Jesse James - Michael Franzen - E-Book

Jesse James E-Book

Michael Franzen

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Beschreibung

Jesse James galt bereits zu Lebzeiten als Legende des Wilden Westens und erwarb sich zusammen mit seinem Bruder Frank und den Gebrüdern Younger den Ruf eines skrupellosen Bank-, Postkutschen- und Eisenbahnräubers, der anders als die Legende, zu keiner Zeit der "Robin Hood" des Wilden Westens war, der die Reichen bestahl, um es den Armen zu geben. Der Autor verfolgt in seinem Buch den Lebensweg von Frank und Jesse James von der Kindheit bis zu Jesses Tod durch das Bandenmitglied Bob Ford.

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Seitenzahl: 87

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Michael Franzen

Jesse James

Mythos und Wirklichkeit

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Kindheit und Jugend

Guerillakrieg

Nachkriegsjahre

Rollende Ziele

Der Überfall von Northfield

Der letzte Akt

Das Ende von Jesse James

Die Jahre danach

Nachtrag

Bibliografie

Bereits erschienen

Impressum neobooks

Vorwort

Bereits zu Lebzeiten galt Jesse James als eine Legende. In mehreren Bundesstaaten, darunter Missouri, Kansas, Kentucky, Iowa und West Virginia, verbreiteten er und seine Bande Angst und Schrecken, wobei Jesse die ausführende Hand war, der seine Überfälle mit einer Gelassenheit und Kühnheit ausführte, die nur wenigen Männern seiner Zeit zu Eigen war, während Jesses älterer Bruder Frank, ein intelligenter und gebildeter Mann, viele der Überfälle der Bande plante, so auch jenen Coup, bei dem Jesse vor den Augen von mehreren tausend Besuchern den Ticketschalter eines Vergnügungsparks ausraubte. Nach Beendigung des amerikanischen Bürgerkriegs, in dem Jesse und sein Bruder Frank das Handwerk des Tötens gründlich erlernt hatten, genossen sie bei ihren blutigen Überfällen auf Banken, Postkutschen und Eisenbahnzüge bei vielen ehemaligen Südstaatlern einen hohen Sympathiegrad, da sie als Symbolfigur des Widerstands gegen die verhassten „Yankees“ auch weiterhin gegen den Norden kämpften, wobei Jesse sogar als ein moderner „Robin Hood“ betitelt wurde, der lediglich die Reichen (Nordstaatler) beraubte, um es den Armen (Südstaatlern) zu geben – eine schöne Legende, die natürlich längst widerlegt ist, wenngleich der spätere US-Präsident Harry S. Truman im März 1949 einmal dazu meinte:

„Jesse James war im Grunde seines Herzens kein schlechter Mensch. Ich habe sein Leben sorgfältig studiert und ich komme aus seiner Gegend. (Truman wurde am 08. Mai 1884 in Lamar, Missouri, geboren – Anm. d. Verf.) Jesse James war lediglich eine Art moderner Robin Hood gewesen. Er bestahl die Reichen und beschenkte die Armen, was, allgemein betrachtet, gar kein so verabscheuungswürdiges Vergehen ist. Ich bin überzeugt, dass Jesse zu einem vorbildlichen Bürger geworden wäre, wenn er nicht durch eine Verkettung unglücklicher Umstände auf die schiefe Bahn geraten wäre.“

Diese Aussage Trumans, durch die berühmte rosarote Brille betrachtet, ist durch die moderne Geschichtsschreibung natürlich längst widerlegt worden, wobei die nüchternen Fakten und Beweise in Bezug auf Amerikas berühmtesten Banditen und „Nationalhelden“ eine ganz andere Sprache sprechen.

Doch, der Reihe nach. Bevor wir zu einem abschließenden Urteil über Frank und Jesse James und natürlich auch über deren Bandenmitglieder, insbesondere die Gebrüder Younger, kommen, lassen Sie uns zunächst gemeinsam eine Reise zurück in die Vergangenheit machen, die auf einer einsam gelegenen Farm nahe Kearny in Missouri ihren Anfang nimmt, als einer der berühmtesten Outlaws Amerikas dort, an einem Sonntag, seinen ersten, wenn auch weniger historischen Schrei ausstieß.

Neumünster, im Oktober 2018

– der Autor –

Kindheit und Jugend

Die Geschichte der Familie James beginnt im „Good Old England“, wo Franks und Jesses Urgroßvater William James Sr. um das Jahr 1754 in dem Dorf Kings Stanley in Cloucestershire, Wales, geboren wurde. Er heiratete später die im selben Ort geborene Nancy Mary Hines, und gemeinsam emigrierte das junge Paar hinüber in die Vereinigten Staaten, wo sie sich bei Lickinghole Creek, Goochland, Virginia, niederließen. Zusammen hatten sie neun Kinder, darunter Reverend John Martin James, der 1775 in Hanover County, Virginia, geboren wurde und später zusammen mit seiner Frau Mary nach Kentucky zog, wo sie sich in Logan County niederließen und ebenfalls die stattliche Anzahl von neun Kindern zeugten.

