Mount Everest - Walter Bauer - E-Book

Mount Everest E-Book

Walter Bauer

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Beschreibung

Ein fesselnder Bericht über den Versuch einer Erstbesteigung des Mount Everest.

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Seitenzahl: 70

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Der Everest kann sich nicht erhöhen, aber des Menschen Seele erhebt sich auch unter Rückschlägen.

Sir Francis Younghusband

Wir haben die Pole verfehlt, nachdem wir mehr als 300 Jahre die Meere beherrscht haben, und wir werden ganz sicher nicht die Chance verstreichen lassen, das Gebiet rund um den Mount Everest zu erkunden, nachdem wir für mehr als 160 Jahre die dominierende Macht in Indien waren.

Alexander Mitchell Kellas

Inhaltsverzeichnis

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

1.

Als Mallory, Irvine, Beetham und Hazard von England her Mitte März in Dardschiling eintrafen, waren die anderen schon da. Die Vorbereitungen waren nahezu getroffen, die Träger und Lasttiere ausgesucht, alles, was sie für den Angriff auf den Mount Everest brauchten, zusammengetragen und eingepackt.

Mallory war 1921 zum ersten Male hier gewesen. Von Dardschiling waren sie damals aufgebrochen, um den Angriffsweg zum Berge zu erkunden; sie hatten ihn gefunden. Ein Jahr später kam er wieder. In den zwei Jahren seitdem hatte sich nichts verändert. Groß und voller Frische waren die Wälder auf den Höhen von Dardschiling. Die Luft schmeckte nach Quellwasser. Unter den Eichen und Sykomoren blühten Lorbeer und Veilchen. Noch immer leuchteten die Magnolien auf dem Seneschall-Hügel vor dem Dunkel des Berges. Aus der Tiefe der Schlucht, zweitausend Meter unten, erhob sich die Stimme des Rangit-Flusses. Die Wälder stiegen zu Waldbergen empor. Über ihnen, zart, kühl, schwebten die Schneeberge des Himalaya. Die Wolke darüber, vom ersten und vom letzten Licht feurig getränkt, war der Herr der Berge, der Kantschendschunga, 8580 Meter hoch. Aber er war nicht der höchste von allen. Von den Höhen hinter Dardschiling konnte man den Everest sehen. Es war wunderbar, hier oben zu sein, über der Tiefe von Indien.

Als diese vier eingetroffen waren, fehlte niemand mehr, und einige Tage später brachen sie auf, zum langen Wege durch Sikkim und Tibet, um in das Niemandsland des Everest einzudringen. Von ihnen allen war Mallory der einzige, der an der Erkundung des Angriffsweges von 21 und am ersten, vom Everest abgewiesenen Angriff des folgenden Jahres teilgenommen hatte. Mallory, Dozent in Cambridge, seit vielen Jahren als einer der besten Bergsteiger gerühmt, war jetzt sechsunddreißig Jahre alt. Er sah sehr gut aus, doch nicht ungewöhnlich kräftig; er war schlank, schmal und hatte ein fein gebildetes, etwas nachdenkliches Knabengesicht. Aus dem Wenigen, was er sprach, schoß zuweilen Ungeduld und gedämpfte Glut hervor. Die anderen empfanden seine Anwesenheit wie die einer ständigen, verhaltenen Flamme. Er war ihnen allen voraus, und ohne Zögern gewährten sie ihm diesen Vorsprung. Wenn sie jetzt schon davon gesprochen hätten, wem die Ehre des letzten Sturmes auf den Gipfel zukommen sollte – einen anderen als ihn hätten sie nicht gewußt. Er freilich wußte von den beiden vorausgegangenen Versuchen her zu gut, daß jeder nur ein Teil der Kameradschaft war. Der Everest wies den Hochmut des Einzelnen mit Verachtung ab. Der Angriff war kein verwegenes Abenteuer, sondern ein Unternehmen, in dem alles durchdacht, geplant, berechnet sein mußte. Auch das Wagnis der letzten Schritte in das unberührte Heiligtum des Gipfels war nur möglich, wenn alle es vorbereiteten und sicherten. Mallory wußte es. Er kannte den Everest. Er hatte ihn mit den Kameraden umkreist, um den Aufstieg zu finden. Er hatte die Stelle entdeckt, die den Berg verwundbar machte, er hatte sich emporgezwungen, und war abgeschüttelt worden. Niemand kannte den Everest so gut wie er.

Einige von den Gefährten des neuen Versuches hatten am Angriff von 22 teilgenommen: General Bruce, der Leiter des neuen Angriffes; sein Stellvertreter Oberst Norton; Somervell, Missionsarzt in Indien; Hauptmann Geoffrey Bruce, ein Verwandter des Generals, der aus einem indischen Grenzort kam; Hauptmann Noel, der auch diesmal der Photograph sein würde. Sie hatten auf den Hängen des Everest gekämpft und verloren.

Neu in der Gefährtenschaft waren Odell, von Beruf Geologe, Beetham, ein Lehrer, der Ingenieur Hazard, der Student Andrew Irvine, der zweimal im Oxforder Boot gefahren war, Doktor Hingston, der als Arzt teilnahm, Shebbeare, Beamter des Indischen Forstwesens, dem die Obhut der Verbindungsstaffeln zwischen dem Standlager und den Hochlagern zukommen würde.

