Unterm Regenbogen - Michael Sprotte - E-Book

Unterm Regenbogen E-Book

Michael Sprotte

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Beschreibung

Unterm Regenbogen - Naturbetrachtungen vor der Bielefelder Haustür - Erzählen von dem, was womöglich bald nicht mehr existiert

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Seitenzahl: 33

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

1. Am Rand des Regenbogens I

1. Am Rand des Regenbogens II

2. Das Senne-Gewitter

3. Zuckerguss und Puderzucker

4. Im Regen

5. Fotografie-Nachweise

1. AM RAND DES REGENBOGENS I

Es gießt in Strömen. Mein Kopf und meine Schultern bleiben unterm Regenschirm trocken, mit den Schuhen stehe ich in einem quietschnassen Rasenstreifen irgendwo an den Stauteichen. Hierhin mache ich an diesem Sonntag, nach der Kirche, einen Ausflug. Kaum aus dem Bus gestiegen, peitscht ein Gewitterdonner durch den Wolkenhimmel. Ich verziehe mich unter die nächsten Buchen im Grünzug. Zehn Schritte vorwärts fällt das Gelände leicht ab, zwischen Wasserpest und Brennnesseln schießt gurgelnd und wirbelnd der Lutterbach durch sein Bett. An einer seichten Stelle drehen sich klare Wirbel über rundgeschliffene Felsblöcke, dann reißt das Wasser ab, es bildet Schaumkrönchen über jedem Strudel.

Am gegenüberliegenden Ufer ragen zwei mächtige Ahornbäume empor. Einer zeigt zu den Häusern der nahen Ausfallstraße, der andere beugt seine kräftigen Äste über den Wasser-lauf. Jeder Ahorn hat Schnittflächen, jeder hat Äste lassen müssen. Die glatten Schnitte zeugen von Sägearbeiten, eine unebene längliche Stelle lässt auf einen abgerissenen Ast schließen, den ein Orkan mitgenommen hat. Beide Ahornbäume also Zeugen früherer Sturmschäden.

Was ist das?! Es wird hell, die Bäume, das Ufer erstrahlen in warmem Gold-Grün! Die Sonne scheint. Beide Seiten des Ufers liegen in sommerlichem Sonnenschein! Dem ersten des Tages, nach einem Gewitter, das den ganzen Morgen schon in der Ferne donnert und in der Nähe Regen bringt. Tatsächlich: Rings um meinen Regenschirm gießt es immer noch. Dabei stehe ich seit einigen Augenblicken in der prallen Sonne! Ich lasse den Schirm sinken und schaue auf: Über mir ist der Himmel aufgerissen. Aus leuchtend blauer Sphäre brennt die Sonne. Sofort wird es mir warm, nein, heiß. Wo ich stehe, prasselt immer noch der Schauer; die abziehenden Regenwolken schicken einen letzten Gruß.

Ich suche den Regenbogen, drehe mich um mich selbst. Kein Regenbogen. Da fällt mir die schmale Fußwegbrücke über die Lutter auf, darüber eine Eisenbahnbrücke. Mit Stromleitung. Komisch. Ach ja, die Strecke nach Lippe ist bis zum Ostbahnhof (Containerbahnhof) elektrifiziert.

Ein Hinweisschild1*) an dem Fußgängerübergang belehrt mich, dass vor zwei Jahren Hochwasser die Lutter zum Überschwemmen gebracht habe. Dabei sei sogar die felsige Uferbefestigung fortgespült worden. An dieser Stelle befände ich mich zwischen Stauteich Zwei und Stauteich Eins. Aha, also hier bin ich gerade. Beschließe, erst einmal flussauf zu gehen, zum obersten Teich. Im flott daherströmenden grünen Wasser kommen zwei Riesen-Colaflaschen angetrieben und ein weißer Fußball. Da werden die Kicker traurig sein, kommt doch niemand mitgelaufen, um zu versuchen, irgendwie den Ball zurückzuholen. Der Fußweg führt zwischen einem Kinderspielplatz und einem Gitterzaun her, der das steile Ufer vom „Festland“ abtrennt.

Da rauscht der Wasserfall! Über die Sperrmauer stürzt das Wasser vier, fünf Meter tief. Zu beiden Seiten rauscht es über die mit Felsgestein befestigten Ufer, bevor es, etwas ruhiger, in den Hauptstrom abfließt. Da rauscht, nein, übertrieben ausgedrückt, donnert die Lutter über die Staumauer, hat sie ja die Wassermasse der Gewittergüsse des Vormittags abzuführen. Hierüber hängt eine Duftglocke wie von Meersalz, wie ich es auch von einer Saline her kenne, vermischt allerdings mit einer Note nach Moder. Beeindruckend.

Oberhalb der Sperrmauer also der Stauteich Eins. Still liegt er da in der Mittagssonne. Am entgegengesetzten Ufer stehen aufgereiht die Häuser „An der Walkenmühle“. Am hiesigen Ufer zwei Sitzbänke mit Blick auf das stille Wasser. Soll ich mit dem mitgebrachten Handtuch eine trocken putzen für eine kurze Pause? Nein, nicht in der drückend heißen Sonne. Also im Stehen genießen. Am linken Ohr der Wasserfall. Geradeaus ein Paar Teichhühner, das mit zwei Jungen mitten über den Teich paddelt, weiter hinten eine Schar Stockenten.

Das Wasser ist faszinierender, also mache ich mich auf den Rückweg, um alle drei Stauteiche zu erkunden. Zwischen den Ahornen und Schwarzerlen am Ufer blubbert und schießt die grüne Lutter, im Hauptstrom treiben Blätter und Zweige mit, von den Gewitterböen zuvor abgerissen und nun mitgezogen im Fahrwasser.