Professor Zamorra 1346 - Thilo Schwichtenberg - E-Book

Professor Zamorra 1346 E-Book

Thilo Schwichtenberg

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Beschreibung

Gryf kaute auf der Unterlippe. "Wieso hat die Bildkugel gerade jetzt ein Upgrade erhalten?"

"Das war der Wächter der Schicksalswaage", erwiderte Sara Moon. "Er erweckt in meinen Augen den Eindruck, dass ich seine Nachfolgerin werden könnte."

Gryf sah sie groß an. "Du? Wie kommt er darauf? Ich meine, das wäre naheliegend, wenn er-", er sprach nicht weiter.

"Wenn er das Zeitliche segnen würde?", vollendete Nicole.

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Seitenzahl: 143

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Personenliste

Flammendes Finale

Leserseite

Vorschau

Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Wichtige Personen für diesen Roman sind:

Professor Zamorra deMontagne: der Meister des Übersinnlichen; furchtloser Kämpfer gegen die Ausgeburten der Hölle und Wissenschaftler für parapsychologische Phänomene

Nicole Duval: seine Sekretärin sowie Lebens- und Kampfgefährtin

Bill Fleming: Zamorras alter Jugendfreund. Er starb vor fast vier Jahrzehnten, wurde jedoch vom REINEN wieder in die Welt der Lebenden geholt.

Sara Moon: Tochter Merlins und Dienerin des Wächters der Schicksalswaage

Gryf ap Llandrysgryf: achttausendjähriger Silbermond-Druide. Arbeitet für Sara Moon. Ist mit Nicole und Zamorra befreundet.

Stygia: Herrin der Hölle.

Luzifer: Schöpfer der Hölle, der Dämonen und ... der Menschen

Michael: Erzengel, der äonenlang durch Luzifers Betreiben in Ungnade gefallen war

Der Wächter der Schicksalswaage: sorgt für das Gleichgewicht von Licht und Dunkelheit in diesem Teil des Multiversums

DAS REINE: will sich in Professor Zamorra reinkarnieren, damit ER SEINE Schöpfung wieder gerecht betrachten kann.

Flammendes Finale

von Thilo Schwichtenberg

Etwas wehte heran. Es waren Buchstaben, die wie Schneeflocken niedersanken und sich in ihm wieder zusammensetzten, zu Worten, zu geschlossenen Sätzen.

Zamorra, wie du es bemerkt hast: Großes, ja, Ungeheuerliches geschieht in diesen Augenblicken. Ungeheuerliches, das unsere Aufmerksamkeit benötigt.

Der Schlossherr sandte verstehende Impulse. Ich habe Kunde von den Ungeheuerlichkeiten erhalten. Die Hölle treibt mit Avalon auf die Erde zu. Nicht mehr lange, und die Welten werden im Chaos versinken ...

Das Finale um Gott, Luzifer und Michael hat begonnen! Kann Professor Zamorra das drohende Chaos verhindern ... oder wird die Welt nach der Schlacht eine gänzlich andere sein?

   

Avalon

Welch geheimnisumwittertes Wort! Welch romantische Sehnsucht ruft es in demjenigen hervor, der diesem Ort gedenkt, ja, sich vielleicht sogar auf ihn zu träumen vermag.

Manch einer nennt sie die Feeninsel, manch einer die Insel neben der Zeit.

Manch einer das Eiland der Nebel.

Doch Avalon ist nie der romantische Ort gewesen, für den ihn die Träumer, Esoteriker und Phantasten von Anbeginn an gehalten haben.

Es gibt Regeln und Gesetze, die sich als gnadenlos und tödlich herausstellten.

Die Insel wird nur von Frauen – Priesterinnen, Novizinnen und Amazonen – bewohnt. Dorthin zu gelangen, ist für sterbliche Wesen fast unmöglich.

Avalon war die Zeitenfähre, um die herum Luzifer letztendlich die neue Hölle erschaffen hatte.

