Bas Duch - Thomas Häring - E-Book

Bas Duch E-Book

Thomas Häring

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Beschreibung

Vier Romanfiguren versuchen aus ihrer Geschichte zu entfliehen und machen sich auf den Weg in die reale Welt. Dort treffen sie auf viele merkwürdige Gestalten, die nicht immer versprechen was sie halten. Aber auch in der Ewigkeit ist nicht alles Glanz was goldet. Als krönenden Absch(l)uß gibt es einen exzessiven Edilog.

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Seitenzahl: 451

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Thomas Häring

Bas Duch

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Erster Teil

Zweiter Teil

Dritter Teil

Vierter Teil

Impressum neobooks

Erster Teil

Darf ich vorstellen?

„Hallo, ich bin Marc, aber meine Freunde nennen mich Euro. Zum Glück habe ich keine, sonst würden sie mich wahrscheinlich längst Teuro rufen. Früher sind mir immer die Frauen hinterhergelaufen, bis ich damit aufhörte, ihnen die Handtasche zu stehlen. Aber eigentlich bin ich gar kein so übler Kerl, finde ich, auch wenn ich kein Held der Arbeit bin. Lieber ein Anruf als ein Beruf, so lautet mein Motto. Nein, nicht was Du schon wieder denkst, ich bin garantiert kein Callboy. Ich bin ein Gelegenheitsjobber und ein Gelegenheitspopper. Das Leben ist ein Kinderspiel, wenn man es nicht ernst nimmt. In der Schule war ich immer die Kasse klaun. Manche Leute halten mich für einen Gauner, ich dagegen bezeichne mich selbst als Grenzenaustester. Wäre doch wirklich zu langweilig, wenn sich alle hier an die Regeln und Gesetze halten würden. Also gut, Du kannst es meinetwegen ruhig wissen, ich war auch schon im Knast. Warum auch nicht? Die brauchen dort Häftlinge, damit sie das Personal nicht entlassen müssen. Ohne Leute wie mich wären die ganz arme Schweine. Egal. Natürlich hatte ich eine ganz schwere Kindheit, denn ich wurde von meinen Eltern verwöhnt. Das ist das Schlimmste überhaupt. Als verwöhntes Kind bist Du später total aufgeschmissen, weil Du nicht fähig bist, Dich selbst zu versorgen. Na ja, nach der Schule habe ich mal dies und mal jenes gemacht, aber es nirgends allzu lange ausgehalten. Es hat mich immer weiter gezogen und jetzt sitze ich hier in dieser Kneipe in Magdeburg und warte auf die Veröffentlichung der neuesten Arbeitslosenzahlen. Ich habe nämlich darauf gewettet, daß wir immer noch über fünf Millionen registrierte Arbeitslose im Land haben. Und die werden bald von mir geholfen, denn ich bin schlau. Ich werde mich selbständig machen und dann so vielen Arbeitslosen wie möglich einen Job verschaffen. Das ist genial. Früher wollte ich ja immer Berufsberater werden, der geilste Job überhaupt: Deine „Arbeit“ besteht darin, anderen Leuten einen Beruf einzureden, den die meistens gar nicht ausüben wollen. So, jetzt muß ich aber los, meine momentane Freundin wartet bereits auf mich. Die beginnt mich auch schon schön langsam zu langweilen, wird Zeit, daß ich die demnächst austausche. Du kannst über mich denken was Du willst, aber ein Macho bin ich nicht. Ich liebe lediglich die Abwechslung. Ich sage Dir eins: Mit meiner Lebenserfahrung könnte ich diesen ganzen verfickten Planeten zuscheißen. Diese Welt ist ein Irrenhaus und entweder wirst Du auch irr und spielst die kranken Spiele der Psychos mit, oder sie verfrachten Dich in ihre Psychoknäste, um Dich umzupolen. Aber ich bin auf der Hut, wo auch immer die sein mag. Nicht mit mir, ich habe das alles längst durchschaut. So, genug geplaudert, jetzt geht es los. Ich hole nun die ersten Arbeitslosen von der Straße und wenn ich als Arbeitslose vermittelnde Ich-AG Erfolg habe, dann wird mir dieses Land zu Füßen liegen und mich verehren und anbeten. Also dann, auf in den Krampf! Autobahnen gibt es schon genug, aber Wälder stehen ja noch in Unmengen zum Abholzen da.“

Eine wie keine

„Einen wunderschönen guten Tag, ich bin Charlotte, Diplompsychologin, wohlgemerkt. Ich interessiere mich für Menschen und bin sogar selbst einer. Unglaublich aber wahr, denn ich habe ein Herz. Und was für eins! Ich liebe Euch alle und meine es nur gut mit Euch. Ich kann wunderbar zuhören und genauso genial nachfragen. Ich habe schon unendlich vielen Menschen geholfen, aber mir hilft keiner. Ich bin nämlich wahnsinnig und niemand merkt’s. Nicht mal ich selbst, obwohl ich normalerweise die Psychos auf hundert Meter Entfernung riechen kann. Weißt Du, das ist alles so frustrierend. Den ganzen Tag höre ich mir das kranke Geschwafel von irgendwelchen geistig Gestörten an und dann komme ich abends nach Hause und der Einzige, der dort auf mich wartet, ist mein Vibrator. Männer hatte ich früher auch mal, aber die haben es nicht lange bei mir ausgehalten, weil ich sie therapieren wollte. Ich weiß auch nicht was da los ist, aber wenn Du den ganzen Tag lang nur mit Verrückten zu tun hast, dann wirst Du irgendwann selbst verrückt. Na ja, immer noch besser als gar kein Hobby. Aber im Grunde bin ich wirklich ein netter Mensch, denn ich repariere schließlich Dachschäden aller Art und die Psychologie ist wahrlich eine interessante Wissenschaft. Zugegeben, wir Psychologen sind auch nicht ganz zurechnungsfähig, weil wir so engstirnig sind, daß wir oft zwischen normalem Verhalten und psychischen Auffälligkeiten nicht unterscheiden können. Ich habe ja auch schon häufig Gutachten für Gerichte geschrieben und das kann ich eigentlich recht gut. Gut, hin und wieder kommt es vor, daß ich mich irre und so ein irrer Kinderficker wieder seine kranken Bedürfnisse befriedigt, was die Buld-Zeitung, dieses Blatt der Massenpsychose, auf den Plan ruft, um Stimmung zu machen und Ängste zu schüren, aber was soll’s? Ich bin auch nur ein Mensch, leider. Zu meinen Eltern habe ich keinen Kontakt mehr, seitdem ich ihnen aufgezeigt hatte, was in ihrer Ehe alles schief läuft, woraufhin sie mich rausgeschmissen haben. Es ist für Psychologen nicht leicht, Freunde zu finden, denn sobald man sich outet, verschwinden die meisten Personen auffällig unauffällig. Deswegen sind fast alle meiner Bekannten Psychologen, Psychiater und Psychotherapeuten, manchmal Gynäkologen, weil die ja auch in die Leute reinschauen. Als Berufsgruppe haben wir ungefähr das selbe Ansehen wie die Prostituierten. Alle wissen, daß es uns gibt und daß man uns braucht, aber man redet nicht gerne von uns. Andererseits können die Menschen froh darüber sein, daß wir nur ein bißchen, aber nicht richtig krank sind, denn sonst hätten wir schon längst die Weltherrschaft an uns gerissen. Die Mittel dazu hätten wir ja: Manipulation, rhetorisches Geschick, Propaganda, das beherrschen wir alles. Ach, was rede ich da nur für einen Quatsch! Alles was ich will und brauche, ist ein Mann. Und zwar einen, den ich nicht so leicht durchschaue und der mich nicht langweilt. Nein, keinen Supermann, sondern einen krassen Typen, der was draufhat. Ich bin am Ende. „Sex and the City“ und mein Vibrator Ficktor sind kein Ersatz für eine Beziehung. Nach der Erziehung folgt die Entziehungskur und darauf dann die Beziehung. Ich kann nicht mehr. Sogar meine irren Patienten haben ein Sexualleben. Intelligenz ist eben doch ein Makel. Dumm strickt gut.“

