Notärztin Andrea Bergen 1380 - Daniela Sandow - E-Book

Notärztin Andrea Bergen 1380 E-Book

Daniela Sandow

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Beschreibung

Ein Prinz im weißen Kittel

Zärtlich zieht David die schöne Antonia an sich, und als seine Lippen ihre finden, löst sein Kuss das Trauma ihrer Vergangenheit, und zum ersten Mal seit langer Zeit lässt Antonia sich wieder fallen und vertraut ...
Tatsächlich scheint Davids Liebe ihr die Kraft zu geben, es endlich mit den Schatten der Vergangenheit aufzunehmen. Mutig beginnt sie eine Therapie gegen die Panikattacken, die sie quälen, seit ein Amokläufer an ihrem Arbeitsplatz unzählige Menschen tötete. Doch als sie David schließlich ihr Geheimnis anvertraut, reagiert er völlig unerwartet: Er stößt sie brüsk von sich und lässt sie verwirrt und verzweifelt zurück! Während Antonia sicher ist, sich schrecklich in ihm getäuscht zu haben, und sich wieder in ihren Kokon der Einsamkeit zurückzieht, meint David, Antonia freigeben zu müssen. Denn er ist schuldlos schuldig am Drama ihres Lebens ...

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EPUB
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Seitenzahl: 118

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

Cover

Impressum

Ein Prinz im weißen Kittel

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: PeopleImages / iStockphoto

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8127-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Ein Prinz im weißen Kittel

Arme, traurige Antonia! Alle Therapieerfolge der letzten Wochen scheinen zunichte gemacht zu sein, seit ihre große Liebe, mein Kollege Dr. David Schiller, sie ohne ein Wort der Erklärung verlassen hat. Dabei hatte Antonia endlich den Mut gefunden, sich David anzuvertrauen und ihm von den schlimmsten Stunden ihres Lebens zu erzählen. Davids barsche Abweisung hat dafür gesorgt, dass die alten Angstzustände nun wieder Antonias Alltag bestimmen – sie ist verzweifelt und lebt in der bitteren Gewissheit, dem falschen Mann vertraut zu haben …

Ich gebe zu, auch ich bin maßlos enttäuscht von meinem Kollegen David Schiller, der inzwischen gekündigt hat und die Stadt verlassen will. Er, den wir alle für Antonias Retter und Herzensprinzen hielten, scheint selbst ein dunkles Geheimnis zu haben, über das er mit niemandem sprechen kann. Ich bin ratlos, doch ich werde einen letzten Versuch unternehmen, ihn zur Vernunft zu bringen – denn ohne ihn ist Antonia verloren …

Schüsse peitschten auf, Schreie gellten durch die Gänge.

Antonia hatte sich in dem schmalen Spalt zwischen Schreibtisch und Heizung versteckt. Sie hockte auf dem Boden, zog die Beine ganz fest an ihren Körper und umschlang sie mit beiden Armen.

Zuerst hatte sie den Knall aus dem Eingangsbereich des Bürohauses nicht als Schuss erkannt, bis sie die Angstschreie der Kollegen vernommen hatte und weitere Schüsse gefolgt waren.

Jemand war draußen durch den Flur gelaufen und hatte dabei laut geschrien: „Versteckt euch! Er bringt alle um!“

Die Tür zu ihrem Büro stand offen. Sie vernahm flüchtende Schritte auf dem Gang. Weitere Schüsse, die näher kamen, einen Körper, der zu Boden fiel.

Schwere Schritte stapften in ihr Büro, dann war es plötzlich still. Antonia presste die Hände gegen den Mund, damit der Schütze ihr Atmen nicht vernahm. Ihr Herz raste.

Hatte er sie gehört? War er noch da?

Es war nichts zu hören. Keine Schreie, keine Schüsse, keine Schritte …

… und dann stand Jakob plötzlich vor ihr. Er hatte sich angeschlichen und ergötzte sich sichtlich an ihrem Erschrecken und der Panik in ihren Augen. Seine Lippen verzogen sich zu einem bösen Grinsen, als er langsam die Waffe hob.

