Doriandos Erwachen - Andreas Milanowski - E-Book

Doriandos Erwachen E-Book

Andreas Milanowski

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Beschreibung

Ist es nur ein Hirngespinst, die Stimme, die der Elvenmann im Traum hört? Sie lockt ihn in die raue, unwirtliche Bergwelt Andantes. Doriando bricht alle Brücken ab, verlässt seinen Liebsten Cichianon, seine Freunde, seine vertraute und verhasste Umgebung in den Wäldern Engils und ,macht sich auf den Weg. Doch das, was Ananda, seine Lehrerin (aufmerksamen Lesern bekannt aus Vol.2 "Anandas Reise") für ihn bereithält, entspricht nicht im Mindesten dem Kriegerleben, so wie er es lernen und leben wollte. Kann der Elvenmann das Angebot der Magierin annehmen? Hat er überhaupt eine Wahl? Volume 4 der Erzählungen aus "Sinjas Welt" für Menschen ab 16. Erotisch, mystisch, spirituell, magisch, spannend.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 53

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Andreas Milanowski

Doriandos Erwachen

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1 Morgen

2 Cichianon

3 Abschied

4 Die Flügel des Adlers

Impressum neobooks

1 Morgen

Dieser Traum, dieser verfluchte Traum. Immer wieder diese grauenvollen Bilder in meinem Kopf. Die eisige Luft umfasst meinen Körper, trägt ihn. Ich schwebe. Mein Blick hinunter in die karg bewachsenen Felsen. Das wenige, dürre Moos lässt die harten Kanten der Steine weicher erscheinen. Dann dieses kleine, alberne Leben. Dieses unscheinbare Etwas, das zwischen den Halmen von hier nach dort huscht. Es sucht nach Nahrung und dürrem, trockenem Geäst für den Nestbau. Ängstlich hält es inne, horcht, schaut, sucht, schnuppert, hin – und hergerissen zwischen den verführerischen Düften des Essbaren um sich herum und der Furcht, selbst zur Mahlzeit zu werden, zum Opfer. Es zittert, schaut nach links, nach rechts, nach oben, als spüre es die Gefahr, als fühle es bereits die todbringende Kralle, die sich durch seinen Körper bohrt, es aufspießt, zerfetzt, ihm die Seele nimmt und es zu nichts macht als einem Klumpen warm blutenden Fleischs.

„Entscheide! Du bist Sieger oder Besiegter. Wenn du kämpfst, gewinne oder stirb!“

Die Stimme, immer wieder…..diese Stimme. Oft, so lehrt sie mich, ist es nicht jener, welcher über den stärkeren Körper verfügt, der den Sieg davonträgt. Es gibt Kräfte jenseits gespannter Muskelberge, die ebenso wichtig sind. Den Gegner beobachten, seine Stärken und Schwächen kennen, den richtigen Zeitpunkt, den richtigen Ort für den Kampf wählen, die Klugheit, im rechten Moment den richtigen Schlag zu führen und noch etwas Anderes ist von größter Bedeutung…..

***

Geliebter! Ich erwache, will mich herausschälen aus den Bildern des Tötens, die mich umhüllen wie ein bluttriefender Cocon. Heraus aus der Lust am Morden, dem gierigen Baden im warmen, dunkelroten Meer. Tilgen will ich den bitteren Geschmack von Eisen auf meinen Lippen und gegen Süßes tauschen. Ich blinzele in den werdenden Morgen und sehe dich, fühle deine Wärme, rieche den Duft deiner Haut. Noch einmal spüre ich die Sanftheit deiner Lippen, die Feuchtigkeit deines Kusses, deine Berührungen, die Schwere deines Körpers auf dem meinen, als würde all dies soeben erst geschehen.

Das Strahlen deiner Augen wächst in mir heran zu einem brennenden Feuer. Es führt mich, erhellt mein Dasein wie eine wärmende Sonne, die ihren Glanz hinunterwirft in die finstersten Tiefen meiner besessenen Seele. Ich sehe das silbrige Funkeln des sinkenden Mondes, das sich in deinen Wimpern bricht und sanft schimmernde Muster auf deine Wangen zaubert. Eine bizarre Landkarte aus magischem Licht. Linien, die mich wie Wegmarken leiten, die Wangenknochen unter deiner hellen, weichen Haut mit zarter Hand zu erkunden.

