Notärztin Andrea Bergen 1376 - Daniela Sandow - E-Book

Notärztin Andrea Bergen 1376 E-Book

Daniela Sandow

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Über den Dächern der Stadt ...

Seit Jahren kämpft die schöne Schornsteinfegerin Laura verzweifelt um ihren schwer herzkranken jüngeren Bruder Louis. Doch erst hoch über den Dächern ihrer Stadt entscheidet sich, ob sich Lauras sehnlichster Wunsch erfüllt ...


Sie dürfen gespannt sein, liebe Leserinnen und Leser - gespannt auf den neuen hochdramatischen und sehr anrührenden "Notärztin Andrea Bergen"-Roman!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 118

Veröffentlichungsjahr: 2019

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Impressum

Über den Dächern der Stadt …

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: nd3000 / iStockphoto

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-7937-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Über den Dächern der Stadt …

All unsere Hoffnungen, heute die lebensrettende Herztransplantation bei dem jungen Louis Bender durchzuführen, haben sich zerschlagen, seit Tom Gerlitz, der Bruder des hirntoten Organspenders, seine Einwilligung zu der Organentnahme zurückgezogen und mit rechtlichen Schritten gedroht hat! In seiner großen Trauer kann Tom offenbar den Gedanken nicht ertragen, dass sein geliebter Bruder Jonas aufgeschnitten wird, damit ihm seine Organe entnommen werden können. Dabei nützen sie Jonas Gerlitz nichts mehr, denn er ist längst weit, weit fort – doch sein Tod könnte es unserem Sorgenpatienten Louis ermöglichen weiterzuleben! Aber obwohl ich alle Register gezogen habe, um Tom Gerlitz doch noch umzustimmen, bin ich gescheitert. Das ist nicht nur das Todesurteil für Louis Bender, es ist auch ein vernichtender Schlag für Laura, seine Schwester, die Louis über alles liebt. Wie schlimm muss es für die junge Schornsteinfegerin sein, die zweite Chance für den „kleinen“ Bruder so nah vor Augen zu haben – und dann doch alles zu verlieren ...

Glutrot stieg die Sonne auf und verscheuchte die letzten Schatten der Nacht.

Laura Bender liebte diese frühe Stunde am Morgen hoch oben über den Dächern der Stadt. Still verharrte sie auf der Stelle, während unter ihr die Stadt erwachte.

In diesen Minuten vergaß sie die Angst, die ihr ständiger Begleiter geworden war.

„Alles wird gut“, flüsterte sie, und einen kostbaren Moment lang gelang es ihr sogar, daran zu glauben.

***

Ihr Ziel war die Stadtbank. Eine der Mitarbeiterinnen war während der Arbeit zusammengebrochen und seither ohne Bewusstsein.

Jupp Diederichs hatte Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet. Trotz aller Eile steuerte er den großen Rettungswagen umsichtig durch die Innenstadt. Hin und wieder fluchte er leise, wenn ihn ein Autofahrer nicht sofort vorbeifahren ließ.

Sie brauchten keine zehn Minuten, bis sie das Bankgebäude erreichten. Jupp hielt den Rettungswagen in der zweiten Reihe neben einer Limousine, die auf dem Seitensteifen geparkt war.

Das Team wurde bereits erwartet. Ein junger Mann führte sie durch den Kassenbereich in den Bürotrakt der Bank. Alle Bürotüren standen offen. Auf dem Gang hatten sich Mitarbeiter in Grüppchen versammelt. Entsetzen paarte sich mit Sensationslust.

Der junge Mann führte sie in eines der Büros, wo eine Frau auf dem Boden lag. Eine Kollegin beugte sich über sie, hielt ihre Hand. Sie reagierte sichtlich erleichtert auf die Ankunft des Rettungsteams.

„Mein Name ist Heike Wenzel“, stellte sie sich vor und wies auf ihre bewusstlose Kollegin. „Und das ist Ulla Hansen. Sie ist einfach umgekippt!“ Heike Wenzel starrte mit großen Augen auf ihre Kollegin.

„Hat sie über Beschwerden geklagt?“ Schon während sie sprach, begannen Andrea Bergen und Ewald Miehlke mit den ersten Maßnahmen.

Die Notärztin legte die Blutdruckmanschette um den rechten Oberarm der bewusstlosen Frau, während Ewald Miehlke eine Klammer am Mittelfinger der Patientin befestigte, um den Sättigungsgehalt des Sauerstoffs zu kontrollieren.

„Ulla hatte über Übelkeit und Schmerzen im Oberbauch geklagt“, berichtete Heike Wenzel. „Aber sie hat so getan, als wäre es nicht sehr schlimm.“

Andrea nickte und befestigte die Pads des tragbaren EKG-Geräts an den Armen, Beinen und rund um die Herzgegend der Frau, während Ewald Miehlke einen venösen Zugang legte.