Robert Sallee (Salleus) James, Frank und Jesses Vater also, wurde am 07. Juli 1818 in der Nähe von Big Whippoorwill Creek in Lickskillet, Logan County, im südwestlichen Kentucky, geboren. Er wurde ein Baptistenprediger, baute als Pflanzer in Kentucky Hanf an und heiratete am 28. Dezember 1841 die in Woodford County, Kentucky, geborene 16-jährige Zerelda Elizabeth Cole. Ein Jahr nach ihrer Hochzeit zog das Ehepaar nach Clay County, in die Nähe des heutigen Kearny, Missouri, wo bereits Zereldas Mutter sowie ihr Stiefvater lebten. Robert pendelte während dieser Zeit zwischen Missouri und Kentucky hin und her, um am Georgetown College in Georgetown, Kentucky, seine Ausbildung zum baptistischen Geistlichen zu absolvieren, die er im Jahr 1843 mit dem Bachelor of Arts abschloss. 1849 half er bei der Gründung des William Jewell College in Liberty, Missouri. Darüber hinaus besaß er sechs Sklaven sowie rund 40 Hektar gutes Ackerland. Am 10. Januar 1843 wurde ihr erster Sohn, Alexander Franklin „Frank“ James, geboren. Als Kind zeigte er Interesse am Lesen, insbesondere an den Werken von William Shakespeare, und besuchte, wissbegierig, regelmäßig den Schulunterricht, wobei er sich vornahm, später selber einmal Lehrer werden zu wollen – ein frommer Wunsch, der, wie wir ja heute wissen, niemals in Erfüllung gehen sollte. Der zweite Spross der Familie – Robert Reuben James – wurde am 19. Juli 1845 geboren, doch das Kind verstarb bereits wenige Wochen nach seiner Geburt, bevor schließlich der dritte Sohn und Hauptfigur dieses Buches, Jesse Woodson James, am 05. September 1847 das Licht der Welt erblickte. Eine weitere Tochter, Susan Lavenia, wurde am 25. November 1849 geboren.

Infolge des Goldrauschs von Kalifornien und weil er dort seinen Bruder Drury Woodson James besuchen wollte, verließ Robert James im April 1850 seine Familie in Missouri und folgte zusammen mit seinem Freund William Singer den Tausenden von Abenteurern und Goldsuchern nach Kalifornien, um dort zu schnellem Reichtum zu gelangen. Im August hatten sie den Staat schließlich nach einer langen und anstrengenden Reise erreicht, doch dort angelangt, wendete sich das Schicksal gegen Robert, denn er erkrankte schwer und verstarb schließlich am 18. August 1850 im Hangtown Gold Camp, welches später in Placerville umbenannt wurde, an einem „starken Fieber“, wahrscheinlich der Cholera. Er wurde anschließend in einem unmarkierten Grab beerdigt. Die Witwe James daheim in Missouri stand unvermittelt alleine mit ihren Kindern da, und in Anbetracht dieses Umstands war es schon fast bemerkenswert, dass sie erst am 30. September 1852 ihren zweiten Ehemann, den Nachbarfarmer Benjamin Simms, heiratete. Die Ehe stand jedoch von Beginn an unter keinem guten Stern. Simms behandelte seine Stiefkinder schlecht, und als er zudem versuchte, Zereldas ganzen Besitz auf seinen Namen überschreiben zu lassen, war für sie das Fass des Erträglichen endgültig übergelaufen. Sie reichte sofort die Scheidung ein, doch noch bevor diese vor dem Gesetz auch rechtsgültig wurde, kam das weitere Schicksal der Familie helfend entgegen, als Simms am 02. Januar 1854 von seinem Pferd stürzte und sich dabei den Hals brach.

