Mami Bestseller Staffel 1 – Familienroman - Corinna Volkner - E-Book

Mami Bestseller Staffel 1 – Familienroman E-Book

Corinna Volkner

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21,99 €

Beschreibung

Große Schriftstellerinnen wie Patricia Vandenberg, Gisela Reutling, Isabell Rohde, Susanne Svanberg und viele mehr erzählen in ergreifenden Romanen von rührenden Kinderschicksalen, von Mutterliebe und der Sehnsucht nach unbeschwertem Kinderglück, von sinnvollen Werten, die das Verhältnis zwischen den Generationen, den Charakter der Familie prägen und gefühlvoll gestalten. Mami ist beliebt wie nie! Unsere Originalreihe hat nach über einem halben Jahrhundert nun bereits mehr als 2.800 neue, exklusive Romane veröffentlicht. Eine sympathische Familie lebt vor, wie schön das Leben sein kann, wie man mit den kleinen und großen Sorgen des Alltags souverän umgehen, wie man Probleme meistern, wie man existentiellen Nöten tief empfundene Heiterkeit und Herzenswärme entgegensetzen kann. Mami ist als Familienroman-Reihe erfolgreich wie keine andere! E-Book 1: Ich will die andere nicht! E-Book 2: Ein geheimes Töchterchen E-Book 3: Macht es doch wie wir E-Book 4: Ich bin immer für dich da E-Book 5: Emmas Strategie E-Book 6: Wir haben dich gewollt E-Book 7: Omi ist einfach super! E-Book 8: Aus der Fremde kam ein kleiner Junge E-Book 9: Nathalies Dornröschenhaus E-Book 10: Mein Herz hat eine Heimat

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Seitenzahl: 1194

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Inhalt

Ich will die andere nicht!

Ein geheimes Töchterchen

Macht es doch wie wir

Ich bin immer für dich da

Emmas Strategie

Wir haben dich gewollt

Omi ist einfach super!

Aus der Fremde kam ein kleiner Junge

Nathalies Dornröschenhaus

Mein Herz hat eine Heimat

Mami Bestseller – Staffel 1–

E-Book 1-10

Corinna Volkner Karina Kaiser Marianne Schwarz Gisela Reutling Carmen Lindenau Susanne Svanberg Myra Myrenburg

Ich will die andere nicht!

Gitta ist meine richtige Mutti

Roman von Kaiser, Karina

»Such dir endlich eine Frau, die zu dir passt, die du gernhast und die dich gernhat«, hatte seine Oma schon oft zu ihm gesagt, meistens dann, wenn er ihre Kochkunst zu sehr gelobt oder mal wieder gemeint hatte, sie wäre die Beste, und bei ihr würde er es mindestens noch zehn Jahre aushalten.

Darüber hatte sie stets nur gelächelt, ein bisschen spöttisch und ein bisschen traurig. Und vor einem guten Jahr hatte sie ihm zögernd und etwas unglücklich gestanden, dass sie in absehbarer Zeit in eine kleine und altersgerechte Wohnung ziehen wolle. Und er möge darüber nachdenken, ob er diese Wohnung – drei große Zimmer, Küche, Bad, Korridor und Balkon – behalten wolle.

Sicher wollte er das, wenn nur die Miete nicht so hoch gewesen wäre.

Henrik Hollstein hatte damals nicht so recht gewusst, wie er sich verhalten sollte. Natürlich würde es die Oma in der neuen Wohnung viel bequemer haben, sie musste nicht mehr so viele Treppen steigen, nicht mehr so viel einkaufen, kochen und putzen. Sie hatte dann ja nur noch für sich allein zu sorgen und nicht mehr für ihn, ihr einziges Enkelkind, das sie nach dem frühen Unfalltod der Eltern ganz allein aufgezogen hatte. Andererseits war er inzwischen achtundzwanzig Jahre alt und würde es wahrscheinlich doch schaffen, ohne sie zu überleben und die Miete aufzubringen.

Der Anfang war selbstverständlich schwer gewesen, denn es war ja viel leichter und angenehmer, sich an einen gedeckten Tisch zu setzen, als für dessen kulinarische Bestückung zu sorgen. Von anderen Arbeiten ganz zu schweigen. Aber unter der Anleitung seiner Großmutter lernte er, was zur Führung eines kleinen Haushaltes unbedingt notwendig war, und lernte es schneller, als er selbst gedacht hatte.

Das Schicksal meinte anscheinend, er hätte für seine Bemühungen eine Belohnung verdient, denn schon wenige Wochen, nachdem Amalie Hollstein ausgezogen war, lernte er auf einer Party bei Freunden Evelin Lanzkow kennen, eine hübsche, zierliche Brünette, die bald bei ihm einzog und sich an den Kosten beteiligte. Sie konnte zwar nicht so gut kochen wie die Oma, gab sich aber viel Mühe, ihn in jeder Hinsicht zu verwöhnen. Und das gefiel ihm außerordentlich gut.

Und da er ihr offensichtlich auch gefiel mit seinem markanten Gesicht, den blonden Haaren, der sportlichen Figur und dem umgänglichen Wesen heirateten sie bereits ein Jahr später. Die Oma spendierte zu diesem Anlass das Geld für die Hochzeitsreise nach Venedig, Evelins Eltern trugen zur Wohnungseinrichtung bei, und alle nahmen nun an, dass bald ein Baby zur Welt kommen würde. Immerhin hatten beide eine ausreichend große Wohnung, hatten studiert und lebten in guten finanziellen Verhältnissen. Gesund und voller Lebensfreude waren sie ebenfalls.

Doch die Jahre vergingen, Henrik, mittlerweile bereits dreiunddreißig, war vor Kurzem der Leiter des hiesigen Arboretums geworden, was ihn einerseits freute, aber auch mehr Verantwortung, Arbeit und gelegentliche Überstunden einbrachte.

Evelin, nur wenig jünger als ihr Mann, rechnete hingegen fest damit, bald Dozentin an der Universität zu werden, wo sie seit ein paar Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigt war. An ein Kind dachten beide anscheinend gar nicht. Die Karriere und weite Reisen im Urlaub schienen ihnen wichtiger als der Nachwuchs zu sein.

*

»Sie sind schwanger, Frau Hollstein«, hatte der Arzt vorhin gesagt und hatte dazu eine Miene gemacht, als müsste sie nun so glücklich sein, dass sie fortan die ganze Welt umarmen könnte. Der Kerl hatte ja keine Ahnung, überhaupt keine! Was sollte sie mit einem Kind bloß anfangen?

Diese Frage beschäftigte Evelin auf dem Weg nach Hause so sehr, dass sie an nichts anderes mehr denken konnte. Sie vergaß sogar, in ihrer Lieblingsboutique einzukehren und sich das elegante rubinrote Kleid zu kaufen, das sie vor ein paar Tagen dort entdeckt hatte. Wütend auf sich selbst und vor allem auf ihren Mann kam sie daheim an, warf sich anschließend auf ihr Bett und ließ dort ihren Tränen freien Lauf.

Sie war so sehr in ihren Kummer vertieft, dass sie Henrik erst bemerkte, als er sich zu ihr setzte, sie in die Arme nahm und erschrocken fragte: »Was ist denn passiert? Ist was mit deinen Eltern oder mit Oma?«

»Nein, denen geht es gut, bloß mir nicht.«

»Was hast du denn?«

»Ich bekomme ein Kind.«

»Ein Kind??« Seine Augen begannen zu strahlen, während er sie fester an sich drückte. Dabei fragte er aufgeregt: »Bist du dir auch ganz sicher?«

»Dr. Weber hat es bestätigt«, antwortete sie missmutig. »Ich habe es sozusagen schwarz auf weiß. Kannst du mir sagen, was nun werden soll?«

»Ich verstehe dich jetzt nicht«, antwortete er irritiert. »Du bekommst das Baby, bleibst ein oder zwei Jahre zu Hause, und dann bringen wir es tagsüber in eine Kindertagesstätte.«

Sie stieß ihn von sich, sprang auf und rief entrüstet: »Ich soll ein oder zwei Jahre zu Hause bleiben, soll das Gör hüten und meine Karriere zum Teufel schicken? Ja, sag mal, du hast wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank! Wozu habe ich denn studiert und meinen Doktor gemacht?«

»Aber – Evi, andere Frauen bekommen doch auch Kinder. Und ich werde dir doch helfen.«

»Na, klar, besonders dann, wenn du den ganzen Tag auf der Arbeit bist. Ich würde es mir ja wegmachen lassen, aber der Doktor sagt, es ist schon zu spät dazu. Leider.«

Das Kind wegmachen lassen? Er hätte jetzt am liebsten mit der Faust auf den Tisch gehauen oder sie zornig angeschrien, weil sie eine Abtreibung überhaupt in Betracht zog. Andererseits wollte er sie nicht noch mehr aufregen. Möglicherweise verlor sie dann das Kind. Daher stand er ebenfalls auf und legte ihr beschwichtigend die Hand auf die Schulter.