Bis vor Kurzem entschwand Avalon allmählich im Nebel der Zeit. Samt Hölle entfernte sich die Zeitenfähre in die Unendlichkeit des Multiversums.

Angeblich sollte hier sogar König Artus beigesetzt worden sein, nur dazu hatten sich weder der verstorbene Zauberer Merlin noch Lilith, die Herrin vom See, geäußert, wobei letztere normalerweise das Geschehen auf der Insel bestimmte.

Doch vieles hatte sich in den letzten Jahren verändert. Lilith, Luzifers erste Dämonin, hatte hoch gepokert und war tief gefallen. Zwischenzeitlich sogar wieder zur Herrin der Hölle aufgestiegen, hatte sie allerdings immer wieder gegen ihren Vater rebelliert. Und nun saß sie, ein Schatten ihrer selbst, nur noch gleichgültig auf ihrem Thron in Avalon. Sie war der Blume der Verdammnis verfallen, weil sie Luzifer, ihren Herrn, nicht aus ganzer schwarzer Seele geliebt hatte.

Erst ein Deal von Liliths Gefährtin Kronara mit Luzifer hatte den Fluch von Lilith genommen. Kronara wurde zur Wächterin der Namenlosen Alten, Luzifers erster Schöpfung, während sich Lilith auf den sehr langen Weg der Genesung begab.

Ursprünglich wollte sich Luzifer mit Avalon und der neuen Hölle klammheimlich aus dem Staub machen, aus Angst, die verderbte Sechsheit, die besten Freunde Michaels und gleichzeitig Luzifers Aufpasser, würde ihn wieder in den Kerker sperren, aus dem er sich gerade eben erst so mühsam befreit hatte. Er wollte erst gesunden – bevor er mit brachialer Gewalt zurückschlagen würde!

Denn einmal genesen – war Luzifer stärker als die verderbte Sechsheit! Dieses Mal würde er sich nicht mehr freiwillig einsperren lassen, sondern die anderen vernichten.

Freiwillig einsperren? Davon wusste niemand etwas! Und doch entsprach es der bitteren Wahrheit. Oh ja! Er hatte sich aus freien Stücken verbannen lassen – natürlich mit fingiertem Kampf –‍, weil er zu diesem Zeitpunkt noch Hoffnung besaß.

Es war eh alles anders gekommen!

Michael, sein verhasster Bruder, war erwacht. Er hatte sich nach all den Äonen wieder zusammengesetzt. Dabei hatte Luzifer doch alles unternommen, um seinen Bruder an der erneuten Werdung zu hindern!

Und noch jemand war wieder auf den Plan getreten. Luzifer, der Höllenkaiser, Schöpfer der Namenlosen Alten, der Menschen und Dämonen, grinste boshaft. ER war wieder hier. ER, auf den er so sehnsüchtig gewartet hatte.

Allerdings hatte ER sich bisher nicht gezeigt. Luzifer war nicht klar, auf was ER wartete.

Um das alles zu beschleunigen, hatte sich der Kaiser einen bestimmten Effekt zunutze gemacht. Avalon, und damit die Hölle, trieb von der Erde weg und war gleichzeitig mit ihr verbunden. Aufgrund dessen hatte damals der Wächter der Schicksalswaage entschieden. Erde und Hölle mussten eine Einheit bilden. Und so hatte Sara Moon eine Verbindung geschaffen, die nicht nur noch immer hielt, nein, die sich mittlerweile auch auf das Äußerste gespannt hatte. Und diesen Effekt hatte Luzifer genutzt. Er hatte die fünf Blutgötzen von Atlantis wiedererweckt, auf dass sie die Zeitenfähre drehten und ihr zusätzlichen Schub verliehen.

Nun schoss Avalon, und damit die Hölle, förmlich auf die Erde zu. Ein Chaos sondergleichen stand bevor!

