Constance - Sam Jones - E-Book

Constance E-Book

Sam Jones

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Beschreibung

Ein Callboy namens Constance?
Was ungewöhnlich klingt, hat gute Gründe. Und diese holen Nate Johnson ein, als er seinen neuesten Job für die Agentur Your secret Wish antritt. Denn sein Kunde ist für ihn kein Unbekannter und das nicht nur, weil es sich um Mason Kayne, den berühmten Quarterback der Philadelphia Wolves handelt.
Erneut flieht Nate vor seinen Gefühlen, doch dieses Mal entlässt ihn die Vorsehung nicht so einfach aus ihren Fängen. Ein schicksalsträchtiges Footballspiel mischt die Karten neu und stellt die beiden Männer vor die Frage, ob manche Lebensziele tatsächlich jedes Opfer wert sind.
Doch nicht nur ihre Vergangenheit steht ihnen im Weg, denn der Wunsch nach einem gemeinsamen Leben bedeutet gleichzeitig den Kampf gegen ein System, in dem Sportlern vieles erlaubt ist, aber sicher nicht, schwul zu sein!

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Widmung
Hinweis
Kurzbeschreibung
(1) Kapitel
(2) Kapitel
(3) Kapitel
(4) Kapitel
(5) Kapitel
(6) Kapitel
(7) Kapitel
(8) Kapitel
(9) Kapitel
(10) Kapitel
(11) Kapitel
(12) Kapitel
(13) Kapitel
(14) Kapitel
(15) Kapitel
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(36) Kapitel
(37) Kapitel
(38) Kapitel
(39) Kapitel
(40) Kapitel
(41) Kapitel
(42) Kapitel
(43) Kapitel
(44) Kapitel
(45) Kapitel
(46) Kapitel
Danksagung
Über die Autorin:
Weitere Bücher der Autorin

YOUR SECRET WISH – Constance

© 2023/ Sam Jones

YOUR SECRET WISH – Constance

© 2023/ Sam Jones

https://samjones.at

Alle Rechte vorbehalten!

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Umschlaggestaltung:

Sam Jones/ Bilder: Adobe Stock

Bildmaterial Buchlayout

Shutterstock / Pixabay

Lektorat/ Korrektorat

Korrektorat Zeilenfuchs

Erschienen im Selbstverlag

Impressum

Sam Jones

c/o WirFinden.Es

Naß und Hellie GbR

Kirchgasse 19

65817 Eppstein

Dieser Roman wurde unter Berücksichtigung der neuen deutschen Rechtschreibung verfasst, lektoriert und korrigiert. Es handelt sich um eine fiktive Geschichte. Orte, Events, Markennamen und Organisationen werden in einem fiktiven Zusammenhang verwendet. Alle Handlungen und Personen sind frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen und Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

Widmung

Für alle, die aus Liebe ein Leben im Schatten führen!

Die Sonne wartet auf euch!

Hinweis

Auf meiner Homepage (https://www.samjones.at/Meine-Buecher/Triggerwarnungen/) findet ihr etwaige Triggerhinweise. Diese sind für Menschen gedacht, die sensibel auf bestimmte Inhalte reagieren, vielleicht weil sie selbst bestimmte Traumata erlebt haben. Sie können aber Spoiler enthalten.

Kurzbeschreibung

Ein Callboy namens Constance?

Was ungewöhnlich klingt, hat gute Gründe. Und diese holen Nate Johnson ein, als er seinen neuesten Job für die Agentur Your secret Wish antritt. Denn sein Kunde ist für ihn kein Unbekannter und das nicht nur, weil es sich um Mason Kayne, den berühmten Quarterback der Philadelphia Wolves handelt.

Erneut flieht Nate vor seinen Gefühlen, doch dieses Mal entlässt ihn die Vorsehung nicht so einfach aus ihren Fängen. Ein schicksalsträchtiges Footballspiel mischt die Karten neu und stellt die beiden Männer vor die Frage, ob manche Lebensziele tatsächlich jedes Opfer wert sind.

Doch nicht nur ihre Vergangenheit steht ihnen im Weg, denn der Wunsch nach einem gemeinsamen Leben bedeutet gleichzeitig den Kampf gegen ein System, in dem Sportlern vieles erlaubt ist, aber sicher nicht, schwul zu sein!

(1) Kapitel

Die Lobby des Hotels war mäßig gefüllt, trotzdem hatte ich das Gefühl, es wären Dutzende Augen auf mich gerichtet. Das lag sicher an dieser übertriebenen Geheimhaltung, die mein Kunde verlangt hatte. Da bekam man ja den Eindruck, sich in einem Spionagefilm zu befinden.

»Guten Tag. Für mich sollte ein Zimmerschlüssel hinterlegt worden sein. Auf den Namen Smith.« Ich musste mich zusammenreißen, um nicht die Augen zu verdrehen. Was die Kleine hinter der Rezeption wohl ähnlich sah, wenn ich ihren wissenden Gesichtsausdruck richtig deutete.

»Natürlich, Mister Smith«, sagte sie und lächelte ein Standardlächeln, doch ihre amüsiert glitzernden Augen verrieten, was dahinter vor sich ging. Wahrscheinlich hielt sie mich für den Part einer heimlichen Affäre, womit sie im Grunde gar nicht so falsch lag. »Hier ist Ihre Chipkarte. Schlüssel gibt es eigentlich nicht mehr.« Ihre linke Augenbraue zuckte hoch. »Zumindest nicht in einem Fünf-Sterne-Haus.«

Dazu musste ich nun doch die Augen verdrehen, was ihr nicht gefiel, mir aber egal war. »Ist denn der Gast schon da?«, erkundigte ich mich.

Nun lüpfte sie erneut ihre Augenbraue.

»Schon gut.« Ich schnappte mir die Schlüsselkarte und stapfte los in Richtung der Aufzüge.

»Es ist Zimmer 503«, rief sie mir nach, was ich würdigte, indem ich die linke Hand kurz hob und meinen Daumen hochstreckte.

