob sich, nahm einen roten Dildo nebst Gleitcreme aus dem Schrank und ging damit ins Bad.
Breitbeinig setzte sie sich auf den Badewannenrand, da kam ihr eine Idee. Sie ließ Wasser in die Wanne ein und gab ein nach Rosen und Sandelholz duftendes Badesalz hinzu. Während der Badezusatz sich wie eine roséfarbene Wolke verbreitete, streifte sie ihr Negligé ab und steckte ihr hüftlanges mittelblondes Haar hoch.
Noch bevor die Wanne ganz voll war, ließ sie sich hineingleiten. Das wogende warme Wasser strich wie eine Liebkosung über ihren Leib. Ihre Haut war hypersensibilisiert. Janice ließ ihre Hände über ihr Dekolleté, den Hals und die Brüste gleiten, hinab über ihren flachen Bauch und den samtigen, rasierten Venushügel bis zu ihrer feuchten, erwartungsvoll pochenden Spalte.
Sie durchpflügte mit den Fingern ihre Labien. Dann nahm sie den roten Dildo, der von der Form einem Penis nachempfunden war. Sie liebte seine ausgeprägte Eichel, die sie in höchste Ekstase zu versetzen wusste.
Langsam teilte sie mit der dicken Spitze ihre vor Lust angeschwollenen Schamlippen und glitt damit längs hin und her. Dann schob sie ihn in ihre Öffnung. Dabei kostete sie jeden Inch der Dehnung vollends aus. Ganz langsam schob sie ihn in sich, bis er bis zum Anschlag in ihr war.
Ihre Vagina schloss sich fest und pulsierend um ihn. Vorsichtig zog sie ihn wieder ein Stück zurück, nur um ihn sogleich wieder tiefer in sich gleiten zu lassen. Die harte Länge rieb über die sensitiven Stellen in ihr und reizte indirekt ihre ohnehin bereits überempfindliche Klitoris.
Sie fühlte sich offen und ausgefüllt zugleich. Sich dem Genuss hingebend, schloss sie die Augen, während sie die Stöße schneller werden ließ. Janice spürte dem Gefühl der Eichel, die über ihren G-Punkt, oder besser gesagt, der G-Zone rieb, nach. Diese Zone war angeschwollen und reagierte besonders auf Druck, aber auch auf feste Reibung empfindlich.
Sie mochte das Gefühl, so ausgefüllt und gestoßen zu werden. Bedauerlicherweise war der Penis nicht echt, doch für den Moment wollte sie dies vergessen. Noch ein Stoß und noch einer, und ihre Vagina zog sich rhythmisch um den harten Schaft zusammen. Die Nässe in ihr nahm schlagartig zu.
Sie schob ihn weiterhin vor und zurück, bis die Wellen der Erregung verebbt waren. Mit Bedauern ließ sie ihn aus sich hinausgleiten und fühlte sich sogleich leer.
Mit Trevor hatte sie gerade mal zwei- oder dreimal im Monat Sex, da er ständig überarbeitet war. Auch befürchtete sie, er würde sie nicht mehr attraktiv finden. Ohnehin war sie ihm von Anfang an nicht dünn und nicht hellblond genug gewesen, was an ihrem Selbstwertgefühl nagte.
Janice wusch sich rasch, erhob sich aus der Wanne und trocknete sich ab. Sie rieb sich mit ätherischem Rosenöl versetztem Wildrosenöl ein, da sie diesen Duft liebte. Anschließend hüllte sie sich in ihren flauschigen weißen Bademantel und ging zu ihrem Notebook, das seit dem Vorabend auf dem Küchentisch stand. Sie wollte im Internet nach Neuigkeiten über Trevor und die von ihm betreuten Bands suchen.
»Was hat das zu bedeuten?«, fragte Janice Mallory ihren Langzeit-Verlobten Trevor Cole, der Produzent bei ASRA Records war, als dieser die Küche betrat. Am Abend hatte er sich davor gedrückt, ihr eine Antwort zu geben, doch würde sie sich diesmal mit keinen Ausflüchten zufriedengeben. Offenbar war ihm dies bewusst, denn er setzte sich neben sie auf einen der Stühle.
