Professor Zamorra 1343 - Thilo Schwichtenberg - E-Book

Professor Zamorra 1343 E-Book

Thilo Schwichtenberg

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Beschreibung

Nicole irrte durch den Wald. Schwarz und düster war er, und statt Blättern lagen Knochen auf dem Boden. Unvermittelt tauchte die Dämonin vor ihr auf. Als wenn sie zeitlos gesprungen war. Schwarze Schwingen, schwarze Haare, blutige Augen, blutiges Maul. Die Dämonin grinste und fraß genüsslich eine Krähe. Mitten im Schmatzen hielt sie inne. "Hi Nicole." Jetzt erkannte die schöne Französin erst, wer vor ihr stand! "Teri? Teri bist du das?"

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Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Personenliste

Schwanen- gesang

Leserseite

Vorschau

Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Wichtige Personen für diesen Roman sind:

Professor Zamorra deMontagne: der Meister des Übersinnlichen; furchtloser Kämpfer gegen die Ausgeburten der Hölle und Wissenschaftler für parapsychologische Phänomene

Nicole Duval: seine Sekretärin sowie Lebens- und Kampfgefährtin

Astaroth und Agares: Erzdämonen und Mitglieder des Inneren Kreises der Hölle

Belial: Fürst der Finsternis; hat Ambitionen auf den Thron der Herrin der Hölle

Stygia: Die Herrin der Hölle hat gerade mehrere Probleme am Hals

Luzifer: Schöpfer der Hölle, der Dämonen und ... der Menschen

Michael: Erzengel, der äonenlang durch Luzifers Betreiben in Ungnade gefallen war

Sara Moon: Tochter Merlins und Dienerin des Wächters der Schicksalswaage

Teri Rheken: Silbermond-Druidin; arbeitete für Sara Moon, die Herrin von Caermardhin, und damit für den Wächter der Schicksalswaage; ihr Geist wurde zersplittert

Schwanen-gesang

von Thilo Schwichtenberg

Nicole irrte durch den Wald. Schwarz und düster war er, und nicht Blätter, sondern Knochen bedeckten den Bo‍den.

Unvermittelt tauchte die Dämonin vor ihr auf. Schwarze Schwingen, schwarze Haare, blutige Augen, blutiges Maul.

Die Dämonin grinste und fraß genüsslich eine Krähe.

Mitten im Schmatzen hielt sie inne. »Hi, Nicole.«

Jetzt erkannte die schöne Französin erst, wer vor ihr stand!

»Teri? Teri, bist du das?«

   

»Schatz!«

Unvermittelt öffnete Nicole die Augen. Grelles Licht blendete sie. »Was ist denn los?«

»Du hast Teri, nun ja, gerufen trifft es nicht ganz.«

Die schöne Französin nickte. »Ich habe geschrien. Ich habe Teri gesehen!«

Zamorra, der nur mit der linken Hand das Lenkrad seiner Göttin umschlossen hielt, blieb stumm. Er gab der Gefährtin die Zeit, um sich zu sammeln.

»Teri war nicht mehr sie selbst. Teri war eine Dämonin. Nun ja, eher eine Vampir-Dämonin. Im nächsten Moment hat sie sich in einen schwarzen Schwan verwandelt und ... und gesungen. Aber der Gesang war so schrecklich, dass ich glaubte, davon in Ohnmacht zu fallen und zu sterben, während sie in meine Richtung kam, mit rot glühenden Augen, und ich wusste, was sie vorhatte: mich zu töten!«

Der Meister des Übersinnlichen atmete tief ein und aus. Ihre Freundin, die Silbermond-Druidin Teri Rheken, befand sich auf der Schwelle des Todes. Niemand wusste, wie ihr gebrochener Geist jemals geheilt werden konnte.

Deswegen hatte sie Sara Moon, die Herrin von Caermardhin, in eine Art magisch-künstliches Koma versetzt.

