Notärztin Andrea Bergen 1394 - Daniela Sandow - E-Book

Notärztin Andrea Bergen 1394 E-Book

Daniela Sandow

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Beschreibung

Andrea Bergen und der schöne Unbekannte

Mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen schaut Felix Holst aus dem Zugfenster in die kalte Winternacht hinaus. Nicht mehr lange, dann ist er wieder mit seiner kleinen Familie vereint. Doch genau in diesem Moment bricht ein infernalischer Lärm im Abteil los: ein Knall, ein schrilles Kreischen, so, als prallte Blech auf Blech. Der Waggon scheint sich von den Gleisen zu heben. Funken zischen, und panische Schreie gellen auf. Der zweite Stoß reißt Felix aus dem Sitz. Ein harter Schlag trifft ihn am Kopf; Blut pulsiert an seinem Hals, und mit jedem Herzschlag spürt Felix, wie die Dunkelheit mehr nach ihm greift! Sein letzter klarer Gedanke gilt den beiden Menschen, die er über alles liebt: Sarah ... Lenchen ...
Als Dr. Andrea Bergen die Unfallstelle erreicht, stirbt Felix unter ihren Händen. Unter den anderen Opfern des Zugunglücks ist ein blonder junger Mann ohne Papiere. Er hat zwar überlebt, und Andrea kann ihn ins Krankhaus bringen. Doch auch für ihn wird ein Albtraum wahr: Er hat jede Erinnerung verloren - kennt nicht mal seinen Namen ...

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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

Cover

Impressum

Andrea Bergen und der schöne Unbekannte

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Gorodenkoff / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9055-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Andrea Bergen und der schöne Unbekannte

Nie, niemals im Leben werde ich die Schicksalsnacht vergessen, in der sich das schreckliche Zugunglück ereignet hat, bei dem so viele Menschen starben und verletzt wurden. Auch Werners Cousine Sarah trauert um ihre große Liebe Felix, der im Unglückszug saß und sein Leben ließ. Felix’ kleine Tochter Leni ist alles, was Sarah noch von ihm und dem gemeinsamen Glück geblieben ist – doch selbst Leni will man ihr jetzt nehmen …

Und da ist der ungewöhnlich schöne blonde Unbekannte, der bei dem Unglück sich selbst verloren hat: Nach der schweren Kopfverletzung konnte ich ihn zwar reanimieren, doch ihm fehlt seither jede noch so winzige Erinnerung! Er weiß nicht, wie er heißt und wer er ist. Da ist nichts als das vage Gefühl in ihm, dass eine hübsche junge Frau sehnsüchtig auf ihn wartet – irgendwo in dieser Stadt, in diesem großen Land. Die Frau, zu der er in jener Nacht der Schrecken unterwegs war …

Felix Holst hatte die Terrassentür weit geöffnet, obwohl es empfindlich kühl war. Das Rauschen des Meeres war zu hören. Der Duft der Pinien vermischte sich mit dem Aroma des Rosmarins, den Sarah in Tontöpfe gepflanzt hatte, die auf dem Aufgang vom Swimmingpool zum Haus standen.

Sie kuschelten sich unter einer Decke eng aneinander und warteten auf die Klänge der Kirchturmglocke. Vor ihnen auf dem kleinen Holztisch standen der Sekt und zwei Gläser. In der Hand hielten sie bereits die Tüten mit den uvas de la suerte, den obligatorischen zwölf Glückstrauben.

Felix schaute auf seine Uhr. „Jetzt!“

Unmittelbar darauf war der erste Glockenschlag zu hören. Beide steckten sich eine Traube in den Mund. Sie lachten einander zu, griffen nach der zweiten Traube, die sie beim nächsten Glockenschlag aßen. Bis zu zwölf Mal, so verlangte es die spanische Tradition, weil das im neuen Jahr Glück versprach.

Sie schafften es beide, lachten sich strahlend an und fielen einander um den Hals. Von draußen waren vereinzelte Böllergeräusche zu hören.