Wie sehr mich dieser Job jetzt schon ankotzte! Cloud, unser Interimsboss, war zwar ein 1-A-Kollege, aber dem Major, dem eigentlichen Chef der Agentur, konnte er nicht das Wasser reichen. Seit der beschlossen hatte, sich eine Auszeit zu gönnen, war Cloud derjenige, der alles managte. Oder besser gesagt, versuchte, zu managen, denn wie die lückenhafte Präsentation meines Auftrages zeigte, bekam er das mehr schlecht als recht hin.

»Schau mal, ist der Typ nicht unsagbar heiß?«

Die Frage, gemeinsam mit einem Kaugummihauch ausgestoßen, stammte von einer Tussi, die aussah, als wäre ihr Fashionvorbild diese dürre Hailey, die seit ihrer Hochzeit mit Justin Bieber aus dem Internet nicht mehr wegzudenken war. Wahrscheinlich hatten sie absichtlich die für mich hörbare Lautstärke gewählt, trotzdem tat ich ihr nicht den Gefallen, darauf zu reagieren. Auch nicht, als sie mich noch intensiver musterte, während wir – also sie, ihre Klon-Freundin und ich – auf den Aufzug warteten.

»Ob das Extension sind?«, ging die Fragestunde hinter mir weiter.

Ja, ich hatte Haare und auch noch ziemlich viele davon. Und sie reichten mir im offenen Zustand bis auf den Rücken. Jetzt war meine Lockenpracht aber zu einem Messy-Bun hochgesteckt, was wohl das Rätsel in den Köpfen der mich bewundernden Hohlbirnen ausgelöst hatte. Es tat mir nicht mal leid, dass ich sie so betitelte, und das lag nicht nur darin, dass die beiden mich als schwulen Mann null ansprachen.

Der Aufzug öffnete sich mit einem melodiösen Laut und ich trat zur Seite, um den Damen den Vortritt zu lassen. Dahinter steckte anerzogene Höflichkeit beziehungsweise Gewohnheit, nicht der Wunsch ihnen zu imponieren. Kurz überlegte ich, ob ich auf einen der anderen drei Aufzüge warten sollte, entschied mich aber dagegen und betrat die Kabine. Ich war ohnehin für meine Verhältnisse schon recht spät dran, was ebenfalls zulasten von Cloud ging, weil er sich bezüglich der Uhrzeit vertan hatte.

»Entschuldigen Sie?«, sprach mich die Bieber-Tussi an, kaum dass sich die Aufzugtür geschlossen hatte.

Wieder zwang mich meine gute Erziehung dazu, sie nicht zu ignorieren, sondern ihr mit einem gewissen Grad an Höflichkeit den Blick zuzuwenden. »Die Haare sind echt«, versuchte ich die Angelegenheit schnellstmöglich zu klären, was aber leider nur ein Kichern auslöste.

»Nein. Also, das wollte ich schon auch wissen.« Sie klimperte mit ihren falschen Wimpern. »Aber da ist noch etwas. Sind Sie ein Schauspieler? Oder ein bekanntes Model?«

»Nein. Callboy. Und außerdem stockschwul. Sorry.« Diese der Wahrheit entsprechende Antwort ließ sie erbleichen und mich grinsen. Die über dem Nummernblock aufleuchtende Fünf zeigte, dass ich meine Etage erreicht hatte, also schob ich ein »Schönen Tag, Ladys« nach und stieg aus.

Der auf beide Seiten abgehende Flur war leer, nicht einmal Geräusche waren zu hören, was für die gute Dämmung der Türen sprach. Ich prüfte die messingbeschlagenen Hinweisschilder mit den Zimmernummern und bog nach rechts ab.

Während ich den Gang entlanglief, öffnete ich bereits meine Lederjacke. Für Mitte Januar herrschten draußen verhältnismäßig laue Temperaturen, aber laut Wettervorhersage würde sich das in Kürze ändern.

Das Zimmer lag am Ende des Flurs. Nachdem ich das Schloss mit der Schlüsselkarte entriegelt hatte, öffnete ich die Tür und lauschte. Es lief Musik und das Licht brannte.

»Hi«, rief ich nach drinnen. »Ich komme von Your secret Wish …«, und wurde von einem Türknallen unterbrochen. Perplex hielt ich inne. Sowohl in der Bewegung – schließlich hatte ich gerade eintreten wollen – als auch in meiner Ansprache. Was zur Hölle hatte das zu bedeuten? War der Typ von mir geflohen, oder wie?

Noch ehe ich einen Entschluss fällen konnte, was ich jetzt machen würde, läutete meine Hosentasche beziehungsweise das Handy, das sich darin befand. Es war Cloud, also hob ich schnell ab. »Ja?«

»Die Abmachung war, schweigend das Zimmer betreten und im Vorraum mit geschlossenen Augen warten«, tönte es angepisst in mein Ohr.

»Ich wollte nur …«, versuchte ich eine Rechtfertigung vorzubringen, wurde aber prompt unterbrochen. »Constance, du bist doch kein Anfänger. Geh rein, mach deine verdammten Augen zu und warte ab.«

»Aber ich …«

»Würdest du jetzt mit dem Major telefonieren, wäre die Diskussion längst zu Ende. Nein. Es hätte gar keine gegeben!«, knurrte er, dann war da nur mehr das Freizeichen.

»Arschloch!«, schimpfte ich leise vor mich hin, womit ich im Grunde mich selbst schalt, denn er hatte leider recht. Wie unprofessionell verhielt ich mich eigentlich?

Ich stieß hart die Luft aus, trat ein und schloss extra geräuschvoll die Tür, damit das Geräusch bestenfalls bis zu meinem Kunden durchdrang. Danach wartete ich, nun artig in der Mitte des Vorraumes stehend und mit geschlossenen Augen.

»Nicht erschrecken«, erklang plötzlich eine Stimme und ich zuckte zusammen, weil ich nicht gehört hatte, dass jemand nähergekommen war. Meine Lippen zusammenpressend, um nur ja keinen Laut von mir zu geben, ließ ich mir bewegungslos eine Augenbinde umlegen. Ich hoffte nur, Cloud hatte zumindest in die andere Richtung Aufklärungsarbeit geleistet. Wenn ich nicht sprechen durfte, würde es schwer werden, ihn auf meine Limits aufmerksam zu machen. Eine Regel, die ich natürlich ignorieren würde, sobald der Typ auch nur im Ansatz dagegen verstieß!