Die Notärztin beobachtete aufmerksam die Ausschläge des EKGs. Sekunden später spuckte das Gerät einen Papierstreifen mit den Aufzeichnungen aus. Es bestätigte Andreas Vermutung. Sie bereitet eine Injektion vor, gab knappe Anweisungen an Ewald Miehlke.

Jupp Diederichs war bereits wieder auf dem Weg nach draußen, um die fahrbare Trage zu holen. Sie alle wussten, dass es schnell gehen musste.

„Was ist mit ihr?“ Es war Heike Wenzel anzusehen, dass sie sich ernsthaft Sorgen um ihre Kollegin machte.

„Sie hatte wahrscheinlich einen Herzinfarkt“, erwiderte Andrea. Als sie erkannte, wie erschrocken Heike Wenzel war, fügte sie freundlich hinzu: „Es war gut, dass Sie uns so schnell gerufen haben.“

Heike Wenzel nickte bedrückt. Sie hatte Tränen in den Augen, versprach aber, Ulla Hansens Ehemann sofort zu informieren.

Vorsichtig hoben die Sanitäter die Patientin auf die Trage und schoben sie aus der Bank. Andrea folgte den Männern.

Als sie draußen ankamen, lehnte ein Mann an der Limousine, die wegen des Rettungswagens den Parkstreifen nicht verlassen konnte.

Ebenso wie Andrea rechnete offensichtlich auch Jupp Diederichs mit einer ärgerlichen Ansage des Mannes. In letzter Zeit stießen Rettungsdienste im Einsatz zunehmend auf Unverständnis. Auch Andrea und ihr Team hatten das oft genug erleben müssen.

„Wir sind gleich weg!“, sagte Andrea hastig, doch der Mann winkte lächelnd ab.

„Kein Problem, Ihr Einsatz ist wichtiger als meine Termine.“

Andrea lächelte ihm dankbar zu und stieg in den Rettungswagen. Dort schlossen sie Ulla Hansen an die Überwachungsgeräte an.

Die Patientin wachte nicht auf, aber ihr Zustand blieb während der Fahrt stabil. Mit Blaulicht wurde sie ins Elisabeth-Krankenhaus gebracht und dort von den Kollegen der Notfallambulanz übernommen.

Andrea verspürte Lust auf einen starken Kaffee, doch dazu hatte sie keine Gelegenheit. Sie hatte kaum die Cafeteria des Krankenhauses betreten, als sich der Pieper in ihrer Tasche meldete und sie zum nächsten Einsatz rief.

***

„Mach’s gut, Julchen!“ Markus drückte sie fest an sich.

„Mach’s besser“, flüsterte Jule und verzichtete diesmal darauf, wegen der Verniedlichung ihres Namens zu protestieren. Sie hatte genug mit ihrer Traurigkeit zu kämpfen. Abschiede waren immer schlimm, aber dieser setzte ihr besonders zu.

Als Markus sie losließ, kickte sie ihre Faust leicht in seine Magengrube. „Warum verlässt du mich?“, rief sie theatralisch aus.

„Ach, Julchen!“ Markus presste eine Hand auf sein Herz. „Wir wussten doch beide, dass dieser Tag kommen wird. Und nun ist es so weit.“

Beide seufzten unisono tief auf und brachen unmittelbar darauf in lautes Lachen aus.

„Aber ganz ernsthaft“, sagte Jule. „Ich werde dich sehr vermissen. Auch wenn ich es dir von ganzem Herzen gönne, dass sich dein Traum erfüllt.“

Markus hatte endlich einen Studienplatz für Medizin bekommen. Leider im weit entfernten München, und so wurde sein Zimmer in der WG jetzt frei.

„Du wirst bestimmt bis Ende des Monats jemanden für das Zimmer finden.“ Markus schulterte seinen Rucksack.

„Ja.“ Jule nickte, obwohl sie sich da nicht so sicher war wie er. Seit sie wusste, dass er heute ausziehen wollte, hatte sie sich auf die Suche nach einem Nachmieter gemacht. Es hatte bereits einige Bewerber gegeben, aber keiner hatte ihr zugesagt. Außerdem mussten Lilly, Sophie und Anton, die anderen WG-Bewohner, auch mit dem neuen Mieter einverstanden sein.

Die Haustür flog auf, und Lilly stürmte in den Flur. „So ein Glück, du bist noch da! Ich dachte, ich schaffe es nicht mehr rechtzeitig.“ Sie flog auf Markus zu und umarmte ihn. „Ich wünsche dir alles Gute!“

Sophie und Anton hatten sich bereits am vergangenen Abend von Markus verabschiedet.

