Albenblut - Andreas Milanowski - E-Book

Albenblut E-Book

Andreas Milanowski

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Beschreibung

Har Muhar, der Herrscher des Albenreiches, hat einige Probleme. Das größte: sein Vater Chenar Pan, der alte Har, hatte seinerzeit die Vermischung des Albenblutes mit dem der Kreaturen des Vampyrfürsten Szerendel veranlasst. Der Plan war, die Magie der Alben mit den dämonischen Energien der Vampyre zu vereinigen, um mit den neu gewonnen Kräften Macht und Reich der Alben zu vergrößern. Leider verursachte die Verbindung der zwei unterschiedlichen Blutlinien einen genetischen Defekt, der bei den betroffenen Alben zum Erblinden führt. Einer der Betroffenen ist Har Muhar. Rettung verspricht das Elixier des Alchemisten Alfarar. Der Haken: das Sekret, aus dem der Zaubertrunk gewonnen wird, kommt in einem Organ vor, das ausschließlich im Körper von Alben wächst. Der Har schickt seine beiden besten Jäger in die nördliche Provinz, um den wertvollen Stoff zu beschaffen. Und noch etwas muss geregelt werden: Szerendel verlangt als Preis für seine Bündnistreue eine Kriegsgefangene, die die Alben von einem ihrer Feldzüge mit in die Hauptstadt gebracht haben. Bevor das Mädchen dem Fürsten zur Hochzeit übergeben werden darf, muss sie allerdings die Blutweihe durchlaufen - doch das Ritual wird gestört.

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MOBI

Seitenzahl: 53

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Andreas Milanowski

Albenblut

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1 Har Muhar und Ketha Nagema

2 Jagdfieber

3 Das Urteil

4 Melimbeks Weihe

5 Blut und Adler

6 Epilog

Impressum neobooks

1 Har Muhar und Ketha Nagema

„Es scheint ein Unwetter aufzuziehen, Ketha Nagema.“

„So ist es, Erhabener. Die Wolken sind schwarz wie dicke Tinte.“

„Ich kann es erkennen, Ketha. Noch bin ich nicht vollständig erblindet, auch wenn die Jäger sich dieses Mal erstaunlich viel Zeit lassen.“

„Oh erhabener Har, es lag nicht in meiner Absicht, euch belehren zu wollen. Ich spüre lediglich, dass etwas schwer auf eurer Seele lastet. Und es scheint mir nicht das Gewitter, das sich dort hinten zusammenbraut. Soll ich einen Boten ins Reservat hinaufschicken lassen, um nach dem Verbleib der Jäger zu fahnden?“

„Schon gut, Nagema.“ Der Har hob beschwichtigend die Hand. Das schwere Seidengewand, in das er gekleidet war, ließ seine Bewegung träge erscheinen, wie Wellen eines breiten Flusses. „Ich gebe zu, ich erwarte die beiden mit Ungeduld. Es wird dennoch nicht nötig sein, dass wir Boten nach ihnen schicken. Ich rechne stündlich mit ihrer Rückkehr.“

Muhar hatte die Ketha nicht rufen lassen, um mit ihr über den Verbleib der säumigen Jäger zu sprechen. Zur Ketha hatte er sie wählen lassen, weil sie über einen scharfen Verstand verfügte. Trotz ihres noch jugendlichen Alters hatte sie einen unverstellten Blick auf die zu regelnden Angelegenheiten. Er schätzte Nagemas Mut, ihre klaren Worte und brauchte ihren Rat in einer Sache, die das Reich der Alben verändern sollte. Es gab dafür keine bessere als sie.

Zudem hatte sie durch gezielte Indiskretionen selbst dafür Sorge getragen, dass der Har das genau so sah. Bedauerlicherweise hatten zwei ihrer größten Konkurrentinnen um den Posten der Ketha kurz vor ihrer Ernennung unerklärliche Reit -oder Jagdunfälle erlitten. Eine dritte war aufgrund zweifelhafter Anschuldigungen vom Reichsgericht wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und hingerichtet, eine vierte wegen kleinerer Delikte vom Hof des Har verbannt worden. So hatte es schon deswegen keine Bessere gegeben, weil sie am Ende die einzig verbliebene Kandidatin war – Nagema.

Mit Raffinesse und Kaltblütigkeit hatte sie es bis an die Spitze geschafft, in die höchsten Höhen der politischen Kaste des Reiches der Alben. Der Har brauchte sie und beide wussten das. Über einige ihrer Eitelkeiten musste er daher, wohl oder übel hinwegsehen.

