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Der Bau der transkontinentalen Eisenbahn zwischen Omaha, Nebraska, und Sacramento, Kalifornien, war eines der herausragendsten Ereignisse des 19. Jahrhunderts in Amerika. Als am 10. Mai 1869 bei Promotory Summit, Utah die letzte Schwelle gelegt und der letzte Schienennagel eingeschlagen wurde, waren rund 2.860 Kilometer Schienenstrecke fertiggestellt worden.
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Seitenzahl: 48
Veröffentlichungsjahr: 2025
Michael Franzen
Das "Eiserne Pferd" erreicht den Westen
Der Bau der transkontinentalen Eisenbahn in Nordamerika
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Das Gesetz
Die Präsidenten der Union Pacific
Theodore Judah und die „Big Four“
Der Bau der Union Pacific
Der Bau der Central Pacific
Die Vereinigung
Im Nachhall der Hammerschläge
Bibliografie
Bereits erschienen
Impressum neobooks
Als eine der größten Errungenschaften hat die Dampfmaschine den Arbeitsalltag der Menschen zu Beginn des 18. Jahrhunderts verändert und damit das Zeitalter der Industrialisierung eingeleitet. Vielen gilt dabei der am 30. Januar 1736 in Greenock, Schottland, geborene Erfinder James Watt als „Vater der Dampfmaschine.“ Tatsächlich jedoch perfektionierte er „lediglich“ jene Dampfmaschine, die Thomas Newcomen (1663–1729) konstruiert und zu Beginn des 18. Jahrhunderts hauptsächlich im Steinkohlebergbau in England eingesetzt hatte. James Watt gelang es dabei, den Wirkungsgrad seiner Dampfmaschine durch die Verlagerung des Kondensationsprozesses aus dem Zylinder heraus in einen separaten Kondensator entscheidend zu verbessern. Zudem stattete er seine Dampfmaschine mit dem vom Windmühlenbau bekannten Fliehkraftregler zur Konstanthaltung der Drehzahl bei Belastungsschwankungen aus, wofür er im Jahr 1769 schließlich ein Patent erhielt. Galt Newcomen auch als der Erfinder einer funktionierenden Dampfmaschine, so bediente er sich dabei ebenfalls der Vorkenntnisse des Pumpenherstellers Thomas Savery (1650–1715), der am 02. Juli 1698 ein englisches Patent für seine kolbenlose Dampfpumpe („The Miner’s Friend“) erhielt, mit deren Hilfe man einsickerndes Grubenwasser aus tiefer gelegenen Bergwerksstollen abpumpen konnte. Savery selbst wiederum hatte seine Konstruktion auf der Kolben-Dampfpumpe des Franzosen Denis Papin (1647–1712) aufgebaut, der dann auch als der eigentliche Erfinder der Dampfmaschine gelten mag.
Der aus Frankreich stammende Artillerieoffizier und Erfinder Nicolas Joseph Cugnot (1725–1804) wurde vom Kriegsministerium damit beauftragt, ein Transportmittel für die Artillerie zu entwickeln. Cugnot machte sich umgehend an die Arbeit und entwickelte einen Dampfwagen, der 1769 in Paris vorgestellt wurde. Das Fahrzeug war gute sieben Meter lang und über zwei Meter breit, wobei es ein Gewicht von stattlichen vier Tonnen auf die Waage brachte. Es erreichte eine Geschwindigkeit von bis zu knappen fünf Kilometern pro Stunde, doch war es bedingt durch den über der Vorderachse hängenden Wasserkessel derart schwer lenkbar, dass es bei einer seiner ersten Testfahrten in eine Kasernenmauer fuhr. Immerhin galt Cugnots Dampfwagen jedoch als erster selbstfahrender Wagen, der weder von Menschen noch von Tieren oder vom Wind bewegt wurde. Dieser Dampfwagen kann dann somit auch als früherer Vorläufer der Eisenbahn-Lokomotiven gelten, auch wenn Cugnots Erfindung durch die extrem niedrige Leistungskraft, verbunden mit dem hohen Gewicht, zunächst einmal der wohlverdienten Vergessenheit anheimfiel.