Lilly, die ebenso wie Jule im Elisabeth-Krankenhaus eine Ausbildung zur Krankenschwester machte, hatte die Nacht bei ihrem Freund verbracht.

Noch eine letzte Umarmung, dann war Markus fort.

Jule und Lilly schauten sich an. Erneut seufzte Jule tief auf. „Und?“, wollte sie wissen. „Bist du die Nächste, die uns verlässt?“

Verwundert schaute Lilly sie an. „Warum sollte ich?“

„Weil du die meiste Zeit bei Till bist. Ich rechne schon seit einer Weile damit, dass du ganz zu ihm ziehst.“

„Bist du verrückt“, rief Lilly aus. Heftig schüttelte sie den Kopf. „Ich liebe Till wirklich, aber ich könnte niemals in seiner Chaosbude leben.“ Sie kam auf Jule zu und umarmte sie. „Ich bleibe dir erhalten, bis wir unsere Ausbildung abgeschlossen haben.“

Jule war erleichtert, bekam jedoch gleich darauf ein schlechtes Gewissen. „Du bleibst aber nicht nur meinetwegen hier?“, vergewisserte sie sich. „Ich will deinem Liebesglück nämlich ganz bestimmt nicht im Wege stehen!“

Lilly ließ Jule los und trat einen Schritt zurück. Feierlich hob sie die Finger zum Schwur. „Hiermit gelobe ich, dass ich nur meinetwegen in der WG bleibe und nicht wegen des Eids aus unseren Kindergartentagen.“

Jule musste lachen. „Lilly und Jule für immer!“, deklamierte sie. „Und dabei haben wir nicht bedacht, dass wir uns einmal verlieben könnten.“

Lilly zog eine Grimasse. „Damals fanden wir Jungen noch ziemlich doof!“

„Viele finde ich auch heute noch doof.“ Jule zog die mit Sommersprossen übersäte Stupsnase kraus.

„Ich würde mir ja wünschen, dass du dich endlich einmal so richtig verliebst.“ Lilly lächelte.

Jule antwortete nicht darauf. Es gab da jemanden, den sie sehr mochte, aber nicht einmal mit ihrer besten Freundin Lilly konnte sie darüber reden. Weil sie genau wusste, dass sie ihr Herz ganz festhalten und vernünftig bleiben musste.

Sie spürte die Angst in sich aufsteigen, die sie jedes Mal erfasste, wenn sie an ihn dachte.

„Was ist mit dir?“, hörte sie Lilly fragen.

Ihre Freundin kannte sie zu gut und hatte ein Gespür dafür, wenn mit ihr etwas nicht stimmte.

Reiß dich zusammen!, ermahnte Jule sich in Gedanken selbst. Lächelnd schüttelte sie den Kopf. „Ich bin nur traurig, weil Markus weg ist. Und ich habe Angst, dass wir keinen netten Nachmieter für das Zimmer finden und jemanden nehmen müssen, der nicht zu uns passt“, behauptete sie. „Wir brauchen aber unbedingt die Miete.“

„Das klappt schon. Notfalls vermieten wir das Zimmer an Touristen oder Messebesucher, bis wir einen festen Nachmieter gefunden haben.“

„Gute Idee“, stimmte Jule zu. Vor allem jedoch war sie froh, dass sie Lilly damit abgelenkt hatte und die Freundin nicht einmal ahnte, was wirklich mit ihr los war.

Jule konnte nicht über ihre Angst reden, und noch weniger wollte sie Lillys Mitleid aushalten müssen, wenn irgendwann, in nicht ganz ferner Zukunft, das Unvermeidliche geschehen würde.

***

„Du machst das schon!“ Die Stimme seiner Stiefmutter klang ungeduldig. Irgendwo im Hintergrund vernahm Tom Gerlitz das Klappern von Geschirr.

„Ich muss los“, sagte Friederike. „Die anderen warten auf mich.“ Sie beendete das Gespräch ohne ein weiteres Wort des Abschieds.

Tom starrte auf sein Handy. Das Verhalten seiner Mutter überraschte ihn schon lange nicht mehr, aber Friederike schaffte es immer noch, ihn wütend zu machen. Kurz spielte er mit dem Gedanken, seine Mutter noch einmal anzurufen und ihr unmissverständlich klarzumachen, dass sie und nicht er für seinen siebzehnjährigen Bruder Jonas verantwortlich war.

Er suchte im Speicher seines Handys nach der Nummer seiner Mutter, wollte gerade die Taste drücken, als sein Bruder ins Esszimmer geschlurft kam und sich laut gähnend an den gedeckten Frühstückstisch setzte.

