Command Authority - Tom Clancy - E-Book

Command Authority E-Book

Tom Clancy

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oder
Beschreibung

Der Aufstieg zur Macht des neuen starken Mannes in Russland verdankt sich dunklen Machenschaften, die Jahrzehnte zurückliegen. Ausgerechnet President Jack Ryan war daran nicht ganz unbeteiligt, aber er ist auch der Einzige, der jetzt den Übergriff einer wiedererwachten Weltmacht auf die Krim stoppen kann. In einem fiktiven, aber nicht minder wirklichkeitsnahen Szenario zeigt Tom Clancy auf beeindruckende Weise, wie schnell alte Fronten wieder stehen, wenn Großmachtstreben und wirtschaftliche Interessen sich in die Hand spielen.

Der russische Präsident Wolodin droht mit der militärischen Annexion Estlands, der Ukraine und anderer ehemaliger Staaten der UdSSR. Bei seinem Plan unterstützt ihn der erstarkte Inlandsgeheimdienst FSB, Nachfolger des KGB, indem die Zielländer mit seiner Hilfe von innen untergraben werden. Dass die USA und andere Westmächte angeblich antirussische Provokationen anstachelten, dient schließlich als Grund, in Estland einzumarschieren. Hier kann die Invasion mit einem NATO-Einsatz schnell gestoppt werden, während die Ukraine zum nächsten Pulverfass wird. US-Präsident Jack Ryan sen. hat in diesem wiedererwachten Kalten Krieg alle Hände voll zu tun, die Situation zu entschärfen, und wo sie ihm gebunden sind, kommen seine klandestin operierenden Gefährten zum Einsatz: John Clark, die Mannen des Campus und sein Sohn Jack Ryan jun.

Command Authority – Kampf um die Krim ist ein hochaktueller, actionreicher Jack-Ryan-Roman, in dem Tom Clancy derzeitige weltpolitische Entwicklungen frappierend präzise vorhergesehen hat.

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Seitenzahl: 988

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TOM

CLANCY

UND

MARK GREANEY

COMMAND AUTHORITY

KAMPF UM DIE KRIM

Thriller

Aus dem Amerikanischen von Michael Bayer

 

 

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel Command Authority

bei G.P. Putnam’s Sons, New York.

Redaktion: Werner Wahls

Copyright © 2013 by Rubicon, Inc.

Copyright © 2014 der deutschen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München

Satz: Christine Roithner Verlagsservice, Breitenaich

ISBN: 978-3-641-14984-0

www.heyne.de

 

Hauptpersonen

Regierung der Vereinigten Staaten

JOHN PATRICK »JACK« RYAN: Präsident der Vereinigten Staaten

DAN MURRAY: Justizminister der Vereinigten Staaten

ARNOLD VAN DAMM: Stabschef des Präsidenten

ROBERT BURGESS: Verteidigungsminister

SCOTT ADLER: Außenminister

MARY PATRICIA FOLEY: Direktorin der Nationalen Nachrichtendienste

JAY CANFIELD: Direktor der Central Intelligence Agency (CIA)

ADMIRAL JAMES GREER: Director of Intelligence, Central Intelligence Agency

JUDGE ARTHUR MOORE: Direktor der Central Intelligence Agency

KEITH BIXBY: Stationsleiter in Kiew, Ukraine, Central Intelligence Agency

Militär der Vereinigten Staaten

ADMIRAL MARK JORGENSEN: Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs

ERIC CONWAY: Chief Warrant Officer Two, US-Armee, Pilot eines OH-58D-Kiowa-Warrior-Kampfhubschraubers

ANDRE »DRE« PAGE: Chief Warrant Officer Two, US-Armee, Kopilot eines OH-58D-Kiowa-Warrior-Kampfhubschraubers

BARRY »MIDAS« JANKOWSKI: Oberstleutnant, US-Armee, 1st Special Forces Operational Detachment, Delta

HARRIS »GRUNGY« COLE: Hauptmann, US-Luftwaffe, F-16-Pilot

Der Campus/Hendley Associates

GERRY HENDLEY: Direktor von Hendley Associates/ Direktor des Campus

JOHN CLARK: Außenagent

DOMINGO »DING« CHAVEZ: Außenagent

DOMINIC »DOM« CARUSO: Außenagent

SAM DRISCOLL: Außenagent

JACK RYAN JR.: Außenagent/Analyst

GAVIN BIERY: Leiter der Abteilung für Informationstechnologie

ADARA SHERMAN: Leiterin der Transportabteilung

Die Briten

SIR BASIL CHARLESTON: Generaldirektor des Secret Intelligence Service (MI6)

ANTHONY HALDANE: Internationaler Finanzier, ehemals beim Foreign Office (Außenministerium des Vereinigten Königreichs)

VICTOR OXLEY alias BEDROCK: Offizier des 22nd Special Air Service Regiment, British Security Service (MI5)

DAVID PENRIGHT: Offizier des SIS (MI6)

NICHOLAS EASTLING: Offizier des SIS, Counterintelligence Service (Spionageabwehrabteilung)

HUGH CASTOR: Geschäftsführender Direktor, Castor & Boyle Risk Analytics Ltd.

SANDY LAMONT:Leitender Wirtschaftsanalytiker, Castor & Boyle Risk Analytics Ltd.

Die Russen/Die Ukrainer

WALERIJ WOLODIN: Präsident der Russischen Föderation

ROMAN TALANOW: Direktor des Inlandsgeheimdiensts der Russischen Föderation FSB

STANISLAW BIRJUKOW: Direktor des Auslandsgeheimdiensts der Russischen Föderation SWR

SERGEJ GOLOWKO: ehemaliger Direktor des Auslandsgeheimdiensts der Russischen Föderation SWR

OKSANA ZUJEWA: Vorsitzende der Ukrainischen Regionalen Einheitspartei

TATJANA MOLCHANOWA: Nachrichtenmoderatorin des Senders Nowaja Rossija (Neues Russland)

DMITRIJ NESTEROW alias GLEB DIE NARBE: Wory w sakonje (»Dieb-im-Gesetz«), Anführer der Verbrechensorganisation »Sieben Starke Männer«

PAWEL LETSCHKOW: Mitglied der Verbrechensorganisation »Sieben Starke Männer«

Weitere Personen

CAROLINE »CATHY« RYAN: First Lady der Vereinigten Staaten

EDWARD FOLEY: Ehemann von Mary Pat Foley, ehemaliger Direktor der Central Intelligence Agency

DINO KADIĆ: Kroatischer Auftragsmörder

FELICIA RODRÍGUEZ: Venezolanische Universitätsstudentin

MARTA SCHEURING: »Kämpferin« der Roten Armee Fraktion (RAF)

MALCOLM GALBRAITH: Schottischer Unternehmer, Eigentümer der Ölfirma Galbraith Rossiya Energy Holdings

 

 

Prolog

Die rote Fahne der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken wehte unter einem grauen Regenhimmel hoch über dem Kreml. Der junge Hauptmann auf dem Rücksitz des Taxis, das gerade quer über den Roten Platz rollte, nahm dieses Bild tief in sich auf.

Der Anblick dieser Fahne über dem Machtzentrum des größten Landes der Welt erfüllte den Hauptmann auf gewisse Weise mit Stolz, obwohl er sich in Moskau trotzdem niemals richtig heimisch fühlen würde. Er war zwar gebürtiger Russe, hatte jedoch die letzten Jahre im Ausland gekämpft, nämlich in Afghanistan. Die einzigen Sowjetflaggen, die er dort gesehen hatte, waren auf den Ärmeln seiner Mitsoldaten aufgenäht gewesen.

Sein Taxi setzte ihn nur zwei Blocks vom Platz entfernt an der Nordseite des riesigen Kaufhauses GUM ab. Er vergewisserte sich noch einmal, dass das triste graue Bürogebäude vor ihm tatsächlich die richtige Hausnummer hatte, zahlte den Fahrpreis und trat in den Nachmittagsregen hinaus.

Die Lobby des Gebäudes war klein und unansehnlich. Ein einzelner Wachmann beäugte ihn nur kurz, als er sich seine Dienstmütze unter den Arm klemmte und eine schmale Treppe hinaufstieg, die zu einer ungekennzeichneten Tür im ersten Stock führte.

Der Hauptmann blieb vor ihr stehen, strich seine Uniform glatt und fuhr mit der Hand noch einmal über seine Ordensreihen, um sicherzustellen, dass sie auch absolut gerade ausgerichtet waren. Erst danach klopfte er an die Tür.

»Wchoditje!« Herein!

Der junge Hauptmann betrat das kleine Büro und zog die Tür hinter sich zu. Mit der Dienstmütze in der Hand trat er vor den einzigen Schreibtisch in diesem Raum und nahm Haltung an.

»Hauptmann Roman Romanowitsch Talanow meldet sich wie befohlen.«

Der Mann hinter dem Schreibtisch sah so aus, als ob er noch nicht einmal dreißig Jahre alt wäre, was Hauptmann Talanow in hohem Maße überraschte. Immerhin war er zu einem »höheren KGB-Offizier« befohlen worden. Und deshalb hatte er auch ganz gewiss niemand seines eigenen Alters erwartet. Der Mann trug Anzug und Krawatte, er war klein und dünn und wirkte alles andere als sportlich. Der russische Soldat war sich sicher, dass sein Gegenüber keinen einzigen Tag seines Lebens im Militärdienst verbracht hatte.

