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Auf Geheiß von Königin Myriana machen sich Mattheys, Yiengola, Merdim, der Zwerg und sein Kumpel Vreithelt auf den beschwerlichen Weg in die Yarmachell, die stille Welt. Ihr Auftrag lautet, den Dämon zu finden und zu vernichten, der dem Cano Mattheys seine Lebenskraft raubt. Einen Plan haben sie nicht. So finden sie denn auch eher zufällig einen der Sonanten, der ihnen den Weg in die stille Welt weist. Die ist zunächst ganz anders, als die Vier sich das vorgestellt hatten. Doch der freundliche Empfang täuscht. Der Dämon taucht auf, wo niemand ihn erwartet hätte und das schreckliche Schicksal der Vier erfüllt sich.
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Seitenzahl: 57
Veröffentlichungsjahr: 2023
Andreas Milanowski
Seelentod
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Inhaltsverzeichnis
Titel
1 - Auf dem Weg
2 – Vreithelt
3 - Der Sonant
4 – Yarmachell
5 – Der Auftrag
Impressum neobooks
„Wo…. wo ist sie auf einmal hin?“
„Wer?“
„Na, die Königin. Eben war sie noch hinter uns. Jetzt ist sie weg und das Tor hat sich geschlossen. Einfach weg - als wäre es nie dagewesen.“ Vreithelt schaute sich nach allen Seiten um.
„Du kennst sie doch, diese Elvenwesen“, krächzte Merdim. „Sie sind wahre Meister in der Disziplin, Dinge erscheinen und wieder verschwinden zu lassen.“
„Ich glaube ja eher, dass das alles in unseren Köpfen stattfindet.“
„Alles Einbildung?“
„Ja!“ Der Lange beugte sich zu seinem Kumpel hinunter und raunte: „Sie lassen uns nur glauben, dass etwas verschwindet. Vielleicht irgendein Zauber, wer weiß? Wir Menschen können doch gar nicht erkennen, ob etwas wirklich geschieht oder nicht.“
„Dann bin ich ja froh, dass ich kein Mensch bin“, sagte Merdim und drehte Locken in seine buschigen Augenbrauen. Das tat er, wenn er unruhig war. „Wenn ich etwas sehe, dann ist es verdammt nochmal da. Wenn ich nichts sehe, ist nichts da. Warum ist das so schwer? Dass ihr Menschen immer aus allem ein Problem oder ein Geheimnis machen müsst. Wenn man zu lange über solchem Unfug grübelt, macht einen das am Ende verrückt.“
„Jetzt hast du´s!“ Vreithelt flüsterte. „Genau das beabsichtigen sie, Merdim. Die wollen uns in den Wahnsinn treiben, damit sie die Macht in Fyugur wieder übernehmen können.“
„Und einen Krieg riskieren, der das ganze Land verwüstet? Ich glaube nicht, dass sie so dämlich sind.“ Merdim schaute grimmig. „Davon würde am Ende nur einer profitieren – Szerendel. Die Elven sind nur ein wenig anders als du und ich.“
„Und ihre Magie?“
„Jetzt beruhige dich, Langer. Nur, weil du es nicht verstehst, muss es nicht gleich böse sein.“
„Wenn du das sagst, Eisenbarth. Gut, dass ihr Zwerge so wahnsinnig klug seid.“
„Jetzt sei nicht gleich beleidigt.“ Merdim wollte Vreithelt einen freundschaftlichen Klaps auf den Arm geben. Der Blonde drehte sich zur Seite. Der Schlag ging ins Leere. Sie liefen weiter. Plötzlich jedoch blieb Vreithelt mitten im Schritt stehen.
