Bildvagbunden: Dämmerreich - S.C. Keidner - E-Book

Bildvagbunden: Dämmerreich E-Book

S.C. Keidner

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Beschreibung

Band 3 der Fantasy-Reihe um Reisen in magische Bilderwelten Auf ihrer abenteuerlichen Weltenwanderung sind Caro und Ryu in das vom Krieg zerrissene Dämmerreich geraten. Hier lebt die Kaste der Nasiya, die in ihren Träumen durch ferne Welten reisen. Ist eine ihrer auf Pergament gebannten Traumvisionen das ersehnte Bild, mit dem die beiden Bildvagabunden heimfinden? Doch es ist leichter gesagt als getan, in den Hort, die Heimat der Nasiya, und damit an ein Bild für die Weiterreise zu gelangen. Der windumtoste Berggipfel wird von Zentaurenkriegern belagert, die ebenso wie Caro und Ryu den Traumbildern nachjagen – und sich sehr für Reisende aus anderen Welten interessieren …

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Kapitel 1

Blutrote Schlingkrautblüten wucherten aus den Augenhöhlen des Skeletts. Sie hoben sich grell von den an den Rippen hängenden Fetzen einer ausgebleichten Jacke ab. Der Tote hatte den rechten Arm im Augenblick seines Sterbens über den Brustkorb gelegt, seine Finger umklammerten den morschen Holzgriff einer altertümlichen Pistole. Das Vogelgezwitscher und das Rauschen des Winds im wilden Wein, der die Wehrmauern überwucherte, überlagerten diesen Anblick auf absurd romantische Weise.

»In dieser Welt gibt es Schusswaffen.« Caro sagte das in vergeblichem Bemühen um Ablenkung. Um nicht wie ein Gaffer auf die Knochen zu starren und sich in beklemmenden Vorstellungen über den Tod dieses Mannes – oder dieser Frau? – zu ergehen.

»Schusswaffen?«, fragte Ryu.

»Solche Waffen kennt ihr im Marmorpalast nicht. Der Tote hält eine Pistole. Damit verschießt man Kugeln, die töten, wenn sie einen Menschen ins Herz oder den Kopf treffen.« Es war eine nüchterne Darstellung, die der Brutalität dieser Art des Sterbens nicht gerecht wurde, wie sie fand, kaum dass sie es ausgesprochen hatte.

»Die Kugeln müssen eine ungeheure Kraft haben, um Knochen und Fleisch zu durchdringen.«

»Ja. Mit einer Pistole kann man Menschen auf die Entfernung töten.«

»Diese Welt ist demnach gefährlicher als alle, die wir bisher durchreist haben. Mein Schwert wird uns nicht genügend Schutz bieten.«

Caro riss die Augen von dem Skelett los und sah sich um. Ob ihnen in den Schatten des Schlosses Gefahr drohte? Versteckte sich jemand in den Kaskaden wilden Weins? Oder hinter den vermoderten Holzfässern und den vielen Steinen, die sich im weitläufigen Schlosshof verteilten?

Doch bis auf die Spatzen, die pfeilschnell durch die Luft schossen und mit aufgeregten Rufen jenseits der Mauern verschwanden, rührte sich nichts. In den Ruinen zu beiden Seiten des Hofs, die ehemals Stallungen gewesen sein mochten, war es still. Blieb der gegenüber dem Burgtor gelegene Palast. Seine einstige Pracht war vergangen. Die Säulen, die die Fassade geschmückt hatten, lagen zerbrochen auf den gesprungenen Stufen der breiten Treppe, die zum türlosen Eingangsportal führte. Von dem kunstvollen Fries rund um das Portal waren nur wenige Ornamente übrig geblieben, darunter Abbilder von stilisierten Blättern und von zu Sträußen gebundenen Getreidegarben. Der schwarzgraue Stein, aus dem man das Schloss errichtet hatte, war über den gähnenden Fensteröffnungen dunkler als anderswo. Rußspuren eines Brandes. An den Ecken des Palasts strebten Türme in den Himmel, deren Mauerwerk vom wilden Wein verdeckt wurde.

Ryu bedeutete ihr, stehen zu bleiben, während er den Säulentrümmern ausweichend die Stufen hochstieg und durch das Portal trat. Bevor Caro ihn warnen konnte, ja vorsichtig zu sein, hörte sie ihn sagen: »Niemand da!«

Sie folgte ihm in eine Halle, deren Steinfußboden von zerbrochenen hochlehnigen Stühlen übersät war. Ein runder Holztisch stand in der Mitte des Raums, zu wuchtig, um umgeworfen zu werden. Unter den Fenstern lagen Skelette. Wie lange dauert es, bis ein Leichnam skelettiert? Ein Jahr? Zwei Jahre?

Sie zwang sich, die mit Wasserflecken und Schimmel überzogenen Wände zu betrachten. »Keine Bilder.«

»Hier wurde gekämpft. Die Sieger werden alles Wertvolle mitgenommen haben, auch die Bilder. Sehen wir nach, wie es dahinten weitergeht.«

Die Türen am Ende der Halle sahen aus, als habe man sie mit Äxten malträtiert, sie hingen zerschlagen in den Angeln. Caro marschierte zu dem Türenpaar ganz links, das am weitesten von den Skeletten entfernt war. Hinter der einen Tür begann eine Wendeltreppe, die sich nach unten in Finsternis verlor. Hinter der anderen erhellte Tageslicht nach oben führende Steinstufen. »Da geht es in einen der Türme. Und in den Keller.«

Ryu war nach rechts gegangen. »Die beiden anderen Türen führen in Korridore zu weiteren Gebäudeteilen. Wir sollten nachsehen, ob es dort nicht etwas gibt, das uns hilft. Vielleicht gar ein Bild.« Er musterte sie. »Alles in Ordnung mit dir? Du siehst blass aus.«

»Es … es sind die vielen Toten.« Sie atmete durch. »Ich ... das ist ein wenig überwältigend.«

»Willst du nicht lieber draußen warten? Du musst nicht unbedingt …«

»Nein, schon gut. Ich komme mit. Wir sind in einer Welt gelandet, in der es kriegerische Auseinandersetzungen gibt. Vielleicht ist es nicht das letzte Mal, dass wir Tote sehen. Besser, ich gewöhne mich daran.«

Seine gesenkten Augenbrauen zeigten, dass ihr tapferes Lächeln ihn nicht überzeugt hatte, aber er drang nicht in sie, sondern sagte: »Untersuchen wir den Rest des Schlosses. Fangen wir mit den Fluren an, die in die anderen Gebäudeteile führen.«

Warme Luft wehte ihnen entgegen und das Kratzen der Stiefelsohlen auf dem Steinboden erschien unnatürlich laut. Die Korridore waren in Halbdunkel getaucht und die an ihnen liegenden Räume zumeist leer. Hie und da gab es von einer dicken Staubschicht überzogene Tische oder Stühle und einmal fanden sie die Reste eines Himmelbetts. Dann bog der Flur ab und sie traten in eine Halle. Modergeruch schlug ihnen entgegen. Auf dem schachbrettartig gemusterten Boden aus schwarzen und weißen Fliesen standen Pfützen.