Natürlich ließ sich Talanow nicht anmerken, dass er enttäuscht war. Für ihn teilten sich wie für jeden Militär die KGB-Angehörigen in zwei Klassen auf: die Sapogi und die Pidschaki, die »Schaftstiefel« und die »Anzugjacken«. Der junge Mann vor ihm war vielleicht tatsächlich ein hochrangiger Geheimdienstmann, aber für einen Soldaten war er nur ein Zivilist. Ein Anzugträger.

Der Mann stand auf, ging um seinen Schreibtisch herum und setzte sich auf dessen Kante. Seine lässige, leicht gebeugte Statur war das genaue Gegenteil der kerzengeraden Körperhaltung des Offiziers, der jetzt direkt vor ihm stand.

Ohne seinen Namen zu nennen, begann der KGB-Mann zu sprechen. »Sie sind gerade aus Afghanistan zurückgekehrt.«

»Jawohl, Genosse.«

»Ich werde Sie nicht fragen, wie es dort gewesen ist, weil ich das sowieso nicht verstehen würde, was Sie dann wahrscheinlich nur verärgern würde.«

Der Hauptmann stand regungslos da wie ein Stein.

Der Anzugträger fuhr fort: »Sie sind ein GRU-Speznas. Sie haben in Afghanistan hinter den gegnerischen Linien operiert. Sie sind sogar über die Grenze nach Pakistan eingesickert.«

Dies war keine Frage, deshalb gab der Hauptmann auch keine Antwort.

Mit einem Lächeln lehnte sich der Mann auf seinem Schreibtisch zurück und sagte: »Selbst unter den Mitgliedern dieser Elitetruppe des Militärgeheimdienstes gibt es keinen Besseren als Sie. Intelligenz, Widerstandsfähigkeit, Eigeninitiative.« Er zwinkerte Talanow zu. »Loyalität.«

Talanow fixierte mit seinen blauen Augen einen imaginären Punkt an der Wand hinter dem Schreibtisch, wodurch er dieses Zwinkern überhaupt nicht mitbekam. Als Antwort gab er mit lauter, kraftvoller Stimme das wohleingeübte Mantra von sich, das von einem Soldaten wie ihm in einer solchen Situation erwartet wurde: »Ich diene der Sowjetunion.«

Der Anzugträger verdrehte leicht die Augen, was Talanow jedoch ebenfalls entging. »Stehen Sie bequem, Hauptmann. Schauen Sie mich an und nicht die Wand. Ich bin nicht Ihr Kommandeur. Ich bin nur ein Genosse, der ein Gespräch mit einem anderen Genossen und nicht mit einem verdammten Roboter führen möchte.«

Talanow blieb weiterhin in Habtachtstellung, richtete jedoch die Augen ab jetzt auf den KGB-Mann.

»Sie wurden in der Ukraine geboren, in Cherson, aber Ihre Eltern waren Russen.«

»Jawohl, Genosse.«

»Ich selbst stamme aus Leningrad, aber ich habe meine Ferien immer bei meiner Großmutter in Odessa verbracht. Das ist ja nicht weit von Ihrem Herkunftsort entfernt.«

»Jawohl, Genosse.«

Der Anzugträger stieß einen leichten Seufzer aus. Offensichtlich begann ihn allmählich die Zugeknöpftheit des Speznas-Soldaten zu frustrieren. »Sind Sie auf die Orden stolz, die Sie auf Ihrer Brust tragen?«, fragte er plötzlich.

Auf Talanows Gesicht war zum ersten Mal der Anflug eines Gefühls zu erkennen. Allerdings handelte es sich dabei um eine gewisse unschlüssige Verwirrung. Er wusste anscheinend nicht, wie er jetzt reagieren sollte. »Ich ... Sie sind ... Ich diene ...«

»Sie dienen der Sowjetunion. Da, Hauptmann, zur Kenntnis genommen. Was würden Sie jedoch sagen, wenn ich Ihnen befehlen würde, diese Orden abzunehmen und sie niemals wieder anzulegen?«

»Ich verstehe nicht, Genosse.«

»Wir haben Ihre Karriere sehr genau verfolgt, vor allem die Operationen, die Sie hinter den feindlichen Linien durchgeführt haben. Und wir haben jeden Aspekt Ihres Privatlebens gründlich durchleuchtet, wobei dies nur wenig Aufwand erforderte, da Sie ja kaum ein Privatleben haben. Aus alldem gelangten wir zu dem Schluss, dass Sie weniger am Wohl der Kommunistischen Partei als an der Arbeit selbst interessiert sind. Sie, mein lieber Hauptmann, haben ein fast krankhaftes Bedürfnis, immer und überall der Beste zu sein. Wir haben bei Ihnen jedoch keine besondere Leidenschaft für die Freuden des Kollektivs oder irgendeine Begeisterung für die Planwirtschaft entdecken können.«

Talanow blieb still. Sollte hier seine Loyalität gegenüber der Partei überprüft werden?

Der Anzugträger sprach unbeirrt weiter. »Generalsekretär Tschernenko wird in ein paar Monaten sterben. Vielleicht hat er auch nur noch ein paar Wochen vor sich.«

Jetzt zuckte Hauptmann Talanow doch noch mit der Wimper. Was soll dieses verrückte Gerede? Wenn jemand draußen im Feld in Afghanistan so etwas im Beisein eines KGB-Manns geäußert hätte, wäre er sofort aus dem Verkehr gezogen worden und auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

»Glauben Sie mir, das ist die Wahrheit«, fuhr der Anzugträger fort. »Sie halten ihn vor der Öffentlichkeit versteckt, weil er inzwischen im Rollstuhl sitzt und die meiste Zeit in Kunzewo im Kreml-Krankenhaus verbringt. Herz, Lunge, Leber, nichts funktioniert mehr bei dem alten Bastard. Gorbatschow wird ihm als Generalsekretär nachfolgen. Auch Sie haben bestimmt bereits gehört, dass er der nächste Parteichef sein wird. Selbst in den Gebirgshöhlen von Afghanistan dürfte dies inzwischen allgemein bekannt sein.«

Der junge Offizier zeigte keinerlei Regung.

»Sie fragen sich wohl, woher ich das weiß?«

»Da, Genosse«, erwiderte Talanow langsam. »Das frage ich mich wirklich.«

»Ich habe das alles von Leuten erfahren, die sich große Sorgen machen. Sorgen über die Zukunft und Sorgen darüber, wohin Gorbatschow die Union letzten Endes führen wird. Sorgen darüber, wohin Reagan den Westen führen wird. Sie sorgen sich, dass alles über uns zusammenstürzen könnte.«

Ein paar Sekunden lang herrschte in dem Raum völliges Schweigen. Schließlich fuhr die KGB-»Anzugjacke« fort: »Das alles klingt ziemlich unwahrscheinlich, ich weiß. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es tatsächlich Grund zur Besorgnis gibt.«

Jetzt hielt es Talanow nicht länger aus. Er musste wissen, was hier eigentlich gespielt wurde. »General Solotow hat mir befohlen, mich heute hier einzufinden. Er erklärte mir, ich sei für ein Spezialprojekt des KGB vorgesehen.«

»Mischa Solotow wusste genau, was er tat, als er Sie zu mir schickte.«

»Sie arbeiten doch für den KGB, oder?«

»So ist es, das tue ich tatsächlich. Vor allem arbeite ich jedoch für eine Gruppe von Überlebenden. Für Männer des KGB und der GRU, für Männer, die genau wissen, dass von einem Fortbestand unserer Organisationen das Überleben unserer Nation, unseres Volkes abhängt. Es ist nicht der Kreml, der unsere Nation führt. Die eigentliche Führung unserer Nation sitzt in einem gewissen Gebäude am Dserschinski-Platz.«

»Das KGB-Gebäude, die Lubjanka?«

»Da. Und von besagten Leuten habe ich den Auftrag erhalten, dieses Gebäude und nicht etwa die Kommunistische Partei zu schützen.«

»Und General Solotow?«

Die Anzugjacke lächelte. »Er ist Mitglied unseres Klubs. Ich habe ja bereits erwähnt, dass sich einige GRU-Leute unserer Sache angeschlossen haben.«

Der Anzugträger stellte sich jetzt direkt vor den Speznas-Offizier. Sein Gesicht war nur noch Zentimeter von Roman Talanows kantigen Backenknochen entfernt. In einer Stimme, die kaum lauter war als ein Flüstern, erklärte er ihm: »Wenn ich Sie wäre, würde ich mich jetzt fragen: ›Was zum Teufel geht hier vor? Ich dachte, ich sollte vom KGB angeworben werden, aber stattdessen treffe ich einen Verrückten, der mir vom bevorstehenden Tod des Generalsekretärs erzählt und die Möglichkeit eines Zusammenbruchs der Sowjetunion andeutet.‹«

Talanow schaute ihm direkt ins Gesicht und straffte die Schultern. »Jedes Wort, das Sie hier sagen, Genosse, erfüllt den Tatbestand des Hochverrats.«

»Das stimmt, aber da es in diesem Raum keine Aufzeichnungsgeräte gibt, müssten Sie schon persönlich als Zeuge gegen mich aussagen. Das wäre jedoch nicht besonders klug, Hauptmann Talanow, da diese ›Überlebenden‹, von denen ich gesprochen habe, in den höchsten Rängen sitzen und mich schützen würden. Was sie in einem solchen Fall mit Ihnen anstellen würden, möchte ich mir lieber gar nicht näher ausmalen.«

Talanow fixierte jetzt erneut die Wand. »Also ... ich soll dem KGB beitreten, ohne jedoch für ihn tätig zu werden. Stattdessen soll ich ab jetzt für diese hochrangigen Führungspersönlichkeiten arbeiten.«

»Genauso ist es, Roman Romanowitsch.«

»Was genau soll ich denn für sie tun?«

»Dasselbe, was Sie in Kabul, Peschawar, Kandahar und Islamabad getan haben.«

»›Nasse Sachen‹, also Attentate, Tötungen und ähnliche Einsätze?«

»Ja. Sie werden die Sicherheit unserer Organisation gewährleisten, damit diese alle Wandlungen übersteht, denen die Sowjetunion in den nächsten Jahren ausgesetzt sein wird. Im Gegenzug werden wir Sie schützen, wie auch immer die Zukunft der Union aussieht.«

»Ich ... ich verstehe immer noch nicht, was Ihrer Meinung nach in Zukunft geschehen wird.«

»Haben Sie mir nicht zugehört? Es geht doch nicht darum, was ich denke. Wie zum Teufel sollte ich diese Zukunft kennen? Es ist so, Talanow. Die UdSSR ist ein riesiges Schiff und Sie und ich sind zwei seiner Passagiere. Wir sitzen auf dem Promenadendeck, glauben, dass alles perfekt funktioniert, aber dann. Warten Sie ...«

Der KGB-Mann bewegte sich auf eine dramatische Weise durch das Zimmer, als ob er Schauspieler in einem Theaterstück wäre.

