The Banker - Piper Rayne - E-Book

The Banker E-Book

Piper Rayne

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4,99 €

Beschreibung

Wer hätte gedacht, dass ein Mann mal mehr als nur ein One-Night-Stand für mich sein würde? 

Mein Bruder wollte mir Jasper nicht vorstellen, deshalb gebe ich ihm die Schuld. Wenn er es getan hätte, hätte ich nicht solche Probleme bekommen. Ich meine, es interessierte mich nicht, wie Jasper aussah, nein, ich wollte nur sein Geld. Bevor ihr mich jetzt verurteilt, ich hatte ein legitimes Geschäftsangebot für Jasper, ich brauchte ihn als Investor. Deshalb nahm ich die Sache schließlich selbst in die Hand. Erst als ich dem attraktiven Banker gegenübersaß, wurde mir klar, dass mich mehr interessierte, als sein Geld …

Von Piper Rayne sind bei Forever by Ullstein erschienen:
The Bartender
The Boxer
The Banker

The One Best Man (Love and Order 1)
The One Right Man (Love and Order 2)
The One Real Man (Love and Order 3)

Meinungen:
Ich habe es selten erlebt, dass eine Buchreihe mit jedem Teil besser wird. So erging es mir auf jeden Fall bei dieser. Alle verfügbaren Daumen hoch für die wirklich gelungene Reihe von Piper Rayne. (Julia Visel auf NetGalley)

Das Buch hat mich zum Lachen gebracht, aber auch die ganz großen Gefühle in mir geweckt. Ich bin echt traurig, dass die Reihe vorbei ist, denn alle drei Bücher waren superschön, doch der letzte ist wohl mein absoluter Favorit! Piper Rayne ist definitiv zu einer meiner Lieblingsautorinnen geworden! (Buchhändlerin auf NetGalley)

Die Geschichte war super unterhaltsam und hat mich am Ende sogar noch zu Tränen gerührt. Was ich an dieser Reihe aber am meisten liebe ist der Humor und ich muss unbedingt mehr von Piper Rayne lesen. (Stefanie K. auf Amazon)

Der perfekte Serienabschluss! Es hat mir unheimlich Spaß gemacht, mitzuerleben, wie auch Lennon ihre Liebe findet. Szenen, bei denen ich schmunzeln musste, wechselten sich mit welchen ab, bei denen mir die Tränen in die Augen stiegen, bevor ich angesichts von Romantik und Liebe lächelte und manchmal den Protagonisten auch gern mal ein wenig die Köpfe zusammengestoßen hätte. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung. (Lesen und Träumen - Sabine aus Ö auf Amazon)

Jedes der drei Bücher hat mich mit einer Intensität eingefangen, die ich sonst nur von großen Sagas kenne. Ich konnte jede Figur mit allen Sinnen begleiten und habe mit ihnen auch mal Rotz und Wasser geheult. (Silja Ritzau auf NetGalley)



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EPUB

Seitenzahl: 419

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Die Autorin

Piper Rayne ist das Pseudonym zweier USA Today Bestseller Autorinnen. Mehr als alles andere lieben sie sexy Helden, unkonventionelle Heldinnen, die sie zum Lachen bringen, und viel heiße Action. Und sie hoffen, du liebst das auch!

Das Buch

Wer hätte gedacht, dass ein Mann mal mehr als nur ein One-Night-Stand für mich sein würde?Mein Bruder wollte mir Jasper nicht vorstellen, deshalb gebe ich ihm die Schuld. Wenn er es getan hätte, hätte ich nicht solche Probleme bekommen. Ich meine, es interessierte mich nicht, wie Jasper aussah, nein, ich wollte nur sein Geld. Bevor ihr mich jetzt verurteilt, ich hatte ein legitimes Geschäftsangebot für Jasper, ich brauchte ihn als Investor. Deshalb nahm ich die Sache schließlich selbst in die Hand. Erst als ich dem attraktiven Banker gegenübersaß, wurde mir klar, dass mich mehr interessierte, als sein Geld …

Von Piper Rayne sind bei Forever by Ullstein erschienen:The BartenderThe BoxerThe Banker

Piper Rayne

The Banker

Roman

Aus dem Englischen

Forever by Ullsteinforever.ullstein.de

Deutsche Erstausgabe bei Forever.Forever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, BerlinAugust 2018 (1)© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2018© 2017 by Piper RayneTitel der amerikanischen Originalausgabe: The Banker

Umschlaggestaltung: zero-media.net, MünchenTitelabbildung: © FinePic®Übersetzung: Dorothee WitzemannE-Book powered by pepyrus.com

ISBN 978-3-95818-228-8

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Inhalt

Die Autorin / Das Buch

Titelseite

Impressum

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Epilog

An unsere Leser …

Über Piper Rayne

Empfehlungen

Social Media

Cover

Titelseite

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 1

Ich klatsche mein Portfolio auf den Mahagonitisch im Thirsty Monk. Whitneys blaue Augen weiten sich und Thalias Weißwein schwappt in ihrem Glas. Ihre manikürten Hände halten ihn vom Überlaufen ab. Natürlich. Ich sollte nicht überrascht sein, denn ihr Leben läuft gerade scheißgroßartig.

»Was ist los?«, fragt Whitney. Sie beugt sich in ihrer elfenbeinfarbenen Bluse und dem farblich darauf abgestimmten Hosenanzug vor.

Meine beiden besten Freundinnen sitzen am Tisch und schauen mich an. Bei ihnen läuft alles super. Traumberuf: check. Traumtyp: check. Okay, abgesehen davon, dass sie beide ihre Einhornschwänze gefunden haben, bin ich nicht besonders neidisch auf den Monogamie-Aspekt in ihrem Leben. Ich meine, eines Tages werden sie mich wahrscheinlich darum beneiden, dass ich jede Woche einen neuen Kerl nageln kann, aber im Moment genießen sie den einen magischen Schwanz im Universum, der ihnen die Art Orgasmus liefern kann, von dem jede Frau träumt – daher der Ausdruck Einhornschwanz.

»Mich hat schon wieder eine Bank abgeschossen.« Ich platziere meinen Hintern in der Sitzecke und stoße einen langen Seufzer aus. »Ich dachte, San Francisco soll so liberal sein. Aber hier hat echt jeder Banker einen Stock im Arsch. Dabei könnte er ihn doch einfach gegen einen von meinen Dildos tauschen, dann würde er wahrscheinlich auf Knien darum betteln, in meine Sexspielzeugfirma investieren zu dürfen.« Ich sacke auf meinem Platz zusammen.

Whitney hebt die Hand, um die Bedienung zu rufen.

Kurz darauf steht ein Whiskey vor mir. Ja, wir kommen oft hierher. Hier haben sich Whitney und Cole kennengelernt, ganz zu schweigen davon, dass es Coles Bar ist, die er dem Imperium seines Vaters abgekauft hat. Lange Geschichte, aber nur ein weiteres Beispiel dafür, dass jeder seinen Traum erfüllt bekommt, nur ich nicht.

Ich leere das Glas und genieße das Brennen in meiner Kehle bis hinunter in den Magen. Vermutlich habe ich in letzter Zeit ein bisschen zu viel gesündigt, aber schließlich zählt keiner meine Drinks. Ich kann auch gleich »Alkohol« auf die Liste meiner Schwächen setzen.

»Schon wieder?« Tahls Mundwinkel verzieht sich nach unten, während sie über den Tisch hinweg voller Mitleid meine Hand drückt. »Soll ich mir mal deinen Businessplan anschauen?«

Das bietet sie mir nach jeder Ablehnung an, und ich lehne jedes Mal ab. Sie hat als stellvertretende Geschäftsführerin in der Wurstfabrik ihres Vaters gearbeitet – ich weiß, ich kann das auch kaum mit ernstem Gesicht sagen – und hat jetzt mit Erfolg ihre eigene Eventplanungsagentur aufgemacht. Sie würde wahrscheinlich alles umschreiben, was ich habe, aber ich war auch auf dem College. Hab mein Hauptfach von Kunst zu Betriebswirtschaft gewechselt. Vielleicht nicht magna cum laude wie Tahl, aber ich bilde mir ein, ich bin auch nicht der stumpfeste Buntstift in der Schachtel. Außerdem ist es befriedigend, das allein zu machen, ohne die Hilfe meiner Freundinnen.

