In Rache entflammt - J.D. Robb - E-Book

In Rache entflammt E-Book

J.D. Robb

4,5
8,99 €

Beschreibung

Perfide, spannend, sexy – diese Serie macht süchtig!


Lieutenant Eve Dallas sieht sich mit einem ihrer schlimmsten Feinde konfrontiert – der Büroarbeit. Gerade als sie sich fast schon wünscht, ein neuer Fall würde sie von den Papierbergen erlösen, passiert etwas, das fast schlimmer ist als ein Mord: Isaac McQueen, ein gewalttätiger Pädophiler, den Eve kurz nach ihrer Ausbildung gefasst hat, ist aus dem Gefängnis geflohen. Und er scheint sich ein Ziel gesetzt zu haben: sich an ihr zu rächen. Sein perfides Katz- und Mausspiel führt Eve und ihren Mann Roarke ausgerechnet nach Dallas, wo die Dämonen ihrer Vergangenheit schon auf sie warten …

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Seitenzahl: 708

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Buch

Lieutenant Eve Dallas sieht sich mit einem ihrer schlimmsten Feinde konfrontiert – der Büroarbeit. Gerade als sie sich fast schon wünscht, ein neuer Fall würde sie von den Papierbergen erlösen, passiert etwas, das fast schlimmer ist als ein Mord. Isaac McQueen, ein gewalttätiger Pädophiler, den Eve kurz nach ihrer Ausbildung gefasst hat, ist aus dem Gefängnis geflohen. Es war einer ihrer ersten Fälle, als sie noch Uniform trug, und einer der grausamsten, denn McQueen war buchstäblich ein Monster. Dieses Mal hat er sich ein weiteres Ziel gesetzt: Er will sich an Eve rächen, die seinem grausamen Spiel damals Einhalt gebot und ihn dort hinschickte, wo er hingehörte: hinter Gitter. Sein perfides Katz- und Mausspiel führt Eve und ihren Mann Roarke ausgerechnet nach Dallas, Texas. In dieser Stadt, die Eve einst ihren Namen gab, treffen die Dämonen ihrer bewegten Vergangenheit auf die akute Gefahr, die von McQueen ausgeht, und nur zusammen mit Roarke und ihrer Mitarbeiterin Peabody kann sie ihn fassen.

Autorin

J. D. Robb ist das Pseudonym der international höchst erfolgreichen Autorin Nora Roberts, einer der meistgelesenen Autorinnen der Welt. Unter dem Namen J. D. Robb veröffentlicht sie seit Jahren erfolgreich Kriminalromane.

Liste lieferbarer Titel

Rendezvous mit einem Mörder · Tödliche Küsse · Eine mörderische Hochzeit · Bis in den Tod · Der Kuss des Killers · Mord ist ihre Leidenschaft · Liebesnacht mit einem Mörder · Der Tod ist mein · Ein feuriger Verehrer · Spiel mit dem Mörder · Sündige Rache · Symphonie des Todes · Das Lächeln des Killers · Einladung zum Mord · Tödliche Unschuld · Der Hauch des Bösen · Das Herz des Mörders · Im Tod vereint · Tanz mit dem Tod · In den Armen der Nacht · Stich ins Herz · Stirb, Schätzchen, stirb · In Liebe und Tod · Sanft kommt der Tod · Mörderische Sehnsucht · Ein sündiges Alibi · Im Namen des Todes · Tödliche Verehrung · Süßer Ruf des Todes · Sündiges Spiel · Mörderische Hingabe

Mörderspiele. Drei Fälle für Eve Dallas

Nora Roberts ist J. D. Robb

Ein gefährliches Geschenk

J. D. Robb

In Rache entflammt

Roman

Deutsch von Uta Hege

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.
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Die Originalausgabe erschien 2011 unter dem Titel »New York to Dallas« bei G. P. Putnam’s Sons, a member of Penguin Group (USA) Inc., New York.
Copyright © der Originalausgabe 2011 by Nora Roberts Published by Arrangement with Eleanor Wilder Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen. Copyright © 2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Blanvalet Verlag, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München Redaktion: Regine Kirtschig Umschlaggestaltung: www.buerosued.de Umschlagabbildung: Getty Images / Crodd Chin Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling LH · Herstellung: wag ISBN: 978-3-641-19803-9V004
www.blanvalet.de

Die Gegenwart ist die lebendige Gesamtsumme

der ganzen Vergangenheit.

Thomas Carlyle

Im Ernst, ich frage mich, was taten du und ich,

bevor wir liebten?

John Donne

1

Lieutenant Dallas sah aus ihrem winzig kleinen Fenster in das sommerliche Unwetter hinaus und sehnte sich nach einem Mord.

Nur eine anständige, möglichst blutige Gewalttat könnte sie von der Bearbeitung der unzähligen Akten, die sich vor ihr auf dem Schreibtisch stapelten, erlösen. Natürlich war es ihre eigene Schuld, dass der Papierberg derart angewachsen war, doch sie hatte in den letzten Wochen pausenlos ermittelt und verschiedene Mörder überführt und deswegen einfach keine Zeit für Dinge wie Finanzpläne, Spesenabrechnungen und die dämlichen Bewertungsbögen für die Leute ihres Teams gehabt.

Es nützte ihr auch nichts, sich zu sagen, dass das eben Teil der Arbeit war. Literweise Kaffee zu trinken, nachdem sie sich in ihrem Zimmer eingeschlossen hatte, um die Sache anzugehen, linderte die Qual auch nicht. Warum also brachte nicht endlich jemand einen anderen um die Ecke, um sie von dem grässlichen Bürokram zu befreien?

Natürlich wünschte sie nicht wirklich, dass ein Mensch ermordet würde. Andererseits murksten doch ständig irgendwelche Menschen andere ab, warum also nicht hier und jetzt?

Sie starrte auf den Bildschirm, bis sie Kopfschmerzen bekam. Fluchte, schmollte, wütete, dann kürzte, fälschte, strich, addierte und manipulierte sie die Zahlen, bis das Ergebnis annähernd dem lächerlich bescheidenen Budget des Dezernats entsprach.

Sie waren zwar Mordermittler, dachte sie erbost, aber die Abteilung lebte schließlich nicht von Blut.

Als der Finanzplan stand, wandte sie sich den Spesenabrechnungen ihrer Leute zu.

Glaubte Baxter etwa allen Ernstes, dass sie fast vierhundert Dollar für ein Paar Schuhe lockermachen würde, nur weil seine eigenen Schuhe seit einer Verfolgungsjagd durch einen Abwasserkanal hinüber waren? Und warum zum Teufel hatte Reineke einer Bordsteinschwalbe für Informationen fast das Doppelte wie üblich bezahlt?

Sie unterbrach die Arbeit, holte sich den nächsten Becher Kaffee und starrte ein paar Minuten in das Unwetter hinaus. Zumindest war sie nicht dort draußen und musste sich wie ein nasser Korken in einen der ruckeligen Pendelflieger quetschen oder sich mit ihren Ellenbogen einen Weg durch das Gedränge auf einem der Bürgersteige bahnen, auf denen inzwischen knöchelhoch das Wasser stand. Dann wäre sie bis auf die Haut durchnässt und würde dampfen wie ein Schornstein, denn trotz des höllischen Gewitters war auch dieser Sommertag des Jahres 2060 brütend heiß.

Mit solchen Überlegungen versuchte sie nur, Zeit zu schinden, dachte sie erbost, und stapfte zurück an ihren Arbeitsplatz. Schließlich wollte sie mit der Arbeit vor Beginn der Feier fertig sein. Ihr und ihrer Partnerin würden an diesem Nachmittag Medaillen verliehen. Dabei hätte Peabody viel mehr verdient, immerhin hatte sie dafür gesorgt, dass ein Ring korrupter Polizisten entlarvt worden war.

Anders als der lästige Papierkram, der ein Nachteil ihrer Position als Lieutenant war, war das Recht, verdienstvolle Kolleginnen oder Kollegen für eine besondere Ehrung vorzuschlagen, eindeutig ein Vorteil ihres Jobs. Sie könnte den Moment der Verleihung reinen Gewissens und mit freiem Kopf genießen, wenn sie bis zum Nachmittag mit dem verdammten Schreibkram fertig war.

Sie wünschte sich, sie hätte einen Schokoriegel, aber bisher hatte sie noch keinen neuen Platz gefunden, wo ihr Süßigkeitenvorrat vor dem hundsgemeinen Schokoriegeldieb zumindest halbwegs sicher war. Vor allem aber wünschte sie, sie könnte Peabody einen Teil des lästigen Papierkrams überlassen wie damals, bevor sie ihre Partnerin geworden war.

Doch diese Zeiten waren endgültig vorbei.

Sie versuchte, wieder Zeit zu schinden, gab sie widerstrebend zu, und fuhr sich mit den Fingern durch das wirre, kurze braune Haar.

Schließlich kämpfte sie sich weiter durch die Spesenabrechnungen und schickte sie den zuständigen Stellen. Jetzt waren sie nicht mehr ihr Problem, sagte sie sich und atmete erleichtert auf. Sie hatte wirklich viel geschafft. Für die dämlichen Bewertungsbögen wäre später auch noch Zeit.

»Computer aus«, wies sie die Kiste an.

Ungültiger Befehl.