Trevor blickte sie an. »Du weißt doch, wie das mit diesen drogensüchtigen Musikern ist. Die können Wahnvorstellungen nicht von der Realität unterscheiden.«
Janice deutete auf den Flachbildschirm des weißen Notebooks, worauf ein Interview mit Steven Lansing, dem dreißigjährigen Sänger der Trash-Metal-Band »Unholy Garden« zu lesen war. Darin behauptete dieser, dass er das letzte Album ohne den Produzenten hatte abmischen müssen. Nachdem Trevor ihn daraufhin der Lüge bezichtigt hatte, äußerte der Musiker sich dahingehend, dass er noch längst nicht alles gesagt habe. Es gäbe da einiges, das Trevors Frau interessieren würde. Offenbar dachte Steven, Janice und er wären nach all den Jahren inzwischen verheiratet, doch Trevor verschob die geplante Hochzeit Jahr für Jahr. In der Tat war der Musiker nicht der Erste, der dies fälschlicherweise annahm.
»Warum behauptet er so etwas über dich?«, fragte Janice.
»Steven ist ein Egomane, der sein Leben nicht in den Griff bekommt und daher auf andere losgeht. Der hat seine beste Zeit doch schon hinter sich. Die Songs schreibt schon lange Curtis McFee, der Leadgitarrist. Es alleine abzumischen hätte Lansing doch gar nicht geschafft. Ich weiß auch nicht, was der sich einbildet.«
Janice wollte ihm zu gerne glauben, dass Stevens Worte Lügen seien, doch die Aussage, es gäbe einiges, von denen sie als Trevors vermeintliche Frau nichts wusste, aber die für sie interessant wären, ließ sie stutzig werden. In den vier Jahren ihrer Verlobungszeit hatte es zwei Vorfälle gegeben, die ihr seltsam erschienen waren: Vor etwa zwei Jahren war Trevor immer recht spät nach Hause gekommen. Zu dieser Zeit hatte auch der frühere Produzent Grant Waters einmal aufgrund eines dringenden Anliegens angerufen, das sich kurzfristig ergeben hatte. Er fragte Janice, wann Trevor nach Hause käme, was sie ihm nicht hatte beantworten können. James erwähnte in einem Nebensatz, dass Trevor das Tonstudio schon vor mehr als einer Stunde verlassen hatte. Damals hatte sie sich nicht viel dabei gedacht, da sie Trevor vertraut und zudem ganz andere Probleme mit der Darmkrebserkrankung ihres Vaters damals hatte.
»Ihr habt doch diese japanische Tontechnikerin. Sie hätte Steven gewiss unterstützt«, sagte Janice.
»Dazu wären der profilneurotische Junkie und die Japse gar nicht fähig. Die ist außerdem nur reingekommen, weil sie sich von Steven ficken lässt. Zudem ist sie nur für die Liveauftritte da – als Keyboarderin für die paar Songs, in denen das vorkommt, und nicht als Tontechnikerin. Für Musikaufnahmen stellt doch heutzutage – danken wir all den Schwarzkopierern – kaum noch jemand einen Tontechniker ein, und wenn, dann gnadenlos unterbezahlt.
Die Liveauftritte mische ich immer noch selber ab oder behauptet dieser Versager etwa auch noch, er würde das selbst tun, während er gleichzeitig auf der Bühne steht und jault? Denn Gesang kann man das nicht nennen. Glaubst du dem etwa mehr als mir?
Amaya ist nicht besonders gut, weder als Keyboarderin noch als Tontechnikerin. Das ist eine, die gehört zuhause hinter den Herd. Wenn er das Album mit ihr allein hätte abmischen müssen, so wäre das Ding gnadenlos gefloppt. Seinen Erfolg hat er allein mir zu verdanken, naja eventuell noch seinem vorherigen Produzenten. Ich hab mir den Arsch für ihn aufgerissen.«
Er deutete auf den Bildschirm. »Und diese verdammten Lügen sind der Dank dafür. Das wird ihm teuer zu stehen kommen. Das lasse ich nicht auf mir sitzen!«
»Wie konnte er sich dann so lange halten, wenn er ein derart schlechter Sänger ist?«
Janice hatte Steven mal bei Probeaufnahmen gehört. Ihr hatte die Musik, aber auch sein Gesang, so gut gefallen, dass sie sich heimlich die Alben beschafft hatte. Als MP3-Dateien waren sie recht leicht vor Trevor zu verbergen, denn dass er und Steven sich nicht leiden konnten, war bereits damals ersichtlich gewesen.