»Nein. Ich hab’s im Griff.« Die forsche rothaarige Bedienung stellt mir noch einen puren Whiskey hin, den ich sofort an den Mund hebe. »Mit dem hat sich Cole selbst übertroffen.« Ich hebe anerkennend das Glas und Whitney lächelt stolz über mein Kompliment an ihren Freund.

»Er kommt auch gleich, dann kannst du es ihm selbst sagen.« Sie nippt an ihrem eigenen Mixgetränk, das sicher auch Rock Hard Whiskey aus Coles Destillerie enthält.

»Super.« Jeder Anflug von Begeisterung in meiner Stimme ist unecht.

»Lucas auch. Wir dachten, wir könnten heute Abend alle zusammen ins Kino gehen«, sagt Tahlia, und ihre Stimme hüpft vor Begeisterung durch alle Oktaven.

Noch ein Abend als fünftes Rad am Wagen? Nein, danke.

»Ich habe vielleicht andere Pläne.« Ich beäuge den neuen Barmann.

Whitney und Tahlia drehen beide die Köpfe und wenden sich dann mit breitem Grinsen wieder zu mir um.

»Slade«, seufzt Whitney. »Er ist neu.« Ihre Stimme klingt gedehnt und sinnlich.

»Hallo Cole.« Ich winke zur Tür hinüber, als wäre er wirklich hier, und Whitney wird schlagartig wieder nüchtern und sucht ihn mit Blicken, bevor sie mir einen finsteren Blick zuwirft. »Du solltest nicht nach anderen Männern schielen, Whit«, sage ich mit falscher Ernsthaftigkeit.

»Ich bin mir sicher, er schaut auch nach anderen Frauen«, kommentiert sie, lehnt sich zurück und nimmt einen Schluck.

»Glaubst du?«, fragt Tahl, eindeutig nicht so entspannt beim Gedanken, dass sich der Blick ihres Liebsten Lucas auch nur eine Sekunde woandershin verirren könnte.

Whitney runzelt die Stirn. »Tahl, du hast doch auch kein Problem damit, Slade anzustarren, oder?«

Tahlia wirft ihm einen Blick über die Bar zu, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder uns zuwendet. »Nein, aber ich denke auch nicht darüber nach, mit ihm nach Hause zu gehen.«

Whitney lacht und ich lehne mich zurück und genieße den Schlagabtausch zwischen meinen beiden Freundinnen, die nie wirklich die Freuden unverbindlicher Sexkapaden genossen haben. Sie sind diejenigen, die heiraten wollen, Kinder, ein Haus. Von uns dreien bin ich das schwarze Schaf.

»Natürlich nicht. Das ist, wie wenn du in einen Stripclub gehst. Schauen ist erlaubt, aber gegessen wird zu Hause«, sagt Whitney.

Ich spöttle: »Aber ich wette, ihr vögelt eure Freunde wie ganz, ganz böse Mädchen, nachdem euch der Typ im Club geil gemacht hat.« Beide starren mich an und ich ziehe herausfordernd die Augenbrauen hoch. Sie wissen, dass ich recht habe.

»Nein«, widerspricht Whitney, während Tahlia Zuflucht bei ihrem Weißweinglas sucht.

»Hmm … Ich glaube, eine von uns tut es.« Ich lache.

Whitney dreht sich zu Tahl um, aber die ist total damit beschäftigt, ihren Muskateller zu schlürfen, und tut, als hätte sie nicht aufgepasst. Whitney senkt den Kopf, um in Tahlias Blickfeld zu sein.

»Einmal, okay. Es war Chase, also zählt es nicht.« Sie nippt wieder an ihrem Wein, ihr Gesicht passt farblich zu ihrer roten Bluse.

»Du kannst deine Vergangenheit nicht auslöschen, Tahl, aber ich sehe dich jetzt in einem ganz neuen Licht.« Ich hebe das Glas in ihre Richtung und nippe dann an meinem Whiskey.

Sie verdreht die Augen und schaut starr in die andere Richtung, ganz die höhere Tochter, die zu gehemmt ist, um sich fallen zu lassen. »Neues Thema, bitte«, murmelt sie.

»Reden wir darüber, dass du mir eins deiner Sexspielzeuge geschenkt hast und nur meinem Freund von der App erzählt hast.« Whitney knallt mit einem tadelnden Blick ihr Glas auf den Tisch.

Ich pruste vor Lachen. »Er hat es endlich getan, was?« Ich hatte Cole heimlich erzählt, dass er das Spielzeug mit seinem Handy steuern kann. Genau diese Art von spontanen Sexspielzeugen liebe ich so.

»Mitten beim Abendessen mit meinen Großeltern! Jetzt glauben sie, ich liiiiiebe Thunfischauflauf. Danke!« Whitney legt den Kopf schief, aber ich bin zu sehr mit Lachen beschäftigt, um sehen zu können, ob sie sauer ist oder nicht.

»Super, oder?«, frage ich und Tahl beugt sich vor, genauso interessiert an der Antwort wie ich.

»Der Hammer!« Whits Mundwinkel wandern nach oben. »Genial natürlich.«

»Dann schreib mir eine Produktbewertung«, erinnere ich sie und sie nickt.

»Ich lasse Cole auch eine schreiben. Ich weiß nicht mal genau, wer von uns dabei mehr Spaß hatte.« Die Bedienung bringt Whitney noch etwas zu trinken und stellt dann Chips und Salsa auf den Tisch. Ist wohl Happy Hour. »Produzier noch eine Version für Kerle, dann kann ich mich ein bisschen rächen.« Sie wackelt mit den Augenbrauen und ich nicke zustimmend.

»Rächen? Wofür?«, fragt Cole, beugt sich vor und gibt seiner Freundin einen Kuss.

»Hi«, sagt Lucas, beugt sich herunter, um mich mit einem Arm zu drücken und geht dann zu Tahlia.

»Hallo, Jungs«, sage ich, aber sie sind viel zu beschäftigt damit, ihren Einhornschwanz-Inhaberinnen Hallo zu sagen.

Lucas knöpft sein Jackett auf, streift es ab und legt es hinter sich über den Stuhl. Als er sitzt, beugte er sich hinüber und küsst Tahlia. »Hi, Baby«, sagt er und sie nimmt sein Gesicht zwischen die Hände und lehnt sich an ihn. Verdammt, bei denen sieht Monogamie gut aus.

»Also, Cole. Whit hat mir gerade von der App erzählt.« Ich verberge mein Lachen hinter der Hand. Jetzt sollte ich wohl besser einfach gehen und sie ihren Pärchenmist machen lassen, aber ein bisschen Lob für meine Sexspielzeuge zu bekommen, hat nach dieser beschissenen Woche Vorrang.

»Wahnsinn. Ernsthaft, Len. Du hast echt eine Gabe.« Cole schlägt mit der Hand auf den Tisch und wirft lachend den Kopf in den Nacken.

»Hab ich was verpasst?« Lucas nimmt einen Schluck von dem Bier, das die Bedienung gerade gebracht hat. Wie gesagt, wir sind oft hier.

»Haben sie keins bekommen?«, fragt mich Cole, als wäre es das neueste Spielzeug auf dem Markt, das jeder haben kann. Das ist zwar die Idee, aber kapitalistische Arschlöcher machen es mir schwer.

»Nö, nur ihr beide«, sage ich.