»Wie lange wird der Kampf um das Schloss her sein?«, fragte Caro nachdenklich.

»Wenigstens zwei Jahre, dem Zustand der Toten nach zu urteilen. Wenn nicht länger.«

Auch im nächsten Saal war nichts zu finden. »Was ist in dieser Welt wohl los? Ob das Schloss in einem Krieg belagert worden ist? Oder während einer Fehde zwischen Burgherren?«

»Wir werden es herausfinden. Da hat ein Feuer gewütet.« Er deutete nach oben. Von der hölzernen Decke waren nur geschwärzte Balken übrig geblieben. Der Raum darüber war vollständig ausgebrannt.

»Und da kommen wir nicht weiter.« Der Gang, der aus dem Saal führte, war eingestürzt. Dicke Steinquader und Balkenreste versperrten ihnen den Weg. »Es macht keinen Sinn, das Schloss weiter zu erkunden. Bis auf zerbrochene Möbel gibt es nichts. Ein Bild werden wir nicht finden. Jemanden, der uns diese Welt erklärt, auch nicht.«

»Da wirst du richtig liegen.« Ryu starrte finster auf den Schutt, als sei dieser dafür verantwortlich, dass kein Bild mit diesem besonderen Rahmen zu finden war, einem Rahmen mit dem in die rechte untere Ecke eingeschnitzten Wandersmann. »Steigen wir auf den Turm, den man durch den ersten Saal erreicht. Vielleicht können wir sehen, ob es Behausungen in der Nähe gibt. Und wie der Talweg verläuft.«

Sie kehrten in die Eingangshalle zurück und kletterten von dort mühsam über die enge gewundene Treppe nach oben. Caros Befürchtung, auf dem Söller ebenfalls auf menschliche Überreste zu stoßen, erfüllte sich zu ihrer großen Erleichterung nicht. Sie schreckten nur eine Taube auf, die mit klatschendem Flügelschlag ihr zwischen bröckeligen Zinnen gelegenes Nest im Stich ließ.

Der Lohn für die Kraxelei war eine atemberaubende Aussicht, die Caro für einige Augenblicke all die Toten vergessen ließ.

Rund um das Schloss erhoben sich schroff zerklüftete, schwarze Bergriesen, auf deren Kuppen ewiger Schnee in der Sonne glitzerte. Dunkle Täler durchschnitten sie. In ihnen wuchsen Tannenwälder, die sich an den Bergflanken bis hin zu glatten, steilen Felswänden zogen. Gebirgsbäche stürzten Hunderte von Metern in die Tiefe. Einen gab es unterhalb des Schlosses, wo das Wasser tosend auf riesige Steine gischtete und sich um bemooste Felsblöcke windend unter den Bäumen verschwand. Der weitere Verlauf des Bachs wurde durch das gelegentliche Aufblitzen von Wasser zwischen den Tannen verraten. Neben ihm schlängelte sich der Weg, auf dem sie zum Schloss gelaufen waren.

»Da sind wir angekommen.« Sie zeigte auf den steinübersäten Abhang mit dem Wäldchen. Die Stelle, an der sie nach den dramatischen Ereignissen in der Alkimia gelandet waren, erinnerte schmerzhaft an die Geschehnisse in Talamhceo. »Ob Doran und Velus in Ordnung sind?«

»Sicher sind sie das. Sie werden sich rausgeredet haben. Wenn sie schlau sind, schieben sie die Schuld an allem auf Alwin.«

»Hoffentlich. Ich wage gar nicht, daran zu denken, dass wir ihnen geschadet haben könnten, indem sie uns halfen, an die Bilder zu gelangen.«

»Sie wussten, auf was sie sich einließen.« Wieder zogen sich seine Brauen zusammen. »Ist es das, was dir zusetzt? Der Gedanke an deinen Onkel und Velus? Nicht so sehr die Skelette?«

»Nein, es sind die Toten, glaube mir. Und die Befürchtung, dass diejenigen, die sie getötet haben, sich hier noch herumtreiben. Aber ja, ich mache mir Sorgen um Doran und Velus.«

Er schwieg kurz und sagte dann leise: »Wir werden es nie erfahren.«

»Ich weiß.« Sie nickte in Richtung des glitzernden Wasserbands zwischen den Bäumen. »Sollen wir am Bach entlangwandern?«

»Caro?« Ryu zog sie an sich, strich mit der Hand über ihren Rücken. »Mach dir keine Sorgen um die beiden. Sie wissen sich zu helfen.«

Sie schmiegte sich an, legte die Arme um ihn. »Das sage ich mir ja auch. Aber es wäre schön, irgendwann zu erfahren, dass ihnen nichts passiert ist.«

»Wer weiß, vielleicht findet Doran seinen Wanderstein wieder und folgt uns! Dann kann er es dir selbst erzählen.«

Sie lächelte. »Vielleicht, ja.«

»Und was die Toten angeht, die liegen schon sehr lange dort. Ihre Mörder sind längst weitergezogen.«

»Sicherlich. Aber wir müssen davon ausgehen, dass diese Welt nicht friedlich ist.«

»Das müssen wir. Sie scheinen überlegene Waffen zu haben. Wir werden vorsichtig vorgehen.«

»Auf jeden Fall. Hier ist das noch einfach, es scheint niemand mehr da zu sein. Wir müssen allerdings aufpassen, wenn wir in belebtere Gegenden kommen. Also, was sagst du? Folgen wir dem Bach?«

»Der Weg scheint an ihm entlangzulaufen. Aber Häuser oder gar Orte sind nirgends zu entdecken.« Er kniff seine bernsteinfarbenen Augen zusammen und betrachtete eingehend die Bergketten, die sich bläulich schimmernd in der Ferne verloren. »Hier gibt es nur Wildnis.«

»Vielleicht führt der Bach zu Ansiedlungen. Ihm zu folgen, ist sicher der beste Weg.«

»Das denke ich auch. Was mir nicht behagt, ist der dichte Wald. Wir werden nicht viel sehen können.«

»Nicht, dass es uns wie in Talamhceo geht und wir plötzlich Bewaffneten gegenüberstehen. Vielleicht ist der Wald licht genug, dass wir parallel zum Weg gehen können.«

»Wir werden es ausprobieren. Brechen wir auf.«

Hinunter ging es auf der engen Treppe schneller als hinauf und so kamen sie kurz danach wieder in den Schlosshof.

Ryu hielt am Skelett inne und hob vorsichtig die Pistole hoch. Die Handknochen des Toten fielen mit einem leisen Knacken auseinander. Caro schüttelte sich.

»Tut mir leid. Ich will mir diese Schusswaffe näher ansehen.« Er drehte die Pistole in den Händen. Der vermoderte Holzgriff zerfiel unter der Berührung und Ryu warf die kläglichen Überreste der Waffe ins Gras. »Es würde Sinn machen, sich eine zu beschaffen. Das ist sicherer, als sich auf das Schwert zu verlassen.«

»Dann musst du lernen, sie handzuhaben. Soviel ich weiß, ist das nicht ganz einfach.«

»Es kann nicht schwerer sein, als ein Schwert zu führen.«

»Ich werde dich bei Gelegenheit an diesen Ausspruch erinnern.«

»Ich bin mir sicher, das wirst du. Nun lass uns den Weg finden. Wir können noch einige Meilen zurücklegen, bevor es dunkel wird.«

*

Nichts.