„Bitte nicht, Jakob!“, wimmerte sie. „Bitte, bitte nicht!“

Er sagte nichts, doch das Lächeln auf seinem Gesicht wurde breiter – und dann fiel der Schuss …

Mit einem Schrei fuhr Antonia Marquardt auf. Sie zitterte am ganzen Körper, ihr gehetzter Blick jagte durch den dunklen Raum. Ihre Hände krallten sich in die Bettdecke. Es dauerte eine ganze Weile, bis ihr Verstand registrierte, dass es vorbei war. Sie hatte nur geträumt …

Nein, es war nicht vorbei!

So viele Jahre waren seit diesem schrecklichen Tag vergangen, aber es fühlte sich immer noch so an, als wäre es gestern erst geschehen.

Die Albträume holten sie immer wieder ein. Ihr Leben wurde bestimmt durch Angstzustände.

„Ich kann nicht mehr.“ Antonia erschrak vor dem Klang der eigenen Stimme. Sie schlug die Hände vors Gesicht und begann haltlos zu weinen.

***

Der Mann war groß und kräftig. Ein Dreitagebart zierte sein Gesicht, seine Haare waren sehr kurz geschoren. Er passte so gar nicht zu der eleganten Villa, vor deren offener Tür er stand und sichtlich aufgeregt auf das Rettungsteam wartete.

„Stefan Löhning“, stellte er sich vor. „Die Patientin ist meine Tochter.“

Notärztin Andrea Bergen stellte sich ebenfalls vor. „Was ist passiert?“, fragte sie.

Stefan Löhning zuckte hilflos mit den Schultern. „Isabelle hatte schon immer einen schwachen Magen, aber so schlimm wie heute war es noch nie. Sie musste sich mehrfach übergeben und hat starke Schmerzen. Vielleicht der Blinddarm?“, vermutete er, wartete jedoch nicht auf eine Antwort der Notärztin, sondern eilte voraus.

Andrea Bergen folgte ihm zusammen mit den beiden Sanitätern Ewald Miehlke und Jupp Diederichs.

Die Villa war hell und modern eingerichtet. Isabelle Löhnings Zimmer befand sich in der oberen Etage. Die junge Frau lag in ihrem Bett, ihr schmerzverzerrtes Gesicht wirkte grau und eingefallen. Sie hatte die Beine angezogen.

Andrea schätzte sie auf ungefähr zwanzig. Sie registrierte die flache Atmung. Isabelles Puls war beschleunigt.

Ewald schob die Manschette des Blutdruckmessgerätes über den Arm der jungen Frau. Isabelles Bauchdecke war stark angespannt. Sie schrie auf, als Andrea sie abtastete.

„Akutes Abdomen.“ Andrea Bergen richtete sich auf und wandte sich Stefan Löhning zu. „Wir bringen Ihre Tochter ins Elisabeth-Krankenhaus.“

„Was fehlt ihr?“

Andrea hatte einen Verdacht, aber sie wollte erst die Untersuchungen im Krankenhaus abwarten. „Es scheint eine Entzündung zu sein, doch wir müssen Ihre Tochter zuerst gründlich untersuchen. Wir brauchen Laborwerte und Röntgenaufnahmen.“

„Eine Entzündung?“ Der Mann atmete auf und wirkte plötzlich erleichtert. „Das ist doch nicht so schlimm, oder? Dann bekommt Isabelle Antibiotika, und es geht ihr bald wieder besser.“

Andrea bemerkte, wie Jupp und Ewald sich einen schnellen Blick zuwarfen, aber sie verzichtete darauf, den besorgten Vater über die Gefahren einer Peritonitis aufzuklären. Sie war sich ja immer noch nicht sicher, ob es sich wirklich um eine Bauchfellentzündung handelte. Wenn es so war, musste die Ursache der Entzündung abgeklärt werden, und da gab es einige Möglichkeiten, die durchaus lebensbedrohlich sein konnten.

