Notärztin Andrea Bergen 1396 - Arztroman - Daniela Sandow - E-Book

Notärztin Andrea Bergen 1396 - Arztroman E-Book

Daniela Sandow

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1,49 €

Beschreibung

Timos Lied der Hoffnung Das junge Topmodel Luisa hat sich unsterblich in Timo verliebt. Doch nach einem romantischen Abend mit ihm wartet Luisa vergeblich auf Nachricht von ihrem Traummann. Sie ahnt nicht, dass ihre ehrgeizige Mutter Timos SMS aus purer Berechnung unterschlägt. Als Luisa schwer krank wird und nur noch ein Spenderorgan sie retten kann, sind es einzig die Gedanken an Timo, die Luisa noch mit dem Leben verbinden ...

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Seitenzahl: 121

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Inhalt

Cover

Impressum

Timos Lied der Hoffnung

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Yuganov Konstantin / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9326-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Timos Lied der Hoffnung

Nie zuvor hat es bei uns im Elisabeth-Krankenhaus eine solche Welle der Hilfsbereitschaft gegeben wie im Fall der bildhübschen Luisa Wiedt, deren Schicksal niemanden unberührt lässt: Ärzte, Pflegepersonal und Patienten – alle lassen sich in diesen Tagen testen, ob sie als Teilorganspender für die todkranke Luisa infrage kommen. Bisher leider vergebens …

Schon einmal war der schwer kranken jungen Frau buchstäblich in allerletzter Sekunde eine Spenderleber transplantiert worden, und die Chancen, wieder ganz gesund zu werden, standen denkbar gut. Doch nun ist es zu lebensgefährlichen Abstoßungsreaktionen gekommen, und der Wettlauf gegen die Zeit beginnt erneut. Der Wettlauf und das atemlose, bange Warten! Während Luisa schwächer und schwächer wird, ist ihr Freund Timo beinahe pausenlos an ihrer Seite. Er singt für sie sein „Lied der Hoffnung“, das inzwischen alles ist, was Luisa noch am Leben hält – Timos Lied und seine Liebe …

„Team Charlène!“, rief Schwester Thea und streckte die gedrückten Daumen in die Höhe.

„Team Luisa“, widersprachen ihre neue Kollegin Maren und Andrea Bergen, die Notärztin des Elisabeth-Krankenhauses, gleichzeitig.

„Team Philipp Grossert!“

Drei Köpfe fuhren herum, als Lore Keller das Krankenzimmer betrat.

„Ich stelle mir gerade das Gesicht unseres Verwaltungsleiters vor, wenn er wüsste, was ihr hier macht.“

Maren wirkte erschrocken, doch Schwester Thea und Andrea Bergen lachten laut auf.

„Du bist doch auch hier, weil du das Finale sehen willst“, neckte Andrea sie.

Lore grinste und setzte sich neben die Notärztin auf das Krankenbett. „Ich habe Herrn Möbius nur deshalb heute Morgen entlassen, damit wir ein leeres Krankenzimmer haben, in dem wir in Ruhe das Finale sehen können.“

Andrea Bergen schmunzelte. Sie wusste nur zu gut, dass die Oberärztin der Inneren eher dafür kämpfte, dass Patienten nicht zu früh entlassen wurden.

„Herr Möbius hat seine Zuckerwerte wieder im Griff“, sagte Lore Keller.

„Fragt sich nur, wie lange.“ Schwester Thea seufzte. „Er behauptet ja von sich, dass er ein absoluter Genussmensch sei, der gut und viel isst.“

Lore zog eine Grimasse. „‚Und Sport ist Mord‘, fügt er jedes Mal hinzu. Ich fürchte, bei diesem Patienten sind alle Ermahnungen vergebens. Dabei bekäme er seinen Diabetes gut in den Griff, wenn er nur ein wenig disziplinierter leben würde.“

„Irgendwie mag ich ihn.“ Maren lächelte. „Er ist lustig. Und großzügig.“

„Stimmt“, konterte Lore trocken. „Er hat so viele Süßigkeiten an das Pflegepersonal verschenkt, dass es im Schwesternzimmer zeitweise wie in einer Süßwarenhandlung aussah.“

„Es geht los!“ Schwester Thea zeigte aufgeregt auf den Bildschirm, als Fiona Jänicke, die Moderatorin der Castingshow You’re a Topmodel, in die Kamera lächelte. „Die Jury hat entschieden.“

Nacheinander wurden die vier Jurymitglieder eingeblendet. Ein bekannter Designer, zwei Schauspielerinnen und ein Sänger.

