Saving Chicago Band 1-3 - Piper Rayne - E-Book

Saving Chicago Band 1-3 E-Book

Piper Rayne

0,0
9,99 €

Beschreibung

Alle Bände der Saving-Chicago-Serie von Bestseller-Autorin Piper Rayne in einem Bundle

Band 1: Flirting with Fire
Eigentlich wollte ich gar nicht an dem Ehemaligentreffen meiner Highschool teilnehmen, doch meine Freundinnen haben mich überredet. Sie waren es auch, die bei der Bachelor-Versteigerung in meinem Namen auf ein Date mit meinem ehemaligen Highschoolschwarm geboten haben. Ja, richtig gehört, ich stand auf den Quarterback unseres Footballteams. Nicht, dass er mich jemals beachtet hätte. Inzwischen verdient Mauro Bianco sein Geld im Kampf gegen das Feuer. Ein Date, das ist alles, was ich versprochen habe. Nur ein paar Stunden, dann kann ich ihn wieder in der alten Schuhschachtel verstauen, die ganz hinten in meinem Schrank steht.

Band 2: Crushing on the Cop
Es gibt zwei Argumente, die gegen Cristian Bianco sprechen: Er ist Polizist und arbeitet im 18. Distrikt … das heißt, mein Dad ist sein Boss. 

Aufzuwachsen als die Tochter des Kapitäns und ständig unter seiner Beobachtung zu stehen, war mehr, als ich verkraften konnte. Inzwischen bin ich ausgezogen und lebe nach meinen eigenen Regeln. Na ja, meistens. Ein Mann in Blau ist für mich nur eins: ein Problem! Allerdings wird es immer schwerer, Cristian zu ignorieren, seit sein Bruder mit meiner Freundin ausgeht …

Band 3: Mad about the Medic
Luca Bianco ist ein Idiot.   

Er denkt, er wäre so charmant und sexy, während er in seiner Rettungssanitäteruniform herumläuft, durch die sich seine harten Muskeln abzeichnen. Weil er jeden Tag Leben rettet. Ich bin sicher, er glaubt, jede Frau auf der Welt würde töten für die Chance, mit ihm zusammen zu sein. Aber Männer wie Luca sind nur für eines gut: One-Night-Stands. Keine Verpflichtungen. Deshalb werde ich nicht mit Luca ausgehen, obwohl meine Freundinnen auf der Bachelor-Versteigerung für mich ein Date mit ihm gewonnen haben. Denke ich zumindest.



Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 1081

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Saving Chicago Band 1-3

Die Autorin

PIPER RAYNE ist das Pseudonym zweier USA Today Bestseller-Autorinnen. Mehr als alles andere lieben sie sexy Helden, unkonventionelle Heldinnen, die sie zum Lachen bringen, und viel heiße Action. Und sie hoffen, du liebst das auch!

Das Buch

Band 1: Flirting with FireEigentlich wollte ich gar nicht an dem Ehemaligentreffen meiner Highschool teilnehmen, doch meine Freundinnen haben mich überredet. Sie waren es auch, die bei der Bachelor-Versteigerung in meinem Namen auf ein Date mit meinem ehemaligen Highschoolschwarm geboten haben. Ja, richtig gehört, ich stand auf den Quarterback unseres Footballteams. Nicht, dass er mich jemals beachtet hätte. Inzwischen verdient Mauro Bianco sein Geld im Kampf gegen das Feuer. Ein Date, das ist alles, was ich versprochen habe. Nur ein paar Stunden, dann kann ich ihn wieder in der alten Schuhschachtel verstauen, die ganz hinten in meinem Schrank steht.Band 2: Crushing on the CopEs gibt zwei Argumente, die gegen Cristian Bianco sprechen: Er ist Polizist und arbeitet im 18. Distrikt … das heißt, mein Dad ist sein Boss.

Aufzuwachsen als die Tochter des Kapitäns und ständig unter seiner Beobachtung zu stehen, war mehr, als ich verkraften konnte. Inzwischen bin ich ausgezogen und lebe nach meinen eigenen Regeln. Na ja, meistens. Ein Mann in Blau ist für mich nur eins: ein Problem! Allerdings wird es immer schwerer, Cristian zu ignorieren, seit sein Bruder mit meiner Freundin ausgeht …

Band 3: Mad about the MedicLuca Bianco ist ein Idiot.

Er denkt, er wäre so charmant und sexy, während er in seiner Rettungssanitäteruniform herumläuft, durch die sich seine harten Muskeln abzeichnen. Weil er jeden Tag Leben rettet. Ich bin sicher, er glaubt, jede Frau auf der Welt würde töten für die Chance, mit ihm zusammen zu sein. Aber Männer wie Luca sind nur für eines gut: One-Night-Stands. Keine Verpflichtungen. Deshalb werde ich nicht mit Luca ausgehen, obwohl meine Freundinnen auf der Bachelor-Versteigerung für mich ein Date mit ihm gewonnen haben. Denke ich zumindest.

Piper Rayne

Saving Chicago Band 1-3

Forever by Ullsteinforever.ullstein.de

Sonderausgabe bei ForeverForever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, BerlinDezember 2020 (1)© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2020Umschlaggestaltung: zero-media.net, MünchenTitelabbildung: © FinePic®Autorenfoto: © privatISBN 978-3-95818-611-8

Flirting with FireDeutsche Erstausgabe bei ForeverForever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, BerlinNovember 2019 (1)© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2019© 2018 by Piper RayneTitel der amerikanischen Originalausgabe: Flirting with FireUmschlaggestaltung: zero-media.net, MünchenTitelabbildung: © FinePic®Übersetzung: Cherokee Moon AgnewISBN 978-3-95818-418-3

Crushing on the CopDeutsche Erstausgabe bei ForeverForever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, BerlinFebruar 2020 (1)© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2020© 2018 by Piper RayneTitel der amerikanischen Originalausgabe: Crushing on the CopUmschlaggestaltung: zero-media.net, MünchenTitelabbildung: © FinePic®Übersetzung: Cherokee Moon AgnewISBN 978-3-95818-409-1

Mad about the MedicDeutsche Erstausgabe bei ForeverForever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, BerlinJuni 2020 (1)© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2020© 2018 by Piper RayneTitel der amerikanischen Originalausgabe: Engaged to th EMTUmschlaggestaltung: zero-media.net, MünchenTitelabbildung: © FinePic®Übersetzung: Cherokee Moon AgnewISBN 978-3-95818-416-9

Emojis werden bereitgestellt von openmoji.org unter der Lizenz CC BY-SA 4.0.

Auf einigen Lesegeräten erzeugt das Öffnen dieses E-Books in der aktuellen Formatversion EPUB3 einen Warnhinweis, der auf ein nicht unterstütztes Dateiformat hinweist und vor Darstellungs- und Systemfehlern warnt. Das Öffnen dieses E-Books stellt demgegenüber auf sämtlichen Lesegeräten keine Gefahr dar und ist unbedenklich. Bitte ignorieren Sie etwaige Warnhinweise und wenden sich bei Fragen vertrauensvoll an unseren Verlag! Wir wünschen viel Lesevergnügen.

Hinweis zu UrheberrechtenSämtliche Inhalte dieses E-Books sind urheberrechtlich geschützt. Der Käufer erwirbt lediglich eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf eigenen Endgeräten. Urheberrechtsverstöße schaden den Autoren und ihren Werken, deshalb ist die Weiterverbreitung, Vervielfältigung oder öffentliche Wiedergabe ausdrücklich untersagt und kann zivil- und/oder strafrechtliche Folgen haben.In diesem E-Book befinden sich Verlinkungen zu Webseiten Dritter. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass sich die Ullstein Buchverlage GmbH die Inhalte Dritter nicht zu eigen macht, für die Inhalte nicht verantwortlich ist und keine Haftung übernimmt.

Inhalt

Titelei

Die Autorin / Das Buch

Titelseite

Impressum

Flirting with Fire

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Epilog

Crushing on the Cop

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Epilog

Und zum Schluss noch ein wenig Einhorngeschwafel …

Mad about the Medic

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Epilog

Und zum Schluss noch ein wenig Einhorngeschwafel …

Anhang

Leseprobe: Love and Order Band 1-3

Social Media

Vorablesen.de

Cover

Titelseite

Inhalt

Flirting with Fire

Flirting with Fire

Prolog

Neun Jahre zuvor … Highschool aka DIE HÖLLE

MADISON

»Ich will nicht«, jammere ich zum ungefähr hundertsten Mal heute Abend.

»Steig jetzt aus.« Lauren steht neben der Beifahrerseite des zerbeulten Wranglers meines Vaters, den er mir letzte Woche zum sechzehnten Geburtstag geschenkt hat.

Ich rücke meine Brille zurecht. »Es ist eine Oberstufenparty. Können wir bitte wieder zu mir gehen? Du darfst auch einen Film aussuchen. Und du darfst dich sogar am Schnapsvorrat meines Vaters bedienen.«

Seit mein Vater wieder Single ist und seine neu gewonnene Freiheit voll auskostet, stehe ich nicht mehr unter allzu strenger Beobachtung, wenn ich am Wochenende bei ihm bin. Meistens kommt er sehr spät abends oder sehr früh morgens nach Hause. Kommt ganz darauf an, wie leicht sich die Damen rumkriegen lassen.