Michael, dieser verdammte Bastard von Bruder, hatte nichts Eiligeres zu tun gehabt, als das Engelsfeld zu errichten, nachdem der sechsmal verfluchte Zamorra in SEINEM Namen alle Engel wieder erweckt hatte! Dieses Feld, das sich unsichtbar um die Erde spannte, würde zwar Avalon und die Hölle nicht vollends aufhalten, zumindest immerhin abbremsen.

Und das durfte nicht geschehen.

Denn er, Luzifer, wollte erzwingen, dass ER sich endlich zu erkennen gab!

Und dann ...

Bald würde es so weit sein.

Der Kaiser der Hölle, der als wunderschöner Mann mit schwarzen Haaren, bernsteinfarbenen Augen und rußbefleckten Schwingen auf seinem Thron hinter der Flammenwand wieder Platz genommen hatte, betrachtete interessiert die fünf lebenden Kolosse, die sich als Fünfeck um ihn und seinen Thron gruppiert hatten: die fünf Blutgötzen von Atlantis, die, obwohl sie Namen trugen, zu den Namenlosen Alten gezählt wurden. Da lagen Tsat-hogguah, der hässliche Echsen-Gott, Muurgh, der Albtraumdämon, Jhil mit dem Papageienschnabel, die entsetzliche Herrin der Totenschädel, Grohmhyrxxa, das grässliche Monster mit dem Fliegenkopf. und Yob-Soggoth, der Vielgestaltige.

Das Ur-Böse grinste in sich hinein. Er hatte ihnen im wahrsten Sinne des Wortes das Blaue vom Himmel versprochen – nämlich die Freiheit. Und sie waren wieder einmal darauf hereingefallen. Nun ja, dank der Blume der Verdammnis als Druckmittel konnte er sie lenken, wie es einzig ihm beliebte.

Luzifer hatte, als er die Hölle um Avalon neu errichtete, Lilith aus dem Schwarzen Apfel, dem Zentrum Avalons vertrieben, die Flammenwand wieder neu errichtet und dort nicht mehr seinen Kerker, sondern nunmehr seine Machtzentrale aufgebaut. Durch den sogenannten Schlund war das Machtzentrum Avalons mit der Hölle verbunden.

Direkt an der Flammenwand befand sich eine Art Projektion. Sie zeigte ihm und den Blutgötzen die kritische Distanz, die mittlerweile Hölle und Erde zueinander angenommen hatten.

Alles hätte so schön sein können. Die ersten Beben beziehungsweise Brandungswellen im Magischen Universum hatte es bereits gegeben. Doch die neu erstandene Engelssphäre würde den ganzen brachialen Effekt dämpfen und damit abschwächen. Und das durfte nicht geschehen! Am Ende würde die Hölle bereits daran zerschellen und die Erde nur am Rande treffen – was nicht in seinem Sinne war. Und IHN konnte er damit erst recht nicht hervorlocken.

Sein heller Bruder dachte wahrscheinlich noch immer, dass es ihm, Luzifer, um die Erde, die Menschen und die Herrschaft darüber ging. Was für ein Unsinn!

Gottes liebste Welt war die Erde. Deswegen wollte Luzifer sie in Besitz nehmen und auf ihr, in SEINEM Namen, schöpfen. Doch bekommen hatte sie Michael.

Für Luzifer brach regelrecht eine Welt zusammen. Deswegen schwärzte er Michael an, verführte ihn und ließ ihn entarten. Und der Plan ging auf! Gott zerfetzte Michael in Myriaden von Einzelteilen, die sich erst wieder zusammenfügen mussten, und übertrug Luzifer endlich die Aufsicht über die Erde und Michaels erneute Werdung. Was er natürlich zu verhindern wusste. Zumindest für eine kleine Weile. Bis die verderbte Sechsheit eingriff und Gott wiederum von Luzifers dunklen Absichten überzeugen konnte.

Der Rest war Geschichte.