„Ihre Tochter ist im Elisabeth-Krankenhaus gut aufgehoben“, wich die Notärztin einer direkten Antwort aus.

„Ich komme mit!“

Andrea schüttelte den Kopf und berührte kurz den Arm des Mannes. „Die Untersuchungen werden eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Packen Sie lieber ein paar Sachen für Ihre Tochter ein und besuchen Sie sie später.“

Es war Stefan Löhning anzusehen, dass er der Bitte nur widerstrebend nachkam.

Währenddessen betteten die Sanitäter Isabelle auf die Trage und brachten sie zum Rettungswagen.

„Sie ist mein einziges Kind“, flüsterte Stefan Löhning, als er mit Andrea Bergen allein war. „Isabelle ist alles, was mir nach dem Tod meiner Frau geblieben ist. Bitte passen Sie gut auf sie auf.“

„Das verspreche ich!“ Andrea lächelte ihm beruhigend zu und folgte den Sanitätern.

***

Die Lichter der Scheinwerfer fraßen sich durch die Nacht. Es war bereits nach Mitternacht, kein anderer Wagen befand sich um diese Zeit auf der schmalen Landstraße.

Yvonne Michels gähnte laut. Am liebsten hätte sie irgendwo angehalten, um ein paar Stunden zu schlafen, aber sie musste die Maschinenteile, die sie in Hamburg abgeholt hatte, noch in dieser Nacht abliefern.

Als das Handy klingelte und sie den Namen auf dem Display las, stöhnte sie leise auf. Sie zögerte kurz, bevor sie sich über die Freisprecheinrichtung meldete. „Ich bin noch unterwegs!“

„Das weiß ich!“ Mark Benders Stimme peitschte scharf an ihr Ohr. „Verdammt, Yvonne, Franke ist unser bester Kunde! Die Maschinenteile sollten schon vor Stunden in seinem Werk sein. Wo bleibst du?“

„Zaubere eben das nächste Mal einfach den Stau auf der A1 weg, dann schaffe ich es auch pünktlich“, gab sie verärgert zurück. „Oder fahr direkt selbst.“

Mark ging darauf nicht ein. „Wann bist du da?“

„In einer halben Stunde“, behauptete Yvonne in dem Wissen, dass das eine sehr optimistische Zeitangabe war. Sie wollte Mark nicht noch mehr aufbringen. In letzter Zeit kriselte es auf allen Ebenen. Geschäftlich ebenso wie privat.

„Tritt aufs Gas“, verlangte er und beendete das Gespräch ohne ein Wort des Abschieds.

Früher hätte er sich Sorgen um mich gemacht, dachte Yvonne traurig. Ach was, er hätte mich diese Tour so spät überhaupt nicht mehr fahren lassen. Oder er hätte mich begleitet.

Ein verträumtes Lächeln zog über Yvonnes Gesicht, als sie an diese Fahrten dachte. Europaweit waren sie herumgekommen, um schnellstmöglich irgendwelche Geräte, Maschinenteile oder einfach nur Dokumente von einem Ort zum nächsten zu bringen.

Zusammen mit Mark hatte sie diesen Expresskurier gegründet, um die Nische der großen und nicht ganz so flexiblen Logistikunternehmen zu nutzen.

Anfangs war es sehr gut gelaufen. Es sprach sich herum, dass sie sofort einsatzbereit waren, wenn ein neuer Auftrag hereinkam. Als es mehr wurde, schaffte Mark einen zweiten Transporter an. Immer seltener wurden die gemeinsamen Fahrten – und das wirkte sich allmählich auf die Beziehung aus.

Wehmütig dachte Yvonne an die Tour nach Südspanien. Das war ihre letzte Fahrt zusammen mit Mark gewesen. Und weil sie gerade etwas Zeit gehabt hatten, waren sie ein ganzes Wochenende in Antequera geblieben. Die Stadt war nicht so bekannt und deshalb auch nicht so überlaufen wie Malaga oder Sevilla.

