TEUFELSJÄGER 028: Ein Geist lädt ein zum Gruseln - W. A. Hary - E-Book
Beschreibung

TEUFELSJÄGER 028: Ein Geist lädt ein zum Gruseln- von W. A. Hary: "...und wer kann einer solchen Einladung schon widerstehen?" Sie waren gezwungen, sich in einen magischen Kreis niederzusetzen. Die Geister der unschuldigen Männer und Frauen vereinten sich unter dem Zwang der Hexe Helen Sanders. Die Braut des Satans verband sich mit der Gemeinschaft, durchdrang die Wände der Ruine von Ardon, in der Nähe von Kairo, schwebte nach draußen...Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate und seine Freunde. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt! Auch jede Druckausgabe ist jederzeit nachbestellbar.Coverhintergrund: Anistasius eBooks – sozusagen direkt von der Quelle, nämlich vom Erfinder des eBooks! HARY-PRODUCTION.de brachte nämlich bereits im August 1986 die ersten eBooks auf den Markt – auf Diskette. Damals hat alles begonnen – ausgerechnet mit STAR GATE, der ursprünglichen Originalserie, wie es sie inzwischen auch als Hörbuchserie gibt. Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._Hary 

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W. A. Hary

TEUFELSJÄGER 028: Ein Geist lädt ein zum Gruseln

"...und wer kann einer solchen Einladung schon widerstehen?"

Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._HaryBookRix GmbH & Co. KG80331 München

Wichtiger Hinweis

 

Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt! Jeder Band ist jederzeit nachbestellbar.

 

TEUFELSJÄGER 028

Ein Geist lädt ein zum Gruseln

W. A. Hary: „…und wer kann einer solchen Einladung schon widerstehen?“

Ja, man würde sehen, wenngleich ganz anders als vermutet. Denn als einziger erkennt Don Cooper die Wahrheit: DIE HEXE LEBT! Sie ist kein Mensch mehr, sondern eher ein... Geist. Und das bleibt nicht ohne Folgen, wie man sich leicht denken – und in diesem Band hier nachlesen kann!

Euer W. A. Hary

Impressum

Alleinige Urheberrechte an der Serie: Wilfried A. Hary

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by www.hary-production.de

ISSN 1614-3329

Copyright dieser Fassung 2014 by www.HARY-PRODUCTION.de

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken

Telefon: 06332-481150

www.HaryPro.de

eMail: wah@HaryPro.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

Coverhintergrund: Anistasius

Vorwort

Sie waren gezwungen, sich in einen magischen Kreis niederzu­setzen. Die Geister der unschul­digen Männer und Frauen ver­einten sich unter dem Zwang der Hexe Helen Sanders. Die Braut des Satans verband sich mit der Gemeinschaft, durchdrang die Wände der Ruine von Ardon, in der Nähe von Kairo, schwebte nach draußen.

Da war Lord Frank Burgess, der den Schavall bei sich trug - jenes geheimnisvolle Amulett, das dem Londoner Privatdetektiv Mark Tate gehörte. Der Lord trug es und wandte sich gegen die Ruine.

Die Geister der gefangenen Menschen mehrten die Macht der Hexe und ihr Wissen. Noch lebten die Körper. Wenn sie die Geister nicht in den nächsten Minuten wieder entließ, würden die Körper sterben.

Damit würde die Vereinigung komplett sein.

Lord Frank Burgess wollte mit dem magischen Amulett die Kräf­te der uralten Ruine, die in Urzeiten Kultstätte von Dämonen war, brechen. Und da löste sich der Schavall von ihm, wurde so groß wie ein Globus, schwebte in das Gebäude.

Die unterschiedlich gepolten Kräfte des Schavalls und der Ruine prallten aufeinander. Eine gewaltige Leuchterscheinung! Explosionsartig dehnte sich der Schavall aus, fegte Frank Burgess von den Füßen.

Und da traten die Befreiten aus der Ruine. Der Lord hätte ju­beln können. Auch Mark Tate war dabei, der durch die Einfluß­nahme der Hexe gemeinsam mit seiner Freundin May Harris vor­übergehend im Innern des Amu­letts gefangen war.

