Der Himmel über Eleandur - Andreas Milanowski - E-Book

Der Himmel über Eleandur E-Book

Andreas Milanowski

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Beschreibung

Adagio zur Zeit der fünften Inkarnation des Tyrannen Szerendel. Auf der Flucht vor der Zerstörung seiner Heimat während der Albenkriege wird der junge Hynanduar in Meridors Garten aufgenommen. In dem Kloster lebt der schrullige Meister mit sechs seiner Novizen. Hynanduar lernt Freydyul und Beleangar kennen. Zusammen schmieden sie Pläne, den verhassten Fürsten der Schwarzalben zu stürzen. Die Revolte scheitert. Hynanduar überlebt als einziger und flieht nach Alanguek, zusammen mit einer jungen Frau, die er aus den Trümmern der Stadt Berinioq rettet. Von Oleid, dem Föresten von Alanguek, erfährt er Überraschendes. Eine Erzählung für LeserInnen ab 16.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 55

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Andreas Milanowski

Der Himmel über Eleandur

Des Weisen erste Fahrt

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1 Revolte

2 Aiya Val´Aina – Meridors Garten

3 Der Hafen von Berinioq

4 Alanguek – der Archipel des Föresten Oleid

Impressum neobooks

1 Revolte

Eleandur - Zur Zeit der sechsten Inkarnation des Tyrannen Szerendel

Es gibt diese Momente, in denen kein Ausweichen möglich ist, kein Überlegen, kein Abwägen. Er oder ich. All das war rasend schnell gegangen.

Das Blut sickerte langsam aus der Wunde und lief warm über meine Hand mit der ich Brand´Andil, den Hirschtöter, in den Körper des Soldaten hineingerammt hatte. Überraschend leicht war das Metall schmatzend zwischen den Rippen in seine Seite eingedrungen. Das Entsetzen in den sterbenden Augen war wohl nur wenig größer als das meine über die begangene Tat. Ich war im Begriff, einem Soldaten der Leibgarde, einem Elvenmann das Leben zu nehmen.

Der lederne Brustpanzer, den die Gardisten trugen, hatte ihm nichts genützt, da ich seine Schwachstelle kannte. Geübt im Umgang mit der Waffe und treffsicher genug hatte ich den Dolch in die schmale Lücke zwischen Brust- und Rückenseite gestoßen, exakt dort, wo die beiden Platten mit Riemen zusammengebunden waren.

Ich wusste, er würde, nachdem er im Kampf gefallen war, aufgenommen in die Arme der Göttinnen und Götter. Eines Tages würde seine Seele wiederkehren ins irdische Sein, in einem anderen Körper. Doch die jetzige Stufe seiner Existenz, das unwiederbringliche Leben dieses einen Elven, den ich hier in meinen Armen hielt, das hatte ich ein für alle Male ausgelöscht - endgültig.

In dem Augenblick, in dem seine Seele ihren Körper verließ, um sich auf den Weg ins Badoûm, die Zwischenwelt zu machen, erstarben die Kampfgeräusche um uns herum. Die hohen, hellen Mauern Eleandurs verschwammen zu einer diffusen Farbfläche. Sie bildete den Hintergrund für unser kleines, für den Ausgang der Schlacht vollkommen unbedeutendes, persönliches Drama. Es gab auf einmal nur noch diesen warmen, schweren, langsam erschlaffenden Körper, der in meinen Armen lag und mich, seinen Mörder. Ich war erstarrt, nicht imstande, die Waffe, mit der ich ihm den Tod gebracht hatte, aus seinem Leib herauszuziehen. Ich schaute in seine gebrochenen Augen, die bereits hinübersahen in die andere Welt und dennoch nicht wahrhaben wollten, was hier und jetzt gerade geschah. Immer noch hielt ich den Griff des Messers fest umklammert in meiner Faust. Nie hatte ich hassen, nie hatte ich töten wollen….und doch…Was hatte ich getan?