»Oh, du solltest ihm auch eins schenken.« Cole wendet sich Lucas zu. »Es gibt da so ein Spielzeug, das man die Frau tragen lässt, und dann kann man es mit einer App steuern. Whitney hatte praktisch Splitter unter den Fingernägeln, so hat sie sich an den Tisch gekrallt.« Wie ein Teenager, der sein Idol getroffen hat, zieht er sein Handy heraus und zeigt es Lucas.

»Wie hast du sie dazu gebracht, es zu tragen?«, fragt Lucas, und Cole schaut zu mir herüber.

Ich zucke mit den Schultern. »Ich habe Whit erzählt, es soll einen den Abend über leicht stimulieren, damit man es beim Nachhausekommen eiliger hat.«

Tahlias Blick aus großen Augen wandert zu Whitney. »Du hast es getragen, während du zum Abendessen bei deinen Großeltern warst?«

»Ich habe es ausprobiert. Ich habe nicht geglaubt, dass es funktioniert, und Cole hat mich gedrängt, es zu tragen.« Sie wirft ihm aus dem Augenwinkel einen finsteren Blick zu und er legt ihr den Arm um die Schultern.

»Es hat funktioniert«, sagt er mit leuchtenden Augen, und der ganze Tisch lacht.

Ich liebe meine Freundinnen, und ihre Freunde sind tolle Erweiterungen unserer Gruppe. Jeden hätte ich selbst auch für sie ausgesucht.

»Ich will auch eins!« Lucas klingt, als wäre er sechs und ich der Eiswagen.

»Dann investieren Sie, Herr Präsident.« Ich nenne Lucas mit Begeisterung so, weil er es hasst. Aber kommt schon. Er ist jetzt Vorsitzender des ehemaligen Wurstimperiums von Tahlias Eltern. Die Witze schreiben sich quasi von selbst.

Ich schaue ihn mit hochgezogener Augenbraue an, und er wirft Cole einen Blick zu. »Hast du?«

Cole zuckt die Achseln. »Ich verbessere gern meine sexuellen Erfahrungen.« Cole benimmt sich sehr korrekt, oder webberlich, wie ich es nenne. Cole stammt aus der Königsfamilie von San Francisco, der Webber-Familie.

Lucas schaut Tahlia an, dann mich. »Ist gekauft. Komm morgen im Büro vorbei.«

Ich lächle. Auf keinen Fall würde ich mir je von den Freunden meiner besten Freundinnen Geld geben lassen. Geld und Freunde sollte man auseinanderhalten.

»Aber vergiss das Spielzeug nicht.« Seine Augen leuchten und Tahlia versetzt ihm einen Ellbogenstoß in die Rippen. Er rückt näher an sie heran und flüstert ihr etwas ins Ohr. Was auch immer er sagt, sie lächelt und ihr Gesicht nimmt wieder einen ähnlichen Ton wie ihre Bluse an.

»Möchtet ihr uns vielleicht einweihen?«

Tahlia schüttelt den Kopf.

»Also, der Film.« Lucas wechselt genau wie sie vorhin das Thema und ich lächle, weil er Tahlia so gut kennt. Sie will auf keinen Fall ihre Sexkapaden vor uns allen ausbreiten.

»Ich bin raus«, sage ich, stehe auf und nehme mein Portfolio vom Tisch.

»Warum?«, quengelt Whitney.

Aller Augen sind auf mich gerichtet. »Weil ich keine Lust mehr habe, das fünfte Rad zu sein.« Ich schaue zu Slade an der Bar hinüber und tätschle Cole die Schulter. »Dein neuer Barmann gefällt mir.« Ich wackle mit den Augenbrauen und er lacht.

»Er hat die strenge Auflage, die Kundinnen nicht anzurühren«, fügt Cole hinzu. Sein Gesichtsausdruck ist ernster, als es ihm guttut.

Es gab eine Zeit, da war Cole ein größerer Player als Dan Bilzerian. Nie von ihm gehört? Googelt ihn, dann wisst ihr, was ich meine. »Ach, Cole. Dabei solltest du doch ein Vorbild sein.« Ich lächle ihn und Whitney zuckersüß an.

Whitney lacht, denn ich habe ihn erwischt. Die beiden haben sich kennengelernt, als Cole hinter der Bar aushalf. Er verdreht die Augen und schüttelt den Kopf.

Lachend gehe ich zur Bar hinüber, von wo aus mich zwei blaue Augen beobachten.

»Worauf hast du Lust?«, fragt Slade mit tiefer, rauer und kräftiger Stimme.

Ich beuge mich so weit vor, dass nur er mich hören kann. Seine Arme ruhen auf der Bar, als er näherkommt. »Auf dich, nackt in meinem Bett. Ach ja, und natürlich auf deinen Schwanz in meinem Mund.«

Kapitel 2

Eines muss ich Slade zugutehalten: Er hat gewartet, bis Cole weg war, bis er mir auf die Toilette gefolgt ist. Selbst da beließ er es beim Fummeln und erlaubte mir nicht, ihn zu mehr zu verleiten, als ich ihn in eine Kabine zog.

Als die Rothaarige später sagte, jemand solle früher gehen, weil der Laden an dem Abend so tot sei, ergriff er die Chance, sprang über die Bar, nahm meine Hand in seine und führte mich aus dem Thirsty Monk. Ich mag Männer, die die Initiative ergreifen.

Auf der Taxifahrt zu seiner Wohnung waren seine Zunge in meinem Mund und seine Hände unter meinem Shirt. Das Ganze war sexy, und ich freute mich auf sein Sixpack unter dem weißen T-Shirt.

»Du bist so verdammt heiß«, flüstert er jetzt im Treppenhaus seines Mietshauses.

Ich springe ihm in die Arme, er umfasst meinen Hintern, und ich packe seine dunklen Strähnen mit beiden Fäusten. Unsere Lippen treffen sich und er torkelt mit mir auf dem Weg nach oben von einer Seite der Wand zur nächsten. Er ist stark, und das turnt mich mehr an als die Beule in seiner Hose. Als wir vor seiner Tür anhalten, löse ich die Beine und gleite an seinem Körper herunter, bis meine Füße fest auf dem Boden stehen. Er nimmt die Lippen nicht von meinen, während er sich mit dem Schlüssel abmüht.

»Endlich«, sage ich, als ich hinter ihm in seine Wohnung schlüpfe. Ich nehme mir keine Zeit, sie mir anzuschauen. Solange die Tür hinter uns zu ist, ist mir alles recht. Die Tür knallt zu, er hakt die Finger in meine Gürtelschlaufe und zieht mich an sich, und während meine Lippen auf seinen landen, knöpft er mir die Jeans auf. Ich lasse die Finger über sein weißes T-Shirt nach unten gleiten, fühle die Wölbungen seiner Bauchmuskeln, während ich mich seinem Ziel anschließe: so schnell wie möglich die Klamotten loszuwerden.

Er zieht mir die Hose herunter und das Höschen gleich mit, und ich streife meine Ballerinas ab und winde mich vollends aus der Jeans. Ich bin heiß und bereit. Seine Hände umschließen meine nackten Hüften, er führt mich rückwärts, bis ich auf eine weiche Couch falle. Vor mir stehend lässt er die Finger an seinem Reißverschluss heruntergleiten. Ich lecke mir die trockenen Lippen, warte auf den Anblick seines Schwanzes, an dem ich mich heute Nacht gütlich tun werde.

Die Beule in seiner Unterhose ist nicht so groß, wie ich sie auf der Treppe gespürt habe, aber vielleicht ist er noch nicht ganz hart – und dann würde ich ihm nur zu gern zur Hand gehen.

Ich sollte euch jetzt vielleicht sagen, dass ich mich nicht für meine offene Sexualität entschuldige. Ich bin eine erwachsene Singlefrau – warum sollte ich das nicht so oft und so sehr genießen, wie ich kann? Weil mir irgendein Mann erzählt, das mache mich zu einer Schlampe? Oder weil irgendeine verklemmte Frau, die ihre Klitoris nicht von einem Lichtschalter unterscheiden kann, glaubt, es sei falsch, Sex zu genießen?

