Blood In The Ink - Mia Kingsley - E-Book + Hörbuch

Blood In The Ink E-Book und Hörbuch

Mia Kingsley

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Beschreibung

Drei Frauen sind verschwunden. Werde ich Nummer 4 sein? Sie sagen, dass Declan Knight seine Frau umgebracht hat, aber ohne Leiche gibt es keine Beweise. Sie ist verschwunden, nachdem er sein letztes Buch fertiggestellt hatte. Sie war die Muse für seine Geschichten. Vor ihr hatte er zwei andere – auch sie werden vermisst. Jetzt sagt er, ich sei die perfekte Inspiration für seinen neuen Roman. Wahrscheinlich sollte ich vorsichtig sein. Aber wie soll ich klar denken, vielleicht sogar ablehnen, wenn seine Berührungen mich um den Verstand bringen? Dark Romance. Düstere Themen. Eindeutige Szenen. Deutliche Sprache. In sich abgeschlossen.

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Zeit:5 Std. 53 min

Sprecher:Lotte Fuchs

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BLOOD IN THE INK

MIA KINGSLEY

DARK ROMANCE

Copyright: Mia Kingsley, 2016, Deutschland.

Coverfoto: © Mia Kingsley

Korrektorat: http://www.swkorrekturen.eu

Alle Rechte vorbehalten. Ein Nachdruck oder eine andere Verwertung ist nachdrücklich nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet.

Sämtliche Personen in diesem Text sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig.

Black Umbrella Publishing

www.blackumbrellapublishing.com

INHALT

Blood In The Ink

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

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Über Mia Kingsley

BLOOD IN THE INK

Drei Frauen sind verschwunden. Werde ich Nummer 4 sein?

Sie sagen, dass Declan Knight seine Frau umgebracht hat, aber ohne Leiche gibt es keine Beweise. Sie ist verschwunden, nachdem er sein letztes Buch fertiggestellt hatte. Sie war die Muse für seine Geschichten. Vor ihr hatte er zwei andere – auch sie werden vermisst. Jetzt sagt er, ich sei die perfekte Inspiration für seinen neuen Roman. Wahrscheinlich sollte ich vorsichtig sein. Aber wie soll ich klar denken, vielleicht sogar ablehnen, wenn seine Berührungen mich um den Verstand bringen?

Dark Romance. Düstere Themen. Eindeutige Szenen. Deutliche Sprache. In sich abgeschlossen.

KAPITEL 1

EVELYN

Mit hochgezogener Augenbraue zupfte Joyce an meinem schwarzen Faltenrock. »Wie ich sehe, ist die Evelyn Porter zurück, die ich kenne und liebe.«

Ich schob ihre Hand zur Seite. »Jetzt übertreib mal nicht.«

»Das war ein Kompliment«, schnaubte sie und zog im gleichen Moment meinen Mantel auseinander. »Nett.«

Verwirrt sah ich an mir herunter. »Nett« war nicht unbedingt das, was ich mir bei meinem Outfit gedacht hatte. Ich trug ein schwarzes Kleid mit weißem Kragen und einem kleinen Faltenrock, der in der Mitte meiner Oberschenkel endete, dazu schwarze Kniestrümpfe und rote Lack-Mary-Janes. Zusammen mit meinen pechschwarzen Haaren sah ich aus wie Alice im Wunderland, wenn sie ein Goth gewesen wäre.

Ausnahmsweise hatte ich meine Haare offen gelassen und nur mit einer Haarnadel auf einer Seite hinter mein Ohr geklemmt, damit das kleine Anker-Tattoo an meinem Nacken besser zur Geltung kam.

»Du trägst sogar das Septum-Piercing wieder! Behaupte bloß nicht, dass das nichts mit deiner Trennung zu tun hat.«

Ich rümpfte die Nase. »Vielleicht hatte ich Lust auf eine Veränderung.« Energisch drehte ich mich von ihr weg, damit ich meinen Mantel schließen konnte. Danach überprüfte ich automatisiert, ob der goldene Halbring in meiner Nase nicht verrutscht war.

Ihr melodisches Lachen steckte mich wie immer an – ob ich wollte oder nicht.

»Ehrlich gesagt bin ich mir ziemlich sicher, dass es nicht unter Veränderung fällt, wenn man nach der Trennung wieder aussieht wie vor der Beziehung.«

Wenn meine beste Freundin noch länger darauf herumritt, dass ich zu meinem alten Look zurückgekehrt war, würde ich sie auf dem Bürgersteig stehen lassen. So unglaublich verändert hatte ich mich nun auch wieder nicht. Eine Weile hatte ich vielleicht auf mein Piercing verzichtet und nicht mehr ganz so viel Schwarz getragen, aber sie führte sich auf, als hätte ich eine Kehrtwendung vom unschuldigen Engel zum verruchten Vamp hingelegt.

»Erinnere mich noch gleich daran, warum ich mitkomme?«, zog ich sie auf, um das Gespräch endlich von mir wegzulenken.