»Ja, was ist denn das? Einige von unseren besten Schiffsoffizieren bereiten sich offensichtlich gerade darauf vor, das Schiff zu verlassen!«

Er stellte sich wieder direkt vor Talanow. »Ich sehe vielleicht den Eisberg nicht, auf den wir gerade zusteuern, aber wenn sich die Führungsmannschaft plötzlich für die Rettungsboote interessiert, bin ich klug genug, daraus meine Schlüsse zu ziehen.

Und jetzt habe ich sogar den Auftrag bekommen, die Funktionsfähigkeit dieses Rettungsboots zu gewährleisten. Die Schiffsoffiziere haben mir damit eine große Verantwortung übertragen.« Der Anzugträger grinste. »Werden Sie mir helfen, auf dieses Rettungsboot aufzupassen?«

Hauptmann Talanow war ein geradliniger Mann. Diese Metaphern gingen ihm allmählich gehörig auf den Geist. »Dieses Rettungsboot. Was soll das denn sein?«

Die Anzugjacke zuckte mit ihren schmächtigen Schultern. »Geld. Es ist einfach nur eine Menge Geld. Wir werden überall auf der Welt schwarze Konten einrichten. Das ist meine spezielle Aufgabe. Sie werden mir helfen, dieses Geld vor allen Bedrohungen innerhalb und außerhalb der Sowjetunion zu schützen. Es ist eigentlich ein ganz einfacher Auftrag, der meiner Meinung nach in ein paar Jahren erledigt sein wird. Bis dahin wird er jedoch unser beider ganze Anstrengung erfordern.«

Der Anzugträger ging zu einem kleinen Kühlschrank hinüber, der zwischen zwei Bücherregalen an der Wand stand. Er holte eine Flasche Wodka heraus, kehrte mit ihr und zwei langstieligen Schnapsgläsern zu seinem Schreibtisch zurück und füllte sie dort bis zum Rand.

Während dieser ganzen Zeit schaute ihm Hauptmann Roman Talanow zu, ohne ein einziges Wort zu sagen.

»Trinken wir zur Feier des Tages ein kleines Gläschen.«

Talanow runzelte die Stirn. »Haben wir denn etwas zu feiern? Ich habe noch nicht zugesagt, Genosse.«

»Stimmt, das haben Sie nicht.« Der Anzugträger lächelte und überreichte dem verwirrten Militär eines der beiden Gläser. »Noch nicht. Aber Sie werden schon bald einwilligen, denn Sie und ich haben etwas gemeinsam.«

»Wir haben etwas gemeinsam?«

Der Anzugträger prostete Talanow zu. »Ja. Wie die führenden Persönlichkeiten, die diesen Plan entwickelt haben, gehören Sie und ich beide zu den Überlebenden.«

 

 

1

Gegenwart

Der schwarze Bronco brauste durch den Sturm, und seine Reifen schleuderten Schlamm, Wasser und Kies in die Höhe, als er die Schotterstraße entlangraste. Der Regen prasselte dermaßen auf die Windschutzscheibe ein, dass die Scheibenwischer nicht mehr mit ihm fertigwurden.

Bei einer Geschwindigkeit von hundert Stundenkilometern öffneten sich plötzlich die Hintertüren des Geländewagens, und auf beiden Seiten kletterten zwei bewaffnete Männer in den Regen hinaus. Sie stellten sich aufs Trittbrett und hielten sich mit ihren behandschuhten Händen am Türrahmen fest. Ihre Augen wurden zwar durch große Schutzbrillen gegen den Schlamm, die herumfliegenden Steine und das Wasser geschützt, aber ihre schwarzen Nomex-Anzüge waren wie der Rest ihrer Ausrüstung nach ein paar Sekunden nass und voller Schlamm. Sie trugen Helme mit integrierten Headsets, Ballistik-Schutzplatten auf Brust und Rücken, Knie- und Ellbogenschützer und Magazintaschen. Als sich der Bronco einer Hütte näherte, die mitten auf einer vom Regen aufgeweichten Wiese stand, waren sie endgültig völlig durchnässt und schlammverschmiert.

Das Fahrzeug bremste stark ab und kam nur sechs Meter vor der Hüttentür zum Stehen. Die zwei Männer sprangen von den Trittbrettern herunter und rannten zum Gebäude hinüber. Dabei hielten sie ihre Waffen im Anschlag und suchten die umliegenden Bäume nach irgendwelchen gegnerischen Zielen ab. Jetzt stieg auch der Fahrer des Broncos aus. Wie die beiden anderen war er mit einer HK MP5 ausgerüstet, einer Maschinenpistole der deutschen Firma Heckler & Koch, auf deren Laufmündung ein dicker Schalldämpfer aufgeschraubt war.

Die drei Männer blieben eng zusammengedrängt vor der Eingangstür stehen. Der Vorderste drückte die Klinke nach unten.

Die Tür war verschlossen.

Der hinterste Mann, der Fahrer, trat jetzt nach vorn, ohne ein einziges Wort zu sagen. Er ließ seine HK vor der Brust baumeln, griff nach hinten und zog aus seinem Sturmgepäck eine Schrotflinte mit Pistolengriff heraus. Die Waffe war mit Disintegrator-Geschossen geladen, und zwar mit 76 Millimeter langen Magnum-Patronen mit 50-Gramm-Projektilen, die aus Stahlpulver bestanden, das in Plastik gebunden war.

Der Bewaffnete hielt die Mündung des Flintenlaufs fünfzehn Zentimeter von der oberen Türangel entfernt und feuerte ein Disintegrator-Geschoss genau in dieses Scharnier. Es gab einen gewaltigen Knall, und eine weiße Stichflamme blendete kurzzeitig die Augen der Männer, als das Stahlpulver in das Holz einschlug und das Scharnier aus dem Türrahmen riss.

Danach jagte er ein zweites Geschoss in die untere Angel und trat gegen die Tür, die krachend in den dahinterliegenden Raum fiel.

Der Flintenschütze trat zur Seite, und die beiden anderen Männer stürmten mit ihren Automatikwaffen im Anschlag ins Innere der Hütte, in der es außer den Lichtstrahlen der beiden Waffenleuchten stockdunkel war. Der Fahrer verstaute die Flinte, griff sich seine HK und eilte seinen Kameraden hinterher.

Jeder Mann sicherte sofort höchst effizient seinen vorherbestimmten Sektor. Nach drei Sekunden rückten sie in einen kleinen Gang vor, der in den hinteren Teil der Hütte führte.

Auf beiden Seiten des Ganges sahen sie jeweils eine offene Tür, während die Tür an dessen Ende geschlossen war. Der vorderste Mann huschte durch die linke Tür, und der Nächste in der Reihe betrat den rechts gelegenen Raum. Beide Männer trafen dort auf Ziele, die sie durch gezielte Schüsse ausschalteten, deren Knalle trotz Schalldämpfern in der kleinen Hütte laut widerhallten.

Währenddessen richtete der dritte Mann seine Waffe auf die Tür am Ende des Ganges. Er war sich jedoch bewusst, dass er gegenüber einem Eindringling von außen, der sich ihm in diesem Moment von hinten nähern würde, völlig ungeschützt war.

Seine Kameraden kehrten deshalb sofort in den Flur zurück und zielten auf die geschlossene Tür, während er selbst sich blitzschnell umdrehte, um den Eingangsbereich der Hütte zu sichern. Eine Sekunde später traten sie an die verschlossene Tür heran. Erneut drängten sie sich eng zusammen, während der erste Mann so leise wie möglich die Klinke herunterdrückte.

Als er merkte, dass sie nicht abgeschlossen war, beugten sich alle drei leicht nach vorn und stürmten gemeinsam in den Raum hinein. Dort beleuchteten sie mit ihren Waffenlampen ihre im Voraus festgelegten Sektoren.

Im Zentrum dieses dunklen Zimmers fanden sie ihre wertvolle »Beute«. Dort saß auf einem Stuhl ihr alter Waffenkamerad John Clark. Er hielt die Hände im Schoß und blinzelte direkt in die hellen Lampen hinein. Doch Achtung! Einen halben Meter rechts und links von ihm erhellten die Taktischen Lichter plötzlich zwei stehende Gestalten. Außerdem war hinter Clarks Kopf teilweise das Gesicht eines dritten Mannes zu sehen.