»Nun bekomme das Kind doch erst einmal. Du wirst schon sehen, alles geht einfacher, als du jetzt denkst. Wir kriegen bestimmt einen Kita-Platz, vielleicht schon nach ein paar Monaten. Dann kannst du doch wieder arbeiten gehen.«

»Und wenn das Kind krank wird? Diese kleinen Bälger haben doch dauernd irgendetwas – Husten, Schnupfen, Durchfall, Erbrechen und Fieber. Ich weiß das von meiner Kollegin. Wenn da nicht die Eltern und Schwiegereltern immer einspringen würden, könnte sie so gut wie gar nicht zur Arbeit gehen. Aber so etwas ist bei uns ja nicht möglich. Du hast nur noch die Oma, und die ist nach ihrem Oberschenkelhalsbruch auch nicht mehr so fit wie früher. Und meine Eltern sind Ärzte und wohnen in München, was fast tausend Kilometer von uns entfernt ist.«

»Wir werden eine Lösung finden. Zwei oder drei Monate kann ich ja auch bei dem Baby bleiben, wenn es nicht mehr gestillt werden muss.«

»Zwei oder drei Monate …« Sie sprach nicht weiter, schien zu überlegen und setzte sich wieder auf das Bett.

»Ja, so etwas machen in der heutigen Zeit viele Väter«, erklärte er eifrig. »Ich denke, das kriege ich auch hin. Und wenn das Kleine mal krank wird, dann wechseln wir uns mit der Betreuung ab. Und vielleicht ist es ja gar nicht so oft krank.«

»Vielleicht hast du recht«, erwiderte sie zerstreut. »Ich glaube, ich muss mich mit dieser – Situation – erst eine Weile auseinandersetzen, muss darüber in Ruhe nachdenken. Ich werde daher ein paar Tage Urlaub nehmen und zu meinen Eltern fliegen – allein. Du kannst dir inzwischen schon mal Babywiegen und Kinderwagen anschauen. Wer weiß, was das alles so kostet …«

Henrik hatte schon etwas aufgeatmet, erkannte jetzt aber, dass sie von einer Freude über das zu erwartende Kind meilenweit entfernt war. Und doch war er nicht ohne Hoffnung. Sie würde es zumindest behalten. Und wenn es denn erst einmal auf der Welt war, würde sie es lieben, genauso wie er.

In den nächsten Monaten klammerte er sich innerlich an diese Hoffnung und versuchte, seiner Frau ihren Zustand so erträglich wie möglich zu machen. Er nahm ihr weitgehend die Hausarbeit ab, kaufte allein ein und ließ sie an den Wochenenden so lange schlafen, wie sie wollte. Und er freute sich, dass sie zumindest an der Einrichtung des Kinderzimmers Interesse zeigte.

Das Kleine würde ein Mädchen werden. Henrik nannte es schon jetzt seine kleine Püppi, die nach seiner Mutter Irene heißen sollte. Seiner Frau schien der Name des Kindes egal zu sein. Sie hatte mit sich selbst zu tun und beklagte häufig genug, dass sie von Tag zu Tag dicker wurde und ihrer Meinung nach wie ein Walross aussehen würde.

*

Die kleine Püppi kam pünktlich an einem sonnigen Tag Mitte Oktober und ohne großes Trara zur Welt. Sie wog 3580 Gramm, war 51 cm lang und kerngesund. Henrik hätte sie immerzu anschauen können, ganz im Gegensatz zu seiner Frau, die ihrer Tochter nur mäßiges Interesse entgegenbrachte.

»Ich glaube, du freust dich gar nicht so recht über unser Kind«, stellte er an diesem Nachmittag kurz vor Weihnachten fest, als sie die Kleine gestillt und anschließend ihm übergeben hatte, damit er sie neu windelte und in die Wiege legte. So wie immer.

»Natürlich freue ich mich, dass sie gesund und ziemlich pflegeleicht ist«, gab Evelin nachlässig zu. »Andererseits weiß ich nicht viel mit ihr anzufangen. Vielleicht ändert sich das, wenn sie etwas älter ist.«

Er sagte nichts dazu, sondern wandte sich enttäuscht ab, um einige Arbeiten in der Küche zu erledigen. Seine Frau kümmerte sich um den Haushalt kaum noch, sondern telefonierte viel mit ihrer Mutter und diversen Freundinnen. Oder sie ging einkaufen und gab dann viel Geld für ihre persönlichen Bedürfnisse aus. So war sie früher nicht gewesen. Das Kind konnte sie offenbar nicht lieben, es war für sie nur eine lästige Nebensache.

Zu Weihnachten kamen ihre Eltern zu Besuch, die das kleine Mädchen jedoch kaum beachteten, ihn und seine Großmutter ebenfalls nicht. Sie sprachen fast nur über ihre Arbeit in einer radiologischen Klinik und über ihre Vorstellungen, im Rentenalter nach Mallorca oder Gran Canaria zu ziehen, um dort bei ständig schönem Wetter ihren Lebensabend zu genießen.

Henrik war froh, als sie am zweiten Feiertag abreisten.

Evelin freute sich nicht, sie bedauerte die Abreise der Eltern zutiefst und hätte sie wohl begleitet, wenn sie die Kleine nicht noch hätte stillen müssen.

»Aber im Frühjahr besuche ich euch«, versprach sie ihnen, worauf Frau und Herr Doktor Lanzkow zustimmend nickten und ihrer Einzigen tröstend über die Wange strichen.

Der Abschied von Schwiegersohn und Enkelkind fiel wesentlich kühler aus.

Henrik schwieg verbissen und hoffte immer noch, seine Frau würde ihr Kind allmählich wenigstens ein bisschen gernhaben – und in ihm nicht nur eine Art Bruder sehen.

Doch die Monate vergingen. Und es änderte sich nichts – gar nichts. Seine Frau war nach wie vor viel unterwegs und flog Anfang März tatsächlich für drei Wochen zu ihren Eltern – und kam neu eingekleidet und überaus gut gelaunt zurück. Sie hatte sogar daran gedacht, ihrem Mann ein teures Rasierwasser und ihrem Kind ein Kuscheltier mitzubringen.

Diese Geste hätte ihn eigentlich freuen sollen, machte ihn jedoch nur misstrauisch. Auf diesbezügliche Fragen bekam er von der Mutter seines Kindes aber keine Antwort.

*

»Oma hat am nächsten Samstag Geburtstag. Sie wird fünfundsiebzig und möchte ein bisschen mit uns feiern. Was wollen wir ihr schenken? Hast du eine Idee?« Henrik schaute seine Frau fragend an, doch die antwortete nur nüchtern: »Ich weiß es nicht, aber dir wird schon etwas Passendes einfallen, du kennst sie ja schließlich viel besser als ich.«

»Na gut, ich denke, sie wird sich über einen Präsentkorb und eine Orchidee sehr freuen.«

»Dann besorge alles. Ich habe übrigens keine Zeit, du musst allein hinfahren, nimm aber die Kleine mit. Deine Großmutter hängt ja so an ihr. Und ihr drei habt dann einen vergnügten Nachmittag.«

»Ja, sie hängt sehr an Reni, viel mehr als deine Eltern«, bestätigte er in frostigem Ton. »Die haben das Kind ja auch erst ein Mal gesehen.«

»Mit kleinen Kindern haben sie es nicht so. Das weißt du doch.«

»Genauso wenig wie du. Warum hast du eigentlich keine Zeit, mit uns zu Oma zu fahren?«

»Ich habe in der nächsten Woche ein Gespräch mit Professor Höllriegel und muss mich intensiv darauf vorbereiten. Schließlich will ich in Kürze wieder arbeiten gehen. Und deshalb ist es mir ganz lieb, wenn du die Kleine mitnimmst. Ihr Geschrei lenkt mich nur ab.«

»In Ordnung.« Er stand auf, verließ das Wohnzimmer und ging zu seiner Tochter, die gerade ihren Mittagsschlaf beendet hatte. Seine Frau begleitete ihn nicht. Das tat sie nur selten und behauptete mitunter sogar, er wäre die ›bessere Mutter‹.

Vermutlich war er das auch, und er fragte sich, ob er immer so leben wollte und leben konnte. Seine Frau, die er in den ersten Jahren so sehr geliebt hatte, war ihm fremd geworden. Die Nächte voller Liebesglut und Sinnlichkeit konnte er allerdings nicht vergessen. Und ganz tief in seinem Innern hoffte er immer noch, Evelin würde wieder so werden, wie sie zu Anfang ihrer Ehe gewesen war.

Die Hoffnung war jedoch vergebens. Das stellte er mit jedem Tag mehr fest. Und dieser Zustand war kaum noch zu ertragen.

Vielleicht sollte er sich scheiden lassen und sich eine andere Frau suchen, eine häusliche und liebevolle Frau.

Daran gedacht hatte er schon öfter, dieses Thema jedoch nie angesprochen – wegen Reni. Die Kleine war inzwischen diejenige, die seinem Dasein einen Sinn gab. Und wenn es zur Scheidung kam, dann durfte er sie vielleicht doch nicht behalten.

Dieser Ansicht war auch seine Großmutter, als sie diese anlässlich ihres Ehrentages besuchten. Die alte Frau stellte nämlich betrübt fest: »Nur gut, dass du die Reni hast. Die macht dir wenigstens noch Freude, während ihre Mutter ganz andere Sachen im Kopf hat. Dabei war sie früher so ein liebes und aufmerksames Mädchen.«

»Ja, seit dem sie ihren Doktor gemacht hat, schwebt sie nur noch in höheren Regionen und stellt sich vor, baldmöglichst die kaufmännische Leitung einer großen Firma, einer Kureinrichtung oder eines besser bezahlten Lehrstuhles übernehmen zu können. Sie denkt nur noch an sich und an ihre Karriere. So habe ich mir meine Ehe nicht vorgestellt.«

»Sie hätte besser kein Kind haben sollen.«

»Sie wollte ja auch keines, aber irgendwann hat es mit der Verhütung nicht geklappt.« Henrik lächelte spöttisch und ging dann zu einem anderen Thema über, was ziemlich leicht war, denn die kleine Irene war inzwischen sieben Monate alt und krabbelte schon munter durch die Wohnung ihrer Urgroßmutter.