Scheiß drauf. Ich lasse mich nicht mit vergebenen Kerlen ein, und solange alle freiwillig mitmachen, habe ich nichts gegen ein bisschen Spaß. Und hoffentlich einen Orgasmus. Denn wer liebt die nicht?

Egal, wo waren wir?

Ich bedenke Slade mit einem heißblütigen Blick und spreize die Beine, damit er sich dazwischen stellen kann. Hake die Finger in den Bund seiner Boxershorts und streife sie ihm ab, während ich ihm mit Blicken verspreche, wie viel Spaß wir heute Nacht haben werden. Die Vorfreude darauf, zu spüren, womit ich arbeite, ist zu stark, also werfe ich einen Blick nach unten und finde einen dünnen Penis, der kein Kribbeln zwischen meinen Beinen auslöst. Er schiebt mir die Finger in die kurzen, dunklen Haare und hebt meinen Kopf wieder, damit ich ihm in die Augen schaue.

Ich bin mir sicher, dieser Typ war der Running Gag in seiner Umkleide. Aber ich bin keine, die andere schikaniert oder hänselt, also setze ich ein Lächeln auf. Es geht nicht darum, wie groß er ist, sondern wie er ihn einsetzt … oder?

»Nur zu«, sagt er und schiebt die Hüften vor, sodass sein Schwanz meine Lippen erreichen würde – wenn er ein paar Zentimeter länger wäre.

Wieder mustere ich ihn und überlege mir, wie ein Kerl über eins achtzig mit riesigen Muskeln und einem Sixpack so ein enttäuschendes Gehänge haben kann. Er ist jetzt richtig hart, seine winzige Eichel zeigt nach oben.

Meine Hände zittern leicht, als ich sie um ihn lege, die Finger überlappen sich und ich pumpe.

Er stöhnt. »Ja, genau. Mund, du kleine Schlampe«, sagt er und bewegt wieder die Hüften. Ich löse die Hand, bevor ich so fest zudrücke, dass er auf die Knie sinkt.

Ich habe sicher nichts gegen Dirty Talk; der richtige Kerl kann mich im Schlafzimmer herumkommandieren und ich werde mich bestimmt nicht beschweren. Aber es gibt die heiße Art, und es gibt die Arschlochvariante. Slade benimmt sich wie ein Arsch.

»Ich lasse mir ungern Befehle erteilen«, kommentiere ich, lehne mich zurück und warte auf seine Entschuldigung.

»Oh, du willst die Unnahbare spielen?« Über seine Lippen huscht ein wissendes Lächeln und ich ziehe die Augenbrauen hoch.

Ich glaube, wir sind nicht auf einer Wellenlänge. »Ich sitze auf deiner Couch, meine Muschi ist weit offen, ich glaube nicht, dass man das unnahbar nennt.«

Er packt mich am Arm, zieht mich wieder an die Sofakante und legt meine Hand an seinen Bleistiftpenis. »Ich verspreche dir, ich belohne dich dafür.« Er schiebt sich nach vorn, und zum ersten Mal seit Jahren bin ich nicht geil, obwohl ich einen Penis vor dem Gesicht habe.

»Lass mich raten.« Ich stehe auf und zwinge ihn damit, rückwärts zu stolpern. Weil er die Hose noch um die Knöchel hat, verliert er den Halt und fällt auf den Hintern, aber er bleibt sitzen und versucht nicht, sich die Hose hochzuziehen.

Ich schnappe mir meine Hose und das Höschen vom Boden, ziehe sie an und rede dabei weiter: »Ich blase dir einen und du erwartest von mir, dass ich schlucke, wogegen ich gar nichts habe, aber dann sagst du mir, du musst dich kurz erholen. Hast du nie von Ladies First gehört?« Ich knöpfe die Jeans zu, streife die Ballerinas über und kann mich jetzt endlich in der Wohnung umsehen, in deren Mitte ich stehe.

Zierdeckchen auf dem Tisch.

Blumenvasen.

Kleine Kinderfiguren aus Keramik.

Sofa mit Blumenstoffbezug und rosa Überwurf.

»Oh. Mein. Gott. Wo sind wir?«, frage ich, gehe zur Tür und lege die Hand auf die Klinke.

»Meine Wohnung«, antwortet er achselzuckend.

»Und wessen noch?« Ich schaue ihn mit zusammengekniffenen Augen an.

Kurz senkt er den Blick, aber als er ihn wieder hebt, sehe ich Wut in seinen Augen. »Du bist eine von denen, die Männer anmacht und dann abblitzen lässt. Frauen wie du glauben, sie hätten so viel Macht, aber ihr seid Nutten, mit denen Männer nur ihren Spaß haben.« Er steht auf und zieht sich die Hose hoch.

»Wenn du mich mit ein bisschen Respekt behandelt hättest, wäre ich eine sichere Sache gewesen. Die Bemerkung mit der Nutte lasse ich dir durchgehen, weil dir dein Ständer vermutlich nicht genug Testosteron bietet. Aber eines will ich mal klarstellen.« Ich trete näher an ihn heran und schaue ihn unverwandt an, damit er weiß, wie ernst ich es meine. »Wenn du mich noch einmal respektlos behandelst, wickle ich diesen bleistiftdünnen Penis um eine Zehnkilohantel und lasse los.«

Er lacht, ein hohles und übertrieben sarkastisches Lachen. »Lieber einen kleinen Schwanz haben als die Stadtmatratze sein.«

Bevor ich mich zurückhalten kann, habe ich ausgeholt und ihm ins Gesicht geschlagen. Er hält sich die Wange und zeigt zur Tür.

»Verpiss dich!«, brüllt er.

Da klickt im Flur eine Tür. »Stevie?«, fragt eine ältere Dame.

»Geh wieder ins Bett, Oma.«

»Ist alles in Ordnung?« Sie kommt in einem rosa Morgenmantel und mit Lockenwicklern um die Ecke. Als sie mich sieht, reißt sie die Augen auf, dann blickt sie Stevie aka Slade düster an. »Ich habe dir doch gesagt: keine Mädchen!« Sie droht ihm mit zitterndem Zeigefinger.

»Ich bin weg«, sage ich, reiße die Tür auf und verlasse die Wohnung, bevor uns Oma noch beide übers Knie legt. Die Tür schließt sich hinter mir und ich höre seine Entschuldigungen und ihr Geschrei.

Krise abgewendet.

Unten auf der Straße versuche ich herauszufinden, wo genau ich bin, und bemerke, dass die Nacht noch jung sein muss, denn Paare gehen Hand in Hand mit Take-Away-Essen die Straße entlang. Eine Gruppe von Leuten kommt aus einer Wohnung und sieht aus, als finge für sie die Nacht erst an. Ich mache ein paar Schritte zur nächsten Kreuzung und lese die Straßenschilder. Slades Oma wohnt viel zu nah bei mir. Ich hoffe, ich begegne ihr nie in einer dunklen Seitengasse.

Ein paar Straßen weiter ist mein Stamm-Starbucks, und ich öffne die Tür und lasse mich von dem warmen, tröstlichen Duft von Kaffee einhüllen. Ich wünsche mir, ich hätte mein Skizzenbuch dabei. Zeichnen hat bei mir schon immer gegen Stress geholfen. Vielleicht entwerfe ich ein Spielzeug, das Männern wie Slade aus dem Nanometer-Club helfen könnte.

Ich gehe zuerst auf die Toilette und stelle mich dann in die Schlange. Die meisten vor mir bestellen Eistees und andere Getränke, die nicht heiß oder voller Koffein sind. Missy, die gewohnte Barista, lächelt zu mir auf, als ich dran bin. »Mal wieder 'ne schlimme Nacht?«, fragt sie und zieht einen ihrer Mundwinkel nach oben.