Der Herbert sei mit Dir

„Grüß Gott bei Samen, in Gottes Namen. Ich bin der Herr Bert, ein katholischer Pfarrer, kein alkoholischer, auch wenn ich jeden Tag eine Flasche Wein trinke, aber das müssen wir, denn im Wein liegt die Wahrheit. Ich bin gekommen, um Dir die Frohe Botschaft zu verkünden: Nicht alle Männer in unseren Priesterseminaren sind pädophil, manche stehen nämlich auf Männer, andere auf Penner und wieder andere auf Tiere. Natürlich gibt es auch normale Priester wie mich, die auf Frauen stehen und sich einen Zölibart wachsen lassen mußten, damit er nicht immer steht, wenn eine Frau auftaucht. Ich führe ein bescheidenes Leben und freue mich über jeden Tag, denn der ist ein Geschenk Gottes. Geliebt werde ich für meine kurzen Predigten, denn die meisten Kirchenbesucher kommen nur aus Pflichtbewußtsein oder Tradition in die Kirche, sie wollen, daß der Gottesdienst so schnell wie möglich ein Ende findet. Ich übrigens auch. Dieses Beten ist so sinnlos, pure Zeitverschwendung, aber ich werde halt mal dafür bezahlt. Meine Verwandten und Bekannten haben nie begriffen, warum ich Pfarrer geworden bin, meine Mutter glaubt bis heute, ich wäre Fahrer. Natürlich wäre es den Leuten um mich herum lieber gewesen, wenn ich einen anständigen Beruf gelernt hätte, aber ich wollte halt unbedingt einen sicheren Job. Beklagen kann ich mich wirklich nicht. Die meisten Leute grüßen mich, ich erhalte wahnsinnig viele Einladungen zu irgendwelchen Essen, Festen oder Festessen, mit den örtlichen Satanisten habe ich mich arrangiert und für die geilen, jungen Frauen bin ich die süßeste Versuchung seit es katholische Priester gibt. Na gut, wir sind ja hier unter uns, Du und ich, da kann ich Dir ja meine Wahrheit verkünden: Ich glaube nicht an Gott. Gott ist meiner Meinung nach die phänomenalste Lüge und die gigantischste Erfindung in der Geschichte der Menschheit. Alle Religionen stecken miteinander unter einer Decke und haben sich gegen den gesunden Menschenverstand und die Wissenschaften verschworen. Alles Lüge! Es gibt keinen Gott, das steht für mich fest. Trotzdem fand ich das Theologiestudium sehr interessant, denn dabei habe ich die Fälscher und Wortverdreher live in Aktion erleben können. Na ja und da ich nicht an Gott glaube, gilt für mich dieser ganze Verbote-Schnickschnack natürlich auch nicht. Wäre ja noch schöner. Das heißt, daß ich immer wieder mal mit einer Frau schlafe, heimlich ins Kasino gehe, gerne mal die Nacht zum Tag mache und schnelle, teure Autos liebe. Und das Geilste ist, daß etliche Leute in meiner Pfarrgemeinde durchaus Verständnis dafür haben. Die Basis ist relativ liberal und kann mit den weltfremden Anweisungen aus dem Kativan genausowenig anfangen wie ich. Also, eigentlich geht es mir ganz gut, doch irgendwas fehlt mir. Nein, nicht das Gewissen, das brauchst Du als Pfarrer nicht, weil Dich eh fast alle für heilig halten. Es passiert nicht viel in meinem Leben, alles wiederholt sich, ich langweile mich. Das ist leider der Preis der Sicherheit. Hoffentlich bleibt das nicht noch lange so, sonst laufe ich Amok, ertränke ein paar Täuflinge, erschieße die paar Brautpaare, die sich noch trauen lassen trauen, damit der Tod sie scheidet und kreuzige den scheinheiligen Bürgermeister. Es ist ein Kreuz.“

Weil ich ein (leichtes) Mädchen bin

„Hallo Süßer oder Süße, ich bin die Thea. Ich bin allzeit bereit und habe den geilsten Job überhaupt. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und bin eine gut situierte Prostituierte geworden. Am Stammtisch rufen meine Freier, wenn sie die Gläser heben, oft „Prost! Ituierte!“ und dann weiß ich, daß sie an mich denken. Zwar bin ich noch jung, aber auf dem Sexgebiet bin ich ein absoluter Profi. Und Profis machen jede Menge Profit, das ist doch klar. Natürlich biete ich höchste Qualität zu Popp-Preisen, aber leider kommt halt Qualität von Qual. Manchmal ist es wirklich nicht leicht mit diesen bierbäuchigen, übelriechenden, protzenden Froschgesichtern, die sich die Freierheit nehmen, um mit mir dasselbe zu tun, besonders wenn sie gegen das sexte Gebot verstoßen, das da lautet: Du sollst nicht schlappmachen. Doch wo ein Willi ist, da ist auch ein grader Weg, auf lateinisch: Viagra. Mir sind zwei Gehälter lieber als ein Zuhälter, denn ich bin ständig ich selbst, äh, selbständig. Bei manchen meiner Kunden steht er nicht von selbst, aber ich habe ja eine Ausbildung zur Glasbläserin erfolgreich abgeschlossen, von daher hab’ ich alles unter Kontrolle, sogar die Klorolle. Scheiße! Schon wieder so ein mißglücktes Wortspiel. Wenn Du wüßtest, wer alles zu meinem Kundenstamm gehört, Du würdest jeglichen Respekt vor allen Doktoren, Professoren, Langohren, Politikern, Direktoren und Diktatoren verlieren, das garantiere ich Dir. Na, wie wär’s denn mit uns Beiden? Lust auf Lust? Na gut, dann halt nicht, wenn Du Hartz IV-geschädigt bist. Egal, ich habe eh genug Kohle, nur vom Sex kann ich nie genug kriegen. Tja, liebe Deine Triebe, sag’ ich dazu nur. In Bayern ficken die Huren anders. Dort hat man das älteste Gewerbe der Welt immer noch nicht wirklich legalisiert und kriminalisiert uns Nutten, nur damit die CSU-Politiker und -Wähler nach dem Fick mit uns kein schlechtes Gewissen haben brauchen und weiterhin auf ihrer Welle der Doppelmoral surfen können. Meine Eltern sind übrigens schrecklich stolz auf mich, sie lieben und loben mich und stellen mich als Vorbild dar, weil ich es trotz Hauptschulabschluß geschafft habe, erfolgreich und bekannt zu werden. Wie das mit dem Koksen ist? Kommt drauf an, wenn Viagra nicht reicht, dann braucht Mann halt noch ein Mittel zur Wiederauferstehung. Jetzt aber mal ehrlich: Auch Ficken wird auf Dauer mal langweilig, besonders da zu mir ja meist nur die Verklemmten, Häßlichen und Bonzen kommen. Ich würde gerne ein neues Leben beginnen, ich suche eine neue Herausforderung. Vielleicht sollte ich ja Nonne werden, war nur ein Witz, keine Sorge. Jedenfalls habe ich genug Kohle, um mir mal die Welt anzuschauen. Ein freier Tag ist für viele etwas Schönes, für mich dagegen bedeutet ein Freier-Tag sexuelle Höchstleistung. Aber oft sind das Perlen vor die geilen Säue, die meisten Typen wollen nur ihre Triebe befriedigen und hauen gleich wieder ab. Manche wollen auch reden, aber worüber soll ich mit solchen Crash Test Dummies, die sich nicht mal eine Frau ansprechen trauen, die keine Hure ist, quatschen? Na ja, meinetwegen räume ich nun das Feld und suche mir eine neue Aufgabe. Genug gefickt für dieses Jahr. Womöglich werde ich ja bald Feministin, denn das, was ich inzwischen über Männer weiß, das reicht aus, um niemals eine Familie gründen zu wollen. Ach, leck mich! Aber das kostet extra.“