Gegen 17 Uhr begann das kleine Mädchen jedoch zu nörgeln. Offenbar müde und hungrig wollte es nur noch nach Hause. So verabschiedete sich Henrik von seiner Oma und versprach, bald wiederzukommen.

*

Seine Frau war natürlich nicht daheim, obwohl sie gerade diesen Nachmittag hatte nutzen wollen, um sich auf das Gespräch mit Professor Höllriegel vorzubereiten. Wahrscheinlich war sie schon wieder shoppen gegangen. Und das jetzt, da ihnen weniger Geld zur Verfügung stand. Nun, wahrscheinlich hatten ihre Eltern ihr wieder einmal ausgeholfen.

Leise seufzend machte er dem Kind das Abendessen zurecht, fütterte es anschließend und brachte es dann zu Bett, wo ihm sofort die Augen zufielen.

Inzwischen war mehr als eine Stunde vergangen, seine Frau aber immer noch nicht von ihrer Einkaufstour zurück. Nun gut, wenn sie meinte, dass sie das unbedingt brauchte, dann musste sie tun, was sie nicht lassen konnte. Es war ihm mittlerweile egal.

Aber irgendetwas war anders als sonst. Er dachte einige Sekunden nach, dann fiel ihm ein, dass das Bad vorhin so leer gewirkt hatte. Plötzlich Schlimmes ahnend, öffnete er die Tür und stellte nach kurzem Rundumblick fest, dass Evelins Kosmetik und ihr Waschzeug einschließlich Zahnbürste fehlten.

Sie ist ausgezogen, sie hat uns beide verlassen! Mehr konnte er zuerst nicht denken.

Eine Inspektion ihres Kleiderschrankes bestätigte diese Vermutung. Der Schrank war nämlich leer, ihr Schreibtisch ebenfalls. Auf letzterem lag ein einfacher weißer Briefumschlag, auf dem lediglich sein Name stand.

Er öffnete ihn mit zitternden Händen und las dann:

Lieber Henrik,

ich kann so nicht weiterleben, so zwischen Babygeschrei, Haushaltskram und Kleinstadtmief. Durch Papas Vermittlung habe ich eine prima Stellung in München bekommen und kann diese sofort antreten. Mir ist auch klar geworden, dass wir beide auf Dauer nicht zueinanderpassen. Deshalb bitte ich Dich, in die Scheidung einzuwilligen. Lass uns als Freunde auseinandergehen. Die Kleine überlasse ich Dir, das heißt, du bekommst das alleinige Sorgerecht. Und ich werde selbstverständlich die Alimente zahlen; ich habe mich bereits beim Jugendamt erkundigt und werde dorthin so bald wie möglich eine Verdienstbescheinigung schicken. Dort wird man dich auch beraten und unterstützen. Das hat man mir zugesagt. Ich werde Euch natürlich besuchen, wenn es meine Zeit erlaubt.

Alles Gute für Dich und Irene von Evelin.

P.S. Du wirst bald ein Schreiben von meinem Anwalt bekommen.

So sah also das Ende seiner Ehe aus. Henrik legte den Brief mit zitternder Hand wieder auf den Schreibtisch und setzte sich auf den Stuhl, der davorstand. Den Kopf verzweifelt in beide Hände stützend saß er lange da und wusste zuerst einmal nicht, wie es mit ihm und dem Kind weitergehen sollte.

Seine Frau hatte ihn verlassen, ohne mit ihm über ihre Absichten zu reden, ohne an das Kind zu denken. Aber so war sie eben! Oder so war sie im Laufe der letzten Jahre geworden. Früher hatte er über ihre spontanen Einfälle meist gelacht, das hier war jedoch nicht zum Lachen. Es war eine Tragödie.

Nach einer fast schlaflosen Nacht gestand er sich ein, die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen zu haben. Evelin würde nie eine liebevolle Mutter werden, wie er insgeheim doch noch gehofft hatte, auch im Laufe der nächsten Jahre nicht. Ihm blieb jetzt nur noch übrig, sich so schnell wie möglich auf die neue Situation einzustellen. Aber wie?

Einen Kita-Platz bekam er erst zum nächsten Jahr, die bezahlte Freistellung von der Arbeit, die sogenannte Vaterzeit erst ab Oktober. Also noch mehr als fünf Monate, für die er niemanden hatte, der sich um Reni kümmerte. Aber er musste jetzt eine Lösung finden und zwar unverzüglich.

Nun, vielleicht konnte er zunächst ein oder zwei Wochen Urlaub bekommen. Und in dieser Zeit musste es ihm gelingen, für Reni eine private Pflegerin zu engagieren oder eine geeignete Tagesmutter zu finden.

Er wusste zwar nicht, wie er diese bezahlen sollte. Aber es gab ja bekanntlich für alles eine Antwort. Und wo ein Wille war, da war auch ein Weg.

Sein Arbeitgeber war verständnisvoller, als er geglaubt hatte. Er gewährte ihm Urlaub und war sogar damit einverstanden, dass er danach seine ohnehin geplante Freistellung schon jetzt in Anspruch nahm. Damit war zumindest für die nächsten drei Monate das Kind gut versorgt, und er hatte wesentlich mehr Zeit, eine geeignete Tagesmutter zu finden.

Und so begann für Henrik Hollstein eine schwere, aber nicht direkt unglückliche Zeit, auch wenn sein monatliches Einkommen schmal war und er auf vieles verzichten musste.

Die kleine Reni bemerkte das Fehlen ihrer Mutter nicht. Sie war genauso zufrieden wie zuvor, denn sie hatte ja ihren Papa. Und manchmal auch die Uroma, die trotz ihres fortgeschrittenen Alters den beiden half, so gut sie es eben noch vermochte. Sie kaufte Anziehsachen und Windeln und lud die beiden mitunter zum Essen ein. Diese Unterstützung war auch bitter nötig.

Renis Mutter schien nämlich vollkommen vergessen zu haben, dass sie den Unterhalt für ihr Kind zu zahlen hatte. Sie war telefonisch auch nur selten zu erreichen. Und wenn es Henrik doch mal gelang, dann versprach sie zwar hoch und heilig, ihren Verpflichtungen umgehend nachzukommen, tat es aber nicht. Anrufe bei ihren Eltern waren ebenfalls zwecklos. Die beiden gaben vor, sich nicht in die Angelegenheiten ihrer Tochter mischen zu wollen. Und so blieb Henrik nichts anderes übrig, als diesen Tatbestand dem Jugendamt mitzuteilen. Ob die Damen und Herren dieser Behörde mehr Erfolg zu verzeichnen haben würden, war allerdings fraglich.

So vergingen die nächsten Monate, in denen Evelin schließlich eher unfreiwillig und auch nicht pünktlich die Alimente zahlte. Nach ihrem Kind fragte sie jedoch nur selten.

*

Mehr als drei Jahre hatte Gitta Wenzel ihren nach einem Sportunfall gehbehinderten Freund gepflegt, hatte für ihn gesorgt, hatte ihn zu den entsprechenden Ärzten und Therapeuten gefahren, hatte ihre Freizeit, ihren Urlaub und viel Geld geopfert, ihm immer wieder Mut gemacht und hatte mit ihm gelitten und sich über den kleinsten Erfolg mit ihm gefreut.

Inzwischen war Reinhard Wagner so gut wie gesund – und hatte bei seinem letzten Kuraufenthalt eine andere Frau kennengelernt. Und diese Frau wollte er heiraten. Und sie, Gitta, war ihm wohl nicht mehr gut genug und hübsch genug. Und damit vollkommen überflüssig! Sie hatte so schnell wie möglich aus seiner Wohnung auszuziehen und aus seinem Leben zu verschwinden. So einfach war das.

Nein, es war gar nicht einfach. Es war beinahe eine Katastrophe! Sie hatte nämlich selbst so gut wie nichts, was Möbel und Hausrat anbelangte, weil sie damals bei ihm in eine komplett eingerichtete Wohnung gezogen war. Sie hatte auch nur wenig sparen können, da sie die Miete zur Hälfte getragen und ihn während seiner langen Krankheit finanziell unterstützt hatte.

Doch das interessierte den in eine andere leidenschaftlich verliebten Reinhard nicht.

Er sah daher emotionslos zu, wie sie ihre bescheidene Habe in drei große Koffer packte und anschließend seine Wohnung verließ.

Nachdem ihre Freundin Elsie sie zwei Wochen bei sich aufgenommen hatte, war es möglich, eine billige Wohnung zu mieten, zwei kleine Zimmer, ein winziges Bad und eine ebenso winzige Küche. Und das alles auf einem Hinterhof mit Blick auf die Mülltonnen. Aber so war sie zumindest nicht obdachlos. Bett, Schrank, Tisch und Stühle kaufte sie sich in einem Billigladen, ihre Eltern spendierten eine Waschmaschine und die Oma einen kleinen Kühlschrank. Ihr Vater und ihr älterer Bruder klebten Tapeten und schlossen die Haushaltsgeräte an.