Es könnte sein, dass ich nach miesen Nächten zu oft herkomme. Was in letzter Zeit irgendwie viel zu oft passiert. »Bleistiftpenis«, sage ich trocken.

Sie verzieht schmerzlich das Gesicht, und hinter mir grollt ein tiefes Lachen. Ich werfe einen Blick über die Schulter und sehe einen Mann. Ich schenke ihm ein schiefes Grinsen und er zwinkert, die Lippen nur mit halber Kraft nach oben gezogen.

»Grande black«, sage ich.

»Name?« Sie zieht die Augenbraue hoch und wartet, was kommt.

»Katniss Everdeen.«

Lachend gibt sie es ein und ich bezahle. »Ich stelle mich als Tribut zur Verfügung«, sagt sie, und jetzt lachen wir gemeinsam. »Ist gleich fertig.«

»Danke, Missy.«

Ich stecke das Geld ins Portemonnaie zurück und ziehe mein Handy heraus, um mich zu beschäftigen, dabei checke ich meine Facebook-Benachrichtigungen. Whitney und Tahlia haben beide etwas über ihre Pärchen-Abende gepostet. Ich spüre einen eifersüchtigen Stich und werde wieder einmal an die Unterschiede in unserem Freundeskreis erinnert. Ich meine, sie werden für immer meine Freundinnen sein, aber wenn sie erst heiraten und anfangen, Kinder zu bekommen, werden wir wahrscheinlich nicht mehr viel gemeinsam haben. Ziemlich bald werde ich einfach die verrückte Tante sein, die zu Geburtstagen auftaucht, und alle Kinder fragen sich, wer ich bin. Nein, verspreche ich mir. Sie werden mich immer kennen, und ich werde die coole Tante sein, die ihnen teure Geschenke macht, weil ich es mir leisten kann. Ich werde die sein, zu der sie aufblicken, weil ich die ganze Welt bereise, nach meinen eigenen Regeln lebe und Affären mit exotischen Männern habe.

Der Mann hinter mir lehnt am Tresen und hat auch sein Handy in der Hand. Er lächelt beim Tippen. Sein Jackett ist offen und die Krawatte hängt lose herunter, aber seine Weste ist noch zugeknöpft. Wer trägt heute noch einen vollen dreiteiligen Anzug? Ich muss aber zugeben, dass er an ihm verflucht heiß aussieht. Er hebt die Hand und streicht sich durch seine sowieso schon wirren braunen Haare. Das Funkeln von Manschettenknöpfen fängt meinen Blick ein, und ich überlege, für was für einen Job er sich wohl so in Schale werfen muss. Trägt man in den meisten Firmen inzwischen nicht Business Casual? Ich stelle ihn mir an einem Tisch in der Vorstandsetage vor, wie er Befehle bellt, und das gedankliche Bild von ihm in einer Machtposition löst ein Kribbeln zwischen meinen Beinen aus. Ich wette, dieser Kerl ist gut bestückt und wüsste, wie er mich im Schlafzimmer beherrscht.

»Katniss Everdeen«, ertönt Missys Singsang.

Bevor ich ihr und meinem Kaffee meine Aufmerksamkeit zuwende, blickt der Typ auf und unsere Blicke treffen sich. Ein Lächeln umspielt seine Lippen, und ich weiß nicht so genau, ob es von den Nachrichten auf seinem Handy kommt oder von mir. Aber egal, was es ist, es lässt sein Gesicht leuchten und er steigt auf der Attraktivitätsskala, bis oben die Glocke läutet. Das Kribbeln in meinen unteren Regionen wird zu einem schmerzlichen Ziehen.

Ich reiße den Blick los und schnappe mir meinen Kaffee. »Schönen Abend noch, Missy.«

»Wir sehen uns morgen«, sagt sie und ich nicke, denn ich bin hier mindestens einmal, wenn nicht zweimal am Tag.

Während ich zur Theke hinübergehe, um mir Süßstoff und Milch zu holen, versuche ich zu ignorieren, wie sich die Härchen in meinem Nacken aufstellen. Und ich gebe auch nicht zu, dass ich seinen Blick spüre. Stattdessen beschäftige ich mich mit Gießen und Rühren. Wenn er mich will, kann er den ersten Schritt machen.

»Peeta Mellark«, ertönt Missys Stimme wieder und sie unterdrückt ein Lachen.

Abrupt wende ich den Kopf und stelle fest, dass mich haselnussbraune Augen mit hochgezogenen Augenbrauen anschauen. Das belustigte Lächeln auf seinen Lippen ist jetzt noch deutlicher als eben. Mein Blick schießt zu Missy hinüber, und sie zeigt mit einem Lächeln von Ohr zu Ohr auf seinen Rücken. Sie schlingt die Arme um sich und küsst die Luft. Ich verdrehe die Augen, und als der Typ sich umdreht, um zu sehen, wohin ich schaue, reckt sie eilig den Rücken und tut so, als ordnete sie den Strohhalmbehälter.

»Einen schönen Abend«, sagt sie mit zuckersüßer Stimme, und der Mann nickt und kommt auf mich zu.

Ich schlucke den Kloß in meinem Hals hinunter. Ich habe keine Zeit, mir zu überlegen, warum ich plötzlich nervös bin. Egal, wie viel Mühe ich mir gebe, mich zu entspannen, ich bekomme meinen Herzschlag nicht unter Kontrolle. Nur fünf Schritte trennen uns, deshalb habe ich keine Zeit, darüber nachzudenken, warum der Typ eine Seite in mir weckt, die selten, wenn überhaupt je, zum Vorschein kommt. Ich warte darauf, dass er etwas sagt – tut er aber nicht.

Er stellt sich nur neben mich an den Stand mit den Zutaten, und ein Hauch seines Parfums dringt in meine Nase. Der Duft ist berauschend. Nach Moschus und Mann. Ich kreuze die Knöchel und presse die Schenkel zusammen.

Er beschäftigt sich mit dem Zucker, keine Milch, und rührt ungewöhnlich lange um. Sein Handy piepst, während er den Deckel auf den Becher setzt.

Ich will ihn stoppen, aber etwas hält mich zurück und ich ducke mich, fasziniert von seinen Händen. Stark und manikürt. Nie hätte ich gedacht, dass mich manikürte Nägel anturnen könnten. Er erstarrt in der Bewegung, und als ich aufblicke, stelle ich fest, dass er mich ansieht. Langsam mustert er mich von oben bis unten und wieder zurück, bevor er sich vorbeugt, seine Lippen nur Zentimeter von meinem Ohr entfernt. Unsere Körper berühren sich nicht, und irgendwie ist das heißer, als wenn er mich an sich gezogen hätte.

»Ich dachte, das würden Sie vielleicht wissen wollen …«

Seine Stimme verklingt und der Duft seines Aftershaves lässt mich die Augen schließen, während ich voller Vorfreude auf den Rest des Satzes warte.

»… Sie haben Toilettenpapier am Schuh.«

Dann weicht er zurück und ich reiße die Augen auf. Er zwinkert mir zu, und bevor ich etwas sagen kann, bimmelt die Türklingel und er schaut durchs Fenster zu mir herein, während er am Telefon spricht und ich verzweifelt versuche, das Klopapier mit dem anderen Schuh abzustreifen.

Gott, kein Wunder, dass er mich angestarrt hat.

»Du meine Güte«, sagt Missy, die Hand am Herzen.

Ich halte mich an der Kante hinter mir fest, um senkrecht zu bleiben – halb aus Scham und halb, weil meine Knie immer noch weich sind. »Wer war das?«

»Ich glaube, er ist dein Peeta Mellark«, sagt sie auf den Tresen gelehnt mit verträumtem Unterton in der Stimme.

Ich schüttle den Kopf. »O Missy. Lennon Hart kann keinen Peeta Mellark haben. Sie vögelt nur mit einer Menge Gale Hawthornes herum.«

Eines kann ich nicht leugnen: Er hat mich in ein fahriges Etwas verwandelt, und er hat nur eine Handvoll Wörter gesagt. Das ist wirklich mal ein Mann, der mich im Bett herumkommandieren dürfte.