Die Ruine verschwand hinter ihnen für immer. Der Schavall hatte gesiegt und das Gemäuer vernichtet.

Mark Tate, May Harris und Lord Frank Burgess waren über­zeugt davon, daß auch die Hexe ihr Leben hatte lassen müssen. Doch sie lebte! Im buchstäblich letzten Augenblick sog sie die ge­waltige Kraft der Ruine von Ardon in sich auf. Ihr menschlicher Kör­per war unsichtbar, dem Dies­seits halb entrückt. Ein letztes Mal schwebte sie über den jetzt leeren Platz. Die Unglücklichen, deren Geister sie eben noch in ih­rem Besitz gehalten hatte, schauten verständnislos um sich. Unter ihnen war Mark Tates Freund Don Cooper.

Am liebsten hätte die Hexe He­len Sanders die Vierergruppe mit Mark Tate vernichtet, doch da spürte sie die Einflußnahme des Schavalls. Nein, dagegen kam selbst sie nicht an. Schleunigst zog sie sich zurück. Unbemerkt raste sie davon. Sie hatte bereits einen Plan, wie sie Mark Tate und seine Freunde hereinlegen konn­te. Es mußte ihr gelingen, im ent­scheidenden Moment den Scha­vall, diese universelle Waffe des Privatdetektivs, zu neutralisieren. Einmal wäre es ihr fast gelungen. Das nächste Mal mußte der Erfolg vollkommen sicher sein.

Helen Sanders war zuversicht­lich. Ihr Ziel war London. Sie würde dieses Ziel lange vor den vier erreicht haben.

1

Das Telefon schrillte. Chefin­spektor Tab Furlong von New Scotland Yard hob ab, meldete sich.

»Chefinspektor, was?« fragte eine heisere Stimme. »Ich dachte, Sie wären erst Inspektor?«

»Befördert inzwischen!« er­widerte Tab knapp. »Wer sind Sie?«

»Ich - ich werde persönlich zu Ihnen kommen. Haben Sie Zeit?»

»Natürlich. In welcher Ange­legenheit wollen Sie mich spre­chen?«

»Mord!«

Tab Furlong schluckte. Er brachte nur ein einziges Wort heraus: »Wo?«

»Das will ich Ihnen persönlich berichten.« Bisher war die Stimme des Anrufers einigermaßen ruhig geblieben. Jetzt platzte es aus ihm heraus: »Ich bin ein Mörder! Ich habe zwei Menschen umge­bracht!«

In der Leitung knackte es.

»Hallo!« rief Tab Furlong in die Hörermuschel. Keine Antwort. »Hallo!« Der Teilnehmer meldete sich nicht mehr.

Sofort alarmierte Tab Furlong zwei Assistenten: Owen Pynchon und Edric Hume. Zwei Minuten später befanden die sich in sei­nem Büro. Eine weitere Minute dauerte es, bis Chefinspektor Tab Furlong die negative Nachricht erhielt, daß es nicht gelungen war, die automatische Fang­schaltung positiv auszuwerten. Es blieb ein Geheimnis, wer und vor allem VON WO man ange­rufen hatte.

Tab setzte die beiden Sergeanten in Kenntnis der Lage.

»Ausgerechnet jetzt!« stöhnte Sergeant Pynchon. »Ich bin immer noch vollauf mit den Er­mittlungen in einem anderen Fall beschäftigt.«

Sein Kollege Edric Hume rümpfte die Nase.

»Meinst du denn, mir ginge es besser? Wie ich die Sache sehe, war der Anrufer ein Verrückter. Wird nicht viel bei rauskommen!«

Tab Furlong beugte sich vor, fixierte die beiden über seinen Schreibtisch.

»Ich schlage vor, wir warten erst einmal ab, ob der Mann hier wirklich aufkreuzt. In der Zwi­schenzeit überlegen wir uns, wie wir ihn behandeln.«

Edric Hume zog erstaunt die linke Braue hoch.