Tod eines Auto(r)s

„Es tut mir leid, wie konnte das nur passieren? Worauf hab’ ich mich denn dabei eingelassen? Ich hatte geglaubt, das wäre ein guter Start für mein Buch, wenn sich die Hauptfiguren zu Beginn selbst vorstellen können. Jedoch haben die das schamlos ausgenutzt und ihre Freiheit übelst mißbraucht. Hierfür möchte ich mich entschuldigen. So, jetzt aber zu mir: Ja, stell’ Dir vor, ich schreibe mal wieder ein Buch. Die Welt schreit auf. Warum tut er das? Ist es Langeweile, Dummheit oder Blasphemie? Ein bißchen was von allem, würde ich meinen. Einige Jahre sind ins Jammerland gezogen, immer mehr Rentner, immer mehr Arbeitslose, immer mehr Fette mit einem Gewicht von ein paar Zentner(n), Pfand auf fast jede Dose. Nun ja und da das Überflüssige und die Überflüssigen immer mehr zunehmen, habe ich mir gedacht, daß es Zeit wird für das absolut überflüssigste Buch. Ich habe ein komisches Gefühl bei dieser ganzen Geschichte, denn ich befürchte, daß auch ich gelenkt werde und nicht frei entscheiden kann. Ich fühle mich beobachtet und glaube, daß meine Gedanken manipuliert werden. Paranoia? Aber immer doch, gerne. Wir wünschen Dir ein para neu Jahr. Also gut, ich habe lange Urlaub gemacht, gefaulenzt, herumgelungert, Leute genervt und so. Jetzt falle ich vom einen Extrem ins andere und will in 13 Tagen dieses Buch schreiben. Und das Schlimmste daran ist: Ja, ich werde es auch schaffen. Natürlich bin ich krank im Kopf, denn normal ist das nicht. Aber wozu sollte man auch alle Tassen im Schrank haben, wenn eh kein Besuch kommt? Fragen über Fragen, üble Fragen, doch bei wem soll ich mich beklagen? Ich bin ein fauler Hund, oh, schon wieder ein unschuldiges Tier beleidigt. Na und? „Bas Duch“ mußte endlich geschrieben werden und da niemand sonst dazu bereit zu sein scheint, bleibt der stinkende Mist mal wieder an mir hängen. Wen kümmert’s? Habe ja sonst nichts zu tun. Probieren geht über Studieren, geht aber auch ganz schön an die Nieren. Ich hoffe, daß Du klaren Kopfes aus „dem Duch“ herausfindest und danach nicht irgendwelche Scheiße baust. Es ist alles nur Unterhaltung, unterste Schublade, wie gehabt. Bei dieser Geschichte handelt es sich lediglich um meine Bewerbungsschrift für die Einweisung in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie, denn ich kann es bis heute nicht fassen, daß man so einen Spinner wie mich seit Jahrzehnten frei herumlaufen läßt. Alles wird gut. Eine Rüge für diese Lüge an Tina Rouge. Es ist nicht leicht für mich als Autor, mich hier zu äußern und zu erinnern. Zweifellos habe ich schon jede Menge Schrott fabriziert und es war ohne Frage schade um die Bäume, die für jene Blätter ihre Blätter und ihr Leben lassen mußten, doch mein Geschreibsel ist wenigstens handgemacht und hin und wieder sogar kopfgedacht, auch wenn das schwer vorstellbar erscheint. Genug gejammert. Ich wünsche Dir ein himmlisches Vergnügen mit diesem Buch, eine höllische Reise in das Universum, göttliche Momente und teuflische Intrigen. Du kennst mein Ziel: Ich will Dir Deine Zeit stehlen. Ein paar Stunden lang sollst Du Einblick in meine kranke Geisteswelt erhalten. Noch hast Du die Chance, „Bas Duch“ beiseite zu legen und dem Horror zu entfliehen. Aber gleich ist es damit vorbei. Denn mein Auto ist schon lange tot.“

Also wirklich, so eine einfallslose Überschrift

„Gestatten, Gitta lautet mein Name, ich bin Literaturkritikerin, wobei ich bezweifle, daß man diesen Wortmüll, dieses Tschernobyl der Sprache hier, als Literatur bezeichnen kann. Ich bin empört darüber, daß Leute, wie dieser minderbemittelte Möchtegernschriftsteller, überhaupt Papier verkauft bekommen, auf welches sie dann ihre buchstäblichen Ergüsse ausfließen lassen können. Wir müssen unsere Kinder, zum Glück hab’ ich keine, vor diesen Wortvergewaltigern schützen. Allein schon der Beginn dieses „Duches“ mit dem hirnrissigen Titel „Bas Duch“: Blöder geht es einfach nicht; auch wenn sich die größten Idioten unter den Dummen noch so anstrengen würden, könnten sie das nicht mehr toppen. Wie kann man nur auf die geisteskranke Idee kommen, daß sich die Hauptfiguren zu Beginn des Buches dem Leser oder der Leserin selbst vorstellen sollen? Wie viel Scheiße muß sich da im Kopf dieses Autors befinden? Nur weil dieser Satzprolet unfähig ist, ein Vorwort oder einen Prolog zu schreiben, müssen sich die bemitleidenswerten Männer und Frauen selbst ins gleißende, beißende Rampenlicht stellen und sich dem gierigen Publikum präsentieren. Abartig, hohl, doof. Nun aber ein bißchen was Persönliches von mir: Ich bin gerne Kritikerin und ich liebe meinen Beruf. Schreiben kann jeder Idiot, wie Sie ja an diesem Kretin hier sehen können, aber stilvoll und intelligent kritisieren können nur die Wenigsten. Eine der Großartigsten aus dieser winzigen Minderheit bin ich, denn ich kritisiere mit Leidenschaft. Bereits als Kleinkind habe ich nur herumgenörgelt und war mit nichts und niemandem zufrieden, am wenigsten mit mir selber. Später in der Schule habe ich scharfzüngig den Unterricht aller Lehrer kritisiert und auch die meist miserable Kleidung meiner Schulkameraden habe ich nicht unkommentiert gelassen. Aus der Kirche bin ich öfter rausgeflogen, weil ich die Predigten des Pfarrers kritisiert habe oder mich über schlafende Kirchenbesucher lustig gemacht hatte. Selbstverständlich kritisiere ich auch meine Kritikerkollegen, nur ich selbst bin über jeden Zweifel erhaben. Und wenn ich sogar das beste Buch aller Zeiten vor mir haben würde, so wäre ich die Erste, die daran oder darin mindestens einen Kritikpunkt finden würde und sei es, daß ich das verschwommene Cover bekritteln würde, nachdem ich versehentlich meinen Kaffee über dem Buch ausgeschüttet hätte. Sie merken schon, ich bin ein äußerst liebenswürdiger Mensch und die Männer können gar nicht genug von meinen Kritiken kriegen, diese Masochisten. Ich schreibe am Ende jeder Beziehung meinem dann ehemaligen Lebensabschnittsgefährten eine flammende Kritik, mit der er sich daraufhin bei anderen Frauen bewirbt und meist auch genommen wird, denn die Frauen wissen normalerweise, daß ein Mann, den ich mal erwählt hatte, Einiges an Kritik aushält. So, jetzt bin ich aber doch tatsächlich abgeschwiffen, ein tolles Wort, nicht wahr, das habe ich selbst erfunden und nun wird es Zeit, Sie eindringlich davor zu warnen, dieses „Duch“ zu lesen. Bereits der Start ist gründlichst mißlungen und wer diesen Pseudoautor kennt, weiß, daß es nur noch schlimmer werden kann, denn sein Motto lautet ja bekanntlich: Dümmer und schlimmer geht’s immer. Bitte, holen Sie mich hier raus! Ihre Gitta.“

Die bei Satanlagen kotzen

„Der Ruf, der Ruf, der Ruf ist aus Feuer. Meiner zumindest. Ja, hey erst mal, ich bin der Fürst der Finsternis, heiße Luzifer, Satan, Teufel, Mephistopheles, Diabolus, Beelzebub, Leibhaftiger und so weiter und so fort, ich bin der zarteste Versucher seit es ewiges Leben gibt und mir ist heiß. Ich führe ein erfolgreiches Unternehmen in der Ewigkeit, es nennt sich Hölle, ich habe mich seinerzeit von der Mutterfirma abgespalten und meine eigene Firma gegründet. Wir haben hier bei uns hunderte Millionen von Kunden, die sich mehr oder weniger freiwillig dafür entschieden haben, ihre Ewigkeit in unseren unheiligen Hallen zu verbringen. Um Ihnen kurz unsere Leistungen und unseren Service vorzustellen: Wir braten und rösten, grillen und verheizen, kochen und dünsten, peitschen und federn, rädern und teeren, vierteilen und kreuzigen, verbrennen und ertränken, quälen und foltern, kurz gesagt: Wir machen alles, was den Leuten und uns Spaß macht. Wir sind das Vergnügungscenter der Ewigkeit, hier bei uns dürfen die Leute die Sau rauslassen, die dann umgehend von unseren Experten, den Hells Angels, also den Höllenengeln, zum Dämon ausgebildet wird. Wir sind für das Böse in der Ewigkeit und auf der Erde zuständig, wir unterstützen Diktatoren, Terroristen, Kapitalisten, Räuber, Mörder, Ehebrecher, Vergewaltiger, Rinderschänder und viele andere Bösmenschen. Wir expandieren laufend und können uns vor Neumitgliedern nicht mehr retten. Es ist schier unglaublich, wie böse die Menschheit in den letzten Jahrzehnten geworden ist. Eigentlich müßte ich mich darüber freuen, doch das Gegenteil ist der Fall. Mich widert das an. Jeder Hosenscheißer nennt sich heutzutage böse, alles verschwimmt im Ungefähren und vor lauter Mitläufern im Strom, gegen den niemand schwimmt, erkennt man die wirklich Bösen fast nicht mehr. Ich habe die Schnauze voll. In einer Welt, in der böse sein cool ist, will ich nicht mehr der Führer dieser Bösen sein. Das sind mir viel zu viele Schleimbeutel, Schreihälse und Doofköpfe, das ist nicht mein böses Volk. Mich haben immer schon die Durchtriebenen, die Hinterlistigen, die Trickser und Täuscher interessiert, nicht die Schläger und Brandstifter. Teufel sein ist echt ein geiler Job, Millionen Menschen beneiden mich darum und doch ist es so, daß ich immer öfter sehnsuchtsvoll an die Zeit zurückdenke, als ich noch ein kleiner Engel war, in der Himmlischen Chöre Schar. Klar, damals war ich noch ein absoluter Niemand, aber vielleicht war es gerade deswegen so schön. Na ja, wir werden sehen. Natürlich war und ist die Hölle eine großartige Einrichtung, doch in einer Zeit, in der die Menschen sich selbst die Hölle bereits auf Erden schaffen, verliert meine Firma hier in der Ewigkeit ihren Reiz und ihre Einmaligkeit. Andererseits bin ich hier der Boß, der absolute Alleinherrscher, das hat schon auch was. Na gut, genug herumüberlegt, jetzt heißt es erst mal: Augen zu und durch. Ich habe nämlich eine Wette verloren, die eigentlich unverlierbar gewesen war. Na ja und mein Wetteinsatz war mehr als gewagt, ich war mir leider einfach viel zu sicher gewesen. Bleibt nur zu hoffen, daß niemand etwas von der Sache mitbekommt, denn sonst ist mein Ruf echt voll im Arsch.“

