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Bernhard Kellermann

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Beschreibung

Deutschland liegt nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern – Städte zerstört, die Wirtschaft am Boden, das Vertrauen der Welt erschüttert. In dieser Zeit voller Hunger, Hoffnungslosigkeit und Umbrüche ruft Bernhard Kellermann in leidenschaftlichen Worten zu einem radikalen Neuanfang auf. In seinem eindringlichen Appell beschreibt er nicht nur die katastrophale Lage, sondern zeigt klare Wege auf: eine grundlegende Bodenreform, eine wissenschaftlich gestützte Landwirtschaft, gemeinschaftliche Anstrengungen beim Wiederaufbau, eine neue geistige Haltung. Sein Text ist ein historisches Dokument von seltener Klarheit und Entschlossenheit – ein Aufruf an ein Volk, sich aus eigener Kraft zu erneuern. „Was sollen wir tun?“ ist mehr als ein Zeitdokument. Es ist ein Aufruf zum Handeln, zur Verantwortung und zum Aufbau eines demokratischen, friedlichen Deutschlands.

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Seitenzahl: 44

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Impressum

Bernhard Kellermann

Was sollen wir tun?

Wege aus Schutt und Asche

ISBN 978-3-68912-607-0 (E-Book)

Erstmals erschienen: Aufbau-Verlag GmbH, Berlin 1945

© 2025 EDITION digital®

Pekrul & Sohn GbR

Alte Dorfstraße 2 b

19065 Godern

Tel.: 03860-505 788

E-Mail: [email protected]

Internet: http://www.edition-digital.de

BERNHARD KELLERMANN: „Was sollen wir tun?“

Der Krieg ist zu Ende. Millionen von blühenden Menschen sind dahingesunken, und was ist von Deutschland geblieben? Schutt und Asche. Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges verblassen gegen die Zerstörungen dieses schrecklichsten aller Kriege. Fleiß, Mühe, Arbeit von Generationen wurde vernichtet, wie tief aber die in Jahrhunderten geschaffene Wesenheit des deutschen Volkes, der deutsche Mensch, geistig, ethisch, moralisch gelitten hat, ist heute noch nicht zu ermessen.

Das grauenhafte Bild, das Deutschland nach dieser fürchterlichen Heimsuchung bietet, muss jeden Menschen, Freund und Feind, schlechthin erschüttern und mit tiefster Trauer erfüllen.

Viele werden der Versuchung unterliegen, sich der Verzweiflung hinzugeben, jene aber, die noch Kraft in sich spüren, werden sagen: Auf, auf! Wir haben Schiffbruch erlitten, wir haben das Grauenhafteste erlitten, was je ein Volk erlitt, ein ganzes Volk wurde in die Hölle gestürzt, aber auf, auf! Mut, Mut! Wir wollen trotz allem nicht verzagen. Die besten Köpfe herbei, die mutigsten Herzen herbei, die stärksten Energien herbei, und Deutschland wird wieder auferstehen aus Schutt und Asche!

I.

Die düsteren Herren des Dritten Reichs wurden weggefegt und haben uns nichts hinterlassen als Hunger, Not und Trümmer.

Fangen wir mit dem ersten der entsetzlichen Gespenster an, dem Hunger!

Wir haben uns vermessen, die ganze Welt herauszufordern, weshalb sollten wir nicht auch den Hunger bekämpfen?

Ende 1923, als Deutschland sich nach der Katastrophe des Weltkriegs in bitteren Nöten befand, habe ich im damaligen „Berliner Tageblatt“ einen Aufsatz „Der Wiederaufbau Deutschlands“ veröffentlicht, und heute, nach 22 Jahren, da Deutschlands Nöte weit furchtbarer sind, unvergleichlich furchtbarer, könnte ich ganze Seiten dieses Aufsatzes fast wörtlich wiederholen. Wir stehen auf dem gleichen Punkt wie vor 22 Jahren, ganz auf dem gleichen Punkt der Verzweiflung und Ohnmacht, nur dass heute Verzweiflung und Ohnmacht hundertfach größer sind, nahezu unerträglich! Nahezu, nahezu.

