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Johnny Ringo war wohl eine der tragischsten Figuren in der Historie des amerikanischen Wilden Westens, der im Schatten anderer namhafter Gunfighter stand. Als "König der Cowboys" betitelt, nahm er gleich an zwei der blutigsten Privatfehden im Wilden Westen teil und sein früher Tod wirft auch heute noch Fragen auf. Der Autor nimmt den Leser und die Leserin mit auf eine Reise in die Vergangenheit des Wilden Westens und zeichnet den wahren Lebensweg von John Peters Ringo eindrucksvoll nach.
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Seitenzahl: 61
Veröffentlichungsjahr: 2025
Michael Franzen
Johnny Ringo
Outlaw und Revolvermann
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Kindheit und Jugend
Der Mason-County-Krieg
Tombstone
Das Ende und die Legende
Nachwort
Bibliografie
Bereits erschienen
Impressum neobooks
Johnny Ringo war eine der merkwürdigsten und tragischen Figuren in der Geschichte des amerikanischen „Wilden Westens“, der zudem im Schatten anderer großer „Revolvermänner“ wie z. B. Wyatt Earp, Doc Holliday oder „Wild Bill“ Hickok stand. Von seinen damaligen Mitmenschen und speziell der Zeitungspresse als „König der Cowboys“ betitelt – ob zu Recht oder zu Unrecht, sein einmal dahingestellt – galt Ringo zudem als ein gutaussehender, gebildeter Gentleman, der den Frauen gegenüber höflich auftrat und seinen Gegnern stets eine faire Chance gab, wenn es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung mit ihnen kam. Ob letztere Aussage der Wirklichkeit standhalten kann, werden wir im Verlauf dieses Buches noch näher ergründen. So schrieb der Biograf Steve Gatto über ihn:
„John Ringo hatte keinen Anteil an der Verbreitung der Folklore, die sich im 20. Jahrhundert entwickelte, als Schriftsteller, die sich oft nur auf Oldtimer-Behauptungen verließen, begannen, Bücher über westliche Figuren und Ereignisse im Wilden Westen zu veröffentlichen.“ Dennoch hat Ringo wahrscheinlich kaum Anstrengungen unternommen, um die verstümmelten Berichte über seine Vergangenheit oder die halb wahren Gerüchte zu korrigieren, die zu seinen Lebzeiten von Menschen verbreitet wurden, die nur über begrenzte Sachkenntnis verfügten.“
Obwohl seine Kindheit und seine Jahre als Heranwachsender eher spärlich dokumentiert sind, so ist die Zeit seines Wirkens in Texas und Arizona relativ gut beschrieben und bildet im Ergebnis ein spannendes Stück amerikanische Pioniergeschichte.
Begleiten Sie mich daher zurück in die Vergangenheit, um gemeinsam den längst verwehten Spuren Johnny Ringos zu folgen, die in dem Städtchen Washington in Indiana ihren Anfang nahmen und die in der Wildnis von Arizona schließlich jäh endeten.
Neumünster, im Februar 2024
- der Autor -
Bevor wir uns näher mit der Lebensgeschichte von Johnny Ringo beschäftigen, möchte ich eine immer wieder gerne zitierte Aussage aufgreifen, die sich um seinen Nachnamen rankt, der in vielen Quellennachweisen immer noch mit dem in Klammern stehenden Zusatz „Ringgold“ ergänzt wird, was bis in die heutige Zeit hinein dann auch noch als ein klares Indiz dafür gewertet wurde, dass Johnny Ringos Vorfahren ursprünglich in Deutschland ihre Wurzeln gehabt hatten. Um diese Aussage zu überprüfen, müssen wir uns zunächst einmal nach Schottland und dem nordöstlichen Teil Englands begeben, wo der Name „Ringgold“ als ein historischer (wenn auch seltener) Name 1591 erstmals in Bezug zu Landkäufen und Landübertragungen Erwähnung fand, wobei sogenannte „ring golds“ auch als Währung verwendet wurden. Im Lauf der Jahrhunderte breitete sich der Name Ringgold mit all seinen verschiedenen Schreibvarianten – u. a. Ringgolt, Ringgill, Ringdolte, Ringdale, Ringgould, Ringdüll, Ringdoll, Ringcool, Ringkohl – in alle Teile der Welt aus, so lebten alleine 2015 in den USA ca. 42.150 Personen mit diesem Nachnamen und auch in vielen anderen Ländern ist der Name weit verbreitet, neben Großbritannien, Irland und Kanada, vor allem in Norwegen, Schweden, Frankreich und in Deutschland, wo der Name im Mittelalter insbesondere in Baden, Thüringen und Bayern geläufig war.