»Ob Teri, wenn sie erwacht, im Geist so zerrüttet ist, dass sie eine Dämonin wird? Oder sich in diesen schrecklichen Schwan verwandelt?

»Es war erst einmal nur ein Traum«, merkte Zamorra an.

»Träume können Hinweise geben. Ich mache mir Sorgen.«

Zamorra hielt am Fahrbahnrand an und stieg aus.

Nicole sah ihm hinterher. »Was ist?«

»Damit du jetzt nicht ins Grübeln kommst, biete ich dir an, meine Göttin zu fahren. Dann sind deine Gedanken auf der Straße und nicht bei Teri.«

Nicole, die ebenfalls ausgestiegen war, gab ihm einen Kuss auf die Wange. »Du bist auch ein Meister der Menschenkenntnis. Danke, chéri.«

Nach einhundert Metern allerdings meinte die frisch gebackene Fahrerin: »Wir müssen jetzt endlich mit der Suche nach Tophoas beginnen! Der Engel soll verflucht noch mal endlich Teri helfen!«

Unvermittelt stieg die Tachonadel in ungeahnte Höhen. Und Zamorra wusste, dass er gerade einen unverzeihlichen Fehler begangen hatte.

Château Montagne, Frankreich

Mitunter hingen noch immer Blätter an den mächtigen Laubbäumen. Manche in Gelb, einige in Rot und ja, vereinzelt befanden sich auch ein paar grüne darunter. Nicht mehr lange, und die mächtigen Steineichen, Blutbuchen und Winterlinden würden ihre knorrig-knotigen Äste schwarz und tot in den Himmel strecken.

Thomas Craft, der Butler des Châteaus, lächelte und presste dabei etwas Luft durch die Nase aus. Nein, sie waren nicht tot. Das Leben zog sich nur zurück. Hinter die Baumrinde, in die Wurzel, um im nächsten Jahr mit neuem Elan wieder neu auszutreiben. Immer und immer wieder. Bis der Baum die Lebenskraft verlor und starb.

Doch selbst in diesem Stadium bildete er den Nährboden für die nächste Generation von Leben.

Thomas' Konterfei spiegelte sich im Fensterglas der Aula. Auch er würde eines Tages diesen Weg gehen. Allein.

Tröstlich, dass wenigstens Würmer, Maden und Bakterien sich an ihm laben und die eigene Brut mit seinen sterblichen Überresten versorgen würden.

Was dachte er denn da? Er war nicht allein! Er besaß jetzt eine Familie. Eine neue. Château Montagne war ihm zur neuen Heimat und die Bewohner zur neuen Familie geworden. Er, Thomas Craft, war endlich angekommen und nach dem Ableben seines Vorgängers William nahezu unersetzlich geworden.

Ja. Natürlich. Und doch. Seine bessere Hälfte oder zumindest das, was ihn zu einem ganzen Menschen machen würde, das hatte er noch nicht gefunden.

Moment. Er fixierte doch schon eine ganze Weile einen ganz bestimmten Punkt im Park.

Thomas bemühte sich, nicht gleich das Fenster aufzureißen und hinauszubrüllen.

Er straffte seine Gestalt, räusperte sich, öffnete das Fenster und sah in den Park. Auf einer Bank, unter einer formvollendeten Douglasie, saßen zwei Wesen, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten.

Eigentlich hätte die Dämonin innerhalb der M-Abwehr nichts zu suchen gehabt. Aber in diesem Fall war es genau anders herum. Die Menschenfrau war hier unerwünscht.

Abermals räusperte sich Thomas. »Miss Kyra. Ich darf doch sehr bitten!«

Die angesprochene Vogeldämonin mit den Katzenattributen reckte den kleinen runden Kopf fast schon angriffslustig zu ihm nach oben. »Zamorra und Nicole sind nicht da. Und da dachte ich...«

Der Butler hob die Hand. »Kein Wort weiter. Du weißt, wie die Schlossherren hierüber denken.«

Gerade als Kyra etwas sagen wollte, stand die Menschenfrau auf.