»Ich bin mit meiner Arbeit fertig.«

Diese Aussage ist falsch. Laut vorherigem Befehl müssen sämtliche Berichte und Bewertungen vollständig abgeschlossen sein, bevor der Computer heruntergefahren werden kann. Dieser Befehl von Lieutenant Eve Dallas kann nur aufgehoben werden, falls ein Feuer ausbricht, Terroristen diese Wache überfallen, es eine Invasion durch Aliens gibt oder ein aktueller, noch nicht abgeschlossener Fall ihre Aufmerksamkeit verlangt …

Hatte sie das tatsächlich angeordnet?

»Ich habe es mir anders überlegt.«

Ein Meinungswechsel, Müdigkeit, Langeweile oder irgendwelche anderen lahmen Ausreden werden auf Ihren eigenen Befehl nicht akzeptiert …

»Ach, leck mich doch …«, murmelte Eve.

Ungültiger Befehl …

»Meinetwegen, also gut. Computer, dann spuck alle bisherigen Bewertungen in alphabetischer Reihenfolge für sämtliche Beamten der Abteilung aus.«

Entschlossen arbeitete sie sich durch die Dateien. Denn schließlich hatte sie den dämlichen Befehl extra gegeben, damit sie gezwungen wäre durchzuhalten – und weil jeder ihrer Leute verdient hatte, dass er von ihr eine solide und gerechte Beurteilung bekam.

Sie hatte Baxter und die zwei Carmichaels abgehakt, doch ehe sie mit Jenkinson beginnen konnte, klopfte es an ihrer Tür und Peabody betrat den Raum.

Stirnrunzelnd hob sie den Kopf. »Was ist? Haben wir eine Alieninvasion?«

»Nicht dass ich wüsste, nein. Aber hier ist ein junger Mann. Er ist völlig fertig und behauptet, dass er nur mit Ihnen sprechen darf. Er sagt, es gehe um Leben und Tod.«

»Ach ja?«, erkundigte sie sich und wies dann ihre Kiste fröhlich an: »Computer, es geht um Leben und Tod. Also speicher die Daten gefälligst ab und fahr dann runter, ja?«

Ich brauche eine Bestätigung dafür, dass das keine faule Ausrede von Ihnen ist.

»Peabody, sagen Sie diesem blöden Kasten, dass da draußen jemand steht, der dringend meine Hilfe braucht.«

»Ah, Computer. Detective Delia Peabody erbittet die Hilfe des Lieutenants in einer dringenden Angelegenheit.«

Bestätigung akzeptiert. Daten werden gespeichert und Computer wird dann ausgestellt …

Eve schlug mit der flachen Hand auf das Gerät. »Es ist einfach erbärmlich, wenn der eigene Computer einem so misstraut.«

»Das haben Sie ihm selbst befohlen, um keine Möglichkeit zu haben, sich vor der Büroarbeit zu drücken.«

»Trotzdem … Na, dann schicken Sie den jungen Mann mal rein.«

Stolpernd kam er angerannt. Ein dünner junger Kerl von vielleicht Ende zwanzig mit verfilzten Dreadlocks, schlabberigen roten Shorts, Gel-Flipflops, silbernem Lippenpiercing sowie einem schmuddeligen weißen Tanktop, unter dem man tätowierte Oberarme sah. Sein schmales, kreidiges Gesicht glänzte vor Schweiß.

»Sind Sie Dallas? Lieutenant Eve Dallas, Mordermittlerin bei der New Yorker Polizei?«

»Genau die bin ich. Worum …«

Er brach in lautes Schluchzen aus. »Er hat gesagt … er hat gesagt … ich dürfte nur mit Ihnen reden. Ich müsste zu Ihnen gehen. Er hat sie in seiner Gewalt. Er hat Julie in seiner Gewalt. Und wenn Sie nicht mitkommen, bringt er sie um. Er hat gesagt, wir hätten eine Stunde Zeit, und ich habe schon eine halbe Stunde gebraucht, um hierherzukommen.«

Seine Stimme überschlug sich, und er zitterte wie Espenlaub.

Eilig stand Eve auf und drückte ihn auf ihren Schreibtischstuhl. »Immer mit der Ruhe. Jetzt beruhigen Sie sich erst einmal. Wie heißen Sie?«

»Tray. Tray Schuster.«

»Wer ist er?«

»Keine Ahnung. Er war einfach da, in meiner Wohnung. Unserer Wohnung. Julie ist erst letzte Woche bei mir eingezogen. Als wir wach wurden, stand er an unserem Bett und hat uns dort gefesselt. Dann hat er gefrühstückt, und er … ach, egal. Wenn Sie nicht mitkommen, bringt er Julie um. Ich habe ganz vergessen, dass ich Ihnen noch was sagen soll. Und zwar: ›Damit läutet er die zweite Runde ein.‹ Bitte, er hat ein Messer. Er wird sie damit in Stücke schneiden. Wenn Sie sich nicht innerhalb von einer Stunde blicken lassen oder jemand anderes an Ihrer Stelle kommt, bringt er Julie um.«

»Wo sind die beiden jetzt?«

»In meiner Wohnung. Unserer Wohnung, meine ich.«

»Und wo ist Ihre Wohnung, Tray?«

»258 Murray Street.«

Die Adresse sagte ihr etwas. Plötzlich drehte sich ihr Magen um. »Apartment 303?«

»Ja, genau.« Er fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht. »Woher wissen Sie …«

»Bleiben Sie hier, Tray.«

»Aber …«

»Bleiben Sie sitzen, ja?«

Sie ging hinüber in ihr Dezernat und sah sich suchend um.

»Peabody, Baxter, Trueheart, Carmichael, Sanchez. Egal, was Sie gerade machen, hören Sie damit auf und kommen Sie mit. Ein gewisser Isaac McQueen hat eine Frau als Geisel. 258 Murray Street, Apartment 303. Der Verdächtige ist bewaffnet und extrem gefährlich. Weitere Informationen gibt es unterwegs, da uns der Verdächtige ein Zeitlimit gesetzt hat. Carmichael, Sanchez, holen Sie den Zeugen aus meinem Büro und nehmen Sie ihn in Ihrem Wagen mit. Peabody, Sie fahren mit mir. Auf geht’s!«

»Isaac McQueen?« Peabody musste fast rennen, um nicht hinter Eve zurückzufallen. »Der Sammler? Aber der sitzt doch in Rikers. Lebenslänglich.«

»Überprüfen Sie das kurz. Entweder ist er – aus welchem Grund auch immer – nicht mehr dort, oder jemand gibt sich als er aus. Das war seine Wohnung. Dort hat er …«

… all die jungen Mädchen festgehalten. Jede Menge junger Mädchen.

»Er hat sich die Mitbewohnerin des jungen Kerls geschnappt«, erklärte sie und zwängte sich entschlossen in den überfüllten Lift. »Er hat ihn ausdrücklich zu mir geschickt. Weil er von mir in dieser Wohnung festgenommen worden ist.«

»Es gibt keine Meldung, dass er … warten Sie.« Peabody wischte mit einem Finger über ihren Handcomputer. »Es gibt nur eine interne Meldung. Bisher haben sie noch nicht mal die Gefängnisaufsicht informiert. McQueen ist gestern abgehauen. Hat einen der Pfleger auf der Krankenstation ermordet und ist dann einfach in dessen Uniform und mit dessen Ausweis rausspaziert.« Sie sah kurz auf. »Ist einfach so dort rausspaziert.«

»Wir werden dafür sorgen, dass er umgehend wieder dort reinspaziert.« Eilig joggte Eve in Richtung ihres Wagens. »Informieren Sie Commander Whitney, damit er der Gefängnisleitung schon mal Feuer unterm Hintern machen kann. Er hat Julie noch nicht umgebracht.« Sie lenkte ihren Wagen aus der Tiefgarage auf die Straße und gab Gas. »McQueen ist nicht geflüchtet, weil er irgendeine Frau aufschlitzen will. Er ist intelligent, organisiert, hat Bedürfnisse und einen Plan. Er bringt die Frauen nicht um – außer wenn sie zusammenbrechen oder er mit ihnen unzufrieden ist. Er ist ein Sammler. Diese Julie interessiert ihn nicht. Sie ist zu alt.«

Peabody schrieb eilig eine Mitteilung an den Commander und sah wieder auf. »Sie ist ein Lockvogel. Für Sie.«

»Ja, auch wenn das keinen Sinn ergibt. Denn so landet er auf jeden Fall wieder im Knast.«

Es ergab ganz einfach keinen Sinn, sagte sich Eve erneut, bat aber ihre Partnerin, noch ein paar Streifenpolizisten als Verstärkung zu bestellen.

Dann nutzte sie das Handy in der Armbanduhr, die ein Geschenk von ihrem Mann war. »Carmichael, Sie und Sanchez bauen sich hinter dem Gebäude auf. Verstärkung ist unterwegs. Baxter, Sie und Trueheart gehen mit mir und Peabody ins Haus. Aber ziehen Sie vorher Ihre schusssicheren Westen an. Weil er uns erwartet.«

Sie schüttelte den Kopf und zwängte sich in eine kleine Lücke im Verkehr. »Er wird nicht dort sein. Weil er ganz bestimmt nicht in der Falle sitzen will. Er weiß sicher, dass ich komme, und zwar nicht allein.«

»Vielleicht sollen Sie das ja gerade denken, weil er Sie in eine Falle locken will.«

»Das werden wir gleich sehen.«

Sie betrachtete das riesige Gebäude, das ein Überbleibsel aus der Zeit der innerstädtischen Revolten war. Man hatte es in Apartments aufgeteilt, und obwohl die beste Zeit des Hauses bestimmt seit hundert Jahren vorüber war, hielt es mit den verblichenen, pinkfarbenen Backsteinmauern und den reich verzierten Gittern vor den Fenstern dem Verfall tapfer stand.