Die drei Schützen an der Tür – Domingo Chavez, Sam Driscoll und Dominic Caruso – feuerten alle gleichzeitig. Kurze Feuerstöße knatterten durch den Raum, aus den Mündungen sprühten kleine Blitze, und dem Pulverdampf gelang es sogar, den Modergeruch in dieser Hütte zu überdecken.

John Clark rührte sich nicht, als die Kugeln dicht neben ihm in die drei Gestalten einschlugen. Er blinzelte nicht einmal mit den Augen.

Auf der Stirn der Zielpersonen waren jetzt hässliche Löcher zu sehen, aber die Gestalten fielen nicht zu Boden. In Wirklichkeit waren es nur Holzständer, auf die man die fotorealistischen Abbildungen bewaffneter Männer geklebt hatte.

In aller Eile huschten die Taktischen Lichter durch den Rest des Zimmers. Tatsächlich standen in einer Ecke nebeneinander noch eine vierte und fünfte Zielscheibe. Der linke Holzständer trug das Bild eines Mannes, der einen Bombenzünder in der Hand hielt.

Ding Chavez schaltete ihn mit einem Doppelschuss in die Stirn aus.

Ein zweites Waffenlicht schwenkte jetzt zu dieser Ecke hinüber und beleuchtete die Darstellung einer hübschen jungen Frau, die auf ihrem rechten Arm einen Säugling trug. In ihrer nach unten hängenden Linken, die sie teilweise hinter einem Bein verborgen hatte, hielt sie jedoch ein langes Küchenmesser.

Ohne einen einzigen Augenblick zu zögern, schoss Dom Caruso der weiblichen Zielattrappe in die Stirn.

Sekunden später war von der anderen Seite des Raums ein lauter Ruf zu hören.

»Sauber.« Es war Driscoll.

»Sauber«, wiederholte Caruso.

»Alles sauber!«, bestätigte Ding.

John Clark stand von seinem Stuhl in der Mitte des Zimmers auf und musste sich erst einmal die Augen reiben, nachdem er das volle Licht der drei Zweihundert-Lumen-Waffenleuchten abbekommen hatte. »Waffen sichern!«

Die drei Schützen stellten den Sicherungshebel mit dem Daumen auf »S« und ließen ihre MP danach an der Brust herunterhängen.

Gemeinsam überprüften die vier Männer die Einschusslöcher auf den fünf Zielscheiben und schauten sich danach die Schussergebnisse in den Seitenzimmern des Gangs an. Anschließend verließen sie die dunkle, muffige Hütte und stellten sich auf die Veranda, deren Dach sie vor dem Regen schützte.

»Was meinst du, Ding?«, fragte Clark.

»Es war ganz ordentlich«, erwiderte Chavez. »Es verlangsamte den Angriff etwas, dass ich erst zu den Jungs aufschließen musste, damit wir einen Pulk vor der Tür bilden konnten. Wenn wir jedoch einen solchen Einbruch in ein feindliches Objekt mit wenigstens drei Mann durchziehen wollen, wie sich das eigentlich gehört, werden wir eben auch künftig auf den jeweiligen Fahrer warten müssen.«

Clark musste das einräumen. »Das stimmt. Was noch?«

»Während Ding und Sam die Räume links und rechts vom Gang säuberten, war ich ganz allein auf mich gestellt. Ich musste die geschlossene Tür am Ende des Gangs sichern, die wir noch nicht überprüft hatten. Dabei hätte ich es jedoch begrüßt, wenn ein weiterer Mann mir den Rücken freigehalten hätte. Alle feindlichen Kräfte, die in dieser Zeit in die Hütte eingedrungen wären, hätten ein freies Schussfeld auf meinen Hinterkopf gehabt. Ich habe mich zwar ständig umgedreht, aber eine Ideallösung ist das natürlich nicht. Einen weiteren Schützen hätte ich gut gebrauchen können.«

Clark nickte. »Wir sind eben nur eine kleine Truppe.«

»Ohne Jack junior sind wir sogar noch kleiner«, fügte Dom Caruso hinzu.

»Wir sollten vielleicht darüber nachdenken, einen neuen Mann in unsere Truppe einzugliedern«, meinte Driscoll.

»Jack wird zurückkommen«, entgegnete Chavez. »Ihr wisst so gut wie ich, dass er einfach nicht fernbleiben kann, wenn wir reaktiviert werden.«

»Vielleicht«, sagte Dom. »Aber wer weiß, wann das sein wird.«

»Nur Geduld, Junge«, sagte Clark. Trotzdem wussten alle anderen auf dieser Veranda, dass auch Clark gern etwas Sinnvolleres mit seiner Zeit angefangen hätte. Er war ein Krieger. Er hatte so ziemlich an allen kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten vierzig Jahre teilgenommen. Und obwohl er sich aus dem aktiven Dienst beim Campus zurückgezogen hatte, wollte er immer noch mehr tun, als einfach nur eine Trainingseinheit nach der anderen durchzuführen.

Clark schaute jetzt von ihrer Veranda zum Bronco hinüber, dessen Türen weit offen standen. Das Unwetter war noch stärker geworden, und der Regen hatte weiter zugenommen. Inzwischen stand das Wasser auf dem Bodenblech des Geländewagens bestimmt schon drei Zentimeter hoch, und die zerschlissenen Stoffpolster waren sicher bereits völlig durchweicht. »Ich bin froh, dass ich euch gesagt habe, ihr sollt für diese Übung mein altes Geländevehikel nehmen, das ich normalerweise bei der Arbeit auf der Farm benutze.«

»Es benötigte wirklich mal eine gute Innenreinigung«, sagte Ding.

Die Männer lachten.

»Also gut. Zurück an die Arbeit«, sagte Clark. »Ihr Jungs fahrt ein Stück die Straße hinauf, wartet zwanzig Minuten und versucht es dann noch einmal. Das gibt mir genug Zeit, um die Eingangstür wieder einzuhängen und die Zielattrappen umzugruppieren. Dom, deine Schussbündelung auf dem zweiten Ziel im Schlafzimmer hätte ein wenig enger sein können.«

»Verstanden«, sagte Dom. Er hatte seine MP5 drei Mal auf Ziel Nummer drei abgefeuert, und alle drei Kugeln waren nur 6,3 Zentimeter voneinander entfernt in den Kopf eingeschlagen. Er wollte deshalb jedoch keine Diskussion mit Clark beginnen – vor allem da sämtliche Einschüsse auf den Zielattrappen von Chavez und Driscoll weniger als fünf Zentimeter auseinanderlagen.

»Und Sam«, fuhr Clark fort. »Nächstes Mal solltest du etwas gebückter durch die Eingangstür in die Hütte eindringen. Wenn du deinen Kopf zehn Zentimeter niedriger hältst, macht das vielleicht den Unterschied zwischen einem neuen Haarschnitt und einem hässlichen Loch in der Stirn aus.«

»Geht in Ordnung, Mr. C.«

Dom wollte gerade von der Veranda heruntersteigen, machte dann jedoch plötzlich halt. »Könnten wir nicht warten, bis der Regen aufhört, bevor wir das Ganze noch einmal versuchen?«

Ding ging dagegen ohne Zögern in den Schlamm hinaus und stellte sich mitten in den Wolkenbruch. »Bei meiner Grundausbildung in Fort Ord hatte ich einen Ausbilder, der zwar ein Hinterwäldler aus Alabama war, aber sein Geschäft wirklich verstand. Einer seiner Lieblingssprüche war: ›Ohne Regen ist’s kein Training.‹«

Clark und Dom lachten. Selbst Sam Driscoll, der Ruhigste der Truppe, rang sich ein leichtes Lächeln ab.

 

 

2

In der ersten mondlosen Frühjahrsnacht fiel die Russische Föderation in ihren souveränen Nachbarstaat ein. Bei Tagesanbruch rollten ihre Panzer auf Haupt- und Nebenstraßen nach Westen, als ob ihnen dieses Land immer noch gehörte und das Vierteljahrhundert seit dem Ende des Kalten Kriegs nur ein leerer Traum gewesen wäre.

Dies hätte eigentlich nicht geschehen dürfen. Immerhin war das hier Estland, also ein NATO-Mitglied. Die Politiker in Tallinn hatten ihrem Volk versprochen, dass Russland sie nach ihrem Beitritt zu diesem Verteidigungsbündnis niemals angreifen würde.

Bisher hatte die NATO jedoch noch nicht eingegriffen.

Die russische Bodeninvasion wurde von T-90 angeführt, umfassend modernisierten 50-Tonnen-Panzern, die mit einer 125-mm-Glattrohrkanone, zwei schweren Maschinengewehren und einer explosionsabweisenden Reaktivpanzerung ausgestattet waren. Außerdem verfügten sie über ein hochmodernes automatisches elektro-optisches Abwehrsystem, das anfliegende feindliche Projektile durch lasergelenkte eigene Raketen noch in der Luft zerstörte. Den T-90 folgten BTR-80-Schützenpanzerwagen, die neben den drei Besatzungsmitgliedern jeweils sieben Infanteriesoldaten beförderten, die im Bedarfsfall ausschwärmten, um den Kampfpanzern Deckung zu geben. Wenn die Gefahr beseitigt war, wurden sie von den BTR-80 wieder aufgenommen.

 

Bisher verlief der russische Vormarsch auf dem Boden ohne nennenswerte Probleme.