Kapitel 3

Ich betrete die Venture Bank und warte, bis die Rezeptionistin mit dem Tippen aufhört und mich tatsächlich anschaut. Irgendwann nimmt sie den Stift aus dem Mund, ihre Finger halten still und sie fixiert mich. Ihr Blick wandert an mir auf und ab.

Ja, ich weiß, ich bin heiß, aber ich bin über meine lesbische Phase hinweg. Sie darf also schauen, aber anfassen ist nicht erlaubt.

»Wie kann ich Ihnen helfen?« Sie kratzt sich mit ihrem Stift unter ihren aufgetürmten kastanienbraunen Haaren am Skalp.

»Ich habe einen Termin bei Jacob Hart.«

Missbilligend mustert sie mein T-Shirt und ich verdrehe die Augen. Sie ist wahrscheinlich so eine verklemmte, versnobte Frau, die in ihrem Leben noch nie richtig durchgevögelt wurde.

»Und Sie sind …?« Sie nimmt den Hörer ab, die Finger schweben in der Luft, bevor sie Jacobs Nummer wählt.

»Lennon Hart«, sage ich. Sofort streckt sie den Rücken und ein Lächeln ersetzt ihren finsteren Blick. »Seine Schwester.«

»Oh, ich rufe ihn an.«

»Danke.«

Ich setze mich in den kleinen Wartebereich mit vier Stühlen und einer Zeitschriftenauswahl. Ich war noch nie im Büro meines Bruders, aber es ist ganz hübsch hier. Er ist Vizedirektor und so ungefähr das glatte Gegenteil von mir. Alle dachten immer, Zwillinge müssten sich ähnlich sein, aber Jacob und ich könnten nicht weiter voneinander entfernt sein.

Wie ich erwartet habe, kommt er selbst heraus, um mich zu begrüßen. »Danke, Mrs Mendez«, sagt er mit einem Lächeln und wendet sich dann an mich. »Lennon.« Er nickt, dreht sich auf dem Absatz um und geht in sein Büro zurück.

»Danke, Mrs Mendez«, sage ich zuckersüß und sie schenkt mir ein höfliches Lächeln, steckt den Stift wieder in den Mund und tippt weiter.

Jacob winkt und tauscht Freundlichkeiten aus, während wir uns zwischen den Schreibtischen zu seinem Büro durchschlängeln. Er öffnet die Tür und lässt mich vorgehen.

»Keine Umarmung?« Ich lasse mich vor seinem Schreibtisch auf einen Stuhl fallen.

Er schließt die Tür und umrundet seinen Schreibtisch, um sich in seinen riesigen Sessel zu setzen. Kleine Überkompensation?

»Soll der Riesensessel ein Ausgleich für andere Unzulänglichkeiten sein?«, frage ich, und sein Blick bohrt sich in meinen. Er zeigt nicht die Spur von Humor, worauf ich eigentlich abgezielt habe.

Spaßverderber.

»Ich habe dir doch gesagt, du sollst nicht zu mir ins Büro kommen.« Er verschränkt angestrengt die Hände vor sich.

»Ach, komm schon, Brüderchen, du liebst mich doch.« Ich schlage die Beine über und zucke mit den Schultern, als wollte ich ihm sagen: So bin ich und das musst du akzeptieren.

»Ich hab dich ja lieb, Len.« Er schaut aus dem Fenster. »Aber das ist mein Arbeitsplatz, und ich habe mir den Arsch abgearbeitet, um da zu landen, wo ich bin. Die Leute hier verstehen Leute wie dich nicht so ganz.«

»Leute wie mich?« Nach diesem Blödmann Slade jetzt auch noch mein Bruder – so langsam bin ich beleidigt.

»Schau dich an.« Seine Hand weist meinen Körper hinab. »Deine Haut ist eine Scheiß-Kunstausstellung. Deine Jeans sind zerrissen. Auf den Zehennägeln hast du Totenköpfe. Und das Shirt. Was zum Geier ist das? Ein Hahn mit einem Einhorn?« Er schüttelt den Kopf mit demselben Blick wie früher, wenn unsere Mom ihn zwang, Haferbrei zu essen.

»Zunächst einmal sind meine Tattoos ein Ausdruck meiner Persönlichkeit. Zerrissene Jeans sind in, Mr Brooks Brothers. Was mein Shirt angeht: das ist ein ›Unicorn Cock‹. Das verstehst du nicht, du bist ein Mann.« Ich löse die Beine und ziehe sie in den Schneidersitz hoch.

»Unicorn Cock? Einhornschwanz? Heißt so eines von deinen neuen Sexspielzeugen?«

Das ist keine schlechte Idee.

Jacobs Telefon klingelt und er nimmt ab. »Bitte keine Anrufe durchstellen, Mrs Mendez.« Er hört kurz zu. »Sagen Sie Jasper, ich rufe ihn in fünf Minuten zurück. Danke.« Er legt auf.

»Jasper Banks?«, frage ich mit einem unschuldigen Augenaufschlag.

»Nein«, erwidert er ausdruckslos und ich kann nicht anders, ich bin verletzt, weil mein Bruder versucht, mich anzulügen. Ist das nicht ein No-Go unter Zwillingen?

»Mom hat uns beigebracht, nicht zu lügen, Jacob«, ermahne ich ihn und er verdreht die Augen. Jasper ist kein alltäglicher Name wie Mike, deshalb weiß ich, es muss der Typ sein, der nach dem College auf dem Weg in den Beruf der Mentor meines Bruders war.

»Len, du kriegst Jasper Banks‘ Telefonnummer nicht«, sagt er ärgerlich. Jacob hat mir einmal aus Versehen verraten, dass Jasper nicht mehr bei den normalen Darlehen ist, sondern inzwischen Partner in einer Risikokapitalfirma. Möglicherweise habe ich ihn ein paarmal damit genervt, mich ihm vorzustellen. Im Unterschied zu damals bin ich jetzt nüchtern und lasse mich nicht darüber aus, dass meine Familie meine Vision nicht versteht.

»Und warum investierst du dann nicht in meine Firma?«, frage ich ihn zum tausendsten Mal. Es gab mal eine Woche, in der ich ihm zehn Nachrichten am Tag geschrieben habe. Natürlich blockte er meine Nummer nach fünf Tagen. Dann erzählte ich es meiner Mom, und sie zwang ihn am nächsten Tag, die Sperre aufzuheben, falls ich ihn in einer Notlage erreichen müsse. Ich weiß, wie ich mit meiner Familie umgehen muss.

»Ich hab dir schon mal gesagt, ich kann es mir nicht leisten, dass mein Name mit so was in Verbindung gebracht wird. Das sind ein Haufen Dildos und Vibratoren. Denk mal ein bisschen nach.« Er tippt sich zur Verdeutlichung an die Schläfe.

»Jetzt wirst du gemein.« Ich gebe mich entrüstet, dabei kenne ich Jacob. So ist er eben. Er ist prüde und korrekt, und ich bin irre und sitze in einem Pulverfass.

Er lässt die Schultern hängen; er erträgt es nicht, mich aufgebracht zu sehen. So ist das, seit wir acht waren und er mich von einer Schaukel geschubst hat und ich mir den Arm gebrochen habe. Deswegen wird er sich ewig schuldig fühlen. Nicht, dass ich diese Schuldgefühle nicht ab und zu ausnutzen würde, so wie jetzt gerade.