Damit war der Anfang gemacht, ein sehr bescheidener Anfang. Aber Gitta genügte er. Mit diesem fand sie sich ab, nicht aber mit der Tatsache, von Reinhard Wagner jahrelang ausgenutzt und dann kaltlächelnd abgeschoben worden zu sein. Von nun an vergrub sie sich in ihre Arbeit als Steuerfachangestellte und sparte, wo sie nur konnte, auch am Essen. Sie hatte ja ohnehin kaum noch Appetit, seitdem sie ihren Lebensinhalt verloren hatte.

Sie hoffte jedoch, diesen ›Lebensinhalt‹ nie wiederzusehen. Die Chancen dafür waren gut, denn seine angehende Ehefrau oder sein Kurschatten hatte ihm eine Stellung in Hamburg vermittelt, was einen baldigen Umzug erforderlich machte.

Als Gitta durch eine Bekannte davon erfuhr, war sie mehr als erleichtert. So brauchte sie nicht mehr zu befürchten, ihm zufällig zu begegnen – und sein selbstgefälliges Lächeln zu sehen.

*

Henrik Hollstein hatte ebenfalls erleichtert aufgeatmet, als er ganz überraschend bereits ab Oktober einen Platz für Reni in einer nahegelegenen Tagesstätte bekam. Er war ja sozusagen auch ein sehr dringender Fall. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen hatte er die Kleine inzwischen daran gewöhnt, dass sie ihren Vater einige Stunden nicht sehen konnte. Dafür war die Freude am Abend umso größer. Und an den Wochenenden sowieso.

An diesem Samstag hatten sie zuerst die Oma besucht, hatten dort zu Mittag gegessen – Schweinebraten mit Rotkohl und Kartoffeln, und für Reni Milchreis mit Kompott. Danach hatten die Kleine und die Oma ihren Mittagsschlaf gehalten, während Henrik zum Supermarkt gefahren war und eingekauft hatte.

Gegen 17 Uhr kamen sie wieder zu Hause an. Henrik hob die Kleine aus ihrem Kindersitz, verfrachtete sie dann in ihren Wagen und stellte die Tasche mit den Einkäufen in den Korb darunter. So fuhren sie die letzten Meter bis zu ihrer Haustür. Unterdessen war das Wetter erheblich schlechter geworden. Ein eisig kalter Wind fegte durch die Straßen und wirbelte das heruntergefallene Laub der Bäume auf. Vor ihnen ging eine Frau, eine kleine dünne Frau, die offensichtlich Mühe hatte, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Leicht schwankend blieb sie jetzt erschöpft vor der großen hohen Hauseingangstür stehen, von der man sowohl das Vorderhaus als auch das Hinterhaus erreichen konnte. Sie suchte in ihrer Handtasche offenbar nach dem Schlüssel, konnte ihn aber nicht finden.

Typisch Frau, dachte Henrik. Laut sagte er jedoch, nachdem er sie forschend gemustert hatte: »Ist Ihnen nicht gut?«

»Doch, es geht mir gut«, erwiderte sie mit matter Stimme. »Ich habe nur einen langen Arbeitstag hinter mir und bin sehr müde.«

Dass sie seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte, verschwieg sie.

Natürlich gab es auch Menschen, die am Samstag arbeiten mussten. Henrik verkniff sich daher eine diesbezügliche Äußerung, außerdem hatte er die Frau inzwischen erkannt. So weit er wusste, hatte sie eine der Wohnungen im Hinterhaus gemietet und lebte dort mutterseelenallein. Und sie hieß Gitta Wenzel.

Weil sie noch immer nach ihrem Schlüssel suchte und diesen nicht fand, schloss er die Tür auf, schob seinen Arm unter den ihren und gleichzeitig den Kinderwagen. So gelangten sie in den breiten Gang, der die Verbindung vom Vorderhaus zum Hinterhaus darstellte.

In diesem Augenblick knurrte Gittas Magen so laut, dass Renis Vater es nicht überhören konnte. Unwillkürlich fragte er: »Wann haben Sie das letzte Mal etwas gegessen?«

Sie antwortete nicht, sondern taumelte in Richtung Hinterhof, fiel hin und blieb liegen.

Henrik folgte ihr erschrocken, kniete neben ihr nieder und stellte fest, dass sie zwar nicht ohnmächtig, aber wohl doch am Ende ihrer Kräfte war.

Sie versuchte aufzustehen, was ihr mit seiner Hilfe dann auch gelang. Und sie schüttelte den Kopf, als er vorsichtig fragte: »Haben Sie jemanden, der sich jetzt um Sie kümmert?«

»Dann kommen Sie erst einmal mit zu mir«, bestimmte er nachdrücklich. »Ich heiße Henrik Hollstein und wohne hier schon seit Jahren. Sie brauchen keine Angst zu haben.«

»Aber – das geht doch – nicht«, flüsterte sie, worauf er ihren Arm nahm und sie zu seiner Wohnungstür führte.

Dabei sagte er aufmunternd: »Doch, es geht. Und nun zieren Sie sich nicht länger. Meine Tochter wird nämlich allmählich ungeduldig, und Sie brauchen ein bisschen Pflege.«

Kurz darauf befanden sie sich in seinem Wohnzimmer, wo Gitta sich auf die Couch setzen konnte. Er selbst hatte Reni inzwischen aus dem Kinderwagen genommen und befreite sie von Anorak, Mütze, Handschuhen und Stiefelchen. Dabei krähte die Kleine vergnügt. Sie war auch zufrieden, als er sie in das Laufgitter setzte und ihr einen Zwieback in die Patschhand drückte.

»So, nun sind Sie dran«, sagte er danach zu Gitta. »Möchten Sie Tee oder Kaffee und vielleicht auch ein belegtes Brötchen?«

»Nein, nichts dergleichen. Höchstens ein Glas Wasser und einen Zwieback.«

»Etwas Warmes wäre aber besser. Das sagt meine Oma auch immer.«

»Nein, das andere reicht schon«, wehrte sie leise ab. »Außerdem wird Ihre Frau nicht erfreut sein, wenn sie mich hier sieht.«

»Ich habe keine Frau mehr, wir leben getrennt und werden uns bald scheiden lassen«, gab er in nüchternem Ton zurück.

»Und die Kleine?«

»Die wird bei mir bleiben. Also, was soll ich kochen?«

»Wenn Sie Kräutertee haben …«

»Habe ich.« Henrik hatte Gitta inzwischen mit einer warmen Decke versorgt und ging anschließend zur Küche, wo er eine Kanne Tee aufbrühte, die gerade erst gekauften Brötchen mit Butter bestrich und mit Aufschnitt belegte.

Die junge Frau machte sich unterdessen heftige Vorwürfe. Um schnell zu etwas mehr Geld zu kommen, damit sie sich endlich Wohnzimmermöbel kaufen konnte, hatte sie einen Nebenjob angenommen, putzte nun an jedem Samstag die Wohnungen von zwei alten und ziemlich mäkligen Damen und hielt ihren übrigen Lebensunterhalt sowie die Heizung in ihrer Wohnung auf Sparflamme.

Die Quittung für diesen körperlichen Raubbau hatte sie heute bekommen. Bei diesen Gedanken liefen ihr die Tränen über die Wangen.

»So, nun essen und trinken Sie erst einmal etwas.« Henrik schien ihre verweinten Augen nicht zu sehen. Er stellte das Tablett mit Tee und Imbiss auf den Tisch und setzte dann erklärend hinzu: »Ich bin in der Küche und versorge meine Tochter. Wenn Sie etwas brauchen sollten, müssen Sie rufen.«

Sie nickte nur, trank dann in kleinen Schlucken die Tasse Tee zur Hälfte leer und aß ein Brötchen ganz langsam auf. Ach, war das gut. Und warm war es hier auch.

Sie schloss die Augen und dachte noch: Nur für eine kleine Weile, dann sank sie zur Seite.

Als Henrik zwanzig Minuten später nach ihr sah, schlief sie so fest, dass sie ihn gar nicht hörte. Sie bemerkte auch nicht, dass er die Decke über sie breitete, das Tablett nahm und anschließend den Raum wieder verließ.

*

Als sie erwachte, war es bereits nach zwanzig Uhr. Verstört blickte sie um sich, sah im Schein einer kleinen Wandleuchte eine fremde Umgebung und begriff erst allmählich, dass sie gar nicht zu Hause war, sondern bei einem Mann, der Henrik Hollstein hieß und ein kleines Kind hatte. Er schien nett und fürsorglich zu sein, hatte nicht viel gefragt, sondern ihr einfach nur geholfen.

Doch wo war er jetzt?

Sie erhob sich und folgte dem Lichtschein, der sie zur Küche führte. Und dort stand er am Tisch, faltete Wäsche zusammen und legte diese in eine Plastikwanne.

»Es geht mir wieder besser«, begann sie zaghaft, während sie in der geöffneten Tür stehen blieb. »Vielen Dank, Herr Hollstein, dass Sie mir geholfen haben. Ich werde mich gern revanchieren, falls Sie mal Hilfe brauchen sollten.«

Er lächelte nachsichtig. Diese kleine magere Frau hatte mit sich selbst zu tun, aber direkt abweisen wollte er sie auch nicht. Und deshalb antwortete er: »Es könnte schon mal passieren, dass ich jemanden brauche. Ein alleinstehender Vater hat es auch nicht so leicht.«

»Nein, bestimmt nicht.« Sie ging zur Garderobe, wo ihre Jacke hing und ihre Schuhe standen, zog sich an, nahm ihre Handtasche, wünschte ihm noch einen schönen Abend und wandte sich zur Tür.