Dies galt jedoch nicht für den Luftraum.

Estland verfügte über ein gutes Raketenabwehrsystem, und die russischen Angriffe auf ihre Frühwarneinrichtungen und SAM-Stellungen waren nur teilweise erfolgreich gewesen. Viele SAM-Batterien waren immer noch einsatzbereit und hatten mehr als ein Dutzend russische Flugzeuge abgeschossen und Dutzende weitere an einer Erfüllung ihrer Mission gehindert.

Die Russen verfügten zwar noch nicht über die Lufthoheit, aber das hatte ihren Bodenvormarsch bisher in keiner Weise verlangsamt. In den ersten vier Stunden des Krieges wurden zahlreiche Dörfer dem Erdboden gleichgemacht und ganze Städte in Schutt und Asche gelegt. Dabei hatten viele Panzer ihre Turmkanonen noch nicht ein einziges Mal abgefeuert. Die estnische Niederlage schien bereits jetzt unabwendbar. Allerdings hätte jeder, der etwas vom Kriegswesen verstand, dies kommen sehen können. Das winzige Estland hatte bisher auf die Diplomatie vertraut und seine Verteidigungsvorbereitungen entsprechend vernachlässigt.

Auch Edgar Nõlvak hatte das kommen sehen. Dabei war er weder Soldat noch Politiker, sondern nur ein einfacher Gymnasiallehrer, der jedoch die Fernsehnachrichten intensiv verfolgt hatte. Jetzt lag er kalt, nass und blutend in einem Graben und zitterte vor Angst. Seine Ohren waren inzwischen durch den bestialischen Lärm der explodierenden Granaten beinahe taub, die die russischen Panzer aus dem Wäldchen auf der anderen Seite der Lichtung abfeuerten. Trotzdem war er noch so weit bei Sinnen, dass er sich wünschte, die Führer seines Landes hätten ihre Zeit nicht mit leerem diplomatischen Gerede in Brüssel vertan, sondern stattdessen eine Scheißmauer bauen lassen, die diese Scheißrussen aus seinem Scheißdorf herausgehalten hätte.

Seit Wochen hatte man über eine solche Invasion geredet. Dann war vor ein paar Tagen direkt jenseits der russischen Grenze eine Bombe explodiert, die achtzehn Zivilisten in den Tod gerissen hatte. Das russische Fernsehen beschuldigte daraufhin die estnische Sicherheitspolizei, hinter diesem Anschlag zu stecken. So lächerlich dieser Vorwurf auch klingen mochte, wurde er jedoch von allen russischen staatlichen Medien aufgegriffen und ständig wiederholt. Sie förderten zahlreiche fabrizierte Beweise zutage und zeigten diese in den Nachrichtensendungen vor. Der russische Präsident verkündete schließlich, er habe gar keine andere Wahl, als seinen Truppen eine »Sicherheitsoperation« in Estland zu befehlen, um die dort lebenden Russen zu schützen.

Edgar Nõlvak lebte in Põlva, einer Stadt, die vierzig Kilometer von der Grenze entfernt lag. Während seiner Jugend in den Siebziger- und Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts hatte er wie seine Familie ständig befürchtet, dass in diesem Wäldchen Panzer auftauchen könnten, um von dort sein Wohnhaus zu beschießen. In den letzten dreiundzwanzig Jahren war diese Angst jedoch weitgehend verschwunden.

Jetzt waren die Panzer da. Sie hatten inzwischen viele Einwohner seiner Stadt getötet und würden auf ihrem Weg nach Westen bestimmt auch ihn noch umbringen.

Vor zwei Stunden hatte ihn ein Freund aus Võuküla angerufen, das mehrere Kilometer weiter östlich lag. Dieser Freund hatte sich im Wald versteckt und Edgar von dort mit seinem Handy angerufen. Mit matter, ausdrucksloser Stimme, der sein Schock deutlich anzumerken war, hatte er erzählt, dass die russischen Panzer an seinem Dorf vorbeigerollt seien, nachdem sie nur ein paar Schüsse abgegeben hätten. In Võuküla gab es ja auch nichts außer einigen Bauernhäusern und einer Tankstelle. Einige Minuten nachdem die T-90 und die Schützenpanzerwagen verschwunden waren, sei jedoch auf ungekennzeichneten Kleinlastwagen eine Truppe von irregulären Milizen aufgetaucht, die jetzt die ganze Siedlung systematisch plündern und in Brand setzen würde.

Als sie das hörten, schickten Edgar und seine Nachbarn ihre Familien weg, holten ihre Jagdgewehre und gingen so tapfer wie töricht in diesem Graben in Stellung, um die Panzer an sich vorbeirollen zu lassen und auf die nachfolgenden irregulären Kämpfer zu warten. Gegen die Panzer konnten sie natürlich nichts ausrichten, aber sie würden es nicht zulassen, dass ihre Heimatstadt von russischen Zivilisten niedergebrannt wurde.

Dieser Plan wurde in dem Moment hinfällig, als sich sechs Panzer vom Hauptkonvoi abspalteten, der weiterhin die Überlandstraße entlangrollte, sich nebeneinander in diesem Wäldchen aufstellten und Põlva mit Sprenggranaten zu beschießen begannen.

Edgars Kindheitsalbtraum wurde plötzlich Wirklichkeit.

Er und seine Begleiter hatten sich geschworen, bis zum Tod zu kämpfen. Ein Kampf mit diesen Panzern war jedoch völlig sinnlos.

Jetzt erwartete sie nur noch der Tod.

Der Lehrer war beinahe sofort verwundet worden. Noch während er auf den Graben zueilte, schlug eine Panzergranate auf dem Parkplatz des Gymnasiums ein. Ein Metallsplitter von einem explodierenden Kombi durchschlug Edgars Bein. Jetzt lag er auf seinem Gewehr im Dreck und wartete auf das Ende.

Edgar Nõlvak kannte sich in militärischen Dingen nicht sehr gut aus, aber er war sich doch sicher, dass die Russen bei gleichbleibender Geschwindigkeit noch an diesem Nachmittag die etwas weiter nördlich gelegene große Stadt Tartu erreichen würden.

Ein Geräusch, als ob jemand ein Blatt Papier zerreißen würde, erfüllte die Luft.

Er hatte dieses Geräusch in der letzten Stunde immer wieder gehört und wusste deshalb, dass eine Panzergranate im Anflug war. Er drückte sein Gesicht tief in den kalten Schlamm.

Bum!

Hinter ihm hatte die Turnhalle seines Gymnasiums einen Volltreffer abbekommen. Deren Schalsteinwände mit Aluminiumverkleidung flogen auseinander und hinterließen nur noch eine große Rauchwolke. Das Holzparkett des Basketballfelds regnete als kleine Splitter auf Edgar herab.

Er schaute wieder einmal über den Grabenrand. Die Panzer standen nur tausend Meter weiter im Osten.

»Wo zum Teufel bleibt die NATO?«

In tausend Meter Entfernung stand Hauptmann Arkadij Lapranow im offenen Turm seines Panzers mit dem Codenamen Sturm null-eins und rief: »Wo zum Teufel bleibt meine Luftunterstützung?«

Es war eine rein rhetorische Frage. Die Kommandanten der anderen fünf Panzer, die er befehligte, hörten sie zwar über Funk, gaben jedoch keine Antwort. Die beiden Männer in seinem eigenen T-90, der Fahrer und der Richtschütze, warteten schweigend auf seine nächsten Befehle. Sie wussten, dass sie schwere Kampfhubschrauber anfordern konnten, wenn eine Luftbedrohung auftauchen würde. Bisher hatten sie jedoch noch kein einziges estnisches Flugzeug gesehen. Auch auf den Radargeräten der russischen Flugabwehrsysteme war noch kein einziges gegnerisches Fluggerät aufgetaucht.

Der Himmel war wolkenlos und feindfrei.

Dies war ein guter Tag. Der Traum eines jeden Panzersoldaten.

In tausend Meter Entfernung hatte sich die Staub- und Rauchwolke inzwischen so weit aufgelöst, dass Lapranow jetzt das dahinterliegende Gelände sehen konnte. »Ich möchte ein paar Geschosse in das Gebäude hinter dem vorhergehenden Ziel jagen, und zwar Splitter-Sprenggranaten«, bellte er ins Mikrofon. »Ohne geeignete Luftunterstützung werde ich auf dieser Straße erst dann weiter vorrücken, wenn ich das Gebiet rechts neben der Kreuzung einsehen kann.«

»Jawohl, Herr Hauptmann!«, rief der Richtschütze zu Lapranow hinauf.

Der Schütze drückte auf einen Knopf, und die automatische Gefechtsladung wählte aus dem Magazin eine Splitter-Sprenggranate aus und führte sie mit ihrem mechanischen Arm in den Verschluss ein. Der Richtschütze benutzte sein Videosichtgerät, um das angegebene Gebäude zu finden. Dann drückte er seine Stirn auf den Gummirand des Zielfernrohrs und visierte das Ziel genau an. Er drückte auf den Abfeuerungsknopf auf dem Bedienfeld. Mit einem gewaltigen Ruck feuerte die 125-mm-Glattrohrkanone ein Geschoss ab, das in hohem Bogen über das freie Feld vor ihnen direkt in das Zielgebäude raste.

»Volltreffer«, meldete der Richtschütze.

So waren sie bereits den ganzen Vormittag vorgegangen. Inzwischen waren sie durch vier Dörfer gerollt und hatten die großen Ziele mit ihrer 125-mm-Kanone beschossen und kleinere Ziele mit ihren rohrparallelen Maschinengewehren ausgeschaltet.