Die direkt am Bürgersteig gelegene Haustür war nur minimal gesichert. Die Arbeiter, die hauptsächlich dort wohnten, kamen abends wahrscheinlich heim, machten es sich dann mit einem Bier vor ihrem Fernseher bequem und achteten nicht sonderlich darauf, was im Haus geschah.

Aus diesem Grund hatte auch niemand mitbekommen, was in einem der Apartments fast drei Jahre lang geschehen war. McQueen hatte in seiner Wohnung die Leben von 26 Mädchen zwischen zwölf und fünfzehn Jahren dauerhaft zerstört.

»Er hat den Sichtschutz aktiviert«, erklärte sie. »Falls er dort oben ist, weiß er, dass wir jetzt hier draußen sind. Er hat im Gefängnis sicher Freundschaften geschlossen. Denn er ist einnehmend, charmant und sehr gewieft. Ich nehme an, dass er mit mehr als einem Messer in die Wohnung eingedrungen ist. Also zieht die Köpfe ein und bewegt euch möglichst schnell.«

Sie überprüfte, ob Carmichael in Position gegangen war und winkte ihre anderen Leute Richtung Haus.

Verdrängte die Erinnerung an das Geschehen damals und lief mit gezückter Waffe durch das Treppenhaus. Mit trockenem Hals, gedanklich aber völlig präsent.

»Am besten überprüfe ich noch kurz die Wohnungstür.« Peabody zog ihren Handrechner hervor. »Vielleicht hat er sie ja manipuliert.«

»Direkt hinter der Tür liegt ein Wohnbereich, dahinter die Küche und dann rechter Hand das Esszimmer. Außerdem gibt’s links und rechts noch je ein Schlafzimmer, und verbunden mit dem rechten Zimmer ein Bad. Links von der Küche ist noch ein kleines Bad. Die Wohnung ist echt groß, bestimmt hundert Quadratmeter.«

»Die Tür ist offensichtlich sauber«, klärte Peabody sie auf.

»Baxter, Sie gehen direkt nach hinten durch. Trueheart, Peabody, Sie beide gehen nach links und ich nach rechts.« Sie nickte Trueheart zu, der den Rammbock in den Händen hielt, und klappte nacheinander drei von ihren Fingern um.

Die Tür brach aus den Angeln, und das Schloss zerbarst mit einem lauten Knall.

Eve konzentrierte sich nicht mehr auf die Vergangenheit, sondern einzig auf das Hier und Jetzt, sprang in gebückter Haltung in den Flur, und ihre Leute folgten ihr.

Sie öffnete die Tür des ersten Schlafzimmers, schwenkte ihre Waffe hin und her und obwohl sie sah, dass jemand auf dem Bett lag, durchsuchte sie zunächst den Raum und dann das angrenzende Bad, während ihre Leute riefen: »Niemand da!«

»Hier drinnen«, brüllte sie und trat ans Bett.

»Jetzt ist alles gut. Wir sind die Polizei.«

Sie zog den Knebel aus dem blutigen, geschwollenen Mund der jungen Frau, doch außer wirrem Flüstern sowie rauem Stöhnen brachte die nicht viel heraus.

Entsprechend seiner bisherigen Vorgehensweise hatte er der Frau den Schlafanzug vom Leib gerissen, doch bevor Eve etwas sagen konnte, hatte Trueheart bereits mitfühlend die dünne Bettdecke vom Boden aufgehoben und sie darin eingehüllt.

»Jetzt ist alles gut«, erklärte er ihr sanft. »Jetzt sind Sie in Sicherheit.«

»Er hat mir wehgetan. Er hat mir wehgetan.«

Jetzt betrat auch Peabody den Raum und öffnete den Knoten in dem Laken, mit dem Julies Hände von McQueen an einem Haken an der Wand gefesselt worden waren. »Jetzt kann er Ihnen nichts mehr tun.« Sie setzte sich aufs Bett und zog die schluchzende Frau an ihre Brust.

»Er hat versprochen, mir nicht wehzutun, wenn Tray macht, was er sagt, aber trotzdem hat er es getan. Trotzdem hat er es getan. Er hat mich vergewaltigt und mir wehgetan. Und er hat mir das hier hinterlassen.«

Eve hatte es bereits gesehen. Das perfekt geformte Herztattoo und die blutrote Zahl auf Julies linker Brust.

»Der Krankenwagen kommt«, erklärte Baxter und wandte der Frau, die schluchzend in den Armen der Kollegin lag, den Rücken zu, damit sie seine nächsten Worte nicht verstand. »Eine Psychologin steht bereit. Soll ich die Spurensicherung bestellen, damit sie sich die Bude ansieht?«

Es spielt keine Rolle, dachte Eve. Denn falls er irgendetwas zurückgelassen hätte, hätte er das absichtlich gemacht. Trotzdem nickte sie. »Sagen Sie dem Freund, dass sie gerettet ist und dass er sie ins Krankenhaus begleiten kann. Sie und Trueheart gehen jetzt bitte erst einmal raus. Peabody, holen Sie Julie ein paar Kleider. Die können Sie zwar nicht sofort anziehen«, wandte sie sich an die junge Frau, »weil man Sie erst noch untersuchen muss und wir Ihnen noch ein paar Fragen stellen müssen. Das ist bestimmt nicht einfach für Sie. Aber Sie müssen wissen, dass Ihr Freund, so schnell wie er konnte, aufs Revier gekommen ist, um mich zu holen.«

»Er wollte mich hier nicht alleine lassen. Hat ihn angefleht, dass er an meiner Stelle ihn als Geisel nimmt. Er wollte mich hier nicht alleine lassen.«

»Ja, ich weiß. Der Mann, der Ihnen das angetan hat, heißt McQueen. Isaac McQueen. Er hat Ihnen doch bestimmt etwas gesagt, was Sie mir weitergeben sollen.«

»Er hat gesagt, ich wäre nicht die Richtige. Wäre nicht … frisch genug, aber er würde eine Ausnahme machen. Ich konnte ihn nicht daran hindern. Er hat mich gefesselt und mir wehgetan.« Zitternd streckte sie die Arme aus, damit Eve die Schürfwunden an ihren Handgelenken sah. »Ich konnte nichts dagegen tun.«

»Ich weiß, Julie. Ich bin übrigens Lieutenant Dallas. Eve Dallas. Was sollen Sie mir von Isaac ausrichten?«

»Dallas? Sie sind Dallas?«

»Ja. Was sollen Sie mir sagen?«

»Dass Sie ihm was schuldig sind und jetzt die Zeit für die Begleichung dieser Schuld gekommen ist. Ich will zu meiner Mom.« Sie warf sich die Hände vors Gesicht. »Ich will zu meiner Mom.«

Es war vollkommen idiotisch, doch es kam ihr vor, als hätte sie versagt. Sie hätte nicht verhindern können, was der armen Julie und Tray Schuster widerfahren war. Genauso wenig konnte sie ändern, dass das Leben dieser beiden Menschen nach dem brutalen Überfall nicht mehr dasselbe war.

Sie kannte Isaacs Vorgehensweise, seine ganz spezielle Art zu foltern, sie kannte das ganz genau. Er gab seinen Opfern das Gefühl, dass sie ihm hilflos ausgeliefert waren und dass es keine Hoffnung für sie gab, er brachte sie dazu, seine Befehle zu befolgen. Und zwar immer und aufs Wort.

Sie hatte nicht dazu gehört, konnte seine Opfer aber gut verstehen.

Weil sie das Opfer eines anderen gewesen war.

Es nützte nichts, sich daran zu erinnern oder jetzt über die Mädchen nachzudenken, die von ihr gerettet worden waren. Oder die, die sie vor zwölf Jahren nicht mehr hatte retten können, als sie Isaac ins Gesicht gesehen und gewusst hatte, dass er ein Monster war.

Deshalb nahm sie Tray beiseite, als sie in die Klinik kam.

»Die Ärzte müssen Julie erst einmal untersuchen, danach sollte sie mit einer Psychologin reden, weil sie vergewaltigt worden ist.«

»Oh Gott. Oh Gott. Ich hätte sie niemals alleine lassen dürfen.«

»Wenn Sie dort geblieben wären, wären Sie jetzt beide tot. So aber lebt sie noch. Sie ist verletzt und wurde vergewaltigt, aber sie ist noch am Leben. Darauf sollten Sie sich beide konzentrieren, denn das ist das Einzige, was zählt. Sie haben gesagt, er stand neben dem Bett, als Sie vorhin wach geworden sind.«

»Ja.«

»Erzählen Sie mir alles genau.«

»Wir hatten verschlafen, oder zumindest dachte ich …«

»Um wie viel Uhr wurden Sie wach?«

»Das weiß ich nicht genau. Ich nehme an, so gegen acht. Ich habe mich herumgerollt und dachte: Mist, wir werden beide viel zu spät zur Arbeit kommen. Ich hatte einen dicken Kopf, als hätten wir am Abend vorher wild gefeiert oder so. Aber das haben wir nicht gemacht«, fügte er umgehend hinzu. »Das schwöre ich. Julie kifft nicht mal.«

»Trotzdem werden wir Sie beide auf Drogen untersuchen müssen«, meinte Eve.