„Weißt du was, Eisenbarth?“, sagte er nach einer Weile. „Ich bin nicht beleidigt.“ Er schaute den Zwerg von oben bis unten an. „Ich finde nur den Gedanken an unseren Tod unangenehm. Diese ganze Fahrt macht mir Angst. Eigentlich will ich nicht hier sein. Wäre ich damals nicht so blöd gewesen, mit dir und der Fährtenleserin auf diesen verdammten Berg zu steigen, dann würden wir jetzt gemütlich im `Weißen Hirschen´ sitzen, uns mit Brunwarths schalem Gesöff betrinken, unser letztes Geld verzocken und dummes Zeug schwätzen. Leider sind wir da raufgeklettert und haben Agyrthas Garten entweiht. Wir gehen unserer gerechten Strafe entgegen. Ist dir das klar? Wir werden alle sterben.“
„Du orakelst, mein Lieber“, entgegnete Merdim. „Du bist ein Angsthase und deine Prophezeiungen waren schon immer Mist. Du siehst aus wie ein Leuchtturm, aber in deinem Lampenhaus da oben, da brennt kein Licht. Hör auf, alles so schwarz zu sehen. Wir gehen da runter, schlagen dem Vieh den Schädel ein und verschwinden wieder.“
„Du rennst immer in jedes Schlamassel, ohne drüber nachzudenken. Ein bisschen Angst täte dir manchmal auch ganz gut. Wären wir damals nicht, voll wie tausend Mann, für ein paar lumpige Goldstücke auf den Brndil geklettert, hätte der Cano nie erfahren, wie seine Söhne zu Tode gekommen sind. Der vermaledeite Baum wäre nicht gefällt worden und wir jetzt nicht hier. Das ganze Unglück hat damit angefangen, dass wir nach den beiden gesucht haben und das hast du uns eingebrockt mit deiner großen Klappe.“
„Wir hatten die Pflicht, das zu tun, Vreithelt. Wären wir nicht gegangen, hätte jemand anders die fünfzig Goldstücke eingesackt.“
„Ja, dann wäre dieser Jemand jetzt auf dem Weg in die Yarmachell und nicht wir.“
Merdim wurde nachdenklich. „Ehrlich gesagt, ganz wohl ist mir bei dem Gedanken auch nicht, dort hinunterzusteigen.“
„Na, da bin ich aber froh, dass es dem Herrn wenigstens nicht ganz wohl ist, wenn er seinem Ende entgegenmarschiert. Dumm nur, dass ich auch dabei bin.“
„Wir sind nun mal hier. Das Gejammer bringt nichts. Wer sagt dir denn eigentlich, dass wir sterben werden?“
„Hast du nicht zugehört? Die Königin hat selbst gesagt, dass noch nie jemand aus der stillen Welt zurückgekehrt ist.“
„Nein, das hat sie nicht! Sie hat nur gesagt, dass wir nicht wissen, ob einer zurückgekehrt ist. Wer weiß? Vielleicht hatten die die Schnauze voll von ihren Frauen und vom Kindergeschrei und leben jetzt zufrieden und glücklich auf einer von Oleids Inseln. Kann doch sein, oder? Außerdem waren die, die vor uns gegangen sind, angeblich alle allein unterwegs.“
„Ja, das waren noch echte Helden,“ sagte Vreithelt und zog eine Grimasse. „Ich glaube, du quatschst dir die Sache so lange schön, bis du deinen Blödsinn selbst glaubst. Wir sind nun mal keine Helden. Wir sind vier verdammte Schwachköpfe, denen die Knie schlottern, weil sie sich auf dieses Himmelfahrtskommando eingelassen haben, statt sich gleich am nächsten Baum zu erhängen.“
„Einer!“
„Was einer?“
„Ich sehe nur einen Schwachkopf und der bist du. Bei mir ist alles in Ordnung.“ Merdims Grinsen legte eine Reihe vergilbter Schneidezähne frei.
„Dann bin ich ja beruhigt“, maulte Vreithelt. Dieses Mal war er wirklich beleidigt.
„Jetzt komm schon“, sagte Merdim. „Wir versuchen einfach, diese Sache lebend zu überstehen. Alles andere hilft jetzt nicht mehr.“
Eine Weile liefen sie vor sich hin.
„Sag mal, hat eigentlich dein Amethyst schon geleuchtet?“
„Ich würde doch dem wackeren Herrn Eisenbarth nicht verschweigen, wenn ich den Eingang zu seinem Untergang entdeckt hätte.“ Der Blonde schob sich eine seiner fettigen Strähnen aus dem Gesicht und verstaute sie umständlich hinter dem Ohr. „Sobald das Ding sich meldet, bist du der erste, der es erfährt.“
„Fein! Es wäre gut, wenn wir bald einen dieser Sonanten entdecken würden. Das Umherirren kostet Zeit und je länger es dauert, desto schwieriger wird es, den Weg zu finden.“ Merdim zeigte nach vorne. In einiger Entfernung lief die Ongloshina Yiengola mit Cano Mattheys. Sie beobachteten aufmerksam die Landschaft, die Wolkenformationen und den Flug der Vögel.
„Lass uns mal Anschluss halten.“
Die Vier waren durch das Weidentor gelaufen, das die Königin auf einem Feld vor der Stadt hatte erscheinen lassen. Aus dem düsteren, kühlen Herbstwetter, das sie in Fyugur verabschiedet hatte, war, nach dem Gang durch das Tor, ein sonniger Frühlingstag geworden. Am Horizont hatten sich einige Hügel und Berge gegen den strahlend blauen Himmel abgezeichnet. Gelegentlich spendete ein Baum wohltuend Schatten. Merdim und Vreithelt beschleunigten ihre Schritte.
„Ah, da seid ihr ja“, bemerkte der Cano, als sie die beiden anderen erreicht hatten. „Wir dachten schon, ihr wollt umkehren.“
„Hm“, brummte Vreithelt, „gute Idee.“
„Leider keine brauchbare. Es tut mir sehr leid, dass ich euch in diese Situation gebracht habe.“