Lapranow hatte eigentlich einen größeren Widerstand erwartet. Inzwischen gewann er jedoch den Eindruck, dass der russische Präsident Walerij Wolodin wahrscheinlich doch recht gehabt hatte, als er seiner Nation erklärte, dass die NATO nicht den Mumm haben würde, für Estland zu kämpfen.

In seinem Headset meldete sich ein Panzer unter seinem Kommando.

»Sturm null-vier an Sturm null-eins.«

»Kommen, null-vier.«

»Hauptmann, ich sehe in einem Graben vor dem letzten Ziel Bewegungen. Entfernung tausend Meter. Ich kann mehrere Gewehrschützen erkennen.«

Lapranow beobachtete mit seinem Feldstecher sorgfältig das Gelände rund um den Graben.

Dort. Einige Köpfe tauchten aus dem Schlamm auf, um sofort wieder zu verschwinden. »Ich sehe sie. Es ist eine Gewehrstellung. Wir werden wegen denen keine 125er verschwenden. Wir erledigen sie mit unseren MGs, wenn wir näher rankommen.«

»Verstanden.«

Die Panzerkanonen feuerten eine weitere Salve auf die Gebäude auf einer kleinen Anhöhe jenseits der Straßenkreuzung ab. Als Lapranow danach kurz durch sein Zielfernrohr schaute, war die ganze Stadt totenstill. Offensichtlich war dort praktisch kein Widerstand zu erwarten.

»Weiterfeuern!«, befahl er. Er kniete sich in seinen Kommandantenstand hinunter, um sich eine Packung Zigaretten und ein Feuerzeug zu holen. »Tilgt diesen Ort von der Landkarte!«

Ein paar Sekunden später empfing er in seinem Headset einen weiteren Funkspruch: »Sturm null-zwei an Sturm null-eins.«

»Kommen«, sagte Lapranow, während er sich eine Zigarette anzündete.

»Bewegung südlich des Krankenhauses. Ich ... ich glaube, es handelt sich um ein Fahrzeug.«

Lapranow warf das Feuerzeug in den Panzer hinunter und schaute durch seinen Feldstecher. Er brauchte einen Moment, bis er das entsprechende Gebiet fand. Das Krankenhaus lag ein paar Kilometer hinter dem Gymnasium auf einem kleinen Hügel. Schließlich bemerkte er auf der im Schatten liegenden Straße unmittelbar südlich des Hospitals eine Bewegung.

Zuerst dachte er, es handele sich um einen Jeep oder einen Geländewagen.

Jetzt meldete sich ein weiterer T-90. »Sturm drei an Sturm eins. Ich glaube, es ist ein Hubschrauber.«

»Njet«, sagte Lapranow, schaute jetzt jedoch ebenfalls genauer hin. Das dunkle Fahrzeug schien an einer Kreuzung anzuhalten und begann sich dann seitwärts auf einen Parkplatz zuzubewegen.

»Was zum Teufel ist denn das?«, wunderte sich Lapranow. »Vielleicht ist es wirklich ein Hubschrauber. Richtschütze, könnten Sie das mal kurz in Ihrem Catherine überprüfen?« Das französische Catherine-Langstrecken-Wärmebildgerät, das in jedem Panzer eingebaut war, ermöglichte es dem Richtschützen, weit entfernte Ziele auf einem Videobildschirm zu erkennen. Lapranow stand in seinem Kommandantenstand zwar ebenfalls ein solcher Bildschirm zur Verfügung, aber dazu hätte er sich in den Panzer hinuntersetzen müssen. Dabei machte es hier oben im Turm einfach zu viel Spaß.

Sein Richtschütze meldete sich jetzt über den Bordfunk des Sturm null-eins. »Bestätige einen leichten Hubschrauber. Einzelrotor. Ich kann keine Hoheitszeichen erkennen. Er befindet sich gerade hinter einem Lastwagen im Schatten. Scheiße, der fliegt wirklich niedrig. Seine Kufen können höchstens einen Meter über dem Boden sein.«

»Seine Bewaffnung?«, fragte Lapranow. Er schaute mit zusammengekniffenen Augen durch seinen Feldstecher, um selbst einen besseren Blick zu haben.

»Hm ... warten Sie. Er hat zwei Pylonen mit Maschinengewehren. Keine Raketen.« Der Richtschütze kicherte. »Will dieser Typ uns etwa mit diesen lächerlichen Kinderknarren bekämpfen?«

Lapranow hörte, wie einer seiner Panzerkommandanten laut loslachte.

Der Hauptmann selbst verkniff sich jedoch jedes Lachen. Er nahm einen langen Zug an seiner Zigarette. »Den Heli als Ziel erfassen!«

»Verstanden. Als Ziel erfasst.«

»Entfernung zum Ziel?«

»Viertausendzweihundertfünfzig Meter.«

»Scheiße«, fluchte Lapranow.

Die effektive Reichweite des 9M119-Refleks-Raketensystems, das gegen Panzer und niedrig fliegende und langsame Fluggeräte wie etwa Hubschrauber eingesetzt werden konnte, betrug nur viertausend Meter. Dieser kleine Helikopter flog also gerade außerhalb dieses Bereichs.

»Wo bleibt meine Luftunterstützung? Sie hätten diesen Wichser schon längst auf ihren Radarschirmen sehen müssen.«

»Nein, sie können seine Radarsignatur nicht erkennen. Er bewegt sich zwischen diesen Gebäuden, und er ist zu tief über dem Boden. Er muss auf diese Weise durch die ganze Stadt und über diesen Hügel geflogen sein. Was immer er vorhat, er ist ein guter Pilot.«

»Also, mir geht er auf den Sack. Ich will ihn tot sehen. Fordern Sie Luftunterstützung an und geben Sie seine Koordinaten durch.«

»Da, Herr Hauptmann.«

»An alle Sturm-Einheiten! Laden Sie Splitter-Sprenggranaten, und nehmen Sie den Angriff wieder auf!«

»Da!«

Einige Sekunden später feuerten alle sechs Panzer 125-mm-Granaten in die Gebäude im Zentrum von Põlva. Durch diese einzige Salve wurden vier Zivilisten getötet und neunzehn weitere verwundet.

 

 

3

Edgar Nõlvak hörte die Panzergeschosse über ihnen durch die LuFft pfeifen. Als er über die Schulter blickte, sah er sie gerade noch ins Rathaus und den Busbahnhof einschlagen. Als sich der Rauch verzogen hatte, bemerkte er ein Fahrzeug, das sich etwas höher auf dem Hügel eine Straße entlangbewegte. Zuerst hielt er es für einen schwarzen oder grünen Geländewagen, der sogar auf einem Parkplatz zu halten schien. Da es sich im Schatten des danebenliegenden riesigen Krankenhausgebäudes befand, dauerte es eine gewisse Zeit, bis Edgar begriff, um was es sich wirklich handelte.

Es war ein schwarzer Hubschrauber, dessen Kufen nicht mehr als einen oder zwei Meter über dem Boden schwebten.

Der Mann, der neben ihm im Graben lag, packte Edgar am Arm. Er deutete auf den Helikopter und schrie hysterisch: »Sie sind bereits hinter uns! Sie greifen uns von Westen her an!«

Edgar war sich da nicht so sicher. Nachdem er eine Zeit lang angestrengt in Richtung des Hubschraubers geschaut hatte, sagte er schließlich: »Das ist kein Russe! Ich glaube, das ist ein Pressehubschrauber.«

»Sie filmen das Ganze hier? Sie zeichnen auf, wie wir hier sterben?«

 

Als Edgar wieder zu den Panzern hinüberblickte, flog gerade ein weiteres Geschoss auf sie zu und schlug nur sechzig Meter vor ihrem Graben ein. Die aufgeworfene Erde regnete auf ihn und die anderen herab. »Sie werden allesamt selbst sterben, wenn sie nicht sofort von hier verschwinden.«Als Edgar wieder zu den Panzern hinüberblickte, flog gerade ein weiteres Geschoss auf sie zu und schlug nur sechzig Meter vor ihrem Graben ein. Die aufgeworfene Erde regnete auf ihn und die anderen herab. »Sie werden allesamt selbst sterben, wenn sie nicht sofort von hier verschwinden.«

Lapranow hatte sich inzwischen eine neue Zigarette angezündet. Als er gerade einen langen Zug nahm, kam über Funk eine weitere Meldung: »Sturm null-vier an Sturm null-eins.«

»Kommen, Vier.«

»Herr Hauptmann, ich betrachte diesen Heli gerade mit meiner Catherine ... Auf seinem Hauptrotor scheint eine Art Kugel zu sitzen.«

»Eine was?«

»Eine Kugel.«

Lapranow ließ sich in seinen Kommandantenstand hinunterfallen und schaute jetzt auf den Bildschirm seiner eigenen Catherine, auf dem er den Helikopter weit besser erkennen konnte. Ja. Auf der Spitze des Hauptrotorschafts des kleinen Helis war tatsächlich irgendein rundes Gerät angebracht.

»Was zum Teufel ist ...«

Ihm fiel die Zigarette aus dem Mund.

O Scheiße.