And I proudly present

„Hallöchen, ich bin Gott. Bist Du etwa überrascht, daß ich eine Frau bin? Na sowas. Dabei hättest Du doch nur im Evangelium richtig lesen müssen. Da heißt es nämlich gleich zu Beginn: „Am Anfang war das Wort.“ Klar, daß Gott eine Frau sein muß, wenn am Anfang das Wort war, oder etwa nicht? Auf alle Fälle freue ich mich darüber, Dich auf diese Art und Weise zu erreichen, denn ich habe das Gefühl, daß Ihr Euch nicht mehr sonderlich für mich interessiert. Etwas Schlimmeres gibt es für eine Frau nicht. Bin ich etwa nicht mehr attraktiv genug? Zugegeben, ich bin nicht mehr die Jüngste, aber dafür war ich schon tausend Mal beim Liften. Nur wenn es darum geht, Schuldige zu finden, dann greift Ihr allzu gerne auf mich zurück. Tsunami, 11.September, Auschwitz, Hiroshima, Tschernobyl und so weiter: Warum läßt Gott das zu? So ein Scheißdreck, damit hab’ ich überhaupt nichts zu tun. Ich glaube, Ihr liebt mich nicht mehr, wenn Ihr mich je geliebt habt, was ich auch nicht sicher weiß. Ihr verspottet mich und tut so, als ob Ihr mich nicht brauchen würdet. Das ist in Ordnung, aber ein bißchen Bewunderung und Anbetung braucht doch jeder Gott, insbesondere ich. Ach ja, der Himmel war auch schon mal blauer, die Engel waren braver und die Toten waren lebendiger. Die guten alten Zeiten. Ich werde langsam depressiv und wenn es so weitergeht, bekomme ich bald meine Tage. In der Ewigkeit nichts Neues. Furchtbar langweilig hier oben, während in der Hölle ganz bestimmt der Punk abgeht. Ja, die da unten wissen wie man feiert. Bitte keine Mißverständnisse, es reicht schon, daß ich letztens nach einem milden Gerichtsurteil im Jüngsten Gericht zur Miss Verständnis gewählt worden bin. Ich freue mich über jede Frau und selbstverständlich noch viel mehr über jeden Mann, der freiwillig zu mir und meinen heterosexuellen Engeln in den Himmel kommt. Hier ist es natürlich viel schöner als in der Hölle, glaube ich zumindest, ich habe dort ja leider Hausverbot. Na ja, wenigstens habe ich die letzte Wette gewonnen und das heißt, daß bald mein geliebter Satan hier sein wird, um seine Wettschuld zu begleichen. Da werde ich mir noch schnell etwas Aufreizendes anziehen und mich frischmachen. So einen Besuch hat Frau auch als Gott schließlich nicht alle Tage. Gut, ansonsten möchte ich über die himmlischen Geheimnisse nicht zu viel ausplaudern, Du bekommst eh noch mehr als genug mit, schließlich geht die Geschichte ja erst los. Ich verlange nicht von Dir, daß Du in die Kirche gehst, das würde ich selbst ja auch nicht tun. So was Blödes, keine Priesterinnen erlauben, aber einen Gott anbeten, die eine Frau ist. Katholiken halt. Nein, ich wünsche mir nur, daß Du hin und wieder mal an mich denkst, denn ich werde von Euch mehr und mehr vergessen und das hat nichts mit der steigenden Zahl von Alzheimerpatienten zu tun.“

So, liebe Leserin, lieber Laser, äh, Leser, das war also das Intro. Du kennst nun die Hauptfiguren dieser unglaublichen Geschichte und nachdem sich jene Dir vorgestellt haben, übernehme ich die Regie und entführe Dich in eine Welt, die aus drei Welten zu bestehen scheint und doch nur eine Welt ist.

Wetten und Normen

„Das war himmlisch“, seufzte Gott tief befriedigt und ließ sich auf eine Wolke fallen. „Das war die Hölle“, ächzte der Teufel total fertig. „Ach, Luzi, warum mußt Du denn alles schlecht machen? Dir hat es doch auch gefallen.“ „Du lügst und Du weißt, daß das mein Job ist. Ich bin ruiniert.“ „Hör auf mit dem Gejammer! Schließlich hattest Du unsere Wette verloren.“ „Wie konnte ich denn ahnen, daß Du den Spatzinger zum Papst wählen läßt, nur um mit mir Sex zu haben? Ich hatte gedacht, Dir läge noch was an der katholischen Kirche.“ „Papperlapapp! Was kümmert es mich, wer in meinem Namen irgendwelchen Unsinn verzapft? Hauptsache guter Sex.“ „Hör bitte auf damit! Diese Schmach, diese Schande! Ich als schwuler Teufel bin damit ein für allemal bei meinen homosexuellen Engelsbrüdern diskreditiert. Wie kann ich mich je wieder bei denen blicken oder von ihnen ficken lassen?“ „Pah! Was ein warmer Engel nicht weiß, das macht ihn nicht heiß.“ „Trotzdem. Irgendwie kotzt mich das an. Am Ende halten mich alle noch für einen Bisexuellen. Das wäre Gift für mein Image.“ „Immer langsam reiten, mein höllischer Tiger. Du wirst schon noch Deinen Spaß mit Deinen Engeln haben.“ „Ach, so wichtig ist das mittlerweile auch nicht mehr. Ich habe andere Probleme.“ „Möchtest Du darüber reden?“ „Wie wäre es denn mit einer neuen Wette?“ „Schon wieder? Du überraschst mich. Wie lautet Dein Einsatz?“ „Wenn ich verliere, dann hole ich die Leute, die Du schon lange aus dem Himmel rausschmeißen willst und die ich nie bei mir haben wollte, endlich in die Hölle.“ „Hört sich gut an. Ich kann Schmaus, Nonroe und Papst Innozenz einfach nicht mehr ertragen. Und was ist, wenn Du gewinnst?“ „Dann dürfen meine Jungs und ich wieder zurück in den Himmel, nachdem wir vorher die Hölle zufrieren haben lassen und bekommen ein Drittel der göttlichen Allmacht.“ „Aber Luzi, wir haben das doch immer und immer wieder ausdiskutiert: Du und Deine schwulen Engel im Himmel, das funktioniert einfach nicht. Ihr bringt das ganze Engelsgefüge durcheinander. Außerdem mußten wir Euch damals niederwerfen, nachdem Ihr alle Engel umpolen und mich und die weiblichen Engel zu Lesben machen wolltet.“ „Ach das ist doch Koks von gestern. Die Engel von heute sind auf der Erde und heißen Angelika.“ „Lenk nicht ab! Das Einzige, was die Derkel mit den Engeln in der Ewigkeit gemeinsam hat, ist der Wille zur Macht.“ „Neuwahlen bedeuten Neuqualen. Also, was ist? Nimmst Du mein Wettangebot an?“ „Ich weiß nicht so recht. Ein Drittel meiner göttlichen Allmacht. Was hast Du damit vor?“ „Nichts Besonderes. Ich möchte in den Himmel zurück und ohne Macht kommen meine heißen Brüder nicht mit.“ „Ich verstehe. Und worum wollen wir wetten?“ „Ich wette, daß ich es schaffe, daß Marc, Charlotte, Bert und Thea es schaffen, aus dem Buch des Autors zu entkommen und ihn zu töten.“ „Das ist doch völlig unmöglich. Bei den Vieren handelt es sich um geistige Viren, um Phantasiegestalten. Die können nicht in die Wirklichkeit, in welcher der Autor, der sich diese Leute erdacht hat, lebt.“ „Na ja, wenn Du Dir da so sicher bist, dann kannst Du ja einschlagen.“ „Ja, Dir den Schädel. Du hast bestimmt wieder etwas Teuflisches vor, Luzi. Aber egal. Den Spaß ist es mir wert, dann wird halt der Himmel voller rosa Wolken sein, wenn ich verliere. Das Risiko gehe ich ein, denn die Wiedervereinigung, die wir eben praktiziert haben, ist auch das große Ziel für die Ewigkeit. Und wenn Du verlieren solltest, dann bin ich etliche Nervensägen los. Wieviel Zeit brauchst Du?“ „Gib mir 13 Tage.“ „Abgemacht. So lasset das Spiel beginnen.“ „Oh ja! Jetzt geht es richtig los.“