Mit Ehemann Nummer drei, dem aus Kentucky stammenden Dr. Reuben Samuel, kam die Familie hingegen weitaus besser aus. Er war sanft, voller Zuneigung, und galt den Kindern gegenüber als ein guter Vater und Freund. Sie genossen unter ihm und ihrer Mutter ein gutes Zuhause und eine gute Kindheit, und es lag daher sicher nicht an dem oftmals zitierten „schlechten Elternhaus“, weswegen Frank und Jesse später auf die schiefe Bahn gerieten. Die Ehe wurde am 25. September 1855 vollzogen und gemeinsam hatte das Paar vier weitere Kinder – Sarah „Sallie“ Louisa (26. Dezember 1858), John Thomas (25. Dezember 1861), Fanny Quantrill (18. Oktober 1863) sowie Archie Peyton (26. Juli 1866). Laut den damaligen zeitgenössischen Berichten schlossen Frank und Jesse fast spielend Freundschaft zu den anderen Jugendlichen aus ihrer Nachbarschaft und übernahmen dabei oftmals auch deren Anführerschaft. Sie erlernten den Umgang mit Schusswaffen und gingen auch auf die Jagd. Zerelda vergötterte ihre Kinder, vor allem Frank, den sie „Mister Frank“ nannte, während Jesse ihn einfach Frank oder „Buck“ nannte. Von Frank selbst erhielt Jesse den Spitznamen „Dingus“, womöglich deshalb, weil er durch seinen unfreiwilligen Humor oder sein Verhalten andere aus der Gruppe spontan zum Lachen brachte. Darüber hinaus galt er dem weiblichen Geschlecht gegenüber als ein charmanter Kavalier.

Die harmonische Ruhe in Missouri sollte sich jedoch zur Mitte der 1850er Jahre ins Gegenteil verkehren. Durch das Kansas-Nebraska Act von 1854, bei dem sich die Bürger des zukünftigen Staates Kansas selbst entscheiden sollten, ob sie dort die Sklaverei einführen wollten oder nicht, kam es mehr und mehr zu Gewaltakten in dem neuen Territorium. Bewaffnete Männer aus Missouri, die sogenannten Border Ruffians, zogen ins Kansas-Territorium, um dort mit Waffengewalt zu versuchen, die Sklaverei wie schon zuvor in Missouri zu etablieren. Gegenwehr bildete sich und Gruppen von Abolitionisten, die Jayhawkers, lieferten sich blutige Scharmützel mit den Befürwortern der Sklaverei. Namen wie James Henry „The Grim Chieftain of Kansas“ Lane oder John Brown wurden zum Pseudonym eines dunklen, sich anbahnenden Gewittergrollens, das weit über die Grenzen von Missouri und Kansas hinweg die ganze Nation 1861 in einen großen Bruderkrieg stürzen sollte – den amerikanischen Bürgerkrieg, in dessen Wirren am Ende auch Frank und Jesse James hineingezogen wurden.

Guerillakrieg

Bereits vor dem offiziellen Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs durch den Beschuss von Fort Sumter im Hafen von Charleston, South Carolina, am 12. April 1861, hatten sich im Grenzgebiet von Missouri und Kansas bereits Guerillagruppen etabliert. Auf Seiten der Gegner der Sklaverei standen dabei die Redlegs und die Jayhawkers; letztere unter der Führung von James H. Lane, der sich die Sklavenbefreiung und die Unterdrückung der Sezession auf die Fahne geschrieben hatte. Mit selbig wehender ritten er und seine Kansas-Brigade am 23. September 1861 in den 2.000-Seelen-Ort Osceola in Missouri ein, wobei 200 Sklaven befreit, 17 Sezessionisten getötet sowie acht weitere verwundet wurden. Anschließend wurde die Stadt geplündert und niedergebrannt. Die Antwort der Südstaatler erfolgte am 21. August 1863. William Clarke Quantrill führte seine Guerillatruppe nach Lawrence, Kansas. Die Stadt wurde geplündert und gebrandschatzt, nachdem zuvor 185 Männer und Jungen massakriert und zahlreiche Frauen vergewaltigt worden waren. 154 Gebäude wurden zerstört und Frank James war, anders als sein jüngerer Bruder Jesse, mit Sicherheit an dem Überfall beteiligt gewesen:

„Quantrill steht für den häufigen Fall eines jungen Mannes, dessen Ambitionen größer waren als das, was er erreicht hatte, der sich Reichtum und Erfolg wünschte, der jedoch zu ungeduldig und zu unfähig war, beides zu erlangen; und der begann, sein Versagen und die Welt, die daran schuld war, abzulehnen. Er hielt sich selbst für einen besonderen Menschen, der über den Gesetzen stand, die nur für andere galten (…) Fehlschläge verbitterten und frustrierten ihn. Sie ließen ihn verzweifelt darum ringen, sich selbst und anderen seine Überlegenheit zu beweisen. Wir haben es mit einem Paranoiden zu tun. Und Paranoide schreiben Geschichte – und das ist ein Unglück für die Menschheit.“

Albert Castel, „WILLIAM CLARKE QUANTRILL, HIS LIFE AND TIMES“, Norman 1999

Quantrill