Ein Schauer rann über meinen Rücken, als mich Lippen zart am Hals berührten. Ein sehnsuchtsvoller Seufzer erklang, tropfte als warmer Hauch auf meine Haut. Zwei große Hände legten sich an meine Oberarme und ich wurde weitergeschoben. Bis meine Zehen gegen etwas stießen, was mir einen Schmerzenslaut entlockte.

»Sorry«, lautete die geflüsterte Entschuldigung, wenigstens klang sie ehrlich.

»Hinlegen«, war die nächste Anweisung. Die knappen Worte genügten nicht, um die Stimme zuordnen zu können, aber sie klang wie die Parodie von einer, die ich schon mal gehört hatte. Vielleicht ein Promi, der versuchte, anders zu sprechen, um nicht erkannt zu werden?

Ich ließ mich lenken, landete schließlich auf einer sehr weichen Matratze. Wieder berührten mich diese Hände, nun sanfter. Ihre Finger nestelten an meiner Kleidung. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie die Szene von außen aussehen würde. Der Typ musste groß sein, mindestens so groß wie ich. Das schloss ich aus dem Winkel, in dem mich seine Hände gelenkt hatten. Und er war sehr muskulös. Diese Annahme bezog ich auf die Kraft, mit der er mich weitergeschoben hatte, ohne dabei grob sein zu müssen.

Meine Jeans war das letzte Kleidungsstück, das weichen musste, denn darunter war ich nackt. Ein, wie ich fand, begeistertes Seufzen erklang, als der erste kühle Windhauch über meinen Schwanz strich. Er war noch nicht hart, nicht einmal dabei, es zu werden. Was ich dem eher plumpen und etwas gewöhnungsbedürftigen Beginn dieser Begegnung zuschrieb. Das schien dem Kunden nicht zu gefallen, denn nur einen Moment später schlossen sich Finger um mein bestes Stück. Resolut und mit genau dem richtigen Griff.

(2) Kapitel

Das tat gut. Nein. Es war fantastisch. Der Typ wusste, was er tat, so viel war sicher.

Ich lag da, ließ ihn machen und genoss. Immerhin war das ein Teil der Anweisung gewesen. Den Anfang hatte ich kurzfristig verkackt, aber jetzt folgte ich ihnen nur zu gern. Ruhig zu sein fiel mir allerdings schwer. Weil es einfach zu geil war, wie er mich bearbeitete, und als er dann sogar seinen Mund einsetzte, wurde es fast unmöglich.

»Stöhn nur«, raunte der Typ prompt, als hätte er meine Gedanken gelesen. Je öfter ich ihn hörte, umso mehr festigte sich mein Verdacht, dass er absichtlich so heiser sprach. Ein weiteres Indiz dafür, dass er eventuell einen hohen Bekanntheitsgrad besaß.

»Ich merke ohnehin, wie gut es dir gefällt.«

Irrte ich mich, oder klang er etwas selbstgefällig? Ich vergaß, darüber nachzudenken, als er mich sofort wieder tief zwischen seine Lippen saugte. Seine Zähne einsetzte, angenehm schmerzhaft, aber die Zungenschläge, die er auf meine Eichel regnen ließ, entschädigten mich dafür. Wenn das so weiter ging, würde ich schneller abspritzen, als mir und auch ihm lieb war.

Kurz wunderte ich mich, dass er mir kein Kondom übergezogen hatte. Es war schon ungewöhnlich, dass ein Kunde auf aktiven Oralverkehr stand, aber ohne Schutz bildete es auf jeden Fall eine Ausnahme. Ihn schien es nicht zu stören, mich pur zu verwöhnen. Im Gegenteil, er tat es mit einer Begeisterung, die mich beinahe vergessen ließ, dass das hier ein Job war.

Zumindest so lange, bis sich kühle, glitschige Finger zwischen meine Arschbacken schoben. Zielstrebigkeit lag ihm also im Blut. Ich öffnete die Beine ein bisschen, um ihm Platz zu geben. Wappnete mich gegen das Eindringen – den Part, den ich am wenigsten schätzte. Zum Glück hatte ich vorgesorgt und bis vor dreißig Minuten einen Analplug getragen. Wäre ich ein geübterer Bottom, würde ich gänzlich darauf verzichten, mich vorbereiten zu lassen. Eine schmerzvolle Erfahrung hatte mich jedoch gelehrt, es lieber als Mittel zum Zweck anzunehmen.

Er hielt sich nicht damit auf, sich langsam vorzutasten. Ohne Vorwarnung fanden zwei seiner Finger ihren Weg in mein Innerstes. Mein Stöhnen war schmerzbehaftet, was ihn dazu animierte, mich noch intensiver zu blasen. Ein weiterer gehauchter Laut entkam mir, dieses Mal lusterfüllt.

Wow, was war das nur für ein hinreißend packendes Wechselspiel. Ich vergaß, dass ich es nicht mochte, gefingert zu werden. Denn jetzt, in diesem Moment gefiel es mir.

»Fuck«, stieß ich aus, bereute es kurz, aber wirklich nur für eine Sekunde.

Den Kunden schien es nicht zu stören, oder es war ihm entgangen, dass ich seine Regeln gebrochen hatte. Immer fester stieß er seine Finger in mich, dehnte mich und gleichzeitig saugte er voller Leidenschaft an meinem Schwanz.

Und dann kam ich, laut aufschreiend, und bedauerte, dass er mich genau in dem Moment aus seiner Wärme verbannte.

Was danach kam, hatte ich auf keinen Fall erwartet. Nachdem ich nämlich ein wenig durch den luftleeren Raum der Ekstase geschwebt war, landete ich nirgendwo anders als in zwei mich umschlingenden, starken Armen.

Er hielt mich fest, dieser fremde Mann, und beschwor so ein vermeintlich längst vergessenes Gefühl herauf. Ich fühlte mich geborgen, auch wenn es nur ein paar wenige selbstvergessene Sekunden waren. Dann kehrte ich endgültig in die Gegenwart zurück, drängte die sehnsüchtigen Träume nach diesem einen Mann zur Seite und würgte die seltsame Beklemmung hinunter, die mich erfasst hatte wie eine bittere Pille, die ich nicht zum ersten Mal schluckte.