»Warten Sie, ich bringe Sie nach Hause.« Er warf sich eine Jacke über, während sie protestierte: »Ich kann doch allein gehen, bleiben Sie lieber bei Ihrem Kind.«

»Reni schläft schon längst und wird mich in diesen paar Minuten nicht vermissen.«

Gitta sagte nun nichts mehr. Sie ließ sich von ihm bis zu ihrer Wohnungstür bringen und bedankte sich erneut.

»Schon gut«, erwiderte er und dachte: Vielleicht brauche ich sie wirklich einmal, auch wenn ich mir das jetzt noch nicht vorstellen kann.

Und sie fragte sich, warum die Eltern des kleinen Mädchens sich wohl getrennt hatten – und warum das Kind nicht bei der Mutter aufwuchs.

*

In der Vorweihnachtszeit hatte Gitta zumindest so viel Geld beisammen, dass sie ihren Nebenjob wieder aufgeben und sich Couch und Sessel sowie einen dazu passenden Tisch kaufen konnte. Es gab ja auch preiswerte Modelle. Mit vor Freude geröteten Wangen verfolgte sie zuerst die Arbeit der Möbelträger und machte sich anschließend auf den Weg, um sich, was sehr selten vorkam, etwas Kuchen zu kaufen.

Unterwegs traf sie Henrik Hollstein, der offenbar auch zum Bäcker gehen wollte. Seine Tochter im Wagen vor sich her schiebend, grüßte er die Nachbarin und stellte dann lächelnd fest: »Sie haben sich gut erholt. Das freut mich.«

»Ja, es geht mir schon viel besser. Ich muss samstags nun nicht mehr arbeiten. Das war wohl doch zu viel für mich. Und heute habe ich endlich meine – neuen – Wohnzimmermöbel bekommen. Das ist ein Grund zum Feiern. Möchten Sie vielleicht mitkommen und bei mir Kaffee trinken? Ich habe auch Milch für die Kleine.«

Er lächelte und fragte sein Kind: »Na, Reni, was meinst du, wollen wir die Tante besuchen?«

Die Kleine gab ein paar unverständliche Laute von sich, und da sie inzwischen vor dem Backwarenladen angekommen waren, kaufte Gitta Kuchen und Brot, Henrik ungefähr das gleiche.

»Es ist hier bei mir noch nicht alles so, wie es sein soll«, entschuldigte sich Gitta ein wenig verlegen, nachdem sie bei Kaffee und Kuchen saßen. »Ich hatte noch nie einen eigenen Haushalt und muss mir noch viel besorgen.«

Henrik, der seine Tochter auf dem Schoß zu sitzen hatte, schaute sie daraufhin so erstaunt an, dass sie in bitterem Tonfall hinzufügte: »Das wundert Sie, nicht wahr? Ich bin Ende zwanzig, verdiene mein Geld und habe es dennoch bisher nicht geschafft, mir Möbel zu kaufen.«

»Sie haben sicher noch bei Ihren Eltern gewohnt.«

»Nein, bei meinem Freund. Er war lange krank, und ich habe für ihn gesorgt und ihn gepflegt, bis er dann …«

Als sie nicht weitersprach, vollendete er teilnahmsvoll: »Und dann ist er gestorben.«

»Aber nein. Als er wieder gesund war, hat er mich gebeten, möglichst schnell auszuziehen, weil er eine andere kennengelernt hat, die er nun für immer und alle Zeit lieben würde. Doch das ist nun schon eine Weile her, und ich habe mich damit abgefunden.«

»Dann sind wir ja Leidensgenossen«, erwiderte er verhalten. »Ich habe auch versucht, meiner Frau das Leben an meiner Seite leicht zu machen. Aber das hat ihr nicht gereicht. Familie ist nichts für sie. Eines Tages war sie weg. Da war Reni erst ein paar Monate alt.«

»Und es hat ihr nichts ausgemacht, ihr Kind zu verlassen?«

»Nein, anscheinend nicht. Sie wollte auch nie ein Kind, was ich allerdings nicht besonders ernst genommen habe. Ich dachte, sie ändert sich, wenn das Kleine erst da ist –, und wird es dann auch lieb haben. Aber so war es leider nicht.«

»Vielleicht haben wir es zu gut gemeint.«

»Ja, vielleicht«, bestätigte Henrik und fragte dann: »Darf ich Reni auf den Teppich setzen? Ich glaube, sie möchte sich ein bisschen bewegen.«

»Ja, tun Sie das nur. Sonst wird ihr noch langweilig.«

Er stellte die Kleine nun auf ihre noch ziemlich wackligen Beine, Reni tat an seinen Händen ein paar Schritte und erkundete anschließend auf allen vieren die ungewohnte Umgebung. Damit war sie eine Weile vollauf beschäftigt, bis sie zu Gitta krabbelte und sich an ihrem Hosenbein hochzog. Dabei quietschte sie vergnügt.

»Darf ich sie mal nehmen?« Die junge Frau schaute Henrik bittend an.

»Sie können es ja versuchen. Reni hat so ihre Eigenheiten und geht nicht zu jedem. Aber sie scheint Sie zu mögen.« Er wies lachend auf sein Töchterchen, das jetzt seinen Kopf an die Brust der Tante legte und überaus zufrieden aussah.

»Ja, ich glaube, wir werden noch gute Freunde.« Gitta sah lächelnd auf die Kleine, und Henrik dachte: Sie ist nicht so hübsch wie Evelin, ist aber viel mütterlicher und fürsorglicher. Na, mal sehen, was draus wird. Vielleicht sehen wir uns von nun an öfter.

Und da Gitta Wenzel ähnliche Gedanken hegte, kamen sie sich tatsächlich langsam näher, duzten sich irgendwann und waren doch zurückhaltend. Beide fürchteten sich vor einer erneuten Enttäuschung.

*

Gitta verbrachte Weihnachten, Silvester und Neujahr bei ihren Eltern – und wäre doch am liebsten bereits nach zwei Tagen wieder nach Hause gefahren, dorthin, wo ein einsamer Mann mit einem kleinen Mädchen vielleicht auf sie wartete. Aber sie wollte sich nicht aufdrängen. Und vielleicht versöhnte sich Henrik Hollstein auch wieder mit seiner Ehefrau, vielleicht hatte diese doch Sehnsucht nach ihrem Kind.

An beides war selbstverständlich gar nicht zu denken. Evelin schickte lediglich ein Päckchen mit den üblichen Weihnachts- und Neujahrsgrüßen und einem Strickanzug, der Reni schon viel zu klein war. Henrik schüttelte darüber nur verärgert den Kopf und schenkte den Babyanzug einer alleinerziehenden Mutter, die ein vier Monate altes Kind hatte.

Er holte die Oma für ein paar Tage zu sich, die ihm das Kochen abnahm und Plätzchen gebacken hatte. Er selbst hatte – mit Renis ›Hilfe‹ – den Tannenbaum geschmückt und fühlte sich alles in allem recht wohl. Seine Frau vermisste er nicht mehr, wohl aber Gitta Wenzel. Irgendwie hatte sie sich mit ihrer stillen und bescheidenen Art in sein Herz und das seiner Tochter geschlichen.

Am zweiten Januar beendete die Oma ihren Besuch, um sich, wie Henrik mit gutmütigem Spott erklärte, ihrer verwöhnten Katze zu widmen, die während der Feiertage von einer Nachbarin betreut worden war.

Nachdem er die Großmutter zu ihrer Wohnung gebracht hatte, spürte er die Einsamkeit wie etwas Bedrückendes, bis Gitta sich einen Tag später telefonisch meldete und ihnen ein schönes neues Jahr wünschte. Und dann sagte sie noch, dass sie wieder daheim wäre.

»Wir wünschen dir auch alles Gute für das neue Jahr«, antwortete Henrik erfreut. »Magst du vielleicht herkommen, mit Reni ein bisschen schmusen und mit mir ein Glas Glühwein trinken?«

»Ja, gern«, entgegnete sie und versprach, in wenigen Minuten bei ihnen vor der Tür zu stehen.

Und als sie schließlich vor ihm stand, mit Schneeflocken im braunen Haar und strahlenden Augen, fand er sie niedlicher als je zuvor, legte einen Arm um ihre Schultern, drückte sie kurz an sich und küsste sie auf die Wange.

»Was hast du denn da?«, erkundigte er sich anschließend und deutete auf den kleinen, mit buntem Papier eingepackten und mit roter Schleife versehenen Karton, den sie in der Hand hielt.

»Da ist etwas für Reni zum Spielen drin.«

»Du sollst uns doch nichts schenken.«

»Es ist ja auch nicht viel.« Gitta hatte unterdessen mit Henrik zusammen das Wohnzimmer betreten, wo die Kleine in ihrem Laufgitter saß und an einem abwaschbaren Bilderbuch knabberte. Beim Anblick der Tante stand sie sofort auf und wollte auf den Arm genommen werden.

Gitta tat ihr den Gefallen und setzte sich mit ihr auf die Couch, wo Reni dann die Schachtel auspacken durfte. Die bunte Raupe aus Stoff schien ihr zu gefallen. Sie plapperte jedenfalls aufgeregt. Und da sie bereits laufen konnte, stolzierte sie mit dem Spielzeug in der Hand im Zimmer herum und setzte sich schließlich auf den Teppich, um es genauer zu untersuchen.

Henrik hatte inzwischen Glühwein gekocht und diesen in zwei Gläser gefüllt. Und während das Kind mit der Raupe spielte, saßen die Erwachsenen beieinander, tranken den Wein und meinten bei sich, dass es schon lange nicht mehr so harmonisch in ihrem Leben gewesen war. Es war fast so, als würden sie zusammengehören.