Joyce warf ihre blonden Locken nach hinten und klimperte mit den dunkel getuschten Wimpern. »Weil du meine einzige Freundin bist, die mich zu der Autogrammstunde begleiten wollte.«

»Von wollen kann hier nicht die Rede sein. Du hast mir so lange Honig um den Bart geschmiert, bis ich zugestimmt habe. Ich verstehe eh nicht, was du an dem Kerl findest.«

»Aber du kommst trotzdem mit, und deswegen bist du einfach die Coolste, Eve.«

»Ich bin nur die Einzige in deinem Bekanntenkreis, die noch kein Kind geworfen hat, du Vorstadtmutti. Wissen deine Stepford-Freundinnen eigentlich, was du gerade machst?«

Joyce kicherte. »Natürlich nicht.«

Natürlich nicht, wiederholte ich in Gedanken. Ich war viel zu gutmütig, dass ich mich hatte überreden lassen, Joyce zu Branson’s Book Store zu begleiten, wo der Erotikautor Declan Knight heute eine exklusive Signierstunde gab.

In ihrer Schwangerschaft hatte Joyce angefangen, seine Fetisch-Romane zu verschlingen und war seitdem zu einem regelrechten Groupie geworden.

Da sie wusste, dass ich seit der Trennung von Chester den Großteil der Zeit damit beschäftigt gewesen war, Trübsal zu blasen, hatte sie leichtes Spiel gehabt.

Zur Feier des Tages hatte ich mich endlich wieder so angezogen, wie ich wollte. Überhaupt wollte ich mich in den kommenden sechs Monaten neu erfinden. In der letzten Zeit hatte meine Karriere gelitten, und ich plante, eine Weile zu verreisen, um meine kreativen Batterien wieder aufzuladen. Für meinen Job als Fotografin war das unerlässlich, ich musste wieder anfangen, mich um mich selbst zu kümmern.

Nicht, dass meine Beziehung zu Chester übel gewesen wäre oder schlecht geendet hätte, aber irgendwie hatten wir uns im Laufe der Zeit immer mehr einander angepasst, bis wir uns gegenseitig nur noch gelangweilt hatten. Wir funktionierten besser als Freunde, nicht als Paar – obwohl die Erinnerung an den Sex mit ihm meine Knie immer noch weich werden ließ.

Aber was nicht sein sollte, sollte nun einmal nicht sein.

Joyce hakte sich bei mir ein und warf mir einen Seitenblick zu. »Du siehst toll aus, Eve. Im Ernst. Ich vergesse immer, wie stechend deine Augen sind, wenn du die Haare schwarz trägst.«

Ich verzog den Mund spöttisch, sagte aber nichts. Eigentlich hatte ich rote Haare und die dazugehörigen Sommersprossen, aber ich bevorzugte es, nicht daran erinnert zu werden, dass ich wie meine Mutter aussah. Und das, obwohl sie seit mehr als zehn Jahren tot war.

Nach einer Weile presste ich hervor: »Danke.«

»Uh, ich bin so aufgeregt! Hoffentlich ist Declan genauso attraktiv wie auf den Bildern.«

Das wagte ich stark zu bezweifeln, denn so attraktiv konnte kaum ein Mann sein. Vermutlich war auf dem Autorenfoto lediglich ein Model zu sehen, und gleich würde der Glöckner von Notre-Dame in der Buchhandlung sitzen. Ich fragte mich, wie interessant Joyce die Bücher dann noch finden würde. Es überraschte mich sowieso, dass sie auf Knights Romane gestoßen war. Sie waren düster, mit allerlei perversen Handlungen gefüllt und bedienten eher eine Zielgruppe, zu der ich Joyce nicht wirklich zählen würde.

»Ich kann nicht glauben, dass wir wirklich auf dem Weg sind, Creepy McCreeperson zu bestaunen.«

Sie schnalzte mit der Zunge. »Nenn ihn nicht so, er ist nicht gruselig.«

»Er soll drei Frauen umgebracht haben. Wie würdest du das denn nennen, wenn nicht gruselig? Hast du eigentlich eine Waffe zur Verteidigung dabei?«

An der Art, wie Joyce ihre Lippen aufeinanderpresste, konnte ich ablesen, dass sie im Begriff war, wütend zu werden. »Das war nichts weiter als eine Schmutzkampagne der Presse. Du weißt selbst, dass hinter den Vorwürfen nichts steckt, er wurde nicht einmal verhaftet. Die Frauen sind einfach nur verschwunden. Es war sozusagen eine Verkettung unglücklicher Umstände.«

»Du klingst wie die Präsidentin seines Fanklubs, wenn ich das bemerken dürfte. Ich komme eigentlich nur mit, damit du nicht die Nächste bist, die verschwindet.«

»Das weiß ich zu schätzen, aber das ist absurd. Wenn du ihn erst einmal kennengelernt hast, wirst du deine Meinung auch ändern.«

Ich unterdrückte ein Grinsen. »Weil du ihn so gut kennst?«

»Wer solche Bücher schreibt, kann kein schlechter Mensch sein.«

Joyce klang dermaßen überzeugt, dass ich mir jedes weitere Wort sparte. So kannte ich sie gar nicht. Eigentlich war sie viel realistischer als ich, hatte einen bodenständigen Job, war seit fünf Jahren verheiratet und hatte eine zweijährige Tochter.