»Ich schwöre, wir haben nichts genommen. Wenn wir was genommen hätten, würde ich Ihnen das sagen. Er hat gesagt, dass er ihr was gegeben hat, aber …«

»Offenbar hat er auch Ihnen etwas eingeflößt. Wir werden Sie beide untersuchen, um zu sehen, was es war. Aber Sie werden keinen Ärger wegen irgendwelcher illegalen Drogen kriegen, Tray.«

»Okay. Okay. Es tut mir leid.« Er fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht. »Ich bin einfach total fertig. Ich kann nicht mehr denken.«

»Was haben Sie nach dem Aufwachen gemacht?«

»Ich … ich habe zu Julie gesagt, dass sie in die Hufe kommen soll und habe sie geschüttelt. Weil sie vollkommen hinüber war. Ich habe sie auf den Rücken gerollt und sah das Klebeband auf ihrem Mund. Ich dachte, sie macht einen Witz, und wollte gerade anfangen zu lachen, aber plötzlich stand er neben unserem Bett, riss meinen Kopf zurück und drückte mir ein Messer an den Hals. Er hat mich gefragt, ob mir mein Leben lieb ist. Und ob mir auch Julies Leben wichtig ist. Er hat gesagt, es müsste niemandem ein Leid geschehen. Ich müsste einfach tun, was er verlangt. Ich hätte mich wehren sollen.«

»McQueen wiegt locker dreißig Kilo mehr als Sie und hat Ihnen ein Messer an den Hals gedrückt. Glauben Sie, dass Julie noch am Leben wäre, wenn er Sie getötet hätte?«

»Keine Ahnung.« Die Tränen strömten schneller über sein Gesicht, als er sie abzuwischen in der Lage war. »Das heißt, wahrscheinlich nicht. Ich hatte Todesangst. Ich habe ihm gesagt, wir hätten nicht viel Geld, aber er könnte alles nehmen, was er will. Dafür hat er sich so höflich bedankt, dass ich noch größere Angst bekam. Er hatte Plastikhandschellen dabei und hat zu mir gesagt, dass ich mir damit meine Hände fesseln und mich auf den Boden setzen soll. Das habe ich getan, während Julie immer noch bewusstlos war. Er meinte, dass er ihr ein Schlafmittel gegeben hätte, damit wir uns erst einmal in Ruhe kennenlernen können. Meinte, dass ich meine Handschellen an einem Fuß des Betts festmachen soll, und hat mir dann ein zweites Paar für meine Knöchel in die Hand gedrückt. Dann hat er mir meinen Mund mit Klebeband verklebt. Sagte, ich sollte sitzen bleiben und mich nicht bewegen, denn er wäre sofort wieder da.«

»Er hat also den Raum verlassen?«

»Ich habe versucht, die Fesseln abzustreifen, aber das hat nicht geklappt.« Geistesabwesend massierte er die Abschürfungen, die an seinen Handgelenken sichtbar waren. »Ich konnte Kaffee riechen. Dieser Bastard stand in unserer Küche und hat sich erst mal Kaffee gekocht. Dann kommt er wieder und bringt außer einer Tasse Kaffee auch noch eine Schüssel Müsli mit. Zieht das Klebeband von meinem Mund und setzt sich hin. Während des verdammten Frühstücks fragt er mich, wie alt ich bin, wie alt Julie ist, wie lange wir zusammen sind, was wir für Pläne haben, seit wann wir in dieser Wohnung wohnen und ob jemand uns erzählt hat, dass sie eine ganz besondere Geschichte hat.«

Tray holte zitternd Luft und atmete erschaudernd wieder aus. »Dabei hat er die ganze Zeit gelächelt und so interessiert gewirkt, als wollte er uns wirklich kennenlernen.«

»Wie lange haben Sie mit ihm geredet?«

»Keine Ahnung. Hauptsächlich hat er geredet. Wissen Sie, das Ganze war vollkommen surreal. Er meinte, dass das seine Wohnung wäre, dass er aber lange weg war und dass ihm die Farbe, in der wir das Schlafzimmer gestrichen haben, nicht gefällt. Mein Gott.«

Er machte eine Pause und sah auf die Tür des Untersuchungsraums. »Wann kann ich sie endlich sehen?«

»Das wird wahrscheinlich noch ein bisschen dauern. Wann ist Julie wach geworden?«

»Nach dem Frühstück hat er tatsächlich noch das Geschirr zurückgebracht und in der Spüle abgestellt. Als er wiederkam, hat er ihr noch einmal irgendwas gegeben. Woraufhin ich ausgerastet bin. Ich habe geschrien wie am Spieß und an den Handschellen gezerrt. Ich hatte Angst, er bringt sie um. Ich dachte …«

»Doch das hat er nicht getan. Vergessen Sie das nicht.«

»Ich konnte nichts für Julie tun. Er hat mir ein paar Ohrfeigen gegeben. Aber nur ganz leicht, was ebenfalls total unheimlich war. Er meinte, wenn ich mich nicht benehmen würde, wäre er gezwungen, ihr den linken Nippel abzuschneiden, und die Verantwortung dafür wollte ich doch bestimmt nicht übernehmen. Mein Gott. Er hatte einen dieser Haken, die Julie benutzt, um ihre Pflanzen oder irgendwelche anderen Sachen aufzuhängen, den hat er in die Wand gedreht. Dann hat er sie mit dem Bettlaken gefesselt und die Hände über ihrem Kopf an dem verdammten Haken aufgehängt, damit sie saß, als sie endlich wieder zu sich kam. Sie hatte Todesangst. Ich konnte hören, wie sie versucht hat, trotz des Klebebands zu schreien, und sehen, wie sie an dem Bettlaken gerissen hat. Da hat er ihr das Messer an den Hals gedrückt, und sie hat damit aufgehört.«

»So ist’s brav, hat er zu ihr gesagt, dann hat er mir erzählt, dass es zwei Möglichkeiten gibt. Entweder er könnte Julie Nippel, Finger, Ohren und lauter andere kleine Sachen abschneiden und auf den Boden fallen lassen, bis am Ende nichts mehr von ihr übrig ist. Oder ich liefe auf das Hauptrevier der Polizei und käme innerhalb von einer Stunde mit Lieutenant Eve Dallas von der Mordkommission zurück. Wenn ich länger brauchte, wäre Julie tot. Und auch wenn ich versuchen würde, auf der Wache anzurufen, statt Sie dort persönlich abzuholen, wäre Julie tot. Ich habe ihm gesagt, ich würde alles tun, was er von mir verlangt, nur sollte er sie bitte gehen lassen. Er sollte mich als Geisel dort behalten und an meiner Stelle Julie gehen lassen, um Sie abzuholen.«

Er wischte sich die nächsten Tränen fort. »Ich wollte Julie nicht mit ihm alleine lassen. Doch er meinte, wenn ich ihn noch einmal darum bitten oder irgendeine andere Bitte oder Frage an ihn richten würde, schnitte er das erste Stück von ihrem Körper ab. Das habe ich ihm sofort geglaubt.«

»Zu Recht«, versicherte ihm Eve.

»Dann hat er mir gesagt, was ich zu Ihnen sagen soll, und ich musste es mehrmals wiederholen, während er das Messer immer noch an Julies Hals gehalten hat. Schließlich hat er mich losgeschnitten, mir ein paar Klamotten hingeworfen und noch mal gesagt, ich hätte genau eine Stunde Zeit. Eine Minute länger, und sie wäre tot, denn dann hätte ich seine Anweisungen nicht genau genug befolgt. Ich musste rennen, denn ich hatte weder Geld noch eine Karte oder sonst was für ein Taxi oder einen Bus dabei. Vielleicht hätte ich einen anderen Polizisten holen sollen, der schneller hier gewesen wäre. Denn dann hätte seine Zeit womöglich nicht gereicht, um ihr derart wehzutun.«

»Vielleicht. Aber vielleicht hätte er ihr auch einfach die Kehle aufgeschlitzt. Das geht ganz schnell. Sie ist am Leben, das ist das Einzige, was zählt. Ich kenne diesen Mann, und Sie können mir glauben, wenn ich Ihnen sage, dass Sie noch glimpflich davongekommen sind.«

Damit drückte sie ihm ihre Karte in die Hand. »Sie sollten unbedingt mit jemandem über die Sache reden. Jemand anderem als der Polizei. Wenn Sie dazu bereit sind, rufen Sie mich an, damit ich Ihnen ein paar Namen nennen kann.«

Sie wandte sich zum Gehen. Sie hatte sich nach einem Mord gesehnt, um dem Papierkram zu entgehen, doch jetzt war etwas deutlich Schlimmeres passiert.

Sie fuhr zurück auf das Revier und briefte ihre Leute über Isaac McQueen.

»Der Verdächtige ist 39 Jahre alt, er hat braunes Haar und blaue Augen, wobei diese Farben regelmäßig verändert werden. Er ist 1,88 Meter groß, wiegt circa 100 Kilo, hat eine Nahkampfausbildung gemacht, beherrscht verschiedene Kampfsportarten und hat im Gefängnis jeden Tag trainiert.«

Sie rief sein Gefängnisfoto auf den Bildschirm und betrachtete die Falten, die ein Dutzend Jahre hinter Gittern ihm in das Gesicht gegraben hatten. Trotzdem fänden Frauen ihn bestimmt noch immer gut aussehend und charmant, vor allem, wenn sie sein verführerisches Lächeln sahen. Zu seinen beinahe femininen Zügen, seinen vollen Lippen und den hübschen Grübchen fassten junge Mädchen leicht Vertrauen.