Nichts deutete darauf hin, dass Fritjof hier gewesen war. Staub lag auf dem einfachen Tisch, dem groben Stuhl und der Bettstatt an der Wand. Im Kamin gab es ein Häufchen Asche. Nur ihre eigenen Fußstapfen zeichneten sich auf den Dielen ab. Es musste einige Varsada her sein, seit Fritjof sich das letzte Mal in diese Hütte zurückgezogen hatte.

Asrah stieß einen Fluch aus, für den ihr als Kind der Mund mit Seife ausgewaschen worden wäre. Wo steckt der verwünschte Kerl? Wütend trat sie nach dem Stuhl, der polternd umstürzte, und lief hinaus in die Frische eines sonnigen Tages in den Bergen.

Die aus dicken Tannenstämmen gebaute Kate stand in einer kleinen Fichtenschonung über dem Kaneveya-Tal. Wie überall im Maonga-Gebirge gab es dichte Wälder, steil abfallende Felsklippen und schneegekrönte Gipfel. Über der Hütte ragten die Ruinen der alten Grenzburg Kota auf, ein aus dem schwarzgrauen Stein der Berge gemauerter Turm, an dem die Trümmer eines Wohngebäudes lehnten. Die Kate, einst die Jagdhütte der Burg, war, nachdem die Mavrosryk die Grenzburgen zerstört hatten, in Vergessenheit geraten, bis Fritjof sie bei einem seiner Streifzüge entdeckte. Eines Abends, nach viel zu viel Branntwein, beschrieb er sie ihr, woran er sich am folgenden Morgen nicht mehr erinnerte. Nicht so Asrah. Für sie hatte die Hütte wie ein exzellentes Versteck geklungen, gelegen in der Einsamkeit der Berge, in die sich außer den Mavrosryk, die die zu den endlosen Ebenen ihrer Heimat führenden Reisewege nutzten, niemand mehr traute. Abseits jener Wege war man vollkommen ungestört.

Diese Erinnerungen nützen mir nichts. Wo ist Fritjof?

Sie ließ sich auf einen Baumstumpf sinken und legte den Kopf in die Hände, überlegte. Die Mavrosryk hatten nach der Überwindung der Berge und Grenzburgen das Gebiet überrannt, das heute Ödland genannt wurde. Die Dörfer und Städte dort lagen in Ruinen, seit Neuestem auch das am südlichen Rande des Ödlands gelegene Dongan. Ein Wanderer, auf den sie vor ihrem Aufstieg in die Berge getroffen war, hatte ihr davon berichtet. In Dongan waren die Mavrosryk auf eine Soumrak-Armee gestoßen, die vergeblich versucht hatte, die Stadt gegen sie zu halten. Die Soumrak hatten sich geschlagen in den Süden zurückgezogen, neben dem Hort der einzige Landstrich des Dämmerreichs, den die Mavrosryk noch nicht erobert hatten.

Dongan wird mein nächster Anlaufpunkt.

Dongan war eine große Stadt und es machte Sinn, dass Fritjof sich nach dem Ende der Kämpfe dorthin begeben hatte. Da die Schlacht vorbei war, sollte es keine Mavrosryk-Krieger mehr geben. Sie waren sicherlich den Soumrak nachgezogen, um weiter in den Süden vorzudringen.

Nachdem Asrah sich mit dem Wanderer ausgetauscht hatte, war sie versucht gewesen, sofort nach Dongan zu gehen. Aber die Kate war ihr da noch als besserer Fluchtpunkt für Fritjof erschienen. Sie knirschte mit den Zähnen. Ein schlechter Entschluss.

Fritjof konnte längst aus Dongan verschwunden sein, wenn sie ankam, dauerte der Marsch doch viele Tage. Das wäre zwar äußerst ärgerlich, aber nicht fatal. Falls er den Besuch Dongans überlebte, gab es für ihn drei Möglichkeiten: zur Kate zurückzukehren, in den Süden des Dämmerreichs oder zum Hort zu wandern. Wäre er auf dem Weg zur Hütte, würde er ihr in die Arme laufen. In den Hort würde er nicht gehen. Den durfte man nicht verlassen, hatte man Zuflucht in ihm gefunden. Fritjof würde sich niemals kasernieren lassen. Dann schon eher der Süden, wohin sie ihm folgen konnte, falls notwendig. Und falls er Dongan nicht überlebte? Das käme einer Katastrophe gleich. Aber nein, er würde nicht sterben. Fritjof war zu gewitzt, um sich von den Mavrosryk umbringen oder in eines der Gefangenenlager stecken zu lassen.

Nach Dongan zu finden, würde einfach sein. Ihren langen Wanderungen mit Fritjof verdankte sie, dass sie die Route durch das Ödland klar vor Augen hatte, mit all ihren Schleichwegen und den Stellen, an denen sie wegen der Mavrosryk vorsichtig sein musste. Die Gefahren, die ihr im Ödland drohten, die Mavrosryk an der Spitze, berührten sie nicht sonderlich. Sie hatte ihnen häufig getrotzt und verstand es, sich hervorragend unkenntlich zu machen.

Hier oben in den Bergen war es allerdings etwas anderes. Auf Mavrosryk würde sie nicht treffen, solange sie sich von den Wegen und Pässen fernhielt. Aber es gab Wölfe, vor denen sie sich in Acht nehmen musste. Wie schon auf der Wanderung zur Hütte würde sie tagsüber laufen und sich nachts, zur Jagdzeit der Wölfe, verstecken. An Plätzen, die ein Wolf nicht erreichte.

Seufzend erhob sie sich, zog ihre Rückentasche zurecht und musterte die Umgebung. Auf nach Dongan. Sie nickte, als wollte sie ihren Entschluss bekräftigen, und marschierte los.

*

»Das sind sie?«

Banor hatte sich vor den Gefangenen aufgebaut. Sein finsterer Blick flog über die abgerissenen Gestalten, die seines Urteils auf dem Platz in der Mitte des Zeltlagers harrten. Die Männer wagten nicht, ihn anzusehen, sondern starrten angestrengt auf den von Hufen aufgewühlten Boden. Flecken getrockneten Blutes auf verdreckten Kitteln und Hosen zeugten von der Folter, die man ihnen hatte angedeihen lassen. Ein beißender Schweißgestank hing in der Luft, gemischt mit einer Note faulenden Fleischs.

Ginge es nach ihm, hätten sie diesen Abschaum sofort getötet. Aber auch Plünderer konnten wertvolle Hinweise auf den Hort haben und so waren die acht Männer schmerzhaften Qualen ausgesetzt worden, um ihnen jedes noch so kleine Quäntchen Wissen über die Zuflucht der Nasiya zu entlocken. Ihre Schreie waren durch das Lager gegellt, bis Odites, der Folterknecht, zufrieden gewesen war, dass sie alles berichtet hatten.