Es hätte eher zu mir Tagträumerin gepasst, mich Hals über Kopf in einen Schriftsteller zu verknallen. Zumal ich mit den in seinen Büchern beschriebenen Fetischen viel mehr anfangen konnte als meine kleine, unbedarfte Joyce, die schon einen Blowjob im Auto so aufregend fand, dass sie sich praktisch wochenlang davon erholen musste.

Allerdings hatte ich ihr wohlweislich verschwiegen, dass ich die Bücher kannte, denn ich verspürte nicht die geringste Lust, sie mit ihr bis ins kleinste Detail zu diskutieren.

»Da ist der Laden«, rief Joyce aufgeregt und ließ mich los, um in die Hände klatschen zu können. Branson’s Book Store wahrte den Anschein, aus einer anderen Epoche zu stammen. Über die gesamte Front wölbte sich ein dunkelgrüner Sonnenschutz, drei kleine Stufen führten zur Eingangstür. Die kurze Treppe war mit einem schmiedeeisernen Geländer versehen und in schnörkeligen Buchstaben prangte der Name an der Scheibe.

Im Inneren roch es nach Büchern und Tee. Eine altmodische Glocke schlug an, als wir den Laden betraten. Drinnen war es unglaublich warm, weshalb ich den Mantel sofort abstreifte und über meinen Arm legte.

Spätestens jetzt war klar, dass wir am richtigen Ort waren. Eine große Menge junger Frauen umringte einen Tisch.

Von hier sah ich nur einen dunkelbraunen Haarschopf und breite Schultern, die in einem maßgeschneiderten Jackett steckten.

Ein Angestellter des Ladens versuchte, die Damen zur Ordnung zu rufen, und forderte sie immer wieder auf, sich doch bitte in einer Reihe aufzustellen. Er wurde ignoriert.

Ich konnte die kurzen Röcke und tiefen Ausschnitte gar nicht zählen. High Heels, Overknees, Plateau-Pumps – jeder Schuhliebhaber wäre bei dem Anblick voll auf seine Kosten gekommen. Teilweise hatten die Ladys es meiner Meinung nach übertrieben, denn ich hatte schon Stripperinnen gesehen, die mehr Kleidung trugen.

»Und jetzt?«, fragte ich und wandte mich zu Joyce.

Sie grinste selig. »Jetzt warten wir.«

Es grenzte an Ironie, dass ich mich ausgerechnet in einem Buchladen zu Tode langweilte. Ich stand mir die Beine in den Bauch und wartete seit mehr als 90 Minuten darauf, dass der große Declan Knight uns Audienz gewährte – oder besser Joyce, denn ich war gar nicht daran interessiert, ihn kennenzulernen.

Fast zwei Stunden hatte es jetzt gedauert, bis sich das Ende der Schlange – also wir – nah genug an den Tisch herangearbeitet hatte.

Immer wieder erhob sich Gemurmel, wenn die Nächste in der Reihe der Meinung war, ihre Vorgängerin würde zu viel der kostbaren Aufmerksamkeit von Mister Knight beanspruchen.

Obwohl wir schon absichtlich spät aufgebrochen waren, weil Joyce gehofft hatte, so den größten Ansturm zu vermeiden, war es inzwischen so spät, dass der verzweifelte Mitarbeiter den Laden abgesperrt hatte. Es war lang nach Ladenschluss.

Es kamen zwar keine neuen Bewunderinnen mehr an, aber er musste jetzt jeden Fan einzeln hinauslassen.

Wenigstens konnte ich mir nun ein Bild des begehrten Autors machen und ich konnte es leider nicht leugnen: Er sah umwerfend aus.

Hätte ich mir einen Mann nach meinen Vorlieben zusammenstellen dürfen, würde er wahrscheinlich wie Declan Knight aussehen.

Dunkle Haare, eindringliche grüne Augen und ein gepflegter Fünf-Tage-Bart, der meine Finger mit dem Verlangen jucken ließ, sie hindurchgleiten zu lassen. Die hohen Wangenknochen und der ausgeprägte Kiefer ließen ihn durch und durch männlich erscheinen.

Immer wenn er seine großen Hände nach einem weiteren Buch ausstreckte, um es zu signieren, stellte ich mir vor, wie sein Griff sich wohl um meine Kehle anfühlen würde.

Mörder hin oder her – ein wenig über ihn zu fantasieren, würde wohl noch erlaubt sein.

Die Schlange bewegte sich ein weiteres Mal und eine süße Stimme sagte: »Ich bin Ihr größter Fan.« Sie klang unschuldig, gleichzeitig schwang ein Hauch von Flirt darin mit.

Declan Knights Lippen verzogen sich zu einem Grinsen, doch er sah nicht einmal hoch, als er fragte: »Und wie ist der Name meines größten Fans?«

Ich konnte heraushören, dass er sich langweilte. Sein größter Fan schien diese Nuance nicht wahrzunehmen, denn ihr Lächeln wurde noch breiter. »Sally«, haspelte sie.