»Was gibt es da zu planen, Chefinspektor? Den nehmen wir ordentlich ins Gebet - und schon läuft die Sache.«

Tab stand auf. Er wirkte ner­vös. »So einfach erscheint es mir nicht!« gab er zu. Er umrundete seinen Schreibtisch. »Ich erinnere mich an einen ähnlichen Fall. Er­eignete sich vor Jahren.«

»So?« machte Owen Pynchon verdutzt.

Tab schaute von einem zum anderen. Ein ungewöhnliches Paar! dachte er dabei. Pynchon und Hume brillierten stets mit lo­ckeren Sprüchen. Sie verstanden es, den Eindruck zu erwecken, als wären sie sich gram. In Wirklichkeit waren es Freunde, die füreinander durchs Feuer gehen würden. Tab hatte sich in den zwei Wochen, in denen er Gelegenheit gehabt hatte, die beiden näher kennenzulernen, fast an ihre Art gewöhnt.

Edric Hume fügte hinzu: »Ihr eigener Fall, Chefinspektor?«

»Nein, der eines Kollegen. Ich sollte ihn einmal anrufen.« Tab hob den Hörer ab und wählte eine hausinterne Nummer. Als er wieder auflegte, blickte er nicht gerade zufrieden drein. »Ist im Urlaub«, klärte er seine Sergeanten auf. Er setzte sich wieder.

»Ich bekomme die Geschichte leider nicht mehr zusammen. Weiß nur, daß es sich vor ein paar Jahren abspielte. Jemand rief an, behauptete, ein Doppel­mörder zu sein.«

»Und dann?« erkundigte sich Owen Pynchon.

Tab zuckte ein wenig hilflos die Achseln. »Mehr ist leider nicht bei mir hängengeblieben. Ich hatte mit der Sache nichts zu tun. Es sprach sich nur herum.«

»Okay«, sagte Edric Hume, »wir bauen jetzt ein Maschinengewehr auf und rufen eine Kompanie Sol­daten. Dann warten wir erst ein­mal ab.«

Pynchon zeigte mit dem Dau­men auf ihn. »Machen Sie sich nichts draus, Chefinspektor. Hu­me ist nämlich ein Feigling, müssen Sie wissen. Notfalls schaffen wir es auch allein - Sie und ich.«

Edric Hume stöhnte laut und anhaltend. »Also, wie lange soll ich mir solche Unverschämthei­ten noch gefallen lassen? Wenn ich Chefinspektor wäre, ich würde...«

»Wirst du bei deiner geringen Intelligenz sowieso nicht werden!«

»...ich würde den Kerl glatt in die Wüste zu den Geiern ver­setzen.«

»In der Wüste gibt es keine Geier, mein Freund!«

»Nun, dann wäre wenigstens einer dort.«

Die Eingangswache meldete sich per Telefon. Tab Furlong nahm den Ruf entgegen.

»Chefinspektor, ein Verrück­ter!« sagte der Wachhabende.

Tabs Herz schlug ein paar Takte schneller. »Name?«

»Will er nicht sagen. Be­hauptet, Sie würden auf ihn warten. Stimmt das?«

»Kann schon sein. Schicken Sie ihn herauf, aber lassen Sie zwei Männer mitgehen! Äh, wieso bezeichnen Sie den Mann als Ver­rückten?«

»So sieht er wenigstens aus, Chefinspektor. Na ja, Sie werden gleich sehen, was ich meine.«

Tab brauchte sich nicht lange zu gedulden. Es klopfte an der Tür.

Edric Hume stand schon daneben. Er öffnete so ungestüm, daß der Konstabler dahinter erschrocken zusammenzuckte. Edric Hume grinste und machte eine einladende Geste.

»Hereinspaziert! Der Chef und seine besten Mitarbeiter warten bereits.«

Der Konstabler maß ihn mit einem scheelen Blick. Was er sah, gefiel ihm wenig. Edric Hume trug einen auffallenden Anzug und ge­bärdete sich wie ein Dandy. Da fehlte nur noch das bunte Hüt­chen.