»Ja, Magne«, sagte Banors Adjutant Medon. »Und?«

»Zwei von ihnen konnten die Befestigungen des Horts beschreiben. Die Vormauer ist fertiggestellt.«

Banor schnaubte unwillig. Das war nichts Neues. Ein Bote der Heeresabteilung, die den Hort belagerte, hatte davon berichtet. Die Soumrak hatten die besondere Lage des Horts dazu genutzt, um die Belagerer auf Abstand zu halten, bis die Mauer hochgezogen worden war. Mit dem Ergebnis, dass der Hort sich nun noch schwerer einnehmen ließ. »Was befindet sich zwischen der Vormauer und den eigentlichen Mauern? Ein Durchgang? Oder gibt es Hindernisse?«

»Das wussten sie nicht. Es gab wohl Pläne für einen Graben, aber sie konnten nicht sagen, ob der angelegt worden ist oder nicht. Über die Anlage des Horts und die Zahl und Waffen der Verteidiger konnten sie bis auf das Offensichtliche – Kanonen und Wachposten auf den Mauern – nichts sagen.«

»Was wissen sie über die Versorgung des Horts?« Das war eine Frage, die Banor und die anderen Magnen umtrieb. Ihre Spione, Soumrak, die gegen ein paar Münzen ihre Großmütter verkaufen würden, hatten ihnen im Laufe der Zeit einen Flickenteppich an Kenntnissen über den Hort verschafft. Was Wasser anging, wurde der Hort durch einen Brunnen versorgt. Doch wie stand es um Nahrung? Wie schafften es die Bewohner des Hortes, auf ihrem windumtosten Berggipfel nicht nur sich, sondern auch die zahlreichen Flüchtlinge aus dem Ödland zu ernähren? Die Anzahl der Felder und Gärten war überschaubar, aber es gab weitläufige Stallungen mit Kühen, Schafen und Ziegen. Doch wie wurden die durchgefüttert? Keiner der Spione hatte diese Fragen beantworten können und so mussten sie ihnen anderweitig auf den Grund gehen.

Die Schlacht von Dongan hatte den Soumrak empfindliche Verluste beschert und ihre Armee in den Süden des Dämmerreichs zurückgedrängt. Vor dem nächsten Sommer würden sie keine nennenswerte Kampfstärke aufbauen und den Mavrosryk erst einmal nicht gefährlich werden. Anstatt ihnen nachzujagen, hatte König Kudure daher beschlossen, endlich den Hort zu erstürmen, und so waren Banor und seine Männer nun dorthin beordert worden, um die bereits stationierten Truppen zu verstärken.

Die Aneignung der Geheimnisse des Horts, mit denen Kudure die Macht der Mavrosryk auszubauen gedachte, war das Ziel des Krieges. Die Strategie zu seiner Erreichung war einleuchtend gewesen: Ein Teil des Mavrosryk-Heeres belagerte den Hort, der andere verwüstete das Land um ihn derart, dass es nun Ödland genannt wurde. Damit sollten die Verbindungen des Horts zu den Dörfern und Städten und, so hatte Kudure angenommen, seine Versorgung gekappt werden. Bevor sie verhungerten, würden die Bewohner des Horts aufgeben. Die Nasiya würden gezwungen werden, ihre Fähigkeiten in den Dienst der Eroberer zu stellen. Alle anderen würde man in die Gefangenenlager bringen.

Es war anders gekommen. Man hatte den Hort nicht in die Knie zwingen können. Auf wundersame Weise gelang es seinen Bewohnern, sich zu versorgen und den Mavrosryk zu trotzen, eine für Kudure äußerst ungünstige Entwicklung, die er nun ein für alle Mal zu beenden gedachte.

»Davon wissen sie nichts«, sagte Medon. »Keiner von ihnen ist jemals im Hort gewesen. Sie hätten ihn ansonsten nicht mehr verlassen können. Was ihrem … Gewerbe nicht zuträglich gewesen wäre.«

»Gewerbe! Das ist Leichenfledderei, kein Gewerbe!«, schnaubte Banor.

Plünderer waren wie die Aasgeier. In graue, grüne oder braune Lumpen gekleidet, die sie mit der Landschaft verschmelzen ließen, folgten sie den Heeren in sicherem Abstand. Nach den Schlachten eigneten sie sich Gold, Schmuck und Münzen der Gefallenen an oder durchsuchten zerstörte Höfe und Häuser nach wertvollem Gut. Dabei unterschieden sie nicht zwischen eigenen und fremden Kriegern und Soldaten oder ob sie die Leichname oder Häuser ihrer Freunde oder Nachbarn ausraubten. Ihnen ging es einzig und allein darum, sich auf einfachste Weise zu bereichern. Dazu passte, dass Plünderer auch einander spinnefeind waren. Die acht Männer waren den Mavrosryk in die Hände gefallen, nachdem sie sich eine weithin hörbare Auseinandersetzung um eine Schmuckschatulle in einem der prächtigeren Häuser Dongans geliefert hatten.

Banor trat an den Tisch, auf dem die Beute der Plünderer ausgebreitet lag. Es gab Waffen, Münzen, Schmuck, darunter viele der silbernen Nasen- und Lippenringe, die von den Kriegern der Mavrosryk getragen wurden, Porzellanfiguren, Vasen und goldene Kerzenleuchter. »Die Kerle haben mit ihrem Raubzug während der Schlacht begonnen. Die Ringe haben sie unseren Toten abgenommen, bevor wir sie verbrennen konnten.«

»Sie haben zugegeben, hinter uns hergezogen zu sein und die Leichen ausgeplündert zu haben.«

»Haben sie Verletzte getötet?«

»Unter der Folter haben sie das zugegeben.«

»Beim großen Asbol! Das entscheidet ihr Schicksal. Sie werden vor Anbruch der Nacht erschossen und ihre Leichen zur Abschreckung liegen gelassen. Sollen die Geier sich an ihnen gütlich tun!«

Die Gefangenen fuhren zusammen. Von einem Mann, dessen Nase aussah, als wäre sie nach einem Bruch schief zusammengewachsen, kam ein flehendes »Bitte, Magne, ich habe nie …«

»Ruhe!«, donnerte Banor. »Das Urteil ist gefällt!«

»Aber, Magne!«, rief der Mann mit zitternder Stimme. »Was haben wir getan? Wir haben die Verletzten nur erlöst! Sie hatten Schmerzen und wären qualvoll gestorben! Und was ist der Unterschied zwischen uns und euch? Wenn ihr die Hinterlassenschaften der Toten an euch nehmt, dann nennt ihr es Kriegsbeute. Wenn wir das machen, heißt es Plündergut! Das ist …«

Mit einem Satz stand Banor dicht vor dem Mann. Er wusste um seine Wirkung. Die martialischen Kriegerrunen auf seinem kahl geschorenen Schädel, Ringe durch Nasen und Lippen und dass er den Plünderer um gut zwei Köpfe überragte, hatten den gewünschten Effekt. Der Kerl schnappte entsetzt nach Luft und versuchte zurückzuweichen, woran ihn der harte Griff einer Wache hinderte.