Felix verzog das Gesicht. „Touristen!“

Sarah lachte. Zärtlich küsste sie ihn auf den Mund. „Feliz año nuevo!“

„Ein glückliches neues Jahr“, flüsterte auch er und ging vor ihr auf die Knie. Dabei zog er eine kleine Schachtel aus der Tasche und öffnete sie.

Sarah starrte auf den Weißgoldring mit dem funkelnden Brillanten.

„Ich liebe dich so sehr!“ Felix’ Stimme klang tief bewegt. „Du bist das Beste, was mir passiert ist. Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen. Willst du meine Frau werden?“

„Ja!“, rief Sarah strahlend und bestätigte es gleich noch einmal. „Ja!“

Atemlos vor Glück ließ sie sich von ihm den Ring an den Finger stecken. Sie lachte und weinte gleichzeitig.

Felix kniete noch immer auf dem Boden. Sie beugte sich vor, umarmte ihn. Er umfasste sie und zog sie in seine Arme, um sie leidenschaftlich zu küssen.

***

Suchend schaute sich Lilli Waldner um. Nur noch wenige Minuten bis Mitternacht. Sobald es losging und sich alle in den Armen lagen, wollte sie neben Milo Holtmann stehen. Sie wollte die Frau sein, der er im alten Jahr zuletzt in die Augen sah, und sie wollte die Frau sein, die er im neuen Jahr zuerst umarmte.

„Hast du Milo irgendwo gesehen?“, fragte sie, als Sibel an ihr vorbeiging.

Sibel war Hauptmieterin der Wohnung, die sie sich mit Lilli und Sophia teilte. Sie hatten sich im Elisabeth-Krankenhaus kennengelernt, als sie zusammen ihre Ausbildung zur Krankenschwester begonnen hatten.

Im neuen Jahr wartete auf sie alle die Abschlussprüfung. Lilli hoffte, dass sie auch danach am Elisabeth-Krankenhaus bleiben konnte. Nicht nur wegen Milo, aber ihr gefiel die Vorstellung, ihn auch weiterhin während der Arbeit zu sehen.

Leider nahm der Sanitäter keine Notiz von ihr. Er war freundlich, wenn sie in der Notfallambulanz aufeinandertrafen, aber das war es auch schon.

Deshalb hatte Lilli ihre ganzen Hoffnungen auf diesen Abend gesetzt und war Sibel unendlich dankbar, weil sie Milo zu der Silvesterparty in die WG eingeladen hatte.

Sibel wusste, dass Lilli sich in Milo verliebt hatte. Dummerweise hatte Sophia das durch Zufall ebenfalls erfahren und sparte seither nicht mit spöttischen Bemerkungen, bis Sibel ihr vor zwei Tagen nachdrücklich klargemacht hatte, dass sie es als respektlos empfand, wenn sie sich über die Gefühle einer Freundin lustig machte.

Sophia hatte daraufhin eine Augenbraue in die Höhe gezogen und arrogant erklärt: „Wir sind keine Freundinnen, sondern lediglich drei Kolleginnen, die sich eine Wohnung teilen.“

Seither war die Stimmung in der WG etwas unterkühlt.

Allerdings war es diesmal Sibel, die betroffen wirkte. Offensichtlich hatte sie in Sophia tatsächlich eine Freundin gesehen, und deren unverblümte Worte hatten sie verletzt.

Lilli hingegen hatte Sophia gegenüber stets eine innere Distanz empfunden. Sophias Worte konnten ihr nicht wehtun.

Dafür verletzte das Handeln der Kollegin und Mitbewohnerin sie umso mehr. Wie angewurzelt blieb sie stehen, als sie in die Küche kam und sah, dass Sophia sich in Milos Arme schmiegte. Im Gegensatz zu ihm bemerkte Sophia sie. Triumphierend grinste sie Lilli an, bevor sie Milos Kopf zu sich herunterzog, um ihn leidenschaftlich zu küssen.