Declans Augen wurden für den Bruchteil einer Sekunde schmal. War ihm der Name vielleicht zu gewöhnlich? Oder kannte er eine Sally, die er nicht mochte? Warum interessierte es mich überhaupt?

Er nahm den bereitgelegten Füller, klappte das gebundene Buch auf, das sie ihm nervös auf den Tisch gelegt hatte, und schrieb: Für Sally. Danke für’s Lesen. D. Knight.

Ich unterdrückte ein Kichern. Das war keine sonderlich einfallsreiche Signatur.

Der berühmte Erotikautor klappte das Buch zu, schob es Sally zu und schenkte ihr ein unglaublich falsches Lächeln. »Bitte.«

Nun waren nur noch wir an der Reihe.

Nach dem, was Joyce über ihn erzählt hatte, hätte er zufriedener aussehen müssen. Welcher Mann genoss es nicht, den ganzen Tag von jungen Frauen umschwärmt zu werden, die nichts lieber wollten, als zu ihm ins Bett zu kriechen und die nächste Muse zu werden?

Seit seine Frau verschwunden war, spekulierten die Medien über ihn, und sein Verlag drängte auf das nächste Buch. Bisher hatte er jedes Jahr ein neues Meisterwerk abgeliefert, und nun waren zwei Jahre bis zu dieser Veröffentlichung vergangen.

Meiner Meinung nach plagte ihn sicherlich das schlechte Gewissen, weil er immerhin mit großer Wahrscheinlichkeit ein Mörder war. Aber mich fragte ja niemand.

Declan Knight sah der unbedarften Sally hinterher, bevor er das nächste Hardcover-Exemplar vom Stapel griff. Es lag bereit vor ihm, bevor er endlich den Blick hob und Joyce zur Kenntnis nahm.

Ich hielt mich unauffällig an ihrer Seite und studierte das Titelbild des Buches. Es zeigte eine gefesselte Frau.

Die Geschichte zu den Covern kam mir bereits an den Ohren raus. Angeblich suchte sich der unvergleichliche Mister Knight seine Muse, fesselte sie, vögelte sie und machte währenddessen Bilder von ihr. Danach wählte er das beste Foto und verewigte es eigenhändig in Öl auf einer Leinwand. Dieses Gemälde wurde gescannt und digital nachbearbeitet, bis das Cover fertig war.

Das dazugehörige Buch schrieb er angeblich erst nach diesem Prozess.

Sein neuestes Werk »Passion« umfasste 500 Seiten, und ich konnte noch immer nicht verstehen, dass der Verlag seinen Segen zu dermaßen ausgelutschten und wenig einfallsreichen Titeln gab.

Ich spürte Joyce’ Aufregung und wusste, wie lange sie bereits auf den Moment hingefiebert hatte, Declan Knight endlich zu treffen.

Als er sie aus den grünen Augen ansah, wurde sie knallrot und stotterte einfach nur: »J-J-Joyce, bitte.«

So hatte ich sie wirklich noch nie erlebt und ich beobachtete das Ganze mit gerunzelter Stirn. Sichtlich geschmeichelt kritzelte er eine kaum leserliche Signatur in das Buch und klappte es zu. Doch er schob es ihr nicht hin, sondern legte die Hand darauf. »Joyce, verrate mir doch, wer deine gelangweilte Freundin ist.«

KAPITEL 2

EVELYN

Abrupt richtete ich mich auf. »Ich kann für mich selbst sprechen, Mr. Knight«, wies ich ihn scharf zurecht.

Joyce rammte mir ihren Ellenbogen in die Seite, weil ich die Stimme gehoben hatte. Ich ignorierte es. Nur weil sie in den letzten Monaten zu seinem treuesten Fan mutiert war, musste ich nicht nett zu ihm sein. Ich fand ihn schlicht überheblich und dreist und musste mich zusammenreißen, nicht die Fäuste zu ballen. Er hatte etwas an sich, das mich sofort aus der Haut fahren ließ. Das war nicht gut, denn eigentlich hatte ich mich problemlos im Griff.

Zum ersten Mal heute zeigte Declan Knight sein wahres Lächeln. Ein Schauer lief mein Rückgrat entlang, denn ich war mir ziemlich sicher, dass ein Löwe auf diese Weise die Gazelle anlächelte, bevor er seine Zähne in ihren Hals bohrte, um sie zu fressen.

Leider wirkte er im gleichen Moment auch unglaublich verführerisch.

Seine Augen blitzten auf, seine Neugier war unverkennbar. »Nun denn. Wie ist dein Name?«

»Ich bin nicht interessiert. Mein Name ist ›ich bin nicht interessiert‹.« Genervt verschränkte ich die Arme und wusste nicht einmal mehr, warum ich mich überhaupt hatte breitschlagen lassen, Joyce zu begleiten.