Lapranow hatte sich den Umriss jedes Fluggeräts eingeprägt, das irgendein NATO-Land benutzte. Leise sagte er: »Das ... das ist ein OH-58.«

Jetzt meldete sich der Fahrer seines Sturm null-eins in seinem Headset zu Wort: »Das kann nicht sein. Die Esten haben keine ...«

Lapranow schoss blitzschnell nach oben und griff nach dem Lukenriegel, um in aller Eile die Turmluke zu schließen. »Das sind die Scheißamerikaner!«

Chief Warrant Officer Two Eric Conway vom Bravo-Trupp der 2. Schwadron des 17. Kavallerieregiments der 101. Luftlandedivision der US-Armee betrachtete auf seiner Multifunktionsanzeige kurz das Wärmebild der russischen Panzer, die in etwa vier Kilometer Entfernung am Rand eines kleinen Wäldchens zwischen den Bäumen standen. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder seinem eigenen Rotor über ihm zu. Die Spitzen der vier Hauptrotorblätter seines OH-58D Kiowa Warriors kamen den Wänden der umliegenden Gebäude auf beiden Seiten der Straße bei jeder Umdrehung gefährlich nahe. Wenn er seinen Steuerknüppel auch nur ein kleines bisschen verriss, würden sie eines dieser Gebäude berühren, und sein Heli würde ins Trudeln geraten und abstürzen. Sein mangelndes fliegerisches Können würde dann ihn und seinen Kopiloten ins Jenseits befördern, noch bevor die russischen Panzer dazu Gelegenheit bekamen.

Als es ihm gelang, den Hubschrauber absolut stabil zu halten, atmete er einmal tief durch, um sich selbst zu beruhigen. Dann sprach er in sein Bordmikrofon: »Bereit, Kumpel?«

Sein Kopilot, CW2 Andre Page, antwortete ruhig: »Bereiter kann man gar nicht sein.«

Conway nickte und sagte: »Laser das Ziel an.«

»Verstanden. Bin im Ziel.«

Sofort schaltete Conway sein Mikrofon auf eine Funkverbindung zu seinem Schwadronsführer um: »Blauer Max sechs-sechs, hier Schwarzer Wolf zwei-sechs. Ziel mit Laser markiert.«

Etwa sieben Kilometer hinter dem OH-58D Kiowa Warrior schwebten etwas nördlich des Dorfes Aarna zwei schwere Apache-Longbow-Kampfhubschrauber knapp über einer Wiese. Da sich direkt vor ihnen ein bewaldeter Hügel erhob, waren sie dort relativ sicher. Gerade als der Schwadronsführer mit dem Codenamen Blauer Max sechs-sechs den Funkspruch seines Aufklärungshubschraubers erhielt, bemerkte sein Kopilot und Schütze, der vor und etwas unter ihm saß, dass der Laserpunktsucher auf seinem Multifunktionsdisplay eine Laserfixierung des mehrere Kilometer entfernten ersten Ziels anzeigte.

»Verstanden, Schwarzer Wolf zwei-sechs. Laservisierung perfekt. Hellfire-Einsatz steht kurz bevor.«

Der Kiowa-Warrior-Aufklärungshubschrauber, der in niedriger Höhe über Põlva schwebte, war nur leicht bewaffnet. Seine Durchschlagskraft beruhte jedoch nicht auf irgendwelchen Bordwaffen, sondern auf seiner Fähigkeit, Ziele für die schweren Apache-Kampfhubschrauber hinter ihm zu suchen und mit dem Laser zu kennzeichnen. Seine Aufgabe war also die sogenannte Luftnahunterstützung. CW2 Conway und sein Kopilot hatten in diesem Fall ausgezeichnete Arbeit geleistet, da es ihnen gelungen war, ihren Helikopter durch das ganze Dorf zu bewegen, ohne vom feindlichen Radar aufgespürt zu werden. Jetzt waren sie hervorragend positioniert, die Zielsteuerung für die Apaches zu übernehmen.

»Verstanden, Blauer Max sechs-sechs. Wir sollten das Ganze aber schnell durchziehen, denn der Gegner hat inzwischen freie Sicht auf uns.«

Am Waldrand schrie der Kommandant des Panzers auf der Nordflanke von Lapranows Schwadron in sein Mikrofon: »Sturm null-sechs an Sturm null-eins! Laserwarnung!«

»Scheiße!«, murmelte Lapranow in sein Headset. Der kleine Hubschrauber dort vorn mochte zwar keine eigenen Raketen an Bord haben, aber er kennzeichnete anscheinend die Ziele für irgendwelche Fluggeräte, die irgendwo im Rückraum auf ihren Einsatz warteten.

»Aktiviert die ARENA-Systeme!«, befahl er.

Das Abstandsaktive Schutzsystem ARENA des T-90-Panzers spürte mithilfe des Doppler-Radars anfliegende Geschosse oder Raketen auf.

Sobald diese in Reichweite waren, feuerte der Panzer eine Abwehrrakete ab, die sich dem gegnerischen Geschoss bis auf zwei Meter näherte, bevor sie explodierte und die Gefährdung beseitigte.

»Dieser Hubschrauber leistet Aufklärungsarbeit für irgendwelche Apaches oder Kampfjets«, sagte Lapranow. »Wo bleibt meine Luftunterstützung?«

Der Kommandant des Sturm null-fünf meldete: »Sie kommt in etwa zehn Minuten.«

Lapranow schlug wütend mit der Faust auf die Wand seines Kommandantenstands. »An alle Panzer: Refleks laden!«

Die 9M119-Refleks-Panzerlenkwaffe wurde aus der 125-mm-Kanone verschossen. Wenn sie deren Rohr verlassen hatte, wurde ein Raketenmotor gezündet, Stabilisierungsflossen klappten aus, und ein Laserstrahl lenkte sie ins Ziel. Die sechs Richtschützen würden jedoch mehr als dreißig Sekunden benötigen, um die Sprenggranaten, die sich bereits im Verschlusskeil der Kanone befanden, zu entladen und diese dann mithilfe des Selbstladers durch eine Refleks zu ersetzen.

Jetzt meldete sich Sturm null-zwei: »Das Zielobjekt ist auch für die Refleks außer Reichweite, Hauptmann.«

»Befolgen Sie einfach meinen Befehl, verdammt«, schrie Lapranow. Er hoffte von ganzem Herzen, dass er durch das gleichzeitige Abfeuern aller sechs Refleks-Raketen die kleine Kiowa Warrior auf diesem Hügel dazu zwingen würde, ihre Laserzielsequenz so lange aufzugeben, bis er sich mit seinen Panzern vollständig in die Deckung dieses Wäldchens zurückziehen konnte.

Sieben Kilometer weiter westlich schwebten die beiden Apache Longbows immer noch nördlich des Dorfs Aarna. Jeder von ihnen hatte acht Hellfire-Raketen an Bord. Auf Befehl des Schwadronsführers feuerten sie sie jetzt gleichzeitig ab. Während die Hellfires durch den blauen Himmel ihrem unsichtbaren Ziel im Osten entgegenflogen, meldete der Führungs-Apache dem Aufklärungshubschrauber in Põlva:

»Achtung, Schwarzer Wolf zwei-sechs. Mehrere Hellfires im Anflug auf Ziel Alpha.«

In seinem Panzer Sturm null-eins sah Hauptmann Arkadij Lapranow auf seinem Catherine-Monitor die sich schnell nähernde Radarechoanzeige. Er wusste, dass sie sich auf den Panzer null-sechs zubewegte, dessen Laseranzeigealarm ausgelöst worden war.

Die erste Hellfire erschien plötzlich als winziger flackernder Lichtfunken über dem Hügel. Vor dem Hintergrund des strahlend blauen Himmels war mehrere Sekunden lang nicht zu erkennen, wohin genau sie unterwegs war, bis sie plötzlich steil nach unten in Richtung Waldrand stürzte.

Das automatische ARENA-System von Sturm null-sechs entdeckte die anfliegende Hellfire und feuerte eine Rakete ab, um sich gegen den Angreifer zu verteidigen. Tatsächlich explodierte die Hellfire, als sie nur noch fünfzig Meter von dem Panzer entfernt war. Ihre Metallsplitter sausten durch die Bäume des kleinen Wäldchens.

Das ARENA-System hatte also ein erstes Mal funktioniert, aber die nächste Hellfire folgte so dicht hinterher, dass sich das System nicht schnell genug auf die zweite Bedrohung einzustellen vermochte. Die Rakete schlug in den Turm von Sturm null-sechs ein, bevor ARENA eine weitere Abwehrrakete starten konnte.

Lapranow saß bei geschlossener Turmluke in seinem Kommandantenstand. Obwohl Null-sechs hundertzwanzig Meter nördlich von ihm gestanden hatte, prasselten dessen Metallsplitter gegen die Wanne seines Panzers.

Einen Augenblick später feuerte ein zweiter Panzer, Sturm null-zwei, zwei ARENA-Abwehrgeschosse ab. Tatsächlich gelang es ihm, die beiden anfliegenden Hellfires zu überleben. Im selben Moment meldete jedoch Sturm null-fünf, dass jetzt er von einem Laserstrahl anvisiert werde.

Einen Augenblick später flog Null-fünf in die Luft.

Lapranow wurde bewusst, dass ihm die Refleks-Raketen hier nicht mehr helfen konnten. Die automatische Gefechtsladung der vier übrig gebliebenen Panzer war immer noch mit der Auswahl der richtigen Geschosse aus dem Magazin beschäftigt.