Luzifer war von all seinen Schöpfungen über die Äonen hinweg enttäuscht worden! Die Namenlosen Alten hassten ihn, weil er sich von ihnen abgewandt hatte. Immerhin waren sie der erste, noch dazu notgedrungene, Versuch. Und erste Versuche gelangen nur selten. Er musste nur auf die fünf Fleischberge neben sich schauen. Die Dämonen liebten ihn zwar aus freien Stücken, so bieder und langweilig das auch war. Sie waren nicht kreativ wie die Menschen. Die Menschen! Mit ihnen hatte er sich die größte Mühe gegeben, hatte sie nach seinem Bilde erschaffen. Und sie? Wie dankten sie es ihm? Hatten sich von ihm abbringen lassen. Waren der verfluchten Sechsheit gefolgt wie die Lämmer zur Schlachtbank. Sie hatten sich verführen lassen! Hatten sich von ihrem Schöpfer abgewandt! Das schrie nach Rache, nicht nach Versöhnung!

Nun gut, mochte Michael glauben, was er wollte. Der Helle war nicht mehr von Belang. Hier ging es um etwas weitaus Wichtigeres! Hier ging es um alles – oder um das Chaos, um die vollkommene Dunkelheit in diesem Bereich des Multiversums!

Der Kaiser sah Muurgh, den Albtraumdämon, grinsend an. »Ich habe mich entschlossen, eure Brüder bereits jetzt schon zu wecken. Ihr Einsatz ist durch das verfluchte Engelsfeld eher von Nöten. Ich habe einen Plan, wie sie äußerst gewinnbringend für uns alle eingesetzt werden können.«

»Tu, was du nicht lassen kannst«, grollte der angesprochene Fleischberg.

Das Engelsfeld

Es war ein Thron aus weißem Marmor. Zwar angenehm an Temperatur, dafür hart und unbequem zum Sitzen.

Michael hatte trotzdem darauf Platz genommen, da der Thron ein Geschenk darstellte. Ein Geschenk seiner Getreuen. Er, Michael, galt als der Herr der Engel. Obwohl er sich eher als Primus inter Pares, als ein Erster unter Gleichen sah.

Der Erzengel besaß das Aussehen eines Endzwanzigers, war ungefähr einen Meter achtzig groß, schlank und sehnig. Er besaß ein längliches Gesicht, kurze dunkelblonde Haare, hellblaue Augen und eine »Römernase«, da sie mittig einen kleinen Huckel auf dem Rücken besaß. Links und rechts am Hals trug er kleine Tattoos, die wie Blätter, Flammen oder gar Flügel aussahen. Nun, Flügel trug er nun endlich selbst wieder. Weiße, reine und durchaus beeindruckende Schwingen.

Das Engelsfeld war nach der Erweckung der Engel zum ersten Mal überhaupt um die Erde erstanden. Ganz so, wie es von Anbeginn an geplant gewesen war.

Diese feinstoffliche, weiße und nebelbehaftete Welt hatte sich als sphärenverschobene Hülle nach und nach um die Erde manifestiert. Menschen, die mit Raketen und Raumschiffen ins All vorstoßen würden, würden von dieser Sphäre nichts bemerken. Kosmische Bedrohungen durch Kometen, Sonnenstürme oder andere natürliche Katastrophen würden von nun an von der Erde ferngehalten werden.

Gleichzeitig war das Engelsfeld genau das geworden, was sich die Menschen nach dem Tode immer erhofft hatten: Ein Hort für die unsterblichen Seelen.

Michael dachte an die Zeit vor der Menschwerdung, dachte an die Falle seines Bruders Luzifer, an seine Versuchung und vor allem daran, dass er ihr erlegen war. An die Strafe Vaters, an das Zerrissenwerden.

Das stete Sich-zusammenfügen-müssen. Immer und immer wieder.

Nun, er hatte es geschafft. Aus sich heraus. Ohne zu wissen, wer er war.

Er hatte die äonenlange Probe bestanden, war wieder er selbst: Der Erzengel Michael, der Heilsbringer, der Bezwinger der Finsternis, wie ihn die Menschen nannten.

Ihr Glaube an ihn, an das Gute, hatte seinen Genesungsprozess beschleunigt.