Das war wieder typisch. Jede Frau in der Warteschlange hätte ihre rechte Hand dafür gegeben, von ihm mit dieser Art von Aufmerksamkeit bedacht zu werden, und seine Wahl fiel auf mich. Wahrscheinlich brauchte sein Ego die Bestätigung, indem er die einzige Frau herumbekam, die ihm die kalte Schulter zeigte.

Meine beste Freundin fiel mir mit Anlauf in den Rücken. »Evelyn. Sie heißt Evelyn Porter, ihre Freunde sagen Eve.«

Ich starrte Joyce an, als hätte sie den Verstand verloren, was ganz offensichtlich auch passiert war. Bevor ich sie zurechtweisen konnte, umfasste sie meinen Ellenbogen und bugsierte mich um die Ecke, hinter ein Regal.

»Spinnst du?« Wütend machte ich mich los.

»Du bist sein Typ«, quiekte sie aufgeregt und tanzte in winzigen Trippelschritten auf der Stelle.

»Was?«

»Ich habe dich überredet, mitzukommen, weil ich gehofft habe, dass das passieren würde.« Joyce klatschte in die Hände und führte eine Art Freudentanz auf. »Vielleicht kannst du seine nächste Muse werden. Das wäre unglaublich cool!«

»Cool? Bist du verrückt geworden? Du kannst mich doch nicht mit einem potenziellen Serienmörder verkuppeln!«

Sie winkte ab. »Ach was. Declan hat niemanden umgebracht, sieh ihn dir doch an.« Sie schielte um das Regal herum, und ich lehnte den Oberkörper nach hinten, um ihrem Blick zu folgen.

Sein amüsiertes Grinsen ließ meine Kehle eng werden. Er war aufgestanden und lehnte nun gegen den Tisch, an dem er gerade noch signiert hatte. Mit verschränkten Armen beobachtete er uns. Vermutlich wusste er sogar, worum das Gespräch sich drehte. Im Stehen wirkte er noch imposanter und überragte mich um einen Kopf. Ich musste den Blick abwenden, bevor ich ihm zu konzentriert in den Schritt gestarrt hätte, um zu ergründen, wie sein Schwanz wohl aussah.

Es war seine eindringliche Dominanz, die meine Nerven strapazierte. Zwar wagte ich stark zu bezweifeln, dass meine beste Freundin sie überhaupt zur Kenntnis genommen hatte, aber ich war nervös geworden. Declan Knight war ein Mann, dem ich mich nur zu gern ergeben würde – aber ich hing an meinem Leben.

Ich schob Joyce tiefer in den Gang und widerstand sowohl dem Impuls, sie zu erwürgen, als auch der Versuchung, einfach davonzulaufen. »Das ist nicht dein Ernst!«

»Wirklich, Eve. Das ist bestimmt nur eine Verlagsmasche, damit die Bücher sich besser verkaufen. Immerhin wurde er nie angeklagt, nicht einmal offiziell verhaftet.«

»Wie beruhigend.«

»Spar dir deinen Sarkasmus und geh mit ihm aus«, flehte sie.

»Was? Nein!«

»Bitte, Eve, bitte. Tu es für mich! Ich bin nicht sein Typ und werde es nie sein, aber du bist perfekt. Geh mit ihm essen, nur ein Mal – und berichte mir jedes einzelne Detail. Nur dieses eine Mal. Ich habe doch sonst keinen Spaß in meinem Leben. Weißt du, was ich letztes Wochenende gemacht habe? Das Gäste-WC lindgrün gestrichen. Das war so ziemlich das Aufregendste, was mir in den letzten Monaten passiert ist.«

»Aber …« Mir fiel kein Grund ein, den sie hätte gelten lassen. Außerdem konnte ich unmöglich zugeben, dass sie mir leidtat, weil ich mich schon beim Zuhören gelangweilt hatte.

»Bitte, bitte, bitte! Du bist meine beste Freundin, du bist Single und ich rotte in der Vorstadthölle vor mich hin. Bitte!« Sie faltete tatsächlich die Hände und riss ihre Augen so weit auf, dass ich fürchtete, sie könnten aus ihrem Kopf fallen.

»Du kannst doch nicht von mir verlangen, mit jemandem auszugehen, der mich wahrscheinlich töten wird.« Ich versuchte, einen sarkastischen Tonfall beizubehalten, dabei klopfte mein Herz bei dem Gedanken tatsächlich schneller. Zumal ich rein vom Äußerlichen verstehen konnte, was die Leserinnen an Declan Knight fanden.

Die Vorstellung, mit ihm ins Bett zu gehen, trieb meinen Puls in die Höhe, allerdings nur zum Teil aufgrund der Erregung. Eine größere Rolle spielte die Gefahr, die von ihm ausging.

»Mach dich nicht lächerlich!« Joyce senkte ihre Stimme. »Abgesehen davon, dass er unschuldig ist, hast du doch auch sonst nie Angst. Du warst Höhlentauchen, Fallschirmspringen und bei einer Wüstenwanderung dabei, aber ein Date mit einem Schriftsteller ist zu aufregend?«

Joyce kannte mich leider viel zu gut. Ich konnte einer Herausforderung einfach nicht widerstehen. »Es ist ja nicht irgendein Date, es ist ein Date mit dem wahrscheinlich geschicktesten Serienmörder aller Zeiten.« Inzwischen flüsterte ich auch.