Das Alter der Teilnehmer am Angriff von 1924 lag zwischen dreißig und vierzig Jahren; der jüngste von allen war, mit zweiundzwanzig Jahren, Irvine.

Woher sie auch gekommen waren, aus England, Indien, von den persischen Ölfeldern oder aus Bagdad – jetzt hatten sie nur ein Ziel: den Everest. Was sie gewesen sein mochten, Lehrer, Offizier, Maschinenbauer, Arzt – mit dem ersten Schritt, der sie von Dardschiling entfernte, streiften sie ab, was in ihrem Leben gewesen war; es verlor sich immer mehr, je näher sie dem Berge kamen. Jeder von ihnen hatte nach seiner Art und Eignung einen Teil der gemeinsamen Arbeit empfangen; jeder war Träger und Teilhaber des mit Umsicht und Leidenschaft vorbereiteten Planes, dem Everest für einen Augenblick das noch nie berührte Schweigen zu rauben. Wie der Everest sich erhob, auf mächtigem Grunde emporwachsend zur Pyramide des Gipfels, der den Königswimpel einer immer wehenden Schneefahne trug, so würden sie vom Tage des Angriffs an eine Pyramide bilden, deren Spitze ohne den Grund nicht möglich war; und dieser schmale Bau menschlicher Kraft würde um einen Menschen höher sein als alle Berge der Welt.

Sie waren zwölf. Zu ihnen gehörten vier Gurkha-Unteroffiziere und die unter dreihundert ausgesuchten siebzig Träger aus den Bergstämmen der Scherpas und Bothias. Einige von ihnen, darunter der Dolmetscher Karma Paul, hatten bereits am Angriff von 22 teilgenommen.

Die Träger waren die Handlanger des Ruhmes. Zuverlässig und geduldig würden sie das Licht emportragen, in dem dann einige oder einer der Sahibs standen. Namenlos für die Welt, würden sie Teil des Lichtes sein. Sie waren gekommen, obwohl sie wußten, daß bei dem Angriff im Jahre 22 sieben Träger von einer Lawine verschüttet wurden. Jetzt wieder gingen sie mit, dorthin, wo vor ihnen niemand war.

Am 25. März verließ die Expedition Dardschiling, einen Tag früher als vor zwei Jahren. Der Everest gab ihnen die Erlaubnis, sich an ihm zu versuchen, nur für ein paar Wochen. Anfang Mai mußten sie im Standlager sein, um den Mai und vielleicht noch einen Teil des Juni auszunutzen. Dann begannen die Stürme des Monsuns. Später, nach einem kurzen herbstlichen Aufatmen, schlug der Winter seinen Mantel um die Flanken des Berges.

Zu Pferd und zu Fuß zogen sie durch das bergige Waldland von Sikkim. Über den Wäldern von Eichen, Bambus, Platanen schwebte der Rauch von Feuern; die Bauern hatten sie angezündet, um dem Graswuchs zu helfen. Die Fülle der Blumen enthielt für sie die leuchtenden Farben des Abschiedes. Orchideen und Rosen blühten überall.

Einigen von ihnen waren die Namen der Orte, durch die sie kamen, vertraut. Die Rosen im Garten von Doktor Graham in Kalimpong waren noch immer zauberhaft. Weinranken umwoben die Felsen von Rongli. Jenseits des Waldes flammten die Rhododendren. Denen, die hier schon gewesen waren, belebte sich die Erinnerung. Die Neuen empfingen eine reine, erste Freude.

Sie verließen das schöne Land von Sikkim, überschritten den Paß des Tschelep La in einer Höhe von 4386 m und stiegen in das Tschumbi-Tal hinab. Der Duft von Wiesen erfrischte sie. In den Wäldern standen Tannen, Nußbäume, Birken. Langsam zogen sie größeren Höhen entgegen, kühler wurde die Luft, geringer der Wuchs der Bäume, die Blumen blieben zurück. Der Zug bewegte sich über die leere Ebene von Phari und trat, am Tschomolhari wie einem Wächter des Landes vorbei, in Tibet ein. Der Wind, der sie anfiel, kam aus großen Fernen. Es war nicht der englische Seewind, der das Gras überflutet und die Brust öffnet, kein Blüten- und Duftwind; er schmeckte nach Kälte, Schnee, Einsamkeit. Wie Blätter wehte er Gazellen und Wildesel in ihre Nähe. Sie zogen durch ein Land, dem dieser Wind befahl, ein Land, über dem die Geschichte dahinzieht wie Wolken, die nichts verändern. Im Herzen des Schweigens lag Lhasa, die Stadt der Klöster und Tempel, der Sitz des wiedergekehrten Buddha, den das Volk Dalai-Lama nannte.

Am 6. April waren sie in Phari. Die mühseligen Verhandlungen mit dem Dsongpen, dem Kreisbeamten, über den Preis neuer Lasttiere wiederholten sich. In Phari wurde General Bruce von einem Malariaanfall heimgesucht und mußte an einen wärmeren Ort zurückgebracht werden. Sie hatten den Everest noch nicht gesehen, aber er hatte schon den ersten von ihnen verworfen, als wisse der Berg, daß der Plan, den Everest zu bezwingen, von Bruce immer wieder verfochten worden war. Jetzt mußte er in die Wärme zurück; nach einigen Tagen kam die Nachricht, er müsse endgültig ausscheiden.