Michael fühlte die Leichtigkeit dieser Sphäre, die Reinheit, das Positive.

Die Menschen waren Kinder seines Bruders Luzifers. Er hatte sie erschaffen. Und doch sehnten sie sich nach ihm, nach Michael.

Das hatte er seinen treuen Gefährten zu verdanken, allen voran Melmoth, seinem Lieblingsbruder, und auch Ahasver, Jachwah, Lilith, Chokmah und Ma'at. Sie hatten für ihn übernommen, hatten Luzifer im Auge behalten und später in seinen Kerker gezwungen.

Sie hatten Luzifers Schöpfung für Michael vorbereitet, wenngleich nicht alle Menschen dem Pfad des Lichts gefolgt waren.

Nur konnte gerade er, Michael, es ihnen verdenken? Er, der selbst den Einflüsterungen des Verführers erlegen war?

Das Multiversum war Dunkelheit, Schwärze, durchwoben von winzigen Lichtpunkten. Er wollte einer dieser Lichtpunkte sein. Er wollte sein Licht der Erde spenden, seinem Lieblingsort, den Luzifer ihm weggenommen hatte.

Nun, Michael konnte es den Menschen also nicht verdenken. Immerhin trugen sie einen Funken des Vaters in sich.

Eines Vaters?

Nun, offenbar war es wirklich so weit. Der Zeitpunkt der Konfrontation zwischen den Söhnen schien gekommen.

Wie würde sich Vater verhalten?

Michael wurde aus Luzifer nicht schlau. Der Dunkle hielt sich in diesen Zeiten persönlich vollkommen zurück. Stattdessen raste die Hölle, ebenfalls seine Schöpfung, auf die Erde zu. Das war eine vollkommen andere Art der Konfrontation, als sie Michael erwartet hatte. Hier drohte Chaos zu entstehen. Hier drohte das Licht zu verlöschen. Sein Flammenschwert schien hierbei völlig macht- und wirkungslos!

Der Erzengel wischte die Gedanken beiseite. Er saß auf seinem Thron und betrachtete gemeinsam mit seinen Getreuen Raguel, Adimis, Sabaoth, Simiel, Tophoas und dessen neuer Novizin sowie weiteren Engeln das Geschehen auf einer großen Projektion. Die Hölle und mit ihr Avalon raste in einem besorgniserregenden Tempo in Richtung Engelsfeld und Erde. Die ersten, nicht unerheblichen, Erschütterungen im Magischen Universum hatte es bereits gegeben. Erst zu jenem Zeitpunkt waren sie auf Luzifers Ungeheuerlichkeit aufmerksam geworden.

»Wir haben also das Engelsfeld nur für diesen einen Augenblick errichtet«, sprach Raguel in neutralem Tonfall. In seiner Stimme lag weder Sarkasmus noch Wehmut.

»Noch dazu war dieser Fall, wie wir ihn gerade erleben, gar nicht vorgesehen«, ergänzte Adimis ebenfalls ohne jegliche Gemütsregung.

Sabaoth nickte. »Das Engelsfeld wird vernichtet, wenn die Hölle darin eindringt.«

»Und die Erde wird ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen«, fügte Simiel hinzu.

Auch Tophoas meldete sich zu Wort. »Dann müssen wir die Sphäre mit unserer eigenen Energie stärken. Den obersten Schutz genießen die Erde und die Menschen.«

»Wir sollten auch die Dämonen und alle Lebewesen auf Avalon nicht vergessen. Leben wird gegen Leben geworfen«, vervollständigte die Schülerin.