Damit hatte er schon damals seine Opfer angelockt.

»Am liebsten setzt er Messer entweder als Waffe oder zur Einschüchterung ein. Seine Mutter war ein Junkie und hat ihm als talentierte Trickbetrügerin viel beigebracht. Sie hatten eine inzestuöse Beziehung und haben ihre Opfer oft als Pärchen hinters Licht geführt. Auch seine Sucht nach jungen Mädchen hat sie immer unterstützt. Sie haben ihre Opfer gemeinsam entführt, gefoltert, vergewaltigt und danach verkauft oder entsorgt, bis man Alices Leichnam im Herbst 2040 aus dem Chicago River gezogen hat. Irgendjemand hatte ihr die Kehle aufgeschlitzt, und obwohl McQueen den Mord bis heute nicht gestanden hat, ist davon auszugehen, dass er es war. Er war damals 19 Jahre alt.« Eve seufzte.

»Außerdem wird davon ausgegangen, dass er mindestens zehn junge Mädchen aus den Gegenden um Philadelphia und Baltimore entführt und Carla Bingham, Philadelphia, und Patricia Copley, Baltimore, ermordet hat. Beide Frauen, 45 beziehungsweise 52 Jahre alt, waren Junkies, mit denen McQueen damals in diesen Städten zusammengelebt hat und auf Jagd gegangen ist. Bevor beide mit aufgeschlitzten Kehlen aus dem Fluss gezogen worden sind. Wobei er für diese Verbrechen entweder aus Mangel an Beweisen oder, vielleicht weil die jeweiligen Staatsanwälte keine Eier hatten, nie verurteilt worden ist.«

Doch er hatte sie begangen, dachte sie. Diese Taten und noch mehr.

»Von 2045 bis 2048 war sein Jagdrevier New York. Seine Partnerin hieß Nancy Draper – 44 Jahre alt und drogensüchtig wie die anderen Frauen. In dieser Zeit hat er sein Vorgehen verfeinert und ein paar Extras hinzugefügt. Er und Draper hatten eine Wohnung in der Lower West Side und finanzierten ihren Drogenkonsum und ihr aufwändiges Leben als Falschspieler mit Identitätsdiebstahl und Onlinebetrügereien – lauter Fähigkeiten, die er ebenfalls zu dieser Zeit entwickelt hat. Außerdem hat er seine Opfer zu der Zeit nicht mehr verkauft, sondern behalten. 26 Mädchen zwischen zwölf und 15 Jahren, die er in New York entführt, missbraucht, misshandelt, geschlagen und einer Gehirnwäsche unterzogen hat. Gefangen hielt er sie in seiner schallisolierten Wohnung in einem nicht einsehbaren Raum. Während seiner New Yorker Phase hat er seine Opfer tätowiert. Er hat sie nummeriert und diese Nummern zusammen mit einem Herz über ihren linken Brüsten angebracht. Es wurden 22 Mädchen in dem Raum gefunden.«

Die sie noch immer alle vor sich sah.

»Die übrigen vier wurden niemals gefunden, auch ihre Leichen sind bisher nicht aufgetaucht. Wir wissen nicht einmal, wer sie waren, da er häufig Mädchen, die zu Hause weggelaufen waren, gekidnappt hat.« Eve schauderte.

»Er ist ein hochintelligenter, gut organisierter Soziopath, ein rücksichtsloser Pädophiler, ein Narzisst, der mühelos unterschiedlichste Persönlichkeiten darstellen kann. Die älteren Frauen nutzt er als Helferinnen, zur Tarnung, für sein Ego, und am Schluss bringt er sie um. Nancy Drapers Leiche wurde zwei Tage nach seiner Verhaftung am Ufer des Hudson angeschwemmt. Er hatte sie nur einen Tag vor seiner Festnahme eliminiert. Wahrscheinlich war er also auf dem Sprung und wollte entweder New York verlassen oder vielleicht auch nur eine neue Partnerin finden.«

Ihrer Meinung nach hatte er eine neue Helferin gewollt.

»Er hat keine dieser Taten je gestanden, wurde aber trotzdem wegen mehrfacher Entführung, Freiheitsentzug, Vergewaltigung und Körperverletzung zu einer mehrfachen lebenslangen Haftstrafe verurteilt und nach Rikers überführt. Wo er als Vorzeigegefangener gegolten hat.«

Sie hörte, wie einer ihrer Männer schnaubte, da sie selbst diese Beschreibung als den reinsten Hohn empfand, wies sie ihn nicht dafür zurecht.

»Bis er gestern einem Pfleger aus dem Krankentrakt die Kehle durchgeschnitten hat und von dort geflüchtet ist. Danach ist er in seine alte Wohnung zurückgekehrt, hat das Pärchen, das dort lebt, gefesselt und bedroht, das männliche Opfer gezwungen, mich zu holen, und die Frau erst vergewaltigt und ihr dann ein Herz mit einer 27 in die Haut tätowiert.« Eve schaute in die Runde.

»Er hat die beiden leben lassen, damit sie mir seine Nachricht überbringen. Nämlich, dass er wieder da ist und die Absicht hat, dort fortzufahren, wo er von mir unterbrochen worden ist. Dies ist kein Mordfall«, fügte sie hinzu. »Also sind wir offiziell nicht zuständig.«

Sie sah, dass Baxter seine Schultern straffte. »Lieutenant …«

»Aber«, fuhr sie mit derselben ausdruckslosen Stimme fort, »wenn mir ein Arschloch wie McQueen eine Botschaft schickt, werde ich die ganz bestimmt nicht einfach ignorieren. Und ich gehe davon aus, dass Sie das ebenfalls nicht tun. Lesen Sie seine Akte. Schauen Sie sich sein Foto an. Womit auch immer Sie im Augenblick beschäftigt sind, mit wem auch immer Sie sich unterhalten – einem Zeugen, einem Informanten, einem Opfer, einem Verdächtigen, einem Kollegen oder meinetwegen auch dem Typ vom Schwebegrill, bei dem Sie Ihre Hot Dogs kaufen – zeigen Sie das Bild herum. Halten Sie die Augen und die Ohren offen. Weil er bereits auf der Jagd nach Opfer Nummer 28 ist.«

Sie machte kehrt und ging in ihr Büro. Sie brauchte einen Augenblick für sich, aber kaum hatte sie die Augen zugemacht, hörte sie Peabodys Schritte hinter sich.

»Ich muss den Bericht schreiben und zum Commander bringen. Lesen Sie in der Zeit schon mal seine Akte, Peabody.«

»Das habe ich bereits getan. Ich habe mich in meiner Zeit an der Akademie eingehend mit dem Fall beschäftigt. Sie hatten selber gerade erst die Ausbildung beendet, als Sie ihn gefunden haben. Waren damals noch in Uniform. Das war Ihre erste große Festnahme. Sie …«

»Ich war dabei, Peabody. Ich kenne die Details.«

Peabody sah sie ruhig aus ihren dunklen Augen an. »Sie wissen, wer und was und wie er ist. Deshalb ist Ihnen klar, dass er mit der Botschaft an Sie von seinem bisherigen Muster abgewichen ist. Ihretwegen saß er zwölf Jahre im Kahn. Wofür er sich auf alle Fälle rächen will.«

»Vielleicht, aber ich bin eindeutig nicht sein Typ. Ich bin schon ewig nicht mehr in der Pubertät. Ich bin weder naiv noch dumm noch wehrlos. Deshalb halte ich es für wahrscheinlicher, dass er sich mit mir messen und mich schlagen will. Wir haben hier eine ganze Stadt voll junger Mädchen, unter denen er frei wählen kann, wenn er mich für die zwölf Jahre zahlen lassen will.«

Sie nahm müde hinter ihrem Schreibtisch Platz. »Er will mich nicht töten, Peabody, zumindest nicht sofort. Er will mir zeigen, dass er schlauer ist als ich. Erst mal will er mich erniedrigen. Will unter anderem deshalb eine neue Sammlung starten, weil er denkt, dass mich das demütigt.«

»Er hat Sie sicher eingehend studiert. Er denkt, dass er Sie kennt, aber da irrt er sich.«

»Jetzt wird er mich kennenlernen. Hören Sie, die Zeit wird langsam knapp. Am besten ziehen Sie sich erst einmal um.«

»Wir können die Zeremonie auch gern verschieben und uns weiter auf die Arbeit konzentrieren.«

Obwohl Eve ganz sicher kein Interesse daran hatte, dass ihr jemand eine dämliche Medaille an die Jacke heftete, solange sie die unglückliche Miene von Tray Schuster und Julies glasige Augen vor sich sah, schüttelte sie nachdrücklich den Kopf.

»Wir verschieben gar nichts, und vor allem ist dies nicht unser Fall.« Auch wenn sie alles daran setzen würde, dass sie ihn bekam. »Jetzt gehen Sie mir nicht länger auf den Keks. Ich muss mich schließlich ebenfalls umziehen. Denn Sie sind nicht die Einzige, die heute ausgezeichnet wird.«

»Ich weiß, dass Sie schon öfter ausgezeichnet worden sind. Freuen Sie sich trotzdem noch?«

»Auf diese Auszeichnung ganz bestimmt. Weil das eine wirklich große Sache war. Und jetzt verschwinden Sie.«

Sie blieb noch kurz sitzen, nachdem Peabody gegangen war. Es stimmte, was die Partnerin gesagt hatte. Das Arschloch kannte sie ganz sicher nicht. Denn sie war nicht erniedrigt, sondern seine Taten machten sie im Herzen, im Magen und auch in Gedanken einfach krank. Doch Gott sei Dank, erkannte sie, hatte der Schweinehund mit diesem Vorgehen ihren heißen Zorn entfacht.

