Mein BamF (Bedarf an möglichen Freiheiten) - Thomas Häring - E-Book

Mein BamF (Bedarf an möglichen Freiheiten) E-Book

Thomas Häring

0,0

Beschreibung

Die Loslösung des Freistaates Bayern von Deutschland war nur der Anfang gewesen, denn danach ging es erst so richtig los. Volksentscheide pflasterten den Weg in eine unglaubliche Zukunft, doch der Größenwahn kam immer ganz zuverlässig vor dem Fall und auch die Utopisten landeten irgendwann wieder auf dem harten Boden der Realitäter. Eine Satire für alle Leute, die einen ziemlich schrägen Humor haben.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 106

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Thomas Häring

Mein BamF (Bedarf an möglichen Freiheiten)

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Im ältern Haus

Der ewige Dude(n)

Ungereimtheiten

Kurioses und Absurdes

Meine Weltanschauung

Frauheit und Fraubier

In memoriam Jubiläum

Guten Putsch

Unverbesserliches

Untergangssinfonien

Die Wende zum Neuen

Die Todgeweihten büßen nicht

Und dann schlug’s Dreizehn

Der Mensch ißt ein soziales Wesen

Impressum neobooks

Im ältern Haus

Geboren wurde ich an einem Rosenmontag, aber wenigstens kam ich ohne eine Dornenkrone auf meinem Haupt zur Welt. Problematisch an der ganzen Angelegenheit war jedoch, daß sich die Hebamme schon so auf den Rosenmontagsball freute und eigentlich nur noch daran dachte, daß sie mich total vernachlässigte, was dazu führte, daß ich förmlich durch den Geburtskanal schoß und am Ausgang von niemandem in Empfang genommen wurde. So sollte es mir in meinem späteren Leben noch öfter ergehen, allerdings handelte es sich bei jener "Begrüßung" nun wirklich um keinen standesgemäßen sowie mir zustehenden Empfang, wenigstens auffangen hätte mich jemand können, fand ich jedenfalls.

Meine Eltern waren schon älter, von daher hätten sie auch Ältern heißen können, ja vielleicht sogar müssen. Theoretisch hätte mein Vater mein Großvater sein können und meine Mutter meine Oma, aber die Realität sprach eine gänzlich andere, ziemlich unverständliche Sprache. Ich war kein Wunsch-, sondern ein Punschkind; ein Punsch, in dem sich Alkohol befunden hatte, wohlgemerkt. Wohl gemerkt habe ich davon damals seinerzeit nicht viel, aber ich war nun mal da und alle davon in irgendeiner Form Betroffenen versuchten, irgendwie das Beste aus dem Mißgefick zu machen. Ich jedoch entwickelte mich alsbald zu einem richtigen Schreibaby; sobald ich schlechte Laune hatte oder nicht bekam was ich haben wollte, rastete ich regelmäßig völlig aus. Kein Wunder, daß meine Eltern in unserem älteren Haus fast nie einen Babysitter für mich fanden, denn wer wollte schon einem Baby ein Wiegenlied singen, wenn das die ganze Zeit dazu nur plärrte? "Keine Sorge, wir versprechen Ihnen, daß wir dafür sorgen werden, daß Ihr Baby schon bald nicht mehr schreit", garantierten einige sprechenden Pinguine, also Tonnen, äh, Nonnen, meinen Eltern und die gaben mich nur zu gerne in die Obhut der Bet- und Beetschwestern. Jene brüllten mich tagelang an, bis sie mich gebrochen hatten und ich fortan nur noch rumdeutle. Ja, was Folter betraf, war die katholische Kirche schon zu allen Zeiten in der Weltspitze vertreten gewesen. Meine Erzeuger waren mit der Entwicklung jedoch nicht ganz einverstanden. Zwar war ich nun kein Schreibaby mehr, aber dafür zu einer schrecklichen Heulsuse mutiert und das fanden sie auch nicht viel besser. Eines Abends, es muß so kurz vor meinem sanften Entschlummern gewesen sein, hörte ich, wie mein Alter zu seiner Alten meinte: "Vielleicht wäre es doch besser gewesen, wenn wir unser Baby versehentlich vertauscht und statt dessen ein anderes mitgenommen hätten." "Ja, im Nachhinein ist man halt leider immer schlauer", stimmte meine "Gebär-Mutter" ihm zu. Ich jedoch hörte auf der Stelle auf zu heulen und begann damit, die ganze Zeit über zu lachen.