„Gleich geben wir den Namen der diesjährigen Gewinnerin bekannt.“ Fiona Jänicke machte es spannend. „Liebe Zuschauer, in wenigen Minuten werden Sie erfahren, wer unser diesjähriges Topmodel ist. Charlène? Luisa?“

Diesmal wurden die Gesichter der letzten beiden Kandidatinnen gezeigt, die sich in dieser Staffel gegen fünfzehn Konkurrentinnen durchgesetzt hatten.

Charlène lächelte, Luisa hingegen wirkte angespannt.

„Deshalb mag ich Charlène lieber“, kommentierte Thea die Bilder. „Selbst jetzt ist sie fröhlich und lacht. Luisa wirkt dagegen richtig verbissen.“

„Ich finde, sie sieht traurig aus.“ Andrea war das schon einige Male aufgefallen. Sie war der Meinung, dass das blonde Mädchen mit dem schönen Gesicht nicht in diesen Rahmen passte. Sie war kein typisches Model.

Normalerweise machte Andrea sich nichts aus solchen Castingshows, aber Hilde liebte diesen Model-Wettbewerb. In diesem Jahr hatte Andrea sich von der Begeisterung ihrer Schwiegermutter anstecken lassen, und das lag ganz besonders an Luisa.

Andrea war fasziniert von dem jungen Mädchen, das immer so ernst wirkte und nur selten lächelte. Doch selbst wenn es einen dieser seltenen Momente gab, wirkte ihr Lächeln traurig und verloren.

„Wer ist die Gewinnerin unserer diesjährigen Staffel?“, rief Fiona Jänicke erneut. Erfahrene Zuschauer wussten, dass sie sich auch jetzt noch Zeit für ihre Antwort lassen würde.

„Oh Mann“, regte Schwester Thea sich auf. „Muss die das immer so in die Länge ziehen?“

„Muss sie“, erwiderte Lore Keller trocken. „Das ist ihr Job.“

In diesem Moment meldete sich Andreas Pager und rief sie zu einem Einsatz.

„Mist!“, stieß sie hervor, erhob sich aber sofort und lief zur Tür. Bevor sie den Raum verließ, bekam sie gerade noch Fiona Jänickes Worte mit: „Liebe Zuschauer, die Jury hat entschieden …“

Andrea eilte weiter. Ihre Arbeit war wichtiger als das Ergebnis einer Modelshow.

***

„Liebe Zuschauer, die Jury hat entschieden …“

Buhrufe waren zu hören, als Fiona Jänicke erneut eine Pause machte, um die Spannung weiter zu erhöhen. Die Moderatorin reagierte darauf mit einem Lächeln und ließ sich weiterhin Zeit.

Sag es doch endlich! Luisa ballte die Händen zu Fäusten, öffnete sie aber sofort wieder, als ihr einfiel, dass jede Regung und jede Bewegung von den Kameras erfasst wurde.

Charlène strahlte sie an und griff nach ihrem Arm. Ganz so, als wären sie beste Freundinnen. Aber das waren sie nicht! Backstage hatte Charlène oft genug ihr wahres Gesicht gezeigt. Ihr Lächeln vor den Kameras war nicht mehr als eine Maske.

Trotzdem gönnte Luisa ihrer Konkurrentin den Sieg von ganzem Herzen. Mehr noch, sie wünschte sich sogar, dass Charlène den Contest gewann. Sie hütete sich jedoch davor, das laut auszusprechen. Niemand würde sie verstehen. Weder die Jury noch die Zuschauer – und am wenigstens ihre Mutter.