Hand in Hand waren sie durch die engen Gassen geschlendert, hatten die historischen Häuser bewundert und in kleinen Tapas-Bars gegessen. Nachts hatten sie sich am Strand geliebt oder eng aneinandergeschmiegt im Transporter geschlafen.

Jetzt war ihr Umgang miteinander rau geworden. Wenn sie sich unterhielten, ging es um das Geschäft. Zärtlichkeiten tauschten sie kaum noch aus, und wenn sie miteinander schliefen – was immer seltener vorkam –, war es wie eine Pflichtübung.

Wann hatte er das letzte Mal gesagt „Ich liebe dich“?

Wann habe ich das zum letzten Mal gesagt?, schoss es Yvonne gleich darauf durch den Kopf.

Unweigerlich folgte darauf die Frage: Liebe ich ihn überhaupt noch?

Bevor Yvonne sich eine Antwort darauf geben konnte, passierte es: Plötzlich tauchte da etwas vor ihr im Scheinwerferlicht auf.

Sie registrierte noch, dass es ein Reh war, und reagierte gleichzeitig. Sie riss das Lenkrad nach rechts, spürte, wie sie von der Fahrbahn abkam und in die Böschung rutschte. Hart trat sie auf die Bremse, der Transporter überschlug sich – und dann wurde es dunkel …

***

„Ich will, dass mich der junge Herr Doktor operiert!“ Rosa Benn wies mit spitzem Finger auf David Schiller. Der sechsundachtzigjährigen Frau sollte die Gallenblase entfernt werden.

Professor Hebestreit, der bei der Visite der Privatpatientin ebenso anwesend war wie Dr. Anger, der Oberarzt der Chirurgie, lächelte gemütlich.

Helmut Anger plusterte sich jedoch auf. „Noch erstellen wir hier den Operationsplan“, wies er Rosa Benn aufgebracht zurecht.

Rosa richtete sich kerzengerade in ihrem Bett auf. Sie war eine skurrile Erscheinung. Hager, stark geschminkt, mit altmodischen, sehr kostbaren Schmuckstücken behängt. Ihre Blicke zeigten bereits deutlich, dass Helmut Anger sie nicht einschüchtern konnte. „Von mir aus können Sie Operationspläne erstellen, während Dr. Schiller mich operiert“, konterte sie ironisch.

David Schiller fühlte sich zunehmend unbehaglich. Er fing einen wütenden Blick des Oberarztes auf, obwohl er selbst sich zu dem Wunsch der Patientin nicht geäußert hatte. Vielleicht wurde es Zeit, jetzt etwas zu sagen.

„Dr. Anger ist ein ausgezeichneter Chirurg …“

„Ich brauche Sie nicht als Fürsprecher“, fiel Helmut Anger ihm grob ins Wort.

David Schiller hob in einer beschwichtigenden Geste beide Hände und schwieg. Er arbeitete erst seit Kurzem als Viszeralchirurg im Elisabeth-Krankenhaus, aber er hatte schnell feststellen müssen, dass die Zusammenarbeit mit dem Kollegen Anger nicht angenehm war.

Er konnte dessen Ärger im Augenblick durchaus nachvollziehen. Rosa Benn war Privatpatientin, der Eingriff war nicht besonders schwierig und konnte laparoskopisch durchgeführt werden. Da Professor Hebestreit ab morgen zwei Wochen lang Urlaub machte, hatte Helmut Anger sich schon auf diese für ihn lukrative Operation gefreut.

Allerdings verhehlte Rosa Benn keineswegs ihre Abneigung gegen Dr. Helmut Anger. Sie zog die Augenbrauen zusammen und musterte den Oberarzt von Kopf bis Fuß. „Ich mag Sie nicht“, verkündete sie unumwunden. „Bevor Sie mich operieren, gehe ich lieber in ein anderes Krankenhaus.“

David bemerkte das amüsierte Funkeln in Professor Hebestreits Augen. Er kam Helmut Anger zuvor, der tief durchgeatmet hatte und offensichtlich zu einer wenig freundlichen Antwort ansetzte.