Lauren packt meine Hand und zerrt mich aus dem Truck. »Ich habe keine Lust, zu Hause herumzusitzen und mir schon wieder eine dumme Liebesschnulze anzusehen.«

Ich falle förmlich aus dem Auto und lande direkt in einer Pfütze. Meine weißen Turnschuhe sind jetzt voller Schlamm. »Toll. Meine Mom wird mich umbringen.«

»Ist doch nicht so schlimm.« Lauren sieht wie immer cool aus. Zum Glück sind diese Baggy Pants und Shirts gerade in, denn sie hat seit dem Kindergarten denselben Stil. Als ihre Mutter sie vorhin bei mir abgesetzt hat und ich gesehen habe, dass sie eine dünne Schicht Lipgloss trägt, habe ich sofort gewusst, dass heute Ärger auf dem Programm steht.

»Du hast gut reden. Du musst die nächsten Stunden nicht mit nassen Socken herumrennen.«

Sie verdreht die Augen. »Wenn du mir erlaubt hättest, dein Outfit auszusuchen …«, flötet sie.

»Na ja, mein Bauch sieht in engen Shirts nun mal nicht so aus.« Ich deute auf ihre schmale Taille. »Da würde überall alles herausquellen.«

Lauren und ich sind seit Ewigkeiten befreundet, obwohl wir das genaue Gegenteil voneinander sind. Laurens Nachmittage sind gefüllt mit Fußball, Softball oder Volleyball, je nach Saison. Ich hänge meistens zu Hause rum, mit Ausnahme des Theaterclubs, wo ich das Bühnenbild baue. Dachtet ihr etwa, ich würde die Hauptrolle spielen? Falsch gedacht. Mädchen wie ich gehören nicht ins Rampenlicht.

»Halt den Mund. Du bist perfekt.« Wie so häufig haut sie mir auf die Schulter.

Ich hacke nicht weiter auf dem Thema herum, denn ich will nicht diejenige sein, die anderen die Laune verdirbt.

Ein paar Leute von unserer Highschool sitzen auf Baumstämmen um ein loderndes Lagerfeuer. Dieses Jahr hat in Illinois der Herbst früh eingesetzt.

Einige Pärchen machen miteinander rum, und ich sehe schnell weg. Andere lauschen gebannt Keeten Berkshire, der die Großstadtlegende vom Mädchen erzählt, das im Wald verschwunden ist und am nächsten Morgen zerstückelt aufgefunden wurde. Wir alle haben die Geschichte schon eine Million Mal gehört, doch er fügt noch eine persönliche Note hinzu und behauptet, niemand habe sie vermisst, weil sie sowieso eine hässliche Niete gewesen sei.

Mein Magen kribbelt vor Nervosität. Ich gehöre nicht hierher. Verdammt, eigentlich gehört Lauren auch nicht wirklich hierher. Die Oberstufenschüler aus ihrem Fußballverein haben sie eingeladen, nachdem sie letzte Woche beim Spiel das Gewinnertor erzielt hat. Wenigstens unterhält sie sich mit ein paar Leuten. Ich hingegen befinde mich weit außerhalb meiner Komfortzone.

»Komm, wir holen uns erst mal ein Bier.« Sie ergreift meine Hand und zieht mich weg vom Lagerfeuer. Vermutlich hat sie Keetens Geschichte mitbekommen und befürchtet nun, ich könnte diejenige sein, die die Flucht ergreift und morgen Früh in Einzelteilen aufgefunden wird.

Der Alkohol wurde so gut im Gehölz versteckt, dass ihn die Polizei nicht finden wird, falls sie hier auftaucht und die Party sprengt. Schließlich sind wir alle noch nicht volljährig.

Manchmal zweifle ich an der Intelligenz der Polizeikräfte. Versteht mich nicht falsch, meine Mitschüler haben Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um ihre Spuren zu verwischen. Sie haben sogar einen Mülleimer über das Bierfass gestülpt und ihn in Tarnfarben bemalt. Die Schnapsflaschen wurden mit einer grün-braunen Plane abgedeckt, die extra jemand zusammengenäht hat. Aber wenn es sogar mir auffällt – wie soll es dann den Polizisten entgehen?

»Ich muss doch fahren«, sage ich.

Sie stellt sich am Bierfass in die Schlange. Die Leute mustern uns argwöhnisch. Wahrscheinlich fragen sie sich, was zur Hölle ich hier verloren habe.

»Oh, ja, na gut, dann tu wenigstens so, als würdest du trinken.« Sie wirft mir einen roten Plastikbecher zu, und ich nehme ihn in die Hand.

»Nicht falsch herum.« Sie reißt mir den Becher aus der Hand, dreht ihn um und gibt ihn mir zurück.

»Mein Gott, beruhig dich mal«, murmle ich.

Schnell stülpe ich die Lippen über meine Zahnspange, die mich in letzter Zeit noch mehr nervt als ohnehin schon. Ich wünschte, ich hätte dieses Wachszeug dabei, damit ich mir nicht wieder alles aufschneide. Noch ein halbes Jahr, dann bin ich diese Bahngleise endlich los.

Mein knausriger Vater hat sich geweigert, mir eine Zahnspange machen zu lassen, als ich noch jünger war. Seine lahme Ausrede war damals, ich wäre nicht »verantwortungsbewusst« genug. Eigentlich sollte er derjenige sein, der heute am Lagerfeuer sitzt und sich wie ein Außenseiter fühlt.

Die Schlange bewegt sich nur im Schneckentempo voran, was vor allem an den Mädchen ganz vorn liegt, die sich über zu viel Schaum beschweren, woraufhin die Jungs dreckige Witze reißen.

Ich verdrehe nur die Augen, während Lauren das Ganze mit einem primitiven Spruch kommentiert, der alle zum Lachen bringt. Sie passt sich einfach überall an. Wieder beschleicht mich das Gefühl, dass ich der Grund bin, warum sie nicht zu den coolen Kids gehört.

Mit gefüllten Bechern kehren die anderen zurück zum Lagerfeuer. Eine Gruppe von kichernden Cheerleaderinnen fällt über ein paar Äste, doch ihre starken Football-Freunde fangen sie umgehend auf.

Ich würde so gern zu ihnen gehören, aber als der liebe Gott die Schönheitskönigin-Gene verteilt hat, hat er mich wohl vergessen.

Meine Mutter erzählt mir immer, dass Menschen zu unterschiedlichen Zeiten aufblühen. Immer wieder sage ich mir selbst, dass ich schlau bin und es bestimmt auf ein gutes College schaffe. Bald bin ich die Zahnspange los, dann muss ich nur noch meinen Dad dazu überreden, mir Kontaktlinsen zu kaufen. Dann wird bestimmt alles besser.

Okay, und ich muss meinen Schweinehund überwinden und mit Lauren joggen gehen, wenn sie mich fragt, ob ich mitkomme. Vielleicht muss ich dann nicht mehr darauf warten, dass meine Hormone endlich erwachen und mich »aufblühen« lassen.

»Maddie!«, ruft Lauren und reißt mich aus meinen Gedanken.

Ich habe nicht gemerkt, dass mein Becher unter dem Zapfhahn bereits überquillt. »Sorry.« Ich nehme ihr den Becher ab, bewege mich jedoch nicht vom Fleck.

Ich wollte doch nichts trinken!

»Der Zapfhahn ist kaputt. Das Bier hört nicht auf zu fließen. Also beweg dich gefälligst, damit die anderen auch noch was abbekommen.« Lauren wedelt mit der Hand. Erst jetzt fällt mir auf, dass die anderen hinter mir bereits genervt stöhnen.

»Sorry«, sage ich und trete beiseite. Mein Bier schwappt über den Becherrand, und ich rücke erst mal meine Brille zurecht.

»Gehen wir zurück zum Feuer.« Lauren hakt sich bei mir unter und zieht mich mit. Mit ihrem sportlichen, sicheren Schritt stolpert sie über keinen einzigen Ast, während ich zweimal fast auf die Fresse falle, doch zum Glück hält sie mich fest.

Das Feuer wird immer größer. Das weiß ich deshalb so genau, weil ich es seit einer halben Stunde anstarre, seit Lauren ihren Becher auffüllen wollte und nicht mehr zurückgekommen ist. Weil ich nicht schon wieder umknicken wollte, bin ich lieber hiergeblieben.

Der Abend verläuft bisher ganz gut. Lauren hat mich ihren älteren Fußballfreunden vorgestellt, die mich freundlich angelächelt und sich dann weiter über das Team unterhalten haben, gegen das sie nächste Woche spielen. Wenigstens sitze ich nicht allein herum, und die Leute sind nicht gemein zu mir. Ich kann mich also nicht beklagen.

Dann hat Lauren gefragt, ob ich noch ein Bier wolle. Ich habe die Hälfte ins Gras geschüttet und so getan, als würde ich am Rest nippen.

»Nee, schon gut.«

»Okay, bin gleich wieder da.« Lauren hat kurz meinen Unterarm gedrückt, um mir zu versichern, dass sie nicht lange weg sein würde.

Ich habe mir einen Platz gegenüber von den knutschenden Pärchen gesucht und so lange in die orangefarbenen und gelben Flammen gestarrt, bis ich beinahe vergessen habe, wo ich überhaupt bin. Ich habe mir ausgemalt, wie es wohl sein würde, wenn ich endlich nicht mehr die merkwürdige Außenseiterin bin. Manchmal ist es schwer, daran zu glauben, dass diese Zeit wirklich kommen wird. Warum bin ich nicht schon von Geburt an wunderschön gewesen? Warum habe ich so breite Hüften? Und warum scheint meine Familie nicht das Schlank-Gen zu besitzen? Ein knausriger Vater macht das Ganze nicht besser.