Erst einmal freuten sich alle, die mit mir in Kontakt kamen, darüber sehr, denn es gab schließlich nichts Schöneres als ein fröhliches Baby. Aber mit der Zeit ging ich meinen Mitmenschen damit tierisch auf die Nerven, denn für meine übertriebene Ausgelassenheit gab es in den meisten Fällen einfach absolut keinen Anlaß. Und so kam es, daß mich meine Erziehungsberechtigten zu einem Mann brachten, der zur Begrüßung versprach: "Na warte, Dir wird das Lachen schon noch vergehen." Es dauerte nicht lange, bis er sein Ziel erreicht hatte. Zunächst steckte er mich in eine Babyzelle und dort mußte ich dann für ihn zwangsarbeiten, denn er war früher ein richtig guter Deutscher gewesen und als so einer hatte er gelernt gehabt, daß ein bißchen Zwangsarbeit noch niemandem geschadet hatte, insbesondere nicht den Menschen aus anderen Nationen. Er selbst dagegen war sich für die tolle Zwangsarbeit viel zu schade, dabei wäre gerade sie es gewesen, die den ganzen Herrenmenschen unheimlich gutgetan hätte.

Wie auch immer, nachdem ich mehr oder weniger normal geworden war, durfte, sollte, beziehungsweise mußte ich in den Kindergarten und dort war ich sehr enttäuscht, denn in dem Garten waren wir nur bei schönem Wetter, ansonsten hielten wir uns in einem Haus auf. "Da hätte ich ja auch gleich zuhause bleiben können", moserte ich herum, woraufhin ich sogleich einen Schlag in die Fresse bekam. Nein, nicht etwa ein Gleichaltriger hatte mich vermöbelt, sondern unsere Kindergartentante, die jedes Wort von uns persönlich nahm und sich dann dafür gebührend revanchierte. "Na, das kann ja Eiter werden", dachte ich mir entsetzt und beobachtete, wie Blut, Scheiß, Eiter und Tränen an mir herunterliefen. Daraufhin rastete die Erzieherin vollkommen aus. Sie steckte meinen Kopf in meine Kacke, so wie man es eigentlich bei Tieren zu machen pflegte und drohte mir mit standrechtlicher Erscheißung, wenn ich noch einmal so eine Schweinerei veranstalten würde. "Daran bist nur Du schuld, Du blöde Kindergartentunte!" warf ich ihr an den Kopf und danach war endgültig Schuß mit lustig. Wie wild ballerte sie auf mich mit einem Schrotgewehr und berief sich vor Gericht später auf Notwehr. Ja, im Kindergarten fühlte ich mich demzufolge nicht so richtig wohl, sondern eher unwichtig und hohl, aber so ist das halt mal im Leben, mal wird man beklaut und ein andermal muß man geben.

