Meridor und die Herrin der Lüfte - Andreas Milanowski - E-Book

Meridor und die Herrin der Lüfte E-Book

Andreas Milanowski

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Beschreibung

Meridor ist gelandet. Nach einer ungewollten und turbulenten Reise in die Vergangenheit ist er für einen kurzen Augenblick glücklich - bis er sich umschaut. Die öde Steppe, in der er heruntergekommen ist, erinnert ihn vage an eine Landschaft, in der er in seinem früheren Leben einmal gewesen war, mehr nicht. Da er zudem nicht weiß, in welcher Zeit er sich befindet, ist der Priester der Verzweiflung nahe. Das einzige, was ihn am Leben hält, ist der Wunsch, das Kloster Aiya Val Aina und seine Novizen wiederzusehen. Gwilith schickt ihm ein Zeichen. Meridor macht sich auf den Weg. Was wird er vorfinden und vor allem: welcher verdammte Tag ist heute?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 53

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Andreas Milanowski

Meridor und die Herrin der Lüfte

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1 – Gwilith

2 – Einöde

3 – Der Plan

4 – Aiya Val Aina

Impressum neobooks

1 – Gwilith

Tag 14.14264

„Gwilith, verdammt! Willst du mich umbringen?“ Meridor krallte sich in seinem Sitz fest und knirschte mit den Zähnen – vor Wut und auch, weil ihm von der Kälte die Gesichtszüge eingefroren waren.

„Du verdammte Zicke“, brüllte er gegen den Sturm, „willst du deinen Priester töten, den einzigen, der dir immer die Treue gehalten hat?“

Böen schlugen ihm ins Gesicht, hart wie Fäuste. Eben war er durch eine Wolke gerast. Auf seinen Wangen und dem ledernen Schutzzeug hatte sich eine dünne, weiße Schicht aus Eiskristallen gebildet. Jeder der gefrorenen Tropfen, die ihm ins Gesicht klatschten, schnitt ihm in die Haut wie die messerscharfen Zähne eines Raubtieres.

Meridor fühlte brennenden Schmerz und er fühlte sich ohnmächtig – hin und her geschleudert von Kräften, die er nicht zu bändigen im Stande war. In Ihm war nichts als Angst und blinde Wut. Mit der Faust trommelte er gegen die Holzwand seiner Maschine. Der Wind rauschte in seinen Ohren, obwohl er diese lächerliche, braune Lederkappe auf dem Kopf trug.

„Wenn ich diesen Höllenritt überlebe“, schrie er gegen den immer stärker werdenden Sturm an, „das verspreche ich dir, dann werde ich deinen Tempel niederreißen, du Ausgeburt der Yarmachell!“

Darf ein Priester der Gwilith wütend sein auf seine Gottheit? Darf er zweifeln? Ja, bei allen Dämonen der Unterwelt – wenn der Verstand das letzte im Körper ist, was noch Dienst tut, dann zweifelt man. Und wer davon genug hat, der verzweifelt. Wenn man merkt, dass das Schicksal einen Namen hat und es nichts anderes mit einem vorhat als mit dem eigenen Leben zu spielen, dann wütet man. Meridor gab sich die Erlaubnis:

„Ich hasse dich!“, brüllte er, so laut es ihm möglich war. Er wusste, Gwilith würde ihn nicht erhören. Die Dame hatte Besseres zu tun.

„Atmen Meridor, Atmen! Lass Thul in deine Lungen. Ein, aus, entspannen. Lass mich nach Hause fliegen – nur dieses eine Mal noch.“

Warum, warum nur hatte er sich auf diesen Irrsinn eingelassen? Ausgerechnet Gwilith, die Beherrscherin der Lüfte. Von den vier Gottheiten, die aus dem Einen hervorgegangen waren, war sie die dritte. Und ganz bestimmt, so dachten zumindest alle, die jemals mit ihr zu tun gehabt hatten, war sie die Verrückteste. Nur auf eines konnte man sich verlassen: sie tat, was sie wollte und es war nur selten das, was man erwartete. Manche hielten sie deshalb für unberechenbar. Andere wiederum, die sie eigentlich liebten, so wie Meridor, nannten sie einen Freigeist. Man hasste sie oder man verschrieb sich ihr mit Haut und Haaren. Dazwischen gab es nichts.