»Komm«, sagte sie und zog Kyra mit sich. Aus dem Park, aus dem Château.

Für einen kurzen Moment traf ihn der scharfe Blick ihres Auges.

Thomas unterdrückte den Impuls, wegzusehen. Er hatte Luzifer in sich getragen. Da würde er doch wohl dem Blick einer einäugigen Menschenfrau standhalten, auch wenn sie in Stygias Diensten stand.

Discordia ...

Die knapp Dreißigjährige wirkte älter, reifer. Man konnte sie wohl eine äußerst herbe Schönheit nennen, mit einem blonden Pagenkopf, schmaler und langer Nase, leicht hervorstehenden Augen und einem stark ausgeprägten Gebiss.

Das Auffälligste war jedoch die schwarze Augenklappe über dem linken Auge, die ihr ein verwegenes, abgeklärtes, ja, lebenserfahrenes Aussehen gab.

Discordia war die ehemalige Co-Chefin von Demonic World und der Liga der amerikanischen Dämonenjägerinnen. Ihre Eltern wurden während einer schwarzen Messe vom Erzdämon Astaroth getötet, während die menschlichen Sektenmitglieder jubelnd zusahen. Deshalb hasste sie Menschen wie Dämonen gleichermaßen. Eigentlich von Astaroth persönlich umgebracht, wurde sie durch Stygia in letzter Sekunde vor dem Untergang gerettet.

Kyra und Discordia. Sie waren ein seltsames Paar. Sie waren Opfer und Täter.

Discordia hatte Kyra bereits zweimal gekidnappt. Zum ersten Mal aus eigenem Antrieb, beim zweiten Mal schon im Auftrag Stygias. Unter Folter hatte sie die Raub-Fyderra, allerdings erfolglos, befragt, ihr das Geheimnis zu verraten, wie es Kyra schaffte, als Dämonin permanent und bedenkenlos die M-Abwehr zu passieren.

Beim dritten Mal hatte Discordia Kyra allerdings vor NOMAC gerettet, weil Stygia einen Nichtangriffspakt mit Zamorra aushandeln wollte.

Und doch war da, bei aller Folter, irgendwo Liebe im Spiel. Oder Begehren. Oder beides.

Discordia war eine, wenn auch äußerst gefährliche und brutale, Marionette von Stygia. Und nun saß sie mitten in Saint-Cyriac und sollte dem Château und seinen Bewohnern sowie dem ganzen Dorf eine Organisation namens NOMAC vom Leib halten. Diese Organisation stand zwar der Schwarzen Familie feindlich gegenüber, allerdings auch den Weißmagiern und ihren Verbündeten. NOMAC, das No-Magic-Corpse, vernichtete nämlich alles, was mit Magie zu tun hatte beziehungsweise mit Mage paktierte.

Warum Stygia Professor Zamorra einen Nichtangriffspakt geradezu aufdrängte, entzog sich der Kenntnis jeglicher Schlossbewohner. Was stimmte da nicht? Es mussten, so munkelte man bereits hinter vorgehaltener Hand, große Veränderungen in diesem Bereich des Multiversums bevorstehen.

Thomas blinzelte. Was ging ihm da alles durch den Koopf? Er vernachlässigte ja seine Pflichten! Er war Butler und kein Dämonenjäger! Die beiden so ungleichen Frauen waren längst aus seinem Sichtfeld verschwunden.

Er trat vom Fenster zurück und widmete sich wieder der Reinigung der Aula. Discordia würde das Schloss verlassen. Da war er sich ziemlich sicher. Kyra würde er sich noch einmal zur Brust nehmen. Die Herrschaften brauchten also für dieses Mal nichts zu erfahren.

Da vernahm der Butler die Hupe der Göttin – und schloss für einen Moment die Augen.