»Dreh dich auf den Bauch«, drang diese raue Stimme an mein Ohr, von der ich mir sicher war, sie würde nur für heute so klingen. Doch was störte es mich? Auch ich spielte eine Rolle. Nahm den Part des Callboys ein, um mein Herz von dem zu heilen, was es so tief verletzt hatte. Schützte es vor diesem hinterhältigen Gefühl, das mich nie wieder täuschen würde.

Ich befolgte seine Anweisung, obwohl ich noch ein paar Minuten Ruhe nötig gehabt hätte. So scheiße dieser Job begonnen hatte, so geil war der erste Akt zu Ende gegangen. Natürlich gab seine Instruktion die weitere Richtung vor, und die würde wohl eher seinem Vergnügen dienen. Doch das war meine Aufgabe. Mich darauf zu konzentrieren, ihm seinen Wunsch zu erfüllen.

»Öffne die Beine.«

Wieder gehorchte ich, legte meinen Kopf auf meinen verschränkten Armen ab und schloss die Augen, obwohl mich die Augenbinde ohnehin blind machte.

»Sei bitte still ab jetzt. Du darfst stöhnen, aber sprich nicht.« Immer leiser war seine Stimme geworden, als wäre sie müde davon, sich zu verstellen.

Ich nickte nur, um ihm zu zeigen, dass ich mich unterordnete. Seinem Willen – ein Gedanke, der das Blut zurück in meinen Schwanz jagte. Körperlich erbat dieser noch ein wenig Erholung, doch das hier war schließlich kein Wunschkonzert. Was der Besitzer der an meinem bebenden Anus spielenden Finger ähnlich sah, denn nur einen Moment später drangen gleich zwei von ihnen vom Gleitgel beflügelt in mich ein.

Ich unterdrückte ein Keuchen, obwohl mich die Heftigkeit der Penetration erschreckte. Aber dieser Typ zeigte mir ein weiteres Mal, dass er sehr genau wusste, was er tat.

Er spielte auf mir wie auf einem Instrument, das er seit Jahren beherrschte. Und in mir sang meine Erregung ihre Freude darüber. Sie breitete sich in mir aus, immer heißer werdend, und ließ mich ein elektrisierendes Kitzeln fühlen. Ein Verlangen, das gestillt werden wollte. Vorzugsweise mit harten Stößen. Erbarmungslos und kein bisschen liebevoll. Weil alles, was dieses verdammte Wort mit dieser Aktion in Verbindung brachte, tabu war. Das hier hatte nichts mit Liebe zu tun. Zum Glück. Denn damit hatte ich schon vor langer Zeit abgeschlossen.

»Genug?« Seine ungeduldige Nachfrage zeigte mir, dass mein Wunsch wohl in Kürze erfüllt werden würde. Wie praktisch, dass sich unsere beiden Vorstellungen zu decken schienen. Er wollte ficken und ich wollte gefickt werden!

Zustimmend brummend kam ich auf die Knie, als mir einfiel, dass ich eigentlich hätte warten sollen, ob er das überhaupt wünschte.

Es schien ihn aber nicht zu stören, ganz im Gegenteil. Er stöhnte auf, streichelte dann großflächig über meinen Arsch. »Ich hoffe, du bist gut im Nehmen.«

Seine zweideutige Bemerkung ließ mich grinsen, was er natürlich nicht sehen konnte. Also nickte ich wieder, seinem Gebot folgend, nicht zu sprechen.

»Sehr gut.« Seine Hand drehte noch einmal eine Runde, dann teilte sein Schwanz meine Backen. Wunderbar feucht und kühl von dem Kondom, das ihn umhüllte.

Ich streckte mich ihm entgegen, konnte nicht anders. Das Kissen übernahm die Rolle des Schalldämpfers. Ich biss hinein, als er seine Eichel in mich schob. Vorsichtiger, als ich erwartet hatte, aber immer noch zu schnell, um es schmerzlos sein zu lassen.

Mein Stöhnen wurde von Daunen geschluckt, doch mein verräterischer Körper sagte ohnehin genug. Meine Muskeln gaben nach, obwohl die Dehnung immer noch unangenehm an meiner Schmerzgrenze zerrte. Aber es war gut, überhaupt, als er sich endlich vollkommen in mir versenkt hatte.

Er verharrte und ich wartete mit ihm. Mit flacher Atmung und von der neugierigen Vorfreude erfüllt, wie es sich anfühlen würde, wenn er zulegte.

Lange musste ich nicht auf die Antwort warten. Nur etwa sechs Sekunden, dann begann er sich zu bewegen, sanfter und doch intensiver, als ich gedacht hatte. Seine Hände an meiner Hüfte packten zu, und er lehnte sich so weit vor, dass sein Brustkorb sich an meinen Rücken legte. Ich konnte seine Muskeln fühlen, etwas, das trügerische Erinnerung in mir weckte, die ich hastig zur Seite schob.

»Ja!« Er klang erleichtert, wie er mir da sanft ins Ohr raunte. Seine Hände klammerten sich an mich, gruben sich in mein Fleisch, als wollten sie es völlig in Besitz nehmen. »Fuck«, keuchte er, nun von dunkler Verzweiflung erfüllt. Eng an mich geschmiegt drängte er sich so tief in mich, dass mir erneut ein Stöhnen über die Lippen huschte.

Ein zischender Laut erklang. Er erinnerte mich an die Versuche meiner Mom, mich und meine Schwester unbemerkt von anderen zum Schweigen zu bringen. Also versuchte ich, leiser zu sein, doch ich wusste schon jetzt, dass es schwer werden würde.

Hart stieß er seinen Schwanz immer wieder in mich. Seine Länge, sein Umfang waren perfekt. Jede Berührung schien einen neuen Funken zu entzünden, und als sich feuchte Lippen in meinem Nacken festsaugten, war mir egal, worum er mich gebeten hatte.

»Ja!«, stieß ich aus. Unfähig, mich noch länger zu beherrschen. Ich stemmte meinen linken Ellenbogen in die Matratze, suchte so Halt, weil ich meine rechte Hand für andere Dinge brauchte.

Mein Anus schmerzte, so hart fickte er mich, aber es war auch gut. Viel zu gut. Mein Denken verabschiedete sich mit der weißen Fahne, um Gnade flehend. Oder vielmehr um Erlösung, obwohl ich gleichzeitig darum betete, es würde nie aufhören.