Der Blick des geplagten Konstablers wanderte weiter zu Owen Pynchon. Auch der gefiel ihm nicht. Pynchon stellte das ge­naue Gegenteil dar. Er war ein wenig größer, schlaksig, steckte in verwaschenen Jeans, und das karierte Baumwollhemd hatte einen zerknitterten Kragen. Da fehlte nur noch die Lederjacke mit irgendeinem poppigen Auf­druck. Nun..., sie hing über der Stuhllehne.

Der Konstabler ließ die ange­staute Luft aus der Lunge entwei­chen. Dabei blies er die Wangen auf und pfiff leise.

Dann machte er Platz für die Nachfolgenden,

Tab Furlong begriff, warum der Wachhabende einen Verrück­ten angemeldet hatte. Die Person, die hereinwankte, hatte einen uns­teten Blick, zerzauste Haare und schaute sich immer wieder gehetzt um, als wäre der Teufel persönlich hinter ihm her. Außerdem sah sein Anzug aus, als wäre er soeben in einem Schlammbad gewesen.

»Inspektor?« fragte er mit be­bender Stimme.

Tab Furlong nickte nur.

Der Zivilist atmete erleichtert auf. Er kam zum Schreibtisch. »Da bin ich aber froh, Inspektor Furlong!«

Plötzlich schlug er die Hände vor das Gesicht. Seine Schultern zuckten. »Ich - ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten, Inspektor. Das Blut, die starren Blicke der beiden Leichen, ihre Haltung. Sie schienen mich an­klagen zu wollen!«

Geistesgegenwärtig schob ihm Owen Pynchon einen Stuhl unter. Schwer ließ sich der eigenartige Besucher darauf nieder.

Tab Furlong gab den beiden Konstablern, die den Mann herge­bracht hatten, einen Wink. Sie waren offensichtlich heilfroh, sich zurückziehen zu dürfen.

Dann fragte Tab Furlong: »Wie heißen Sie?«

Edric Hume saß bereits am Computer und hatte die vorge­schriebene Formulardatei geöff­net. Die Finger lagen auf der Ta­statur. Wenn es darauf ankam, konnte sich Tab auf die beiden Sergeanten völlig verlassen. Er fand sie zwar anstrengend, durfte jedoch mit den Leistungen vollauf zufrieden sein.

Der Besucher beruhigte sich. Er ließ die Hände sinken.

»Ich - ich heiße Charles Has­kell, bin vierzig Jahre alt, verhei­ratet, ohne Kinder. Die - die Tat geschah - vor zwei Stunden.«

Tab wechselte mit seinen Leu­ten einen bezeichnenden Blick. Edric Hume griff in die Tasten, als gelte es, damit einen Krieg zu gewinnen.

»Sieht jünger aus!« kom­mentierte Owen Pynchon respekt­los.

Tab sah ihn strafend an. Der Sergeant verstummte.

Tab Furlong erinnerte sich, daß er beim Anruf im Hin­tergrund Verkehrslärm gehört hatte, und eine Münze war durchgefallen. Also öffentliche Telefonzelle der veralteten Art. War dieser Haskell nach der Tat in der Stadt herumgefahren, in schierer Verzweiflung, und hatte dann erst angerufen?

Es war im Moment von geringerer Bedeutung. Tab Fur­long fragte: »Wie geschah es und wo?«

»Bei mir daheim!« berichtete Charles Haskell. »Ich - ich wohne gemeinsam mit meiner Frau bei meiner Mutter. Das heißt, Mutter wohnt im ersten Stock und wir im Erdgeschoß.« Er brach ab. Dann:

»Ich bin von Beruf Geschäfts­reisender und mußte heute morgen weg. Mutter ist zur Zeit im Urlaub. Meine Frau blieb allein zurück. Ah, sie und Mutter verstehen sich glänzend, wie man es sich nur wünschen kann. Je­denfalls..., ich hatte kaum Lon­don verlassen, als mir übel wurde. Ich mußte eine Pause ein­legen. Es wurde nicht besser. Eine Magenverstimmung. Vom nächsten Gasthof, wo ich eine volle Stunde auf dem Klo ver­bracht hatte, rief ich meinen Chef an und meldete mich für heute krank. Der Mann tobte - wie üb­lich. Außer ihm darf niemand krank werden. Tja, dann fuhr ich heim.«

Tab Furlong und seine Leute warteten darauf, daß Haskell fort­fuhr. Er tat ihnen den Gefallen nicht. Der Chefinspektor mußte nachhelfen. »Was geschah dann?«

»Ein - fremder Wagen vor der Tür.«

Charles Haskell schnappte nach Luft. Seine Hände zitterten. Sein Blick war in unbekannte Ferne gerichtet, als erlebe er alles noch einmal. »Oh, ein fürchterli­cher Verdacht keimte in mir, ob­wohl es bisher keinerlei Anzei­chen gab. Ich - ich ging bis zur Haustür. An mein Magendrücken dachte ich längst nicht mehr. Erst wollte ich aufschließen und hineingehen; aber dann überlegte ich es mir anders. Ich - ich lief um das Haus, zur Terrasse.«.

Charles Haskell atmete wie ein Asthmatiker. Schweißperlen er­schienen auf seiner Stirn. Er wischte sie nicht weg.

»Die Terrassentür stand einen Spalt offen. Ich lauschte. Stim­men; die von meiner Frau und... eine andere, die eines Mannes. Es - es war furchtbar. Näher schlich ich mich heran. Die beiden hielten sich nicht im Wohn­zimmer auf. Vielleicht im Schlaf­zimmer? dachte ich. Ans Fenster wagte ich mich nicht.«

Haskell schluchzte auf. Tab verkniff sich eine weitere Frage. Sie durften den Mann jetzt nicht unterbrechen.

»Ich betrat das Wohnzimmer, lauschte wieder. Ja, aus dem Schlafzimmer. Ich hatte mich nicht getäuscht. Meine Schritte lenkte ich zum Schreibtisch. Es - es geschah ohne mein Zutun. Ich wußte nicht, was ich tat, hörte nur die Stimmen. Der Mann sagte vulgäre Worte, und war das ande­re wirklich meine Frau? Sie - sie mochte das doch gar nicht. Sie - sie war doch so anständig. Der Mann und sie - das war doch un­möglich. Ich starrte in die offene Schublade. Hatte ich sie selber geöffnet? Meine Hand griff nach dem Revolver. Geladen, wie im­mer. Mit dem Daumen spannte ich den Hahn. Mein Blick heftete sich auf die Verbindungstür. Wie mit magischen Kräften zog sie mich an. Plötzlich, die Tür war of­fen, ich sah die beiden im Bett. Die Bettdecke lag am Boden. Beide schauten mich entsetzt an. - Wendy!«

Charles Haskell zitterte wie Espenlaub. Er schrie den Namen seiner Frau. »Wendy, warum hast du das getan? Wir waren immer so glücklich... und jetzt das! - Der Revolver. Ein fürchterliches Kra­chen. Blut. Wendy steht auf. Sie ist verletzt. Warum sonst bewegt sie sich so seltsam? Sie reckt mir die Hände entgegen. Der Revol­ver. Warum hört er nicht auf zu donnern und zu krachen? Wa­rum? Und woher kommt das Blut? Die beiden rühren sich überhaupt nicht mehr. 0h, nein, es ist etwas mit ihnen geschehen. Wie sie mich anklagen! Wie sie mich hassen! Der Haß der Opfer gegen ihren Mörder. Ich renne hinaus, über die Terrasse, komme erst im Auto zu mir. Der Revolver liegt auf dem Bei­fahrersitz. Eine Telefonzelle. Ich - ich muß anrufen. Inspektor Furlong. Ja, den Namen habe ich irgendwo in der Zeitung gelesen. Er wird mir helfen.«

Charles Haskell kippte vorn­über. Owen Pynchon konnte ihn gerade noch auffangen. Der Atem des Mannes ging keuchend. Schweiß rann ihm in Bächen über das Gesicht. Sein Körper fühlte sich eisig an - wie der eines Toten.