Irgendwas weckt meine Aufmerksamkeit, also werfe ich einen Blick über die Flammen. Mein Herz macht einen Satz, und meine Kehle zieht sich zusammen.

Mauro Bianco.

Er sieht mich an.

Schnell sehe ich weg, nur um zwei Sekunden später wieder zu ihm hinüberzuspähen. Jetzt kapiere ich, dass er überhaupt nicht mich ansieht, sondern ebenfalls in die Flammen starrt.

Ich mustere sein Gesicht. Die Art, wie sich die Flammen in seinen blauen Augen widerspiegeln, hypnotisiert mich so, dass ich es erst gar nicht merke, als mir etwas Nasses den Rücken hinabläuft.

»Igitt!« Ich springe auf und greife nach hinten.

»O Scheiße. Sorry«, sagt Kami Werauchimmer aus meinem Physikkurs. »Zum Glück ist das Kleid sowieso potthässlich.«

Die Mädchen um sie herum fangen an zu lachen und bestätigen damit, wie witzig ihr Kommentar war und wie hässlich mein Kleid ist.

Meine Schultern sacken zusammen. Ich wünschte, ich könnte mich zur Wehr setzen, doch stattdessen drehe ich mich einfach um. Mauro ist verschwunden.

Ich suche nach Lauren, kann sie jedoch nirgendwo entdecken. Also beschließe ich, einen Schlussstrich unter den Abend zu ziehen, das Lagerfeuer zu verlassen und hoffe, dass sie mich nie wieder zu so einer Veranstaltung mitnehmen will. Ich wollte sowieso viel lieber die neue Dystopie-Reihe lesen, von der so viele reden.

Ich mache mich auf den Weg zu meinem Auto und versuche das Gefühl zu ignorieren, dass alle über mich tuscheln und sich fragen, warum ich überhaupt hier bin. Als ich den Waldrand erreiche, überlege ich, ob ich noch mal beim Bierfass vorbeischauen soll. Lauren ist jetzt seit fünfundvierzig Minuten verschwunden. Wahrscheinlich macht sie mit irgendeiner Sportskanone rum.

Ich kneife die Augen zusammen – als könnte man dadurch tatsächlich besser sehen im Dunkeln – und blicke in den Wald hinein, sehe jedoch niemanden. Kein Fass, keinen Alkohol, keine Leute. Haben sie das Bier woanders versteckt?

Ich ziehe mein Handy hervor und versuche, die Umgebung abzuleuchten, um zu überprüfen, ob mich mein Orientierungssinn nun endgültig verlassen hat.

»Wäre ganz nett, wenn du mich nicht blenden würdest«, sagt eine tiefe Stimme. Aus dem Wald kommt ein großer Kerl auf mich zu, der seine Augen abschirmt.

»Sorry«, murmle ich und fühle mich wie eine Idiotin.

Je näher er kommt, desto mehr Details nehme ich wahr. Seine Collegejacke. Die abgewetzte Jeans. Die großen braunen Stiefel. Die Baseballmütze, die verkehrt herum auf seinem Kopf sitzt und die Bartstoppeln, die ein Highschool-Schüler eigentlich noch nicht haben sollte.

»Hey.« Er schnippt mit den Fingern und deutet auf mich, als würde er versuchen, sich an meinen Namen zu erinnern.

Ich träume immer mal wieder von unserer Hochzeit – und er weiß nicht mal, wer ich bin.

»Maddie«, sage ich.

Seine Hände landen auf dem Baumstamm hinter mir, und mein Magen beginnt vor Aufregung zu kribbeln – bis mir sein Alkoholatem entgegenschlägt.

Er ist betrunken.

»Stimmt. Maddie. Habe dich noch nie auf einer Party gesehen.«

Zum millionsten Mal schiebe ich meine Brille hoch. »Ja, ähm. Hoffentlich bist du mit keinem Kletternden Giftsumach in Berührung gekommen.« Ich deute in Richtung Wald und spüre, wie ich erröte. Endlich bekomme ich die Chance, mit ihm zu reden – und das ist alles, was ich zustande bringe?

»Was?« Er schüttelt den Kopf, als hätte er mich nicht verstanden. »Ist nicht mein Abend. Normalerweise trinke ich nicht, aber …« Er hält inne, und ich frage mich, ob er vergessen hat, was er sagen wollte oder einfach keine Lust hat weiterzusprechen.

»Passiert.« Ich deute mit einer Kopfbewegung zum Wald. »Hast du sonst irgendjemanden gesehen?«

Er sieht in den Wald hinein, als könnte er sich nicht mehr daran erinnern, von dort gekommen zu sein.

»Ich will andere Leute eigentlich nicht beim Pinkeln beobachten.« Er lacht leise, und seine Augen, deren Aquamarinblau mir die Sprache verschlägt, leuchten auf.

»Oh, ich dachte, da hinten wäre der Alkohol.«

Sein Lachen ist ein kehliges Grollen, das zwischen meinen Beinen eine elektrische Spannung erzeugt. Dieses Gefühl kenne ich nicht.

»Hier ist die Toilette, da ist der Alkohol.« Er deutet auf das Waldstück auf der gegenüberliegenden Seite des Lagerfeuers.

Scheiße.

»Okay, danke.« Schnell mache ich kehrt, um nach Lauren zu suchen. Hoffentlich kann er sich morgen nicht mehr an diese Unterhaltung erinnern.

Doch bevor ich entwischen kann, ergreift er meine Hand, und ich bekomme eine Gänsehaut. »Du scheinst noch nüchtern zu sein.«

»Woher willst du das wissen?«

Einer seiner Mundwinkel zuckt. »Lustig und klug, was?«

»Woher willst du wissen, dass ich klug bin?«

»Dieser abgefahrene Begriff, den du vorhin benutzt hast. Man hätte auch einfach Efeu sagen können.«

Ich kann mir das Grinsen nicht verkneifen. Würde jetzt jemand ein Foto knipsen, würde ich darauf bestimmt total verknallt dreinblicken. »Woher weißt du, dass es sich dabei um Efeu handelt?«

Sein Grinsen wird breiter. Es macht ihn so attraktiv, dass ich unweigerlich die Schenkel zusammenpressen muss. »Welches Gewächs sollte es sonst im Wald geben, mit dem man nicht in Berührung kommen sollte? Nicht alle Sportler sind dumm.«

Mein Kopf schnellt überrascht nach oben. »Das habe ich überhaupt nicht gesagt.«

»Du hast bestimmt Klischeevorstellungen. Da bin ich sicher.« Sein Tonfall hat sich plötzlich um hundertachtzig Grad gedreht.

Ich starre auf seine Hand, die auf meinem Arm liegt, und er folgt meiner Blickrichtung.

»Sorry.«

»Ja, ich bin nüchtern. Was willst du?«, frage ich und bin froh, das Thema wechseln zu können.

»Kannst du mich nach Hause bringen? Ich muss meinen Rausch ausschlafen.«

Mein Schwarm und ich – allein im Auto? Ich warte darauf, dass gleich das Kamerateam von »Verstehen Sie Spaß« aus dem Wald gerannt kommt. Sportler verlieben sich nur in romantischen Komödien in Außenseiterinnen. Im wahren Leben passiert so etwas nicht. Was nicht heißen soll, dass ich Nein sage. Ich habe nicht umsonst einen so guten Notendurchschnitt.

»Ich hole noch schnell meine Freundin, dann fahre ich dich nach Hause.«

»Cool.« Gemeinsam gehen wir zum Lagerfeuer, und ich frage mich, was die anderen wohl denken, wenn sie uns zusammen sehen.

Ich hätte wissen müssen, dass der Abend nicht so glatt laufen würde wie erhofft.

Nachdem ich Lauren mit Jay Hewitt, dem Kapitän der Fußballmannschaft, erwischt habe, hat sich meine Befürchtung bestätigt, dass ich sie von den anderen fernhalte. Und noch schlimmer: Jay hat ihr vorgeschlagen, sie zu mir zu fahren, sobald das Lagerfeuer aus ist – und sie hat zugestimmt.

Jetzt bin ich mit Mauro allein. Wahrscheinlich werde ich mich total blamieren. Irgendwas hat er an sich, und ich weiß nicht genau, was es ist. Sobald er in der Nähe ist, kann ich keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Er hatte keine Lust, mit mir die ganze Party nach Lauren abzusuchen, also haben wir vereinbart, uns am Wagen zu treffen. Ich versuche, mir einzureden, dass es nicht daran liegt, weil er nicht mit mir zusammen gesehen werden will, sondern an seinem betrunkenen Zustand.

Ich frage mich, ob er tatsächlich so lange auf mich warten wird, bis ich es zu meinem Wrangler geschafft habe.

Nachdem ich die matschige Wiese überquert habe, entdecke ich Mauro, der gegen den Truck gelehnt dasteht.

»Ist abgeschlossen.« Er blickt total gelangweilt drein.

»Sorry.«

Da das Auto uralt ist, muss ich zuerst die Beifahrertür aufsperren, bevor ich auf die Fahrerseite gehe.