Luisa schaute zu ihr.

Carolin Wiedt saß in der ersten Reihe. Sie nickte ihr zu, als sich ihre Blicke trafen.

Mit Mühe gelang Luisa ein Lächeln, dann wurde ihre Miene wieder ernst.

Das Publikum äußerte lautstark seinen Unmut, weil Fiona Jänicke den Namen der Siegerin immer noch nicht nannte.

Die Moderatorin hob beschwichtigend beide Hände. „Liebes Publikum hier im Saal, liebe Zuschauer vor den Fernsehgeräten, ich werde Sie jetzt nicht länger auf die Folter spannen. Unsere Siegerin in diesem Jahr ist …“

Zehn Sekunden Pause, in denen atemlose Stille herrschte.

„Luisa!“

Luisa schloss die Augen, während ringsum Beifall aufbrandete. Laute Jubelrufe waren zu hören, und sie glaubte, darunter auch die spitzen Begeisterungsschreie ihrer Mutter zu hören.

„Luisa!“

Luisa öffnete die Augen, als Fiona Jänicke ihren Namen nannte. Die Moderatorin trat neben sie und legte einen Arm um ihre Schulter.

„Offensichtlich kannst du es gar nicht fassen!“ Fiona Jänicke lachte und drängte sie in die Mitte der Bühne. „Meine Damen und Herren, hier ist unsere Gewinnerin“, rief Fiona laut ins Mikrofon. „Luisa Wiedt!“

Unter die Jubelschreie mischten sich nun auch erste Buhrufe von Charlènes Fans.

„Du hast hunderttausend Euro gewonnen.“ Obwohl Fiona Jänicke mit ihr sprach, schaute sie in die Kamera. „Damit verbunden ist der Jahresvertrag mit einer großen Model-Agentur, und …“ Wieder machte Fiona Jänicke eine ihrer berühmten Pausen, für die sie von einigen Zuschauern regelrecht gehasst wurde. „… deinen ersten Auftrag für die erste Kosmetiklinie La belle.“

Luisa atmete tief durch. „Ich will das alles nicht“, hätte sie am liebsten laut aufgerufen. „Lasst mich einfach alle in Ruhe.“

Sie fing einen Blick ihrer Mutter auf, sah, wie sich deren Lippen zu einem knappen Satz formten. „Reiß dich zusammen!“

Luisa verstand die Worte, obwohl sie sie nicht hören konnte. Gleichzeitig spürte sie den altbekannten Schmerz in ihren Schläfen. Noch war es auszuhalten, aber sie wusste aus Erfahrung, dass es mit jeder Minute schlimmer werden würde.

Sie rieb sich die Stirn und gab ihrer Mutter damit zu verstehen, dass sie dringend ihre Tabletten benötigte, die sich in ihrer Handtasche in der Garderobe befanden.

Carolin runzelte unwillig die Stirn, doch sie nickte.

Luisa musste aber noch eine ganze Weile warten, bis sie die Bühne verlassen konnte. Ihre Kopfschmerzen wurden stärker, während sie sich bemühte, freundlich zu lächeln und Fragen zu beantworten.

„Herzlichen Glückwunsch!“ Charlène reichte ihr mit einem verkniffenen Lächeln die Hand. Als sie bemerkte, dass sich die Kameras auf sie richteten, umarmte sie Luisa. „Ich hätte es eher verdient“, zischte Charlène ihr ins Ohr.

„Mir wäre es auch lieber gewesen, wenn du gewinnst!“ Die Worte rutschten Luisa einfach so heraus.

Charlène starrte sie entgeistert an.

„Es tut mir leid“, murmelte Luisa. Sie wandte sich ab und war froh, dass sie endlich von der Bühne gehen konnte.