Denn sie arbeitete stets am besten, wenn sie richtig wütend war.

2

Im Umkleideraum der Wache roch es wie gewohnt nach Schweiß und Seife, billigem Parfüm und noch billigerem Aftershave. Eve band die Schnürsenkel der harten schwarzen Schuhe zu. Sie hatte diese Schuhe immer schon gehasst, doch sie waren nun mal Teil der Uniform. Sie wackelte kurz mit den Zehen, erhob sich von der Bank, griff nach ihrer Kappe, wandte sich dem Spiegel zu und setzte sie sich auf den Kopf.

Vor zwölf Jahren hatte sie genauso ausgesehen, jung und unerfahren, mit glänzender Polizeimarke und blank polierten, harten schwarzen Schuhen.

Damals wie auch heute noch ein Cop. Weil das ihre Bestimmung war. Sie hatte sich eingebildet, dass sie wusste, was sie sehen und erleben würde, was sie lernen und letztendlich akzeptieren müsste, was für Dinge es bei dieser Arbeit durchzustehen und womit es zu leben galt. Doch natürlich hatte sie es nicht gewusst.

Die Arbeit hatte sich als unerwartet hart herausgestellt, besonders damals, als sie an einem brütend heißen Tag Ende September, kaum sechs Wochen nach Beendigung der Ausbildung, das Apartment in der Murray Street betreten hatte.

Sie erinnerte sich noch genau an den metallischen Geschmack der Angst in ihrem Hals und das Grauen, das wie ein roter Nebelschleier über sie gekommen war.

Würde sie mit ihrer jetzigen Erfahrung, seit sie wusste, wie die Dinge liefen, irgendetwas anders machen? Keine Ahnung, dachte sie. Am besten dächte sie gar nicht darüber nach.

Sie hatte ihren Job gemacht. Mehr konnte ein Cop nicht tun.

Als die Tür geöffnet wurde, wandte sie sich schnell vom Spiegel ab und trat vor ihren Spind. Und als sie über ihre Schulter blickte, war er da.

Sie hatte ihm gesagt, dass er nicht kommen müsste, aber meistens machte Roarke, was ihm gefiel. Sie empfand es als beruhigend, ihn zu sehen, dachte nicht mehr an die Frage, auf die sie keine Antwort hatte, und das Licht, das die Vergangenheit beschien, war plötzlich längst nicht mehr so grell wie einen Augenblick zuvor.

Er lächelte sie an und war in seinem schicken Anzug, mit seiner seidig weichen, beinah schulterlangen schwarzen Mähne wieder einmal so wunderschön, dass sie bei seinem Anblick nur mit Mühe Luft bekam.

Sie kannte jede Ebene und jede Kante seines prachtvollen Gesichts, jede Linie seines schlanken, langgliedrigen Leibs. Trotzdem raubte ihr sein bloßer Anblick immer noch genauso mühelos den Atem wie damals, als er noch ein Dieb gewesen war.

»Ich liebe Frauen in Uniform.« In seiner Stimme schwang ein silberheller Hauch von Irland mit.

»Die Schuhe sind echt ätzend. Ich habe doch gesagt, dass du nicht extra kommen musst. Das ist eine reine Formsache, sonst nichts.«

»Es ist viel mehr, Lieutenant, und ich würde dieses Event um keinen Preis verpassen wollen. Wenn ich an all die Jahre denke, während derer ich den Bullen tunlichst aus dem Weg gegangen bin, ohne je daran zu denken, wie unglaublich sexy eine Frau in Uniform sein kann. Aber vielleicht ja auch nur meine Frau. Mein Cop.« Er trat auf sie zu, glitt mit seinem Finger sanft über das Grübchen in der Mitte ihres Kinns, hob ihr Gesicht ein wenig an, presste seine Lippen kurz auf ihren Mund und sah sie durchdringend aus seinen leuchtend blauen Augen an. »Was ist los?«

»Es geht mal wieder um die Arbeit«, wich sie aus, obwohl ihr klar war, dass er sah, was anderen verborgen blieb.

»Dann hast du also einen neuen Fall?«

»Nicht wirklich, aber jetzt habe ich keine Zeit, um näher darauf einzugehen. Auf alle Fälle bin ich froh, dass du gekommen bist. Es wird nicht lange dauern. Du brauchst nur den Kauf von ein paar Dritte-Welt-Ländern ein bisschen aufzuschieben und dir eine sterbenslangweilige Rede unseres Bürgermeisters anzuhören.«

»Das ist mir die Sache wert.« Er ließ die Hand noch kurz an ihrer Wange liegen. »Dann erzählst du es mir einfach später, ja?«

Sie nickte. Denn das würde und das könnte sie. Weil er das Beste war, was ihr jemals widerfahren war. Sie kannte ihn von einer anderen Zeremonie, von einer Totenfeier, auf der sie in einem Mord ermittelt hatte. Er war damals einer von den Hauptverdächtigen gewesen. Ein Mann mit einer schattigen Vergangenheit und einer zweifelhaften Gegenwart, der das Aussehen eines gefallenen Engels hatte, aber mächtiger und reicher als der Teufel war.

Jetzt gehörte er ganz ihr.

Sie nahm seine Hände und spürte in ihrer Handfläche den Druck von seinem Ehering. »Das ist eine lange Geschichte.«

»Also nehmen wir uns einfach etwas Zeit.«

»Später«, stimmte sie ihm achselzuckend zu. »Du hast recht. Dies ist mehr als eine Formsache. Weil es für Peabody und für Detective Strong sehr wichtig ist. Es geht dabei um mehr als die Medaille und vor allem um deutlich mehr als eine langweilige Rede. Das haben sie sich verdient.«

»Genau wie du, Lieutenant.«

»Ich habe einfach meinen Job gemacht«, sprach sie ihren Gedanken von vor wenigen Minuten aus und ging mit ihm zur Tür.

Ehe sie sie öffnen konnte, schob schon jemand sie von außen auf. Ian McNab, Peabodys Küsser, trug zur Abwechslung einmal nicht die grellen Farben und die wilden Muster, die das Kennzeichen der meisten hippen Elektronikfuzzis waren, sondern eine steife Uniform, er hatte sogar seinen langen blonden Pferdeschwanz unter der gleichen Kappe, wie Eve sie trug, versteckt.

»He, Dallas, Sie sehen super aus. Freut mich, dass Sie kommen konnten, Roarke.«

»Ian, ich hätte Sie fast nicht erkannt. Sie wirken in der Uniform sehr offiziell.«

»Man tut sein Bestes. Auch wenn diese Schuhe echt die Hölle sind.«

»Das habe ich bereits gehört.«

»Ich bin nur kurz vorbeigekommen, um zu sagen, dass die Sache draußen auf der Treppe vor dem Haupteingang stattfinden soll.«

»Oh nein.«

Er sah sie mitfühlend aus seinen grünen Augen an. »Der Bürgermeister will, dass möglichst viele Leute die drei Cops, die Renee Oberman und ihre Leute hochgenommen haben, und wahrscheinlich auch ihn selber, sehen. Auch in den Medien kommt die Sache sicher noch einmal ganz groß raus. Gute gegen böse Cops und dieser ganze Kram. Aber wie dem auch sei, sitzt Peabody an ihrem Schreibtisch.« Er wies mit dem Daumen über seine schmale Schulter. »Mit dem Kopf zwischen den Knien. Vielleicht könnten Sie sie ja etwas beruhigen, damit sie dem Bürgermeister nicht auf seine schicken Schuhe kotzt, wenn sie die Medaille umgehängt bekommt.«

»Oh, um Himmels willen.«

Sie marschierte los und trat entschlossen vor den Schreibtisch ihrer Partnerin.

»Reißen Sie sich zusammen, Detective. Sonst bringen Sie sich selbst und, was noch schlimmer ist, auch mich vor allen diesen Leuten in Verlegenheit.«

»Sie wollen uns die Medaillen draußen vor der Tür verleihen. In der Öffentlichkeit.«

»Na und?«

»Vor allen Leuten«, meinte Peabody, während sie den Kopf weiter zwischen ihren Knien hielt.

»Sie werden von der Polizei und Stadt dafür geehrt, dass Sie die Integrität, den Mut und die Fähigkeit besitzen, Kollegen das Handwerk zu legen, die eine Schande für die Polizei und diese Stadt gewesen sind. Korrupte, mörderische, geldgierige und betrügerische Cops sitzen jetzt nur deshalb hinter Gittern, weil Sie so integer, mutig und vor allem fähig sind. Und selbst wenn sie Ihnen die Medaille auf dem Hauptbahnhof verleihen wollten, stehen Sie jetzt gefälligst auf. Sie werden weder kotzen noch in Ohnmacht fallen noch wie ein Baby heulen noch wie ein Mädchen kreischen. Das ist ein Befehl.«

»Ich hatte mir eher vorgestellt, dass Sie ihr sagen würden, dass sie sich entspannen soll, weil dies ein ehrwürdiger Augenblick in ihrem Leben ist«, murmelte McNab.