Die kleine Irene schien jedenfalls dieser Meinung zu sein. Für sie war Gitta Wenzel der Ersatz für die Mutter. Das erste Wort, das sie sprach, war zwar ›Papa‹, das zweite jedoch ›Itta‹. Und damit meinte sie die Tante, die sie mitunter von der Kindertagesstätte abholte, sie fütterte und neu windelte, die mit ihr spielte und immer da war, wenn der Papa keine Zeit für sein Kind hatte.

So vergingen die nächsten Monate. Henrik wurde während dieser Zeit von seiner Frau geschieden. Bei der Gelegenheit besuchte sie ihn und das Kind für einige Stunden, um alles Notwendige zu besprechen, und überließ ihm großzügig die Möbel, den Hausrat und das Kind sowieso.

Und damit war dieses Kapitel seines Lebens wohl als beendet anzusehen. Er selbst wusste nicht, ob er aufatmen oder sich Vorwürfe machen sollte. Vielleicht hätte er um seine Frau kämpfen sollen. Sie hatten ja auch gute Zeiten miteinander erlebt. Aber sie wollte ihn wohl nicht mehr.

*

»Wir machen wie in jedem Jahr eine große Ausstellung mit Orchideen, Kakteen und anderen tropischen und subtropischen Gewächsen. Da muss ich am kommenden Wochenende arbeiten …« Henrik, der an diesem Abend mit Gitta auf dem Balkon seiner Wohnung saß, vollendete den Satz nicht, sah sie nur treuherzig und bittend zugleich an.

Sie es war, die nun ergänzend feststellte: »Du hast niemanden, der sich um Reni kümmert, nicht wahr?«

»Nein.« Er schüttelte den Kopf. »Meine Oma ist zu alt, um den kleinen Wirbelwind so lange betreuen zu können. Sie ist dieser Verantwortung nicht mehr gewachsen. Könntest du vielleicht …?«

»Ja, ich könnte schon, befürchte aber, dass sich die Kleine zu sehr an mich gewöhnt.«

»Das ist doch schon längst passiert«, widersprach er ziemlich gereizt. »Nimmst du sie nun oder nicht?«

Er war nervös und dachte an seine Arbeit, die er so gut wie möglich machen wollte, was Gitta gut verstehen konnte.

»Natürlich nehme ich sie, das mache ich doch immer, wenn ich nicht anderweitig gebraucht werde.«

»Na, Gott sei Dank. Ich dachte schon, ich müsste mir woanders einen Babysitter suchen.«

Babysitter?? Etwas anderes war sie offenbar nicht für ihn und würde es wohl auch niemals sein. Nun, sie war ja auch nicht so attraktiv wie seine Ex-Frau, die sie kurz nach seiner Scheidung einmal gesehen hatte. Es war verständlich, dass er ihr noch immer nachtrauerte, auch wenn er nie über sie sprach. Sicher war er enttäuscht, dass sie keine Liebe für ihn und das Kind empfinden konnte, aber er sehnte sich bestimmt noch nach ihr und war daher für keine neue Beziehung bereit, schon gar nicht mit ihr, einer flachbrüstigen und eher unscheinbaren Frau. Es wurde wohl allmählich Zeit, dass sie ging, dass sie sich in einer anderen Stadt eine Stellung suchte und fortzog. Eine andere Stellung?

Sie schüttelte über sich selbst den Kopf. Eine andere Stellung würde nur schwer zu bekommen sein, eine andere Wohnung schon eher.

Aber konnte sie Reni das antun? Die Kleine hatte schon keine Mutter, sollte sie da auch noch die Frau verlieren, die ihr ein wenig mütterliche Wärme gab? Und würde sie selbst es verkraften, Henrik und die Kleine nicht mehr zu sehen?

»Du sagst ja gar nichts mehr.« Henrik blickte sie forschend an. »Ist irgendetwas?«

»Nein, nein«, wehrte sie hastig ab. »Ich überlege gerade, was ich meinem Vater zum Geburtstag schenken kann. Er behauptet ja immer, bereits alles zu haben. Ich glaube, ich muss mich mit Mutti beraten. Und daher werde ich jetzt gehen, damit ich noch heute mit ihr telefonieren kann.«

Gitta stand auf, wünschte ihm einen schönen Abend und sagte dann nur noch: »Du kannst mir Reni dann am Samstag früh herbringen.«

Als sie die Wohnungstür hinter sich geschlossen hatte, ließ sie Henrik verärgert und ein wenig verwirrt zurück. Und er fragte sich, ob er etwas falsch gemacht hatte. Mit der Mutter telefonieren zu müssen, war doch nur eine Ausrede gewesen. Doch so viel er auch nachdachte, er kam nicht darauf.

Ich werde sie fragen, nahm er sich vor, vergaß es dann aber doch. Das Gelingen der Ausstellung erforderte seine ganze Aufmerksamkeit. Er brauchte auch nicht an seine Tochter zu denken, die war ja bei seiner Nachbarin gut aufgehoben.

Am Sonntagabend kam er geschafft, aber sehr zufrieden nach Hause, brachte Wein und Pralinen mit, für einen schönen gemeinsamen Abend. Doch Gitta drückte ihm nur die Kleine samt Windeltasche in den Arm und behauptete, mit ihrer Freundin verabredet zu sein.

Und da er nicht einmal vor sich selbst zugeben wollte, sich auf das Zusammensein mit ihr gefreut zu haben, nickte er nur, bedankte sich mit recht förmlichen Worten und verließ dann mit Reni ihre Wohnung. Was hätte er denn sonst tun können?

Und da aus dem Abend zu zweit nun nichts mehr wurde, kümmerte er sich nur noch um seine Tochter, fütterte und badete sie und brachte sie anschließend zu Bett. Ihm selbst war jeglicher Appetit vergangen. Er setzte sich daher nur noch mit einem Bier vor den Fernseher und schlief dort schließlich ein.

*

Am nächsten Tag hatte er frei, brachte Reni aber doch für einige Stunden zur Tagesstätte, um den längst fälligen Frühjahrsputz zu machen. Er saugte Staub, räumte auf, putzte die Fenster und kaufte im Supermarkt ein. Auf dem Parkplatz begegnete er Gitta, die gerade ihre Tasche in den Fahrradkorb gepackt hatte.

»Na, war es gestern schön bei deiner Freundin?«, erkundigte er sich mit leicht vorwurfsvollem Unterton, den sie jedoch nicht bemerkte oder bemerken wollte.

»Sehr schön. Wir haben uns ziemlich lange nicht gesehen und hatten uns viel zu erzählen.«

»Ach, die Freundin wohnt wohl nicht hier?«

»Doch, sie hat aber beruflich viel um die Ohren, sodass wir uns nur selten sehen können. Gestern wollte sie mich aber unbedingt zum Essen einladen. Doch nun muss ich los, habe noch einen Termin beim Arzt.« Gitta lächelte scheinbar unbekümmert, setzte sich auf ihr Fahrrad und gab Henrik somit keine Gelegenheit zu einer Antwort.

Der sah ihr einige Sekunden verdattert nach. Irgendetwas war falsch. Aber was?

Nachdenklich und verunsichert fuhr er zuerst zur Tagesstätte, wo er seine kleine Püppi abholte, und danach nach Hause, um sich seinen üblichen Tätigkeiten als alleinstehender Mann und Vater zu widmen.

Reni krabbelte derweil auf dem Teppich herum, spielte in der Küche mit Plastikschüsseln und fragte dabei mehrmals weinerlich nach ihrer Itta.

»Die Tante Itta kann heute nicht kommen.« Henrik strich der Kleinen tröstend über das Haar. »Die Tante hat etwas anderes vor. Ich glaube jedoch allmählich, wir sind auf die Dauer zu anstrengend für sie.«

Das Kind war da ganz anderer Ansicht, es begann empört zu weinen und ließ sich nur schwer beruhigen. Es wollte auch trotz Zuredens nicht essen und trinken. Wahrscheinlich spürte es den Frust und die Ratlosigkeit seines Vaters.

Dieser wusste sich schließlich nicht anders zu helfen, als bei Gitta anzurufen und sie zu bitten: »Ich kann mir denken, dass du gerade erst nach Hause gekommen bist, aber kannst du vielleicht doch mal kurz herüberkommen? Reni ist schon lange so unruhig, sie weint, verweigert die Nahrung und fragt ständig nach dir.«

Gitta sagte zunächst einmal gar nichts, Henrik glaubte lediglich, ein leises Seufzen zu hören und wollte sich schon in Erinnerung bringen, als sie in sachlichem Ton versprach: »Ich bin gleich da.«

Danach legte sie auf.

»Tante Itta kommt her. Nun beruhige dich, mein Mauselchen.« Er nahm sein immer noch schluchzendes Töchterchen auf den Arm und wiegte es hin und her, bis an der Wohnungstür geklingelt wurde.

»Ist sie krank?« Gitta hatte Henrik nur flüchtig begrüßt, nachdem er sie hereingebeten hatte. Ihr ging es jetzt nur um Reni, die sie nun forschend betrachtete.