Ihre Mutter wartete in der Garderobe auf sie. Sie begrüßte ihre Tochter mit harschen Worten. „Konntest du vor den Kameras nicht wenigstens ein bisschen Freude zeigen? Ein Wunder, dass die Jury sich für dich entschieden hat.“

„Was willst du eigentlich? Ich habe es doch geschafft.“ Luisa wagte es nur selten, in einem so harten Ton mit ihrer Mutter zu reden. Angriffslustig hob sie den Kopf. Das Pochen in ihren Schläfen wurde unerträglich. „Ich brauche meine Tabletten.“ Während sie sprach, griff sie in ihre Handtasche und suchte nach der Tablettenpackung.

„Nimm gleich zwei“, befahl Carolin. „Dann hast du hoffentlich bei der After-Show-Party bessere Laune.“

„Ich habe keine schlechte Laune, sondern Kopfschmerzen“, erwiderte Luisa heftig.

Carolin sagte nichts mehr. Sie betrachtete die Kleider, die für den Abend zur Auswahl standen. „Ich schlage vor, du trägst das blaue Minikleid mit den goldenen Applikationen. Zufällig weiß ich, dass die Designerin heute Abend eingeladen ist.“

Luisa glaubte nicht an einen Zufall. Ihre Mutter war ihre Agentin und immer bestens auf alles vorbereitet.

„Es kann nicht schaden, wenn sie sieht, wie gut dir ihre Modelle stehen.“

Luisa fand das Kleid hässlich, aber sie schwieg. Die Tabletten wirkten noch nicht, ihre Kopfschmerzen waren kaum noch auszuhalten. Sie war einfach nicht dazu in der Lage, mit ihrer Mutter zu streiten, und es war ohnehin sinnlos. Letztendlich machte sie doch genau das, was Carolin von ihr verlangte.

Ich habe dieses Leben so satt!, schoss es ihr durch den Kopf.

Erschrocken zuckte sie zusammen. Niemals durfte sie so etwas auch nur denken. Niemals!

„Luisa!“

Luisa hob beschwichtigend die Hände. „Ja, schon gut. Ich ziehe das hässliche Kleid an, und ich mache auch sonst alles, was du willst.“ Sie hielt kurz inne, bevor sie hinzufügte: „Wie immer!“

Sie rechnete mit einer wütenden Erwiderung, aber diesmal wirkte ihre Mutter vor allem verletzt. „Ich mache das alles nur für dich. Weil ich will, dass dein Traum in Erfüllung geht.“

Erleichtert registrierte Luisa, dass die Schmerzen nun doch nachließen. Sie atmete tief durch, nahm allen Mut zusammen und sagte leise: „Das ist dein Traum, Mama, nicht meiner.“

Carolin starrte sie an, öffnete den Mund. Bevor sie etwas erwidern konnte, wurde die Tür aufgerissen, und Mike Holtzer stürmte ins Zimmer.

„Kannst du nicht anklopfen?“, fuhr Luisa ihn wütend an. Sie hatte ihr Bühnen-Outfit inzwischen ausgezogen, aber das hässliche Designerkleid noch nicht übergestreift und stand nun in BH und Höschen vor ihm.

Mike musterte sie grinsend von Kopf bis Fuß. „Keine Sorge, Schätzchen, an dir gibt es nichts, was ich nicht schon einmal gesehen hätte. Also reg dich ab.“

„Komm, wir gehen raus. Dann kann Luisa sich in Ruhe umziehen.“ Carolin griff nach Mikes Arm und zog ihn zur Tür.

Er zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Von mir aus.“ Bevor er mit ihrer Mutter den Raum verließ, warf er Luisa über die Schulter noch zu: „Bilde dir nichts ein, nur weil du diesen Contest gewonnen hast. Für Starallüren ist es noch zu früh.“ Er grinste sie an, dann fiel die Tür hinter ihm zu.

Endlich war sie allein! Luisa ließ sich auf den Stuhl vor dem großen Garderobenspiegel fallen. Tief atmete sie ein und aus. Nur gedämpft waren Stimmen, Gelächter und laute Rufe von draußen zu hören. Alle schienen sich auf die After-Show-Party zu freuen, nur Luisa wünschte sich weit weg. Sie sehnte sich so sehr nach Stille.

