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Die Gebrüder Dalton sind den meisten von uns als lustige Figuren aus den Lucky Luke-Comics bekannt, gleichwohl ihre lebenden Vorbilder aus Amerika keineswegs lustig waren, sondern sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum bekanntesten Räuber-Quartett des Oklahoma-Territoriums entwickelten. Nach deren Ende übernahm Bill Doolin die Bande und terrorisierte mit ihr über einen Zeitraum von vier Jahren das Territorium, bis auch ihn letztendlich das gerechte Schicksal ereilte. In seinem Buch verfolgt der Autor den Lebensweg von Bob, Bill, Grattan und Emmett Dalton sowie den von Bill Doolin und seinen Männern, in einer Zeit, wo der Wilde Westen schon beinahe der Vergangenheit angehörte.
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Seitenzahl: 74
Veröffentlichungsjahr: 2025
Michael Franzen
Die-Dalton-Doolin-Bande
Mythos und Wirklichkeit
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Kindheit und Jugend
Eine neue Karriere
Rollende Ziele
Blutiges Fiasko in Coffeyville
Bill Doolin und die Wild Bunch
Die Schlacht von Ingalls
Tot und nicht lebendig
Das Ende
Nachwort
Bibliografie
Bereits erschienen
Impressum neobooks
Die Gebrüder Dalton sind den meisten von uns wohl hauptsächlich als Figuren aus den Lucky-Luke-Comics von René Goscinny und dem frankobelgischen Zeichner Maurice de Bevere (Morris) bekannt, wo sie 1957 in dem Comicalbum „Vetternwirtschaft“ ihr Debüt als fiktive Vettern der echten Daltons gaben, die zuvor im Comic als auch im wahren Leben in Coffeyville getötet wurden. Der Größe nach wie Orgelpfeifen aufgereiht und in schwarzgelbe Sträflingsanzüge bzw. in schwarze Hosen und blaue oder grüne Hemden gesteckt, treten der leicht cholerische Joe zusammen mit seinen Brüdern Jack und William sowie dem trotteligen und stets gefräßigen Avarell Dalton als notorische Verbrecher und Anti-Helden auf, die sich untereinander „angiften” und deren Geschichten zumeist mit einem obligatorischen Gefängnisausbruch beginnen, bevor sie von Lucky Luke am Ende wieder in das selbige zurückgeschafft werden. In 33 Bänden des Ehapa-Verlags traten die Comic-Daltons somit ihren Siegeszug als Gegenpart zu ihren echten Vorbildern aus Amerika an, die allerdings im Gegensatz zu ihnen, weit weniger komisch und lustig gewesen waren.
Ein knappes Jahrzehnt nach dem Ende der berühmt-berüchtigten James-Younger-Bande und der Ermordung von Jesse James durch Bob Ford, im Jahr 1882, begannen die Dalton-Brüder, genauer gesagt Bob, Bill, Grattan und Emmett Dalton, ihre Laufbahn als Banditen einzuschlagen, und galten somit, neben der Wild Bunch um Butch Cassidy und Sundance Kid und einiger weniger bekannter zeitgenössischer Outlaw-Gangs wie der glücklosen Jennings-Bande, der Ketchum-Bande oder auch der Rufus-Buck-Bande, als Spätentwickler in der amerikanischen Banditenlandschaft des 19. Jahrhunderts. Begünstigt wurde dieses u. a. auch durch das damalige Gebiet des 1907 gegründeten Staates Oklahoma im mittleren Westen der Vereinigten Staaten, dessen eigentlicher Name sich aus der Sprache der Choctaw-Indianer „Okla” und „humma” ableitet, was übersetzt so viel wie „Das Land des roten Mannes” bedeutet. Und genau das war Oklahoma im Ursprung auch gewesen, denn durch die Vertreibung der Indianerstämme auf die westliche Seite des Mississippis, darunter die der Cherokee, Choctaw, Creek, Seminolen und Chickasaw, entstand dort das sogenannte Indianer-Territorium oder auch Indian