Unheil drohte. Ganz gewiss.

Die Herrschaften waren zurück. Und Kyra und Discordia ihnen sicherlich über den Weg gelaufen. Deswegen die Hupe. Und gleichzeitig bedeutete dies, dass die Göttin von Mademoiselle Duval gefahren wurde.

Was mochte geschehen sein, gab sie der Schlossherr doch nur äußerst ungern aus den Händen?

Thomas Craft legte den Staubwedel ordnungsgemäß an seinen Platz zurück und spurtete die Treppen nach unten.

Die Herrschaften, und ganz besonders Mademoiselle Duval, hatten Koffer bei sich. Die würden nicht von alleine in die herrschaftlichen Gemächer hopsen.

Warum eigentlich nicht?, fragte ein Stimmchen in ihm. Mit einem Dhyarra erster oder zweiter Ordnung würde dir vieles leichter von der Hand gehen.

Der Butler schüttelte den Kopf. Er wusste doch gar nicht, ob er so einen Sternenstein überhaupt kraft seines Para-Potentials benutzen konnte.

Er schaffte es gerade so. Während er sich, dank Ausdauersport, formvollendet verbeugte, bremste der Wagen, klappten die Türen auf.

Hinter dem Lenkrad schoss eine bildschöne Furie hervor.

»Ich weiß nicht, ob Sie es wussten, Thomas, aber Discordia scheint gerade im Schloss gewesen zu sein.«

Der Butler seufzte. »Ich geruhte es zu sehen und die Damen darauf aufmerksam zu machen, dass Miss Discordia auf dem herrschaftlichen Anwesen absolut unerwünscht ist.«

»Gut, dass dieses Subjekt schon draußen war, sonst-«

Thomas verbeugte sich abermals. »Willkommen Zu Hause, Madame Duval und Monsieur le Professeur.«

»Ich werde mir Kyra heute zur Brust nehmen. Da wird keine Feder mehr an ihrem Platz bleiben.«

Der Schlossherr hob tadelnd den rechten Zeigefinger. »Schatz, bitte beachte das elfte Gebot.«

Nicole verdrehte die Augen. »Und wie lautet das?«

»Du sollst in Gegenwart einer Göttin nicht fluchen.«

Die schöne Französin war einen Moment baff.

Bevor sie Luft holen konnte, sprach Zamorra weiter. »Du durftest sie heute ausnahmsweise fahren. Du weißt, dass das ein Privileg ist. Sei doch einfach nur mal glücklich Schatz und finde nicht schon wieder das Steinchen im Reifenprofil.«

»Hat sich was mit glücklich«, maulte Nicole.

Das Lieblingsgefährt des Schlossherren war seit einigen Jahren ein schneeweißer Citroën DS 23 Pallas, den er mit einem nicht ernst gemeinten Seitenhieb auf Nicole die Göttin nannte. Natürlich wusste die schöne Französin, dass ihr Gefährte einzig sie aufrichtig liebte, und doch führte der Begriff Göttin hin und wieder zu gespielten Auseinandersetzungen.

Äußerlich original renoviert, war sein Inneres dank innovativer Technologie von Tendyke Industries enorm aufgewertet worden.

Thomas nahm derweil die Koffer in Empfang, die der Schlossherr ihm in die Hand drückte.

»Sie kennen das ja, raunte Zamorra, »der kleine ist meiner, die drei großen gehören meiner Sekretärin.«

»Und seien Sie vorsichtig, Thomas. In einem Koffer befinden sich Hunderte von Bleistiften. Damit werde ich meinen Chef später noch akupunktieren.«

»Sehr wohl, Madame.«

Zamorra sah ihn verschwörerisch an. »Sie glauben Ihr doch nicht etwa. Oder?«

Thomas spürte Röte ins Gesicht schießen. Er musste dringend einen Spagat schaffen.

