Meder und der Ring des Steuermanns - Andreas Milanowski - E-Book

Meder und der Ring des Steuermanns E-Book

Andreas Milanowski

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Beschreibung

Meder, die junge Novizin ist ratlos. Der Ring, den ihr der Steuermann Kalis vor seiner Hinrichtung zugesteckt hat, enthält eine Botschaft, die sie nicht entschlüsseln kann. Die einzige ihres Druidinnen- Ordens, die in der Lage wäre, den alten, elvischen Zeichen ihre Botschaft zu entlocken, ist ihr nicht so wohlgesonnen, wie sie anfangs vermutet hatte. Wohl oder übel macht sich Meder daher im Morgengrauen alleine auf den Weg ins mysteriöse Manat Ender, wo sie hofft, Antworten auf ihre Fragen zu finden. Doch sie ist nicht die einzige, die der geheimnisvollen Geschichte dieses Ortes nachspürt. Dies ist VOL 14 von 74 der Reihe "Erzählungen aus Sinjas Welt" - fantastische Novellen für Menschen ab 16.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 59

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Andreas Milanowski

Meder und der Ring des Steuermanns

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1 Halbdunkel

2 Der Ring des Steuermanns

3 Nola Mariel

4 Ein Traum

5 Manat Ender

Impressum neobooks

1 Halbdunkel

„Und sie sind tatsächlich der Meinung, Herr Vandorn, dass unsere kleine Runde an einem Ort wie diesem angemessen untergebracht ist? War es wirklich notwendig, sich in dieser üblen Spelunke zu treffen?“

„Mein Herr Brandt, wie sie wissen, habe ich Verbindungen in den Orden hinein und weiß aus sicherer Quelle, dass alle unsere Wohnhäuser überwacht werden. Auch unsere sonst üblichen Treffpunkte stehen unter Beobachtung. Im Rat scheint es eine undichte Stelle zu geben. Es sind vertrauliche Informationen ins Kloster gelangt, die dort niemals hätten hingelangen dürfen. Ich weiß, dass die Damen jeden unserer Schritte beobachten, seitdem diese hässlichen Gerüchte in Verdon die Runde machen.“

„Gerüchte?“ Brandt hüstelte, lächelte überlegen, rückte seinen Seidenbinder zurecht und spitzte die Lippen. „Für unsere Herrinnen mögen dies Gerüchte sein. Für uns soll es der Beginn einer neuen Zeitrechnung werden, nicht wahr?“

Mit einem seiner Handschuhe wedelte er einen Faden Tabakrauch beiseite, der von den Nachbartischen herübergezogen war. Angewidert schaute er in die halbdunkle, von Tischkerzen und einem Deckenleuchter beschienene Kneipe.

Die meisten, die hier an dreckigen Tischen, in Tabakrauch und Bierdunst herumsaßen, waren Seeleute, die darauf warteten, für die nächste Reise zu den Inseln des Nordens, Oleids Archipel oder zum Festland angeheuert zu werden. Manche waren auch Tagelöhner von den Plantagen, die die paar Kupferstücke, die die Plantagenbesitzer zahlten, in Bier und verdonischen Palmenschnaps umsetzten. Wer tüchtige Männer für eine Seefahrt oder sonstige Arbeiten suchte, der wusste, dass er im „Anker“ richtig war.

Hin und wieder schlug dann auch die schwere Holztüre des Schankraumes auf. Ein Hauch Nachtluft wehte durch den Raum und einer der Kapitäne der Frachtkähne, die im Hafen lagen, betrat das Gasthaus. Das Grölen und Würfelspielen erstarb in einem solchen Moment augenblicklich und machte einer kühlen Geschäftigkeit Platz. Hatte der Kapitän sein Anliegen vorgebracht und einige Interessierte sich um ihn versammelt, wurde über Fahrtrouten, Aufgaben und Besatzungen gesprochen, Verträge und Heuern ausgehandelt, gefeilscht. Die Sache endete üblicherweise damit, dass der Käpt‘n ansagte, wann und wo die Mannschaft sich einzufinden hätte.

An diesem Abend war nichts dergleichen geschehen. Die, die warteten, hatten das vergebens getan. Sie saßen entweder grölend mit anderen beim Würfelspiel oder glotzten allein, stumm in ihren Krug und versuchten, einen verlorenen Tag im Bier zu ersäufen.

Die Herren, die Vandorn an diesen Ort geladen hatte, hätten mit ihren bunten Tüchern, ihren feinen Westen, Mänteln und Hüten in dieser Umgebung kaum fremder und exotischer wirken können. Sie stammten aus der anderen Welt, dem Teil Verdons, in dem die Leute zu Reichtum, Ansehen und Macht gekommen waren. Der „Anker“ war unter normalen Umständen definitiv kein Ort, an dem ein vornehmer, verdonischer Kaufmann sich länger als notwendig aufhalten sollte. Immerhin hatte Vandorn einen der Tische gewählt, die in einer Ecke des Raumes, ein wenig abseits unter der Dachschräge standen, um wenigstens nicht mitten im Geschehen zu sitzen. Was zu besprechen war, war nicht für fremde Ohren bestimmt. Brandt wandte sich an die Versammelten.