»Eve, bittebittebittebittebitte!«

Genervt rollte ich mit den Augen. »Ich muss es mir überlegen.«

Bevor ich sie aufhalten konnte, drehte sie sich auf dem Absatz um und eilte zurück zu Declan Knight.

Er hielt ihr das signierte Buch hin und Joyce lächelte selig. Sie umfasste es mit zwei Händen und presste es gegen die Brust.

Warum hatte ich nur das Gefühl, für eine signierte Hardcover-Ausgabe eines Erotikromans verkauft worden zu sein?

Unschlüssig, wie ich aus der Sache jetzt wieder herauskommen sollte, blieb ich im Gang stehen. Normalerweise behielt ich in Diskussionen mit Joyce die Oberhand, aber sie hatte auch noch nie so hartnäckig um etwas gebeten.

Ich zögerte zu lang, denn während Joyce verliebt in Declans neuestem Machwerk blätterte, stieß er sich vom Tisch ab und kam geradewegs auf mich zu.

Die Art, wie er mich anblickte, wie er mit mir redete, sogar wie er sich auf mich zubewegte – ich erkannte einen dominanten Mann, wenn ich ihn sah. Obwohl ich den Schluss schon viel früher gezogen hatte, konnte ich mich trotzdem nicht dagegen wehren, dass er meine Knie weich werden ließ. Wenn er zufälligerweise nur auf die Hälfte der Praktiken stand, die er in seinen Büchern beschrieb, dann würde ich ihm mit Haut und Haaren verfallen.

Zwar hatte ich schon nach dem Lesen seiner Bücher einen gewissen Verdacht gehabt, aber mir war bewusst, dass es sich zum größten Teil um Fiktion handelte, deswegen hatte ich mich mit Rückschlüssen auf seine Persönlichkeit zurückgehalten.

Aber es gab keinen Zweifel – schon gar nicht, als er direkt vor mir stehen blieb. So dicht, dass ich einen Schritt zurücktreten musste, um ihn überhaupt ansehen zu können.

Dieser überhebliche Mistkerl!

Obwohl er mir keine Wahl gelassen hatte, kam es mir wie ein Zeichen der Schwäche vor, dass ich zurückgewichen war.

Seine breiten Schultern versperrten mir die Sicht, sodass ich nicht wusste, was Joyce gerade eigentlich tat. Irgendetwas sagte mir jedoch, dass sie sich auf Declans Seite schlagen würde – egal, was jetzt passierte.

Ich starrte ihn aus schmalen Augen an und wollte mich rechts an ihm vorbeischieben, als er den Arm ausstreckte und die Hand auf das Regal hinter mir legte. Daraufhin wollte ich links die Flucht antreten und wieder hob er den Arm.

Sein angenehmer, verführerischer Duft stieg in meine Nase, während ich gefangen an Ort und Stelle ausharrte. Gefangen zwischen den Armen eines teuflisch attraktiven Mannes mit zweifelhafter Vergangenheit.

»Ich würde gern gehen.«

»Nein.« Er hatte leise und eindringlich gesprochen, und ich wagte zu bezweifeln, dass irgendwer außer mir ihn gehört hatte. Auf Joyce konnte ich mich nicht verlassen, und ich wusste nicht einmal, wohin der Angestellte des Buchladens verschwunden war.

Mit klopfendem Herzen wartete ich ab, was er tun würde. Ich hatte die Hände zu Fäusten geballt. Aber ich wollte nicht, dass er meine Anspannung bemerkte, und verbarg sie hinter meinem Rücken.

Er tat nichts, er musterte mich einfach nur. Still und eindringlich, als hätte er jedes Recht dazu.

Sein Blick fuhr über mein Gesicht, bevor er langsam den Kopf senkte und meinen Körper auf eine unverschämte Weise begutachtete. Vielleicht musste er sich erst vergewissern, dass ich seinem Qualitätsanspruch genügte.

Ich wäre eher auf der Stelle tot umgefallen, als es zuzugeben, aber ich fühlte mich von ihm angezogen. Trotz allem hatte er eine beeindruckende Ausstrahlung.

Mit Mühe unterdrückte ich einen Schauer, als ich seinen Atem auf dem Ansatz meiner Brüste spürte. Mein Kleid war nicht besonders tief ausgeschnitten, er atmete nicht unbedingt schwer, er stand nur so dicht vor mir, dass ich jede seiner Regungen spürte.

Genau wie er meine spürte.

»Dein Puls hat sich beschleunigt«, informierte er mich trocken und legte eine Hand um meinen Hals. Sein Daumen strich über meinen Unterkiefer, dann über meine Unterlippe.

Mein Verstand schrie mir zu, den Kopf abzuwenden, doch mein Körper gehorchte mir nicht. Immer wieder rieb er über meine Lippe, bevor er den Daumen in meinen Mund schob.

Die vernünftige Reaktion wäre gewesen, ihn zu beißen. Doch dazu war ich zu gut erzogen und zu … devot.