»Glaub ja nicht, dass du mich flachlegen kannst«, scherzt er und steigt ein.

Er nimmt viel mehr Platz ein als Lauren.

»Mach dir keine Sorgen. Ich werde die Situation nicht ausnutzen«, erwidere ich.

Wow! Habe ich etwa gerade mit Mauro Bianco geflirtet?

Mit zitternden Händen starte ich den Motor. So nah bin ich ihm noch nie gewesen, außer das eine Mal im ersten Schuljahr, als er bei den Spinden zufällig meine Schulter gestreift hat, was mein Herz wie verrückt zum Pochen gebracht hat. Ich versuche, mich so gut wie möglich auf die Straße zu konzentrieren und nicht auf die Tatsache, dass ich das Gefühl habe, gerade einen Triathlon hinter mir zu haben.

»Erzähl mir was von dir.« Er greift nach dem Hebel und schiebt den Sitz zurück, um mehr Platz zu haben.

»Da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich bin in der Zehnten.«

»Dann kennst du bestimmt meinen Bruder. Luca Bianco?«

Ähm … er kann unmöglich so naiv sein, nicht zu wissen, dass jedes Mädchen zwischen vierzehn und achtzehn im Umkreis von dreißig Kilometern die Bianco-Brüder kennt. Ich meine, sie sind drei attraktive italienische Brüder, mit einem Altersunterschied von jeweils einem Jahr. Alle drei sind sportlich und unheimlich attraktiv.

»Stimmt, wir haben zusammen Sport.« Ich glaube, ich habe meine Antwort relativ lässig klingen lassen, wenn man bedenkt, dass so ziemlich jedes Mädchen der Schule versucht, seinen Stundenplan so zu legen, dass es mit einem der Biancos Sport hat.

»Er ist arrogant und eingebildet, nicht wahr? Wir sind nicht alle gleich.« Seine Stimme wird leiser, als würde er immer müder werden. »Ich bin dieses Jahr mit der Schule fertig und habe keinen blassen Schimmer, was ich aus meinem Leben machen soll. Da ich kein Football-Stipendium bekommen habe, habe ich nicht sonderlich viele Möglichkeiten. Vielleicht sollte ich zur Army.«

Hoffentlich merkt er nicht, dass ich ihn nach Hause fahre, ohne von ihm eine Wegbeschreibung bekommen zu haben, aber schließlich weiß jeder, wo die Biancos wohnen.

»Das ist sehr … heldenhaft.« Bestimmt hört man die Besorgnis in meiner Stimme.

»Klingt aber nicht so. Meine Mama ist stinkwütend. Am liebsten würde sie mir dafür, dass ich überhaupt darüber nachdenke, eins mit der Bratpfanne überziehen. Nicht, dass sie etwas dagegen hätte, dass ich meinem Land dienen will, aber sie hat Angst, dass ich nicht zurückkomme. Du weißt ja, wie Mütter sind.« Er fährt sich durch das Haar.

Beim Gedanken, dass ihm im Ausland etwas zustoßen könnte, läuft mir ein eiskalter Schauer über den Rücken.

»Und warum willst du zum Militär?«

Er atmet laut aus. Wahrscheinlich würde er sich nicht so ungezwungen mit mir unterhalten, wenn er nüchtern wäre.

»Ich weiß nur, dass ich später mal keinen Imbiss führen will.« Er zuckt mit den Schultern.

The Sandwich Place ist der Familienbetrieb der Biancos, der in der Innenstadt gegenüber dem Gerichtsgebäude liegt. Als Ältester der drei Brüder ist der Druck auf ihn bestimmt hoch, den Imbiss mal zu übernehmen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er um seinen Lebensunterhalt zu verdienen die ganze Zeit Fleisch vom Spieß schneiden will.

»Und sonst gibt es nichts, was dich interessieren würde? Keine Studiengänge?« Ich setze den Blinker und drehe den Kopf in alle Richtungen, bevor ich rechts abbiege.

»Ich bin während der gesamten Highschool von einer Party zur nächsten gehüpft. Meine Zukunft kam mir immer ewig weit weg vor … als würde sie nie tatsächlich eintreten.« Die Melancholie in seiner Stimme legt nahe, dass dieser Gedanke ihn verfolgt. »Was willst du nach der Schule machen?«

»Na ja, ich habe noch ein bisschen mehr Zeit als du, aber mein Vater wird mich definitiv zwingen, aufs College zu gehen. Aber ich weiß auch noch nicht, was ich aus meinem Leben machen will, falls es dir hilft.«

Einer seiner Mundwinkel verzieht sich zu einem Grinsen. »Ein bisschen. Ich habe schon befürchtet, du willst Ärztin werden oder sonst irgendwas, wofür du die nächsten zehn Jahre noch zur Schule gehen musst.«

»Das heißt also, du bist erleichtert, dass ich genauso unentschlossen bin wie du?«

Er lacht leise und dreht das Radio ein wenig lauter. Es läuft »Chasing Cars« von Snow Patrol, und Mauro singt leise mit. »Ich weiß, es ist ziemlich egoistisch, aber ein bisschen bin ich schon erleichtert.«

Ich biege in die Irving Park Road ein.

»Mit dir kann man sich gut unterhalten.« Die Muskeln seines Unterarms spannen sich an, als er die Scheibe herunterkurbelt. Kühle Luft erfüllt das Wageninnere. »Tut mir leid, ich habe das Gefühl, gleich kotzen zu müssen.«

Ich umklammere das Lenkrad noch ein wenig fester. »Sag Bescheid, dann fahre ich rechts ran.«

Mein Dad bringt mich um, wenn mir jemand ins Auto kotzt.

Er lehnt sich zurück und singt weiter den Song mit, doch seine Stimme wird immer leiser. Als ich zu ihm hinüberspähe, stelle ich fest, dass er die Augen geschlossen hat.

Ein paar Minuten später sind wir vor seinem Haus angekommen. Im Vorgarten stehen drei Schilder mit Football-Helmen, darunter der Name Bianco und die jeweilige Spielernummer der Brüder.

Als ich aussteige, ist die Straße dunkel und verlassen. Ich öffne die Beifahrertür und stoße Mauro vorsichtig an.

Er reißt die blauen Augen auf und richtet sich auf. »Scheiße. Tut mir leid.«

»Warte, vorsichtig.« Ich trete beiseite.

»Alles okay.« Er steigt aus, zwar ein wenig wacklig, aber immerhin kann er gehen. »Sollen wir in den Park gehen?«

Es war zwar eine Frage, aber er verschwindet bereits in der Dunkelheit.

»Ich glaube, du solltest dich besser hinlegen.«

»Ach, was.« Er winkt ab. »Komm schon. Mach dich mal ein bisschen locker.«

Ich folge ihm, denn wenn ein Kerl wie Mauro ein Mädchen wie mich darum bittet, ihm zu folgen, dann tut es genau das.

Die Straßenlaternen am Wegesrand spenden nur spärlich gelbliches Licht.

»Kannst du dich noch an die Zeiten erinnern, als alles so einfach war? Man musste sich nur zwischen Rutsche und Schaukel entscheiden.« Er geht vorbei an den Schaukeln und steuert auf die Rutsche zu.

»Ich war immer auf dem Klettergerüst.«

»Wahrscheinlich, weil du so entschlossen bist. Bestimmt arbeitest du immer so lange an etwas, bis du es perfekt beherrschst.« Er hebt die Augenbrauen.

Dafür, dass er betrunken ist, kann er sich ziemlich gut ausdrücken. Aber woher soll ich das schon wissen? Schließlich war ich noch nie richtig betrunken. Vielleicht liegt seine Wortwahl auch am Alkohol.

»Es war die einzige und letzte sportliche Aktivität, die ich besser beherrscht habe als Lauren.«

Auf der Leiter stehend dreht er sich zu mir um. »Deshalb kommst du mir so bekannt vor. Du bist mit Lauren Hunt befreundet.«

Innerlich schimpfe ich gerade mit mir. Wir hatten doch schon geklärt, dass er mich nicht kennt.

»Wir sind seit dem Kindergarten beste Freundinnen.«

»Aber ihr seid so verschieden.«

Japp, sie ist heiß – und ich bin eine graue Maus. »Ja, sie ist total sportlich, und ich falle beim Rennen über meine eigenen Füße«, erwidere ich stattdessen.

Oben angekommen setzt er sich hin. Seine langen Beine reichen schon bis zur Hälfte der Rutsche. »Eigentlich wollte ich sagen, weil Lauren ein Mannsweib ist, und du bist … süß.« Während er rutscht, hüpft mir fast das Herz aus der Brust. »Ich wollte früher immer rutschen. Wollte schon immer hoch hinaus. Geschaukelt habe ich nur, wenn Cristian oder Luca behauptet haben, sie könnten weiter springen als ich.«

Er scheint gar nicht zu merken, dass er mir eben so etwas wie ein Kompliment gemacht hat, aber ich werde es niemals vergessen.

Wir laufen noch ein wenig umher, bis er schließlich in Richtung Baseballfeld geht und sich dort auf dem Außenfeld auf den Boden legt.

»Leg dich zu mir.« Er tätschelt den Boden neben sich.

»Ich sollte allmählich wirklich nach Hause gehen.« Ich zwirble den Stoff meines Kleids so lange zwischen den Fingern, bis ich merke, dass mein Kleid immer höher rutscht.