»Feuert die Nebelwerfer ab und zieht euch zurück«, befahl er seiner gesamten Einheit. Danach teilte er seinem Fahrer über Bordfunk mit: »Bringen Sie uns von hier weg! Zurück! Zurück! Zurück!«

»Da, Herr Hauptmann.«

Eric Conway und Andre Page beobachteten in ihrem Kiowa Warrior, der mitten in Põlva immer noch einen guten Meter über dem Boden schwebte, wie die vier verbliebenen Panzer sich weiter von der Stadt zurückzogen und zwischen den Bäumen des Wäldchens Deckung suchten. Ein Dutzend Rauchgranaten hüllten sie in eine einzige weiße Nebelwolke.

»Sie werfen Nebelgranaten und ziehen sich zurück«, sagte Page.

Conway sprach leise in sein Mikrofon: »Ändere die Bildpolarität.«

»Verstanden«, erwiderte Page und stellte sein Wärmebildgerät von »weiß-heiß« auf »schwarz-heiß« um.

Auf dem Bildschirm vor ihm waren die vier Panzer, die zuvor in eine undurchdringliche weiße Nebelwolke gehüllt waren, plötzlich klar und deutlich zu sehen.

In diesem Moment hörte Conway in seinem Headset: »Achtung, Schwarzer Wolf zwei-sechs. Zwei weitere Hellfires im Anflug.«

»Nur weiter so«, kommentierte Conway.

Während Page seinen Laser auf den vierten Panzer links von ihm richtete, galt Conways ganze Aufmerksamkeit wieder einmal seinen Rotorblättern. Er war ganz leicht nach links abgewichen, sodass die Rotorspitzen nur noch knapp zwei Meter von dem ersten Stock des Krankenhauses entfernt waren. Er schaute kurz nach rechts hinüber und merkte, dass er dort etwas mehr Spielraum hatte. Er drückte den Steuerknüppel etwas nach rechts, bis sein Hubschrauber wieder mitten über dem Parkplatz schwebte.

Auf seinem Wärmebildgerät flammten jetzt einige kleine Detonationsblitze auf, die von Flugabwehrgranaten herrührten, die die T-90 aus dem Wald heraus abschossen. Sie waren jedoch kein Vergleich mit der gewaltigen Explosion des 50-Tonnen-Panzers eine Sekunde später, als eine Hellfire-Rakete von oben in den Panzerturm einschlug.

»Volltreffer, Blauer Max. Ziel zerstört. Neues Ziel mit Laser anvisiert.«

»Verstanden, Schwarzer Wolf zwei-sechs. Weitere Raketen abgefeuert. Müssen jeden Moment einschlagen.«

Lapranows Sturm null-eins hatte sich fünfundzwanzig Meter in den vermeintlichen Schutz des Waldes zurückgezogen, als plötzlich der Laserwarnanzeiger ertönte. Er schrie dem Fahrer zu, noch tiefer in das Wäldchen zurückzusetzen. Der T-90 bahnte sich daraufhin im Rückwärtsgang einen Weg durch die Kiefern, um der Gefahrenzone zu entkommen.

Kurz darauf schoss das automatische Flugabwehrsystem von Null-eins eine Rakete ab. Der Hauptmann konnte dabei nichts anderes tun, als sich am Handgriff über ihm festzuhalten und die Augen zu schließen.

Arkadij Lapranow erfüllte plötzlich Angst und Schrecken. Dabei hatte er vorher keinerlei Mitgefühl für die Männer und Frauen empfunden, die sich in den Häusern aufgehalten hatten, die er an diesem Morgen dem Erdboden gleichgemacht hatte. Jetzt kauerte er sich in seinen Kommandantenstand und hoffte mit ganzem Herzen, dass ihn das ARENA-System retten würde.

Tatsächlich rettete es ihn zwei Mal. Eine dritte Rakete kam jedoch durch und schlug in die Kontakt-5-Reaktivpanzerung ein, deren Platten aus kombinierten Stahl-, Keramik- und Sprengstoffschichten bestanden. Beim Einschlag des Feindgeschosses explodierte dieser Sprengstoff und schleuderte die Platten dem Projektil entgegen, um dessen Wirkung abzumildern oder völlig aufzuheben. Dies war jedoch gegen die Hellfire völlig wirkungslos, die die Stahlwanne dieses Fünfzig-Tonnen-Panzers durchschlug, als ob sie aus weicher Butter bestünde. Die drei Mann Besatzung starben nur Mikrosekunden nach der Detonation des Gefechtskopfs der Hellfire, der Turm des T-90 wurde fünfzig Meter senkrecht in die Luft geschleudert und das Fahrzeug selbst wie ein Spielzeugauto in den Wald hineingedrückt.

Unmittelbar darauf explodierte es und löste sich in Schrapnelle auf, die selbst die dicksten Bäume durchschlugen. In dem Panzerwrack detonierten jetzt verbliebene Sekundärsprengstoffe und ließen Flammen in die Höhe schlagen, während schwarzer Rauch in den kalten Himmel aufstieg.

Eine Minute später meldete CW2 Eric Conway über Funk seinem Schwadronsführer: »Schwarzer Wolf zwei-sechs an Blauer Max sechs-sechs. Volltreffer. Ich sehe keine weiteren Ziele mehr.«

Darauf antwortete ihm der Kommandant des Apache-Longbow-Führungshubschraubers: »Verstanden, wir kehren in unseren Stützpunkt zurück.«

Conway reckte seine behandschuhte Faust, und Page klatschte sie ab. Danach stieg der Schwarze Wolf zwei-sechs in die Höhe, drehte nach Norden ab, nahm Geschwindigkeit auf, schoss möglichst schnell über das vierstöckige Krankenhaus hinweg und machte sich auf den Rückweg zur Basis.

Etwa einen Kilometer weiter östlich hatte sich Edgar Nõlvak in seinem Graben in eine sitzende Position aufgerichtet, um einen besseren Blick auf die schwelenden Panzerwracks am Waldrand zu haben.

Es waren keinerlei Freudenrufe zu hören, und niemand feierte. Die Männer in diesem verschlammten Graben hatten nur zur Hälfte begriffen, was da gerade passiert war. Außerdem wussten sie nicht, ob nicht bereits eine weitere russische Panzerwelle zu ihnen unterwegs war und plötzlich aus diesem Wäldchen hervorbrechen würde. Trotzdem beschlossen sie, das Ende dieses Angriffs auszunutzen. Einige rannten zu ihren Autos, um sie auf den nächstgelegenen Parkplatz zu fahren, während andere die Verwundeten aus dem Graben zogen und sie zu diesem Parkplatz trugen, damit man sie ins Krankenhaus bringen konnte.

Einige raue Hände packten jetzt auch Edgar Nõlvak und führten ihn zu einem wartenden Zivilfahrzeug. Während er durch den Schlamm wankte, zuckte er zusammen. Zum ersten Mal spürte er den Schmerz in seinen Beinen. Er sagte ein stilles Gebet für sein Dorf, sein Land und die ganze Welt auf. Er hatte das Gefühl, dass er heute dem Beginn von etwas wirklich Schlimmem beigewohnt hatte.

Die Schlacht von Põlva ging zwar als erste kriegerische Auseinandersetzung zwischen der NATO und Russland in die Geschichtsbücher ein, aber bis zum Ende dieses Nachmittags fanden noch ein Dutzend weitere solche Ereignisse im ganzen Osten Estlands statt.

Die gesamte russische Kriegsplanung beruhte auf der Voraussetzung, dass die NATO weder willens noch fähig sei, ihrem Mitgliedsland Hilfe zu leisten. Diese Annahme hatte sich als falsch erwiesen. Am nächsten Tag zogen sich daraufhin die russischen Truppen aus Estland zurück. Die russische Führung stellte trotzdem die ganze Operation als vollen Erfolg dar. Man habe von Anfang an nur die Absicht gehabt, in einigen estnischen Dörfern entlang der Grenze gefährliche Terroristen auszuschalten, was man dann auch tatsächlich erreicht habe.

Jeder im Westen wusste jedoch, dass die Russen bis Tallinn vorrücken wollten. Dass ihnen das nicht gelang, war für Präsident Walerij Wolodin eine herbe Niederlage. Allen, wahrscheinlich auch Wolodin selbst, war klar, dass er die Entschlossenheit der NATO im Allgemeinen und der USA im Besonderen völlig unterschätzt hatte.

Während der Westen den russischen Rückzug noch feierte, ließ sich die Kreml-Führung von diesem Rückschlag allerdings nicht beirren und arbeitete bereits an einem neuen Plan, die russische Macht nach Westen auszudehnen.

Dieser Plan würde jedoch dieses Mal ganz bestimmt die Gefahr berücksichtigen, die von den Vereinigten Staaten ausging.

 

4

An einem Tisch inmitten des Pubs saßen zwei attraktive junge Frauen Mitte zwanzig. Emily und Yalda verbrachten fast jeden Mittwochabend hier. Gewöhnlich tranken sie mehrere Ales und beklagten sich über ihren Job bei der Bank von England. Inzwischen war es fast zweiundzwanzig Uhr, und die meisten Gäste, die nach der Arbeit noch ein oder zwei Gläschen getrunken hatten, waren längst gegangen. Die beiden Frauen mussten jedoch jeden Mittwoch Überstunden machen und irgendwelche langweiligen Routineberichte zusammenstellen, was sie beide aus tiefstem Herzen hassten. Um sich für diese unangenehme Aufgabe zu belohnen, hatten sie sich angewöhnt, hinterher im Counting-House-Pub noch eine Kleinigkeit zu essen, ein paar Bierchen zu trinken und über ihre Kollegen zu tratschen, bevor sie mit der U-Bahn in ihre Wohnungen im East End zurückfuhren.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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