Noch nie hatte ich mich bei einem Kunden so gehen lassen, doch ich war chancenlos gegen die Ekstase, die mich erfasst hatte. Ebenso fest, wie er in mich stieß, kam ich ihm entgegen. Es war egal, was morgen war, heute wollte ich ihn immer tiefer in mir spüren. Längst hatte sich unser Stöhnen zu einem gemeinsamen Chor vermischt. Doch auch ihm schien das egal zu sein.

Sein Arm umschlang mich, drängte mich noch enger an ihn. Er hob mich sogar ein wenig an, stieß jetzt von unten in mich.

Ich bog meinen Kopf zurück. Gegen ihn. Genoss seine Lippen, die sich sofort über meinen Hals hermachten. O Gott. Fast fürchtete ich mich vor dem Orgasmus, der sich in mir aufbaute.

Ich bekam nur am Rande mit, dass er meine Hand von meinem Schwanz wegwischte. Ihn mit seiner Faust einfing, ihn pumpte, genauso unbarmherzig fest, wie seine Härte sich in mich bohrte. Immer wieder. Unvergleichlich leidenschaftlich.

Und dann kam ich. Mit einem Schrei, und für diese wundervollen Sekunden vergaß ich, wer ich und wer er war. Empfand Glück in der Fantasie, die sich aus dem Gefängnis meiner Erinnerung über mich legte.

Wie es war, sich einem anderen Menschen hinzugeben. Ohne Grenzen und ohne Angst.

(3) Kapitel

Der Geruch nach Schweiß, das Stöhnen, das in den verschiedensten Tonlagen durch den Raum drang, all das ließ immer wieder Bilder der gestern erlebten Stunden aufpoppen. Diesen absolut göttlichen Arsch, dessen Muskeln in dem Rhythmus tanzten, in dem ich ihn fickte. Die Hände, die sich vor Genuss in das Laken krallten. Sein kaum unterdrückter Schrei, als er gekommen war. Durch mich. Weil ich es ihm besorgt hatte. So gut und so heftig, dass sein schmerzender Anus ihn sicher tagelang daran erinnern würde.

»Kannst du eigentlich noch selbstgefälliger dreinschauen, Mason?« Byron, mein Teamkollege und unser bester Running Back, schüttelte den Kopf, ehe er fortfuhr, die Beinpresse zu stemmen. »Woran denkst du gerade? An das letzte Spiel?«

Er hatte mir wohl immer noch nicht verziehen, dass ich den finalen Pass selbst gespielt hatte, statt ihn einzubinden. Aber das war mein verdammtes Recht als Quarterback, und damit hatte er sich gefälligst abzufinden.

Dass mir meine Überlegungen ins Gesicht geschrieben standen, gefiel mir schon weniger. Idealerweise durfte hier keiner auch nur den Ansatz eines Verdachts haben, mit mir könnte irgendetwas nicht stimmen. Denn das war nicht so. Gut, ich fickte lieber Männer als Frauen, aber das ging niemanden etwas an.

»Ich habe an meine Kleine gedacht«, log ich also, für den Fall, dass er meine Mimik doch nicht nur mit dem Sieg vor drei Tagen in Verbindung brachte.

»Lesley, oder?«

»Ja.«

»Das dauert schon lange?« Robert, ein weiteres Teammitglied, kam auf seinem Weg vom Bauchtrainer zu den Gewichten an uns vorbei.

»Wenn es passt, dann passt es eben.« Ich legte die Hände an den Griff der Gewichtsstange und drückte sie hoch. Hoffte, mir dadurch eine Fortsetzung dieses Gesprächs zu ersparen. Ich wollte lieber träumen. Von gestern. Oder besser gesagt, die Bilder immer wieder heraufbeschwören.

Wie gerne ich sein in einen Dutt verbanntes Haar gelöst und seine Mähne mit meiner Faust gepackt hätte. Allein bei der Vorstellung drohte ich hart zu werden, also verdrängte ich sie schnell. Was mir schwerfiel, weil es – er – nicht irgendjemand war.

Es erschien mir grotesk, welch lange Zeit ich diesem Mann hinterhergetrauert hatte. Im Grunde war meine Hoffnung, ihn jemals wieder zu sehen, geschweige denn spüren zu können, bereits im Sterben gelegen. Bis zum Beginn dieses Jahres, als mir Jesse, einer meiner wenigen schwulen Bekannten, ein Foto gezeigt hatte, das er auf einer privaten Silvesterfeier in einem Spezialklub aufgenommen hatte.

Unser gemeinsames Geheimnis einte uns in Verschwiegenheit, obwohl wir beide eigentlich Konkurrenten waren. Er spielte für die Chicago Bears, ich für die Philly Wolves. Er war Defense, ich Offense – sowohl am Spielfeld als auch im Bett. Was wir nur einmal praktiziert hatten, und das nur, weil wir im Anschluss an ein ausgiebiges Saufgelage praktisch ineinander gestolpert waren.

Die folgenden Gelegenheiten, bei denen wir aufeinandergetroffen waren, hatten gezeigt, wie schlecht diese Entscheidung gewesen war. Denn was für mich bereits ein paar Minuten nach meinem Orgasmus abgeschlossen war, hatte bei Jesse nämlich eine Weile nachgewirkt. Er schien kurzzeitig sogar darauf zu hoffen, es könnte sich mehr zwischen uns entwickeln. Ein Traum, den ich jedoch hatte zerstören müssen. Ich war nicht frei – nicht im Kopf und schon gar nicht im Herzen.

»Und, heißt das, es werden bald die Hochzeitsglocken läuten?«

Kurz stockte mir der Atem, doch dann gelang mir irgendwie ein Lächeln. Mein Manager blies schon seit fast einem Jahr in exakt das gleiche Horn.

›Das würde dich absichern, dann wärest du vor Gerüchten gefeit‹, versicherte er mir gerne. Dabei wussten wir alle nur zu genau, wie es laufen konnte. Der Skandal 2019, als der Sieg der New England Patriots beim Super Bowl von dem unfreiwilligen Outing eines Mitglieds ihres Trainerteams vollkommen in den Schatten gestellt worden war. Und dabei hatte es sich nur um jemanden aus dem Hintergrund gehandelt. Wie würde die Presse erst mit einem schwulen Quarterback umspringen?