»Ach, Heilkundige seid ihr also auch!«, brüllte Banor. Speicheltropfen trafen den Mann, der vor Angst wimmerte. »Ihr wisst also genau, dass die Verletzten sterben werden! Wohl ganz besonders an lebensgefährlichen Verletzungen wie dem glatten Durchschuss eines Beines, oder? Wir pflegen die Verletzten gesund, Soumrak wie Mavrosryk! Wir bringen die überlebenden Soumrak in den Lagern unter! Wir haben uns unsere Kriegsbeute unter Einsatz unseres Lebens erkämpft! Und ihr? Ihr schleicht hinter uns und den Soumrak her und wartet auf eine Gelegenheit, euch zu bereichern! Gesindel, das seid ihr und sonst nichts! Wage es nicht noch einmal, unser Verhalten auf dieselbe niedere Stufe wie das deinige zu stellen!«

»Herr!«, warf ein anderer Gefangener ein, dessen dürre Gestalt an eine Vogelscheuche erinnerte. »Aber …!«

»Ruhe«, wiederholte Banor, dieses Mal leiser und drohender.

Der Mund des dürren Gefangenen klappte zu.

Banor wandte sich an Medon. »Erschießt sie zum Anbruch der Nacht so weit weg vom Lager, dass wir die Schüsse nicht hören. Dann vermeiden wir den Anblick ihrer Leichen, wenn wir morgen abmarschieren.«

Medon gab ein Handzeichen. Die Wächter zerrten die Männer weg, die jetzt in vielfältiges Geschrei verfielen und tränenreich ihre Unschuld beteuerten, worum sich niemand kümmerte.

Banor inspizierte das Plündergut. »Die Nasen- und Lippenringe sollen gereinigt und an die Krieger verteilt werden. Sie werden sie mit Stolz tragen.«

»Ja, Magne.«

Einige Schmuckstücke, eine Kette und zwei mit Edelsteinen besetzte goldene Ringe, fielen ihm ins Auge. Er zog seinen Lederhandschuh aus und nahm die Kette. Ihre silbrigen Glieder und die Diamantsplitter auf dem Anhänger, dessen Form an Kriegsrunen erinnerte, blitzten in der Sonne auf. Sie würde Hyla gefallen. Von den beiden Ringen passte ihm einer, aber das nur auf dem kleinen Finger, über dem, den er dort bereits trug. Er lächelte. Hyla würde ihn ob seiner Liebe für Schmuck foppen, wenn er zu ihr zurückkehrte. »Mein Krieger schätzt die schönen Dinge des Lebens. Wie kann es sein, dass er immer wieder in grauenvolle Schlachten zieht?«

Er zog sich den Handschuh über. »Die restlichen Dinge, die sie gestohlen haben, werden unter uns aufgeteilt. Jeder nimmt sich ein oder zwei Stück.«

»Ja, Magne.«

»Wir ziehen morgen früh beim ersten Licht zum Hort ab. Jetzt sorge dafür, dass die Plünderer ihre gerechte Strafe erhalten.«

Kapitel 2

»Da müssen unzählige Reiter entlanggezogen sein!«

Den ganzen Morgen waren sie auf dem Talweg gewandert, dessen einst von Wagenrädern ausgefahrenen Rinnen von Gras und Unkraut überwuchert wurden. Sie hatten darauf verzichtet, ihm mit etwas Abstand zwischen den Bäumen zu folgen. »Es wird uns kaum jemand entgegenkommen, hier ist geraume Zeit niemand gegangen«, hatte Ryu befunden. Trotzdem trug Caro den Rucksack, damit er nicht von ihm behindert würde, falls es galt, sich mit dem Schwert zu verteidigen. Der sperrige Tragekorb, in dem sie Rucksack, Proviant und Schwert aus dem Tempel geschmuggelt hatten, war auf dem Abhang jenseits des Schlosses, da, wo sie angekommen waren, zurückgeblieben. Als die Sonne den Zenit überschritt, mündete der Weg in einen wesentlich breiteren, der von Hufen aufgewühlt war.

Caro betrachtete die Hufspuren. »Die sehen frisch aus. Lang ist es nicht her, dass die Reiter vorbeigekommen sind.«

»Ich würde sagen, erst einige Stunden.« Es war ein unangenehmer Gedanke, auch wenn ihnen im Moment keine Gefahr drohte. Der Weg lag verwaist da. Zu ihrer Linken wurde er von dem Bach überströmt, dem sie gefolgt waren, machte eine weite Kurve und verschwand zwischen den Tannen. Nach rechts stieg er steil an und verlor sich im Grün des Waldes. Dort, über den Wipfeln der Bäume, dräuten mächtige Gipfel, die sehr viel näher lagen als die, die sie am Morgen vom Schloss aus gesehen hatten. Ryu deutete mit dem Kopf auf sie. »Möglich, dass der Weg von Pässen zwischen den Gipfeln dort kommt.«

»Dann könnte er über den Bach hin in Täler führen. Und aus den Bergen hinaus.«

»Ja. Die Hufabdrücke zeigen, dass die Reiter von den Pässen gekommen sind. Aber es sind mehr Hufspuren, als ich bei Gruppen von Reisenden erwarten würde. Es ist, als wäre eine berittene Armee vorbeigezogen.«

Caros Miene spiegelte Unbehagen wider. »Überraschend wäre es nicht. In dieser Welt scheint Krieg zu herrschen, wenn wir nach dem gehen, was wir im Schloss gesehen haben.«

»Es ist ein weiterer Anhalt dafür.«

»Fragt sich, ob wir den Reitern folgen sollen. Oder ob es sicherer ist, in die Berge zu gehen.«

»Oben in den Bergen wird es kaum größere Ansiedlungen geben. Wenn, dann liegen die in den Tälern oder jenseits der Berge. Unser nächstes Bild wird sich eher dort befinden als in einem Bergdorf.«

»Ein Pass könnte uns ebenfalls zu Ansiedlungen führen. Vielleicht gibt es in den Bergen Burgen, in denen das Bild hängen könnte.«

»Es sei denn, sie sind zerstört. Wie das Schloss.«

»Auch wieder wahr.«

Die Einsamkeit und das eintönige Rauschen der Tannen im leichten Wind machten Ryu unruhig. Was, wenn plötzlich noch mehr Reiter aus dem Wald auftauchten? »Falls eine Armee vorbeigezogen ist, könnten wir da, wo sie herkommt, auf weitere Soldaten treffen. Und auf Schlachtfelder, wenn wir in die andere Richtung gehen.«

»Oder umgekehrt. Wer sagt, dass die Soldaten in die Schlacht gezogen sind? Sie hätten von ihr zurückkommen können. Oder sie bewegen sich zwischen zwei Kasernen. Oder es sind doch keine Soldaten, sondern Reisende, die sich zum Schutz vor Räubern zusammengeschlossen haben. Was auch keine sonderlich beruhigende Vorstellung ist.«

Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn. »Du hast recht. Es macht keinen Sinn, über die Reiter zu spekulieren. Wir können nicht sagen, wer sie sind und wohin sie unterwegs waren. Wir sollten uns fragen, wo wir das nächste Bild am ehesten finden.«

»Ich würde den Weg talabwärts bevorzugen. Er wird sicher aus dem Gebirge führen. Da werden wir mehr Orte finden. Ich meine, das Einzige, was wir bisher gesehen haben, ist ein zerstörtes Schloss. Und Wildnis. So kann es jenseits der Pässe da weitergehen.«