„Selbstverständlich wird Dr. Schiller Sie operieren, Frau Benn“, erwiderte der Professor freundlich und verabschiedete sich von der Patientin.

David fühlte sich unbehaglich, als er nach einigen aufbauenden Worten an Rosa Benn zusammen mit Professor Hebestreit und Helmut Anger das Krankenzimmer verließ. Ihm wäre eine andere Entscheidung des Professors lieber gewesen, und er befürchtete, dass sich die Situation zwischen ihm und dem Oberarzt nach diesem Vorfall weiter verschärfen würde.

„Seit wann lassen wir uns von Patienten vorschreiben, wer operiert?“, fragte Helmut Anger aufgebracht, als sie auf dem Gang vor dem Zimmer standen.

„Herr Kollege, muss ich Ihnen wirklich erklären, dass die Privatpatientin eine Wahlarztbehandlung beanspruchen kann?“

Anger schüttelte den Kopf, starrte David dabei finster an.

„Gut, dann ist das endgültig geklärt“, stellte Professors Hebestreit entschieden fest. „Da ich ab morgen verreist bin, operiert der Kollege Schiller die Patientin Benn. Das fällt schließlich auch in seinen Bereich als Viszeralchirurg.“ Professor Hebestreit nickte knapp und verabschiedete sich.

„Es tut mir leid“, versicherte David, als er mit Helmut Anger allein war. „Von mir aus …“ Er brach ab, als Anger nach einem weiteren vernichtenden Blick einfach davoneilte. „Das kann ja heiter werden“, murmelte David.

„Wohl kaum“, erwiderte eine fröhliche Stimme in seinem Rücken.

David wandte sich um. Schwester Assisa kam auf ihn zu. In ihren dunklen Augen funkelte es amüsiert. „Mit Dr. Anger wird es selten heiter. Eigentlich nie!“

David redete grundsätzlich nicht über Kollegen, konnte sich ein Lächeln aber dennoch nicht verkneifen. Er hatte bereits mitbekommen, dass die indische Krankenschwester im Gegensatz zu den meisten ihrer Kolleginnen keine Angst vor Dr. Anger hatte und ihm die Stirn bot, wenn sie es für erforderlich hielt.

Schwester Assisa lächelte ihm noch einmal zu und ging weiter.

Kurz darauf wurde David Schiller zu einer Patientin gerufen, die vor einer Stunde mit diffusen Bauchschmerzen eingeliefert worden war. Inzwischen lagen die Laborergebnisse vor, und die Röntgenbilder hingen in dem Schaukasten. Eine blonde Frau stand davor und betrachtete sie aufmerksam. Sie wandte sich um, als er das Zimmer betrat.

Beide musterten sich sekundenlang und lächelten einander gleichzeitig zu. Mit ausgestreckter Hand kam sie auf ihn zu.

„Andrea Bergen“, stellte sie sich vor.

„Die Notärztin! Ich habe schon viel von Ihnen gehört.“ David lächelte. „Ich bin David Schiller.“

„Ich habe von Ihnen auch schon einiges gehört“, erwiderte die Notärztin schmunzelnd. „Schön, dass wir jetzt einen Viszeralchirurgen am Elisabeth-Krankenhaus haben.“ Andrea wies auf die Röntgenbilder. „Die Patientin ist zwanzig, hat seit ihrer Kindheit ständig Bauchschmerzen.“

Es waren Barium-Röntgenaufnahmen erstellt worden. Das Barium zeichnete den Verdauungstrakt auf den Röntgenbilder weiß nach. Deutlich waren die Umrisse und die Schleimhaut von Speiseröhre, Magen und Dünndarm zu sehen. Ebenso deutlich war die Verdrehung des Dünndarms erkennbar.

Das war eine lebensgefährliche Situation für die Patientin. Durch die Verdrehung wurde die Blutzufuhr zum Darm unterbrochen, und es drohte nicht nur der Verlust von Darmgewebe – dieser Defekt konnte zum Tod der Patientin führen.