»Komm schon. Wir lernen uns doch gerade erst kennen.«

Ich setze mich neben ihn, und er packt mein Kleid über meinem Rücken und zieht mich zu sich nach unten.

»Hast du dich schon mal gefragt, was der Sinn des Lebens ist? Warum wir hier sind? Wir gehen beide auf eine katholische Schule. Fragst du dich nicht manchmal, welchen Plan Gott für dich vorgesehen hat?«

»Doch.«

Er dreht sich auf die Seite und stützt den Kopf in die Hand. »Ich glaube, ich bin zu Höherem bestimmt. Etwas mit Bedeutung. Ich will in keinem Büro sitzen und schon gar nicht Sandwichfleisch bestellen. Ich will so leben, als wäre jeder neue Tag ein Geschenk. Ich will mich nicht irgendwann fragen müssen, was ich mit meinem Leben gemacht habe, verstehst du? Ich sehe es bei meinen Eltern. Sie sind hierhergekommen, weil sie sich ein besseres Leben erhofft hatten – und das Restaurant ist ihr Leben.« Er lacht. »Und ich, Cristian und Luca. Es macht sie glücklich.«

»Dann willst du also einfach glücklich sein?« Ich starre in den Nachthimmel und versuche, die Hitze zu ignorieren, die von seinem Körper ausgeht.

Er ist nur irgendein Typ, er ist nur irgendein Typ.

Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie er mit den Schultern zuckt. »Genau das ist das Problem. Ich will alles. Familie, Haus, Karriere. Ich will mich aber auch nicht festlegen, aber man kann nicht alles haben.«

Ich spüre einen Stich in der Brust, was mich dazu zwingt, ihn anzusehen. Wie kann es sein, dass dieser Kerl mir gerade das Herz gebrochen hat, obwohl ich nichts über ihn weiß, außer dass er einen heißen Körper und ein schönes Gesicht hat?

»Und was ist mit dir? Glaubst du an die Liebe?«, fragt er.

Schnell sehe ich weg, starre wieder hinauf zu den Sternen und versuche, so ruhig wie möglich zu atmen. »Früher mal. Aber nachdem sich meine Eltern haben scheiden lassen, stimme ich dir zu. Man kann nicht alles haben. Deshalb entscheide ich mich für die Karriere. Scheiß auf Familie.«

»Heißt das, du hast Angst, verletzt zu werden?« Mauro ist viel einfühlsamer, als ich vermutet hätte.

»Ich schätze schon. Nach der Scheidung ging es meinen beiden Eltern schlecht.« Ich presse die Lippen zusammen und denke an die Zeit zurück.

»Meine Eltern streiten sich immer wie verrückt, aber danach sperren sie sich im Schlafzimmer ein. Meine Brüder und ich ergreifen dann die Flucht, während sie sich versöhnen.« Er senkt die Hand und streichelt mit den Fingerspitzen leicht über meinen Arm. »Würdest du mich bitte ansehen?«, fragt er mit sanfter Stimme.

Ich drehe den Kopf und blicke ihm in die Augen. Plötzlich liegt seine Hand an meiner Wange, und er lehnt sich über mich.

Als sein Blick auf meine Lippen fällt, fange ich innerlich an zu quietschen. »Darf ich dich küssen?«

»Okay«, flüstere ich.

Schwach, Maddie. Ganz schwach.

»Entspann dich und schließ die Augen.«

Weiß er, dass ich noch nie geküsst wurde? Hat er deshalb um Erlaubnis gefragt und sagt mir, was ich tun soll?

Während mir eine Million Gedanken durch den Kopf schießen, drückt er seine Lippen auf meine. Als seine Zunge in meinen Mund gleitet, sind alle Sorgen wie weggeblasen.

Ich habe mich immer gefragt, wie sich ein Kuss wohl anfühlt. Aber die Tatsache, dass ich meinen ersten Kuss von Mauro Bianco bekomme, ist einfach verrückt. Als wäre ich in einem Film oder so was.

Jedes meiner Nervenenden kribbelt. Leise seufzend intensiviert er den Kuss und drückt sich gegen mich. Meine Brust presst sich gegen seine. Obwohl es ein mir völlig unbekanntes Gefühl ist, verstehe ich jetzt, was Mädchen daran so gut finden. Ich öffne den Mund ein Stückchen weiter. Es fühlt sich schön an, wie sich unsere Zungen berühren.

»Scheiße.« Er zieht den Kopf zurück, setzt sich auf und drückt die Hand gegen den Mund. »Deine Zahnspange.«

Seine Lippe blutet.

»Das tut mir leid.« Ich reiße die Augen auf, mein Herz hämmert wie verrückt, und meine Wangen werden ganz heiß.

Er hebt den Saum seines T-Shirts und tupft sich damit die Lippe. »Schon okay.« Er steht auf, und es dauert einen Moment, bis er seine Balance gefunden hat. »Hast du Lust zu rutschen?«

Mit einem Schlag ist der Kuss vergessen, und er geht weg.

»Mauro, was zum Teufel machst du da?«, schreit jemand, während er die Straße überquert. »Fuck. Ma wird dich umbringen.«

»Cris. Ich habe ein bisschen zu viel getrunken, aber ich wurde nach Hause gefahren. Kennst du …?« Mit ausgestrecktem Arm deutet er auf mich, während ich gerade dabei bin, mich aufzurappeln.

Ich trete aus der Dunkelheit heraus, und Cristians Augen werden groß.

»Hey, Maddie.« Er ignoriert seinen Bruder, der torkelnd auf mich zukommt. »Alles okay?«

»Ähm … ja. Ich habe nur deinen Bruder nach Hause gefahren.«

Mauros Lippe blutet noch immer, aber zum Glück nicht so stark, dass das Blut herunterläuft.

»Sonst nichts?« Cristian senkt den Kopf, um mir in die Augen zu sehen. Ich kriege keinen vernünftigen Satz zustande, geschweige denn, ihm zu erklären, dass alles in Ordnung ist.

Mein Traummann hat mich gerade geküsst – und dann hat er sich an meiner Zahnspange die Lippe aufgeschnitten. Mein Leben ist tatsächlich ein Film, jedoch keine Romanze, sondern eher ein Horrorfilm.

»Ja, alles gut. Stellst du sicher, dass er es nach Hause schafft?«

»Klar.« Cristian geht zu seinem Bruder und legt den Arm um seine Schultern. »Danke, Maddie.«

»MADDIE!« Mauro beginnt, den Song »Mandy« von Barry Manilow zu singen, nur dass er stattdessen meinen Namen benutzt.

»Das heißt Mandy, du Vollidiot«, bemerkt Cristian.

Mauro lacht kurz, bevor er plötzlich ganz still wird. »Ich muss kotzen.«

Schnell springe ich in meinen Wrangler. Als ich einen letzten Blick in Richtung Park werfe, sehe ich, wie Mauro über der Mülltonne hängt und Cristian zum Abschied winkt.

In der Mittelkonsole klingelt mein Handy, also gehe ich ran. »Wo zum Teufel bist du?«, schreit Lauren.

»Sorry, ich habe mich verfahren«, lüge ich und schmeiße den Motor an, um so schnell wie möglich vom Bianco-Haus wegzukommen.

Das restliche Wochenende zog sich wie Kaugummi. Die ganze Zeit musste ich an unseren Kuss denken. Daran, wie schön es war – und wie peinlich, dass er sich die Lippe aufgeschnitten hat.

Hoffnung ist in mir aufgekeimt wie eine zarte Blume. Jetzt ist es Montagmorgen, und kurz vor der ersten Schulstunde läuft er mir im Flur über den Weg.

Mir ist schlecht, ich bin nervös, doch vor allem habe ich Angst, mit ihm zu reden.

Als er auf mich zukommt, bleibe ich stehen und lächle ihn breit an, um ihm zu verstehen zu geben, dass er mir ruhig hallo sagen kann. Stattdessen lächelt er nur höflich und geht an mir vorbei.

Am liebsten würde ich vor Scham im Boden versinken.

Ich renne aufs Mädchenklo, vorbei an Lauren, die mir hinterherruft, doch ich ignoriere sie. Ich will gerade niemanden in meiner Nähe haben.

Als ich mich endlich in der Kabine eingesperrt habe, kann ich die Tränen nicht länger zurückhalten.

Ich bin so dumm, auch nur eine Sekunde lang geglaubt zu haben, er könnte Gefühle für mich haben. Wie lächerlich.

Ich hätte wissen müssen, dass ich die Einzige war, die an diesem Abend etwas empfunden hat.

Kapitel 1

Heute

MADISON

»Eintausend!« Lauren springt von ihrem Stuhl auf und hält das Bieterschild in die Luft, als wäre sie die verdammte Freiheitsstatue. Dabei ist es überhaupt nicht ihr Schild, sondern meins.

»Lauren!«, schimpfe ich und stehe ebenfalls auf.

Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, die Schilder zu tauschen und für die jeweils andere einen Junggesellen auszusuchen? Ich ganz sicher nicht. So viel steht fest. Aber noch viel wichtiger: Warum habe ich zugelassen, dass Lauren bei der Spendenaktion zu Ehren gefallener Sanitäter mein Date aussucht? Ich muss völlig verrückt gewesen sein zu glauben, sie könnte den Richtigen für mich auswählen.

Zuerst habe ich überhaupt nicht mitbekommen, dass sie geboten hat, denn in dem Moment, als Mauro die Bühne betreten hat, hat sich mein Gehirn verabschiedet.