Logen die Psychologen?

„Das ist doch nicht zu fassen! Da willst Du den Leuten helfen, eine Arbeit zu finden und was machen die Bullen? Schicken einen zum Psychologen!“ erregte sich Marc. „Donnerwetter, Sie müssen ja ganz schön geistig gestört sein, wenn Sie sich von Tieren hierher schicken lassen“, wunderte sich Charlotte. „Doch nicht die Viecher, Du blöde Kuh! Ich meine natürlich die Polizisten.“ „Na, Sie scheinen es ja mit Tiervergleichen zu haben, Sie fettes Schwein. Ich verstehe. Na ja, wenn ich mir Ihr Vorstrafenregister so anschaue, dann weiß ich schon, warum Sie hier bei mir gelandet sind.“ „Ich habe keinerlei Interesse bei Ihnen zu landen. Ich will doch nur Arbeitsplätze schaffen.“ „Ja genau, das sagen sie alle. Der Trick ist uralt. Betrug, Handtaschendiebstahl, Geldfälschung, Heiratsschwindel. Alle Achtung, ich bin beeindruckt.“ „Das ist mir scheißegal. Ich will hier raus und zwar schnell.“ „Sie sind doch erst seit ein paar Minuten hier. Entspannen Sie sich! Wissen Sie, Menschen wie Sie interessieren mich. Trickser, Tarner und Täuscher, Lügner und Betrüger, solche Leute sind ein gefundenes Fressen für uns Psychologen.“ „Ich hau ab! Jetzt fängt die auch noch mit Kannibalismus an.“ „Hiergeblieben! Ohne ein positives Gutachten von mir dürfen Sie keinen Arbeitsvermittlungsladen aufmachen. Also, erzählen Sie doch mal: Wie war Ihre Kindheit?“ „Sie wollen mich doch nur durchschauen und analy, äh, Sie wissen schon und dann machen Sie bestimmt auch noch Tierversuche mit mir.“ „Quatsch! Das glauben Sie doch wohl selbst nicht. Na los, erzählen Sie schon!“ Und Marc erzählte ein wunderbar rührseliges Märchen, er erfand eine bemitleidenswerte Lebensgeschichte, stellte sich als armes, ausgebeutetes Opfer seiner Eltern dar, berichtete von unzähligen Benachteiligungen in der Schule und an seinen diversen Arbeitsplätzen und endete damit, daß ihn nun sogar der Staat mit allen Mitteln verfolgte. Nach seinem Bericht hatte Charlotte Tränen in den Augen, was Marc zufrieden grinsen ließ. Jedoch waren jene Tränen genauso falsch wie seine Lebensbeichte, so daß die erste Runde mit einem Unentschieden endete. „Sie Ärmster. Was Sie alles mitgemacht haben“, ließ Charlotte mitfühlend verlauten, dachte sich aber: „Immer dasselbe mit Euch verwöhnten Fratzen. Alles hat man Euch abgenommen und Ihr macht Euch vom Täter zum Opfer.“ „Also, werden Sie mir das Gutachten so schreiben, daß es paßt?“ erkundigte sich Marc nach einem Blick auf seine gestohlene Uhr. „Ja, aber nur, wenn wir Beide zusammenziehen“, machte sie deutlich. Marc erschrak. Da war eine Frau, die hinter die Kulissen blicken wollte, die sich für seine wahre Identität interessierte, die ihm seine Schauspielerei nicht abnahm. Einerseits imponierte ihm das, andererseits hatte er Angst davor. Immerhin war sie Psychologin, also ein Profi und er war ihr interessantester Fall. Na ja, sie sah ganz gut aus und schien auch Kohle zu haben, also dachte er nicht lange nach und stimmte zu. Warum nicht? Was hatte er schon zu verlieren außer sein Gesicht? Auch Charlotte war zwiegespalten. Sie wußte, daß mit Menschen wie Marc ein Zusammenleben eigentlich fast nicht möglich war, doch vielleicht war gerade sie diejenige, die ihm helfen konnte. Gemeinsam verließen sie am Abend ihre Praxis und gingen zu ihrer Wohnung, ohne zu ahnen, wohin das alles noch führen sollte.

Ein Pfarrer auf Abwegen

Nicht schlecht staunten die Bordsteinschwalben, als ein schwarz gekleideter Mann mit weißem Kragen an ihnen vorbei flanierte, nicht ohne jede von ihnen anzusprechen und mit ihr über das Wort Gottes zu sprechen, das ihn selbst ja bekanntlich praktisch gar nicht interessierte. „Hey, Du Missionar! Wie wäre es denn mit der dazu passenden Stellung?“ rief ihm Thea, die ein letztes Mal auf den Strich gegangen war, um Abschied zu nehmen, zu. „Aber schöne Frau, Sie wissen doch, daß mir so etwas nicht gestattet ist“, erwiderte Bert leicht erregt. „So so. Wie hoch würden Sie dann die Chance beziffern, daß ich Sie Ihrem Gott mit meinen Methoden viel näher bringe, als Sie es mit Beten jemals schaffen werden?“ „Folgen Sie mir bitte unauffällig!“ verlangte der Pfarrer, bevor er losmarschierte. Etliche Minuten später trafen sie sich in seiner Kirche wieder, wo er sie in den Beichtstuhl drängte und zwar dort hinein, wo eigentlich nur der Pfarrer sitzen sollte. Thea wehrte sich nicht, wunderte sich aber gewaltig, als er ihr nicht folgte, sondern statt dessen in der Sünderkabine Platz nahm. „Heilige Mutter Gottes, ich habe gesündigt“, begann er zu flüstern. „Na das ist ja mal ein interessantes Vorspiel“, dachte sich die „Hure von Barbielohn“ amüsiert, doch nachdem Bert eine halbe Stunde lang seine Sünden gebeichtet hatte, war sie gelangweilt eingeschlafen. Er weckte sie leicht verärgert und zischte: „Also, weißt Du, Mädchen, so habe ich mir das nicht vorgestellt: Ich schütte Dir hier mein Herz aus und Du träumst von Zuhältern und Mafia-Bossen.“ „Locker bleiben, Manna. Die ersten 20 Minuten habe ich ja mitgekriegt. Außerdem ist das echt ein bißchen komisch hier mit Dir. Ich dachte, Du willst ficken.“ „Also hör mal, ich bin ein katholischer Priester. Ich schlafe mit der Postbotin, der Putzfrau und der Frau des Bürgermeisters, aber doch nicht mit einer Professionellen.“ „Soll mir recht sein. Ich wollte das Kondom sowieso an den Nagel hängen.“ „Das trifft sich gut. Ich habe nämlich Ärger mit meinem Bischof, der will mich in ein Kloster strafversetzen lassen, weil ich nicht keusch bin. „Wenn Sie wenigstens kleine Jungen ficken würden“, hat er gesagt. „Aber richtige Frauen, pfui Teufel.“ Na ja und jetzt soll ich in ein Kloster, in dem es nur Männer gibt. Das ist so abartig.“ „Dann kündige halt einfach.“ „Du redest Dich leicht mit Deinen paar Gehirnzellen. Die katholische Kirche ist eine große Sekte. Da kann man als Pfarrer nicht so einfach raus. Was glaubst Du, was manche Kollegen schon alles versucht haben, um entlassen zu werden! Aber keine Chance. Die wurden höchstens strafversetzt oder befördert und gehirngewaschen. Es gibt kein Entkommen.“ „Sekte oder Selters, spielt doch gar keine Rolle. Willst Du damit sagen, daß es für eine Nutte leichter ist, den Strich zu verlassen, als für einen katholischen Priester, aus der Kirche rauszukommen?“ „Ganz bestimmt. Hilfst Du mir bei meiner Flucht?“ „Na ja, ich weiß nicht. Nicht daß Du mich bekehren willst und aus mir eine Wundergläubige machst. Du mußt wissen, ich habe ein schreckliches Männerbild.“ „Ich auch. Als heterosexueller Priester hat Mann es schwer im Seminar. Dort wird sowas als abartig, pervers und krank angesehen.“ „Und warum wechselst Du nicht einfach die Firma? Bei den Evangelischen darfst Du doch poppen.“ „Ja, schon, doch darum geht es gar nicht. Ich glaube nicht an Gott.“ Da erschrak sie fürchterlich.