Anders als bei einem Verbrennungsmotor, erzeugt eine Dampfmaschine durch äußere Verbrennung Dampf und wandelt die im Dampf enthaltene Wärme- oder Druckenergie mittels Kolben in mechanische Arbeit um, was am Ende zu der Erfindung von Dampfturbinen, Dampfschiffen oder auch Lokomotiven führte, die wiederum den Fortschritt und das Zeitalter der Industrialisierung einleiteten. Einige Jahrzehnte später hatte der englische Ingenieur Richard Trevithick (1771–1833) die Idee, eine Lokomotive für den Personenverkehr zu bauen, die auf einer Schienenrundstrecke beim heutigen Bahnhof Euston, London, fuhr und die eher zur Publikumsbelustigung diente. Die allererste Eisenbahnstrecke der Welt überhaupt wurde am 27. September 1825 in England eröffnet. Sie war etwa 35 km lang und führte von der Bergwerksstadt Darlington nach Stockton im nordwestlichen Teil Großbritanniens. Die Lokomotive dazu hatte der englische Ingenieur George Stephenson (1781–1848) entwickelt und er nannte sie schlicht „Locomotion.“Die erste Eisenbahn, die regelmäßig Personen beförderte, war Stephensons „Rocket.“Sie fuhr auf einer zweigleisigen Strecke, rund 50 km zwischen Liverpool und Manchester hin und her. Stephenson war es dann auch, der 1823 gemeinsam mit seinem Sohn die erste Lokomotivfabrik der Welt gründete. Damit wurde am Ende eine erste funktionierende Eisenbahn ins Leben gerufen, deren weitere Entwicklung auch über die Grenzen Großbritanniens hinweg Einzug in die ganze Welt hielt. Erste Eisenbahnlinien durchschnitten bald die Kontinente und vereinigten sich über die kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg zu weit verzweigten Netzen, auf denen die Lokomotiven die Menschen bis in die heutige Zeit hinein in die entlegensten Winkel der Welt transportierten.
Auch in den USA hielt die Eisenbahn zu Beginn des 19. Jahrhunderts Einzug. Zuvor waren, wie auch im alten Europa, Straßen und Flüsse die wichtigsten Transportwege in der Neuen Welt. Nachdem die erste Eisenbahnstrecke 1826 in Quincy, Ohio, ihren Betrieb für Güter aufgenommen hatte, wurde am 28. Dezember 1827 die Baltimore & Ohio Railroad gegründet. Am 24. Mai 1830 eröffnete sie zwischen Baltimore und Ellicott’s Mill, Maryland, eine 21 km lange Pferdebahnstrecke. Nachdem jedoch der Nachweis erbracht war, dass Dampfwagen weitaus effizienter waren, was insbesondere deren Geschwindigkeit anbetraf, wurden alle Pferde der Baltimore & Ohioam 31. Juli 1831 ausgemustert und durch Dampflokomotiven ersetzt.
Am 15. Januar 1831 nahm dieSouth Carolina Railroadmit der „Best Friend of Charleston“den Betrieb auf. Doch bereits im Juni wurde die Lokomotive durch eine Kesselexplosion zerstört – ein Schicksal, welches sie mit vielen der ersten in Großbritannien gebauten Dampflokomotiven teilte.
Im Jahr 1831 gründete Matthias William Baldwin (1795–1866) in Philadelphia die Baldwin Locomotive Works und fertigte dort eine Lokomotive mit zwei Wagen, die jeweils vier Passagiere transportieren konnten. 1832 entstand die berühmte Dampflokomotive „Old Ironside“, eine der ersten erfolgreichen Dampflokomotiven in den USA. Um das Jahr 1835 waren in sieben US-Bundesstaaten bereits neun Eisenbahnlinien im Bau und etwa 20 weitere in Planung. 1840 betrug das Streckennetz 4.500 km und war damit bereits größer als alle Bahnstrecken, die man bis dahin in Europa gebaut hatte. Um 1859 herum verfügte es bereits über eine Gesamtlänge von rund 48.000 km, welches die Atlantikküste mit dem Mississippi River und den Großen Seen verband.
Noch während der nachfolgende amerikanische Bürgerkrieg tobte, genehmigte US-Präsident Abraham Lincoln (1809–1865) am 01. Juli 1862 das Railway Act,