»Ich denke auch, dass wir talabwärts am ehesten Erfolg haben werden. Es wird Ansiedlungen geben, in denen wir möglicherweise das Bild finden. Selbst falls es ursprünglich in einem jetzt zerstörten Schloss gehangen haben sollte, hätte es als Beutegut dorthin gelangen können. In den Ruinen irgendwelcher Burgen wird es nicht sein.«

»Also wenden wir uns talabwärts.«

»Aber wir sollten nicht den Weg nutzen. Von jetzt an ist es sicherer, sich zwischen den Bäumen zu bewegen.«

Im Wald zu laufen, mochte sicherer sein, doch es erwies sich als anstrengend. Fortwährend wichen sie niedrig hängenden, im Halbdunkel unter den Kronen aus Lichtmangel abgestorbenen Ästen aus und stolperten über ausladende Wurzeln, die ein Teppich aus braunen Tannennadeln heimtückisch verdeckte. Nach einiger Zeit erhob sich an der Bergseite ein steiler Abhang, der sich ihnen stetig näherte. Immer wieder wateten sie durch Bäche. Caro nutzte die Gelegenheit, als sich ein erneut Wasserlauf gurgelnd um die Bäume wand, und füllte den Lederschlauch auf. Ryu kniete am feuchten Ufer nieder, schöpfte Wasser mit der Hand und trank. Fische versteckten sich unter flachen Steinen im Bachbett.

»Wir sollten an ein Lager denken«, meinte sie. »Die Nacht bricht bald an.«

Er nickte. »Den Abhang hinauf wird es sicher sein. Wir wären weit genug vom Weg entfernt, um nicht von Reisenden überrascht zu werden.«

»Und wir haben Vorräte dabei, brauchen die Fische da also nicht mühsam zu fangen, um ein Abendessen zu haben.«

»Ich habe so lange keinen Fisch mehr gegessen, dass mir bei dem Gedanken das Wasser im Mund zusammenläuft.«

Sie lachte. »Ich könnte auch welchen vertragen. Wir bräuchten ein Feuer, um ihn zuzubereiten.«

»Das sollten wir vermeiden, der Schein würde uns weithin verraten. Begnügen wir uns für heute mit unserem Proviant. Komm, lass uns ein Lager finden.«

Der Hang war steil und sie zogen sich an Ästen und Baumwurzeln hoch, um vorwärtszukommen. Die Tannen lichteten sich nach einiger Zeit und gaben den Blick frei auf eine Geröllwiese, die nach oben von senkrecht abfallenden Felswänden begrenzt wurde. Zwischen zwei aneinanderlehnenden Felsbrocken fanden sie einen Platz, von wo aus sie über die Baumwipfel einen Ausblick in das Tal hatten. Auf dessen anderer Seite kroch der Wald an der Bergflanke hoch, um an einem steinigen Abhang unterhalb von glatten Felszinnen zu enden.

Sie breiteten die Decken aus und aßen, die Augen auf die Schneise des Weges durch die Tannen unter ihnen gerichtet. Bis auf die am sich verdunkelnden Himmel kreisenden Adler und eine Gams, die wenige Fuß entfernt in aller Ruhe über Felsbrocken kletterte, schien es nichts und niemanden zu geben.

»Wenn da nicht die Toten auf dem Schloss und die Reiter wären, würde es mir hier gefallen. Ich mag die Majestät der Berge und die Wälder«, sagte Ryu und legte den Arm um sie, strich mit den Fingern ihren Rücken hoch und streichelte die samtene Haut ihres Halses.

Sie nahm seine andere Hand zwischen die ihren und schmiegte sich an ihn. »Es ist eine wunderschöne Landschaft. Was die Toten und die Reiter angeht, sind wir wenigstens gewarnt. Wenn ich daran denke, wie sorglos wir durch die Hügel Talamhceos und den großen Wald marschiert sind …«

»So etwas wie Abanyama wird uns nicht noch einmal passieren.«

»Nein.« Sie gähnte. »Ich bin so müde. Letzte Nacht habe ich nicht viel geschlafen. Ich musste dauernd an Doran und Velus denken.«

»Grübelst du noch über die Skelette nach?«

Sie legte den Kopf an seine Schulter. »Nicht so sehr. Je länger wir wandern, desto mehr erscheint mir das, was wir gesehen haben, unwirklich. Wie ein Albtraum. An die erinnert man sich auch immer weniger, je mehr Zeit vergeht.«

»Das ist gut. Es hilft nicht, darüber zu brüten.« Am Morgen hatte sie krank ausgesehen und er sich um sie gesorgt. Während der Wanderung war die Farbe in ihr Gesicht zurückgekehrt, was ihn gehörig erleichterte. Künftig würde er sie vor dem Anblick von Toten beschirmen, so gut ihm das möglich war.

»Ich weiß.« Sie schloss die Augen.

Er zog eine Decke heran und legte sie um ihre Schultern. Die letzten Sonnenstrahlen tauchten die Berggipfel in glühendes Rot und Gold. Im aufziehenden Nachtblau des Himmels funkelten Sterne und ein warmer Wind wehte. Der Wald und die Abhänge waren dunkel. Kein verräterischer Schein von Lagerfeuern. »Ich denke, wir brauchen heute Nacht nicht Wache stehen. Es ist einsam hier.«

Ihre Antwort war ein ruhiges Atmen. Sie war eingeschlafen.

Er zog die Decke zurecht, legte das Kinn sachte auf ihren Kopf und starrte in die nächtliche Bergwelt. Seine Gedanken wanderten, verharrten bei der Durchsuchung des Schlosses und der Schusswaffe, die sie gefunden hatten. Trieben weiter zur Alkimia, in der ein brennender Alwin umhertaumelte. Doran schrie, er solle den Ritter verdammt noch mal in das Bild von Königstein stoßen. Das tat Ryu und stürzte sich in das Bild mit der Halle, merkte zu spät, dass Caro ja in das Bild mit dem Schloss gefallen war. Wie kam er aus der Halle dorthin? Er musste das Bild des Schlosses im Marmorpalast finden! Er durchsuchte den Thronsaal und die Kerkerzellen unter ihm, die voller höhnisch lachender Dasa waren. Sie riefen, sie hätten das Bild des Schlosses verbrannt …

*

Am nächsten Tag sahen sie den Wolf. Sie hatten ihre Wanderung früh am Morgen fortgesetzt. Caro war mit dem Sonnenaufgang aufgewacht und hatte Ryu vor den Felsen sitzend vorgefunden. Er sagte, er sei nach kurzem Schlaf hochgeschreckt und habe nicht mehr einschlafen können.

Sie wanderten auf der Geröllwiese weiter. Diese zog sich zwischen Felsklippen und dem Wald hin und folgte der Richtung des Weges unten im Tal.

»Reisende auf dem Weg werden uns nicht sehen«, sagte Ryu. »Die Bäume verdecken ihnen die Sicht und sie werden hoffentlich nicht daran denken, dass jemand am Berg oberhalb von ihnen unterwegs sein könnte.«

Wie recht sie hatten, hier oben geblieben zu sein, zeigte sich bald. Das Tal wurde stetig enger, der Wald hörte auf und der Weg wand sich durch eine Felsenschlucht, in die das Sonnenlicht kaum zu fallen schien. Die Abhänge waren dermaßen steil geworden, dass es ihnen nicht gelungen wäre, sie zu erklimmen. Sie hätten wohl oder übel auf dem Weg weitergehen müssen, ohne jegliche Hoffnung, sich vor anderen Reisenden verbergen zu können.