Wer geglaubt hatte, in der Schule würde alles besser werden, sah sich in meinem Fall bedauerlicherweise getäuscht. Ich war ein unauffälliger, durchschnittlicher Schüler, was dazu führte, daß mein Klaßlehrer in der dritten Klasse manchmal sogar versehentlich vergaß, meine Arbeiten zu korrigieren, weil er sich an mich überhaupt nicht mehr erinnern konnte und deshalb glaubte, es wäre zufällig die Probe eines Kindes aus der Parallelklasse in seinen Unterlagen gelandet. Kein Wunder, bei dem Chaos im Lehrerzimmer wäre so etwas durchaus denkbar gewesen. Na ja, wie soll ich sagen, es fällt mir nicht leicht das zuzugeben, aber ich war schlicht und einfach ein wenig schwer von Begriff. Also nicht so blöd, daß es sich gelohnt hätte, mich extra zu fördern und dementsprechend auf die Sonderschule zu befördern, aber dumm genug, um nicht richtig mitzukommen. Das führte letzten Endes dazu, daß der Sohn eines chinesischen Ingenieurs mir das Rechnen beibrachte, also aus seiner Sicht natürlich das "Lechnen", das "gloße Einmaleins" selbstverständlich eingeschlossen. Ich stabilisierte mich mit der Zeit auf niedrigem Niveau und alle waren damit einigermaßen zufrieden, bis meine Eltern auf einmal ein sehr junges Mädchen adoptierten und ich fortan so etwas Ähnliches wie eine kleine Schwester hatte. Von da an wurde alles anders.

Es begann damit, daß ich nicht mehr ins Bad konnte, wann ich wollte oder mußte und führte dazu, daß ich beschloß, in der Schule mehr zu tun als bisher, um dem Dreckloch von Zuhause zu entkommen, denn das Haus, in dem ich lebte, war schon zu meiner Geburt alt gewesen, aber inzwischen war es eben noch älter geworden. Ich lernte alles auswendig, kapierte zwar nichts, aber bekam trotzdem gute Noten, denn Bulimie-Lernen war schon immer angesagt gewesen und so verließ ich die Grundschule ohne Grund, aber mit guten Toten, äh, Noten.

Wenig später war ich in der Sporthalle gelandet, ja, schaut mich nicht so verständnislos an, so heißt Gymnasium ins Deutsche übersetzt halt nun mal, ich kann es auch nicht ändern, Ihr Nicht-Lateiner ohne Schreiner. Dort hatten wir eine wunderschöne Klaßlehrerin, in die ich mich sofort verliebte, denn sie war so sanft und engelsgleich, daß man sie einfach vergöttern mußte. Sie lehrte uns Englisch und das mit allergrößter Geduld. Die ganze Stunde lang redete sie im Unterricht nur Deutsch mit uns; lediglich die Hausaufgabe erklärte sie auf Englisch, damit wir als Ausrede sagen konnten, wir hätten sie nicht richtig verstanden, wenn wir mal wieder Bockmist gebaut hatten. Sie war jung und hochintelligent, nachts träumte ich von ihr und tagsüber betete ich sie an. Auch sie zeigte sich mir zugetan und ich durfte jede Stunde fünf Minuten lang vorführen, wie man das englische "r" so rollte, daß keine Fragen mehr offen blieben. Auch im Fußballspiel vor dem Unterricht war ich eine Wucht; einmal erzielte ich ein so spektakuläres Eigentor, daß mich der beste Sportler in unseren Reihen spontan als "Spaßkicker" bezeichnete, was mich natürlich außerordentlich stolz machte.

Normalerweise spielten wir vor der ersten Schulstunde natürlich weder Fußball noch Schafkopf, wir warfen auch nicht mit Zehnpfennigstücken an eine Wand und der, dessen Münze am nächsten zur Wand lag, bekam die Münzen der Anderen, wir waren schließlich Superstreber und wollten unbedingt zur Elite gehören. Mir kam dabei zupaß, daß ich von Jahr zu Jahr manischer wurde, was dazu führte, daß ich mich irgendwann für Gott, den Allmächtigen, höchstpersönlich hielt. Das führte dazu, daß ich die Lehranstalt nach der zehnten Klasse verließ, denn als Schöpfer der Welt brauchte man selbstverständlich kein Abitur. Nicht einmal das Papitur, also das vom eigenen Papa durch Spenden an die Schule finanzierte Abitur, kam für mich mehr infrage. Ich bewarb mich in meiner Manie natürlich nicht als Saustift für irgendeine x-beliebige Lehrstelle, sondern wollte verständlicherweise höher hinaus, weshalb ich meine Bewerbungen an die Chefetagen in der ganzen Bumsrepublik schickte. Zugegeben, so richtig funktionierte das dann leider nicht, aber immerhin wurde ich zweimal sogar zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, was allerdings schnell beendet war, nachdem ich die anwesenden hohen Herren eine halbe Stunde lang nicht zu Wort kommen hatte lassen.