Damals schrieb ich: „Wir haben nur noch die Wahl zwischen Verfall und Verelendung auf der einen Seite und der Möglichkeit des Wiederaufbaus durch eine verzweifelte Anstrengung und größte Opfer auf der andern Seite. Wer zögert, zu wählen? Da es sich um Sein oder Nichtsein unseres Volkes handelt, wer würde zögern?“

„Hilf dir selbst, das ist die Rettung Deutschlands. Niemand wird uns helfen. Deutschland kann nicht jahrelang die Rolle des europäischen Bettlers spielen – und wenn es untergeht, so werden einige ausländische Politiker salbungsvolle Leichenreden halten. Mehr haben wir in der Tat nicht zu erwarten.“

Nein, mehr haben wir in der Tat nicht zu erwarten, auch das gleiche könnte ich heute sagen.

Hilf dir selbst, jawohl, niemand wird uns helfen. Also halten wir Umschau nach den Möglichkeiten der Auferstehung.

Diese Möglichkeiten sind der deutsche Boden, unsere Begabung und unser Fleiß.

Damit ist alles umschrieben. Auf, auf, ans Werk!

II.

Die gänzlich veränderte wirtschaftliche Lage macht es notwendig, uns auf Jahre hinaus radikal auf die Landwirtschaft umzustellen.

Der deutsche Boden, soweit er nicht mit Ruinen bedeckt ist und von Bomben zerrissen wurde, ist das wenige, was uns die düsteren Herren des Dritten Reichs zurückgelassen haben, das Land, die Wälder, die Felder, die Äcker, den nackten Boden, den sie nicht über die Grenzen schleppen konnten und in die Unterwelt, in die sie sich flüchteten. Ein jeder von uns weiß heute, dass wir dicht vor einer Hungersnot stehen, der fürchterlichsten Hungersnot, die je auf Erden herrschte, die Millionen (Millionen!) das Leben kosten kann, dein Leben und mein Leben, das Leben unserer Frauen und Kinder. Vergessen wir nicht, dass wir schon Jahre vor dem Kriege auf verkürzte Rationen gesetzt waren, und dass wir fünf Jahre im Kriege uns aus den besetzten Ländern und Gebieten ernährten, während ein Heer von Fremdarbeitern unsere Felder bestellte. Die besetzten Länder und Gebiete sind uns wieder entrissen worden, wie jeder Verständige es voraussah, dazu noch fruchtbare Provinzen deutschen Bodens, dazu ein Heer von Bauern, Landarbeitern und ungezählten Bäuerinnen, die der Gram verschlungen hat.

Wer sollte uns helfen? Wer?

Aber haben wir uns etwa um die Völker Frankreichs, Belgiens oder Griechenlands gekümmert in den fünf Kriegsjahren? Haben selbst viele unserer eigenen Landsleute, Kaufleute und Händler, die Waren gegen Lebensmittel zu tauschen hatten, sich in der überwiegenden Mehrzahl darum gekümmert, ob wir darbten? Die Bäcker und Schlächter, die Kolonialwarenhändler und Zigarrenlieferanten?

III.

Schon aus diesem Grunde müssen wir die Ernährungsprobleme auf Jahre hinaus in die vorderste Linie stellen und uns auf Jahre in erster Linie den Aufgaben der Agrarwirtschaft widmen. Mit schönen Phrasen wird kein Volk satt und auch die verführerischsten Versprechungen machen keinen Halm wachsen.

Unsere Hauptaufgabe muss demnach lauten:

Intensivste Ausnützung des vorhandenen Bodens!

Und weiter: Vergrößerung der Anbaufläche, Schaffung von Neuland!

In meinem Aufsatz im Jahre 1923, der sich mit ähnlichen Dingen beschäftigte, fasste ich diese Aufgabe in die Worte zusammen: Deutschland, heute ein gut gepflegter Acker, muss in einen Garten verwandelt werden!

In einen Garten! Das ist das Ziel, und nur dieses Ziel vor Augen, können wir die ungeheure Aufgabe lösen. Arbeit, Schweiß, Zähigkeit, Wissen – so schrieb ich damals – jeder Spatenstich aber, jedes Kilogramm Stickstoff, jedes Experiment im Laboratorium bedeutet einen Schritt vorwärts zur Bekämpfung des Hungers und der Not, und damit einen Schritt vorwärts zur Wiedergeburt Deutschlands! Heute müsste ich wohl sagen: zur Rettung Deutschlands vor dem Untergang.

Ja, alle unsere Kräfte müssen wir zusammenraffen und den Ackerbau zu einer Kunst erheben.

Mut gefasst und vorwärts!