Sie folgten einem von Gämsen ausgetretenen Pfad und hatten einen weiten Blick das Tal hinunter und auf die Gipfelketten der Berge. Eine frische Brise verschaffte ihnen trotz der brennenden Sonne Kühlung und immer wieder trafen sie auf Bäche, an denen sie ihren Durst stillten und den Lederbeutel auffüllten. Im Säuseln des Winds meinte Caro, das Flüstern unsichtbarer Naturgeister zu hören. Wie einfach wäre es, wenn ihnen diese Geister sagen könnten, was es mit dieser Welt auf sich hatte! Wer die vielen Reiter gewesen waren. Was auf dem Schloss passiert war. Doch falls die Geister sie hörten, antworteten sie nicht.

Mit einem Mal erstarrte Ryu. »Da!«, flüsterte er und ging hinter einem großen Stein in die Hocke. Sie tat es ihm hastig nach.

Auf der gegenüberliegenden Talseite, jenseits der Felsenschlucht, sprang ein Wolf in majestätischen Sätzen über Steine und Felsbrocken, als gehörten die Berge ihm allein. Es war ein großes Tier mit einem silbergrauen Pelz und langem buschigen Schweif. Er jagte an Sträuchern vorbei und schreckte einen Hasen auf. Der raste wilde Haken schlagend den Berg hinauf. Der Wolf schien kurz zu stocken, als überlegte er, den Hasen zu jagen, setzte aber seinen bisherigen Weg fort.

»Ich glaube, er hat uns nicht gesehen«, murmelte sie.

»Nein. Der Wind kommt aus seiner Richtung. Jegliche Geräusche, die wir machen, wird er nicht hören und wittern wird er uns auch nicht.«

Sie beobachteten gebannt, wie sich das Tier entfernte. Schon bald war es nicht mehr zu sehen.

»Wir müssen des Nachts wachen«, meinte Ryu. »Ein einzelner Wolf wird uns nicht gefährlich werden, ein jagendes Rudel hingegen schon.«

»Er schien nicht abgemagert zu sein und den Hasen hat er ignoriert. Auf der Suche nach Futter wird er sich uns hoffentlich nicht nähern.«

»Wölfen wird es hier gefallen. Die Menschen scheinen die Berge verlassen zu haben oder durchqueren sie nur auf den Wegen. Es wird genug Beutetiere geben. Gejagt werden sie womöglich auch nicht.«

Caro war froh, dass er den Wolf so gelassen nahm. Erschreckt hatte sie sich zwar nicht, denn das Tier war in sicherer Entfernung und auf der anderen Seite der Schlucht gewesen. Aber wie ginge es ihr, stünde sie einem Wolf gegenüber? Sie meinte, sich zu erinnern, dass Wölfe Menschen nicht anfielen, doch das war auf der Erde. Träfe das auf die Wölfe dieser Welt ebenfalls zu?

Es beruhigte sie daher ungemein, dass Ryu bis zum Abend die Hand am Schwertknauf hielt und sie bei Einbruch der Dunkelheit einen Felsen fanden, der ihnen ein windgeschütztes Lager bot und den ein Wolf nicht würde erklimmen können. In dieser Nacht wechselten sie sich bei der Wache ab. Solange Caro wachte, blieb es ruhig. Ryu, der sie am Morgen weckte, berichtete von entferntem Wolfsgeheul, das rasch erstorben sei.

Nach einer Wäsche in einem nahen Bach und dem Frühmahl, bestehend aus Brot und Käse, brachen sie auf. Heute trug Ryu den Rucksack und hielt den Schwertknauf umklammert, bereit, die Waffe zu ziehen. Sie folgten wiederum dem Gamspfad. Die halsbrecherischen Sprünge der Tiere auf den Felsbrocken um sie herum entspannten Caro. Wenn Gämsen derart umhertollten, dann war kein Wolf in der Nähe.

Am Nachmittag ging das Tal in ein breiteres über, auf dessen Grund der Weg erneut zwischen Tannen verlief. Der Wald zog sich an der Bergflanke hinauf und die Gipfel erschienen nicht mehr ganz so mächtig wie am Vortag. Immer noch folgte der Gamspfad der Richtung des Weges unter ihnen, wurde nun aber häufig von kleineren Felsklippen versperrt, sodass sie immer wieder über Steine kletterten oder Felsen umgingen.

»Die Kletterei geht mir langsam auf die Nerven«, brummte Caro, als sie sich wieder einmal hinter Ryu um eine Felsnase hangelte. »Ich hoffe nur, der Weg …« Sie prallte in Ryu, der abrupt innegehalten hatte.

Eine Frau stand ihnen gegenüber. Caro zwinkerte, dachte, sie sähe ein Trugbild. Aber da stand tatsächlich eine Frau in einer langen, dunkelgrauen Jacke und ebenso grauen Hosen. Die schweren Stiefel waren von Lehmspritzern überzogen und die dunklen Haare unordentlich hochgesteckt. Wind und Wetter hatten Falten um Augen und Lippen gegraben und die von unzähligen Sommersprossen bedeckte Nase zeugte von langen, unter einer sengenden Sonne verbrachten Tagen. Auf dem Rücken trug die Frau einen Packen ähnlich einem Rucksack. Eine Hand fuhr unter die Jacke.

Sie hat ein Messer.

»Äh, hallo«, sagte Caro nach einem langen Moment verblüfften Schweigens.

Die Frau furchte die Stirn. Sie betrachtete erst Caro, dann Ryu abwägend.

Einfach weiterreden! »Wir hätten nicht gedacht, hier oben auf jemanden zu treffen. Ich bin Caro und das ist Ryu.«

Die Blicke der Frau flogen von Caro zu Ryu und zurück.

»Wir tun dir nichts«, setzte Caro nach.

Wieder gegenseitiges Schweigen. Caro fühlte sich schon genötigt, zu beteuern, dass weder sie noch Ryu gefährlich seien, da sagte die Frau langsam: »Ich bin Asrah.« Ihre Stimme klang rau, als hätte sie sie lange nicht benutzt.

»Bist du auf dem Weg in die Berge, Asrah?«, fragte Caro, froh, endlich eine Antwort erhalten zu haben.

Asrah nickte. »Und ihr?«

»Wir kommen aus den Bergen. Aber wir kennen uns nicht so gut aus. Kannst du uns sagen, wo die nächste Stadt liegt?«

»Die nächste Stadt? Ihr wisst nicht, wo ihr seid?«

»Nein.«

Asrah deutete mit dem Kopf über die Schulter. »Da hinten, jenseits der Berge, liegt das Ödland.«

»Ödland?«, echote Caro verwirrt. »Was ist das Ödland?«

Wieder furchte Asrah die Stirn. Dann schien sie einen Entschluss zu fassen, sah erneut von Caro zu Ryu und zurück. »Ihr seid Bildvagabunden?«

Caros Mund klappte auf und Ryu fuhr zusammen. »Ähm«, brachte Caro hervor, bevor sie unsicher fortfuhr: »Äh, ja, das sind wir.«

Asrah lächelte. »Keine Sorge. Ich bin auch eine Bildvagabundin.«

»Wirklich?«, schaltete sich Ryu ein. Er schien noch nicht von Asrahs Friedfertigkeit überzeugt zu sein. Seine Hand blieb auf dem Schwertknauf liegen.