»Nein, ich glaube nicht«, erwiderte der geplagte Vater. »Sie ist nur ziemlich bockig, will dies nicht und will das nicht. Ehrlich, ich weiß nicht mehr, was ich mit ihr machen soll. Ich kann sie doch nicht ohne Essen und Trinken zu Bett bringen.«

»Renimaus, was hast du denn?« Gitta nahm ihn die Kleine ab, die daraufhin sofort friedfertiger wurde und sogar ein bisschen lachte. »Wollen wir beide zusammen etwas essen? Oder Milch trinken?«

»Ja«, stimmte das Kind zögerlich zu und aß dann auch tatsächlich eine kleine Schnitte Weißbrot mit Butter, trank einen Becher Milch und verlangte anschließend kategorisch, dass die Itta sie ins Bett bringen sollte.

Nachdem das geschehen war, Stoffteddy und Bilderbuch neben ihr lagen, fielen ihr bald die Augen zu.

»Danke, dass du hergekommen bist.« Henrik legte einen Arm um Gittas Schultern und drückte sie kurz an sich, spürte ihre Abwehr und sagte geradeheraus: »Du bist sauer auf mich, weil ich dir die Kleine zwei Tage lang aufgebürdet habe. So hat deine Freundin wahrscheinlich auf dich warten müssen.«

»Ich bin nicht sauer, meine Freundin hat gewartet, aber da sie sich sehr kurzfristig angemeldet hatte, musste sie damit rechnen, dass ich nicht gleich abkömmlich bin.«

»Dann habe ich mir wohl bloß eingebildet, dass ich dich – überfordert – haben könnte.«

»So ist es.« Sie schaute auf ihre Armbanduhr, tat erschrocken und rief: »Ich muss los, Elsie wollte noch mal anrufen. Schönen Abend noch, Henrik.«

Und schon war sie weg – und er wieder allein. Mitunter hatte er schon daran gedacht, aus ihrer Freundschaft mehr werden zu lassen. Schließlich gefiel sie ihm und war eine ausgezeichnete Betreuerin für Reni. Aber er war noch nicht so weit, um eine neue Beziehung einzugehen. Und sie vielleicht auch noch nicht.

*

Eine andere Wohnung, eine etwas größere und mit Balkon und Blick auf eine Grünanlage wäre schon wesentlich angenehmer als ihre jetzige sehr armselige Unterkunft. Und wenn sie nicht allzu teuer war, dann konnte sie sich eine solche Wohnung inzwischen auch leisten.

Gitta war an diesem Samstagnachmittag bereits damit beschäftigt, im Internet nach einer geeigneten Bleibe zu suchen, als Henrik plötzlich vor der Tür stand und darum bat, hereingelassen zu werden.

»Ist was mit der Kleinen?«, fragte sie hastig und besorgt, nachdem sie im Wohnzimmer Platz genommen hatten.

»Nein, es geht ihr gut. Oma ist da und macht zurzeit mit ihr einen Spaziergang und bringt dann auch Kuchen für eine schöne Kaffeestunde mit. Und dazu möchte ich dich sehr herzlich einladen.«

Sie wollte diese Einladung eigentlich nicht annehmen, tat es dann aber doch. Schließlich wollte sie weder Henrik noch seine Großmutter kränken, und sie wollte Reni wiedersehen. Die Kleine fehlte ihr.

Doch ehe sie etwas sagen konnte, hatte er ihre Bemühungen auf dem Computerbild entdeckt und fragte sofort: »Suchst du etwa eine andere Wohnung?«

»Nun ja«, gab sie zögernd zu. »Der ständige Blick auf die Mülltonnen ist nicht sehr angenehm, und einen Balkon habe ich auch nicht. Na, mal sehen, ob ich etwas Besseres finde.«

Sie erhob sich, schaltete den Computer aus und meinte dann lächelnd: »Wann gibt es denn bei dir Kaffee und Kuchen?«

»Du kannst gleich mitkommen«, erwiderte er mit plötzlich veränderter Stimme. »Dann kannst du mir noch ein bisschen von deinen Vorstellungen für eine neue Wohnung erzählen. Vielleicht kann ich dir bei der Suche ein wenig helfen.«

Er ist froh, wenn ich bald ausziehe, dachte sie betrübt. Vielleicht hat er sich mit Renis Mutter doch wieder vertragen oder hat längst eine andere. Ja, es wird wirklich Zeit, dass ich von hier verschwinde.

Sie will so schnell wie möglich weg, glaubte er, aus ihrer Miene lesen zu können. Und das ist ja auch kein Wunder. Wie oft hat sie schon den Babysitter spielen müssen.

Babysitter?? Sie war doch für Reni und für ihn viel mehr. Aber gesagt oder zu verstehen gegeben hatte er ihr das noch nie. Aber eines wusste er jetzt schon ganz genau, sie würde ihm fehlen. Aber musste sie denn überhaupt wegziehen? Sie konnte doch bleiben, in seiner Wohnung zum Beispiel. Dann war ihnen allen geholfen, und Reni hatte endlich eine Mutter.

Dieser plötzliche Einfall zauberte ein Lächeln in sein Gesicht und ließ ihn nicht nur an häusliche Harmonie, sondern auch an erotische Stunden zu zweit denken.

Unterdessen waren sie in seiner Wohnung angekommen, wo Henrik bereits den Kaffeetisch gedeckt hatte und sie nun bat, sich zu setzen.

»Gute und geräumige Wohnungen sind in unserer Stadt nicht gerade billig und etwas preiswertere schwer zu bekommen«, begann er dann wie nebenbei. »Andererseits kann ich dich gut verstehen. Mülltonnen und Hinterhof schlagen jedem irgendwann aufs Gemüt. Wir beide, Reni und ich, sind von deinem Entschluss allerdings nicht begeistert.«

»Ich helfe euch natürlich nach wie vor, ich bin ja nicht aus der Welt. Andererseits sollte Renis Bindung an mich nicht zu stark sein. Du wirst sicher irgendwann wieder heiraten. Und dann könnte es Probleme geben.«

»Heiraten …?«, antwortete er gedehnt. »Nach so einer Enttäuschung, wie ich sie hinter mir habe, will so ein Schritt gut überlegt sein.«

»Nun ja, man muss ja auch nicht heiraten.« Gitta lächelte gezwungen und wandte sich dann wieder dem Thema der Wohnungssuche zu.

Kurz darauf kamen die Oma und Reni zurück, die dann wirklich den Auftakt zu einer gemütlichen und lustigen Kaffeestunde gaben.

»Bleibst du noch zum Abendessen?«, erkundigte sich Henrik später, als er seine Großmutter wieder nach Hause gebracht und Gitta derweil mit der Kleinen gespielt hatte.

Sie schaute ihn verblüfft an. »Warum sollte ich?«

»Weil ich mich freuen würde, wenn du diesen Abend mit mir verbringst. Es ist nicht schön, immer so allein zu sein.«

»Hast du denn … niemanden?«

»Nein, das weißt du doch.«

»Das weiß ich nicht. Woher denn?«

Reni fühlte sich beim Gespräch der Erwachsenen vernachlässigt, sie klammerte sich an Gittas Hosenbein und protestierte so laut, dass Henrik auf eine Antwort verzichten musste.

»Ich glaube, sie ist müde«, erklärte er stattdessen. »Sie war heute schon ziemlich früh wach und hat über Mittag auch nicht lange geschlafen.«

»Soll ich dir helfen, sie zu füttern und anschließend zu Bett zu bringen?«

»Gern«, erwiderte er und lächelte ihr erleichtert zu.

Die kleine Irene wurde daraufhin recht vergnügt, aß ihr Abendbrot beinahe auf und ließ sich dann widerspruchslos in ihr Gitterbett verfrachten.

»Das Kind schläft, nun haben wir auch Zeit für uns«, stellte Henrik leise fest, nachdem sie das Kinderzimmer verlassen und die Küche betreten hatten.

»Komm, setz dich«, befahl er burschikos und jungenhaft. »Oma hat wundervollen Kartoffelsalat mitgebracht, ich habe noch Wiener Würstchen im Kühlschrank sowie einen lieblichen Weißwein. Das alles zusammen ist doch ein schönes Essen. Oder nicht?«

Er schaute sie so treuherzig an, dass sie nach kurzem Zögern zustimmend nickte und sich von ihm bedienen ließ. Nach dem Essen und dem gemeinsamen Abwaschen kam er auf ihre Umzugspläne zurück und bat sie, sich die Sache noch reiflich zu überlegen.

»Du kannst doch bei uns wohnen«, schlug er schließlich vor. »Platz ist genug, und, und …« Er stockte und wusste nicht mehr weiter.

»Und was?«

Ihre etwas atemlose Frage machte ihn mutiger. Er zog die auf dem Sofa neben ihm Sitzende dicht zu sich heran und küsste sie leicht auf die Wange.

»So meine ich das. Ich würde gern mehr als nur dein guter Freund sein, das heißt, ich möchte unser platonisches Verhältnis aufgeben. Wir könnten wie Mann und Frau und wie eine Familie zusammenleben.«

Sie sagte nichts, sah ihn nur erstaunt an und fragte sich, was er eigentlich ganz genau wollte.

»Du willst nicht?«, stieß er gekränkt hervor, als sie immer noch nichts zu sagen wusste.

Sie hätte ihm nun viel erklären können. Aber sie schwieg und brachte ihre Bedenken einfach nicht über die Lippen. Sie sollte zu ihm ziehen, was sicher räumlich und finanziell gesehen durchaus von Vorteil war. Aber er konnte sie dann auch, genauso wie Reinhard Wegener, einfach vor die Tür setzen, wenn er sich in eine andere Frau verliebte. Dann würde sie wieder auf der Straße stehen. Außerdem wusste sie nicht, ob sie auf die Dauer miteinander auskommen würden. Doch das würde sie nie erfahren, wenn sie seine Bitte jetzt ablehnte.

