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Dies ist die Nacherzählung des Reiseprotokolls einer Reisejournalistin, niedergeschrieben im Jahr 2000, als Grönland zwar schon einige US-Bases aufwies, aber das Leben noch sehr beschaulich war. In einem waren die Grönländer uns allerdings damals voraus: Sie wiesen die höchste Computerdichte der Welt auf. Einer, der diese ganze Entwicklung speziell in der Disko-Bucht miterlebte, ist der gebürtige Mannheimer Willi Gemander. Mit ihm war diese Reisegruppe an mehreren Tagen unterwegs und er war auch 2026 noch zu erreichen und verhalf diesem Tagebuch zu einem spannenden Update. In eigener Sache: Reisejournalisten reisen anders. Bestimmt nicht bequemer, sondern ziemlich schnell und heftig, damit sie innerhalb kürzester Zeit möglichst viel Hintergrundinformationen, Interviews und meistens auch Bilder mitbringen. Reisejournalisten reisen umsonst, meinen viele. Richtig ist, dass wir für die Reise nach Grönland die Flüge, Schiffspassagen, Ausflüge und Übernachtungen gestellt bekamen. Aber wir waren sechs Tage unterwegs, an denen wir freien Journalisten weder Honorar noch Gehalt erhielten, während unsere Kosten zuhause weiterliefen. Damals gab es noch keine Digital-Kameras. Wir mussten also genügend Munition an Diafilmen mitbringen. Professionelle Diafilme kosteten zu D-Mark-Zeiten nicht unter 8,90 pro Stück. Ohne Entwicklung. Ohne Rahmung. Eine Grobrechnung unter Fotografen besagte damals, dass es ein tolles Ergebnis sei, wenn man drei verwertbare Fotos pro Film erzielte. 38 sind hier enthalten.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 42
Veröffentlichungsjahr: 2026
Frisch aufgezeichnet von Ute Fischer im Jahr 2026. mit je einem Schlusskommentar meiner Reisegefährten Barbara Kotte, und Reiner Büchtmann und unserem Skipper Willi Gemander
Ein Buch aus dem
Redaktionsbüro Fischer + Siegmund
In den Rödern 13 64354 Reinheim
Fotos: Fischer 37, Gemander 1
Gestaltung: Bernhard Siegmund
Das Buch wurde nach bestem Wissen zusammengestellt. Für die Richtigkeit der beschriebenen Angaben wird keine Gewähr übernommen.
Trump will Grönland
Zurück ins Jahr 2000
Kangerlussuaq
Nach Aasiaat
Essen auf Grönland
Mit der MS Saqqit Ittuk nach Ilulissat
Die Disko-Bucht
Ilulissat
Heilbutt vom Eisfjord
Elke Meissner
Wohnen in Ilulissat
Der Eisfjord
Unterwegs mit Wilhelm Gemander
Zum Eqi-Gletscher
Rodebay
H8 bei Ingo und Uta
Willi Gemander heute
Nachruf
Barbara Kotte schreibt 2026
Reiner Bücht
Willi Gemander schreibt 2026
Ute Fischer schreibt
Die TV-Berichterstattung um Trump und Grönland irritierte mich. Es sind immer die gleichen Bilder von vereisten Straßen in der Nacht. Ich habe das doch ganz anders in Erinnerung. Da wuselten Kinder in T-Shirts bei zehn Grad Celsius zwischen bunten Häusern; sie spielten Fußball und kurvten mit ihren Mountainbikes auf den nächtlichen taghellen Straßen. Klar, es war August, mit nicht endenden Tagen und kaum sichtbaren Nächten, damals auf unserer Pressereise im Jahr 2000; vor 25 Jahren. Das Dänische Fremdenverkehrsamt in Hamburg hatte uns eingeladen: Silvia Nause von TV Hören und Sehen, Raimund Ludwig von Frau im Spiegel und fünf freie Reisejournalisten: Barbara Kotte, Ursula Wiegand, Detlef Berg, Franz Lerchenmüller und ich. Mit dabei Reiner Büchtmann, der Pressemann von den Dänen; idealerweise ein Deutscher mit Dänischen Sprachkenntnissen. Wie es ihnen wohl geht nach 25 Jahren? Und was denken sie heute, wenn sie die Trumpschen Prophezeiungen hören?