Michael nickte. »Luzifer schleudert seine eigenen Schöpfungen gegeneinander. Es scheint ihm nicht um Erde und Hölle, um Menschen und Dämonen zu gehen. Auch nicht um die Auseinandersetzung mit mir. Ich durchschaue seinen Plan noch nicht.«

Der Erzengel stand auf. »Ich muss das Gespräch mit ihm suchen.«

Tophoas nickte. »Allerdings verbirgt sich Luzifer gerade sehr geschickt. Er scheint in der Tat abzuwarten.«

Michael lächelte. Es war ein trauriges Lächeln. »Wie also komme ich an ihn heran?«

Erde, Frankreich, Château Montagne

»Also: Sagen wir es einmal so ...« Nicole, die nicht gerade glücklich aussah, sah nacheinander Zamorra, Bill Fleming und Gryf ap Llandrysgryf an, die sich allesamt im Kaminzimmer befanden. »Weihnachten 2025 haben wir jedenfalls noch hinter uns bringen können.«

Bill Fleming nickte. »Dafür bin ich echt dankbar. Das erste Weihnachten nach über achtunddreißig Jahren. Unglaublich. Trotzdem ...«

»In Anbetracht der Dringlichkeit und vor allem, dass in den letzten vier Tagen überhaupt nichts passiert ist, war es ein echt hartes Weihnachtsfest«, ergänzte Gryf.

Auch Zamorra nickte bedächtig. »Es ist schwer auszuhalten, dass sich DAS REINE in mir reinkarnieren wollte, den Prozess in Gang gesetzt hat, durch die magische Brandung wieder aus mir herausgespült wurde und dann plötzlich Stillschweigen herrscht. Ich kann weder mit Ruhe und Dankbarkeit leben, geschweige denn eines der wichtigsten Feste des Jahres feiern.«

»Auch Sara Moon hat sich auffallend still verhalten. Obwohl ich sie mehrmals nach dem Stand der Dinge gefragt habe«, gab Gryf von sich.

»Und noch immer rast die Hölle auf die Erde zu. Wann wird es so weit sein? Wann wird es die Kollision geben?« Auch Bill sah nicht glücklich aus.

Nicole lachte verbittert auf. »Wenn ich einen Machtkristall besessen hätte, ich hätte das Problem längst gelöst und die Hölle zerpulvert.«

Zamorra sah sie nachdenklich an. »Glaubst du, dass es den Dämonen gefallen wird, wenn sie mit der Erde untergehen?«

Nicole seufzte. »Ich weiß, chéri, nur für uns sollte die Erde oberste Priorität besitzen. Es gibt die tollsten Verteidigungsstrategien, die bestmöglichen Verteidigungswaffen, jedoch gegen den Schöpfer des Universums hilft das wohl alles nichts.«

Der Schlossherr breitete etwas hilflos die Arme aus. »Zumal man keine Pläne gegen den Schöpfer des Universums schmieden sollte.«

Nicoles Gesichtsausdruck wurde eine Spur härter. »Na ja, wer hätte denn auch schon gedacht, dass Gott böse ist?«

Zamorra schüttelte den Kopf. »Ist ER nicht. Wir müssen die Sache nur aus SEINER Warte betrachten.«

Jetzt lachte die schöne Französin auf. »Du Gutmensch, du. ER versetzt sich doch auch nicht in deine Lage. IHM scheint das Leben der Bauern oder wohl besser der Läuse nicht wichtig zu sein.«

»Immerhin hat ER mich gesät. Ich lebe also nicht durch Zufall auf der Welt.«

»Niemand lebt durch Zufall auf der Welt. Jeder von uns hat seinen Platz.« Gryf erinnerte gerade nicht an den achttausendjährigen Unbekümmerten, sondern an einen äußerst besonnenen Druiden.

Und es wirkte wie ein Schlusspunkt unter das Gespräch. Bald hing jeder wieder seinen Gedanken nach.

Ja, dachte Zamorra, das ganze Weihnachtsfest war anstrengend gewesen. Zuerst hatten sie versucht, sich nicht allzu viel anmerken zu lassen, was natürlich vollständig in die Hose gegangen war, da wohl jeder im Schloss Williams Geige vernommen hatte. Also musste noch jemand das Leben in den nächsten Tagen verlassen ...

Dann hatten sie es mit Offenheit probiert, dass die Hölle auf dem Weg zur Erde war, und so die Stimmung völlig in den Keller getrieben.