Stattdessen ließ ich meine Zunge darum kreisen, bevor ich saugte. Ich sah ihm direkt in die Augen, nahm sein zufriedenes Lächeln zur Kenntnis.

Eins musste ich ihm lassen: Er versuchte gar nicht erst, zu vertuschen, dass er mich ins Bett bekommen wollte.

Es vergingen vielleicht zehn Sekunden, bevor er den Finger zurückzog, stattdessen eine Hand um meinen Nacken schlang und mich küsste.

Declan Knight nahm sich, was er wollte.

Ich versuchte, ihn von mir schieben, und bezweckte damit lediglich, dass er mich an sich heranzog, bis unsere Körper sich berührten. Meine Nippel versteiften sich, ein Prickeln fuhr durch meinen Unterleib.

Er bestimmte die Regeln und er beendete den Kuss.

Mit einem Mal trat er zurück, ganz der formvollendete Gentleman und ließ mich passieren.

Das Lächeln umspielte noch immer seinen schön geschnittenen Mund, hatte sich sogar vertieft, jetzt, da er wusste, was er hatte wissen wollen.

»Lynn! Warte!« Sein milder Tonfall konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es keineswegs eine Bitte, sondern vielmehr ein Befehl war.

Ich verharrte und warf einen Blick über die Schulter. Noch nie hatte mich jemand so genannt, meine Freunde sagten Eve zu mir und meine Mutter hatte stets meinen vollen Namen benutzt.

»Nennen Sie mich nicht so!«

Declan Knight seufzte. »Ein Abendessen, mehr will ich nicht. Willst du deiner Freundin nicht den Gefallen tun?«

Er hatte also tatsächlich unser ganzes Gespräch mitgehört. Vermutlich auch den Teil, in dem ich spekuliert hatte, dass er seine Frau umgebracht hatte. Wollte er vielleicht sogar gerade deswegen mit mir ausgehen?

Was für ein mieser Kerl er war, dass er an mein schlechtes Gewissen appellierte. »Es muss Ihnen ja sehr schwerfallen, Frauen anzusprechen, wenn Sie jetzt schon auf die Tränendrüse drücken.«

Wieder zeigte er sein raubtierähnliches Grinsen. »Ich liebe eine gute Herausforderung. Das ist alles.«

Da waren wir uns wohl leider ähnlich.

Joyce tauchte im Gang auf und sah neugierig zwischen uns hin und her. Noch immer lag das weinerliche Flehen in ihren Augen.

Ich straffte den Rücken. Also schön, ich würde mit ihm ausgehen, und bei der Verabredung würde ich ihm das Leben zur Hölle machen, um ihm einen Dämpfer zu verpassen und mir zu beweisen, dass ich stärker war als er.

»Ein Essen.« Ich hielt meinen Zeigefinger hoch. »Heute um zwanzig Uhr. Wenn Sie nicht können, ist das Ihr Problem.«

Hoffentlich war er ein viel beschäftigter Mann und konnte sich so kurzfristig nicht freimachen.

Meine beste Freundin strahlte mich an und führte ein kleines Freudentänzchen auf, das mich beinahe rührte.

Declan kam zwei Schritte näher und griff nach meinem Handgelenk. »Das ist in der Tat etwas ungünstig, weil ich eingeladen bin.« Sein Daumen streichelte meine Haut und die Berührung schickte einen Schauer über meinen Rücken. Die feinen Härchen in meinem Nacken stellten sich auf und meine Instinktive rieten mir zur Flucht, warnten vor der Gefahr.

Gerade als ich triumphierend lächeln wollte, beugte er sich vor und küsste mich dort am Handgelenk, wo mein Puls verräterisch pochte. Das Gefühl ballte sich zu heißer Erregung in meinem Unterleib.

»Aber ich werde zusehen, dass der Termin verschoben wird. Wo soll ich dich abholen?«

Unsicher sah ich in Joyce’ Richtung, aber sie hatte sich bereits verzogen und hielt ein Schwätzchen mit dem Angestellten des Buchladens, der in diesem Moment die Tür für sie aufschloss, um sie hinauszulassen.

Ich presste die Lippen aufeinander und entzog ihm meinen Arm. »Können wir uns nicht am Restaurant treffen?«

Er zuckte mit den Achseln. »Wenn du es mir nicht sagen willst, kann ich auch Joyce fragen.«

»Warum gehen Sie nicht mit ihr aus?«

»Weil sie nicht die richtige Inspiration bietet.«

Mein Herz blieb bei seinen Worten beinahe stehen. Das Letzte, was ich wollte, war, die nächste verschwundene Frau auf der Liste mit Declan Knights Eroberungen zu werden.

KAPITEL 3

EVELYN

Wieder zu Hause musste ich Joyce versprechen, mich zu benehmen und mir wirklich jedes noch so kleine Detail einzuprägen, damit sie mich endlich in Ruhe ließ.

Nachdem sie verschwunden war und ich mich umziehen und vorbereiten konnte, ging ich als Erstes zu meiner Kommode und zog die oberste Schublade auf.