»Sicher nicht vor nächstem Jahr. Jetzt konzentrieren wir uns mal auf den Super Bowl«, antworte ich so lässig wie möglich.

»Davon zu träumen ist etwas früh«, warf Byron ein. Er hatte sich aufgesetzt und wischte sich mit einem Handtuch den Schweiß vom haarlosen Kopf.

»Der kommt eher als meine Hochzeit«, scherzte ich, worauf die anderen lachten. Das war gut so. Miteinander zu lachen war gut. Einander zu vertrauen ebenso. Und deshalb belog ich sie. Weil meine Wahrheit all das zerstört hätte.

»Mason. Ich bitte dich.« Lesley tat verlegen und lugte verschmitzt durch den Kunstpelz, der ihren Mantelkragen säumte, zu dem Pagen hinüber, der uns half, die Einkaufstüten nach oben zu schaffen. Es waren viele, genau sechs, doch natürlich wäre ich in der Lage, sie selbst zu tragen. So war es jedoch besser. Es verschaffte uns einen Zuseher, und weil ich Jason, wie der junge Mann hieß, mittlerweile gut kannte, wusste ich auch, dass er diese Geschichte vielleicht sogar der Presse verkaufen würde. Immerhin waren wir beide keine Unbekannten. Lesleys letzter Blockbuster lief gerade in den Kinos und ich war der Star-Quarterback der Philadelphia Wolves. Trotzdem beschloss ich, noch ein bisschen nachzulegen.

Schon glitt meine Hand unter Lesleys Kleid und ihr entkam ein Quieken, das so unecht klang, dass ich mich fragte, wie uns überhaupt irgendjemand auf den Leim gehen konnte.

Jason tat es aber offensichtlich, so wie er grinste.

»Benimm dich gefälligst, Baby. Du wirst doch noch …« Sie blinzelte zu der stetig höher werdenden Zahl im Display des Aufzugs. »… vier Stockwerke abwarten können.«

»Wenn Jason nicht hier wäre, würde ich dich gleich hier …« Ich erlaubte mir ein frivoles Zwinkern in Richtung unseres jungen Begleiters, der prompt rot wurde. In puncto Schauspielkunst stand ich ihr wirklich in nichts nach, was daran liegen konnte, dass ich praktisch mein gesamtes bisheriges Leben vorgegeben hatte, jemand zu sein, der ich nicht war.

»Wir sind da, Mister Kayne.« Jason stürmte regelrecht aus dem Aufzug, der direkt in mein Penthouse führte, stellte hektisch seine Last ab und war wieder eingestiegen, ehe Lesley ihr Kleid fertig zurechtgezupft hatte. Sie warf ihm ein Lächeln zu und stolzierte dann Richtung Treppe davon. »Ich warte oben, Baby«, schaffte sie es gerade rechtzeitig, bevor die Aufzugtüren sich schlossen und ich in Gelächter ausbrach.

»Was war das für ein Quieken?«, fragte ich und lachte noch lauter, als sie einen Schmollmund zog.

»Du hast mich beinahe entjungfert«, beschwerte sie sich gespielt böse.

»Also ich gehe jede Wette ein, dass du keine Jungfrau mehr bist«, konterte ich gut gelaunt. Schließlich war ich endlich zu Hause angekommen und somit mein heutiges Versteckspiel vorbei.

»Sei nicht gemein, oder ich stürme aus der Wohnung und heule mich bei Jackson aus.«

»Jason«, korrigierte ich sie automatisch. »Und die Idee ist gar nicht so schlecht. Wenn er unseren Beziehungskrach …« Ich setzte das Wort mit in die Luft malenden Fingern unter Anführungszeichen. »… an die New York Times verkauft, bringt dir das den nächsten Diamantring ein, Baby.« Ich betonte den Kosenamen, den ich im wahren Leben niemals verwenden würde, und Lesley rollte mit den Augen.

»Eine Verlobung würde sich besser verkaufen.« Sie zwinkerte mir zu und lief nach oben.

Kaum war sie verschwunden, stieß ich ein Seufzen aus und ließ mich auf die breite Ledercouch fallen. Seit Lesley regelmäßig hier übernachtete, gab zumindest mein Manager Brad Ruhe, und weil sie eine wirklich komplikationslose Scheinfreundin war, hatte ich auch noch nicht begonnen, dieses Zugeständnis zu bereuen.

Meine Männer pflegte ich – sofern ich es überhaupt tat – ohnehin außerhalb meiner vier Wände flachzulegen, weil alles andere einfach zu risikoreich gewesen wäre. Mit Schaudern erinnerte ich mich an den halbherzigen Erpressungsversuch eines von Jasons Vorgängern, der dachte, mich mit einem Video aus dem Lift kleinkriegen zu können. Darauf hatte die Kamera einen kurzen, unbedachten, aber vor allem aus einem schlechten Winkel aufgenommenen Kuss gebannt. Nichts, was man nicht wegargumentieren konnte, schon allein deshalb, weil eben kaum etwas darauf zu sehen gewesen war.

Trotzdem hatte ich meine Lehre daraus gezogen, fickte und küsste nur mehr auswärts und umgab mich in der Öffentlichkeit ausschließlich mit heterosexuellen Typen beziehungsweise solchen, denen ihre Homosexualität ebenso wenig anzusehen war wie mir. Ein Gedanke, der mich wieder auf Nathan brachte, oder Constance, wie er sich als Callboy nannte. Wie hatte er gerade diesen Namen wählen können?

Ich hörte das Geräusch, als mein Kehlkopf versuchte, die aufkommende Erinnerung wegzuschlucken. Sein einzigartiger Schwanz in meinem Mund. Das warme Gefühl seines Saftes, als er meine massierende Hand hinabgeronnen war. Die Enge, in die seine vom Orgasmus tanzenden Muskeln mich eingeschlossen hatten. Ich hatte ihn immer wieder haben müssen. Auf alle erdenklichen Arten. Dieses eine Mal auskosten wollen.