Die USA wollen Grönland aus strategischen, militärischen und wirtschaftlichen Gründen, die sich alle durch den von den USA überhaupt nicht akzeptierten Klimawandel verschärfen. Übrigens: Grönland war im Mittelalter wesentlich grüner; daher auch der Name, den der Wikinger Erik der Rote altnordisch für „Grünes Land“ prägte. Damit wollte er Siedler anlocken, was ihm mehr oder weniger auch glückte.
Trump hat solches sicher nicht vor. Die Einwohner stören vermutlich nur bei seinen Vorhaben, noch dazu, wo sie ihre Unlust bereits bekundeten, amerikanisch werden zu wollen.
Die Insel liegt an einer wichtigen Achse zwischen Nordamerika, Europa und Asien. Dort existiert bereits eine bedeutende US-Militärbasis (Pituffik) und ist für ein neues Raketenabwehrsystem (Golden Dome) relevant, während zudem schmelzendes Eis neue Schifffahrtsrouten und Zugang zu reichen Rohstoffvorkommen (Lithium, Seltene Erden) ermöglicht. Alles das erhöht die geopolitische Bedeutung und soll Konkurrenten wie China fernhalten. Das wird sicher spannend.
Der Historiker Karl Schlögel, 2025 ausgezeichnet mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, äußerte sich im Januar 2026 in der ZEIT über Grönland. „Wenn das Territorium Grönlands, Bestandteil Dänemarks, Teil des NATO-Gebiets, plötzlich von den USA beansprucht wird, leitet sich das nicht von der Geografie ab, sondern aus den imperialen Ambitionen von Trumps Amerika in einem Augenblick, da die alte Weltordnung in die Brüche geht. In diesem Prozess rückt Grönland plötzlich ins Zentrum bei der Verfertigung einer neuen Weltkarte“.
Die Geschichte lehrt uns, dass Grönland schon einmal eine wichtige Rolle spielte, im zweiten Weltkrieg, als Nazideutschland Dänemark und Norwegen besetzte. Da ging es Amerika darum, die deutschen Kriegsschiffe und U-Boote aus diesem Raum fernzuhalten, der zur neutralen Zone erklärt wurden. Nach dem Eintritt der USA in den Krieg mussten die Transportlinien geschützt werden. Grönland tauchte hier als Vorposten der westlichen Hemisphäre in der Verteidigung der USA und Europas gegen die Angriffe Hitler-Deutschlands auf.
Grönland bleibt aber auch deshalb so attraktiv, weil durch die Erwärmung des Polarmeeres die Nord-Ost-Passage in der Arktis und sich damit ein neuer Seeweg öffnet. Statt weitläufig über den Suezkanal und Singapur ist der Weg „obenherum“ kürzer und preisgünstiger. Da stehen Russland und China schon lange in der Warteschlange. Die Welt wird neu vermessen. Und Grönland ist der Schlüssel dazu.
Man hatte uns auf grönländische Temperaturen vorbereitet. Zwischen fünf und 20 Grad Celsius sei alles möglich. Ich erstand ein neuartiges Fleece-Shirt, das unheimlich dünn anliegt, aber trotzdem durch seine Winddichtigkeit enorme Wärme am Körper erzeugt. Ich trage es heute noch ohne jede Andacht an vergangene Zeiten, weil es noch immer wie neu aussieht. Dazu natürlich eine Wollmütze, Schal und Handschuhe, Wanderstiefel und eine warme nicht zu dicke Windjacke. Als Special schwarze Leggins, die man unter Jeans ziehen kann, die aber für den Fall der Fälle in Kombination mit einem edlen Irgendwas auch in einem feinen Restaurant etwas hermachen. Wir Reisejournalisten sind perfekt im Minimieren des Gepäcks.
Wichtiger ist uns der Kofferplatz für wenigstens 40 Diafilme (damals richtig teuer für 8,95 DM ohne Entwicklung, ohne Rahmung), Kamera-Ladegerät, zwei Kameragehäuse, Ersatzbatterien, Objektive, Filter und Kamerarucksack. Handys gab es zwar schon seit 1992, aber 520 Gramm schwer, 3.000 Mark teuer und fotografieren konnte man damit natürlich noch nicht. Und nicht zu vergessen: Beim Tasche Packen brüllte bei uns die Sonne mit 31 Grad.