Mein ältester Bruder Ryan hatte mir ein besonderes Abschiedsgeschenk gemacht, als ich vor Ewigkeiten nach New York gezogen war: einen Taser.

Bisher hatte ich ihn nie benutzt, aber heute Abend schien mir der geeignete Zeitpunkt zu sein, um ihn auszuprobieren – falls er noch funktionierte.

Ich hatte nicht wirklich Angst vor Declan Knight, eher vor meiner Reaktion auf ihn. Trotzdem lungerte in meinem Hinterkopf die Sorge herum, dass Joyce die Vorwürfe gegen ihn viel zu leichtfertig abtat. Es mussten schon jede Menge irrsinnige Zufälle zusammenkommen, damit einem Mann gleich drei verschwundene Frauen angedichtet wurden.

Nachdem ich die Höschen und BHs zur Seite geschoben hatte, fand ich den Elektroschocker in der hintersten Ecke der Schublade. Ich drückte auf den großen roten Knopf und starrte fasziniert auf das blaue Flackern zwischen den beiden Polen. Das Geräusch allein klang in meinen Ohren schon schmerzhaft genug.

Mit dem Ding in der Tasche würde ich mich etwas sicherer fühlen. Ich schob es zwischen meine Geldbörse und das Handy, damit ich jederzeit gut daran kam.

Declan Knight wirkte auf mich nun einmal wie ein Mann, der das Wort »Nein« nicht allzu ernst nahm. Dass ich mich mehr oder weniger bereitwillig hatte küssen lassen, ließ ich bei meinen Überlegungen lieber unter den Tisch fallen.

Ich wollte gar nicht erst der Gefahr erliegen, dass er sich selbst in mein Appartement einlud, deshalb beschloss ich, unten auf der Straße zu warten.

Er hätte um 20 Uhr da sein sollen und es war bereits fünf nach. Ich hasste Unpünktlichkeit und war motiviert, es ihn gleich spüren zu lassen.

Weitere zehn Minuten später bereute ich die Entscheidung, vorzeitig nach unten zu gehen. Erstens war ich zu ungeduldig, um zu warten, und zweitens begannen dicke Tropfen vom Himmel zu fallen.

Ich zuckte zusammen, als der erste Blitz völlig unerwartet den Himmel erhellte. Nachdem ich den Blick gehoben hatte, stellte ich fest, dass graue Wolken sich über meinem Kopf zusammenbrauten, das Ende der Welt schien nah zu sein. Der Lichtschein der Stadt gab dem Himmel einen merkwürdigen Gelbton, wodurch die Szenerie noch bedrohlicher wirkte.

Mit hochgezogenen Schultern überlegte ich, ob ich nicht doch im Hausflur warten sollte. Donner grollte und ich seufzte. Es reichte wohl, dass Declan Knight mich versetzt hatte, ich musste mich nicht auch noch nass regnen lassen.

»So eine Scheiße«, fluchte ich und zog die Kapuze meines leichten Mantels über meine Haare. Ich wollte mich gerade abwenden und wieder ins Haus gehen, als der Donner sich mit einem beeindruckend tiefen Motorengeräusch vermischte.

Scheinwerfer schnitten durch die Dunkelheit und ein Sportwagen hielt neben mir am Straßenrand.

Es war ein schwarzer Porsche und ich seufzte – eher aufgrund des Wagens als aufgrund des Fahrers. Das Beifahrerfenster glitt nach unten und Declan zeigte mir ein einstudiertes Lächeln. »Es tut mir leid, dass ich zu spät bin.«

Es war sein Glück, dass es regnete, denn sonst hätte ich ihn auflaufen lassen und das Date gecancelt. Doch so öffnete ich auf die Tür und ließ mich auf den Beifahrersitz fallen. Das weiche Leder umfing mich wie ein großer Handschuh. Das Innere des Wagens war mit Declans unwiderstehlichem Duft erfüllt, und ich ertappte mich bei dem Gedanken, dass ich vermutlich nicht einmal abgeneigt wäre, mit ihm ins Bett zu gehen, wenn er nicht ein dermaßen aufgeblasenes Ego hätte.

»Sie mussten wohl noch die obligatorische Jungfrau opfern«, knurrte ich, nachdem ich eingestiegen war.

»Eigentlich war es ein Säugling. Samstags werden Säuglinge geopfert«, begründete er sein Zuspätkommen und nahm mir den Wind aus den Segeln.

Damit er mein Lächeln nicht sah, wandte ich den Kopf ab und starrte aus dem Fenster. Der Wagen rollte an, und ich war froh, nicht mehr am Straßenrand zu stehen, denn der leichte Regen verwandelte sich soeben in ein ausgewachsenes Unwetter.

Humor war in meinen Augen eine sehr anziehende Eigenschaft an Männern, denn sie setzte Intelligenz voraus – außerdem ließ ich mich gern zum Lachen bringen.

Die Scheibenwischer waren lange Zeit das einzige Geräusch, denn Declan konzentrierte sich auf die Fahrt, und ich war entschlossen, dieses Date für ihn so unerträglich wie möglich zu machen.