»Wir sind im Kaminzimmer. Getränke wären nicht schlecht.«

»Sehr wohl, Madame.«

»Sie meint das nicht so«, flüsterte Zamorra. »Im Grunde ist sie eine ganz Liebe.«

»Nimm du nur Discordia in Schutz. Aber wie sage ich so schön?«

»Teufel bleibt Teufel. Ja Schatz. Und nun husch husch, ab ins Kaminzimmer.«

Nicole drehte sich um. »Eins sage ich dir: Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist für heute verboten. So. Strafe muss sein.« Sprach's und war im Inneren der altehrwürdigen Mauern verschwunden.

Thomas senkte betreten den Kopf. »Bezüglich Miss Kyra bin ich äußerst untröstlich.«

Zamorra klopfte ihm kameradschaftlich auf die Schulter. »Ich weiß, dass Sie sich, wie weiland William mit unserem Drachen Fooly, für Kyra verantwortlich fühlen. Aber Kyra ist ein eigenständiges Wesen. Und Liebe, wenn es denn eine ist, die kennt sowieso keine Grenzen. Ich finde es zwar auch nicht gut, dass Discordia sich im Château aufhält, doch wir wissen ja, dass das für sie noch nie ein Problem war. Also lieber offiziell als inoffiziell.«

Thomas schleppte die Koffer ins Château. In der Tat, vielleicht war ein Lift doch nicht die schlechteste aller Ideen. Zum Glück geruhte Madame Duval ihre Koffer höchstselbst zu entpacken, sodass sich der Butler gleich um die gewünschten Getränke kümmern konnte.

Er klopfte dezent an die Tür des Kaminzimmers.

»Herein«, rief Zamorra und lächelte Thomas dankbar zu.

Inzwischen wusste Thomas, worauf es den Schlossherren ankam und wie das reibungslose, lärmfreie Leben im Schloss vonstatten zu gehen hatte.

Ein paar Probleme blieben allerdings. Thomas suchte noch immer nach seiner besseren Hälfte. Dass er auf Männer stand, war nicht das Problem, dass er aber mittlerweile dazu neigte, den Gefährten in sich tragen zu wollen, erschwerte die Situation doch etwas. Denn seit er Luzifer persönlich in sich getragen hatte, war er von dem Gedanken beseelt, sich mit seinem Gefährten den eigenen Körper zu teilen.

Aber nun gut. Aktuell schien sich Thomas Craft dahingehend im Griff zu haben. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ihn seine Aufgaben nach Butler Williams' Tod mehr als ausfüllten.

Das andere Problem war Madame Claire. William schien ihr zu fehlen. Die beiden waren irgendwie miteinander verbunden gewesen. Man merkte es der Köchin durchaus an, dass ihr ein Quäntchen Lebenslust abhandengekommen war.«

»Erde an chéri?« Nicole zwinkerte ihm zu.

»Hm? Bin wieder zurück.«

»Gut. Da wir nun wieder zu Hause sind, können wir die Suche nach Tophoas endlich aufnehmen.«

»Sofern nichts anderes dazwischen kommt.«

Nicole sah zu Thomas, der ihr gerade einschenkte. »Bitte hängen Sie ein Schild vor die Zugbrücke: Château Montagne für Probleme des Multiversums geschlossen. Das gilt insbesondere für Dämonen und anderes dunkles Kroppzeug. Klopft später wieder an. Oder, nein, viel besser: Lasst uns in Ruhe!«

»Du willst aussteigen?«

»Ich will diesen verdammten Tophoas suchen. Ich will Teri wieder zurück!«

»Nici, Tophoas ist nicht verdammt. Tophoas scheint ein Engel zu sein.«

»Pah, der Gute verhält sich doch auch nicht anders als andere Machtwesen. Er scheint mir äußerst überheblich.«

»Er ist ein Engel.«

»Na und?«

»Wir wissen nicht, wie Engel so sind. Sie zählen immerhin zu den Guten.«

»Das muss er mir erst noch beweisen.«

»Haben die Herrschaften noch einen Wunsch oder darf ich nun das Schild an der Zugbrücke anbringen?«

Nicole grinste. »Einen Wunsch habe ich noch.«

»Ich bin ganz Ohr, Madame.«

»Vergessen Sie das Schild.«

»Sehr wohl.«

Thomas Craft verbeugte sich leicht und zog sich dezent zurück.