Grinsend fragte Roarke: »Tatsächlich? Na, dann kennen Sie sie aber ziemlich schlecht.«

»Ma’am!« Obwohl Peabody hörbar schluckte, stand sie folgsam auf.

»Gott, Sie sind total verschwitzt und kreidebleich. Gehen Sie erst mal los und klatschen sich ein bisschen Wasser ins Gesicht.«

»Okay.«

»Peabody. Verdammt, Sie haben diesen Augenblick verdient. Also kneifen Sie die Arschbacken zusammen, straffen Sie die Schultern und nehmen das, was Sie verdient haben, mit Stolz entgegen. Und wenn das nicht klappt, tun Sie’s einfach aus Angst, denn ich schwöre bei Gott, sonst trete ich Ihnen so kräftig und so lange in den Hintern, bis …«

Als sie die Gesichter aus dem Augenwinkel sah, brach sie verlegen ab. Verflixt.

»Lassen Sie sich nicht stören.« Phoebe Peabody sah sie mit einem breiten Lächeln an.

»Mom?« Entgegen Eves Befehl brach Peabody in lautes Kreischen aus. »Dad. Ihr seid gekommen! Ihr seid extra nach New York gekommen!«

Glücklich warf sie sich den beiden in die Arme und sprang trotz der harten Schuhe, die sie trug, begeistert auf und ab.

»Wir haben im Stau gestanden, deshalb haben wir es nicht eher geschafft.« Sam Peabody schloss seine sanften grauen Augen und nahm die Tochter in den Arm. »Wir dachten uns, wir richten dir persönlich die herzlichen Grüße von den anderen aus.«

»Ihr seid hier. Ihr seid tatsächlich hier.«

»Wo sollten wir denn bitte sonst sein?« Phoebe legte ihrer Tochter eine Hand unter das Kinn, und ihre Miene wurde weich wie Seide, als sie meinte: »Seht euch nur mein süßes Mädchen an. Mein süßes, mutiges Kind. Wir sind alle unglaublich stolz auf dich.«

»Nicht. Hör auf. Sonst bringst du mich zum Weinen, und das darf ich nicht.«

»Das haben wir gehört.« Phoebe warf ihr langes, dunkles Haar zurück, trat vor Eve, zog sie an ihre Brust und gab ihr einen Wangenkuss. Ihr leises Lachen zeigte, dass sie wusste, dass diese Zurschaustellung von Zuneigung dem Lieutenant peinlich war. »Die Uniform steht Ihnen wirklich gut. Sie sehen darin unglaublich sexy aus. Findest du nicht auch, Sam?«

»Allerdings.«

Inmitten ihres eigenen Dezernats wurde sie abermals umarmt und bekam den nächsten Wangenkuss. Hippies warfen nun mal einfach nur so mit der Liebe um sich, dachte sie, und atmete erleichtert auf, als die Reihe an Roarke und Ian war.

»Sie wollten nie, dass ich zur Polizei gehe«, raunte Peabody ihr leise zu. »Sie lieben mich und wollten, dass ich sicher und möglichst auch weiterhin in ihrer Nähe bin. Aber weil sie mich so lieben, haben sie mich gehen lassen, und jetzt sind sie sogar hier, um zu sehen, wie mir der Bürgermeister die Medaille verleiht. Ich werde mich also bestimmt nicht übergeben oder vor ihnen in Ohnmacht fallen.«

»Gut. Nach der Zeremonie machen Sie Schluss für heute und verbringen etwas Zeit mit ihnen.«

»Aber was ist mit McQueen?«

»Das ist nicht unser Fall. Zumindest jetzt noch nicht. Nehmen Sie sich die paar Stunden, Peabody. In nächster Zeit könnte es ziemlich stressig für uns werden, deshalb nutzen Sie den schönen Nachmittag am besten aus.«

Sie stand in der feuchten, schwülen Luft, die nach dem Gewitter auf die Stadt drückte, auf den Stufen vor dem Eingang des Reviers. Vielleicht hätte sie selbst einen bescheideneren Rahmen für die Feier vorgezogen – ohne großes Aufhebens und ohne einen großen Tross an Journalisten –, aber Peabody und auch Detective Strong, die, immer noch an Krücken, zwischen ihnen stand, hatten es mehr als nur verdient, für einen Augenblick derart im Rampenlicht zu stehen.

Die Hoffnung des Bürgermeisters, dass sich möglichst viele Journalisten, Cops, Verwandte sowie Schaulustige vor dem Eingang des Reviers versammeln würden, hatte sich erfüllt, und während sie die langweiligen Reden über sich ergehen ließ, sah Eve sich in der Menge um.

Ganz vorne bei den anderen Journalisten stand auch Nadine Furst. Die sich diese Geschichte nicht entgehen lassen wollte, doch vor allem auch eine gute Freundin war. Mira stand in einem ihrer reizenden Kostüme etwas abseits und erinnerte sie daran, dass sie mit ihr über Tray und Julie sprechen wollte, weil sie nicht nur die mit Abstand beste Profilerin der New Yorker Polizei, sondern auch eine wirklich gute Psychologin war.

Peabodys Eltern, die sich an den Händen hielten, standen neben Mavis, ihrer ältesten und besten Freundin, die mit Mann und Kind gekommen war.

Damit hätte sie beim besten Willen nicht gerechnet. Aber offensichtlich hatte ihr Bemühen, so zu tun, als ob diese Medaillen nichts Besonderes wären, nicht gefruchtet. Weil sie sogar Crack, einen hünenhaften, tätowierten schwarzen Kerl mit Federn an den Ohren, den eleganten Excallboy Charles Monroe sowie dessen frischgebackene Ehefrau Louise Dimatto, eine engagierte Ärztin, in der Menge sah.

Mit einem Anflug von Entsetzen entdeckte sie Trina, die sich mit den Ellenbogen einen Weg zu Mavis bahnte, Baby Bella küsste und dann einen missbilligenden Blick in ihre Richtung warf.

Gott, als könnte irgendjemand ihre Haare unter der verdammten Kappe sehen. Doch Trina hatte offenbar einen frisur- und hauttechnischen Röntgenblick.

Eilig wandte Eve sich ab, suchte mit den Augen Roarke und sagte sich, dass es ihr deutlich angenehmer war, ihn anzusehen.

Das ginge sicher allen Frauen so.

Dann atmete sie plötzlich hörbar ein, als sie die knochige Gestalt in Schwarz ein Stückchen hinter ihrem Gatten stehen sah. Was zum Teufel machte Summerset – wandelnder Leichnam, Majordomus ihres Mannes und die größte Plage ihres Lebens – hier?

Vielleicht halluzinierte sie ja auch aufgrund der grenzenlosen Langeweile, weil die Rede des Bürgermeisters immer noch kein Ende nahm.

Auch ihr Dezernat war vollzählig erschienen und die Leute hatten sich auf ihre Bitte vorn am Fuß der Treppe aufgereiht. Zusammen mit Feeney, ihrem alten Ausbilder und Partner, der inzwischen Chef der elektronischen Ermittler war. Sein Bassetgesicht war ernst, doch seine Augen wirkten etwas glasig.

Wie wahrscheinlich ihre eigenen Augen auch.

Endlich hörte sie Applaus und lenkte ihren Blick auf den Commander, der neben den Bürgermeister trat. Auch er trug seine Galauniform, und wie so oft dachte sie an den Straßencop, der er vor Übernahme seines Schreibtischjobs gewesen war.

Die beiden Männer wandten sich an Strong, der Bürgermeister sprach mit ruhiger Stimme über die Verdienste, die sie seiner Stadt erwiesen hatte, und heftete ihr mit den besten Wünschen für die Zukunft und vor allem eine baldige Genesung die Medaille an die Brust.

Dann kamen sie zu Eve. Die nichts – oder nicht viel – gegen den Bürgermeister hatte, auch wenn ihr der Handschlag ihres Vorgesetzten Whitney wichtiger war als dessen salbungsvolle Worte.

»Gut gemacht, Lieutenant.«

»Danke, Sir.«

Doch wahren Stolz empfand sie erst, als Peabody die wohlverdiente Auszeichnung bekam. Weil sie integer, ehrenwert und mutig war. Lächelnd hörte sie, wie Peabody mit nur unmerklichem Zittern in der Stimme erst den Dank und dann die Glückwünsche entgegennahm.

Für einen Augenblick war es okay. Die investierte Zeit, das allgemeine Aufhebens und selbst die Fotos, die die Journalisten schossen, hatten sich auf jeden Fall gelohnt. Denn sie stand hier mit zwei grundanständigen Cops, und der Mann, dem sie bis zur Besinnungslosigkeit verfallen war, sah sie mit einem breiten Lächeln an.

Dann fingen die Schulterklopfer und das allgemeine Händeschütteln an. Sie sah das Glitzern in den Augen ihrer Partnerin und funkelte sie an.

»Keine Umarmungen. So etwas machen Polizisten nicht.«

Demonstrativ lenkte Peabody den Blick auf Strong, die gerade in den Armen eines anderen Kollegen lag.