„Ich will euch sagen, was mich bewegt, Ketha“, fuhr Muhar mit tonloser Stimme fort. „Doch eine Frage vorab: Wenn ihr durch dieses Fenster schaut, was seht ihr, Ketha Nagema?“

Nagema wurde misstrauisch. Sie antwortete ausweichend: „Ich sehe ein wundervolles Land, Erhabener. Ich sehe Weite, die von eurer eigenen Größe und der des Albenvolkes zeugt.“

„Danke, Ketha. Für mich, dass werdet ihr verstehen, sieht es zurzeit ein wenig anders aus. Ich sehe Wasser, nichts als Wasser und es ödet mich an. Es macht mich verrückt, jeden Tag auf diese tänzelnde, hin – und herschwappende, unruhige Masse zu blicken mit der Gewissheit, niemals etwas anderes davon sehen zu können als seine Oberfläche.“ Er dachte einen Augenblick nach. „Man muss in die Dinge hineinschauen, wenn man sie begreifen will, meint ihr nicht auch? Es ist mit dem Wasser wie mit den Seelen. Wenn man mehr will als eine oberflächliche Berührung, muss man hineintauchen, ganz und gar hineintauchen, sich aufnehmen und umhüllen lassen von allem, auch von all den grässlichen Dingen, die dort unten in der Tiefe lauern.“ Er machte eine Pause, als würde er langsam den Sinn seiner eigenen Worte begreifen. „Welch entsetzlicher Gedanke.“ Dann wandte er sich zu Nagema um.

„Die Elven waren nie ein Volk von Seefahrern. Sie haben sich nur dann aufs Wasser hinausbegeben, wenn es sich nicht vermeiden ließ.“

Wovon sprach dieser Mann? Nagema hätte gerne als Zeichen des Unverständnisses ihren Kopf geschüttelt, doch sie verbot sich diese Reaktion. Wenn der Har in diesem Zustand war, war jede Regung, die er als Widerspruch auffassen könnte, lebensgefährlich.

Dieser Mann stand an einem der großen Fensterbögen seines Palastes, schaute aufs Land hinaus, blickte auf weite Wälder, hin- und herwogende Baumwipfel, den Fluss Largo, der sich breit und träge durch die Landschaft wand. Doch was er sah, waren wilde, weiße Schaumkronen, die bedrohlich auf Wellenkämmen tanzten. Hoch und höher schlugen sie, leckten bereits über die Mauerkrone der Uferbefestigung. Die Ketha war besorgt. Muhar, einmal in Schwung gekommen, fuhr fort.

„Ja, unsere Trennung vom Elvenvolk war unvermeidlich und richtig. Wir mussten unsere eigenen Wege gehen - gut so. Wir könnten heute kaum weiter entfernt sein von dieser ehemaligen Verwandtschaft. Und doch fließt in unseren Adern noch immer das gleiche Blut. Unsere Beziehung zum Wasser ist also noch immer dieselbe, wie es die der Elven war. Ich kann beim besten Willen keinen Sinn darin erkennen, warum unser Reich von einer Stadt aus regiert werden soll, die am Meer liegt.“

„Mein Har“, wollte Nagema vorsichtig Einspruch erheben, doch Muhar beachtete sie nicht und redete einfach weiter.

„Es ist grotesk und beunruhigend und deshalb werden wir den Regierungssitz ins Landesinnere verlegen, weg von diesem fürchterlichen Element mit all seinen Unwägbarkeiten. Wir werden eine neue Hauptstadt errichten – eine, die größer und gewaltiger ist als die, die mein Vater hier hat ausbauen lassen. Herrliche Kuppeln werden endlose Räume überspannen. Säulen, die bis in den Himmel reichen, werden Hallen schmücken, deren Größe und Pracht man sich heute noch nicht vorstellen kann. Ich werde Fin Manga damit beauftragen, den besten Baumeister des Reiches. Er hat bereits erste Entwürfe vorgelegt. Es wird großartig.“

Nagema dachte nach. Wollte der Har tatsächlich aus einer momentanen Verstimmtheit heraus die strategisch vorteilhafte Lage der Hauptstadt aufgeben und sich noch weiter ins Landesinnere zurückziehen?

„Ihr habt Bedenken, Ketha Nagema? Ich fühle es.“

„Nun, unser Blut, mein Har, wenn ihr mir diesen Einwand gestattet, ist nicht mehr das der Elven. Es ist unwiderruflich vermischt mit dem der Vampyre, seitdem unser Volk die Liaison mit Szerendels Kreaturen eingegangen ist. Zudem war es der Wille des alten Herrschers, die Handelsrouten nach Verdon und zu den Nordinseln mit Hilfe der Flussschifffahrt zu kontrollieren, Erhabener. Er war der Ansicht….“