Da steh’ ich nun, ich armer (Au)-Tor, und bin so doof wie zuvor

Es war eine jener Veranstaltungen, vor denen es ihm immer wieder aufs Neue grauste. Der Autor hatte wieder einmal eine Lesung gehalten, jene mit Anekdoten verziert und danach Autogramme gegeben. Das wurde von ihm erwartet, daran hatte er sich gewöhnt, das fand er in Ordnung. Was ihn jedoch übelst ankotzte, waren die Empfänge danach. Er haßte es im Mittelpunkt zu stehen und noch mehr verabscheute er es, von wildfremden Menschen begafft und betatscht zu werden, welche ihm versicherten, wie toll sie ihn und seine Bücher fänden, doch immer wenn er sich beiläufig nach den Titeln der Lieblingsbücher seiner Bewunderer erkundigte, umhüllte ihn peinlich betretenes Schweigen. Nein, auf solchen Veranstaltungen fühlte er sich völlig fehl am Platz, denn dort tummelten sich meist Leute, mit denen man aus guten Gründen privat überhaupt nichts zu tun haben wollte. Eine davon war natürlich Gitta, die es sich ein weiteres Mal nicht nehmen ließ, ihre giftigen Spitzen abzufeuern: „Ah, da ist ja der große Meister. Was für ein gelungener Abend! Haben Sie meine letzte Kritik gelesen?“ wollte sie wissen. „Warum sollte ich, wenn Sie sich nicht einmal die Mühe machen, die Bücher zu lesen, die Sie verreißen“, konterte er. Damit hatten die Beiden die Aufmerksamkeit aller Umstehenden auf sich gezogen und wurden erwartungsvoll angestarrt. Stille kehrte ein. „Wissen Sie, mein lieber Freund, bei Ihren Büchern reichen mir schon zehn Seiten, um einen Brechreiz zu bekommen“, höhnte Gitta. „Geben Sie bitte nicht mir die Schuld an Ihrer Legasthenie“, erwiderte er. Ein Raunen ging durch die Menge. Mit so etwas hatte man an jenem Abend auf keinen Fall gerechnet gehabt. „Sie müssen den Auftritt unseres hochverehrten Autors schon entschuldigen, liebe Gäste. Wir wissen ja alle, wie schwer ihn der Tod seines Hängebauchschweins getroffen hat und daß er ein klitzekleines Alkoholproblem hat, seit ihn seine Frau verlassen hat, weil sie sein Geschreibe und Geschrei nicht mehr ertragen konnte.“ Jene Worte von Gitta provozierten ihn auf das Heftigste. „Mag sein, daß die allmonatlichen Blutungen meiner geschätzten Dauernörglerin ins Hirn gestiegen sind oder daß sie immer wieder beim Lesen eines Buches ihre schriftstellerische Impotenz schmerzvoll spürt, da sie leider nichts Kreatives erschaffen, sondern nur zerstören kann. Nichtsdestotrotz freuen wir uns alle darüber, daß sie heute Abend die Peitsche beiseite gelegt und den Darkroom verlassen hat, um uns mit ihrer überwältigenden, düsteren Schönheit zu erfreuen.“ Danach trennten sich die Wege der Beiden und es wurde noch ein gemütlicher Abend, wenngleich allen Gästen klar war, daß die ganze Sache noch ein Nachspiel haben würde. Die Würde des Menschen ist unantastbar? Nicht in diesem Genre. Alle wußten, daß der Autor gerade an einem neuen Werk arbeitete, welches Gitta bereits im Vorfeld heftigst kritisiert hatte. Man durfte also gespannt sein.

Ziemlich erschöpft legte sich der Autor in seinem Hotelzimmer auf das Bett und dachte nach. Er hatte seine Kontrahentin bis aufs Blut gereizt. Sie würde ihn garantiert niedermachen, wie schon so oft zuvor. Vielleicht sollte er dieses Mal anders vorgehen und sie in seinen neuen Roman mit einflechten. Krieg heil.

Und sie machten ihm die Hölle heiß ...

Nein, es war keine leichte Rückkehr in die Hölle für den Teufel, denn seine eifersüchtigen Freunde stellten ihn sogleich zur Rede. „Was hast Du so lange bei Gott gemacht, Zifi?“ löcherten sie ihn. „Nichts. Laßt mich in Ruhe!“ befahl Satan, doch damit machte er sie erst recht stutzig. Irgendwann hatten sie ihn soweit, daß er auspackte, nein, nicht was Du schon wieder denkst, Du Ferkel. Der große Mephistopheles verkündete: „Liebe Freunde, verehrte Gäste! Unsere Rückkehr in den Himmel steht bevor. Ich habe mit Gott eine Wette abgeschlossen ...“ Daraufhin erhob sich vielstimmiges Gemurmel. „Er nun wieder“, „Dieser verdammte Zocker“, „Der Spinner wird uns noch in den Untergang führen“, „Frauenflüsterer, vermaledeiter“ und Ähnliches war zu hören, bevor Luzi fort und damit zur Hölle fahren konnte: „Ich werde diese Wette gewinnen.“ Wieder wurde es laut: „Ja genau! Wie oft haben wir den Satz schon gehört?“, „Adolf an die Macht. Dieser Teufel ist eine Zumutung“, „Scheiß Schwuchtel“ und Anderes war vernehmbar. „Jetzt haltet doch mal die Klappe! In weniger als zwei Wochen wird die Hölle zufrieren und wir werden alle in den Himmel kommen“, versprach Zifi, bevor er sich in seine Frittenbude zurückzog. Sofort war er von seinen Lieblingsengeln und Lieblingsbengeln umringt. „Was hast Du gemacht, Feri?“ fragte einer der schwulen Engel. „Das bleibt mein Geheimnis“, entgegnete der Angewärmte. „Ich verstehe das nicht. Gott ist schließlich genauso schwulenfeindlich wie der Kativan. Warum diese Kehrtwende? Wir sind doch damals wegen unserer Andersartigkeit rausgeflogen“, erinnerte sich ein anderes Englein. „Das spielt doch alles keine Rolle mehr. Wir werden unsere Chance nutzen und dann wird alles supertuffig, denn wir bekommen ein Drittel von der göttlichen Allmacht“, bemerkte Satanas. „Wow!“ entfuhr es seinem größten Fan. Danach war es für eine Weile ziemlich ruhig, bis Xerus, Luzifers allerbester Freund, zu bedenken gab: „Und wenn es eine Falle ist? Gott ist durchtrieben und hinterlistig, außerdem ist sie eine Frau. Die will uns bestimmt nur erniedrigen.“ „Lächerlich. Gott langweilt sich da oben und wir sind sehr humorvoll und unterhaltsam. Immer mit der Ruhe, Jungs. Erst muß ich die Wette gewinnen, dann sehen wir weiter“, warf Beelzebubi ein. „Aber willst Du wirklich das alles hier aufgeben? Die Hölle floriert, die Nachfrage ist gigantisch, wir sind total im Kommen. In ein paar Ewigkeiten können wir den Himmel übernehmen. Lassen wir doch den Quatsch und bleiben hier“, bat einer von denen, welche den Himmel für die wahre Hölle hielten. Allerdings widersprach ihm Luzifer: „Du Vollidiot, was weißt Du denn vom Himmel? Ich war schon im Licht, viele Ewigkeiten lang, ich weiß was ich verpasse. Ich habe keine Lust mehr, in diesem Höllenloch herumzuvegetieren. Ich will nach Hause. Ein Drittel der göttlichen Allmacht, das ist gigantisch, das könnt Ihr Euch überhaupt nicht vorstellen. Ich habe eine Entscheidung getroffen und wenn ich diese Wette gewinne, dann können sich die Menschen auf der Erde auf etwas gefaßt machen. Gott unterschätzt mich und ist viel zu notgeil“, entfuhr es Luzi. Da horchten seine Freunde auf und wußten Bescheid.