»Hör zu, ich weiß, du willst diese Firma gründen, aber ich verstehe es nicht. Das Tattoostudio läuft super. Und falls du dich erinnerst: Dafür habe ich dir den ersten Kredit gegeben.« Ich lasse die Füße auf den Boden sinken und er steht auf, kommt um den Tisch herum und setzt sich neben mich. »Len, ich glaube an dich, aber du musst verstehen, dass ich jetzt, wo ich gerade stellvertretender Geschäftsführer geworden bin, nicht gleich dein Darlehen genehmigen kann. Wie würde das aussehen? Gib mir ein bisschen Zeit und ich schaue mal, ob mir etwas einfällt.«

Ich blicke zu meinem eigentlich sechs Minuten jüngeren Bruder auf, der sich ständig benimmt, als wäre er mein älterer Bruder. »Wie wär’s, wenn du mir einfach Jaspers Nummer gibst? Vielleicht ist er interessiert.«

Er schüttelt den Kopf und seufzt.

Ein Klopfen an der Tür unterbricht uns.

»Herein«, sagt mein Bruder, und herein kommt eine Frau ungefähr in meinem Alter. Ihr Wickelkleid ist blumig und fließt hübsch um ihre zierliche Gestalt. Ich bemerke, dass sie passende Ballerinas trägt. Außerdem bemerke ich, dass sie meinen Bruder auf eine Art ansieht, die nicht so ganz beruflich ist. Sie ist hübsch und ich beschließe sofort, dass ich sie mag.

»Oh, tut mir leid«, sagt sie und senkt den Blick, als sie mich entdeckt. »Ich wusste nicht, dass jemand bei dir ist.« Ihr Blick trifft meinen und sie begutachtet mich, aber ich sehe keine Wertung darin. Schnell schaue ich zu Jacob, der sie nicht aus den Augen gelassen hat, seit sie die Tür geöffnet hat.

»Ist in Ordnung, Megan, das ist Lennon, meine Schwester.«

Die Hoffnungslosigkeit in ihrem Blick schwindet und sie kommt mit federndem Schritt auf mich zu und hält mir die Hand vors Gesicht.

»Ich bin Megan Channing«, sagt sie.

Ich schüttle ihr die Hand. »Lennon.«

»Ich freue mich, Sie kennenzulernen. Jacob erzählt nicht viel von seiner Familie, aber Sie haben die gleiche Nase.« Sie schaut von mir zu Jacob und wieder zurück.

Ich werfe einen kurzen Blick auf Jacobs Schreibtisch und sehe dort sein Handy liegen, als auch schon eine Idee in meinem Gehirn Form anzunehmen beginnt. Ich lehne mich auf meinem Stuhl zurück. »Was tun Sie hier, Megan?«, frage ich. Ich weiß genau, wie ich Jacob auf die Nerven gehen kann.

»Ich arbeite am Schalter.«

»Am Schalter? Also ist Jacob Ihr Chef?«, frage ich und ihre Mundwinkel fallen nach unten. Einen Moment lang tut es mir leid, dass ich sie in unseren Geschwistermist hineinziehe.

»Ja.« Sie nickt ein wenig unsicher.

Mit hochgezogenen Augenbrauen schaue ich zu Jacob hinüber. »Interessant«, sage ich und er schnaubt.

»Gib mir eine Sekunde, okay?«, sagt er zu mir und winkt Megan zur Tür hinüber.

Auf dem Tisch piepst sein Handy, ich beuge mich vor und sehe Jasper Banks' Namen auf dem Bildschirm. Ernsthaft, das wird noch einfacher, als damals im ersten Jahr im College Professor Hendred dazu zu kriegen, meine Note zu ändern. Denkt jetzt nicht schlecht von mir.

»Nicht«, warnt Jacob, als ich nach dem Handy greife.

Verdammt. Mein Bruder kennt mich gut.

»Megan, gib mir bitte einfach ein paar Minuten Zeit«, flüstert er.

Ich stehe auf und tue so, als wollte ich gehen. Ich schaue von den beiden heimlich Liebenden zum Handy. Jacob dreht mir jetzt den Rücken zu, die Hände an ihren Armen. Sieht aus, als gäbe es Ärger im Paradies.

Ich drücke den Home-Button auf dem Handy und es leuchtet auf und zeigt ein paar Nachrichten an, die er heute Morgen bekommen hat. Junge, Megan war ganz schön fleißig. Von Jasper ist die oberste Nachricht, und ich ziehe das Handy näher zu mir heran und schnappe die Worte Richmond’s heute Abend um acht auf. Na, das war ja einfach.

Jacob greift sich sein Handy und steckt es in die Tasche. »Du bekommst seine Handynummer nicht«, sagt er und durchbohrt mich mit Blicken aus seinen blauen Augen, die aussehen wie meine.

Ich verdrehe die Augen. »Wollte nur sichergehen, dass du keine wichtigen Anrufe verpasst.« Ich drehe den Kopf und stelle fest, dass Megan weg ist. »Die Angestellte vögeln, Jacob?« Ich schüttle den Kopf. »Ich hätte eigentlich mehr von dir erwartet.«

»Musst du nicht Dildos verkaufen?«, fragt er und ich nehme meine Handtasche.

»Ich glaube, ich gehe Megan anmachen. Mal sehen, ob sie zu haben ist.« Als ich in Richtung Tür gehe, folgt er mir, wahrscheinlich, um sicherzugehen, dass ich wirklich verschwinde.

»Mach dir keine Sorgen um sie, sie ist mehr als zufrieden.« Er lächelt und ich bin überrascht, dass er sich nicht noch in den Schritt greift.

»Soweit ich mich erinnere …« Ich sage nichts weiter, rümpfe aber die Nase und schüttle den Kopf, während ich nur den kleinen Finger hebe.

»Wir waren fünf, als du meinen Schwanz das letzte Mal gesehen hast«, sagt er und greift an mir vorbei, um die Tür zu öffnen. »Tschüss, Schwesterchen.«

»Lass uns doch heute Abend treffen, wie wär’s? Ich könnte Megan besser kennenlernen«, schlage ich vor.

Wieder trifft mich sein missvergnügter Blick. Ernsthaft, Megan muss ihren Job besser machen, denn mein Bruder braucht eindeutig mehr Spaß. Er ist viel zu verkrampft. »Ich gehe mit Megan aus, ihren Geburtstag feiern. Nur wir zwei.«

»Wohin?«, frage ich, ganz die besorgte Schwester. Ich schiebe die Schuldgefühle darüber, dass ich nur wissen will, wo er heute Abend sein wird, von mir.

»Das geht dich nichts an. Hör zu, ich bringe sie zu Dads Ruhestandsparty mit. Halt mir den Rücken frei, ja?« Er wechselt das Thema, aber ich weiß, mein Bruder würde eine Frau, an der er interessiert ist, nicht in eine Bar mitnehmen. Was bedeutet, ich kann Jasper heute Abend zufällig kennenlernen, ohne mir Sorgen machen zu müssen, ihm über den Weg zu laufen.

»Aber klar, kleiner Bruder.« Ich kneife ihn in die Wange und er ächzt. »Wir sehen uns.« Er schließt die Tür und ich gehe los. Noch bevor ich zur Tür der Bank hinaus bin, piepst mein Handy.

Jacob: Liebe dich. Ich überlege mir eine andere Möglichkeit.

Ich lächle.

Ich: Liebe dich. Kein Problem, ich glaube, ich bin da was auf der Spur.

Ein zynisches Lachen entschlüpft mir und mein Handy piepst wieder.

Jacob: In der letzten Minute?

Ich: Wir sehen uns nächste Woche.

Jacob: Lennon.

Ich lache wieder, denn er kennt mich zu gut. Als ich in meinen Einhorn-Van steige, drehe ich Eminem auf und fahre los. Heute Abend werde ich endlich Mister Jasper Banks kennenlernen, und er wird alle meine Probleme lösen.

Kapitel 4

»Ich brauche einen hübschen Hosenanzug. Ernsthaft, konservativ, aber auch ein bisschen sexy.« Ich dränge mich an Tahlia vorbei in ihre Wohnung.

Lucas blickt vom Fernseher auf.

»Hi, kümmere dich nicht um mich, ich hol mir nur schnell was ab. Euer cincinnati bowtie kann in zehn Minuten beginnen.« Ich winke Lucas zu.