***

Selbstverständlich war uns klar gewesen, dass der Kampf nicht ohne Opfer abgehen würde, nachdem wir endlich die Entscheidung getroffen hatten, Eleandur anzugreifen. Wie es sich anfühlen würde, zu töten, darüber hatte allerdings keiner von uns jemals nachgedacht. Manche meiner Gefährten brachten ihre Gegner ums Leben aus purer Lust, nur um des Mordens willen, ohne Skrupel oder das geringste Zeichen von Reue. Andere erschlugen, erstachen, erdrosselten sie aus der Überzeugung heraus, etwas Notwendiges zu tun im Kampf gegen den verhassten Fürstensitz. Wir hatten diesen Kampf gewollt, weil wir uns auf der richtigen Seite wähnten. Die anderen, die Soldaten des Fürsten, verteidigten das Regime des grausamsten Despoten, der je das Reich der Elven regiert hatte. Unser Ziel war die Wiederherstellung des alten Rechts, die Erneuerung der Verbindung des irdischen Reichs mit der Magie der himmlischen Sphären.

Sie hatten sich uns entgegengestellt und hatten damit zu rechnen, dass es auf Tod und Leben ging, auch ihr eigenes. Doch etwas zu wollen, ist das eine, es dann auch zu tun, etwas ganz anderes.

Jetzt fühlte ich diesen, eben noch starken, jetzt schon fast leblosen Körper, dem das Blut in roten Blasen aus Mund und Seite sickerte. Ich sah, wie seine Seele sich entfernte und erschrak vor dem Endgültigen, dem nicht wieder Gutzumachenden, das ich auf mein Gewissen geladen hatte. Nie wieder würde dieser Elv das Leuchten der Sonnen am Himmel sehen, den Duft der Blumen riechen, den zauberhaften Klang von Musik hören, seine Liebsten schützend im Arm halten können. Ich hatte Mitleid mit dem Toten und mit mir selbst, fragte mich, wie wohl meine Seele diese grausige Last würde tragen können.

„Hynanduar!“, riss mich ein Schrei aus meiner Absenz und brachte mich in die Wirklichkeit der Schlacht zurück. „Es ist verloren. Wir müssen fliehen. Du musst hier weg, so schnell wie möglich!“

Eine starke Hand hatte mich an der Schulter gepackt und mich von dem Sterbenden fortgerissen.

„Wir müssen zum Fluss hinunter, zu den Booten!“

Ich drehte mich herum und schaute Beleangar in die Augen. Auch die seinen waren von Entsetzen weit, allerdings aus anderen Gründen als meine. Er hatte gesehen, dass fast alle unserer Kameraden im Kampf gefallen waren, unsere Sache gescheitert war. Es gab nichts mehr zu gewinnen. Wir hatten nur noch eins zu tun und das war, so schnell wie möglich zum Ufer hinunterzugelangen, um uns mit den Booten in Sicherheit zu bringen. Wir rannten um unser nacktes Leben.

„Wo sind die anderen?“, rief ich ihm zu, während wir, die Verfolger im Nacken, über Äste und Wurzeln sprangen, einen matschigen Abhang hinunterrutschten.

„Tot!“, antwortete der Freund.

„Alle?“

„Ja, alle!“

„Auch Freydyul?“

„Ein Speer, oben an der Mauer!“

Keuchend stolperten wir weiter, Tränen der Wut in den Augen.

Für einen kurzen Moment schienen wir die Wächter der Leibgarde getäuscht und abgehängt zu haben. Weit konnten sie aber nicht sein. Deutlich hörte ich ihre Rufe.

„Hier entlang! Sie wollen zum Wasser!“ „Haltet sie auf!“

Sie würden uns jagen wie Wild. Wir hatten die Macht des finsteren Fürsten herausgefordert und von seinen Vollstreckern keine Gnade zu erwarten. Sie würden uns entweder sofort töten, um unsere geschändeten Leichname den Hunden oder Aasfressern zu überlassen oder, was noch schlimmer wäre, sie nähmen uns gefangen, um uns nach einem der berüchtigten Schauprozesse Szerendels auf bestialischste Weise zerstückeln zu lassen.

Beleangar und ich hatten nicht das mindeste Interesse daran, Teilnehmer einer solchen Veranstaltung zu werden. Wir mussten fliehen und überleben und bald schon würde die Rettung in Sicht kommen. Nicht mehr weit, nur noch ein paar Meter, dann wären wir am Ufer.