Männer sind Schweine

Charlotte konnte es nicht fassen. Gerade erst seit zwei Tagen lebte sie mit Marc zusammen und schon schaute ihre bislang blitzbsaubere Wohnung aus wie ein Dreckloch. Überall lagen Unterhosen, Socken und Bierflaschen herum, genauso faul und stinkend wie ihr Gast. Marc ließ sich bedienen und verwöhnen, doch Charlotte hatte einen anstrengenden Tag hinter sich gehabt und war dementsprechend gereizt. „Du Sau! Wie es hier aussieht! Ich fasse es einfach nicht! Verschwinde!“ Verdutzt schaute Marc sie an, doch er hatte Glück. Gerade als sie ihn vor die Tür setzen wollte, klingelte es an jener. Zwei Männer standen davor, behaupteten, sie müßten die Heizung kontrollieren und machten sich sogleich ans Werk. Währenddessen warf Charlotte ihrem Schauspieler wütende Blicke zu und bedeutete ihm, seine paar Sachen zu packen. Zufällig kam sie kurz darauf am Zimmer vorbei, in dem die beiden Kerle arbeiteten und warf einen Blick hinein. Elektrisiert blieb sie stehen. Sie konnte es einfach nicht fassen, aber die Männer brachten tatsächlich Wanzen in ihrer Wohnung an. „Hey! Was soll der Mist? Was seid Ihr denn für komische Vögel?“ schimpfte sie. Den Typen war klar, daß Leugnen zwecklos war, denn man hatte sie auf frischer Tat ertappt. „Wir sind vom Verfassungsschutz und möchten Sie gerne abhören“, gab der mit der Brille zu. „Aber wieso das denn?“ wunderte sich die Psychotante. „Jetzt stellen Sie sich mal nicht dümmer als wir sind. Eine Psychologin und ein mehrfach vorbestrafter Gauner, das ist eine ganz gefährliche Mischung. Da lauert der Terrorismus praktisch schon an der Ecke.“ „Was erlauben Sie sich! Sie sind doch wohl nicht ganz richtig im Kopf!“ „Mit Beleidigungen werden Sie uns nicht täuschen. Wir beobachten Ihren neuen Mitbewohner schon lange. Bisher war er nur ein kleiner Fisch, weil er halt lediglich ein Mann der Praxis ist. Sie aber haben das theoretische Know-how und mit ihm zusammen könnten Sie für unseren Staat leicht eine Bedrohung werden.“ „Die einzige Bedrohung für diesen Staat sind Leute wie Sie, die unbescholtene Mitbürger zu Unrecht verdächtigen. Ich will doch nur in Ruhe und Frieden in diesem Land leben.“ „Wir wollen es hoffen. Jetzt, da Sie wissen, daß wir Sie beobachten, dürften Sie ja so vernünftig sein, keine Dummheiten zu machen.“ „Sagen Sie mal: Für wen arbeiten Sie eigentlich?“ „Für die ganz oben, Sie wissen schon. Schönen Tag noch!“ Daraufhin verließen die beiden Männer Charlottes Wohnung. Sie stand noch eine Weile verdattert da, bevor sie sich hinsetzte und mit Marc über das eben Geschehene reden wollte. Doch der lag schnarchend auf der Couch, mit einem selig verklärten Gesicht. „Bestimmt träumt er gerade davon, wie er ein paar leichtgläubige Leute hereinlegt“, dachte sich die Psychologin, doch sie irrte sich, denn Marc träumte wieder einmal seinen Lieblingstraum: Darin war er König und alle tanzten um ihn herum, warteten auf seine Anweisungen, beteten ihn an, versuchten seine Aufmerksamkeit zu erregen, lächelten ihn verheißungsvoll an, baten um sein Gehör, machten Musik für ihn, präsentierten ein Theaterstück, sein Harem erwartete ihn bereits sehnsüchtig, alles drehte sich nur um ihn. In solchen Momenten glaubte Marc fest daran, daß seine Traumwelt die wirkliche Welt war, während das vermeintlich wirkliche Leben allenfalls eine Illusion darstellte, einen Alptraum sozusagen, der nie enden wollte.

Eng, enger, Engel

„Luzi ist wirklich ein schlaues Kerlchen. Bringt seine Leute gleich zusammen, damit sie dem Autor den Garaus machen können. Zum Glück haben wir rechtzeitig dazwischengefunkt“, faßte Gott zufrieden zusammen. „Aber wir müssen auf der Hut sein. Du immer mit Deinen leichtsinnigen Wetten“, bemängelte Jesus. „Entschuldige mal, das ist allein meine Sache. Ich brauche Abwechslung, sonst langweile ich mich hier zu Tode.“ „Auf diesen versauten Teufel kann ich hier oben gerne verzichten. Der hat mich schon damals im himmlischen Sandkasten befummelt. Und als ich auf der Erde war, hat er mich bis in die Wüste verfolgt und dort angemacht.“ „Tja, der warme Bruder steht halt mal auf Sandkastenspiele, besonders im heißen Wüstensand. Weißt Du, Söhnlein brillant, ich werde alles dafür tun, um diese Wette zu gewinnen, weil ich die drei Störenfriede endlich loswerden will, aber wenn der Luzi tatsächlich besser sein sollte als ich, dann haben sich er und die Seinen die Rückkehr in den Himmel redlich verdient.“ „Mag sein. Schließlich leben wir ja auch in einer anderen Ewigkeit, wenn es sogar auf Erden die Homo-Ehe gibt. Aber das mit dem Drittel der göttlichen Allmacht halte ich für einen schweren Fehler. Hast Du etwa vergessen, daß wir schon zu dritt sind?“ „Für uns Beide ändert sich nichts, Jesus Christ Superstar. Wir bleiben so allmächtig wie immer. Nur der Heilige Geist hat Pech gehabt, denn der wird seine ganze Macht verlieren. Aber uns kann das egal sein, denn der war eh eine totale Fehlbesetzung. Mal hier, mal dort, ein ewiger Wandervogel, überall und nirgends, unzuverlässig, ein Windei sondergleichen. Macht die ganze Zeit fast nur Urlaub, belauscht alle, nervt Engel und Menschen, beschäftigt unzählige Gerichte, sogar das Jüngste hier oben und hat nur Blödsinn im Kopf. Dieser windige Typ ist ein Flop und wäre demzufolge auch kein Verlust.“ „Na ja, wahrscheinlich hast Du Recht, aber als ich auf der Erde war, hat er mir schon sehr geholfen.“ „Mag sein, aber vergiß nicht, wie die Geschichte endete: Am Kreuz. Da hat er sich wieder mal ganz schnell aus dem Staub gemacht.“ „Stimmt. Also gut, wir sind uns einig. Ich geh’ jetzt mit Petrus einen saufen. Ciao, Alte.“

Kaum war Jesus verschwunden, tauchte Engels auf, äh, Quatsch, Erzengel Michael kam angedüst und meldete: „Pfarrer Bert und das Flittchen befinden sich auf der Flucht. Das hat Satan gefickt eingeschädelt. Wir haben sofort ein paar Mitarbeiter des Bischofs hinterher geschickt und die Polizei informiert.“ „Sehr gut, mein Lieber. Dann wird dieses Gummi-Pärchen nicht weit kommen. Diese Mischung ist gefährlich. Bert weiß zuviel über uns, zum Glück glaubt er nicht an mich. Thea kennt die Macht der Sexualität. Wir müssen höllisch aufpassen. Wenn ich nur wüßte, wie Luzi die Vier in die Realität schleusen will“, sinnierte Gott. Da tauchte plötzlich, wie immer aus dem Nichts, der Heilige Geist auf. „Ich habe alles mitgehört. Ihr Schweine habt mich ausgebootet und wollt mir meinen Anteil an der göttlichen Allmacht entreißen. Aber das wird Euch nicht gelingen. Ich fliege jetzt zur Erde und werde dafür sorgen, daß Beelzi seine Wette haushoch verliert“, stellte die Dritte im Bunde klar und machte sich auf den Weg. „Ausgezeichnet. Auf diese Art und Weise haben wir unsere beste Mitarbeiterin so provoziert und motiviert, daß Luzi es verdammt schwer haben wird“, freute sich Gott, die Allmächtige.