Bei allen zwölf Geistern - Gwilith konnte so sanft sein wie ein kleines, weißes Wölkchen am blauen Sommerhimmel. Man liebte ihr zärtlich-verführerisches Summen, Schnurren und Pfeifen, wenn sie in Gestalt des Windgeistes Sûr über die Felder oder durch die Äste der Bäume strich. Wie oft hatte Meridor als Kind ganze Tage versteckt zwischen riesigen Wurzelsträngen im Moos gelegen, nur um dem Rauschen der Blätter zu lauschen, den Harmonien und Rhythmen, die Sûr als leiser, warmer Wind in die Baumkronen der adagischen Wälder gezaubert hatte.

Ja, er liebte sie. Aber jetzt gerade ging ihm die Herrin der Lüfte gehörig auf die Nerven.

„Ich habe keine Ahnung warum“, jammerte er, „aber wenn du mich töten willst, dann tu es jetzt. Tu es schnell und quäle mich nicht noch den ganzen Tag mit deinem Wahnsinn!“

In solchen Momenten wusste Meridor wirklich nicht mehr, wie er auf die absurde Idee gekommen war, ein Priester dieser Querulantin sein zu wollen.

Thul, der Geist des Atems, die zweite Erscheinungsform der Gottheit. Ja, auch ihn liebte er. Sogar einen kleinen Altar hatte er im Allerheiligsten von ‚Meridors Garten‘ für ihn errichtet. Selbstredend war dieser nicht so groß wie der für die Mar, aber er war aus gutem, wertvollen Marmor und durchaus ansehnlich.

„Wenn du das hier überleben willst, dann atme, Meridor“, ermahnte er sich selbst mit strenger Stimme, „sonst bleibt dir das Herz stehen und diese fliegende Holzkiste wird dein Sarg.“

Ein – Aus, Spannen - Entspannen, Werden - Vergehen - der Zweiklang von Tod und Wiedergeburt. Ein und aus, der universelle Akkord alles Lebendigen. „Ein Wesen, das nicht atmet, Meridor, ist tot – also bitte, tu es, atme.“

Er nahm seine Ermahnungen überaus ernst und befolgte seine eigenen Anweisungen aufs Genaueste. Er war da sehr korrekt, vor allem, wenn es, verdammt nochmal um sein eigenes, kleines Leben ging. Auch im Umgang mit der Gottheit war er pflichtbewusst, selbst wenn sie ihn zuweilen bis aufs Blut reizte. Er liebte Sûl und er liebte Thul.

Vor allem aber, und das muss an dieser Stelle unbedingt erwähnt werden, liebte Meridor die unbändige, alles mit sich reißende Energie von Alages. Alages, der Geist des Sturmes, in den Gwilith sich verwandelte, wenn man sie durch kleine Unachtsamkeiten verärgert hatte. Und Gwilith war, verdammt nochmal, ziemlich schnell verärgert.

In der Gestalt des Alages riss sie, wenn es wieder einmal so weit war, Ziegeln von Dächern, entwurzelte Bäume oder türmte die Meere zu haushohen Wogen auf. Sie zerfetzte die Segel unvorsichtiger Seeleute, denen sie eben noch mit ihrer Kraft den Weg gewiesen hatte, um ihre Schiffe gurgelnd auf Nimmerwiedersehen in die tiefsten Tiefen des Ozeans hinabzuzwingen. Meridor dachte an all die verlorenen Seelen und wurde panisch.

„Wodurch, Gwilith“, schrie er gegen den heulenden Wind, „wodurch habe ich dich erzürnt? Sag´ es mir: wodurch?“

Neben all seinen zerstörerischen Fähigkeiten, von denen er gerade eine Kostprobe bekam, vermochte Alages aber auch etwas Wunderbares und dies war schon immer das eigentliche Anliegen des Priesters gewesen:

Wesen, die über den Vorzug verfügten, Flügel zu besitzen, lieh er seine Kraft, um sie hoch hinaufzuheben, bis über die Wolken, in weit entfernte Länder und manchmal, wenn sie die Magie des Augenblicks zu nutzen wussten, auch in andere Zeiten. Es machte dabei wenig Unterschied, ob es sich um einen Vogel handelte, dem die gnädige Natur Schwingen und Federn verliehen hatte, einen Drachen des dritten, mythischen Zeitalters oder um einen versponnenen, alten Kerl wie Meridor. Der hatte sich aus Neugier und Abenteuerlust an den Bau einer Maschine gewagt, die ihm helfen sollte, die Kräfte des Alages zu nutzen. Weit fort und durch die Zeiten hatte er sich tragen lassen wollen.