Territory, das darüber hinaus für mehr als 20 Jahre als Sammelbecken und „Erholungsort” für jegliche Art von Verbrechern diente, da es außerhalb der Gerichtsbarkeit der USA lag. Die bekanntesten unter ihnen waren dabei die Daltons. Mutige Gesetzesvertreter wie der in Dänemark geborene Chris Madsen, Heck Thomas oder Bill Tilghman, der bereits zuvor in Dodge City den Stern des Gesetzes getragen hatte, aber auch viele andere tapfere „Sternträger” mehr durchforsteten das Indianer-Territorium auf der Suche nach kleinkriminellen Taschendieben sowie Mördern und anderen Schwerverbrechern, die entweder gleich vor Ort erschossen oder nach ihrer Verhaftung in einem Gefängniswagen über die Grenze nach Arkansas hinweg zum Fort Smith gebracht wurden, wo der berühmt-berüchtigte „Hängerichter” Isaac Charles Parker die Gefangenen, je nach Schwere ihrer Verbrechen, aburteilte, wobei sein Urteilsspruch „Tod durch den Strang!” endgültig war und in der Regel rasch vollstreckt wurde. Ein Urteil, welches den Protagonisten unseres Buches am Ende zwar erspart blieb, wenngleich es, wenn auch in anderer Art und Weise, schließlich doch noch vollstreckt werden sollte.
Doch will ich der Geschichte nicht vorgreifen und mit Ihnen, den Lesern und Leserinnen dieser Zeilen, eine Reise zurück in die Vergangenheit machen; in eine Zeit, in der der „Wilde Westen“ schon beinahe der Vergangenheit angehörte, und in der die einstigen großen Verbrecherbanden nach ihrem Ende bereits vom Hauch der Legende umwebt waren.
Neumünster, im Januar 2019
– der Autor –
Die lange Ahnenreihe der Familie Dalton lässt sich bis in die Zeit um das Jahr 1100 n. Chr. zurückverfolgen, als ein gewisser John I. le Sieu de Dalton in der heutigen Normandie in Frankreich geboren wurde. Sein Sohn John de Dalton I. verließ nach 1135 französischen Boden und wanderte in die Grafschaft Lancashire in England aus, wo weitere Generationen von Daltons in den Orten Bispham und Dalton und danach in Blackpool, Linton, Little Abington, Cambridgeshire und Yorkshire das Licht der Welt erblickten.
Die Begründung der amerikanischen Daltons begann mit einem gewissen William Dalton, der vermutlich um das Jahr 1650 herum von Yorkshire aus nach Fairfax, Virginia, auswanderte (William Dalton „Elder of Fairfax”). Weitere Generationen amerikanischer Daltons wurden in Virginia geboren, bis schließlich Urgroßvater Benjamin im Jahr 1794 seinen ersten Schrei tat. Zusammen mit seiner Frau Nancy Dalton, geborene Rabourn, zeugte er in Mount Sterling, Montgomery County, Kentucky, James Lewis Dalton, den Vater unserer Daltons, der am 16. Dezember 1826 das Licht der Welt erblickte. James Lewis diente ein Jahr lang im Krieg gegen Mexiko, wo er unter dem General und späteren US-Präsidenten Zachary Taylor dem 2. Regiment der Kentucky Foot Volunteers unterstellt war. Nach dem Krieg heiratete er am 12. März 1851 seine Frau Adeline Lee, geborene Wilson-Younger, und zog gemeinsam mit ihr nach Kalifornien. Diese Heirat ist aus historisch betrachtetem Blickwinkel heraus insofern interessant, als Adelines Halbbruder Henry der Vater von Cole, Jim, Bob und John Younger war, die an der Seite der beiden Brüder Frank und Jesse James einen eher schlechten Ruf als Bank-, Postkutschen- und Eisenbahnräuber genossen. Selbst die berühmt-berüchtigte „Queen of Bandits”, Mirabelle Shirley, alias Belle Starr, wurde durch die Heirat mit Adelines Bruder Bruce Younger eine Tante der Kinder der Daltons, wenn auch nur kurzfristig betrachtet.