Ein resigniertes Seufzen zwängte sich über meine Lippen und ich schlug die Hände vors Gesicht. Weil ich wusste, dass es nicht genug gewesen war. Dass ich ihn noch einmal haben musste. Und irgendwie fürchtete ich, es würde auch dann nicht genug sein.

(4) Kapitel

Jede verdammte Minute, die verging, führte mir deutlicher vor Augen, welch riesiger Vollidiot ich war. Da saß ich nun im steril riechenden Zimmer eines Hotels, dessen drei Sterne mit Sicherheit nicht von einer Fachjury vergeben worden waren, und wartete auf Constance. Schon wieder!

Ich hatte mich dieses Mal, der Anonymität wegen, für ein kleineres, eher unscheinbares Haus entschieden. Das war sicherer als ein Luxushotel, zumindest redete ich mir das ein.

Als würde die Zeit mich verhöhnen schien sich die Anzeige der im Betthaupt eingebauten Uhr auf Slowmotion gestellt zu haben. Es dauerte gefühlt eine Viertelstunde, bis sich die Zahl der Minuten um eins erhöhte. Als endlich der Dreißiger hinter der Neun erschien, atmete ich erleichtert auf, nur um gleich darauf ärgerlich Richtung Tür zu starren. Pünktlichkeit stand wohl nicht weit oben in seiner Prioritätenliste. Dabei war ich mir sicher, den Vermittler der Agentur auf meine diesbezügliche Vorliebe hingewiesen zu haben.

Mir entkam ein wütendes Schnauben. Wie sehr ich es hasste zu warten. Und noch mehr hasste ich es, auf ihn zu warten! Das hatte ich jahrelang gemacht. Was er natürlich nicht ahnte. Er hatte mich schließlich nicht als ewig präsente Erinnerung mit sich herumgetragen. Offensichtlich nicht, bei dem Lebenswandel, den er sich zugelegt hatte.

Ein zaghaftes Klopfen erklang und ich schnellte so hektisch aus meiner Sitzposition hoch, dass meine Kniesehnen aufjaulten. »Warte!«, rief ich laut, schnappte mir die Augenbinde und eilte zum Eingang. Ehe ich öffnete, nahm ich noch einen tiefen Atemzug und versteckte mich anschließend hinter der sich öffnenden Tür, bis Constance – wie sehr es mich ankotzte, dass er sich so nannte – eingetreten war.

»Meine Augen sind geschlossen«, berichtete er, kaum, dass er in der Mitte des Vorraumes stehen geblieben war.

Man könnte meinen, er würde sich einfach an meine Anweisungen gebunden fühlen, doch dafür kannte ich ihn zu gut. Der Sarkasmus in seiner Stimme war fein, aber nicht fein genug, um mir zu entgehen.

Ohne etwas zu sagen, schloss ich die Tür, trat hinter ihn und legte ihm die Augenbinde um. Kaum war der Abstand zwischen uns geschrumpft, schienen auch die letzten fünf Jahre verschwunden zu sein. Wir standen in unserem Zimmer im College und ich fühlte ein weiteres Mal mein Herz brechen.

Die Augen zupressend schüttelte ich den Kopf, um die Vision loszuwerden. Was zurückblieb, war von Trauer gesteuerte Wut. »Heute wird es hart!«, raunte ich ihm zu. Versucht heiser, um meine wahre Stimmfarbe zu verbergen.

»Dein Wunsch ist unsere Passion«, gab er zurück. Ein wenig atemlos, was mich freute. Das hieß, dass er meine Ankündigung richtig interpretierte. Und dass ihm diese Vorstellung gefiel.

Das löste in mir keine Verwunderung aus. Ich wusste, dass er darauf stand, wenn der andere ihn manchmal dominierte. Nur beim Sex natürlich, ansonsten bevorzugte er es, tonangebend zu sein. Sein Witz war stets passend, sein Wissen die einzige Wahrheit und seine Interpretation einer Situation immer korrekt. Zumindest in seinen Augen.

Wieder schwappte die Wut in mir hoch. »Du wirst deine verdammte Klappe halten. Außer einem Stöhnen oder einem unterwürfigen ›Ja, Sir‹ möchte ich absolut nichts hören. Verstanden? «

»Ja, Sir«, erwiderte er in perfekter Unterordnung. Sogar seinen Kopf hatte er gesenkt, und seine Hände fanden sich wie fremdgeleitet hinter seinem Rücken zusammen.

Mir schwindelte, während mir unendliche Erregung in den Unterleib schoss. Wie es aussah, hatte sich seine Vorliebe für diese Spielchen in den Jahren, die wir uns nicht gesehen hatten, intensiviert. Und das hatte eine Wirkung auf mich, die ich keinesfalls erwartet hatte. So wie ich all das nicht hatte kommen sehen.

Diese Nummer letzte Woche hätte ein einmaliges Erlebnis sein sollen. Für mich ein Abschluss und für ihn etwas, das es vielleicht endlich schaffen würde, mich in seinem Denken zu verankern. Nur, dass mein Racheplan im Nachhinein gesehen ein wenig lückenhaft erschien. Denn er wusste ja nicht, wer ich war, was die Sache nur halb so wertvoll machte.

Um mich von dieser Überlegung loszureißen, packte ich ihn beidhändig grob an den Schultern und lenkte ihn zum Bett. Dort angekommen schoss mir ein Gedanke in den Kopf und die Reaktion darauf in meinen Schwanz. Meine Kehle wurde trocken und ich leckte mir über die Lippe, ehe ich es aussprach. »Knie dich hin!«

Er stockte aber nur für eine Sekunde, dann ging ein Zittern durch seinen Körper und er gehorchte. Die Anmut, mit der er langsam und in einer fließenden Bewegung niedersank, war anbetungswürdig und er wunderschön. Mit einem demütigen Seufzen drückte er sein Kinn nach unten und klammerte die Hände am Rücken ineinander.

Mein Herz tobte in der Brust und ich dankte der Tatsache, dass ich direkt vom Training hierhergekommen war, was eine Dusche verlangt hatte. Denn so wurde mein inzwischen hammerharter Schwanz nicht von einer Jeans eingeschnürt, sondern verwandelte das Handtuch um meine Hüften in ein unförmiges Zelt. In einer anderen Zeit, mit Nathan statt Constance, hätte ich meine Gedanken jetzt laut ausgesprochen. Und wir hätten darüber gelacht. Zusammen. Und uns danach geliebt, vielleicht sogar in Verbindung mit einem Fesselspielchen. Aber auf jeden Fall wäre ich glücklich gewesen.