Tom schaltete das Handy aus und steckte es ein. Streng musterte er seinen Bruder. „Solltest du nicht in der Schule sein?“

„Chill mal!“ Jonas winkte ab. „Die ersten beiden Stunden fallen aus.“

Tom hasste es, wenn sein Bruder diesen Jargon benutzte. Missbilligend zog er die Brauen zusammen und musterte Jonas von Kopf bis Fuß. Der Hosenboden seiner Jeans hing irgendwo zwischen Po und Oberschenkel. Das graue Shirt mit dem aufgedruckten Totenkopf umspannte eng seinen Oberkörper und wirkte schmuddelig.

Gekrönt wurde das Ganze durch Jonas’ Frisur! Die Seitenpartien sowie die Rückseite seines Kopfes waren fast kahl geschoren. Nur ein Streifen blonder, gelockter Haare zog sich über Jonas’ Oberkopf.

Sein rundes Gesicht war nicht mehr das eines Kindes, aber auch nicht das eines erwachsenen Mannes. Um männlicher zu wirken, ließ er sich einen Dreitagebart stehen.

Tom ersparte sich eine Bemerkung über die Aufmachung seines Bruders. Er wusste aus Erfahrung, dass Jonas darauf lediglich mit einem ironischen Grinsen reagieren würde. Stattdessen sagte er: „In letzter Zeit fallen ziemlich viele Stunden aus.“ Er ließ seinen Bruder nicht aus den Augen.

Jonas wich seinen Blicken aus. Er nahm sich ein Brötchen aus dem Korb und schnitt es auf. „Der Haller ist krank“, murmelte er.

„Aha!“ Tom machte eine kurze Pause, bevor er ironisch fragte: „Und was war gestern? Oder vorgestern. Und in der vergangenen Woche? Da warst du zwei Tagen überhaupt nicht in der Schule.“

„Woher …“, entfuhr es Jonas. Er brach ab und presste die Lippen aufeinander, als hätte er bereits zu viel gesagt.

„Woher ich das weiß?“, beendete Tom den Satz seines Bruders, ließ ihm aber keine Gelegenheit zur Antwort, sondern sprach gleich weiter. „Dein angeblich kranker Klassenlehrer hat mich angerufen.“

Jonas zog eine Grimasse und zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Und wenn schon!“

„Du willst nächstes Jahr das Abitur machen“, fuhr Tom ihn an.

„Du willst, dass ich das Abitur mache.“ Jonas schüttelte den Kopf. „Ich habe dazu aber keine Lust und beschlossen, die Schule abzubrechen.“

Tom verschluckte sich fast an seinem Frühstückskaffee. Er hustete, stellte die Tasse ab und schüttelte entschieden den Kopf. „Das lasse ich nicht zu!“

„In drei Wochen werde ich achtzehn“, verkündete Jonas aufsässig. „Dann entscheide ich selbst über mich, und du hast mir nichts mehr zu sagen.“

Tom musste Jonas’ Antwort erst einmal verdauen. Offensichtlich hatte dieser undankbare Bengel vergessen, dass er, Tom, sich seit dem Tod des Vaters vor ein paar Jahren um ihn kümmerte.

Jonas’ Mutter Friederike verbrachte ihre Zeit lieber in eleganten Kurorten und Wellnesshotels, wo sie sich von diversen Schönheitsoperationen erholte.

Tom hielt ihr zugute, dass sie seinen Vater wirklich geliebt hatte. Trotzdem erfüllte es ihn mit Bitterkeit, dass sie ihn mit der Verantwortung für Jonas allein ließ und sich nur meldete, wenn sie Geld benötigte.

„Okay“, erwiderte Tom nach einer ganzen Weile. „Und wie stellst du dir dein Leben vor, so ganz ohne Schulabschluss?“

„Ich bin Musiker und …“ Er brach ab, als Tom laut auflachte.

„Nur weil du ein bisschen auf der Gitarre herumklimperst und dazu singst, bist du noch lange kein Musiker!“ Tom schüttelte den Kopf. „Ich bin ja schon einiges von dir gewohnt, aber damit übertriffst du alles.“

Jonas’ selbstherrliches Grinsen machte tiefer Betroffenheit Platz, und Tom erkannte, dass er seinen Bruder mit diesen Worten verletzt hatte. Mitleid wallte in ihm auf, doch bevor er etwas Versöhnliches sagen konnte, sprang Jonas auf.

„Du kannst mich mal!“, fuhr er wütend auf. „Es ist mir egal, was du über mich und meine Musik denkst. Und ich werde keinen einzigen Tag mehr in der dämlichen Schule verschwenden.“

„Du wirst zur Schule gehen!“, verkündete Tom finster.

„Oder was?“ In Jonas’ Grinsen spiegelte sich immer noch die Wut, die er eben ganz offen gezeigt hatte. Aber es wirkte gleichzeitig so provozierend, dass der Anflug von Mitleid verschwand und auch Tom nichts als Ärger empfand.