Als Adelines Vater, Charles Younger, am 12. November 1854 starb, kehrte die Familie nach Missouri zurück, wo Adeline in Cass County, nahe Harrisonsville, rund 85 Hektar Land sowie eine schwarze Sklavin erbte und darüber hinaus mit ansehen musste, wie ihr Mann Lewis, der u. a. in Kansas City einen Saloon betrieb, außer dem Alkohol mittlerweile auch dem Kartenspiel verfallen war. Mehr recht als schlecht kam die Familie daher über die Runden und zog in den kommenden Jahren unstet im Mittleren Westen umher. Von Missouri aus nach Kansas, von dort weiter in das Indianer-Territorium und danach abermals wieder zurück nach Kansas, wobei die Anzahl der Familienmitglieder beständig weiter anwuchs. Selbst für die damaligen Verhältnisse, wo Familien mit acht oder mehr Kindern durchaus keine Seltenheit waren, schenkte Adeline sogar ganzen 16 von ihnen das Leben, wovon jedoch zwei nach der Geburt und eines im frühen Kindsalter starben. Die Geburtsliste liest sich danach wie folgt:
Charles Benjamin Dalton, 24.02.1852, Fort Supply, OK,
Henry Coleman Dalton, 25.11.1853, CA,
Lewis Kossuth Dalton, 01.01.1855, MO, (starb 7-jährig),
Bea Elizabeth Dalton, 14.03.1856, Carter, MO,
Littleton „Lit” Lee Dalton, 02.10.1857, Blue Cut, MO,
Lelia Dalton, 1858, MO, (starb kurz nach der Geburt),
Franklin „Frank” Dalton, 08.06.1859, Jackson County, Mo
Grattan Hanley„Grat” Dalton, 30.03.1861, Lawrence, KS,
William Marion „Bill” Dalton, 01.06.1865, MO,
Eva May Dalton, 25.06.1867, Belton, MO,
Robert Renick „Bob” Dalton, 13.05.1969, Belton, MO,
Emmett „Em” Dalton, 03.05.1871, Belton, MO,
Leona Randolph Dalton, 17.07.1875, Bates County, MO,
Nancy May Dalton, 11.03.1876, Bates County, MO,
Simon Noel „Si” Dalton, 06.07.1878, Belton, MO,
Hannah Adeline Dalton, 06.07.1879, Bates County, MO, (wurde nur einen Tag alt).
Die meisten der Kinder wuchsen im Grenzgebiet zwischen Kansas und Oklahoma auf und verdienten sich in späteren Jahren ihr Brot zumeist durch harte und ehrliche Arbeit. So zogen die Brüder Charles, Henry, Bill und Littleton nach Texas bzw. nach Montana, um dort Farmer zu werden, während Bruder Frank es sogar bis zum US-Deputy Marshal in Fort Smith schaffte, wo der bereits im Vorwort erwähnte „Hanging Judge” Isaac Charles Parker durch seine vielen Todesurteile bemüht war, Oklahoma möglichst schnell und nachhaltig von Mördern und anderen Gesetzlosen zu säubern. Frank Dalton selbst wurde später am 27. November 1887 von William Towerly, einem Mitglied der Smith-Dixon-Bande, erschossen, als er und sein Deputy James R. Cole dem Anführer der Bande David Smith eine gerichtliche Vorladung übergeben wollten – offensichtlich zu dessen äußerstem Missvergnügen, denn es entwickelte sich eine wilde Schießerei zwischen der Bande und den beiden Gesetzesvertretern, bei der sowohl Frank Dalton als auch Dave Smith am Ende erschossen wurden.
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