»Sie wurde schließlich auch verletzt.«

»Okay, aber gedanklich nehme ich Sie kräftig in den Arm und drücke Ihnen einen dicken Schmatzer ins Gesicht.«

»Belassen Sie’s dabei, wenn Sie nicht ebenfalls an Krücken gehen wollen.«

In diesem Augenblick trat Feeney auf sie zu. Er drückte seine Kappe auf den wirren silbernen und roten Haaren fest, boxte ihr gegen die Schulter und erklärte: »Gut gemacht.«

»Danke.«

»Ich dachte schon, der Bürgermeister würde nie mehr fertig, aber alles in allem ist es eine echt schöne Zeremonie.«

McNab zog Peabody an seine Brust, gab ihr einen dicken Schmatzer auf den Mund und tätschelte ihr zusätzlich das Hinterteil.

»Ja, das stimmt.« Eve sah, dass Roarke in ihre Richtung kam und hatte Angst, er nähme sie entgegen ihrem ausdrücklichen Wunsch, bei dieser Feier Würde zu bewahren, so wie Ian seine Liebste in den Arm.

Doch er umfasste einfach ihre Finger sanft mit beiden Händen und bedachte sie mit einem stolzen Blick, der ihre eigenen Augen brennen ließ.

»Gratuliere, Lieutenant«, sagte er und tippte die Medaille an ihrer Brust mit einer Fingerspitze an. »Steht dir gut. Und ich muss auch Ihnen gratulieren, Ryan«, wandte er sich Feeney zu, »denn Sie haben sie mit zu der gemacht, die sie jetzt ist.«

Feeney wurde rot wie immer, wenn er entweder erfreut oder verlegen war. »Nun, das Rohmaterial hat sie alleine mitgebracht. Ich brauchte es nur noch in Form zu treten, weiter nichts.«

»Das hat er oft und gern gemacht«, mischte sich Eve in das Gespräch. »Ich glaube, er …«

Urplötzlich nahm sie aus dem Augenwinkel das bekannte, etwas weibliche Gesicht und die typische Gefängnisblässe wahr. Er hatte sich das sandfarbene Haar zurückgekämmt und trug eine Sonnenbrille, einen eleganten grauen Nadelstreifenanzug sowie einen königsblauen Schlips.

»Grundgütiger.«

Sie rannte los, aber die Menge hatte ihn bereits verschluckt. Eine Hand am Knauf der Waffe, bahnte sie sich mit den Ellenbogen einen Weg durch das Gedränge, aber überall um sie herum drängten sich Cops und Zivilisten, die Straßen und die Bürgersteige waren in den Lärm der Innenstadt gehüllt, während über ihrem Kopf ein Werbeflieger lautstark für den Schlussverkauf in irgendeinem Einkaufszentrum warb.

Roarke holte sie ein, als sie, die eine Hand an ihrer Waffe und die andere vor Frustration geballt, im Trubel stand.

»Was ist?«

»Ich habe ihn gesehen. Er war hier.«

»Wer?«

»McQueen. Isaac McQueen.« Sie schüttelte den Kopf. »Dieser verdammte Hurensohn. Das muss ich dem Commander melden.«

»Geh einfach. Ich warte hier auf dich«, schlug er ihr vor. »Ich werde dich bei Mavis und den anderen entschuldigen. Und Eve.« Er legte eine Hand auf ihren Arm. »Wenn du zurückkommst, will ich alles über diese Sache erfahren.«

Genau wie sie war auch Commander Whitney noch in Uniform, als sie vor seinen Schreibtisch trat. Er selbst stand ebenfalls, ein Schrank von einem Mann, der die Verantwortung anscheinend mühelos auf seinen breiten Schultern trug. Er musterte sie kurz mit seinen dunklen Polizistenaugen, doch am Ende nickte er nur knapp.

»Sind Sie sicher?«

»Ja, Sir. Er wollte, dass ich ihn sehe, er wollte mir zeigen, dass er sich mühelos direkt vor dem Revier unter eine Schar von Polizisten mischen kann. Es ist ihm ein Bedürfnis, die New Yorker Polizei und insbesondere mich zu beleidigen und zu erniedrigen. Ich muss sofort ein Team zusammenstellen, Commander, um ihn zu finden.«

»Er wird bereits von Polizei und FBI gejagt.« Bevor sie etwas sagen konnte, hob er abwehrend die Hand. »Ich verstehe, dass Sie sich an dieser Jagd beteiligen und ihn erwischen wollen. Ich werde Ihnen nicht verbieten, Ihre Kenntnis dieses Mannes und Ihre Ressourcen einzusetzen, um Ihren Kollegen bei der Suche beizustehen. Denn er hat es auf Sie genauso abgesehen wie Sie auf ihn. Er hatte in den letzten Jahren genügend Zeit, um sich eingehend mit Ihnen zu beschäftigen.«

»Ich kenne ihn, Commander.« Wieder wogte ein Gefühl der Frustration in ihrem Innern auf. »Besser als jeder andere New Yorker Cop und besser als das FBI. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, den Kerl kennenzulernen, und ich will nicht warten, bis er jemanden ermordet, nur damit ich mich auch offiziell mit ihm befassen darf.«

»Glauben Sie, dass er Sie noch mal kontaktieren wird?«

»Auf jeden Fall.«

»Dann warten wir bis dahin ab. In der Zwischenzeit stellen Sie schon mal zusammen, was Sie alles über diesen Typen wissen, zapfen Ihre Quellen an und führen ein paar Wahrscheinlichkeitsberechnungen durch. Ich erwarte spätestens bis morgen früh einen umfänglichen Bericht seiner Gefängniswärter, der Gefängnisleitung und des Psychologen, der sich mit McQueen beschäftigt hat. Sobald er auf meinem Schreibtisch liegt, bekommen Sie eine Kopie.«

»Er hat ganz sicher einen Plan. Denn er hat immer einen Plan. Er ist nicht aufs Geratewohl aus dem Knast spaziert. Ich will mit seinen Mitgefangenen und den Wärtern reden. Außerdem brauche ich Zugriff auf seine Gefängnisakte, die Besucherliste und seine Kontakte außerhalb des Knasts.«

»Die internen Ermittlungen durch die Gefängnisleitung laufen noch.«

»Commander, er ist seit fast 24 Stunden draußen.«

»Das ist mir bewusst, Lieutenant. Ich wurde über seine Flucht erst heute Morgen informiert.« Er wartete einen Moment und nickte dann. »Der Bürgermeister und ich hatten heute auch noch andere Dinge als die Verleihung der Medaillen zu besprechen, egal, wie verdient die ist. Die Gefängnisleitung hat darum gebeten, dass sie bis morgen früh um neun selbst in dem Fall ermitteln darf. Man hat ihnen diese Frist gewährt, aber ich kann Ihnen versprechen, morgen früh um 9.01 Uhr werden Sie alles erfahren, was ich weiß.«

»Die versuchen doch nur, ihren Arsch zu retten. Bis morgen früh um neun hat er sich vielleicht schon das nächste Mädchen oder sogar mehr als eins geschnappt.«

»Das ist mir ebenfalls bewusst.« Jetzt nahm er hinter seinem Schreibtisch Platz. »Und selbst wenn wir alle Unterlagen und Akten über ihn bekommen, haben wir vielleicht noch nicht genug, um ihn erfolgreich zu jagen. Seine letzte Ergreifung hatten wir solider Polizeiarbeit und einem glücklichen Zufall zu verdanken. Auch dieses Mal werden wir beides brauchen, um ihn wieder dorthin zu verfrachten, wo er hingehört.«

Obwohl sie sich viel Zeit nahm, um sich umzuziehen und alle Akten und alten Berichte, die sie brauchte, einzusammeln, hatte sie noch immer einen bitteren Geschmack im Mund.

Wie verabredet traf Roarke sie in der Tiefgarage, wo ihr Wagen stand.

»Gib her.« Entschlossen nahm er ihr die prall gefüllten Aktentaschen ab. »Ich hätte dir geholfen, sie zu tragen, wenn du mir gesagt hättest, dass du so viele Unterlagen brauchst.«

Sie hätte gern gesagt, dass sie die Last ihres Berufs alleine schultern müsste, doch das hätte allzu wichtigtuerisch geklungen, deshalb meinte sie: »Ich wusste nicht, dass es so viel wird.«

Was nicht ganz stimmte, dachte sie, während sie ihm das Steuer überließ. Denn in ihrem heimischen Büro hatte sie noch jede Menge zusätzlicher Akten über Isaac McQueen.

»Ich habe eine Reihe Einladungen entweder zum Essen oder wenigstens auf ein paar Drinks und eine Riesenfete in der Beize deiner Wahl in deinem Namen abgelehnt.«

Die Riesenfete wollte sicher Mavis feiern. »Tut mir leid.«

»Das braucht es nicht. Heute sind sehr viele Menschen furchtbar stolz auf dich. Aber sie verstehen auch, dass du deine Arbeit machen musst. Peabodys Eltern wollen ein, zwei Tage bleiben, sie hoffen, dass sie dich vor ihrer Abreise noch einmal sehen.«

»Ja, das wäre schön.« Sie trommelte mit ihren Fingern auf ihr Knie.

»Wie lief es mit Whitney?«

»Wie erwartet. Er hat mir nicht ganz so viel gegeben, wie ich haben wollte.«

»Dem Gewicht der Taschen nach hast du aber auch so mehr als genug zu tun.«

»Die Infos aus dem Knast bekomme ich erst morgen früh. Isaac McQueen. Er ist …«

»Ich habe mich mit ihm befasst, als du bei Whitney warst, und weiß ungefähr Bescheid. 26 Mädchen. Bis du plötzlich in die Wohnung kamst. Das will ich in allen Einzelheiten hören, Eve, und zwar von dir.«