Katholisator

„Wohin fahren wir?“ erkundigte sich Thea. „Dorthin, wo es fast keine Katholiken gibt. Nach Ostdeutschland“, lautete Berts Antwort. Doch auf einmal wurden sie von einem Polizeiauto überholt und aufgefordert, rechts ranzufahren und anzuhalten. „Scheiß Marsmännchen!“ ärgerte sich der Geistliche. „Wo?“ fragte Nutti baff. „Ihren Führerschein und den Fahrzeugschein bitte!“ verlangte ein älterer Polizist höflich. Nach einer Weile meinte er dann: „Tut mir leid, Sie dürfen Bayern nicht verlassen, Sie werden von der katholischen Kirche per Schafbefehl gesucht.“ Plötzlich schaute Thea den Polizisten an. „Donnerflittchen!“ entfuhr es ihm, denn er hatte sie sogleich wiedererkannt. Nun befand sich der Grüne in einer unangenehmen Situation: Den Priester sollte er eigentlich festnehmen, was er aber viel lieber mit der Frau gemacht hätte. Doch sie kannte ihn und konnte ihn vor dem Pfarrer noch in peinliche Verlegenheit bringen. „Ach, wissen Sie was: Fahren Sie weiter! Schließlich gehöre ich zum Staat und bin kein Gehaltsempfänger der Kirche“, sagte der Polizist. „Vielen Dank! Ich kann Sie beruhigen: Ich glaube auch nicht an Gott“, gab Bert zu. Da erstarrte der Polizist und zischte: „Gottverdammter Atheistenpfarrer!“ Danach bekreuzigte er sich und wandte sich von ihnen ab. Bert startete den Wagen und fuhr los. Erst nach einer Weile bemerkte er, daß Thea ganz still war, weshalb er kurz zu ihr hinüberblickte. Leichenblaß saß sie auf dem Beifahrersitz. „Was ist denn mit Dir los? War der Bulle so schlecht im Bett damals? Hatte er die Handschellenschlüssel verlegt oder seinen Schlagstock nicht mehr rausgekriegt?“ wollte Bert wissen. „Bist Du der Teufel?“ platzte es aus ihr heraus. Da begann er lauthals zu lachen. „Wie kommst Du denn darauf?“ „Ein Priester, der nicht an Gott glaubt, dem sämtliche Ge- und Verbote scheißegal sind, der bei den ehemaligen Sozialisten und Kommunisten Unterschlupf sucht, der muß doch der Teufel sein.“ „Hmh, Deine Argumente klingen logisch und vernünftig, aber ich muß Dich leider enttäuschen: Ich bin es nicht.“ „Das spielt keine Rolle, was Du dazu sagst. Denn der Teufel ist der Geist, der stets verneint.“ „Na toll.“

Sie waren ihnen auf den Fersen. Zusammen saßen sie in dem teuren Luxus-Mercedes, die beiden hohen Mitarbeiter des Bischofs, Ernie und Roland. „Wir müssen Bert unbedingt kriegen“, bekräftigte Ernie. „Natürlich. Und dann bringen wir ihn zu unserem geliebten hochheiligen Bischof, der ihm den Kopf waschen wird“, fügte Roland hinzu. „Genau. Hoffentlich haben wir noch genügend Anti-Schuppen-Shampoo. Dieser blöde, vertrottelte Polizist. Hat der doch tatsächlich behauptet, hier wäre kein Pfarrer namens Bert vorbeigefahren. Verdammter Lügner. Den habe ich sofort an Ort und Stelle verflucht.“ „Das hättest Du Dir sparen können, der hat schon vorher nur gezittert. Ganz so, als ob er den Leibhaftigen gesehen hätte.“ „Findest Du? Glaubst Du etwa am Ende gar, daß der schwule Teufel wieder hier ist?“ „Gut möglich. Das Böse ist überall, sagt unser Bischof.“ „Das ist wahr und es ergibt durchaus Sinn. Ich befürchte fast, daß Satan in unseren Bert eingedrungen ist, was auch erklärt, warum Berti den warmen, sicheren Schoß von Mutter Kirche verlassen und sich mit einer Hure davongemacht hat.“ „Alles Teufelswerk. So, Vorsicht jetzt. Laß alle Kreuze verschwinden! Wir verlassen gerade den katholischen Sektor.“ „Die Hakenkreuze auch?“ „Nein, die nicht. Die können uns bei unserer Suche noch sehr nützlich sein.“

Oh mein Gott!

Wieder einmal telefonierte Gitta mit ihrer besten Freundin Luise. „Dieser Mann macht mich noch wahnsinnig. Er schreibt Bücher wie ein Kleinkind, hält sich für den Größten und kann mit Kritik nicht umgehen“, klagte Gitta. „Na und? Das ist doch sein Problem. Was kümmert Dich das?“ forschte Luise. „Ich liebe ihn.“ „Wie bitte?“ „Ja, ich liebe ihn.“ „Aber das ist doch völlig unmöglich. Du kritisierst ihn andauernd, läßt kein gutes Haar an seiner Arbeit, verspottest alle seine Werke, legst Dich ständig öffentlich mit ihm an und redest nur schlecht über ihn.“ „Stimmt. Vielleicht liebe ich ihn gerade deshalb.“ „Du bist krank, Gitta.“ „Möglich. Bitte hilf mir! Ich will diesen Mann.“ „Also gut, dann laß uns mal überlegen, wie wir das anstellen können. Eins steht fest: Mit dem Kritisieren muß Schluß sein.“ „Warum das denn? Das ist doch das Einzige, was ich kann.“ „Aber er mag es nicht, sonst hätte er sich schon längst an Dich rangemacht. Vielleicht solltest Du ihn öfter mal loben.“ „Das geht nicht. Er mag keine Speichellecker und ich wüßte auch nicht, was ich an ihm loben sollte.“ „Na hör mal, Du liebst ihn doch.“ „Na und? Ich liebe halt mal die Unvollkommenheit, was wohl auch daran liegen könnte, daß ich vollkommen bin.“ „Ja genau. Auf alle Fälle mußt Du Deine Strategie ändern, sonst kommst Du nie an ihn heran.“ „Du redest Dich leicht. Das würde ihn doch nur durcheinanderbringen. Ich glaube eher, ich sollte ihn noch härter kritisieren.“ „Damit erreichst Du gar nichts. Wenn Du diesen Spinner wirklich liebst, dann mußt Du ihm das auch zeigen.“ „Wie denn?“ „Lade ihn zu Dir nach Hause ein!“ „Das geht nicht.“ „Warum nicht?“ „Weil er sich momentan im Flugzeug befindet.“

Gitta war wie immer bestens informiert. Der Autor saß tatsächlich in einem Flugzeug und dachte über Vieles nach: „Eigentlich könnte ich ja zufrieden sein. Meine Bücher verkaufen sich gut, ich bin sehr berühmt und überall gefragt. Ich verdiene viel Geld und führe ein sorgenfreies Leben. Ideen für neue Bücher habe ich auch wieder und momentan schreibe ich an einer total abgefahrenen Geschichte. Aber irgendwas fehlt mir. Ach ja, genau, mein Kugelschreiber.“ Schnell holte er jenen aus seiner Hosentasche hervor und kritzelte ein Gedicht auf ein kleines Blatt Papier: „Im Regen stehn, ein letzter Kuß, dann weitergehn, weil es sein muß, ich hab’ verstanden, auch wenn es weh tat, daß sich die Beiden fanden, wünsche ihnen eine gute Fahrt. Die grauen Wolken, im Nebelschein, wie Kühe gemolken, soll es das gewesen sein, ich bin nur Gast, und doch auch dabei, habe nichts verpaßt, nur das laute Geschrei. Verletzte Gefühle, vereisen die Sicht, eine drückende Schwüle, verdüstert das Licht, ein letztes Mal, den Stift zerbrochen, das Kopfhaupt kahl, zu viel versprochen.“ Immer wenn der Autor ein kleines bißchen unglücklich war, schrieb er ein kleines Gedicht, um alles rauszulassen. Danach ging es ihm fast jedesmal besser, aber dieses Mal war es anders. Nein, er war nicht einsam, denn er liebte das Alleinsein, jedoch spürte er, daß bald etwas Einschneidendes in seinem Leben passieren würde. Es war nicht so, daß er das bedrohlich fand, ihn störte lediglich der Gedanke, daß das alles mit dem Buch zu tun haben könnte, an dem er gerade schrieb. Es sollte ein besonderes Buch werden. „Bas Duch“ schlechthin, eine Generalabrechnung ohne General. Doch womöglich hatte er die Abrechnung ohne den Wirt gemacht.

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