»Wollen doch mal sehen«, murmelte die schöne Französin und tippte auf dem TI-Gamma herum. Schon entwich ihr ein überraschtes »Huch.«

»Was heißt hier Huch? Ich denke, es gibt ein Problem?«

Sara Moon, die Herrin von Caermardhin, ließ sich im Ledersessel nieder. Im nächsten Moment hielt auch sie ein Getränk in den Händen. »Was gibt es also? Meine Zeit ist begrenzt.«

Zamorra versuchte zu lächeln. »Wir freuen uns auch, dich zu sehen.«

Irrte er sich, oder war Merlins Tochter verärgert?

Sicher, kühl und distanziert war sie schon immer gewesen.

Aber gerade jetzt schien sie irgendwie ... ertappt. Sie kam zwar prompt, was selten genug der Fall war, wollte aber offensichtlich dennoch nicht hier sein.

Nicole kniff die Augen zusammen. »Bist du wirklich Sara Moon?«

Also hatte es seine Gefährtin auch mitbekommen.

Im ersten Reflex sah sich Merlins Tochter um, ganz so, als wenn sie jemanden suchte. »Wieso sollte ich es nicht sein.«

»Sag du es mir.«

Die Herrin von Caermardhin stand auf. Fast schon unsicher sah sie vor Nicole zu Zamorra. Im nächsten Moment zog sie das eng anliegende Oberteil aus der Hose und schob es über den flachen Bauch.

Der Meister des Übersinnlichen hob die rechte Augenbraue.

Anstelle eines Bauchnabels besaß Sara Moon ein zusätzliches Auge, ein sogenanntes Zeitauge, mit dem sie ein kleines Stück in die Zukunft schauen konnte. Dies war ein Erbe ihrer Mutter, der Zeitlosen Morgana leFay, ebenso wie ihre Fähigkeit, Dhyarra-Kristalle zu erschaffen und zu beherrschen. Von Merlin hatte sie die Druidenkräfte erhalten.

Und eben jenes Zeitauge sah ihn nun an!

»Du bist es«, sagte Zamorra und nickte. »Verzeih, aber irgendwie scheinst du verärgert, anders.«

Sara stopfte das Oberteil in ihre jeansähnliche Hose. Abermals sah sie sich um. »Was ist euer Problem?«

Die Schlossherren sahen sich in die Augen. Also doch. Sara wusste etwas, was mit ihnen zusammenhing, wollte aber nicht darüber sprechen.

»Es geht noch immer um Tophoas. Dank unserer letzten Abenteuer konnten wir uns nicht so richtig um die Suche nach ihm kümmern. Aber vielleicht hast du ja positive Neuigkeiten für uns, was ihn betrifft.«

»Weißt du, wo er sich aufhält?«, schob Nicole präziser nach.

»Dann sagt mir, wie Tophoas aussieht. Ihr habt ihn bereits gesehen.«

Nicole hob die Schultern. »Bläulich, durchscheinend, mumienartig, mit Flügeln.«

»Geht das noch etwas präziser?«

»Entnimm es bitte meinen Gedanken«, bot sich Zamorra an.

Sara berührte ihn an der Schläfe.

Der Meister des Übersinnlichen spürte die fremde Präsenz. Er musste sich zurückhalten, um sie nicht abzuwehren. Denn immerhin kam das Angebot von ihm. Viel zu frisch waren die Erinnerungen an die Porzellanpuppen und wie sie von ihnen übernommen worden waren.

Schon zog sich Sara wieder zurück.