Wie in Trance drehte Lilli sich um und ging zurück in den Wohnraum. Lachende Gesichter, feiernde Menschen und überlaute Musik waren mehr, als sie in ihrem Kummer ertragen konnte.

Niemand achtete darauf, als sie sich in ihr Zimmer zurückzog. Immer noch waren die Geräusche der Feiernden zu hören. Lilli setzte sich auf ihr Bett, presste die Hände gegen die Ohren und schloss die Augen. Das Bild, wie Sophia in Milos Armen lag und ihn küsste, ließ sich so aber nicht verdrängen.

Erschrocken zuckte sie zusammen, als sich jemand neben sie setzte.

„Sophia ist ein Biest!“ Sibel legte einen Arm um ihre Schulter und drückte sie an sich. „Ich könnte ihr den Hals umdrehen.“

Lilli zwang sich zu einem Lächeln. „Da musst du dich aber hinten anstellen.“

„Lass dir diesen Abend nicht versauen“, bat Sibel. „Das ist Milo nicht wert. Und Sophia erst recht nicht. Komm mit und lass uns feiern.“

„Ich kann nicht.“ Lilli schüttelte den Kopf.

„Natürlich kannst du.“ Sibel sprang auf und zog sie hoch. „Du wirst Sophia nicht zeigen, wie sehr sie dich mit ihrer fiesen Aktion verletzt hat. Die macht sich doch nur an Milo heran, weil sie genau weiß, dass du auf ihn stehst.“

Sibels Worte entfachten in ihr eine solche Wut, die sogar den Liebeskummer überlagerte. „Ja, ich will feiern, lachen und tanzen!“, stieß Lilli hervor. „Zum Teufel mit Sophia und Milo! Es gibt noch andere nette Männer.“

„Genau das will ich hören.“ Sibel griff nach ihrer Hand und lief mit ihr zurück zu den anderen. Keinen Moment zu spät.

„Zehn, neun, acht …“, stimmten ihre Freunde gerade den Countdown bis Mitternacht an. „… sieben, sechs, fünf …“

Gerade als Lilli einstimmte, kamen Milo und Sophia von der Dachterrasse zurück. Er hatte einen Arm um sie gelegt.

„… vier, drei, zwei …“, zählte sie automatisch mit, ohne Milo und Sophia aus den Augen zu lassen. Die Wut verrauchte und ließ ihren Schmerz wieder zu.

„… eins!“ Lautes Jubeln und Gejohle klang auf, untermalt vom Böllern und Knallen der Silvesterraketen auf der Straße. Alle drängten zur Dachterrasse, um das Feuerwerk zu beobachten, nur Lilli und Sibel blieben zurück.

„Ich wünsche dir ein wundervolles neues Jahr.“ Sibel umarmte sie.

„Ich wünsche dir auch alles Gute für das neue Jahr“, erwiderte Lilli und brachte sogar ein Lächeln zustande.

„Alles wird gut“, versicherte die Freundin ihr. „Das wird ein wundervolles Jahr.“

Diese Überzeugung konnte Lilli nicht teilen. Wenn das neue Jahr so weiterging, wie das alte aufgehört hatte, standen ihr traurige Zeiten bevor.

***

„Nächstes Jahr feiern wir wieder zusammen, Süße“, hatte er vor ein paar Stunden am Telefon gesagt. „Bald bin ich hier raus, dann fangen wir ganz neu an.“

Marie Schmid lehnte die Stirn gegen die kühle Fensterscheibe und schaute hinaus in das funkelnde Silvesterfeuerwerk. Durch das geschlossene Fenster war das Krachen und Böllern nur gedämpft zu vernehmen.

Einen Neuanfang!

Ihr Gesicht spiegelte sich im Fenster, ihre Lippen verzogen sich zu einem bitteren Lächeln. So oft schon hatte er ihr einen Neuanfang versprochen und war dann doch wieder straffällig geworden.