Mag die Geschichte der Ringgolds für den einen oder anderen Historiker möglicherweise interessant sein, so hat sie jedoch mit unserer Geschichte über die Vorfahren von Johnny Ringo rein gar nichts zu tun, denn diese beginnt in meinem Buch tatsächlich mit einem Philip Janszen (Jansen) Ringo, der um das
Jahr 1615 herum im niederländischen Küstenort Vlissingen in der Provinz Zeeland geboren wurde.
Vlissingen galt zu jener Zeit als wichtiger Hafen für die Fischerei, Freibeuterei sowie den Waren- und Sklavenhandel. Als Mitbesitzer der Fregatte La Garce war Philip Ringo mit der Aufgabe betraut, Waren für die Niederländische Westindien-Kompanie zu transportieren, darunter Zucker aus Westindien sowie Biberfelle aus den Neu-Niederlanden in Nordamerika. Darüber hinaus unternahm die La Garce auch Kaperfahrten und konnte im Mai 1644 einen spektakulären Erfolg verbuchen, als es ihr gelang, zwei spanische Schiffe in der Karibik aufzubringen und deren Ladung, bestehend aus Tabak, Zucker, Ebenholz und Weinfässer, zu erbeuten.
Am 08. November 1647 heiratete Philip seine Frau Geertruijde Cornelisse, geborene Trommels in Neu-Amsterdam. Zusammen hatten sie fünf Kinder, darunter eine Tochter sowie vier Söhne. Zusammen mit seiner Familie wanderte Philip Ringo nach Nordamerika in die niederländische Kolonie am Delaware aus, wo sich mittlerweile 26 Familien rund um das Fort Casimir angesiedelt hatten. Dort wurde ein weiterer Sohn, Jan, im Jahr 1652 geboren. Am 12. September 1656 erwarb Philip ein Stück Land am South River bei Fort Casimir, oberhalb des Brickmaker’s Hook, doch im Mai 1658 lebte die ganze Familie in Neu-Amsterdam. Bis in das Jahr 1662 hinein fuhr Philip Ringo weiter zur See, bis er im Alter von 47 Jahren auf einer Frachtreise von Nordamerika nach den Niederlanden von seinem Schiff, der New Nederland Indian, über Bord gespült wurde und dabei in den kalten Fluten des Atlantiks ertrank.
Die Ringos hatten sich mittlerweile in Nordamerika etabliert und die weitere Ahnenreihe setzt sich über Albertus Philipszen Ringo weiter fort, der am 09. Juli 1656 als dritter Sohn der Familie in Neu-Amsterdam geboren wurde. In seiner Jugend war er als Schuh- und Stiefelmacher, wahrscheinlich bei den Ten Eycks, einer Gerber- und Schuhmacherfamilie in der Broad Street von Neu-Amsterdam, tätig, die 1664 von den Briten unter Jakob II. (engl. James II.), dem Herzog von York, eingenommen und in New York City umbenannt wurde. Am 13. August 1679 heiratete er die in Neu-Amsterdam gebürtige Jannetje Stoutenburg und erwarb ein Grundstück an der nordöstlichen Ecke der Broad Street und dem späteren Exchange Place, wo er ein Häuschen baute und daneben eine Werkstatt betrieb. Das Ehepaar bekam insgesamt acht Kinder, darunter drei Söhne und fünf Töchter. 1693 wurde Albertus zum Polizisten und am 30. August 1698 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Im Jahr 1706 zogen die Ringos von New York aus in das benachbarte New Jersey, wo sie sich in der Nähe der heutigen Stadt Trenton niederließen. Albertus starb dort im Jahr 1734 in Hunterdon County.
Die Ahnenreihe der (für uns interessanten) Ringos setzt sich über den ältesten Sohn der Familie, Philip Ringo, weiter fort, der später am 15. Mai 1721 Jane Cook heiratete, mit der er zusammen fünf Söhne zeugte. Philip übte mehrere Berufe aus. Er war zunächst Schuster, dann Müller und Richter und danach Gastwirt, bevor er am 10. Mai 1757 ebenfalls in Hunterdon County, New Jersey verstarb.