»Doch, ich möchte schon«, antwortete sie nach einer Weile. »Aber wir kennen uns noch zu wenig, um zusammenzuziehen. Vielleicht funktioniert es mit uns ja gar nicht. Deshalb möchte ich meine Wohnung vorläufig noch behalten. Ich würde mich daher mit den Mülltonnen noch eine Weile abfinden.«

»Und das heißt im Klartext?«

»Wir können mehr als gute Freunde sein, ich würde auch gelegentlich bei dir übernachten …« Weiter kam sie nicht, weil Henrik beide Arme um sie legte – und dann seinen Mund auf den ihren.

»Bleib doch heute Nacht schon hier«, raunte er ihr nach mehreren Küssen leidenschaftlich zu. »Du wirst sehen, es wird sehr schön werden.«

Sie antwortete nicht, lächelte ihm aber innig zu und strich ihm zärtlich über sein dichtes blondes Haar, was er als Zustimmung ansah und somit zu wesentlich intensiveren Liebkosungen überging. Dabei vergaßen sie (zumindest vorübergehend) ihre ehemaligen Partner.

*

War sie nun in ihrer Beziehung zu Henrik Hollstein glücklich oder nicht? Gitta hätte es nicht sagen können, auch wenn inzwischen mehr als zwei Jahre vergangen waren, seitdem sie mit Henrik und seiner Tochter zusammenlebte. Aber sie fühlte, dass sie gebraucht wurde, vor allem von Reni, die mit jedem Tag niedlicher und aufgeweckter wurde. Es war so schön, ein Kind zu haben. Leider war es nicht das ihre.

Die Kleine bemerkte den Unterschied sicher nicht. Für sie war sie weiterhin die ›Itta‹. Und das klang beinahe so, als würde sie ›Mama‹ sagen.

Amalie Hollstein freute sich über das neue Glück ihres Enkels und vor allem darüber, dass die kleine Urenkelin endlich eine richtige Mutter hatte.

Die andere, die nun endlich ihr berufliches Ziel erreicht hatte und mehr oder weniger aufmerksamen Studenten die Bedingungen und Funktionen von Betrieben, vom Handel und der Kreditwirtschaft anschaulich erklären durfte und dafür ein entsprechendes Gehalt bekam, hatte ihr Kind noch nicht wiedergesehen. Aber sie zahlte jetzt zumindest regelmäßig die Alimente und vergaß auch den Geburtstag ihres Kindes sowie die üblichen Geschenke zu Weihnachten und Ostern nicht.

Henrik vermutete allerdings, dass die Sekretärin der Frau Doktor für diese Pünktlichkeit verantwortlich war. Nun, ihm konnte es egal sein. Sein Leben war wieder in Ordnung, sein Kind meist gesund und die Oma zufrieden.

Ich sollte Gitta einen Heiratsantrag machen, sagte er sich mitunter, konnte sich aber doch nicht dazu durchringen. Und schließlich und endlich ging es ja sehr gut auch ohne Trauschein.

An Evelin dachte er nur selten und war davon überzeugt, dass seine Liebe zu ihr wirklich Schnee von gestern war. Und er bildete sich ein, sie nicht einmal mehr zu begehren.

Ob er Gitta liebte, wusste er nicht. Aber er schätzte sie, ihre Zuverlässigkeit, ihren Humor sowie die Gabe der Gelassenheit in schwierigen Situationen und ihre Liebe zu seinem Kind.

Über ihre Beziehung zu Reinhard Wagner wusste er nur wenig. Sie sprach nicht gern darüber und schien diesen Mann aus ihrem Leben gestrichen zu haben.

Henrik fragte daher nicht und sagte sich, dass ihn dieser Kerl nichts angehen und dass er ihn niemals kennenlernen würde.

Und Gitta war davon überzeugt, dass er mit seiner großen Liebe nun dauerhaft glücklich sei und keine Sehnsucht nach seiner damaligen ›Betreuerin‹ habe.

Das war ein Irrtum!

*

Vor einer Woche hatten sie Renis vierten Geburtstag gefeiert. Sie, das waren natürlich nur Gitta, Henrik, seine Großmutter und das Geburtstagskind selbst. Andere Verwandte waren nun einmal nicht vorhanden, wenn man von der leiblichen Mutter und deren Eltern absah. Diese ließen so gut wie nichts von sich hören und sehen, hatten jedoch eine größere Summe als Geburtstags- und Weihnachtsgeschenk überwiesen. Nun ja, warum auch nicht?

Henrik hatte nachsichtig gelächelt und sich vorgenommen, seine kleine Püppi neu einzukleiden. Sie war aus vielem ohnehin schon herausgewachsen.

An ihr kleines Pflegekind dachte Gitta auch an diesem Nachmittag, als sie von der Arbeit nach Hause gekommen war. Ihr offizielles Zuhause war immer noch die armselige Wohnung auf dem Hinterhof, von der sie das größte Zimmer an eine sehr strebsame Studentin weitervermietet hatte. Sie hörte und sah nicht viel von ihr.

Heute jedoch rief die junge Frau bei ihr an und erklärte nach kurzem Gruß: »Da ist ein Mann, der Sie sprechen möchte, Frau Wenzel.«

»Und wie heißt dieser Mann?«

»Das hat er nicht gesagt.«

»Dann fragen Sie ihn.«

Gitta wartete und vernahm dann: »Er heißt Reinhard Wagner und ist wohl ein alter Freund von Ihnen.«

»Er ist nicht mein Freund. Und ich sehe keine Veranlassung, mit ihm zu reden. Schicken Sie ihn weg.«

Die Studentin versprach, den ungebetenen Besucher vor die Tür zu setzen, während Gitta erleichtert aufatmete. Sie hatte wirklich kein Bedürfnis, ihren ehemaligen Freund wiederzusehen.

Dieser war da ganz anderer Ansicht, meinte wohl, sie müsste sich freuen –, und klingelte dann an Henriks Wohnungstür.

»Deine Untermieterin hat mir gesagt, dass ich dich hier finde«, begann er unverfroren, als sie vor ihm stand, und verschwieg, dass er die junge Frau mit seinen Fragen so lange genervt hatte, bis sie ihm verraten hatte, wo Gitta eigentlich wohnte.

»Ja, so ist es«, gab sie knapp zurück.

»Henrik Hollstein?« Er wies auf das Türschild. »Ist das dein Neuer?«

»Mein Großvater ist er nicht. So, und nun kannst du wieder gehen.«

So kaltschnäuzig von ihr abgefertigt zu werden, verschlug dem smarten Reinhard zunächst einmal die Sprache. Er schaute sie verdattert an, fing sich aber gleich wieder, lachte gekünstelt und erklärte in gönnerhaftem Ton: »Du bist also noch eingeschnappt wegen damals. Ich kann das schon verstehen, andererseits kann niemand etwas dafür, wenn ihn die große Liebe erwischt.«

»Und warum bist du jetzt nicht bei deiner großen Liebe?«

»Weil ich hier dienstlich zu tun hatte«, entgegnete er scheinbar unbekümmert. »Und weil ich nun schon mal hier bin, habe ich bei dir im Büro angerufen. Du hättest schon Feierabend, hat deine Chefin mir gesagt, und wo du jetzt wohnst. Aber sag mal, willst du mich gar nicht reinlassen?«

»Nein, ich will dich nicht hereinlassen. Es ist ja nicht meine Wohnung. Und meine habe ich vermietet, wie du schon bemerkt hast. Ich stehe also im Prinzip genauso auf der Straße wie damals, als du mich hinausgeworfen hast.«

»Du bist von allein gegangen, weil du mit einem wie mir nicht mehr unter einem Dach leben wolltest«, belehrte er sie in spöttischem Tonfall. »Doch das ist schon lange her. Ich habe angenommen, du hättest mir inzwischen verziehen.«

»Natürlich habe ich dir verziehen. Einem Egoisten verzeiht man gern, wenn man ihn endlich los ist. Schönen Abend noch.« Sie knallte ihm die Tür vor der Nase zu.

In diesem Augenblick kam Henrik mit Reni auf dem Arm die Treppe herauf. Er stutzte, als er den ihm unbekannten Mann vor der Wohnungstür stehen sah, und fragte unwillkürlich: »Suchen Sie jemanden?«

»Frau … Wenzel«, stammelte Reinhard Wagner geistesgegenwärtig. »Ich kenne sie schon lange und wollte etwas mit ihr besprechen, aber sie will nicht.«

»Dann wird sie sicher auch einen Grund dafür haben.« Henrik musterte den elegant gekleideten und gut aussehenden jungen Mann kühl und schloss dann die Wohnungstür auf, ohne sich noch weiter um den ungebetenen Gast zu kümmern.

Dieser ging verärgert in Richtung Ausgang. Nach einem erneuten und handfesten Krach mit seiner resoluten Frau hatte er sich an Gittas Fürsorge und sein bequemes Leben an ihrer Seite erinnert, hatte ein paar Tage Urlaub genommen und war einfach abgereist, um eine alte Liebe aufzuwärmen. Dass diese mit einem anderen Mann zusammenleben könnte, hatte er jedoch nicht bedacht, sondern war davon ausgegangen, dass sie ihn nach ein paar schönen Worten vorübergehend bei sich aufnehmen würde.

Sollte er nun sofort wieder heimfahren?