Warum mache ich das alles?, fragte sie sich selbst. Wieso lasse ich mein Leben so sehr durch andere bestimmen, anstatt endlich das zu machen, was ich will?

Mit „andere“ meinte sie vor allem ihre Mutter. Carolin setzte sich so sehr für den Erfolg ihrer Tochter ein, dass Luisa sich wegen ihrer vermeintlichen Undankbarkeit schämte.

Müde erhob sie sich. Die Kopfschmerzen waren jetzt nur noch als ein dumpfes Pochen zu spüren. Vorsichtshalber nahm sie noch eine Paracetamol, damit die Schmerzen während der Party nicht wieder stärker wurden.

Vielleicht wird es ja doch noch ein netter Abend, dachte Luisa, während sie sich das Kleid überstreifte. Noch einmal atmete sie tief durch, bevor sie die Garderobe verließ.

***

„Eine verletzte Person“, gab Ewald Miehlke die Informationen weiter, die er von der Leitstelle erhalten hatte. „Unfall auf der Bundesstraße.“

„Kein Wunder, bei dem Wetter“, brummte Jupp Diederichs. Jetzt, Ende Januar, zeigte sich der Winter von seiner unangenehmen Seite. Nach strengen Frosttagen hatte es zuerst geregnet, dann wieder geschneit. Doch unter dem Schnee befand sich immer noch eine Eisschicht, die in den letzten Tagen immer wieder zu Unfällen geführt hatte. Die Witterungsbedingungen waren für Fußgänger und Autofahrer gleichermaßen eine Herausforderung.

Die Polizei war bereits eingetroffen. Zuckendes Blaulicht spiegelte sich im Schnee wider.

Der Wagen war frontal in einen der Bäume am Straßenrand gefahren. Andrea registrierte das Saarbrücker Kennzeichen, aber dann galt ihre ganze Aufmerksamkeit dem Patienten. Er saß noch auf dem Fahrersitz und war zum Glück ansprechbar. Bevor Andrea etwas sagen konnte, stellte er die Diagnose gleich selbst: „Distale Tibiafraktur mit Weichteilschaden.“

Andrea Bergen schaute ihn erstaunt an.

„Hallo, Andrea!“ Er grinste.

„Kennen wir uns?“ Noch während sie diese Frage stellte, wusste sie plötzlich, wer er war. „Frederic?“ Prüfend schaute sie ihm ins Gesicht. „Frederic Weyland?“

Er zog eine Grimasse. „Es hätte meinem Ego einen argen Schlag versetzt, wenn du mich nicht erkannt hättest oder dich sogar überhaupt nicht mehr an mich erinnern könntest. Obwohl so viele Jahre seit unserem gemeinsamen Studium vergangen sind, hast du dich überhaupt nicht verändert.“

„Du dich auch nicht“, erwiderte Andrea trocken und meinte damit weniger seine Erscheinung als vielmehr sein Auftreten. Äußerlich hatte er sich verändert. Er war immer noch attraktiv, aber während des Studiums hatte er stets wie ein schlaksiger, zu groß geratener Junge gewirkt. Er war erwachsen geworden, und das stand ihm außerordentlich gut.

Wahrscheinlich hatte sie ihn ein wenig zu lange gemustert, denn auf seinem Gesicht zeigte sich wieder der Anflug eines spöttischen Lächelns. „Wenn du dich dann genug an meinem Anblick erfreut hast, darfst du mich gern in das nächstgelegene Krankenhaus bringen. Ich fürchte, meine Fraktur muss operativ gerichtet werden.“

Andrea zog die Augenbrauen hoch. „Normalerweise untersuche ich meine Patienten kurz, bevor ich sie ins Elisabeth-Krankenhaus bringe.“

Er seufzte. „Okay, du kannst es dir ja einmal ansehen und mir auch gleich ein Schmerzmittel injizieren. Ich will ja nicht jammern, doch inzwischen tut es höllisch weh.“

„Dafür hältst du dich aber tapfer.“