»Ich will nicht mal wissen, was das ist«, sagt Tahl hinter mir.

»Wo ist mein Spielzeug?«, fragt er, und ich wühle in meiner Handtasche und werfe es ihm zu.

Er begutachtet die Verpackung mit einem breiten Grinsen, dann wirft er sie Tahlia hinüber. »Zieh es an, Baby.« Sein Lächeln könnte dem eines Kindes am Weihnachtsmorgen Konkurrenz machen. Er zieht sein Handy heraus, während wir den Raum verlassen.

Ich gehe in Tahlias Schlafzimmer und sie verdreht die Augen. Sie wirft das Spielzeug auf die Matratze und betritt ihren begehbaren Kleiderschrank. Sie und Lucas sind letzten Monat zusammengezogen, und mit seinem Einkommen können sie sich mehr leisten, was heißt, dass sie endlich einen begehbaren Kleiderschrank hat. Lucas‘ Anzüge hängen auf der linken Seite aufgereiht und ihre Kleider und Blusen rechts. Sämtliche teuren High Heels stehen auf Regalen am hinteren Ende neben Lucas‘ Turnschuhen und Slippers, die so gar nicht dazu passen wollen.

»Das muss dich doch verrückt machen.«

Sie folgt meinem Blick zu den Schuhen. »Wir streiten über zwei Dinge: Familienabendessen bei meinen Eltern und das.« Sie zeigt darauf und verzieht das Gesicht, als röche es wie ein Müllauto in New York City an einem heißen Sommertag.

»Er mag die Familie nicht so, was?«, frage ich, während ich mich durch ihre Klamotten wühle.

»Doch. Ihm macht es nichts aus. Ich bin das Problem. Er hat irgendwie eine Bindung zu meinem Dad entdeckt, das ist so nervig.« Mit einem Schnauben zieht sie einen schwarzen Seidenanzug heraus.

Jetzt bin ich diejenige, die die Nase rümpft. Sie hängt ihn zurück. »Ist doch toll, dass sie sich gut verstehen, Tahl.« Ich freue mich ehrlich, dass sich alles für sie so gut gefügt hat, und doch sticht mich wieder kurz die Eifersucht unerwartet in die Brust. Was soll der Scheiß? Ich bin auch glücklich. Ich will nicht mal das, was sie hat.

Sie zuckt die Achseln. »Und wofür ist der?«

Ich setze mich auf den Boden ihres begehbaren Kleiderschranks. Ja, so groß ist er. »Ich treffe mich heute Abend mit einem Investor, aber in einer Bar.«

Sie kneift die Augen zu Schlitzen zusammen, dann zieht sie einen hellrosa Anzug heraus und hält eine marineblaue Bluse davor.

Wieder schüttle ich den Kopf und sie schnaubt und hängt ihn wieder auf. »In einer Bar? Ist das sauber?« Sie geht weiter ihre Kleider durch.

»Na klar ist das sauber. Er weiß nur nicht, dass ich komme.«

Ihr Blick schnellt zu mir herüber. Sie sieht besorgt aus.

»Entspann dich. Ist schon in Ordnung.« Ich springe auf und fange wieder an, in ihren Klamotten zu wühlen.

Sie lehnt sich an ihre eingebaute Kommode mitten im Schrank. »Ich will nicht, dass du enttäuscht wirst«, sagt sie leise. Nichts weniger sollte ich erwarten. Sie ist schließlich meine beste Freundin. »Ich habe mit Lucas gesprochen …«

»Nein, Tahl.« Ich hebe die Hand und wehre sofort ab, dass einer meiner Freunde mir hilft.

»Komm schon, Len. Wir sind Freunde und wir wollen helfen. Lucas hat genug Geld«, bittet sie, aber ich will nichts davon hören.

Ich habe Vertrauen in mein Können und diese Firma, aber zu viele Faktoren könnten schiefgehen. Wenn es nichts wird, will ich nicht, dass meine Freunde irgendwie davon betroffen sind. »Ich weiß das zu schätzen. Ehrlich. Aber nein.« Ich ziehe einen Hosenanzug von Chanel heraus. »Kann ich den leihen?«

»Natürlich, was du willst.« Sie verschränkt die Arme; sie versteht eindeutig nicht, warum ich das Geld ihres Freundes nicht nehmen will.

Ich lasse die Schultern hängen und warte, bis sie mir in die Augen schaut. »Hör zu, Tahl. Ich muss das allein machen.«

Sie nickt. »Okay.« Dann nimmt sie mir den Hosenanzug ab und legt ihn auf die Kommode. Nimmt meine Hand und drückt sie. »Sei aber nie zu stolz, um Hilfe zu bitten, okay?«

Diesmal nicke ich, und unser Gespräch endet mit der Abmachung, dass sich nichts ändern wird. Ich werde weder ihres noch das Geld ihres Freundes nehmen.

»Babe? Trägst du es?«, brüllt Lucas aus dem Nebenzimmer, und als wir ins Wohnzimmer kommen, hat er den Finger auf dem App-Bildschirm.

Sie versetzt ihm einen spielerischen Klaps auf den Hinterkopf, und seine kürzeren, jetzt gegelten Haare rühren sich nicht. »Wir haben einen Gast.«

»Lennon ist kein Gast«, scherzt er und ich setze mich ihm gegenüber auf den Sessel. Er legt sein Handy hin.

»Oh, ich habe eine tolle Kette, die du mit dem Outfit tragen solltest.« Tahlia eilt zurück in ihr Schlafzimmer und lässt Lucas und mich allein.

Lucas setzt sich auf, stützt die Ellbogen auf die Knie und wirft einen Blick auf die Schlafzimmertür. »Also, Lennon. Ich habe nachgedacht.«

Ich hebe die Hände. »Deine Freundin war schon schneller.«

Er zieht die Augenbrauen zusammen, und zum ersten Mal fällt mir auf, wie makellos sie sind. Ich frage mich, ob er sie mit Wachs oder mit dem Faden trimmen lässt. Vielleicht hat er sich lasern lassen?

»Ich möchte investieren. Irgendwo muss ich mein Geld investieren. Dann kann es auch deine Firma sein.«

Ich weiß es zu schätzen, dass meine Freunde mir aushelfen wollen, und es wäre so einfach, das Geld von Lucas und Cole anzunehmen, aber nein. Ich habe meinen Stolz.

»Ich treffe heute Abend einen Investor.« Ich hebe die gekreuzten Finger. »Hoffen wir, dass er Sexspielzeug genauso liebt wie du und Cole.«

Lucas nimmt sein Handy hoch, drückt die App, und Tahlia kommt mit dem vibrierenden Spielzeug in der Hand aus dem Schlafzimmer.

»Ehrlich, Lucas. Warte, bis Lennon weg ist!« Sie wirft es auf den Tisch und ich frage mich, ob sie es je für ihn tragen wird. Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass sie hinter verschlossenen Türen ein wildes Sexleben führen. Tahl tut nur gern so, als könnte sie es auch bleiben lassen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es je Kopfschmerznächte mit Lucas gibt.

Er lacht und sie kommt herüber und reicht mir die Kette.

»Wer ist der Player?«, fragt Lucas, kreuzt die Beine über den Knöcheln und legt die freie Hand auf Tahlias Bein.

»Sein Name ist Jasper Banks«, sage ich, und Lucas‘ Augen leuchten auf.

»Echt?«, fragt er. Tahlia und ich schauen ihn beide fragend an.

»Ja.« Meine Stimme klingt gedämpft. »Kennst du ihn?«

Er nickt und lächelt. »Ich bin mit ihm zur Schule gegangen. Er war ein Jahr älter als ich, aber wir waren in derselben Verbindung.«

Verdammt. Ich hätte es gar nicht heimlich hinter dem Rücken meines Bruders machen müssen. Ich hatte die ganze Zeit eine Verbindung zu Jasper.