Ich kann es nicht mehr ertragen, dachte sie. Nicht das Warten auf ihn, wenn er im Gefängnis sitzt, aber auch nicht die Angst, wenn er in Freiheit ist. Die Angst davor, dass er wieder straffällig wird.

Als sie zwei Arme von hinten erfassten, drehte sie sich um.

„Du musst es ihm sagen!“ Ernst schaute Matthias sie an.

„Ich weiß“, flüsterte sie. „Aber nicht heute. Nicht am letzten Tag des Jahres.“

„Glaubst du, dass es an irgendeinem anderen Tag im Jahr einfacher für ihn wird?“

Marie schüttelte den Kopf. Es würde ihn hart treffen, das wusste sie genau. Wenn sie sich auch in nichts auf Jens verlassen konnte – seiner Liebe war sie sich immer gewiss. Er liebte sie mehr als sein Leben.

Aber ihre Liebe zu ihm hatte er zerstört!

Immer wieder hatte er behauptet, er würde das alles nur für sie tun. Den Bankeinbruch, den Überfall auf den Juwelier …

Er wollte Geld haben. Viel Geld, um sie zu verwöhnen.

„Um dir das zu geben, was du verdienst“, hatte er immer wieder zu ihr gesagt.

Er hatte es nicht verstanden, wenn sie ihm darauf erwidert hatte, dass sie nichts anderes brauchte als ihn. Dass sie ein Leben in Bescheidenheit vorziehen würde. Ein ehrliches Leben, in dem sie keine Angst mehr um ihn haben musste …

Sie schaute Matthias an. Er war zuerst ihr Nachbar gewesen, als sie nach Jens’ letzter Verurteilung wieder hatte umziehen müssen. Jede seiner Gefängnisstrafen wurde für sie ein Spießrutenlauf. Er brandmarkte sie vor den Nachbarn, für die sie die „Frau des Verbrechers“ war.

Irgendwann war aus dem Nachbarn Matthias ein guter Freund geworden. Und jetzt war er der Mann, der sie liebte und in den sie sich verliebt hatte.

Für ihn war sie nicht die Frau des Verbrechers, sondern Marie. Eine Frau mit einer eigenen Geschichte, der es wichtig war, ein rechtschaffenes Leben zu führen.

„Übermorgen kann ich ihn wieder im Gefängnis anrufen, dann sage ich ihm, dass ich die Scheidung will“, versprach Marie. „Und ich werde ihm sagen, dass er erst gar nicht nach Mainz kommen soll. Am liebsten wäre es mir, er bliebe gleich in Hamburg.“

„Lass uns heute Abend nicht mehr an ihn denken. Gerade beginnt ein neues Jahr. Unser Jahr!“ Zärtlich schaute er sie an. „Alles Gute, ein glückliches neues Jahr!“

Er hatte recht, sie musste endlich aufhören, ständig an Jens zu denken, und sich auf das neue Leben mit Matthias freuen.

„Ein glückliches neues Jahr!“, wünschte auch sie. „Für uns beide.“

***

„Frohes neues Jahr!“ Werner Bergen schloss seine Frau fest in seine Arme.

„Ein frohes neues Jahr!“ Andrea schmiegte sich an ihren Mann. „Jeder Jahreswechsel erfüllt mich immer mit etwas Wehmut, weil es so etwas wie ein Abschied für immer ist. Ein Jahr, das unwiderruflich vergangen ist. Aber diesmal freue ich mich ganz besonders auf das neue Jahr.“

„Ich auch.“ Werner grinste. „Weil es das erste Mal ist, dass ich auf gute Vorsätze verzichtet habe. Ich nehme sowieso nicht ab, und zu mehr Sport habe ich keine Zeit.“