"Was soll nur aus Dir werden?" erkundigte sich meine Mutter mit leidender Miene bei mir, doch ich entgegnete ihr nur: "Aber ich bin doch schon jemand, nämlich der Allerhöchste höchstpersönlich." "Nimm jetzt bitte endlich Deine Tabletten!" verlangte mein Vater, den ich in der Manie selbstredend nicht als meinen wirklichen Vater ansah, denn als Gott war man ja selbst der Vater der Menschheit, von mir. "Ihr immer mit Euern scheiß Depressiva! Die machen mich total müde und bringen mich voll runter!" beschwerte ich mich verärgert und knallte die Tür zu. Jene Tabletten waren wirklich Teufelszeug, denn sie beendeten meine Manie früher oder später und das paßte mir natürlich überhaupt nicht in den Kram. Es folgte eine ausgiebige depressive Phase, weshalb an eine Ausbildung kein bißchen zu denken war und daran habe ich mich logischerweise auch gehalten. Einbildungen hatte ich dagegen jede Menge; so glaubte ich zum Beispiel, meine Mutter würde mir Salz statt Zucker in den Tee streuen und der Pfarrer in der Kirche wäre lieber Archäologe als Geistlicher geworden.

Wie auch immer, die Monate vergingen und ich wurde von Tag zu Tag normaler. Das war nicht schön und erst recht nicht obszön, weshalb ich mal wieder an der Bushaltestelle rumhing und verzweifelt versuchte, die Zeit totzuschlagen, aber sie wollte einfach nicht frecken, das blöde Biest. "Du hast ganz bestimmt keine Lobby, deswegen brauchst Du unbedingt ein Hobby", reimte so ein Penner mit Schnapsflasche neben mir. "Geil, ein dichter Dichter!" freute ich mich über die neue Bekanntschaft. "Von wegen! Die meisten Leute behaupten, ich wäre nicht ganz dicht", erwiderte er bedauernd. "Und wenn schon? Du sollst mein bester Freund und neuer Bruder sein, aber wenn Du nicht willst, dann schlag ich Dir den Schädel ein!" drohte ich ihm reimend. "Deinen Reim ersticke ich im Keim", konterte er unbeeindruckt und damit beeindruckte er mich schwer. "Wie heißt Du?" fragte er mich nach einem Schluck aus der Pulle. "Omas Hering." "Das ist aber ein komischer Name." "Na und? Wie heißt Du denn?" "Ich scheiße auf den Duden?" "Ja, ich auch, aber jetzt befrage bitte endlich meine Antwort!" Wir schauten uns verwirrt an. Hatte ich das eben wirklich so gesagt? "Mein Name lautet Janko Habenichts." "Na gut, dann werde ich Dich ausnahmsweise nicht bestehlen", erwähnte ich. Dankbar schoß er mir in die Arme, aber zum Glück mit Platzpatronen.

Wir wurden das neue Traumpaar, als "die beiden Habenichtse" brachten wir es in vielen Landstrichen, durch die wir strichen, zu zweifelhafter Berühmtheit, aber je öfter wir zwei in Haft saßen, desto mehr Zweifel überkamen mich, denn so sollte mein Leben auch nicht unbedingt die ganze Zeit weitergehen.

Der ewige Dude(n)