Ich spürte, dass er auf Instruktionen von mir wartete, musste jedoch erst noch einmal durchatmen, ehe ich mich wieder im Hier und Jetzt gefunden hatte. Einen lautlosen Seufzer später umrundete ich ihn und nahm am Bettrand Platz, sodass ich mich unmittelbar vor ihm befand. »Ich werde dir meinen Schwanz zu schlucken geben«, erklärte ich ihm rau. Als würde Säure durch meine Adern gepumpt, schien sich die Erregung durch meinen Körper zu fressen. Das Gefühl der absoluten Macht durchströmte mich. So hätte es das letzte Mal laufen sollen. Das wäre ein würdiger Abschluss gewesen!

Atemlos zog ich das Handtuch weg und warf es zu Boden. Nathan – ich musste ihn einfach so nennen – leckte sich über die Lippen, ehe er langsam den Kopf etwas anhob. So konnte ich sehen, wie sein Kehlkopf auf und ab schnellte. Immer wieder. Das Warten schien ihn zu erregen, was sich bestätigte, als er bei meinen folgenden Worten regelrecht erbebte.

»Beug dich vor«, lauteten sie, und ich lehnte mich zeitgleich etwas zurück. Suchte Halt, indem ich mich beidhändig auf der Matratze abstütze. Mein Schwanz benötigte keine Stütze, der stand bereits wie eine Eins.

Nathan folgte meiner Anordnung, als wäre er es gewohnt, sie zu erhalten. Das war etwas, was mir nicht gefiel, deshalb drängte ich den Gedanken sofort wieder zurück. Ich wollte – durfte – nicht daran denken, dass er das hier mit anderen Männern tat. Für Geld. Ihnen gewährte, was er mir genommen hatte. Obwohl ich ihn geliebt hatte. Beinahe mehr als mein Leben. Aber eben nur beinahe! Ich seufzte erneut innerlich.

Die Vorfreude kribbelte prickelnd über meine Haut, als seine Lippen sich vorsichtig an meinen Körper legten. Er hatte sich ein wenig verschätzt und traf daher meine Leiste anstatt meines Schwanzes, der sich dadurch seitlich an sein Gesicht schmiegte.

Ich blickte nach unten, fand, es sähe aus, als würde er ihn begrüßen. Ein idiotischer Gedanke, der mich fast genauso ärgerte, wie er mir Wärme schenkte.

Nathan entkam ein leises Lachen, ehe er den Kopf etwas drehte, um seine Lippen an meinen Schaft zu drücken. Uns entschlüpfte ein synchrones Seufzen, das wir jedoch beide zu ignorieren versuchten. Denn es war nicht angebracht. Er sollte nicht genießen und ich mich nicht so sehr nach seiner Berührung sehnen.

Gleich einem Stromschlag ließ mich der erste Kontakt seiner Zunge mit meiner Eichel zusammenzucken. Gleichzeitig drängte meine Hüfte nach vorne. Weil sie mehr wollte, oder besser, weil ich mehr wollte. Ich spürte weiches Haar unter meinen Fingerspitzen, erst da wurde mir bewusst, dass ich meine Hände instinktiv an Nathans Kopf gelegt hatte. Aber auch hier schrie mir mein Wille ein regelrechtes ›Mehr!‹ entgegen, also zog ich kurzerhand an dem Band, das seinen Messy-Bun zusammenhielt.

Mein Mund formte ein stummes »Fuck«, als sich seine Locken über seinen Rücken ergossen. Ich hatte vergessen, wie gut mir seine Haarmähne immer gefallen hatte. Wie sehr ich es geliebt hatte, meine Finger darin zu vergraben. Was ich jetzt tat. Zu grob und zu fest, aber es ging nicht anders. Ich strafte ihn dafür, wie ich fühlte. Für die Liebe, die ich immer noch für ihn empfand, obwohl ich sie längst vom Hass ausgelöscht glaubte.

»Fuck«, entkam es mir nun aber laut, und im selben Moment schoss mein Samen in seinen Mund.

(5) Kapitel

Meine Knie schmerzten und mein Kiefer ebenfalls. Zusammengesunken saß ich da, denn Mister Unnahbar hatte mir leider noch nicht erlaubt, mich zu erheben. In meiner Hose pochte mein Schwanz verärgert vor sich hin, weil er zum Zug kommen wollte. Was natürlich eine vergebene Hoffnung darstellte, bestenfalls könnten wir uns über eine passive Nummer freuen, so gut konnte ich den Typen schon einschätzen.

Ich schmeckte noch immer seinen Samen in meinem Mund, verfluchte mich ein wenig dafür, ihn geschluckt zu haben. Das tat ich sonst nie bei Kunden. Sicherheit spielte in meinem Leben eine große Rolle, schließlich hatte ich keinen Bock, mir irgendwelche Krankheiten einzufangen.

»Komm!« Eine Hand packte meinen linken Arm und zog mich hoch. Zu überraschend und zu ungelenk, daher rutschte ich seitlich weg und knallte auf den Boden. Jammernd rappelte ich mich auf, als die Hand erneut zugriff, dieses Mal jedoch in Begleitung der zweiten. »Sorry.«

Ich ließ mich hochziehen, innerlich war ich aber erstarrt. Diese Stimme - oder besser gesagt, diese sanfte Variante davon - ging mir extrem unter die Haut. Weil ich sie zu kennen glaubte.

Mister Unnahbar half mir aufs Bett und lenkte mich so, dass ich rücklings auf die Matratze sank. Also lief es wohl darauf hinaus, dass er mich ficken wollte.

Eine kleine Pause schien er jedoch zur Regeneration zu benötigen, die ich dazu nützte, meine Erinnerung zu durchforsten. Der, an den mich die Stimme nämlich sofort erinnert hatte, konnte unmöglich mein Kunde sein. Weil er aus meinem Leben verschwunden war und ich ihn außerdem längst wiedererkannt hätte. Sein Körper war einmal mein Tempel gewesen und sein Schwanz mein Heiligtum.