Er sieht immer noch aus wie ein Männermodel. Sein dunkles Haar reflektiert das Scheinwerferlicht so, dass es aussieht, als hätte er hellere Strähnen. Sein Kiefer ist inzwischen noch markanter geworden als damals mit achtzehn.

Mein ganzer Körper steht in Flammen, die nur er löschen kann.

Es sind nicht seine breiten Schultern oder seine schmale Taille, nicht die Grübchen in seinen Wangen und auch nicht seine sinnlichen Lippen, die mich um den Verstand bringen. Es sind seine Augen. Die Art, wie sie ihre Farbe wechseln, von Aquamarin zum tiefsten Meeresblau, je nachdem, was in ihm vorgeht. Diese Augen – gepaart mit der gebräunten Haut, die er seinen italienischen Genen zu verdanken hat.

Der Moderator blickt zwischen Lauren und einer anderen Dame, die Mauro für sich will, hin und her. Ich weiß nicht, ob ich will, dass Lauren gewinnt oder nicht.

Der Hammer landet auf dem Pult, und mein ganzer Körper versteift sich, als der Moderator auf Lauren deutet und ruft: »Verkauft!«

Sie lässt das Bieterschild auf den Tisch fallen, als wäre es ein dickes Bündel Hundert-Dollar-Scheine. »Du kannst mir bei deiner Hochzeit danken.« Sie grinst.

Lauren hat die Phase hautnah miterlebt, in der ich wie ein Fangirl für Mauro Bianco geschwärmt habe. Aber ich habe ihr nie erzählt, was in der Nacht geschehen ist, als ich meinen betrunkenen Schwarm nach Hause gefahren habe. Es war mir einfach viel zu peinlich.

»Ich will Mauro überhaupt nicht«, protestiere ich, obwohl mein Körper zu kribbeln beginnt, wenn ich nur daran denke, eine weitere Nacht mit ihm zu verbringen. Eine Nacht ohne Brille und Zahnspange. Zwar bin ich seiner immer noch nicht würdig, aber die Kluft ist inzwischen kleiner geworden.

Werde jetzt bloß nicht eingebildet, warnt mich meine innere Stimme.

»Ihr müsst mich aufklären.« Vanessa steckt den Kopf zwischen Lauren und mich, und ihr blondes Haar schwingt hin und her.

Wir sind erst seit dem College ein Trio, nachdem wir zusammen in eine Vierergruppe gesteckt wurden – ohne eine vierte Person. Sie kennt nicht die Maddie, die anfängt zu stammeln, sobald Mauro in der Nähe ist. Und sie wird sie ganz bestimmt auch jetzt nicht kennenlernen. Ich weigere mich, mich wieder in das unsichere Mädchen zurückzuverwandeln, das ihn angehimmelt hat, als wäre er ein Star.

»Später«, flüstere ich, denn ich habe gerade keine Lust, Vergangenes noch mal durchzukauen.

»Na, schön. Wenn das so ist …« Sie wendet sich wieder dem Moderator zu, der nun Mauros jüngeren Bruder Luca vorstellt. »Dann wollen wir mal.«

Am Ende der Auktion – und nachdem wir uns alle furchtbar darüber aufgeregt haben, dass die jeweils andere einen Junggesellen für uns ausgewählt hat – haben wir es irgendwie geschafft, alle einen Bianco-Bruder abzubekommen. Lauren hat sich förmlich mit Vanessa geprügelt, um sie davon abzuhalten, auf Luca zu bieten, und Vanessa hat mir klar zu verstehen gegeben, dass sie nicht mit Cristian, einem Polizisten, ausgehen wird.

Wir amüsieren uns prächtig.

Nachdem wir für unsere Dates bezahlt haben, fühle ich mich ein wenig besser, schließlich wird das Geld für eine gute Sache gespendet. Dann entdecke ich Mauro auf der gegenüberliegenden Seite des Raums. Mir würde es wesentlich besser gehen, wenn er nicht mit dieser Blondine flirten würde, die an seinem Bizeps hängt. Sie sind total verzückt voneinander. Ist sie die andere Frau, die auf ihn geboten hat? Ich kneife die Augen zusammen, aber sicher bin ich nicht.

Ich glaube, ich werde mich mal ein wenig umsehen, schließlich sind noch viele andere heiße Feuerwehrmänner, Polizisten und Sanitäter hier. Ich lasse meine zwei Mitbewohnerinnen stehen, sollen sie ruhig weiterstreiten.

Vielleicht hat Mauro einen unheimlich vollen Terminkalender und überhaupt keine Zeit für ein Date. Jemals.

Das willst du nicht wirklich.

Oder vielleicht kneift er. In der Highschool hat er sich auch nicht gerade an die Regeln gehalten. Regeln galten für den Ballkönig und Quarterback nicht. Während andere dafür Ärger bekommen haben, sich während der Mittagspause vom Schulgelände zu schleichen, hat er sich aus dem Staub gemacht, ohne gesehen zu werden. Während alle anderen eine Erlaubnis gebraucht haben, um sich während der Schulstunden auf den Gängen aufzuhalten, tat Mauro so, als wären die Korridore sein Königreich. Wir hatten keinen Unterricht zusammen, aber es war bekannt, dass er für gewöhnlich in der hinteren Reihe saß und schlief.

Eine raue Hand legt sich sanft auf meinen Unterarm. »Entschuldigung«, sagt eine tiefe Stimme.

Ich halte inne und wirble herum. Als ich Mauro Bianco vor mir sehe, stellt mein Körper seine Arbeit komplett ein. Er steht direkt vor mir, und seine Augen sind genauso hypnotisierend wie eh und je.

»Ich habe gehört, du hast mich ersteigert? Nun ja, nicht mich, sondern ein Date mit mir. Also ja, eigentlich hast du mich ersteigert.« Kopfschüttelnd lacht er leise vor sich hin.

Ich kichere.

Wie eine Sechzehnjährige. O Mann …

Er streckt mir seine Hand entgegen. »Lass uns noch mal von vorn beginnen.« Sein Lächeln ist ansteckend. Seine Augen verführerisch. Seine Muskeln zum Dahinschmelzen. Umgehend bin ich wieder im zweiten Highschool-Jahr. »Ich bin Mauro Bianco. Danke, dass du bereit bist, einen so guten Zweck zu unterstützen.«

»Hi. Ich bin … Ma… Ma… Mad… …ison Kelly.«

Sein Lächeln wird noch breiter, während sich meine Eingeweide verknoten, meine Hände ganz feucht werden und mein Herz hämmert wie die Bassdrum einer Rockband.

»Schön, dich kennenzulernen«, sagt er und ignoriert mein Stottern.

Mein Inneres fällt in sich zusammen wie ein schlaffer Luftballon, Hoffnung strömt mit einem leisen Zischen aus mir heraus.

Natürlich erinnert er sich nicht an mich.

Für ihn war ich immer unsichtbar.

Kapitel 2

MAURO

Super, ich kriege die Besoffene ab. Später werde ich bestimmt Luca anrufen müssen, damit er sie wiederbelebt. Sie ist ein wenig wacklig auf den Beinen, als könnte sie sich nicht entscheiden, ob sie gleich in Ohnmacht fällt oder sich übergibt.

Hinzu kommt, dass sie mich anstarrt, als hätte ich sie gerade in einer Bar angemacht, während sie mit ihren Freundinnen am Feiern war. Entweder ist sie nicht diejenige, die auf mich geboten hat, oder sie bereut es inzwischen.

»Wir müssen nicht unbedingt ausgehen. Falls du denkst, du hättest einen Fehler gemacht«, sage ich und biete ihr die Möglichkeit, ganz leicht aus der Sache herauszukommen.

Sie kneift die Augen zusammen und zieht die Mundwinkel nach unten. Sie ist süß. Süßer als süß. Wie das nette Mädchen von nebenan, doch unter dem weiten Kleid, das ihre Kurven verhüllt, verbirgt sich eine gewisse Sexiness.

»Heißt das, du willst nicht mit mir ausgehen?«, fragt sie.

Ihre Stimme klingt so schwach, dass ich den Blick von ihren herzförmigen Lippen losreiße und ihr in die Augen sehe. Grau mit blauen Sprenkeln. Wie ein wolkiger Tag kurz vor dem Sturm.

Ich schlüpfe in meine Jacke und werfe einen Blick auf meine Armbanduhr. »Sorry, in einer Stunde geht meine Schicht los.«

»Oh.«

»Hättest du morgen Zeit? Vielleicht Mittagessen?«, biete ich an, da sie keinen Rückzieher gemacht hat.

Wieder zieht sie die Mundwinkel nach unten. Dann saugt sie schnell an ihrem Strohhalm. »Sonntag?«

Erst jetzt wird mir klar, dass meine Tage total verkorkst sind.

»Mist.« Ich fahre mir durchs Haar. »Ich bin gestern Nacht für jemanden eingesprungen, und wir hatten zwischen zwei und vier fünf Einsätze. Ich bin ziemlich fertig. Vielleicht Montag?«

»Da muss ich arbeiten.«

»Ach ja, klar.«

Ich versaue es gerade total. Sie war so nett, eine erhebliche Summe auf mich zu bieten, da kann ich wenigstens einen Abend am Wochenende springen lassen. Mal sehen … Heute muss ich arbeiten, dann wieder Mittwoch. »Freitagabend hätte ich Zeit.«

Sie nippt weiter an ihrem Drink, der zusehends immer weniger wird.