»Ja. Ihr habt euch verraten, weil ihr nicht wusstet, was das Ödland ist. Jeder hier kennt es. Wo seid ihr angekommen?«

»An einem zerstörten Schloss oben in den Bergen, ungefähr zwei Tagesmärsche von hier. Kennst du es vielleicht?«, fragte Caro.

»Wo liegt es denn genau?«

»Auf einem kleinen Berg. In seiner Nähe ist ein Wasserfall und es gibt einen Talweg entlang eines Bachs, dem wir gefolgt sind. Er trifft auf einen breiteren Weg, der von einem Pass zu kommen scheint.«

»Ah ja. Das muss Schloss Kala sein. Es ist die einzige Burg der Soumrak, die nahe eines Passes liegt. Seid ihr im Schloss angekommen?«

»Nein, an einem Abhang dem Schloss gegenüber. Und du?«

»Nahe den Hafenstädten. Aber ich kenne die Berge ein wenig, die Schlösser und Burgen dort sind zerstört.«

»Warum?«, fragte Ryu. »Herrscht Krieg?«

»Ja.«

»Bist du ohne Begleitung unterwegs?«

»Ja. Aber erst seit Kurzem.« Asrah sah sich um. »Wir sollten hier nicht lange verweilen, das Land ist zu offen. Es dauert zwar noch bis zum Abend, aber wenn ihr mögt, können wir zusammen lagern. Dann erzähle ich euch alles. Über meine Reisen. Und diese Welt, das Dämmerreich.«

»In Ordnung«, sagte Ryu nach kurzem Zögern und Caro nickte.

»Da vorne bin ich an einem Felseinschnitt vorbeigekommen, der aussieht, als könnte man sich gut in ihm verstecken. Kommt mit.«

Der Gamspfad fiel von der Stelle ab, an der sie auf Asrah gestoßen waren, und näherte sich dem Grund des Tals. Die Bäume wurden weniger und hörten schließlich ganz auf. Der Weg war nunmehr von dem mit Felsbrocken übersäten Abhang aus einsehbar. Ein weiterer Pfad, der aus einem Seitental kam, mündete in ihn. Einige Schritte den Berg hinauf lag ein enger Einschnitt, den die Naturgewalten in die steilen Felswände geschlagen hatten und zu dem Asrah sie führte. Er war nur wenige Meter tief und gewährte ihnen bequem Platz. Sie setzten ihre Packen ab und ließen sich nieder.

»Bis es dunkel wird, dauert es noch«, meinte Caro, die sich unangenehm der Stille zwischen ihnen bewusst war. Schon den Weg hierher hatten sie schweigend zurückgelegt und auch jetzt machte Asrah keine Anstalten, etwas zu sagen. »Vielleicht sollten wir uns von unseren Erlebnissen berichten. Bevor wir etwas essen.«

»Das klingt vernünftig.« Asrah lehnte sich mit dem Rücken gegen die Felswand. Als Ryu das Schwert griffbereit neben sich legte, flog ein kleines, ironisch wirkendes Lächeln über ihr Gesicht. »Wann seid ihr angekommen?«

»Vorgestern«, sagte Ryu. »Wie lange bist du schon hier?«

Sie überlegte kurz. »Etwa ein Varsada.«

»Varsada?«

»So nennt man in meiner Welt den Zeitraum, den es braucht, um alle sechs Pflanzzeiten zu durchlaufen.«

»Pflanzzeiten? Du meinst Jahreszeiten?«, fragte Caro. »In meiner Welt gibt es nur vier.«

»Welche Welt ist das?«

»Die Erde. Ryu kommt aus dem Marmorpalast.«

»Der Marmorpalast!«, rief Asrah. »Davon habe ich gehört. Ich habe einmal einen Bildvagabunden getroffen, der dort gewesen ist. Bist du einer dieser Gestaltwandler, ein Drache?«

»Das bin ich«, bestätigte Ryu.

»Und … was für ein Drache bist du? Wie siehst du aus? In meiner Heimat, in Lykyada, sind Drachen klein und grün!« Die verhaltene Miene war leuchtenden Augen gewichen und Asrah lehnte sich vor, als wolle sie kein Wort von dem verpassen, was Ryu zu sagen hatte.

Caro biss sich auf die Lippen, um ein Lächeln zu unterdrücken, das einerseits der Erleichterung über das Ende des unbehaglichen Schweigens, andererseits Asrahs Beschreibung geschuldet war, die ein Bild von Drachen heraufbeschwor, wie sie in Kinderbüchern dargestellt wurden.

»In anderen Welten, in denen ich gewesen bin«, fuhr Asrah eifrig fort, »waren die Drachen gefährliche Untiere …, entschuldige, also in jedem Fall waren sie angeblich sehr groß und konnten sogar Feuer spucken! Gesehen habe ich so etwas aber noch nicht.«

»Ich wandle mich zu einem goldenen Drachen«, erklärte Ryu steif. Asrahs Begeisterung schien ihm peinlich zu sein. »Drachenfeuer kann ich ebenfalls speien, aber ich mache das nur selten, weil es sehr kräftezehrend ist.«

»Und die Wandlung? Ist die kräftezehrend?«

»Nein.«

»Benutzt du einen Zauberspruch für die Wandlung?«

»Äh, nein.«

»Wandelst du dich häufig?«

»Nein. In menschlicher Gestalt ist es sehr viel einfacher für mich. Ich brauche weniger Nahrung und weniger Platz.« Ryu warf Caro einen Blick zu. Hilf mir!, schien er zu sagen.

»Wieso interessierst du dich für Gestaltwandler, Asrah?«, kam sie zu seiner Rettung.

»Ach, es ist nichts weiter. In vielen der Welten, die ich durchreist habe, bin ich auf Gestaltwandler getroffen. Meist verwandelten sie sich in Tiere, aber in einer Welt wurden sie zu Pflanzen, zu Bäumen.« Asrah errötete. »Entschuldige, wenn ich zu sehr in dich gedrungen bin, Ryu. Es interessiert mich einfach.«

»Das ist schon in Ordnung. Gestaltwandler gibt es in vielen Welten?«, wiederholte Ryu überrascht.

»Ja.« Asrah nickte eifrig. »Sie wandeln sich auf die verschiedenste Weise. Manche nutzen Zaubersprüche, andere wandeln sich einfach so, wieder andere müssen einen bestimmten Trunk zu sich nehmen.«

»Hm«, machte Caro. »Jetzt, wo du es sagst: Mit dieser hier bin ich bisher durch vier Welten gereist und in zweien davon, also der Hälfte, gab es Gestaltwandler. Falls es hier keine gibt, natürlich.«

»Soviel ich weiß, nicht.«

---ENDE DER LESEPROBE---