Andererseits war Janice auch kein Experte, so wie Trevor einer war und ihr dies auch immer wieder aufs Brot schmierte, sobald sie sich über Musik unterhielten.
»Der kann sich nur halten, weil der Gitarrist Curtis hinter ihm steht. Der denkt, er könne es nicht ohne Steven. Und die anderen sind doch ohnehin Weicheier. Wie etwa dieser Glam-Rocker Ashton an den Drums. Wer weiß, wo Steven den aus dem Sumpf gezogen hat, und dieser Bassist Joe Morrison ist doch, seit er ein Kind hat, zu nichts mehr zu gebrauchen. Er taucht kaum mehr bei den Proben auf. Ständig hat er eine andere Ausrede.«
»Aber Steven muss doch irgendwie darauf kommen, so etwas zu behaupten? Sonst würde er sich doch damit selbst schaden. Auf mich machte er einen recht intelligenten Eindruck.« Zwar hatte sie ihn nicht oft gesehen, doch war sie sich ziemlich sicher, sich nicht zu irren. Allerdings lag dies bereits ein Jahr zurück, sodass er sich verändert haben konnte.
Trevor sah sie aus zu Schlitzen verengten grauen Augen an. »Er ist auch nicht dumm. Gerade deswegen konnte er so lange seine Drogensucht vor uns allen verbergen, aber der Typ ist ein völliger Egomane. Und wenn er versucht, mir fälschlicherweise was mit Weibern vorzuwerfen, so verwechselt er etwas. Eigentlich sollte ich ihn wegen Rufschädigung verklagen!
Der sollte nicht von sich selbst auf andere schließen. Der hat doch manchmal drei Groupies in einer Nacht – wenn’s reicht. Die besoffenen Weiber werfen sich ihm an den Hals, weil er in einer bekannten Band den Frontmann mimt und zugegebenerweise gut aussieht – noch, denn bald wird der Drogenkonsum seine Spuren hinterlassen. Der nimmt doch, was er kriegen kann. Er sollte erstmal vor seiner eigenen Tür kehren. Gerade die, die selbst genug Dreck davor haben, lästern bekanntlich am meisten über andere.«
Trevor fuhr sich mit der Hand durch sein leicht zerzaustes blondes Haar. Trotz seiner achtunddreißig Jahre hatte er noch immer etwas Jungenhaftes an sich.
»Warum willst du dann das nächste Album wieder mit ihm aufnehmen? Du musst das doch nicht machen. So ein gefragter Produzent wie du hat da bestimmt ein Wörtchen mitzureden.«
»Weil Linda mich gebeten hat. ›Unholy Garden‹ sind nun mal sehr erfolgreich und sie wollte nicht, dass sie schon wieder den Produzenten wechseln.« Linda war Trevors ältere Schwester, die mit dem Eigentümer der Plattenfirma verheiratet war.
»Und wenn man den Sänger wechselt?«
»Das geht nicht so einfach, Janice. Die Fans assoziieren eine Band gerade mit dem Sänger, zumal eine Stimme nun mal sehr prägend ist für den Gesamtsound einer Band.«
»Dann müsste man ihn von den Drogen runterbringen.«
Trevor seufzte. »Tja, wenn das so einfach wäre. Ich kann ihn ja schlecht zwingen. Aber erstmal müssen wir das Album ›Devil’s Heritage‹ fertigbringen. Gar nicht so einfach, wenn ständig jemand querschießt. Ich weiß gar nicht, wann ich heute Abend nach Hause kommen kann.«
»Verstehe schon, dass du einen sehr anstrengenden Job hast.«
Er seufzte. »Du hast ja keine Ahnung, wie anstrengend.«
Janice schaute auf ihre silberne Armbanduhr. »Ich muss jetzt auch auf die Arbeit.«
»Und ich müsste schon längst dort sein«, sagte Trevor. »Du hältst mich erfolgreich davon ab.« Er ging ins Bad, was für sie das Ende des Gesprächs bedeutete. Sie würde nicht warten, bis er herauskam, da sie für gewöhnlich um diese Zeit zur Arbeit musste.
Janice arbeitete als Sekretärin in einem Anwaltsbüro. Heute hatte sie frei, um Überstunden abzubauen. Doch das würde sie Trevor nicht sagen, denn sie hatte heute Morgen einen Plan geschmiedet.