»Ist Freitag für dich in Ordnung?« Ich spreche extra langsam, um sicherzugehen, dass sie mich versteht. Ich frage mich, ob sie sich morgen überhaupt noch an den Abend erinnern kann.

Sie nickt und scheint auch geistig wieder da zu sein. »Ja. Freitag ist gut.«

Ich ziehe mein Handy hervor. »Gibst du mir deine Nummer? Dann können wir uns die Woche noch mal schreiben. Ich kann dich abholen. Oder wir treffen uns irgendwo. Wie es dir lieber ist.«

Ihre Lippen kleben förmlich am Strohhalm, und sie starrt wie gebannt auf meine Brust. Am liebsten würde ich mit der Hand wedeln und sagen Hallo, hier oben.

Früher habe ich mich wie der König der Welt gefühlt, wenn ich den Mädchen die Sprache verschlagen habe und sie mich angegafft haben. Inzwischen finde ich es ganz schön abtörnend.

Sie schluckt und stellt das Glas auf den Tisch neben uns. »Oh.« Sie zieht ihr Smartphone aus der Handtasche – und mit dem Telefon kommt auch der gesamte Inhalt heraus. Wir sehen mit an, wie alles zu Boden fällt.

Statt die Sachen aufzuheben starrt sie mich an und wird rot. Irgendwas daran kommt mir bekannt vor, aber ich weiß nicht, was es ist.

Als ich mich herunterbeuge, tut sie es mir schnell gleich. Ich sammle ihren Lippenstift auf, ihr Portemonnaie und eine Pillendose. Ich beschließe, die Stimmung ein wenig aufzulockern und wedle mit ihrem Scheckheft. »Da war wohl jemand auf Gewinnen aus. Koste es, was es wolle, was?« Ich lächle.

Sie nicht.

»War nur Spaß«, murmle ich und reiche ihr das Heft.

Zusammen mit den Tampons, die ich habe liegen lassen, steckt sie es zurück in ihre Handtasche. »Danke«, murmelt sie.

Als wir wieder stehen, klemmt sie sich die Tasche unter die Achsel. Ihr Kleid gibt überhaupt nichts preis. Weder ihre Brüste noch ihre Taille noch ihren Hintern. Dieses Teil versteckt wirklich alles.

Sie hält ihr Smartphone in Händen, fragt mich jedoch nicht nach meiner Nummer, damit sie mir ihre schicken kann. Also schnappe ich es mir.

»Darf ich?«, frage ich.

Sie wird ganz blass. »Ja.«

Ich schreibe mir selbst eine Nachricht, und aus meiner Hosentasche dringt das Stöhnen einer Frau, gepaart mit einem klatschenden Geräusch. »Fuck!« Ich gebe ihr das Handy zurück und taste nach meinem eigenen. Schnell ziehe ich es hervor und öffne die Nachricht, bevor das Geräusch erneut ertönt. Alle um uns herum starren schon.

Sie kichert mit gesenktem Blick.

»Meine Brüder finden so einen Scheiß lustig.«

Als sie mich unter ihren langen Wimpern hervor anblickt, ist da ein Funkeln in ihren Augen, das vorhin noch nicht da war. »Ist es auch irgendwie.«

»Dann ist es also in Ordnung, wenn das ab jetzt dein Klingelton wird?« Ich hebe die Augenbrauen, und ihre Wangen verfärben sich dunkelrot.

»Das habe ich nicht gesagt.«

Ich ändere schnell den Klingelton, bevor ich es noch vergesse und sie mir schreibt, wenn meine Mom danebensteht. Ich habe sowieso schon eine permanente Beule am Hinterkopf, weil sie mir ständig draufschlägt.

Ich stecke das Handy zurück in die Hosentasche und verlagere das Gewicht auf die Fersen. »Ich rufe dich Mitte der Woche an, dann machen wir was aus.«

»Alles klar.« Inzwischen wirkt sie ein bisschen lebendiger, was in Anbetracht unseres bevorstehenden Dates ein wenig Hoffnung in mir aufkeimen lässt.

Ich nicke. Die seltsame Stimmung wickelt sich um uns wie ein Stück Cellophan.

»Okay, wir hören uns dann«, sage ich lächelnd.

»Okay.«

Schließlich verlasse ich das Gebäude, ohne mich von meinen Brüdern zu verabschieden. Nach der Sache mit dem Klingelton können sie mich mal kreuzweise.

Auf dem Weg zur Feuerwache werde ich das Gefühl nicht los, dass mir das Mädchen irgendwie bekannt vorkommt, aber ich kenne keine Madison Kelly. Hoffentlich habe ich sie nicht mal aus einem brennenden Haus gerettet, und sie hat jetzt so was wie einen Heldenkomplex, denn ich bin alles andere als ein Held.

Als ich die Feuerwache betrete, übertüncht das Curryaroma den Geruch von Testosteron.

»Fuck, Patel. Davon habe ich letzte Woche Bauchschmerzen gekriegt.« Donovan stürmt aus der Küche und in den Fitnessraum.

»Dann mach dir selbst was zu essen«, giftet Patel zurück und sieht mich an, als ich mich an den großen Tisch setze. »Und? Wie war’s? Ich habe nichts davon mitbekommen, dass ein SWAT-Team das Hilton gestürmt hätte. Heißt das, die Damen haben sich nicht um euch geprügelt?«

Ich lache leise. »Nope. Nur zwei Bieterinnen. Und eine hat ziemlich schnell aufgegeben.«

»Bist du enttäuscht?«, fragt er und dreht mir den Rücken zu, um irgendwas zurück in den Kühlschrank zu stellen.

»Ich bitte dich. Auf einer Bühne stehen und danach beurteilt werden, wie attraktiv einen das Publikum findet? Aber es ist für einen guten Zweck, und ein Date wird mich schon nicht umbringen.« Ich spiele mit dem Serviettenhalter, der in der Tischmitte steht.

»Soll ich jetzt Mitleid mit dir haben? Du hast dich drei Jahre in Folge für den Chicago-Firefighters-Kalender ablichten lassen. Mich hat keiner gefragt.« Er bewegt sich in der Küche umher, als wäre er von Beruf Koch. Irgendwie ist er das auch, immerhin ist er der Einzige, der sich in unserer Schicht bereit erklärt, für alle zu kochen.

»Ich will überhaupt kein Mitleid.« Ich stehe auf, um ihm zu helfen, aber meine Küchenkenntnisse gehen gegen null. Mich hat eine traditionelle italienische Mama großgezogen. Ihr wisst schon, was ich meine. Es ist vielleicht ein wenig sexistisch, aber es ist wahr.

»Was ist los mit dir?«, fragt Patel.

»Was meinst du?«

Er blickt mich über die Schulter hinweg an, während er das Hühnchen klein schneidet. »Du siehst aus, als hätte deine Mama gerade mit dir geschimpft.«

»Ich bin neunundzwanzig. Meine Mom schimpft nicht mehr mit mir. Alles in Ordnung. Ich habe nur die ewige Routine satt.«

Patel wäscht sich die Hände, trocknet sie an einem Geschirrtuch ab und wirft es über seine Schulter. »Vielleicht musst du mal zum Psychologen.«

Ich schüttle den Kopf. »Es hat nichts mit Hunter zu tun. Aber ich werde bald dreißig und stecke in dieser verdammten Routine fest.«

Patel ist rund zehn Jahre älter als ich. Verheiratet, drei Kinder, glückliches Leben. Ich glaube, er wusste schon mit achtzehn, was er will. Und ich versuche immer noch, mein Leben auf die Reihe zu kriegen, obwohl ich schon fast dreißig bin. Doch seit wir bei einem Feuer Hunter verloren haben, ist mein Leben bedeutungsloser geworden.

Er lehnt sich gegen die Küchentheke und sieht mich durchdringend an.

»Solltest du nicht zusehen, dass das Abendessen fertig wird?« Ich beäuge das rohe Hühnchen.

»Essen ist fertig, wenn es fertig ist. Was meinst du mit Routine?«

Jetzt ist es mir peinlich, dieses Gespräch provoziert zu haben. Ich hätte einfach mit Donovan in den Fitnessraum gehen oder mich zu den anderen Jungs setzen sollen, um fernzusehen. Wenn man mit einem Problem zu Patel geht, ist es wie ein stummer Hilfeschrei. Das weiß jeder.

»Immer diese Schichtarbeit. Und mit den freien achtundvierzig Stunden macht man rein gar nichts. Natürlich tue ich dies und das, aber irgendwas fehlt mir. Hin und wieder verbringe ich ein wenig Zeit mit Cailin und Devin. Aber mit meinem anderen Projekt geht es nur schleppend voran, seit ich mir nach Hunters Tod eine kurze Auszeit genommen habe.«

Cailin ist Hunters Witwe. Er war in der Feuerwache mein bester Kumpel. Nebenher haben wir gemeinsam ein Bauunternehmen aufgezogen. Seit er vor sechs Monaten verstorben ist, schaue ich hin und wieder bei Cailin und ihrem Sohn vorbei, um zu sehen, ob sie irgendwas brauchen. Die Umstellung ist bestimmt schwer, und ich will ihnen so gut es geht helfen.

Patel hebt eine Augenbraue.