Owen Pynchon registrierte es nur am Rande, ohne daß es ihm bewußt wurde. Er hatte nur noch Sorge um den Mann, der sich selbst des Mordes bezichtigte.

Charles Haskell fand in die Realität zurück.

Tab Furlong betrachtete ihn leichenblaß. Er hatte in seiner Laufbahn schon viel erlebt, aber ein Mörder wie dieser Haskell war ihm noch nie begegnet.

Durch das Erlebnis mußte Haskell den Verstand verloren haben. Anders war sein Verhalten nicht zu erklären.

Tab gab Edric Hume einen Fingerzeig.

Der Sergeant nickte ver­ständnisvoll und stand auf.

Es war nicht am Platz, Haskell nach seiner Adresse zu fragen. Edric Hume würde das Telefon­buch bemühen.

Leise schloß er die Tür hinter sich. Tab wußte, daß die Sache bei Hume in besten Händen war.

*

Die sechs Wissenschaftler ge­bärdeten sich zunächst recht hilf­los. Lord Frank Burgess, May Harris, Don Cooper und ich nahmen uns ihrer an. Don stellte die Archäologen vor. »Das hier ist der Chef des Archäologenteams Professor Edward Barlow. Dann Dr. Manfred Bauer aus Deutsch­land, Anna Michi aus Italien, Dr. Cupak, der aus dem Osten stammt und zur Zeit in England wohnt, Gilbert Bujold, der weibli­che Doktor der Archäologie aus Frankreich, und Dr. Steve Candall.«

Candall erschien reichlich blaß. Ich wußte von Don, daß sich eine Liebesbeziehung zwi­schen Helen Sanders und ihm entwickelt hatte. Nicht einmal ge­ahnt hatte er, daß in seiner Freundin Hexenkräfte wohnten, mit denen sie die Magie der Ruine von Ardon geweckt hatte. Ohne unser Einschreiten wäre Helen Sanders eine Gefahr für die ge­samte Menschheit geworden.

Candall wandte sich ab. Ich glaubte, Tränen in seinen Augen gesehen zu haben.

Die Polizei kam zum Camp der Wissenschaftler. Sie garantierte uns den Abzug.

Die Archäologen hatten hier nichts mehr zu tun, nachdem mein geheimnisvolles Amulett mit Namen Schavall das uralte und sehr mysteriöse Gemäuer ver­nichtet hatte.

Ich fragte mich, was sie ihren Auftraggebern wohl berichten würden. Es würde nicht einfach sein, eine wissenschaftlich und einigermaßen überzeugend klin­gende Erklärung für das Phä­no­men zu finden.

Aber das war ihre Sache und nicht meine.

Wir bezogen für eine Nacht ein Hotelzimmer, da wir uns der Poli­zei zur Verfügung halten mußten. Tja, und das wiederum war meine eigene Angelegenheit, denn wie sollte ich den Polizisten klarma­chen, daß ich im Innern eines kleinen Amuletts, das aussah wie ein Auge, in Ägypten eingereist war - gemeinsam mit meiner Freundin May Harris?

Es würde uns ein wenig auf­halten. Aber die besonderen Fä­higkeiten des Lords würden uns helfen, die Sache sehr schnell abzuwickeln. Es war für ihn nicht schwer, den Polizisten etwas vorzugaukeln.

Der Lord wurde von meiner Lebensgefährtin und weißen Hexe May und deren besonderen He­xen-Begabung unterstützt. Schon am nächsten Tag würden wir die Maschine nach London nehmen.

Gegen Abend rief ich in Lon­don an. Ich wollte mit Tab Furlong sprechen, erreichte je­doch weder ihn noch seine Frau. Und als ich im Yard anrief, sagte man mir nur, daß der Chefin­spektor zur Zeit nicht zu spre­chen sei. Er war außer Haus.