Wie gewohnt zog sie einen Rock, eine schlicht geschnittene Bluse zu hellen Strümpfen und halbhohen beigen Pumps an. Ihr Haar steckte sie locker mit einer silbernen Ficcare hoch. Wie jeden Morgen stieg sie in ihren kleinen blauen Chevrolet Spark und brauste in Richtung der Innenstadt von Los Angeles davon.
Als sie außerhalb der Sichtweite ihrer Wohnung war, fuhr sie in eine Seitenstraße und anschließend auf die Parallelstraße zu jener, in der sie wohnte, um die Richtung zu wechseln. Glücklicherweise hatte sie nachts in den Unterlagen in Trevors Heimbüro spioniert, bevor sie ihn mit den Aussagen im Internet konfrontierte. Daher wusste sie, wo Steven Lansing, der Kopf der Band, wohnte. Sie kannte ihn natürlich von einer der Proben und weil sie ihren Verlobten ab und zu mal von der Arbeit abgeholt hatte. Außerdem hatte sie ihn zweimal bei den Weihnachtsfeiern der Plattenfirma erlebt. Viel hatte sie dort nicht mit ihm geredet, doch keineswegs erweckte er den Eindruck, ein drogensüchtiger Egomane zu sein, aber bekanntlich konnte man in einen Menschen nicht hineinschauen.
Normalerweise wäre Steven jetzt unterwegs zum Tonstudio, doch laut Trevor kam dieser niemals vor neun oder gar zehn Uhr dort an, sodass eine große Wahrscheinlichkeit bestand, ihn jetzt um Viertel nach sieben noch zuhause anzutreffen – vorausgesetzt natürlich, er war wach. Sollte sie den geringsten Verdacht haben, er sei unter Drogeneinfluss, so würde sie einfach wieder kehrtmachen.
Bald erreichte Janice Stevens Haus, vor dem ein burgunderfarbener Lexus ES 350 stand. Sie stellte ihren Wagen daneben und stieg aus. Das hellblau gestrichene Haus machte einen recht freundlichen Eindruck. Es besaß einen von hohen Hecken gesäumten Garten. Seitlich des Weges wuchsen Lavendel, weiße und rote Rosen und Rosmarin neben gepflegten Rasenflächen.
Janice ging zur Tür und klingelte. Es stand kein Name auf dem Klingelschild. Womöglich wollte Steven damit seine Privatsphäre schützen. Außer den Leuten von der Plattenfirma und womöglich seinem Postboten und engsten Freunden wusste vermutlich niemand, dass er hier wohnte, sonst wäre es mit hoher Wahrscheinlichkeit vorbei mit der Ruhe.
Es war fraglich, ob er ihr überhaupt öffnete, wenn er erkannte, dass sie vor der Tür stand, denn diese besaß einen Spion. Sofern er sich überhaupt an sie erinnerte. Gewiss lachte er sich schlapp, sie hier stehen zu sehen. Als nichts geschah, nahm Janice ihren Mut zusammen und klingelte erneut.
Wenig später wurde die Tür geöffnet. Steven stand mit langem tropfenden Haar und nur von einem kleinen blauen Handtuch bedeckt vor ihr. Wassertropfen rannen über seine nackte Brust. Sie zwang sich dazu, nicht hinzuschauen, was sich als äußerst schwierig erwies.
Steven sah sie erstaunt aus dunklen Augen an. »Hi, Janice! Wie geht’s? Hab gar nicht mit dir gerechnet.« Sein Erstaunen wirkte aufrichtig oder er war ein guter Schauspieler. Von Drogeneinfluss bemerkte sie keine Spur. Auch war er nicht unfreundlich, sondern lächelte.
Janice erwiderte den Gruß. »Wirklich nicht? Nach all dem Schmutz, den du im Internet über Trevor verbreitest, hättest du aber damit rechnen müssen, dass einer von uns vorbeikommt.« Hektisch sah sie sich um. Was war, wenn Trevor herfahren würde und sie hier vorfand? Andererseits hatte er gesagt, er wolle ins Tonstudio.