»So ist es nicht.« Mein Ton klingt bissiger, als er verdient hätte, aber ich will mich ganz klar ausdrücken, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.

»Das hättest du vielleicht gern, aber sie ist traurig, und der Kleine braucht einen Vater …«

»Zwischen uns ist nichts. Ich helfe ihr nur.«

Er legt den Kopf in den Nacken und lässt das Thema gut sein, auch wenn er nicht überzeugt wirkt.

»Unsere Firma hatte gerade ein wenig an Fahrt aufgenommen. Wir wollten Häuser sanieren und weiterverkaufen. Und jetzt …«

Ich gebe das Hühnchen in die Pfanne, doch Patel nimmt mir sofort den Bratenwender weg.

»Bei dir verbrennt es nur.«

»Ich wollte nur helfen.« Ich wasche mir die Hände in der Spüle.

Er lacht, denn wir wissen beide nur zu genau, dass er keine Hilfe braucht. »Wenn man nicht bei der Sache ist, geht es nur schief.«

Ich stelle mich direkt neben ihn und lehne mich zu ihm, denn die Feuerwache ist manchmal das reinste Studentenwohnheim. Hier haben die Wände Ohren.

»Fang allein damit an.« Er zuckt mit den Schultern.

»Womit?«

»Mit den Häusern. Mach es selbst. Ich weiß, wie du arbeitest. Was du bei mir zu Hause gemacht hast, hat Topqualität. Wir kriegen dafür ständig Komplimente.«

Ich zucke mit den Schultern, und er boxt mir gegen den Arm.

»Ich habe nur den Boden verlegt.«

»Wenn ich es selbst gemacht hätte, würde er sich schon wellen.« Er fügt dem Hühnchen Curry und noch ein paar andere Gewürze hinzu und nimmt den Deckel vom Reistopf. »Ich meine es ernst. Sei mal stolz auf dich. Ich verstehe, dass Hunter dein Partner war, aber du schaffst es auch allein. Oder du suchst dir einen neuen, falls es sein muss.«

Gesprächsfetzen von damals, als ich mit Hunter mitten in der Nacht hier in der Küche stand, kommen mir in den Sinn. Wir haben uns ausgemalt, wie unsere Firma genug Geld einbringen würde, damit wir ein gutes Leben führen und trotzdem Feuerwehrmänner bleiben könnten. Wir wussten, dass die Bezahlung beschissen war, aber es hat uns trotzdem Spaß gemacht. Wir waren beide Adrenalinjunkies, die ihren flexiblen Zeitplan niemals gegen einen langweiligen Bürojob getauscht hätten. Er machte sich Sorgen, irgendwann keine andere Wahl zu haben, weil er nicht genug verdiente, um eine Familie zu ernähren.

»Er war derjenige, der gut mit Zahlen konnte. Er hätte für uns die Deals an Land ziehen und sich um das Budget kümmern sollen. Ich habe das Handwerkliche erledigt.«

Patel mustert mich erneut und schüttelt den Kopf. »Ich hätte dich nie für einen Schwächling gehalten.«

»Muss ich dich etwa daran erinnern, dass wir euer Team letzte Woche geschlagen haben, obwohl ihr Heimvorteil hattet?« Ich grinse, und er lacht leise in sich hinein.

»Du musst dir selbst mehr zutrauen. Fang klein an. Kauf ein billiges Haus und nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst.« Patel füllt den Reis in eine riesige Schüssel. »Brauchst du Geld?«

»Nee, schon gut.« Ich winke ab.

»Bist du sicher? Denn …«

In diesem Moment beginnt mein Handy in meiner Hosentasche zu vibrieren. »Ja, ich bin sicher. Danke, Patel.«

»Und denk noch mal darüber nach, mal zum Psychologen zu gehen.« Er spricht in väterlichem Ton, aber ich ignoriere ihn und konzentriere mich auf mein Handy.

Cailin.

»Hey, Cailin«, sage ich absichtlich fröhlich.

»Devin und ich wollten wissen, ob du Lust hast, Freitag zum Abendessen vorbeizukommen. Wir könnten uns danach noch einen Film ansehen.«

Ich schultere meine Tasche und gehe nach oben ins Schlafquartier. Jedes Mal, wenn sie mich hier anruft, werden meine Trauer und mein Schuldgefühl noch größer. Wahrscheinlich, weil ich Hunter hier kennengelernt habe. Hier hat er mir erzählt, dass er Cailin getroffen hat und sie etwas ganz Besonderes ist. Hier haben wir den Flashmob für seinen Heiratsantrag geplant. Hier haben sich seine Augen mit Tränen gefüllt, als er mir erzählt hat, dass er Vater wird.

»Tut mir leid, aber da gehe ich schon mit der Glücklichen aus, die mich heute Abend ersteigert hat.«

Es folgt Schweigen. Es gefällt mir nicht, dass sie jetzt sauer ist.

»Vielleicht kann ich danach noch vorbeikommen«, biete ich an.

»Nein, schon in Ordnung. Vielleicht läuft es ja besser als gedacht.« Ich weiß genau, dass sie es nicht so meint, aber ich werde sie nicht darauf ansprechen. Patels Worte hallen in meinem Kopf wider, und ich frage mich, ob sie sich von mir etwas erhofft, das ich ihr nicht bieten kann und will. Der Verlust ist immer noch ganz frisch. Im Moment klammert sie sich an alles, was ihr ein Stück Sicherheit bietet.

Ich habe Hunter versprochen, auf Cailin und Devin aufzupassen, falls ihm etwas zustoßen sollte. Und meine Versprechen breche ich nicht.

Mir kommt wieder die Brünette von der Wohltätigkeitsveranstaltung in den Kopf. Ich weiß nicht, warum. Um ehrlich zu sein fand ich ihre Schüchternheit und Ängstlichkeit ziemlich nervig. Ich weiß nicht, nach welchem Typ Frau ich suche, aber jemanden, der mit allem einverstanden ist, was ich tue oder sage, kann ich nicht gebrauchen. Doch etwas anderes scheine ich in letzter Zeit nicht zu bekommen.

»Wie wäre es, wenn ich dich einfach anrufe?«, frage ich.

»Okay.«

Der Alarm geht los.

»Feuer?«, fragt sie. »Pass gut auf dich auf«, fügt sie hinzu, bevor ich antworten kann.

Sie weiß eben, wie der Hase läuft.

»Mach ich. Wir hören uns.«

»Schreibst du mir später?« Ihre Stimme wird leiser. Bestimmt denkt sie zurück an den Abend, als Hunter ihr nicht mehr geschrieben hat.

»Mach ich.«

Ich lege auf und eile nach unten, um meine Uniformhose anzuziehen.

Während ich in den Feuerwehrwagen springe und wir losrasen, versuche ich, meine Gedanken beiseitezuschieben. Sicherheit geht beim Einsatz immer vor. Ablenkung kann ich mir nicht erlauben.

Kapitel 3

MADISON

Ich sitze im Auto vor meinem Elternhaus. Das Unkraut reicht bis zu den zerbrochenen Fenstern, die inzwischen durch Sperrholzplatten ersetzt wurden. Auch der Zement der Treppe beginnt zu bröckeln. Allein das Haus zu betreten stellt eine Gefahr dar. In mir brennt das Bedürfnis, daraus ein Zuhause zu machen, in dem sich andere wohlfühlen würden. Ein Zuhause, das von seinen Bewohnern wertgeschätzt wird und der Nachbarschaft ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Für mich gab es hier kein Happy End, aber vielleicht für jemand anderes.

Hinter mir hält ein schwarzer Sedan, also schalte ich den Motor aus und steige mit dem Notizblock in der Hand aus.

»Miss Kelly, dafür, dass ich uns so schnell hier reinkriege, verdiene ich aber ein Prozent extra auf meine Provision.«

Mein Makler, ein Mittfünfziger mit schwerer Goldkette um den Hals und einem ebenso dicken Goldarmband und -ring am kleinen Finger, versteht sein Handwerk außerordentlich gut und hat schon einige gute Deals für mich ausgehandelt, vor allem wenn ich gegen die verbohrtesten Bauunternehmer der Gegend angehe. Kleiner Fisch trifft es nicht mal annähernd, wenn man mich beschreiben will. Sie wollen nur die Kohle – ich will die Schönheit eines Hauses zum Vorschein bringen.

»Hey, George. Ich habe Ihnen doch gesagt, Sie sollen mich Madison nennen.«

Er hält mir seine kurzen Stummelfinger hin. Wir führen ein wenig Small Talk, bevor wir mit dem Geschäftlichen fortfahren und er auf den Bürgersteig tritt, wo ich als Kind Himmel und Hölle gespielt habe.

»Wie Sie bereits wissen, verfügt das Haus über drei Schlafzimmer, anderthalb Badezimmer, Keller, kleine Küche. Garten ist okay. Es steht nächsten Dienstag zur Auktion.«

»Ein Bieterkrieg ist das Letzte, was ich gebrauchen kann.«

Als George die Tür öffnet, schlägt uns ein so übler Geruch entgegen, dass wir unsere Nasen mit unseren Hemdkragen bedecken müssen. Der Boden ist von Müll übersät, und ich bin froh, dass ich meine Stiefel angezogen habe.

»Meine Provision ist zwar gut, aber ich muss zugeben, dass ich immer dringend duschen will, wenn ich mir mit Ihnen ein Haus angesehen habe.« George bleibt in der Tür stehen.