„Nun, lassen wir das. Wir sind hier und wollen diese Dinge hinter uns bringen. Je schneller, desto besser. Wie ich an ihren Blicken erkenne, sind auch die anderen Herren äußerst gespannt, ob unser lieber Vandorn Gutes zu berichten hat. Schließlich haben wir ihm einiges an Mitteln zur Verfügung gestellt, damit er unsere gemeinsamen Interessen verfolgt, nicht wahr, meine Herren?“

„Hat er, meine Herren, hat er“, flüsterte Vandorn.

„Was hat er?“, schnaufte Wechhörst, ein rotgesichtiger Mann, dem seine Leibesfülle zu schaffen machte. Er war nicht weniger vornehm gekleidet als alle anderen am Tisch. Das feine Baumwollhemd und seine Weste schienen ihm jedoch ein wenig zu eng geraten und spannten über dem Bauchansatz.

Seinen Reichtum verdankte der Herr einer ererbten Tabakplantage und einer kleinen Manufaktur, in der eine Handvoll verdonischer Arbeiter gegen geringen Lohn Holzpfeifen schnitzte. Die waren unter Oleids Mannen überaus begehrt und wurden kistenweise zu den Inseln des Archipels und nach Berinioq verschifft.

„Gutes zu berichten hat er.“ Vandorn nahm seinen Zylinder vom Kopf, strich zärtlich über die rotbraune Fasanenfeder, die im Hutband steckte und lächelte. „Bloch hat geliefert.“

„Das heißt, die Kiste ist heil in Verdon angekommen und ist in unserem Besitz?“

„So ist es, lieber Verheeren. Sie ist in meinem Besitz.“ Vandorn kniff die Augen zusammen und strich sich über das Kinn.

„Das wurde aber auch Zeit nach all den Verzögerungen. Hätte es keinen einfacheren Weg gegeben, das Zeug nach Verdon zu bringen?“

„Nicht, ohne unsere ganze Sache zu gefährden, mein Herr. Die Druidinnen sind misstrauisch. Wir mussten daher zunächst den Handel mit dem Steuermann Kalis machen, um Trynhels Schergen zu täuschen.“

„Handel?“, fragte van Dommel, der Fünfte in der Runde. Er hatte auf einer seiner vielen Reisen den Weg in die Höhle eines Eremiten entdeckt. Dieser hatte in einem Wald in der Nähe der Hauptstadt Fyugur gehaust. Der Mensch hatte van Dommel geschildert, wie er eines dunklen Wintertages, völlig von Sinnen vor eisiger Kälte, plötzlich von einem warmen, überirdischen Licht erfüllt worden war. Zu seinem Entsetzen habe aus dem Licht eine Stimme zu ihm gesprochen, die ihm glaubhaft versicherte, eines Tages käme ein Erlöser in der Gestalt eines Menschen, vielleicht auch eines Zwergen – das sei noch nicht ganz klar, um alle Wesen Dore Y‘ Amars in eine Welt des Lichts und der Erkenntnis zu führen. Van Dommel, zu dieser Zeit selbst ein wenig haltlos und auf der Suche nach spiritueller Offenbarung, war derart überzeugt, dass er sofort nach seiner Rückkehr nach Verdon bei den Kaufleuten Spenden eingesammelt, ein Gotteshaus errichtet und dies `Kirche des Propheten zu Fyugur und Verdon´ genannt hatte. Die Zahl der Gläubigen war zunächst sprunghaft angestiegen, jedoch rückläufig, seitdem die Druidinnen der Dunhyr den Besuch der Kirche bei Strafe öffentlicher Stockschläge verboten hatten. Trotzdem glaubte van Dommel an das Gute im Menschen.

„Zugegeben, es war nicht besonders fein, aber leider nicht zu umgehen. Kalis war das Bauernopfer. Seine Ermordung war Teil des Plans.“

„Ein reichlich abgefeimter Plan. Er wurde von vorne bis hinten belogen. Nicht wahr, Vandorn?“

„Belogen?“

„Nun, sie haben ihm versprochen, sich um seine Frau und sein Kind zu kümmern. Sie haben ihm, im Gegenzug für sein Opfer zugesichert, dass die beiden bis an ihr Lebensende versorgt wären und nicht zu hungern brauchen. Leider haben sie vergessen, zu erwähnen, dass sie mittlerweile in die Gefangenschaft der Alben geraten und gar nicht mehr in Verdon sind.“

„Woher wissen sie das alles?“

„Nun, man hört so dies und das in einer Kirche.“