Ich spüre den pochenden Rhythmus deines Herzens, das gleichmäßige Streicheln deines Atems in meinem Gesicht, deine Stärke in mir, die Kraft deiner Muskeln, rieche dein Haar, rieche Gras, höre das Rauschen des Windes, das Rascheln der Blätter in den Bäumen und weiß: wir sind eins, ein Puls, eine Sprache, eine Schönheit, ein Leben, eine Liebe. Wie konnte es sein, dass wir uns fanden in dieser Nacht? Wie konnte es sein, dass wir uns nicht gefunden haben in all den Nächten zuvor? Erneut schließe ich meine Augen, begebe mich in die Gefahr, die abgründige Welt zwischen Wachen und Schlaf.

***

Dort, in meiner Traumwelt, findet sie mich bald wieder, diese Fremde und spricht zu mir. Das Bedeutsame, flüstert sie mir zu, sei der Gleichmut und die innere Ruhe, die durch die Gewissheit entstehen, aufgenommen zu sein in die schützenden Arme der Göttinnen und Götter, sollte ich den Tod eines Kriegers erleiden. Man schöpft dieses Vertrauen, so spricht sie weiter, aus den sprudelnden Quellen seiner Seele, atmet es aus den Flammen seines feurigen Herzens, der luftigen, frischen Weite des Geistes, saugt es aus der Erde mit den, in tiefsten Tiefen gründenden Wurzeln seiner ganzen Existenz und…. man hört und liest es aus den weisen Lehren der Ahnen. Mit starker, zupackender Hand zeigen sie den Weg, lassen uns reifen und aufsteigen in den Reigen der zwölf Geister der Uriod Mar. Werden und Vergehen sind die Stufen, über die sie uns führen, Schritt für Schritt, hin zum Ziel, dem ewigen Einen.

Wer diesen Glauben nicht hat, für den ist Grausamkeit nichts als ein barbarischer Selbstzweck. Wer aber kämpft, getragen vom Segen und im Geiste der unvergänglichen Allmacht, der weiß, dass er selbst nur Werkzeug ist, nicht Sinn und Ziel seines eigenen Tuns, sondern eine Waffe im Kampf für etwas Höheres, kein Schlächter, kein Mörder, sondern Krieger. Nie zuvor konnte ich dies so deutlich sehen, denken, fühlen. So ist es: Wer diese Gewissheit in sich trägt, der weiß, wessen Kräfte ihm die Schwerthand führen.

„Benutze deine Flügel, Doriando – erhebe dich in die Lüfte, kämpfe, töte, stirb und werde!“

Erneut hallt dieser Satz durch die Wirren meiner Träumerei. Woher stammt er und wie kommt er in meine Gedanken? Ein Beben läuft durch meine Brust, meine Arme und Beine. Jeder Muskel meines Körpers spannt sich. Wie kann sie diese Grausamkeit von mir wollen? Ich fühle Zorn in mir aufsteigen. Verdammt sei diese entsetzliche Forderung! Verflucht sei die Sehnsucht, die sie in mir weckt!

***

Wieder erwache ich, schwer atmend, mit rasendem Herzen aus dieser Vision. Es ist kein Alptraum, der mich quält und irritiert. Nein, es ist eine Aufforderung zum Handeln, eine, die mein bisheriges Leben in Frage stellt. Ich öffne die Augen, blinzele verwirrt. Zu wem gehört diese Stimme? Wer ist die Frau, die im Traum zu mir spricht? Eine Meisterin, eine Magierin oder doch ein schrecklicher Dämon? Und: von welchen Flügeln redet sie?

Das eigentlich Verstörende aber ist, das alles, was die Traumbilder mir zeigen, sich aufregend gut und richtig anfühlt. Es ist, als wolle etwas vertraut Fremdes in mir mich auf die eigentliche Bestimmung meiner Existenz hinweisen oder, als habe das Schicksal die Fäden meines irdischen Daseins neu gesponnen und sei nun begierig darauf, mir dies mitzuteilen.

Langsam hebe ich meinen Blick, schaue über die Lichtung hinweg, an deren Rand wir unser Lager aufgeschlagen haben, in den Wald hinein. Engil, unsere Wege, unser Zuhause, unheimelige, magisch - fremde Heimat, die mir diese grüne Welt geworden ist in all den Jahren unseres Ausgestoßen-seins. Jeden Ast liebe und hasse ich, jedes Blatt, jeden Busch, jedes Zwitschern eines Vogels, jeden Schrei eines Lemuren in den Kronen der Bäume, das mir sagt: Doriando, hier bist du zuhause, hier musst du es sein, weil du nicht dazugehörst zur Welt der Starken und Tapferen, der Welt der Elvenkrieger.