„Mehr Sport?“, hakte Andrea lachend nach, wobei sie die Betonung auf „mehr“ legte. Gleich darauf wurde ihre Miene ernst. „Ich habe nur einen Vorsatz und fürchte bereits jetzt, dass ich ihn nicht einhalten kann. Ich möchte mir mehr Zeit für die Familie nehmen.“

„Dazu haben wir beide Gelegenheit, wenn Sarah in ein paar Tagen zurück nach Deutschland kommt.“

„Ich freue mich sehr auf sie, und ich bin gespannt auf ihren zukünftigen Mann.“ Andrea schaute Werner bedrückt an. „Seit vier Jahren lebt sie mit ihm zusammen, und wir haben es nicht einmal geschafft, sie auf Mallorca zu besuchen.“

„Das bedaure ich auch sehr“, stimmte Werner ihr zu. „Sarah hat uns so oft eingeladen, aber wir hatten nie Zeit.“

„Wie schön, dass wir sie bald sehen! Und noch mehr freut es mich, dass sie demnächst mit ihrer Familie ganz in unserer Nähe wohnt.“

Werner lächelte und nickte. „Das wird ein gutes neues Jahr“, prophezeite er.

„Ein sehr gutes neues Jahr.“ Andrea schlang die Arme um seinen Hals und schloss die Augen, als er sie erneut küsste.

***

Als Sarah in Lenis Zimmer kam, kniete die Sechsjährige auf ihrem Bett und schaute aus dem Fenster. Es war ein wundervoller Neujahrstag. Das Blau des Himmels spiegelte sich im Meer. Es war Winter auf Mallorca, auch wenn es sich nicht so anfühlte. Das Grün der Palmen bewegte sich sanft im Wind, und ihr eigener Garten war selbst um diese Jahreszeit ein Blütenmeer.

„Gibt es in Deutschland auch ein Meer?“, wollte Leni wissen.

Sarah ging zu dem Kind und hockte sich neben Leni aufs Bett, um ebenfalls aus dem Fenster zu schauen. „Ja, aber nicht da, wo wir wohnen.“

„Dann will ich lieber zu Hause bleiben.“

Sarah wurde nicht zum ersten Mal bewusst, dass Leni die Insel als ihre Heimat betrachtete. Felix und sie hatten lange überlegt, ob sie wirklich nach Deutschland zurückkehren wollten. Jetzt war diese Entscheidung fällig gewesen, weil Leni im kommenden Sommer eingeschult werden sollte.

Felix musste wegen seiner Arbeit demnächst sehr viel Zeit in Deutschland verbringen, und er wollte mit Sarah keine Wochenendbeziehung führen und seine Tochter nur selten sehen.

„In den Ferien sind wir immer hier“, versprach Sarah. „Dann haben wir beides, Spanien und Deutschland.“

„Ich will aber lieber hierbleiben und zusammen mit Inés in die Schule gehen.“

Lenis beste Freundin Inés wohnte mit ihren Eltern gleich nebenan.

Sarah wurde plötzlich von der Angst erfüllt, dass Felix und sie doch die falsche Entscheidung getroffen hatten. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Minutenlang hockte sie neben Leni auf dem Bett und schaute zusammen mit ihr hinaus aufs Meer.

„Da, wo wir demnächst wohnen, gibt es einen Fluss. Wir können wunderschöne Rheinschifffahrten unternehmen. Das wird dir bestimmt gefallen.“

In Lenis Augen glomm Interesse auf. „Fahren wir jeden Tag mit dem Schiff?“

„Wenn wir das täglich machen, ist es nicht mehr spannend. Aber an den Wochenenden unternehmen wir bestimmt viele Ausflüge. Dein Papa und ich wollen dir unsere Heimat zeigen.“

Leni zog nachdenklich die Stirn kraus. „Ich war noch nie in Deutschland.“

„Du wurdest in Deutschland geboren.“ Sarah legte einen Arm um die schmalen Schultern des Mädchens. „Dein Vater ist kurz danach mit dir hierher gezogen, deshalb kannst du dich nicht mehr daran erinnern.“