Steven hob eine Augenbraue. »Ich muss zugeben, das ist eine unschöne Sache. Trevor hat versucht, mir daraus einen Strick zu drehen und andere Bandmitglieder gegen mich aufzubringen. Ich dachte, du weißt das alles längst. Vielleicht nicht alles, aber so naiv wirst du ja gewiss nicht sein? Nicht nach der Sache mit dem BH.«
Janice errötete. Natürlich erinnerte sie sich an den BH, den sie vor einem Jahr in Trevors Büro im Tonstudio gefunden hatte, was Steven mitbekommen hatte, da er Trevor eine Frage stellen wollte. Angeblich hatte Trevors Sekretärin sich Kaffee auf die Bluse geschüttet und sich umziehen müssen. Der BH war schwarz gewesen, also wäre es durchaus möglich, dass auch er voller Kaffee war. Sie hatte Trevor damals geglaubt oder besser gesagt glauben wollen, denn sie dachte, sie würde niemals einen anderen Mann finden, wenn sie Trevor in den Wind jagte. Wie naiv war sie in den letzten Jahren eigentlich gewesen?
Sie stemmte die Hände in die Hüften. »Das alles ist längst kein Grund, das im Internet zu verbreiten! Dazu hast du einfach kein Recht!«, sagte Janice wütender als beabsichtigt.
»Nur mit der Ruhe. Ich habe gar nichts verbreitet, sondern nur angedeutet, und das erst, nachdem dein selbstverliebter Göttergatte sich öffentlich mit unserer Arbeit gerühmt hatte, an der er fast gar nicht beteiligt war, und mich obendrein noch vor einem Reporter als Totalversager hingestellt hat. Das konnte ich einfach nicht auf mir sitzen lassen.«
»Eine Racheaktion also?«, fragte Janice.
Er nickte. »In gewisser Weise. Ich geb ja zu, dass nicht alles fein abgelaufen ist und es dir gegenüber nicht ganz fair war. Andererseits konnte ich das alles nicht auf mir sitzen lassen. Ich habe schon bei viel zu vielen Sachen die Klappe gehalten. Irgendwann reicht’s auch mir. Ich kapier nur nicht, warum du dir das gefallen lässt. Ihr habt ja noch keine Kinder und einen Typen wie den kriegst du doch an jeder Straßenecke.«
Janice schluckte. Ihre Wut war verraucht und wich einem Gefühl der Leere. Sie überwand ihren Stolz. »Nun, offenbar weiß ich nicht alles, sonst hättest du wohl kaum solche Andeutungen fallen lassen. Sag mir alles, was du weißt!«
Steven wurde sichtlich ruhiger. »Trevor verschwindet häufig während der Arbeitszeit aus dem Tonstudio. Das war schon beim Album ›Madhouse in Flames‹ schlimm, doch ›Devil’s Heritage‹ haben wir mit Amaya fast allein eingespielt. Ich hab ihn auch mal mit einer Frau in seinem Büro erwischt.«
Janice erschrak. Er meinte doch nicht etwa … »Wann war das?«
Steven hob die Achseln. »So etwa vor einem halben Jahr. War eine Blonde.«
»Du sagst aber schon die Wahrheit?«
»Würde ich lügen, dann wäre die Antwort auf diese Frage auch eine Lüge.«
»Spiel nicht mit mir! Du magst Trevor nicht.«
»Das ist gelinde gesagt untertrieben ausgedrückt. Er ist für mich das Letzte.«
»Ein Motiv, um ihm eins auszuwischen.«
»Aber nicht durch Lügen, so funktioniert das nicht. Außerdem habe ich im Gegensatz zu Trevor so etwas wie Ehre im Leib. Und was ist dein Motiv?« Steven trat näher zu ihr heran, sodass sie seinen männlichen Duft vernahm und sich seiner Nähe und vor allem seines fast nackten Leibes allzu deutlich bewusst wurde. »Warum bist du hier, Janice?« Seine Stimme klang tiefer als zuvor und ein wenig heiser. »Geh nach Hause, Babe.«
Janice schüttelte den Kopf. »Nicht, bevor ich eine ausreichende Antwort erhalten habe, denn die Angelegenheit betrifft mich ebenso wie Trevor. Wenn du im Internet schlimme Dinge über Trevor verbreitest, so brauchst du Beweise.«
»Dann komm rein, bevor ich mir die Eier abfriere. Es sei denn, du willst sie mir anschließend wärmen.« Er lächelte lasziv.
»Spar dir deine Machosprüche.« Janice trat in die Höhle des Löwen. Keineswegs würde sie sich von seinem Machogehabe einschüchtern lassen.
Er führte sie in ein lichtdurchflutetes Wohnzimmer. Nach dem, was über ihn gesagt und geschrieben wurde, hätte sie eher eine Gruft erwartet.
